Naturkatastrophen und Gewalt gegen Kinder: Kein Zusammenhang

Wer hätte das gedacht: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Naturkatastrophen und dem Ausmaß von Gewalt gegen Kinder.

Wer hätte gedacht, dass man denken könnte, es gebe einen?

Welche Theorie soll eine Verbindung zwischen einem Hurricane und erhöhter Gewalt gegen Kinder herstellen?

Der Klimawandel schlägt höhere Wellen, so dass mehr Fischer ertrinken, was dazu führt, dass in Kentucky mehr Ehen geschlossen werden.

Wie sollte man sich eine entsprechende Verbindung überhaupt vorstellen?

Wenn es mit mehr als 100 Stundenkilometern pro Stunde durch das Haus bläst, weil das Dach bereits davongeblasen wurde, dann werden Mütter besonders aggressiv und prügeln ihre Kinder extra blau?

Oder:

Wenn der Fluss sein Bett verlassen und das Wohnzimmer überschwemmt hat, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder, die sich mit ihren Eltern auf das Dach des Einfamilienhauses gerettet haben, von Letzteren misshandelt werden, besonders hoch?

Oder:

Ein Vulkanausbruch in Indonesien erhöht die Gewaltbereitschaft deutscher Eltern?

Wie, so können wir abschließend fragen, kommt man auf einen so abstrusen Forschungsgegenstand, eine so abseitige Forschungsfrage wie: Erhöhen Naturkatastrophen Gewalt gegen Kinder?

So:

“Few studies have measured violence against children following natural disasters, and this review is the first systematic attempt to quantify and understand the underlying relationship. At various junctures, the World Health Organization (WHO) and academic literature have called for more evidence on this topic”.

Bei der Weltgesundheitsorganisation gibt es einen Fuzzy, der gerne wüsste, ob Naturkatastrophen sich auf Menge und Intensität von Gewalt gegen Kinder auswirken. Welche Agenda steckt hinter diesem Wunsch nach wissenschaftlicher Legitimierung einer fast schon psychotischen Vorstellung?

Die:

“We are entering a time when global climate change is spurring increased and more severe natural disasters […] and affecting a greater number of people globally […]. In particular, lower- and middle-income countries are disproportionately affected by natural disasters—they represent 11% of the population exposed to natural disasters but 53% of the casualties […]. Future natural disasters may therefore occur in places where health and protection systems are less developed […], and the sudden influx of people needing services and increased barriers to service provision are likely to further burden overstretched healthcare providers and social workers […]. It is imperative that we understand the fundamental relationship between natural disasters and violence against children to create effective policies and to allocate limited resources in health and child protection systems based on evidence.”

US Environmental Protection Agency

Die neueste der erfundenen Erzählungen, die wohl gerade von der WHO vorbereitet wird, lautet demnach: In Zukunft wird es wegen des Klimawandels mehr Naturkatastrophen geben (tatsächlich gibt es für diese Behauptung oder ist es eine Hoffnung keinerlei Beleg). Naturkatastrophen treffen die Klientel der hauptberuflichen Kümmerer, die auf dem Schein-Arbeitsmarkt ein Auskommen gefunden haben, besonders. Von dieser Klientel ist angeblich bekannt, dass sie häufiger als andere, ihre Kinder ohrfeigt oder misshandelt. Wenn gezeigt werden kann, dass Naturkatastrophen zu mehr Misshandlung von Kindern führen, dann kann daraus die Notwendigkeit für mehr Steuergelder abgeleitet werden, die dazu eingesetzt werden, sich präventiv, post-operativ und strategisch mit den voraussichtlichen Misshandlern ihrer Kinder in der Folge von Naturkatastrophen zu befassen.

Aber: Es gibt keine empirischen Belege dafür, dass Naturkatastrophen sich auch nur irgendwie auf die Misshandlung von Kindern auswirken.

Bad Luck.

Dabei haben sich Ilan Cerna-Turoff , Hanna-Tina Fischer, Susannah Mayhew, Karen Devries wirklich Mühe gegeben, einen solchen Zusammenhang für die WHO zu finden. Umsonst. Die wenigen Studien, die es zu diesem Unsinn gibt, 11 an der Zahl, sie zeigen alle, was man vorhergesagt hätte: Keinen Zusammenhang.

Aber nichts zu finden, das hindert diejenigen, die unbedingt etwas finden wollen, natürlich nicht daran, weiterhin zu insinuieren, dass etwas da sein könnte. Ein normaler Forscher, der eine Meta-Analyse durchführt und keinerlei Belege dafür findet, dass ein bestimmter Zusammenhang vorhanden ist, der schreibt genau das: Es gibt keine Belege für den Zusammenhang zwischen Naturkatastrophen und der Misshandlung von Kindern, aber ein normaler Wissenschaftler würde auch darauf hinweisen, dass es nicht einmal eine entfernte Vorstellung davon gibt, warum es diesen Zusammenhang geben sollte, geschweige denn: eine Theorie.



Cerna-Turoff, Fischer, Mayhew und Devries tun das nicht.

Sie schreiben zunächst:

“We found no evidence of a consistent statistical association and directional influence between natural disasters and violence against children.”

Um dann anzufügen:

“More high-quality and nuanced research is needed on the association between natural disasters and violence. Without scientifically examining the relationship in a rigorous manner, we negate the possibility of understanding the effect of natural disasters on violence against children and in identifying populations that are most at risk for specific forms of violence.”

Es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen Naturkatastrophen und Kindesmisshandlung gibt. Das macht die Leute bei der WHO bestimmt traurig, die sich offenkundig ein schönes neues Szenario über die Notwendigkeit der Prävention von Kindesmisshandlungen bei Geringverdienern angesichts einer angeblich zunehmenden Häufigkeit von Naturkatastrophen zusammengebastelt haben.

Um die Leute bei der WHO nicht zu traurig zu machen, schließen die vier Autoren aus ihren Daten nicht das Offenkundige, nämlich dass es KEINEN ZUSAMMENHANG gibt, sondern das ideologisch Gewünschte, dass man weitersuchen muss, so lange, bis man den gewünschten Zusammenhang endlich empirische ergefunden hat.

Die Sozialwissenschaften durchleben derzeit, aufgrund ihrer Infiltration durch wissenschaftsfremde Elemente aller Art, durch Genderista, Gefälligkeits- und Legitimationswissenschaftler, die sich bei den Stellen anbiedern, die sich mit Steuergeldern wissenschaftliche Gefallen kaufen, eine ganz schwarze Phase.

Cerna-Turoff, Ilan, Fischer, Hanna-Tina, Mayhew, Sussanah & Devries, Karen (2019). Violence against children and natural disasters: A systematic review and meta-analysis of quantitative evidence.


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