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COVID-19 als Todes-Inszenierung: (b.1.1.7)Mutation als Mittel, um Hysterie und Angst zu verbreiten

Es ist schon eine Besonderheit, dass ein RNA-Virus wie SARS-CoV-2 das Kunststück fertig bringt, nicht nur in seiner Transmissibilität besser zu werden, sondern auch noch tödlicher. Das ist, gelinde gesagt, erstaunlich. Denn RNA-Viren als solche haben das Problem, dass ihre immens hohe Mutationsrate dazu führt, dass sie über kurz oder lang aussterben, Biologen sprechen dann gewöhnlich von „lethal mutagenesis“. Hinzu kommt eine Besonderheit von RNA-Viren, die Siobain Duffy sehr gut beschrieben hat. RNA-Viren mutieren unkontrolliert schnell und aus Sicht des Virus ist die Wahrscheinlichkeit, die eigenen Fähigkeiten durch eine Mutation zu verschlechtern, deutlich höher als die Wahrscheinlichkeit, die eigenen Fähigkeiten zu verbessern:

„RNA viruses are perhaps the most intriguing biological entities in which to study mutation rates. They encode their replication machinery, and thus their mutation rates can be optimized for their fitness (in comparison to small DNA viruses that use the polymerases of their host cells). Their inherently high mutation rates yield offspring that differ by 1–2 mutations each from their parent [9], producing a mutant cloud of descendants that complicates our conception of a genotype’s fitness. Their ability to rapidly change their genome underlies their ability to emerge in novel hosts, escape vaccine-induced immunity, and evolve to circumvent disease resistance engineered or bred into our crops [10, 11]. On the other hand, their mutation rates are an exploitable Achilles’ heel: researchers and clinicians can increase RNA virus mutation rates using nucleoside analogues, and a 3–5-fold increase in mutation rate causes lethal mutagenesis in human-infecting viruses like poliovirus and influenza [12, 13]. The exogenous mutagen causes enough additional mutations, which are often deleterious, so that the progeny RNA viruses are of lower fitness, eventually leading to ecological collapse of the population [14]. Another way in which researchers have seen the constraints imposed by the high mutation rate of RNA viruses is in their limited genome size—the mutation rates per nucleotide are too high to increase their genome size without having a higher per-genome accumulation of mutations [9, 15]. Researchers have suggested that RNA virus mutation rates have evolved to be just under the threshold for lethal mutagenesis (sometimes referred to as error threshold [16]) but that selection for genetic diversity and other consequences of a high mutation rate push RNA viruses to near their catastrophic limits. It has been hard to assess this assumption and verify that RNA viruses have their optimal mutation rates due to natural selection on mutation rate.“

Duffy, Siobain (2018). Why are RNA virus mutation rates so damn high?



Bei SARS-CoV-2, das im Gegensatz zu den meisten anderen RNA-Viren über einen „Korrekturlese-Mechanismus“ verfügt, fast so, als wäre es ein DNA-Virus, bei SARS-CoV-2, das entsprechend mit einer geringeren, aber immer noch hohen Rate mutiert, soll das alles anders sein. SARS-CoV-2 produziert Mutationen die ansteckender und tödlicher gleichzeitig sein sollen. Das jedenfalls wollen und die Wissenschaftler erzählen, die die britische Regierung beraten und die mit ihrer Erkenntnis just zu dem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit treten, zu dem:

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Und in dieser Situation wird einmal mehr das betrieben, was im Englischen fear mongering, Angst-Verbreitung heißt.

In seiner Pressekonferenz hat Boris Johnson gestern gesagt:

„So, I must tell you this afternoon that we have been informed today that, in addition to spreading more quickly, it also now appears that there is some evidence that the new variant – the variant that was first identified in London and the South East – may be associated with a higher degree of mortality, and I’m going to ask Patrick in a minute to say a bit more about that.“

Patrick, also Patrick Vallance, der Chief Scientific Advisor der Regierung, er hat dann etwas von einem 30% bis 60% höheren Risiko, bei Infektion an SARS-CoV-2 zu sterben, erzählt.

Natürlich hat sich die deutsche Tagesschau dieser Sequenz besonders innig gewidmet:

„Eine Erklärung dafür [für die angeblich höhere Letalität] nennt der Regierungsberater nicht. Aber er erläutert, was das in konkreten Zahlen heißt. „Wenn wir einen infizierten Menschen um die 60 nehmen, dann liegt das durchschnittliche Risiko für ihn, zu versterben, in der alten Variante bei 10 von 1.000 Infizierten. In der neuen Variante liegt es bei 13 bis 14 von 1.000 Infizierten.“

Nach Ansicht von Vallance hat sich also das Sterberisiko für einen 60jährigen um zwischen 30% und 40% erhöht. Das ist unredlich, denn: Keine der Studien, die eine erhöhte Letalität gefunden haben wollen, haben alstersspezifische Letalität berechnet. Vallance nimmt einfach an, dass ein Ergebnis, das auf Basis unspezifischer Altersgruppen gewonnen wurde, auf eine spezifische Altersgruppe übertragen werden kann. Das zeugt entweder von dem Bemühen, Angst zu verbreiten oder von statistischer Ignoranz oder von beidem.

Wir haben einmal mehr das getan, was eigentlich die Aufgabe von Journalisten, die natürlich entsprechend ausgebildet sein müssten, sein sollte: Wir haben uns die Belege dafür, dass es angeblich eine höhere Letalität der „britischen Mutation“, wie es in Deutschland heißt, also von b.1.1.7 gibt, angesehen. Gleich vorweg: Die Behauptung, es gebe eine realistische Möglichkeit dafür, dass b.1.1.7 letaler ist als andere Mutationen, ist nach unserem Dafürhalten eine politische Behauptung, keine, die durch die Daten gedeckt wird.



Die Studien, die die angeblich höhere Letalität belegen, sind (bislang) sämtlichst unveröffentlicht, was für britische Verhältnisse mehr als seltsam ist und man hört die Nachtigall trampeln. Als Beleg dafür, dass b.1.1.7 letaler ist, gibt es lediglich die „NERVTAG note on B.1.1.7 severity“ aus dem letzten SAGE meeting. NERVTAG steht für New and Emerging Virus Zhreats Advisory Group; SAGE für Scientific Advisory Group for Emergencies; Beide Gruppen sind Musterexemplare für das, was als „Groupthink“ bekannt ist, aber das ist ein anderes Thema.

In der NERVTAG note on B.1.1.7 severity werden die Studien vorgestellt, die zu dem Ergebnis kommen, dass b.1.1.7 letaler ist als andere Mutationen von SARS-CoV-2, im wesentlichen sind das drei Studien,

Hinzu kommt eine Studie der University of Exeter, die nicht einmal die Autoren der NERVTAG note sonderlich beachten und eine Studie von CO-CIN, COVID-19 Clinical Information Network, zu der wir am Ende kommen.

Die beiden zuerst genannten Studien (LSHTM und Ferguson) basieren auf dem selben Datensatz und damit auf demselben Problem: Wie bestimmt man, ob jemand, der gestorben ist, mit b.1.1.7 infiziert war? Dazu gibt es zwei Wege: b.1.1.7 zeichnet sich dadurch aus, dass der primer, der auf das S-gen testet, nicht mehr anspringt, während die Primer, die auf das N-Gen testen und ORF1ab weiterhin positiv sind. Der erste Weg, b.1.1.7 nachzuweisen, besteht daher darin, die Ergebnisse von RT-PCR-Tests zur Hand zu nehmen und Testergebnisse, die negativ auf S, aber positiv auf N und ORF1ab sind, als sogenannte SGTF (s-gen target failure), also als Beleg für b.1.1.7 zu werten. Angesichts der Probleme, die mit RT-PCR-Tests verbunden sind, ist dies eine sehr fehleranfällige Methode. Die zweite Methode, die sichere Methode, besteht darin, die Gensequenz im Labor zu bestimmen, um zu sehen, ob ein Verstorbener mit b.1.1.7 infiziert war.

Die drei oben genannten Studien nutzen alle die erste Methode und sind schon von daher mit Vorsicht zu genießen.

Man kann nicht ernsthaft behaupten, dass diese Zahlen irgend etwas aussagen, zumal die Ergebnisse, wenn man sie nicht mit der Voreinstellung: Wir wollen unbedingt eine höhere Letalität für b.1.1.7 finden, eine ganz andere Interpretation nahelegen:

In der Studie von PHE gibt es keinerlei Unterschied in den Hospitalisierungsraten zwischen mit b.1.1.7 Infizierten und Infizierten mit anderer Variante. Wenn eine Infektion mit b.1.1.7 ein höheres Risiko an COVID-19 zu versterben, mit sich bringt, würde man erwarten, dass eine höhere Hospitalisierungsquote zu finden ist. Das Schreiben auch die Autoren der NERVTAG note:

„If there is an increase in the severity of infection with VOC B1.1.7, we would also expect to see an increase in the risk of hospitalisation. Currently, we do not have evidence of an increased risk of hospitalisation in individuals with VOC B1.1.7 but data are limited due to lags in the availability of hospitalisation data.“

Im Gegensatz zu uns kommen sie jedoch zu der Einschätzung, dass „there is a realistic possibility that infection with VOC B.1.1.7 is associated with an increased risk of death compared to infection with non-VOC viruses“.

Angesichts der Ergebnisse, die die Autoren ebenfalls berichten, ist diese Einschätzung eine, die offenkundig anderen als wissenschaftlichen Kriterien folgt, vielleicht politischen Vorgaben, vielleicht der Notwendigkeit, das Loch, in das man sich gegraben hat, weiter zu vertiefen, wer weiss.



Wir kommen nun zu harten Daten, die ebenfalls in der NERVTAG note enthalten sind, Daten von CO-CIN. Dort werden u.a. Gensequenzen von SARS-CoV-2 gesammelt. Derzeit finden sich 21.882 Gensequenzen in der Datenbank von CO-CIN, 21.596 davon sind nicht b.1.1.7, 286 Gensequenzen haben die 14 für die Bestimmung von b.1.1.7 notwendigen Mutationen ergeben (Wer sich für b.1.1.7 interessiert: Wir haben unten die Beiträge, die wir zu b.1.1.7 geschrieben haben, zusammengestellt). Eine Analyse auf Basis dieser harten Daten kommt zum folgenden Ergebnis:

„Restricting the analysis to a trust with high proportion of proven VOC which has maintained good quality data returns, and after adjusting for age and sex, found no statistically significant change in hospital CFR comparing proven VOC (n=32) with non-VOC (n=184) (OR 0.63, 95%CI 0.20 – 1.69).“

Mit diesem Ergebnis ist die Behauptung, es gebe derzeit Hinweise darauf, dass b.1.1.7 mit einer höheren Letalität verbunden sei, eigentlich vom Tisch, denn die CFR [Case Fatality Rate] für mit b.1.1.7 Infizierte ist nicht höher als für mit anderen Mutationen von SARS-CoV-2 Infizierte. Will man sie dennoch aufstellen, z.B. aus politischem Opportunismus, dann muss man sich etwas einfallen lassen, so etwas zum Beispiel:

„However, increased severity may not necessarily be reflected by increased in-hospital death risk.“

Das kann man auf zwei Arten lesen: Entweder, die Autoren ziehen sich zurück und reduzieren ihre Behauptung, „sei tödlicher“ auf „kann zu schwerer Erkrankung führen“ oder sie behaupten allen Ernstes, dass die höhere Sterblichkeit außerhalb von Krankenhäusern zu finden ist. Schon erstaunlich, zu welchem Blödsinn Wissenschaftler fähig sind, wenn sie den Wind des politischen Opportunismus reiten müssen und wollen.

Wie dem auch sei, wir finden KEINE Belege dafür, dass b.1.1.7 letaler als irgend eine andere Variante von SARS-CoV-2 ist in den Daten, die in der NERVTAG note bereitgestellt werden. Das führt zurück zur Frage, warum wird etwas, im Wissen darum, dass unkritische Journalisten und andere leicht leit- und manipulierbare Hysteriker diese hingeworfene „Hinweise dass“-Behauptung aufnehmen und zu einem Flächenbrand in Fake News verwandeln werden, von Boris Johnson und Patrick Vallance in die Welt gesetzt. Die Frage führt zurück zu den Eingangs zusammengestellten zeitlichen Zusammenkünften unterschiedlicher Zufälle und führt darüber hinaus zu der Frage: Welche Agenda steckt hinter dieser Inszenierung?



Seit Ende Januar besprechen wir Studien zu SARS-CoV-2. Damit gehören wir zu den wenigen, die das neue Coronavirus seit seinem Auftauchen verfolgt und den Niederschlag, den es in wissenschaftlichen Beiträgen gefunden hat, begleitet haben.
Eine Liste aller Texte, die wir zu SARS-CoV-2 veröffentlicht haben, finden Sie hier.

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