“Die Menschen sind es leid”. Vom Vorteil der Undiszipliniertheit – Lagebericht aus Argentinien

Gestern haben wir unsere Leser aufgerufen, uns Lageberichte aus den Ländern zu schicken, in die sie ausgewandert sind bzw. in denen sie leben.

Zwischenzeitlich hat uns ein Bericht von einem Leser aus Argentinien erreicht, für den wir uns recht herzlich bedanken. Wir verfolgen mit diesen Lageberichten, das Ziel, dem Stumpfsinn in deutschen MS-Medien aufzubrechen, in denen Berichte aus anderen Ländern nur vor der Folie der eigenen Vorurteile und nur im Rahmen des engen Fallzahlen-Todesziffern-Fetischismus, mit dem weitere Zwangsmaßnahmen legitimiert werden sollen, vorkommen. Die Erfahrungen von Menschen, die in anderen Ländern mit anderen Maßnahmen, einem anderen Umgang mit diesen Maßnahmen usw. konfrontiert sind, kommen in MS-Medien, die fast ausschließlich zu Claqueuren des politischen Regimes verkommen sind, nicht vor. Um so wichtiger finden wir, ist unsere kleine Serie, deren zweiter Bericht uns nach Argentinien führt.

Wenn Sie nicht in Deutschland leben und einen Bericht beitragen wollen: Bitte an : Redaktion @ sciencefiles.org.

Bisher gibt es einen Lagebericht aus Südafrika, der hier nachgelesen werden kann.

Kurz als Rahmen für Argentinien:
SARS-CoV-2 hat in Argentinien bislang den folgenden Verlauf genommen:

Folgen Sie uns auf TELEGRAM

Bis zum gestrigen Tag wurden in Argentinien 2.25 Millionen Einwohner positiv auf SARS-CoV-2 getestet. 54.671 Menschen sind im Zusammenhang mit COVID-19 verstorben. Das entspricht 1.202 Toten pro einer Million Einwohner. Damit liegt Argentinien hinter Schweden, dem Vereinigten Königreich oder Italien, aber noch vor Deutschland. Einen Lockdown gab es in Argentinien, unser Leser wird es gleich ausführlich berichten, von März bis in den August 2020. Wie die Abbildungen oben zeigen, hat der Lockdown nicht wirklich einen Effekt auf die Verbreitung von SARS-CoV-2 gehabt. Wie in allen Ländern findet sich der markante wellenförmige Verlauf der positiven Tests auf SARS-CoV-2, der gänzlich unabhängig von der Art und Weise der getroffenen Maßnahmen zu sein scheint. Der Government Response Tracker der Blavatnik School of Government der University of Oxford zeigt für Argentinien zum Ende des November 2020 einen Wert von 79,17. Seither sind die Maßnahmen gegen COVID-19 verringert worden. Derzeit rangiert Argentinien bei einem Wert von 59,26. Zum Vergleich: Deutschland hatte Ende November einen Wert von 64,81 und hat heute einen Wert von 77,78. Steigende Werte bringen steigende Restriktionen zum Ausdruck. Im Vergleich zur Regierung von Argentinien hat die deutsche Regierung die Maßnahmen gegen COVID-19 also verschärft. Einen Unterschied im Hinblick auf die Ansteckungsgefahr und im Vergleich zu Argentinien lässt sich daraus nicht ableiten. Abermals kann festgestellt werden, dass unabhängig von der Intensität der Maßnahmen, der Verlauf der SARS-CoV-2 Epidemie im jeweiligen Land gleich ist.

Aus dem folgenden Bericht unseres Lesers sind zwei Dinge aus unserer Sicht besonders wichtig: Er schreibt davon, dass die Argentinier die Maßnahmen ihrer Regierung leid sind und ihre persönliche Freiheit aufgrund von letztlich zwei Faktoren durchsetzen können: (1) ihrer Mentalität und (2) der Tatsache, dass in unterschiedlichen Provinzen Argentiniens unterschiedliche Maßnahmen getroffen werden. Freiheit benötigt also Diversität. Deutschland zeichnet sich derzeit, ungeachtet des föderalen Systems, durch Gleichschaltung und einen Untertanengeist aus, den Boris Reitschuster gerade wie folgt dokumentiert hat:

Nochmals unser Dank an unseren Leser aus Argentinien für seinen Bericht und die den Bericht begleitenden Bilder, die er uns zur Verfügung gestellt hat. (Bitte beachten Sie sein Copyright auf diese Bilder.)

“Wir sind vor knapp 3 Jahren aus Deutschland nach Patagonien gezogen. Meine Frau ist Deutsch-Argentinierin und ich habe eine Greencard.  Auch wenn die Argentinier als die „europäischsten” der Südamerikaner gelten, so liegen doch Welten zwischen den Realitäten und Mentalitäten eines Nordeuropäers und denen der Argentinier.

Argentinien hat im Gesundheitswesen nominell ein Versicherungssystem wie wir es aus Europa kennen. Es ist dabei aber näher an den südeuropäischen Ländern wie Italien oder Spanien was die Effizienz dieses Systems angeht als an Deutschland.  Zudem sind die sozialen Unterschiede obwohl, bzw. weil (denn jede Krise verbraucht das Aufstiegspotenzial der unteren Mittelschicht und aufsteigenden Unterschicht aufs Neue) Argentinien generisch einem Sozialismus frönt, den es sich seit mehr als 4 Jahrzehnten nicht mehr leisten kann, – sind also die sozialen Unterschiede teils krass.

Man kann also mit Fug und Recht erwarten, daß das argentinische Gesundheitssystem schon bei einer mittleren Epidemie, die in die Institutionen wie Krankenhäuser durchschlägt, in die Knie gehen wird.

Als die Bilder aus Wuhan und Norditalien Ende 2019 und Anfang 2020 um die Welt gingen und man in Europa… nichts!… tat, startete man am 20.3.20 (noch ohne wesentliche Fallzahlen) vor Deutschland in Argentinien eine Quarantäne mit Ausgangssperre, die man mit unterschiedlicher Intensität für 5 Monate durchhielt. Die Maßnahmen waren anfangs fast hysterisch. Man holte hier beispielsweise  ein dänisches/norwegisches Bergsteigerpärchen mit 20 Polizisten nachts aus dem Biwak in einer Steilwand. Man hätte schlicht am Boden auf das Morgenlicht und die Bergsteiger warten können. Ortschaften verbarrikadierten sich, indem sie die Zufahrtsstraßen mit Erdwällen zuschoben. Menschen denunzierten Nachbarn etc. wie andernorts auch. Die Polizei verhaftete sogenannte “Quarantänebrecher“.

Wir waren über den Jahreswechsel 2019 in Deutschland gewesen und kamen Ende Januar 2020 nach Argentinien zurück. In Deutschland lag keinerlei Handlungswillen in der Luft. In Argentinien reagierten die Menschen panisch, wenn sie hörten, daß man aus Europa kam. Kurz danach kam die Quarantäne.

Untypisch für ihren sonstigen Lebensduktus hielten die Argentinier die Quarantäne recht konsequent durch. Gebracht hat es dem Land gesundheitlich nichts. Die Sterblichkeitsrate ist wie fast überall normal bis hin zu einer leichten Untersterblichkeit.  Warum das Gesundheitswesen, trotz seiner Labilität, nicht ins Trudeln geriet, wo es sich doch um eine gefährliche Pandemie handelte?

Die Propaganda wie die Testszenarien in ihrer Fragwürdigkeit sind dieselben wie in Deutschland und den meisten Ländern weltweit.

Allerdings hat die Quarantäne einen Ertrag für Argentinien, der obszön ist: Viele einfache Arbeiten werden in prekären Verhältnissen erbracht. Auch dies ist der sozialistischen Genetik geschuldet, denn einerseits wollen die Arbeitgeber problematische Arbeitsverhältnisse mit überbordendem Arbeitsrecht umgehen wie andererseits die Arbeitenden die ausufernden Steuern. Diese Arbeitsplätze fielen von einem auf den anderen Tag weg. Viele Familien waren über Monate ohne Einkommen. Puffernde Sozialmaßnahmen wie Kurzarbeitergeld, Arbeitslosengeld etc. gibt es de facto für die Masse nicht.



Und so ist die Situation seit ¼ Jahr die, dass die Menschen zwar in den Geschäften die sogen. „Barbijos“/Mund-Nasenschutz tragen, aber mit einer immer offeneren Nachlässigkeit. In den Supermärkten wird am Eingang weiterhin die periphere Körpertemperatur genommen, aber niemand kontrolliert mehr die Zahl der Eintretenden. Die meisten Menschen umarmen sich wieder, die sozialen Umgangsformen haben etwas von ihrer Lockerheit verloren, aber sie schnellen zurück zum status ante.

Ende 2020 waren wir wieder in Deutschland. Der Vergleich zu Argentinien fiel für Deutschland deprimierend aus. Die Deutschen in ihrer Masse glauben an das Reglement und der Satz „und ist es Wahn, so hat es doch Methode!“ bekommt hier den Grad einer Auszeichnung. Der Testwahn für die Rückreise war absurd. In Argentinien kontrollierte niemand die vermeintlich „vitalen“ Bestätigungen. Die Menschen sind es leid. Da wir formell in Buenos Aires eigentlich  für 10 Tage in Quarantäne gemusst hätten, die Weitereise nachhause als Durchreise durch die Provinz allerdings erlaubt war, stiegen wir in unser Auto und fuhren in zwei Tagen durch drei Provinzen. An jeder Provinzgrenze wird normalerweise von der Polizei kontrolliert. Diesmal fragte man uns nur, wohin wir fahren.

Es gibt allerdings große Unterschiede im Handling. In der Provinz Formosa, im Norden Argentiniens, hat man ein Fußballstadium zum Konzentrationslager umfunktioniert, in das man PCR-Positive zwangseinweist und – wie berichtet wird – auch bei erfolgter Negativtestung nicht mehr entlässt. *Auf der anderen Seite gibt es Provinzen, die den wirtschaftlichen Schaden gegen den gesundheitlichen realistisch abwägen und zu dem Schluss kommen, daß man die Leute wirtschaften lässt.

*Es gibt hier einen breiten Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen und ein sehr kritisches Verhältnis zu der Notwendigkeit und Güte der sogenannten “Impfung“ (wobei hier mit Sputnik eine klassische Impfung angeboten wird). Medicos Argentinos por la Verdad ist eine Gruppe, in der auch die Widerstände in Europa und die Querdenken-Bewegung in Deutschland thematisiert und zitiert wird.

Kurz: die Menschen sind hier weder besser noch klüger als in Deutschland. Sie sind auch nicht mutiger oder freiheitsliebender.  Aber ihnen fehlt der satte Wohlstand und die Illusion der Abfederung. Deshalb ist ihnen das Hemd näher als die Jacke. Deutschland wird durch das funktionierende Ordnungssystems des Mittelbaus, das sich immer mehr gegen die Freiheit seiner Bürger wendet, stranguliert. Die leidige Undiszipliniertheit der Argentinier  erweist sich hier als Vorteil für die Freiheit. 

Deutschland hat sich dagegen in den letzten Jahren bei den familiären Besuchen immer unfreier angefühlt.

Vielleicht ist es nicht mehr als ein trauriges Omen, daß nicht die Vernunft und der Glaube, sondern das Chaos der Willkür zur letzten Bastion der Freiheit geworden ist.  Die Ordnungsliebe Deutschlands aber wird paradox als Medium einer Willkür von oben zum Sargnagel der Zivilisation wie der Freiheit.”


Texte wie diesen gibt es nur bei uns!
ScienceFiles lebt von Spenden.

Bitte unterstützen Sie uns, damit wir Sie auch weiterhin informieren können.

Vielen Dank!


  • Deutsche Bank 
  • Michael Klein
  • BIC: DEUTDEDBCHE
  • IBAN: DE18 8707 0024 0123 5191 00
  • Tescobank plc.
  • ScienceFiles / Michael Klein
  • BIC: TPFGGB2EXXX
  • IBAN: GB40 TPFG 4064 2010 5882 46


Folgen Sie uns auf TELEGRAM


Bleiben Sie mit uns in Kontakt.
Wenn Sie ScienceFiles abonnieren, erhalten Sie bei jeder Veröffentlichung eine Benachrichtigung in die Mailbox.

ScienceFiles-Abo
Loading


Print Friendly, PDF & Email
4 Comments

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

ScienceFiles-Betrieb

Was uns am Herzen liegt ...

 

Ein Tag ScienceFiles-Betrieb kostet zwischen 250 Euro und 350 Euro.


 

Wenn jeder, der ScienceFiles liest, uns ab und zu mit einer Spende von 5, 10, 20, 50 Euro oder vielleicht auch mehr unterstützt, vielleicht auch regelmäßig, dann ist der Fortbestand von ScienceFiles damit auf Dauer gesichert.


Wir bedanken uns bei allen, die uns unterstützen!


ScienceFiles-Spendenkonto

Vielen Dank!

Holler Box