“Aber Sie haben ja gar nichts an…” Der Leopoldinas neue Kleider

  • “Nachhaltige Bewältigung der Krise”;
  • “Strategien zur allmählichen Rückkehr in die Normalität”;
  • “digitale Epidemiologie”;
  • “hochaufgelöste Daten”;
  • “Eigeninteresse … Fürsorge und Verantwortung gegenüber anderen”;
  • “häusliche Gewalt”;
  • “Hygiene, Abstand, Mund-Nasen-Schutz”;
  • “Bildungseinrichtungen schrittweise öffnen”;
  • “bedrohliche Klima- und Biodiversitätskrise”
  • “Prinzip der Nachhaltigkeit”

26 “Prof. Dr.” haben sich zusammengefunden, um der Leopoldinas neue Kleider zu weben, 6 Philosophen, Rechtsphilosophen und Theologen, 5 Pädagogen und Soziologen, 3 Psychologen, 2 Ökonomen, 2 Informatiker, 2 Mediziner, 2 Biologen, 2 Chemiker, ein Ingenieur, ein Veterinärmediziner.



16 Sozialwissenschaftler und 10 Naturwissenschaftler konstituieren die “Arbeitsgruppe der Leopoldina”, die in den letzten Tagen mit ihrer dritten “Ad-hoc-Stellungnahme Coronavirus-Pandemie – Die Krise nachhaltig überwinden”, die Medien beherrscht hat:

Erstaunlich, dass genau zwei Punkte, die Öffnung der Schulen und die Maskenpflicht, aus einem Papier das 16 eng beschriebene Seiten umfasst, die Nachrichten beherrschen. Selbst wenn man unterstellt, dass Journalisten nicht lesen und wenn sie lesen, dann entweder, was die Presseagentur meldet oder was auf den zwei Seiten Zusammenfassung und Empfehlung der “dritten Ad-hoc-Stellungnahme” vorangestellt ist, selbst dann müsste man erwarten, dass die inhaltlichen Treffer zufälliger verteilt sind, dass verschiedene Journalisten unterschiedliche Schwerpunkte setzen und nicht alle dasselbe aus dem Text entnehmen.

But, here we are.

K(aum)einer ist über die Schulöffnung und die Maskenpflicht hinausgekommen.

An Konkretem ließe sich noch die Abschaffung des Solidaritätszuschlages ergänzen und das Sourcen von Daten, die Fitness-Tracker liefern, freiwillig natürlich.

Und das war’s.

Die seltsame Einigkeit der Kommentatoren eines 16-Seiten-Papers hat einen angebbaren Grund, denn die ad-hoc-Stellungnahme der Leopoldina enthält nicht mehr Konkretes. Die Stellungnahme ist eine Sammlung von inhaltsleeren Floskeln, wie sie nur Schwätzperten abzusondern in der Lage sind. Sie ist in keiner Weise hilfreich, ein Versuch, virtue signaling-Publicity zu erreichen und Rent Seeking zu legitimieren, ein Dokument dafür, dass Schwätzperten in der Lage sind, Seiten zu füllen, ohne etwas zu sagen.

Wir backen einen Kuchen.

Hier die Anleitung:

  • Benutzen Sie nur nachhaltig hergestellte Produkte.
  • Zum Backen benötigen Sie eine Schüssel, Butter und ein Rührgerät.
  • Verwenden Sie nur nachhaltig erzeugten Strom.
  • Kinder dürfen nur nach Alter gestaffelt beim Backen mitwirken.
  • Kleinkinder können noch nicht mit Messern umgehen.
  • Schüler der Sekundarstufe können schon selbständig Rezepte lesen.
  • Digitale Back-Erfahrungsberichte können genutzt werden, um für das eigene Backen wichtige Daten zu sammeln.
  • Misslungene Backversuche können zu häuslicher Gewalt führen.
  • Beim Backen ist nicht nur daran zu denken, dass der Kuchen der eigenen Esslust dient, man muss immer auch die
  • Verantwortung und Fürsorge für andere beim Backen mitberücksichtigen.
  • Die Anzahl der misslungenen Backversuche muss zur Anzahl misslungener Kochversuche ins Verhältnis gesetzt werden.
  • Gerechtigkeit bedeutet, dass die sozialen und ökonomischen Kosten des Kuchenbackens nicht einseitig zu Lasten einzelner Personen gehen dürfen.
  • Kriterien der Nachhaltigkeit müssen beim Backen im Vordergrund stehen, denn in Nachhaltigkeit liegen enorme Potentiale der Kuchenentwicklung (Hefe wird blass).
  • Das Backen eines klimafreundlichen Kuchens setzt wesentliche Impulse für Innovation und Wachstum.

Nun, können Sie nach dieser Anleitung einen Kuchen backen?
Nein.

Dabei haben wir alle Sätze, die Sie oben finden, aus der ad-hoc-Stellungnahme der Leopoldina übernommen, vermutlich können Sie deshalb keinen Kuchen backen, denn so, wie das Rezept oben so gut wie keine konkreten Angaben enthält, die beim Backen eines Kuchens von Nutzen sind, so enthält die ad-hoc-Stellungnahme der Leopoldina seitenweise Gewäsch, aber k(aum)einen konkreten und schon gar keine nützlichen Hinweise darauf, wie man denn nun vorgehen soll, was man denn nun machen soll.

Wir belegen das nun im Einzelnen.
Triggerwarnung: Das wird ein etwas längerer Text, bei dem wir kapitelweise vorgehen.

Zusammenfassung und Empfehlungen lassen wir aus – weil das unzumutbar redundant wäre.

 

1. Einleitung

Die Einleitung ist eine Mischung aus Trivialitäten, Geschwätz und Gutmenschen-Profilierung.

Trivialitäten finden sich z.B. in den Feststellungen, dass es darum gehe “Kritierien und Strategien zur allmählichen Rückkehr in die Normalität” zu finden. Es ist nun, nachdem die Maßnahmen der Unnormalität mehrere Wochen andauern, reichlich spät, nach Kriterien und Strategien zur allmählichen Rückkehr” zu suchen, aber bei der Leopoldina sitzen eben nicht die Schnellsten in der ad-hoc-Stellungnahme-Gruppe. Das zeigt sich auch an Aussagen wie: “Neuinfektionen [müssen] sich auf niedrigem Niveau stabilisieren”, das “Gesundheitssystem” dürfe nicht überlastet werden, Schutzmaßnahmen müssten diszipliniert eingehalten werden.

Nein. Doch. Oh.

Wer hätte das gedacht, dass es darum geht zu verhindern, dass Intensivstationen von Patienten, die nach Luft schnappen, überrannt werden?

Bei allem Sterben an COVID-19 darf jedoch nicht vergessen werden, dass es noch “zivilisatorische Herausforderungen, vor allem des Klima- und Artenschutzes” gibt. Nun, nachdem die Klimahysteriker Gefahr laufen, mit ihrer Panik-Geschichte in Vergessenheit zu geraten, müssen politische korrekte Organisationen wie die Leopoldina natürlich gegenarbeiten. Und in all dem Gegenarbeiten finden sich dann Schwätzperlen wie diese:

“Die nachhaltige Bewältigung der Krise muss so bald wie möglich über die kurzfristigen Akutmaßnahmen hinaus die mittel- und vor allem langfristigen Konsequenzen mitdenken”.

Bei solchen Sätzen fragen wir uns immer, wie es im Hirn dessen, der zu so einem allgemeinen Wortmüll fähig ist, aussieht. Wir schwanken zwischen totalem Chaos und gähnender Leere. Wie auch immer, belassen wir es dabei, dass “kurzfristige Akutmaßnahmen” gemeinsam mit “mittel- und langfristigen Konsequenzen” gedacht werden müssen und wenden uns der Erkenntnis zu, dass die “Diversität der Kulturen eine Chance zum gegenseitigen Lernen” bietet. Man kann auch von Seinesgleichen lernen, Kinder durch Imitation von ihren Eltern zum Beispiel, aber das ist gerade nicht woke, kommt in Echozimmern der Beschwörung kultureller Diversität, wie sie in Halle vorhanden sind, nicht vor.

Aber es sind gute Gutmenschen, die sich im Echozimmer finden, wie sich an den hehren zentralen Prinzipien zeigt, die sie verkünden:

  • Schutz jedes einzelnen Menschen (es sei denn, er wählt AfD – sorry, konnten wir uns nicht wegdrücken);
  • Schutz von Gesundheit und Leben;
  • Leitkonzept der Nachhaltigkeit und Resilienz;

Jetzt sind wir aber wirklich erleichtert, dass Gesundheit und Maßnahmen, die der Gesundheit dienen, auch in Leopoldinas Halle dem Schutz jedes einzelnen Menschen, seiner Gesundheit und seines Lebens dienen sollen, und natürlich der Nachhaltigkeit.



2. Entscheidungsgrundlagen mit Daten und Modellen optimieren

Wir wenden uns nun der erstaunlichen Forderung zu, gute Modelle dadurch zu erstellen, dass man gute Daten sammelt und diese dann und nicht etwas schlechte Daten in schlechten Modellen, zur Grundlage von Entscheidungen macht. “Möglichst passgenaue, die aktuelle epidemiologische Lage berücksichtigende und differenzierende Maßnahmen” erfordern eben eine “genau Kenntnis des aktuellen Infektionsstatus”. Das macht Sinn. Wer wollte schon Maßnahmen gegen Heffalumpitis ergreifen, wenn er nicht weiß, wie verbreitet das Heffalump eigentilch ist. D’accord.

Nur: Wie bekommen wir die “genaue Kenntnis des aktuellen Infektionsstatus” von mehr als 80 Millionen Einwohnern?

So:

“Der Zuschnitt einer repräsentativen Stichprobe, etwa eines Mikrozensus, kann das erforderliche Datenaufkommen deutlich verringern. Durch repräsentative Testungen geeigneter Kohorten kann somit der reale Anteil Infizierter, Erkrankter, Verstorbener und immuner Personen ermittelt werden”.

Für alle, die es nicht wissen: Der Mikrozensus ist die 1%-Stichprobe der Bevölkerung, die beim Statistischen Bundesamt in regelmäßigen Abständen gezogen wird. Wird das abstrakte Geschwätz der Leopoldinas in konkrete Aussagen übersetzt, dann folgt daraus, dass die ad-hoc-Stellungsnahme-Gruppe die Ziehung einer mindestens 800.000 Personen umfassenden Stichprobe fordert, um auf deren Grundlage, die Anteile Infizierter, Erkrankter, Verstorbener und immuner Personen hochrechnen zu können. Irritierender Weise, denken die Leopoldinas, dieses Vorgehen würde zu “realen Anteilen” führen. Das ist erschreckend. Aber man kann eben nicht in allem firm sein. Man ist entweder Schwätzperte oder man hat Ahnung von dem, worüber man sich auslässt.

Dass man Datengrabbing mit Rent Seeking, also dem Versuch, bestimmte gesellschaftliche Gruppen auf Kosten aller anderen zu bereichern, verbinden kann, beweisen die Leopoldinas im Zusammenhang mit dem, was sie “digitale Epidemiologie” nennen, dem Zusammenklauben von möglichst vielen Gesundheitsdaten aus der Bevölkerung, wobei die “digitalen Datenspenden” natürlich “in partizipatorische Projekte eingebettet sein müssen”. Hätten Sie es gewusst, wenn es ihnen nicht von den Leopoldinas gesagt worden wäre, das mit der Einbettung in “partizipatorische Projekte”? Wichtig, nicht? Einbettung und Partizipation, worin, womit und wobei auch immer. All das dient dem Ziel “hochauflösende Daten” zu erhalten, auf Landkreisebene, und muss mit einer “breiten Medienkampagne begleitet werden. Wie wir wissen, leiden besonders die Printmedien unter nachlassender Relevanz, was sich negativ auf die Werbeumsätze niederschlägt. Wie gut, dass die Leopoldinas auch daran denken, die Gruppe notleidender Verleger mit Steuergeldern über Wasser zu halten. Resilienz durch Steuerzahler und nachhaltiges Rent Seeking.


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3. Risikokommunikation verbessern und verantwortliches individuelles Verhalten fördern

Die Kommunikation mit der Bevölkerung ist für Schwätzperten immer ein Problem. Sie ist deshalb ein Problem, weil Schwätzperten der Ansicht sind, außer Ihnen seien alle anderen dumm. Schwätzperten stellen die Realität nicht in Rechnung. Die Realität von Tausenden von in diesem Fall Ärzten, Pflegern, Virologen, Krankenhausmitarbeitern, Erkrankte und deren Angehörige, die allesamt besser wissen, was COVID-19 bedeutet, wie es sich äußert und welche Gefahren damit einhergehen, als die Schwätzperten. Hinzu kommt, dass Schwätzperten es irgendwie schaffen, sich einzureden, dass das Wenige, was sie zu wissen glauben, sie dazu berechtigt, andere belehren zu wollen.

Und so erfahren wir in diesem Kapitel, dass eine “realistische und pointierte Darstellung der Ansteckungsgefahren” nicht zu “ungerechtfertigten Ängsten führen” dürfe. Die Dichotomie aus Wahrheit und Ängsten, die kann man natürlich nur haben, wenn die beide verbindende Prämisse die ist, dass Bürger grundsätzlich dumm sind. Sie wissen nichts und wenn man ihnen etwas sagt, das sie verstehen, dann werden sie panisch, reagieren mit Angst.

Die schonungslose, nein “pointierte Wahrheit”, die die Schwätzperten der Leopoldina in diesem Kapitel ausplaudern, sie lautet: “aussagekräftige Vergleiche” werden benötigt. Was ist ein aussagekräftiger Vergleich? Das hier: “Die Anzahl von COVID-19 Verstorbenen muss ins Verhältnis gesetzt werden zu der Anzahl der in einem vergleichbaren Zeitraum in einer äquivalenten Altersgruppe an anderen Erkrankungen Verstorbenen”. Also für Region Y 3000 Covid-19 Tote in einem Monat und 1000 an Demenz gestorbene Alte. Und jetzt? Wo ist die Kraft der Aussage?

Vielleicht liegt unser Unvermögen, die Kraft der Aussage zu spüren, daran, dass wir bislang nicht zwischen “systemischem” und “individuellem Risiko” unterschieden haben. Das ist bestimmt eine Unterscheidung, die auf einen der mitschreibenden Leopoldina-Ökonomen zurückgeht. Wenn ein Aktionär eine Aktie kauft, dann hat er das, was man ein individuelles Risiko nennen könnte: Die Aktie kann im Wert fallen, er kann Geld verlieren. Er hat auch ein systemisches Risiko: Der Markt kann in die Knie gehen, wie er das vor einigen Wochen getan hat und alle Aktien fallen im Wert. Hier, in der ad-hoc-Stellungnahme der Leopoldina ist das “systemische Risiko” die Überlastung des Gesundheitssystems, während das individuelle Risiko im Tod durch COVID-19 besteht. Wenn Sie also mit einem Herzanfall nicht behandelt werden, weil die Intensivstation voller COVID-19 Patienten ist, dann ist das, nach Ansicht der Leopoldinas ein “systemisches Risiko”. Tot sind sie wahrscheinlich dennoch. Also war es auch ein “individuelles Risiko”. Aber ihr individuelles Risiko wird durch das systemische Risiko quasi amplifiziert. Wozu man eine derartige Unterscheidung braucht, wird relativ schnell klar, denn auf diese Weise kann unter dem Dach von COVID-19 eine ganze Vielfalt (Diversität, sie wissen ja) von Krempel versammelt werden, den man auch mit Steuergeldern üppig ausstopfen muss, um ihn bekämpfen zu können:

“Ebenso müssen gesamtgesellschaftliche Risiken bedacht werden, wie beispielsweise eine Zunahme häuslicher Gewalt und psychischer Erkrankungen durch existentielle Notlagen”.

Das entspricht dem pseudo-Argument der Klima-Hysteriker, dass ein Kohlekraftwerk im Ruhrgebiet den Wasserspiegel in Bangladesh erhöht. Es ist, mit einem Wort: Blödsinn. Blödsinn mit einem Hintergedanken, denn er dient dazu, diejenigen, die sich mit dem angeblichen Kampf gegen “häusliche Gewalt” und “psychische Erkrankungen (z.B. Videospielsucht oder Smartphonesucht)” ein Auskommen gesichert haben, aus dem großen Steuertopf zu bedenken. Die Rolle der Schwätzperten ist es in erster Linie die Schwätzperten-Industrie, die nutzlose Therapien für nicht vorhandene Leiden vertreibt, zu unterstützen.

Mission accomplished.

 

4. Psychische und soziale Folgen abfedern

Wo wir gerade beim Rent Seeking waren, also beim Versuch, sich auf Kosten anderer zu bereichern: In diesem Kapitel vereinen sich die Versuche, Steuergelder in bestimmte Taschen umzuleiten mit der dazu notwendigen Prämisse der dummen Bürger, die zu blöd sind, sich selbst zu beschäftigen. Hinzu kommt ein Vorurteil bei den Leopoldinas, in deren Gehirnen offenkundig keine Synapsen vorhanden sind, an denen sich die Idee, dass Menschen nur gezwungener Maßen sozial und ansonsten froh sind, wenn sie von Mitmenschen verschont bleiben, andocken könnte.

Nein, für die Schwätzperten aus Halle ist die Bevölkerung minus ihre eigene Wenigkeit, dumm, weshalb es “niederschwelliger und barrierefreier” Hilfsangebote bedarf, z.B. Hotlines, um mit “verständlich dargebotenen Informationen” Angst, Depression und häuslicher Gewalt, als Reaktion auf SARS-CoV-2 vorzubeugen. Die professionelle Beratung, die hier vonnöten sein soll, muss natürlich von Steuerzahlern finanziert werden, schon weil “vor allem Frauen” betroffen sind, die bekanntermaßen unter den Steuerzahlern seltener vorkommen. Dass vor allem Frauen unter häuslicher Gewalt und SARS-CoV-2 leiden, ist natürlich falsch, denn häusliche Gewalt ist mehr oder weniger gleich verteilt und an COVID-19 sterben mehrheitlich Männer. Schwätzperten wissen das nicht. Sie behaupten im empiriefreien Rauem und Fakten stören, wenn man vollmundig behaupten will.

Sinngebung, so schreiben die Leopoldinas, habe eine antidepressive und gesundheitsfördernde Wirkung. Man wünschte, sie würden ihre eigenen Behauptungen ernstnehmen und hätten die ad-hoc-Stellungnahme nicht geschrieben, um ihre eigene Depression und Ängste von Arbeitslosigkeit, Abwicklung und Nutzlosigkeit zu bewältigen.

 

5. Abwägungs- und Entscheidungsprozesse transparent gestalten

Es ist mehr als Ironie, dass ein Kapitel, das mit der Forderung nach Transparenz überschrieben ist, zum Bersten mit Leerformeln, absurden Formulierungen und sinnfreien Satzungetümen gefüllt ist. Wir könnten das gesamte Kapitel als Beleg anführen, haben uns aber entschlossen, zufällig zwei Absätze auszuwählen und in der Weise, mit der Karl Raimund Popper den Schwätzperten Habermas entlarvt hat, nun unsererseits gegen die Schwätzperten der Leopoldina vorzugehen. Links steht das, was die Leopoldinas absondern, rechts unsere Übersetzung.

Leopoldinas Unsere Übersetzung
Zielkonflikte sind erkenntnistheoretisch nicht einfach dem Vorhandensein unterschiedlicher Interessen oder Orientierungen in einer Gesellschaft geschuldet, sondern bilden die Struktur einer funktional differenzierten Gesellschaft ab, in der sich Problemlösungsinstrumente und Logiken des Handelns unterscheiden: Ein Restaurantbesitzer hat andere Interessen als Christian Drosten, der Chefvirologe des Bundeskanzleramts.
Ökonomisches Handeln unterscheidet sich von medizinischem, politisches von wirtschaftlichem, rechtliches von religiösem Handeln. Banker sind keine Ärzte, Politiker verstehen nichts von Wirtschaft und Juristen predigen nicht in Kirchen.
Gerade die Differenzierung dieser Logiken macht die Leistungsfähigkeit der modernen Gesellschaft auf diesen unterschiedlichen Gebieten aus. In modernen Gesellschaften gibt es Arbeitsteilung (Ein Arzt operiert, nicht ein Politiker).
Gleichzeitig erschwert sie der Politik eine zentrale, übergeordnete Handlungskoordination. Man kann Ärzte und Politiker nicht gleich behandeln.
Die erkenntnistheoretische und normative Ebene bedürfen dabei ihrerseits der Perspektivenvielfalt, insbesondere in der aktuellen Situation, in der Zielkonflikte und der Widerspruch zwischen Haupt- und Nebenfolgen des Handels besonders schwer wiegt. Die Beobachtung, dass A B absichtlich infiziert hat, ist dann, wenn B über 80 Jahre alt war, normativ zu rechtfertigen. Nicht für alle gelten dieselben Gesetze.
Eine Möglichkeit, dieser Vielfalt auf der normativen Ebene gerecht zu werden, besteht in der Berücksichtigung der Perspektiven von unterschiedlich Betroffenen und unterschiedlich Gefährdeten. Mörder sind an der Urteilsfindung und der Bestimmung des Strafmaßes zu beteiligen.
Einige gesellschaftliche Gruppen sind besonders vulnerabel, unter anderem weil sie über weniger Macht oder Ressourcen verfügen, um sich am gesellschaftlichen Diskurs zu beteiligen und ihn in ihrem Sinne zu beeinflussen. Es gibt nicht genug Hausfrauenfernsehen.

“Auf der erkenntnistheoretischen Ebene”, so schreiben die Leopoldinas, “müssen die Grenzen der eigenen disziplinären Perspektive beachtet werden”. Hätten Sie sich nur an ihre eigene apodiktische Aussage gehalten, sie hätten sich nie zu Dingen geäußert, von denen sie so offensichtlich keine Ahnung haben.



6. Bildungsbereich schrittweise öffnen

Der Kapitelinhalt steht bereits in der Überschrift. Mehr kommt nicht. Sofern man die für die Leopoldinas wohl tiefe Erkenntnis, dass mit dem Alter Maturität kommen soll, weshalb Kleinkinder nichts mit Analysis anfangen können und Gymnasiasten nicht mehr mit Fingerfarben malen (sollten), nicht als allgemeine tiefe Erkenntnis zählen will, was wir explizit nicht wollen. Das, was Eingang in alle Medien gefunden hat, die Schulöffnung, es ist in Kapitel 6 zu finden, nicht ohne den allgegenwärtigen Hinweis auf die “Einhaltung der Vorgaben zu Hygiene, Abstand, Mund-Nasen-Schutz”, mit dem die Leopoldinas in regelmäßigen Abständen beweisen wollen, dass sie etwas von SARS-CoV-2 gehört haben, basiert auf drei Prämissen. Für keine der Prämissen erbringen die Leopoldinas, die noch wenige Kapitel zuvor auf die wichtige Bedeutung von Daten als Grundlage von Handlungsentscheidungen verwiesen haben, Daten, Belege, empirische Belege. 

Schule, so behaupten die 26 “Prof. Dr.” habe drei Eigenschaften:

  • Sie strukturiere den Alltag,
  • sie sorge für sozialen Austausch mit Gleichaltrigen und
  • ermögliche die professionelle Rückmeldung von Lernfortschritten.

Man beachte dass die Vermittlung von Wissen nach Ansicht der Leopoldinas nicht zu den “drei wesentlichen Funktionen von Schule gehört”, so wenig wie die ideologische Erziehung, die bei Kultusministerien so hoch im Kurs steht. Insofern Schüler zu einem Zeitpunkt an einem Ort sein müssen, um Schule zu erleben, strukturiert Schule sicher den Alltag. Ob der soziale Austausch mit Gleichaltrigen Schule erfordert, ist eine andere Frage, ob die meisten Lehrer zu einer “professionellen Rückmeldung von Lernfortschritten” in der Lage oder überhaupt willig sind, nun ja.

Wie dem auch sei:

Grundschulen sind wieder zu öffnen: Maximal 15 Schüler pro Klasse und Unterricht in Deutsch und Mathematik. Kein sonstiger Firlefanz.
Warum 15 Schüler pro Klasse? Warum nicht? Willkür kennt keine Kriterien.
Kindergärten und Kindertagesstätten sind auch wieder zu öffenen: Maximal 5 Kinder pro Raum sind zugelassen, Kitas für Kleinkinder sind bis zu den Sommerferien geschlossen zu halten.
Abiturienten haben Vorfahrt.
Fernunterricht und Online-Unterricht ist zu forcieren. Auch dies eine Forderung, die mit nur wenigen Wochen Verspätung kommt.

Und außerdem:

“Das Angebot digitaler Unterrichtsmaterialien muss vergrößert werden und leicht zugänglich gemacht werden.”

Macht mal! Wer auch immer.

Man muss den Pädagogen unter den “Prof. Dr.” der ad-hoc-Stellungnehmer zumindest bescheinigen, dass sie die Interessen ihrer Klientel, kleine Klassen, weniger Unterricht, mehr Freizeit, voller Lohnausgleich vertreten haben. Dass davon keinerlei Nutzen für diejenigen ausgeht, die sich fragen, wie sie vom Notstand zur Normalität zurückkehren sollen, anhand welcher Kriterien die Rückkehr vorgenommen und kontrolliert werden soll, ist selbstredend, denn den Leopoldinas geht es um virtue signaling in Verbindung mit Rent Seeking. Das muss reichen.

 

7. Mit nachhaltigen ökonomischen Maßnahmen die Krise überwinden

Eine bessere Überschrift wäre: Ökonomie ist doof. 

Wo man erwarten würde, dass Lehren, die durchaus aus der Finanzkrise von 2008 gezogen wurden, übertragen und daraufhin untersucht werden, ob sie für die derzeitige Situation, in der Insolvenzen und Arbeitslosigkeit nicht zu vermeiden sind, wie die Leopoldinas feststellen, nutzbar gemacht werden können, findet sich ein ideologisches Kauderwelsch, das an Ahnungslosigkeit, Ignoranz und Zynismus kaum zu toppen ist. Glücklicherweise hat Keynesianismus in diesem Teil keinen Einzug halten können. Was soll man auch noch aus dem Füllhorn des staatlichen Geldsegens verteilen, wo schon alles verteilt wurde? Was? Na den Solidaritätszuschlag. Dessen Abschaffung sollte erwogen werden, so befinden die Leopoldinas, um dann zu dem Thema zu kommen, das sie eigentlich mit ihrer ad-hoc-Stellungnahme wieder in die Öffentlichkeit bringen wollen: Das Klima. In den letzten Jahren hat sich der Klimaschutz nicht nur zum El Dorado der Gutmenschen entwickelt, sondern vor allem zur Quelle unbeschreiblicher Reichtümer, von goldenen Nasen, die man mit dem Vertrieb ineffizienter Energiegewinnungsgeräte verdienen kann. Das muss so bleiben. Deshalb fordern die Leopoldinas zunächst den “Abbau klima- und unmweltschädlicher Subventionen”. Was läge näher, als in einer Zeit wirtschaftlicher Krise Energie weiter zu verteuern, damit die Armut auch flächendeckend wird?

Mehr haben die Leopoldinas zu Wirtschaft nicht zu sagen.

Im Kapitel, in dem man sich spätestens einige Hinweise auf das “Wie” erwartet hätte, findet sich die Armseligkeit, die Sozialismus immer ausgezeichnet hat, dokumentiert im konstanten Lamento darüber, dass das, was im eigenen Echozimmer als Schrein steht und angebetet wird, nicht mehr zu gelten scheint. Die Klage über soziale Ungleichheit, steigende versteht sich und als Behauptung ohne Beleg, ohne Daten, das Einzige, was Sozialisten unter “Wirtschaft” kennen, fehlt ebenso wenig wie die Sorge über das Neuerstarken der Nationalstaaten, und die Wiederbelebung stereotyper Feindbilder. Nicht-stereotype Feindbilder sind schwer vorstellbar, aber was wissen wir schon, was im Gehirn eines Schwätzperten alles vorstellbar ist und was in ihren Echozimmern kommuniziert wird. 

Übrigens ist der Klimawandel schuld an SARS-CoV-2.

Diesen Einblick in die Funktionsweise eines zu tiefst gestörten Bewusstseins haben uns die Leopoldinas nicht ersparen können. Sie exponieren sich auf Seite 16, kurz vor Schluss und in einer Weise, die dem Prinzip der Nachhaltigkeit eine ganz neue Bedeutung verleiht.

Damit sind wir am Ende, natürlich nicht, ohne den Hinweise: Waschen Sie sich die Hände, tragen Sie eine Maske und lassen Sie ihre Smartphone-Daten von den Kompetenten im RKI auslesen.  Das ist die Crux dessen, was die Leopoldinas von SARS-CoV-2 wissen. Und natürlich war der Klimawandel auch an SARS-CoV-2 schuld.

Es ist nichts zu blöd, als dass es nicht von einem Schwätzperten ausgeplaudert oder ad-hoc niedergeschrieben werden könnte.

Das Einzige, was es als Positives zu dieser ad-hoc-Stellungnahme zu sagen gibt: Aus Gender Studies war niemand beteiligt. Nicht einmal die Schwätzperten der Leopoldina wissen, was sie mit Gender Studierten anfangen sollen. 

Bleiben Sie geistig gesund!




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