ARD kann es nicht lassen: Neuer Tag, neue Lügengeschichte

Lesen Sie bitte zunächst diesen Text von Jens-Peter Marquardt bei der ARD.

5 Minuten Lesezeit.
Informationsgehalt: sehr gering.
Versuch der Manipulation: umfassend.
Umsetzung der Manipulation: primitiv.
Lügenanteil: hoch.

 „Drinnen Brexit, draußen Protest“, so überschreibt der ARD-Schreiber, den Gebührenzahler finanzieren, seinen Text.

Und dann kommt der Text, dessen manipulativen Gehalt, man formal wie folgt zusammenfassen kann.

Der erste Teil des Textes spielt „draußen“. Draußen gibt es die schwachen und ängstlichen Weibleins, die sich Onkel Jens-Peter anvertrauen: „Sandra aus Schottland“ zum Beispiel. “Sandra aus Schottland” hat nur darauf gewartet, Onkel Jens-Peter zu beichten, dass sie Angst vor dem BREXIT hat. „Auch Wendy aus Southampton“ hat Angst, vor leeren Regalen und Armut, denn mit dem BREXIT werden wir alle ärmer und sogar die Lebensmittel werden rationiert. Kein Blödsinn ist groß genug, als dass man ihn nicht Onkel Jens-Peter erzählen könnte, nichts ist blöd genug, als dass es Onkel Jens-Peter es nicht ernst nehmen würde, oder “Wendy aus Southhampton” in den Mund legen würde, und kein Blödsinn ist groß genug, als dass Onkel Jens-Peter nicht denken würde, er könnte ihn an die Leser der Tagesschau durchreichen ohne sich lächerlich zu machen.

Verantwortlich für die Angst von „Sandra aus Schottland“ und die Furcht, zu verhungern, die „Wendy aus Southampton“ quälen soll, sind “die drinnen”, die Tories, die „Hardcore-Brexiters“. Wir hier draußen und die da drinnen, so die Botschaft von Marquardt, die nach Ansicht der Amadeu-Antonio-Stiftung aufgrund der Differenzierung nach „wir“ und „die“ Rassismus darstellt.

Aber es ist kein Rassismus, es ist Sexismus in einer Art und Weise, die man im 20. Jahrhundert nicht mehr für möglich gehalten hätte.

Onkel Jens-Peter, der Beschützer der verängstigten und von Armutsfurcht geplagten hilflosen Weibleins, die am 1. Oktober 2018 im Birminghamer Spätsommer auf dem „Victoria Square“ draußen ausharren müssen, weiß genau: der Feind ist weiß und männlich. Er kommt in Form des fast-„Messias“ Jacob Rees-Mogg. Ein weißer Mann, der drinnen im Warmen die Angst und die Furcht der Weiblein, die unter dem persönlichen Schutz von Onkel Jens-Peter stehen, nicht ernst nimmt. Im Gegenteil: Er wischt Angst und Furcht vom Tisch:

[Marquardt schreibt:] „Chequers? Kanada plus? Alles Quatsch. Rees-Mogg braucht kein Abkommen, er will einfach raus und keinen Penny mehr an die EU zahlen. „Wir sind wie Gulliver. Lasst uns die Fesseln abstreifen, die uns die EU-Liliputaner angelegt haben, und wieder zu einem richtigen Riesen werden“.

Onkel Jens-Peter nennt sich Journalist. Er arbeitet für die ARD. Lügen liegt ihm nahe.

Jacob Rees-Moog hat tatsächlich gesagt:

“There’s a brilliant report by the House of Lords from March last year with a committee mainly of Remainers saying the legal position is absolutely clear.

“If we leave on World Trade Organisation (WTO) terms we are under no obligation to pay a penny – not a brass farthing.

Wie wir auf ScienceFiles schon vor einiger Zeit dargelegt haben, gab es vor der Europäischen Union bereits Handelsbeziehungen, und es wird sie auch nach der Europäischen Union geben, obwohl manche Ewiggestrigen, denen Wandel verhasst ist, die Angst vor Veränderung haben, der Ansicht zu sein scheinen, die Handelswelt haben mit der EU begonnen. Dem ist nicht so.

Es gibt das GATT-Abkommen (General Agreement on Tariffs and Trade), das TBT-Abkommen (Agreement on Technical Barriers to Trade) und das SPS-Abkommen (Agreement on Sanitary and Phytosanitary Measures), gewöhnlich unter der Bezeichnung WTO-Abkommen zusammengefasst. 

Sie alle wurden von der EU und von allen EU-Mitgliedsstaaten unterzeichnet. Verlässt das Vereinigte Königreich die EU ohne einen Deal mit der EU, gibt es also einen Hard-Brexit, was wir bei ScienceFiles hoffen, dann werden Handelsbeziehungen zwischen den Ländern der EU und dem Vereinigten Königreich automatisch auf Grundlage von GATT, TBT und SPS abgewickelt.

Jacob Rees-Mogg hat in seiner Rede nicht nur nicht gesagt, dass Chequers und Kanada Plus Quatsch ist, das ist eine Erfindung von Lügenonkel Jens-Peter, er will auch die EU nicht ohne Vertrag verlassen, ganz einfach deshalb nicht, weil es bereits einen entsprechenden Vertrag gibt.

Zu Chequers hat Rees-Mogg im Übrigen gesagt:

 “The Labour Party doesn’t like it and will vote against it; the Conservative Party doesn’t seem to like it and we will vote against it; and the EU won’t accept it.

“The three bodies that you need to get onside will all be opposed to it, and that makes it very hard to get through Parliament.”

Das nennt man politischen Realismus. Wenn man sieht, dass ein Plan keine Mehrheit findet, dann lässt man ihn fallen. Im Gegensatz zum politischen Realismus steht der eifrige Aktivismus, wie ihn Menschen an den Tag legen, die mit bestimmten ideologischen Inhalten eine autoerotische Beziehung eingegangen sind, die in Texten bei öffentlich-rechtlichen Sendern in einer Weise onanieren, die diejenigen, die immer noch versuchen, die Textgattung entsprechender Texte zu bestimmen, in Verzweiflung zurücklässt. Um diese Verzweiflung ein für alle Mal zu beseitigen, schlagen wir vor, Texte, wie den von Jens-Peter Marquardt, die weder Reportage noch Bericht noch Kommentar sind, als „autoerotische Wortonanie“ zu bezeichnen, vielleicht könnte man noch eine Triggerwarnung seitens der ARD anbringen. Nicht jeder will vermeintlichen Journalisten, die er aus seinen Gebühren finanziert, bei der Onanie zusehen müssen.

Der Vollständigkeit halber:

Rees-Mogg hat auch nicht von EU-Liliputanern gesprochen. Auch das ist eine Erfindung von Marquardt.

Rees-Mogg im O-Ton:

“We have been Gulliver. Let us cut the ropes that the Lilliputians have tied onto us and show our giant form once again.”

Der Satz bildet die Überleitung zwischen der Möglichkeit, die EU auf Grundlage von WTO-Abkommen zu verlassen und dem Teil, in dem Rees-Mogg die Vorteile eines zum freien Handel befähigten Vereinigten Königreichs beschreibt.

Rees-Mogg hat auch den Kanada Plus Plan nicht abgelehnt, wie Marquardt behauptet. Er hat vielmehr, gerichtet an Theresa May, gesagt:

“Adopt Canada-plus-plus, seal the deal. If you want to call is Chequers 2 then that’s cool with me.”

Aber, es gibt auch ein wahres Zitat im Text von Jens-Peter Marquardt. Liam Fox habe gedroht, so schreibt Marquardt: „Brüssel solle ja nicht britische Höflichkeit mit britischer Schwäche verwechseln.“

Gesagt hat Liam Fox:

We understand the EU wants to protect itself. But if the only way to deal with the UK leaving is to try to force its  break up, as someone much more distinguished than me once said, the answer is ‘No No No.’ 

Punishing Britain for Brexit is dealing with the symptoms of the problem and not the cause, which is the failure of political elites across Europe – including people like me in Britain – to deal with people’s concerns about migration. 

That is the heart of the problem – and if you’re worried about the EU’s future that is also the solution. 

And let me say one more thing about these talks.  

Never mistake British politeness for British weakness.

Because if you put a country like Britain in a corner, we don’t crumble. We fight. 

So as your friends of many years we say simply this: Brexit is not about whether you succeed or we succeed.  Europe prospers when we both succeed and it’s time to change your approach. 

Staying the course when the going gets tough. Any student of history knows that’s more or less a definition of being British. 

[Unsere Übersetzung:] Wir verstehen, dass die EU sich selbst schützen will. Aber wenn die einzige Art, mit dem Ausscheiden des UK aus der EU umzugehen, der Versuch ist, die territoriale Integrität des Vereinigten Königreichs zu zerstören, dann kann es nur die Antwort geben, die jemand, der bedeutender war als ich, einst gegeben hat: Nein. Nein. Nein. [Gemeint ist Winston Churchill].

Wenn die EU Britannien für den Austritt strafen will, dann laboriert sie an den Symptomen, nicht an der Ursache. Die Ursache findet sich im Versagen der politischen Eliten in ganz Europa – mich und andere in Britannien eingeschlossen – die Sorgen der Bevölkerung im Hinblick auf die Immigration ernst zu nehmen.

Das ist der Kern des Problems – und wer sich um die Zukunft der EU Sorgen macht, der muss hier eine Lösung finden.

Und lasst noch eines zu diesen Gesprächen [mit der EU] sagen:

Verwechselt nie britische Höflichkeit mit britischer Schwäche.

Denn: Wenn man ein Land wie Britannien in die Ecke drängt, dann knicken wir nicht ein. Dann kämpfen wir!

Als Eure Freunde über viele Jahre können wir Euch [der EU] nur Folgendes sagen: Beim BREXIT geht es nicht darum, ob ihr gewinnt oder ob wir gewinnen. Europa prosperiert, wenn wir beide gewinnen und deshalb ist es Zeit, dass ihr Eure Herangehensweise ändert [gemeint ist: Die Blockadehaltung aufgebt].

Wir bleiben auf Kurs, auch wenn es hart auf hart kommt. Jeder Student der Geschichte weiß, dass das mehr oder weniger die Definition von Britischsein ist.

Nun liebe Leser, wie fühlen Sie sich nach dem Beitrag von Jens-Peter Marquardt?
Informiert?
Verärgert?
Beleidigt?
Verlabert?
In jedem Fall wurden Sie belogen!

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