COVID-19 update: Sozialdarwinismus 2020.0 in Deutschland – Citizen Journalism

Unser heutiges update wollen wir mit einigen der vielen Hinweise beginnen, die uns heute erreicht haben.

Die Hinweise, die wir ausgewählt haben, zeigen eine Verantwortungslosigkeit, einen Sozialdarwinismus, der erheblich ist. Deutschland präsentiert sich derzeit von seiner ekeligsten Seite: COVID-19 bringt aus denen, die verantwortliche Positionen besetzen, das heraus, was sie all die Jahre zu verheimlichen versucht haben.



Zum Beispiel im Wetteraukreis, aus dem uns gleich mehrere Leser berichten, dass die Tests auf COVID-19 eingestellt werden sollen. Die Begründung dafür ist so abenteuerlich und verantwortungslos, dass man sie nur mit Sinn füllen kann, wenn man davon ausgeht, dass im Wetteraukreis Leute am Ruder sind, die das “survival of the fittest”, eine alt-bekannte Rassentheorie, die deutsche Sozialisten gerne Charles Darwin unterschoben hätten (aber Darwin hat sich zeitlebens geweigert, die Annäherungsversuche von Karl Marx zu akzeptieren und deutsche Sozialisten mit mehr als irritierter englischer Distanz betrachtet), zu den herausragendsten Eigenschaften eines Volkskörpers zählen.

Die Begründung dafür, dass nicht mehr getestet wird, lautet wie folgt:

“Der Wetteraukreis führt keine Corona-Tests mehr durch, da diese “keine medizinische Konsequenz” hätten. Die Mengen an Testungen beanspruchten medizinisches Personal sowie Ressourcen, die an anderer Stelle notwendig gebraucht würden. Auch die Kontakte zu bestätigten Fällen oder die Reiserückkehrer aus Risikogebieten würden nicht getestet. Sie sollen zu Hause bleiben.

“Das Virus ist unter uns.” Nun gelte es, die Ausbreitung zu verlangsamen, damit die medizinischen Kapazitäten für die wirklich ernsten Fälle ausreichend vorhanden seien. “In den allermeisten Fällen wird das Virus als harmloser grippaler Infekt ablaufen. Bitte verhalten Sie sich auch so. Wer Symptome hat, bleibt zu Hause und zieht sich zurück”, teilt die Kreisspitze mit.”

“Nun ist es halt mal da”, macht Schule, und solange es um die Leben der anderen geht, wird sich an dieser fatalistisch-zynischen Einstellung nichts ändern. Aber was, wenn einer der Kreisleiter aus dem Wetteraukreis betroffen wäre, z.B. Jan Weckler, der CDU-Landrat oder die Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch von der SPD. Begeben sie sich mit Symptomen in Selbstisolation und harren ihres Schicksals ohne sich darüber zu vergewissern, was das Schicksal für sie vorhält?

Tatsächlich steht dem Wetteraukreis wohl der Personalnotstand bis zum Hals, weshalb nach einer Ausflucht gesucht wird, um nicht zugeben zu müssen, dass man zwar eine Gleichstellungsbeauftragte, aber nicht genügend medizinisches Personal hat. Es sei nur nebenbei bemerkt, dass COVID-19 sich dadurch auszeichnet, auch von asymptomatischen Trägern übertragen werden zu können. Erste Studien berichten davon, dass die Gefahr, die von unerkannten und asymptomatischen Trägern des Virus ausgeht, bislang unterschätzt worden sei. Die Länder, die es letztlich geschafft haben, COVID-19 einzudämmen und die Verbreitung von SARS-CoV-2 zu verhindern, haben dies mit einer aggressiven Testpolitik getan, sie haben getestet, wer ihnen vor den Abstrichspatel kam, also genau das Gegenteil dessen getan, was im Wetteraukreis getan werden soll. Offenkundig ist man im Wetteraukreis nicht daran interessiert, das Virus einzudämmen, will ihm vielmehr freien Lauf lassen, denn: nun ist es eben da. Fällt einem der Leser etwas Menschenverachtenderes ein?

Fundstellen:



Wie gut die deutsche Planung ist, zeigt das kleine Saarland, in dem man es nicht schafft, der Menge derer, die getestet werden wollen, sollen, müssen, Herr zu werden.

“Die drei Abstrichzentren für Coronatests im Saarland sind am Dienstag völlig überlaufen gewesen. Es bildeten sich lange Warteschlangen, teils bis auf eine Bundesstraße. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) wurden rund 1000 Abstriche gemacht. KV-Chef Hauptmann sagte dem SR, ab Mittwochmittag solle es eine zentrale Abnahmestelle geben. Diese solle an einem gut zugänglichen Ort sein. Der genaue Standort werde noch geklärt. Die Stelle werde mit sechs Ärzten besetzt, die zeitgleich Abstriche nehmen.”


In Berlin ist man natürlich ganz furchtbar und sehr sehr und nochmal sehr um das Wohl der Bevölkerung besorgt, weshalb in den vergangenen Wochen Flugpassagiere nur nach Deutschland einreisen konnten, wenn sie einen Zettel ausgefüllt haben, auf dem sie ihre Gesundheit erklärt haben. Dazu haben uns einige Erfahrungsberichte erreicht, aus denen hervorgeht, dass man den Zettel zwar ausfüllen, aber nicht abgeben kann, weil sich niemand nach der Landung dafür interessiert.

Ein Rückkehrer aus Ägypten erzählt die folgende Geschichte:

“Hallo liebes Sciencefiles-Team,

ich bin seit langem sehr begeisterter Leser Ihrer Seite. Ich hab in einem Ihrer Artikel gelesen, dass Sie gerne Erfahrungsberichte zum Verhalten unserer tollen Bananenrepublik gegenüber Corona möchten. Kann ich liefern: Wir waren bis heute morgen um 6 Uhr in Ägypten, Hurghada. Samstag auf Sonntag wurde in unserem Hotel ein bestätigter Coronafall entdeckt. Am nächsten Tag direkt Quarantäne. Wobei Quarantäne hier, offene Bar, freier Rundgang und nur Essen auf dem Zimmer bedeutet. Gestern Abend erhielten wir vom FTI Reiseleiter die Info, dass unser Hotel ab Mittwoch dicht macht und jetzt alle raus müssen. Sie haben uns einen kostenlosen Flug gegen 2:30 Uhr nach München organisiert.

Ging alles, aber in München… KEINE Kontrollen! Trotz bestätigtem Coronafall und eventuell mind. 200 Infizierten aus unserem Hotel! Der Flug wurde ganz normal angenommen und durch die Einreisekontrolle gelassen. Wir haben das Gepäck erhalten und konnten gehen. Quarantäne? Info was wir tun sollen?

NICHTS!

Weiterhin vorhin auf dem Stuttgarter Flughafen gesehen: Flüge nach Barcelona oder z.B. Instanbul finden geregelt statt. Keine Info ob nur Staatsbürger des jeweiligen Landes fliegen dürfen. Unbestätigte Gerüchte: Ende der Woche mach der Flughafen in Hurghada dicht. Über 40.000 Deutsche müssen in den nächsten Tagen aus Hurghada raus. Es ist wirklich erschreckend wie wir reagieren…”

Der Eindruck, dass in Berlin eine sozialdarwinistische Politik umgesetzt wird, verstärkt sich.



Ein Leser aus Nordrhein-Westfalen hat uns auf “Die Krankheit Corona-Virus“, ein reich bebildertes Informationscomic aufmerksam gemacht, an dessen Ende steht: “Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales Nordrhein-Westfalen hat diesen Text gemacht.” Das Comic ist in leichter Sprache verfasst, leichter und falscher Sprache, denn was das “Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales” da gemacht hat, ist gefährlich und falsch: Nordrhein-Westfalen hat zur Zeit 3.375 nachgewiesene COVID-19 Fälle. Wenn man solchen Mist wie den folgenden sieht, weiß man, warum:

“Ein Mensch mit dem Corona-Virus kann andere Menschen anstecken. Zum Beispiel wenn der Mensch andere Menschen anhustet. Wenn der Mensch nahe bei anderen Menschen niest.”

Also, liebe Leser, andere nicht anhusten oder beim Niesen einnässen. Wie oft wird man in Deutschland eigentlich von Leuten angeniest? Direktes Anniesen ist natürlich eine gute Art, SARS-CoV-2 zu verbreiten, es dürfte auch die bei weitem seltenste Art der Verbreitung sein. Die Verharmlosung einer erheblichen Ansteckungsgefahr, durch z.B. (a) aerosole Verbreitung oder (b) Anfassen kontaminierter Flächen, ist sicher ein Teil des Problems, das Nordrhein-Westfalen derzeit überschwemmt.

Aerosole Verbreitung bedeutet, wenn A in eine ganz andere Richtung niest, dann kann das dennoch zu einer Ansteckung führen, denn SARS-CoV-2 genügen kleinste Tröpfen in der Atemluft, um sich über eine Strecke von mindestens zwei Meter fort zu bewegen und z.B. auf einer Fläche zu landen, auf die man dann patschen kann, Hand auf Fläche, Hand zur Nase, Bingo. So schnell geht Ansteckung. Deshalb ist das Händewaschen so wichtig, denn die meisten Infizierten infizieren sich selber, mit ihrer eigenen Hand über ihre eigene Nase, eigenen Augen oder den eigenen Mund. Wer sich dabei beobachtet, wie oft er täglich mit der Hand an seinem Gesicht herummacht, der kann sich ungefähr vorstellen, wie groß die Gefahr einer Infektion per Hand ist.

Immerhin gibt es zum Ende des NRW-Comics den Hinweis, die Hände zu waschen. Dieser Hinweis hängt etwas in der Luft, wenn zuvor behauptet wurde, die größte Gefahr bestehe darin, angehustet oder angeniest zu werden. Wozu dann Hände waschen? In Deutschland, so erscheint es uns, dilettiert jede Verwaltung, so gut sie eben kann.

Liebe Leser, wenn Ihr/Sie Hinweise, Erfahrungen, Informationen, etwas habt, das ihr im Zusammenhang mit COVID-19 als wichtig anseht, so wichtig, dass wir es auf ScienceFiles veröffentlichen sollen: Entweder über

oder über sciencefiles @ textconsulting.net an uns schicken.

Danke!


Nun zum heutigen Update:

  • Der 1000er-Club wird immer größer.
  • Das italienische Leid geht weiter.
  • Deutschland und Spanien schicken sich an, die italienische Katastrophe noch zu übertreffen.
  • Die Steigerungsrate in Österreich zeigt, dass SARS-CoV-2 nun auch in Österreich heimisch ist – der “community spread” hat begonnen.

Auf unsere Abbildung, mit der wir der Tatsache Rechnung tragen, dass unterschiedliche Länder sich in verschiedenen Stadien der Pandemie befindet, haben die neuen Zahlen den folgenden Effekt.

In Italien gibt es derzeit 31.506 mit COVID-19 Infizierte. 26.062 Fälle sind noch offen, also ihr Ausgang ist nicht entschieden. Von den Fällen, die geschlossen sind, endeten 2.503 mit dem Tod des Infizierten, 2.941 sind zwischenzeitlich genesen. In einer lebensgefährlichen Situation befinden sich derzeit 2.060 Patienten. Diese Zahlen sind einfach nur erschreckend, ein Ende des Wachstums ist nicht absehbar.

Aber natürlich ist die Grippe schlimmer … [Sarkasmus aus].




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