Diskreditierungsjournalismus: Ein Denkmal für David Berger

Einst haben die deutschen Sozialwissenschaften einen Werturteilsstreit ausgefochten. Ziel der damaligen Gewinner: Forschung von Werturteilen freihalten, um valide und nachvollziehbare Ergebnisse zu produzieren.

Journalisten haben sich einen Kodex gegeben. Ziel: Die Berichterstattung von Suggestion und Bewertung freihalten, um den Konsumenten von Nachrichten die Möglichkeit zu geben, sich ein eigenes Urteil auf Grundlage von Fakten zu bilden.

Heute erleben wir täglich, dass die Sozialwissenschaften zum Tummelplatz von ideologischen Aktivisten geworden sind, deren einziges Ziel darin besteht, das, was sie für richtig halten (warum wissen sie oft selbst nicht), mit dem Mantel der Wissenschaft zu umhüllen.

Heute sind wir mit Journalisten konfrontiert, die bewertende Adjektive mit einer Freude in ihre Texte streuen, die nur den Schluss zulässt, dass sie nicht einmal mehr den Versuch unternehmen, Fakten ohne die ideologische Tönung zu berichten, die sie selbst für die richtige halten.

Am schlimmsten sind diejenigen, die sich als Journalisten im Auftrag der Wahrheit ausgeben, die andere enttarnen, Fake News aufdecken oder Fakten finden wollen. Sie sind beseelt, haben eine Mission, wenn schon häufig keine adäquate Ausbildung und keine Qualifikation.

Correctiv.org ist ein Hort derartig missionarisch Tätiger. Unter dem Titel „echt jetzt!“ klärt Correctiv fast täglich die wenigen, die den Blog von Correctiv lesen, darüber auf, welcher ideologische Feind heute aus ihrer Sicht eine Verfehlung begangen hat.

In der neuesten Variante dessen, was wir Diskreditierungsjournalismus nennen, geht es darum, David Berger, den Betreiber von Philosophia Perennis zu diskreditieren. Warum? Weil Bergers Blog zu den erfolgreichsten Blogs deutschlandweit gehört und Zugriffszahlen an einem Tag aufzuweisen hat, die Correctiv in einer Woche nicht aufzuweisen hat.

Caroline Schmüser, die für den Diskreditierungsversuch verantwortlich ist, hat viel Text produziert, um zumindest den Eindruck zu erwecken, sie wolle Berger gerecht werden.

Nachdem ein geraffter Teil der Lebensgeschichte von David Berger, den man mit, von der katholischen Kirche über das Outing als schwul zum Kritiker des Islam, überschreiben kann, dem Leser zugemutet wurde, und sich der Leser fragt, was dieses Wühlen im privaten Leben anderer, was dieser pseudo-journalistische Voyeurismus soll, wird schnell klar, worum es Schmücker mit diesem Beitrag geht: Diskreditierung.

Hier die Anklageschrift:

Berger treibe seine Kritik am Islam mit seinen Schlagzeilen auf die Spitze.

Wir haben bislang immer gedacht, Schlagzeilen seien dazu da, einen Beitrag pointiert zu überschreiben. Aber scheinbar ist man bei Correctiv der Ansicht, Überschriften dürften nicht pointiert sein. Warum Schmücker den eigenen Beitrag über Berger mit „Ein Theologie im Kampf gegen ‚Islamisierung‘ und ‚Nanny-Medien‘ auf die Spitze getrieben hat, ist so betrachtet entweder ein Mysterium oder ein Widerspruch oder der Ausdruck von Heuchelei.

Berger verbreite Falschmeldungen und Spekulationen

Der Vorwurf ist wie ein Boomerang, er kommt zurück, denn die nächste Zwischenüberschrift bei Schmücker lautet: „Fehlende Unabhängigkeit, große Beliebtheit?“ Das ist mindestens eine Spekulation, vielleicht auch eine insinuierte Falschmeldung. Dazu gleich mehr.

Zunächst zu den Falschmeldungen, die Berger vorgeworfen werden (die Spekulationen lassen wir aus, das ist wirklich zu lächerlich. Wenn man alle Aussagen, die als Spekulationen gelten, von Tagesschau oder Correctiv streichen wollte, hätten beide so gut wie nichts mehr zu sagen).

Falschmeldungen sind so alt, wie die Medien. Früher haben Zeitungen regelmäßig Gegendarstellungen gedruckt, weil sie eine Ente verbreitet haben. Dass man ausgerechnet einem Ein-/Zweimannblog vorwerfen will, dass sich unter den vielen Meldungen, die Berger pro Tag verbreitet, auch einmal eine oder zwei Falschmeldungen befinden, ist so als wollte man einem Nachrichtensprecher jeden Versprecher als Kriminalität gegen die deutsche Sprache auslegen. Hinzukommt, dass Blogs, alternative Blogs, bei weitem nicht die Ressourcen haben, auf die z.B. Correctiv zurückgreifen kann, das eine lange Liste von institutionellen Spendern hat, die mit ihren Spenden eigene Agenden verfolgen, von der Bundeszentrale für Politische Bildung, über Open Society von George Soros bis zur Stiftung Vielfalt und Partizipation. Wer mehrere 10000 Euro spendet, der will auch Einfluss auf die Themen nehmen, vielleicht sogar bestimmte Diskreditierungsartikel bestellen. Aber natürlich ist das rein spekulativ. Nur sind manche Spekulationen glaubwürdiger als andere.

Vorwurf: „Fehlende Unabhängigkeit, große Beliebtheit?“

Wenn aus der intoleranten Ecke der Ewiggestrigen, die sich nicht an die neue Zeit gewöhnen können, ein Vorwurf kommt, von dem sich die Vorwerfenden versprechen, dass er diskreditierend wirkt, dann lautet dieser Vorwurf: Nähe zur AfD. Schmüser gibt sich einige Mühe, die Nähe von David Berger zur AfD herbeizuschreiben und quasi als Coup de Grace seiner öffentlichen Diskreditierung zu benutzen.

Ewiggestrig eben.

Selbst wenn Berger AfD-nahe sein sollte, wäre der Schluss von seiner AfD-Nähe auf eine fehlende Unabhängigkeit ein Schluss, der zu belegen wäre. Belege fehlen. Schließlich geht es um Diskreditierung, nicht um fairen Umgang. Wären wir nicht Fairness verpflichtet, dann könnten wir darauf hinweisen, dass es keinerlei Hinweise darauf gibt, dass David Berger von der AfD finanziell unterstützt wird, aber es Belege dafür gibt, dass Correctiv von der Open Society Foundation von Soros finanziert wird. Wenn man versucht, andere mit Bewertungen zu diskreditieren, wie Schmüser das tut, dann muss man sich im Klaren darüber sein, es mit einem zweischneidigen Schwert zu tun zu haben: Den Claqueuren, denen es ausreicht, wenn man ihnen AfD zuruft, damit sie was auch immer und wen auch immer ablehnen, stehen die gegenüber, auf die der Name Soros denselben Effekt hat. Deshalb ist es immer besser zu argumentieren. Deshalb haben Sozialwissenschaftler versucht, Werturteile aus ihrem Gegenstandsbereich herauszuhalten. Deshalb haben sich Journalisten einen Ethos gegeben.

Heutige Journalisten-Darsteller scheinen davon noch nie gehört zu haben: Sie bewerten und diskreditieren als Berufszweck, vielleicht auch deshalb, weil sie nicht argumentieren können.

So schreibt Schmüser:

Geldgeber von Correctiv.org

„[A] Es wirkt widersprüchlich: Während Berger die etablierten Medien für ihre angebliche Regierungsnähe kritisiert, scheint Berger selbst zum Sprachrohr einer Partei zu werden. [B] Während er Medien der Verzerrung der Wahrheit beschuldigt, verbreitet er selbst über seinen Blog Falschmeldungen.“

[A] ist kein Widerspruch, denn der Mittelterm des Syllogismus ist einmal Regierung und einmal Partei. Korrektes logisches Folgern setzt einen identischen Mittelterm voraus. Nachzulesen in jedem Lehrbuch der Aussagen-Logik.

[B] ist ebenfalls kein Widerspruch: Ob die Aussage, dass Medien die Wahrheit verzerren, richtig ist, ist unabhängig davon, ob Berger ein, zwei, drei oder fünfzehn Falschmeldungen im Monat, Jahr, halben Jahrhundert verbreitet.

Zumindest rudimentäre Kenntnisse der Argumentation sollte man bei denen, die sich als Journalist versuchen wollen, voraussetzen können. Aber das kann man nicht. Denn es handelt sich nicht um Journalisten. Es handelt sich um politische Aktivisten, die ohne eine journalistische Qualifikation über andere Gericht halten, andere bewerten wollen.

Jede Gesellschaft hat ein Problem mit Personen, deren Qualifikation nicht nachgefragt wird. Douglas Adams hat dieses Problem in seiner Serie über die, die per Anhalter durch die Galaxis reisen, dahingehend gelöst, dass alle nutzlosen Berufsinhaber in ein Raumschiff gesetzt und ins Weltall befördert wurden. Das Raumschiff ist auf der Erde gelandet. Das Problem wurde also nicht wirklich gelöst.

Mehr zum Thema:

Correctiv und Mediengruppen

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3 Responses to Diskreditierungsjournalismus: Ein Denkmal für David Berger

  1. eht says:

    Wer ist denn correctiv.org? Kenne ich nicht.

    Nein, Unsinn, kenne ich natürlich. („Wir prüfen Fakten, nicht deren Absender. Und, noch wichtiger: Wir prüfen Fakten und Tatsachenbehauptungen, aber keine Meinungen.“)

    Habe allerdings subjektiv den Eindruck, das Projekt hat seit seiner Geburt an Bedeutung verloren. Ich bin ja prinzipiell skeptisch, wenn (zumal jüngere) Journalisten forsch beanspruchen, den besseren Journalismus zu liefern und Kolleg/innen zu erziehen, so eine Art hehren ARD-Faktenfinder spielen, nur nicht von der ARD. Herr Berger hat auf seiner Website erläutert, warum er „einer mir nicht näher bekannten Caroline Schmüser“ kein Interview geben mochte. (Die sich nun fragt: „ … Was steckt dahinter? Welche Gedanken bewegen ihn dabei? Mit David Berger konnten wir leider nicht über diese Fragen reden: Ein Interview, um das wir ihn baten, lehnte er ab.“) Ob Frau Schmüser es auch erfrischend fände, wenn ihr Lebenslauf und ihre mutmaßlichen politischen Lieben inklusive dem ein oder anderen Zitat unter die Lupe genommen würden?

  2. Pingback: Correctiv und Mediengruppen – luisman's blog

  3. Pingback: A Peek Into Correctiv – Goldstein

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