Wie man Diskriminierung auf Twitter erfindet: Gender Junk Science

Immer wenn man denkt, man hätte den Gender-Blödsinn hinter sich, kommt ein Nachzügler und erfindet eine neue Diskriminierung von Frauen, und die Frauen-Netzwerke, die von Steuerzahlern ausgehalten werden, sie verbreiten den Unfug. Letzte und diese Woche wurde über eine vermeintliche Studie von Nikki Usher, Jesse Holcomb und Justin Littman diskutiert, heftig diskutiert, vor allem auf Twitter und in diversen Blogs.

Wir haben den Blog von Christian Schmitt verlinkt, weil dort die Diskussion mit dem meisten Gehalt zu finden ist.

Usher, Holcomb und Littman, die man zu den institutionalisierten Wissenschafts-Darstellern zählen muss, die mangels eigener Ideen versuchen, auf dem Genderzug mitzufahren und eine Benachteiligung von Frauen zu erfinden, haben just das getan: eine Benachteiligung von Frauen erfunden.

Und zwar auf Twitter.

Daten für Journalisten aus den USA haben sie gesammelt, Follower, verifizierte Accounts, Retweets und dergleichen, für 1.299 männliche und 993 weibliche Journalisten. Und dann haben die Autoren auf Grundlage von rund 200.000 Tweets  und einer (wie sie wohl glauben) geheimgehaltenen Zahl von Re-Tweets und Replies untersucht, ob Tweets von weiblichen Journalisten seltener zu Replies und Re-Tweets führen als Tweets von männlichen Journalisten.

Für die, die Twitter unkundig sind: Ein Tweet ist eine 280 Zeichen lange Zeichenfolge, mit mehr oder weniger Sinn. Jeder Nutzer von Twitter kann anderen Nutzern folgen und hat Nutzer, die ihm folgen (follower). Ein Re-Tweet erfolgt, wenn ein Nutzer einen Tweet von einem anderen Nutzer an seine Follower verbreitet. Eine Reply ist eine Antwort auf den Tweet eines anderen Nutzers.

Usher, Holcomb und Littman, die sich nicht entblöden, am Ende ihres Beitrags zu schreiben, dass sie schon bevor sie die Forschung unternommen haben, wussten, was dabei herauskommen würde („we knew from the outset, that there was, indeed, a statistically significant gender imbalance …“ 14), stürzen sich auf Tweets, Replies und Re-Tweets von US-amerikanischen Journalisten und finden genau das, was sie vorab schon wussten, dass sie es finden würden: ein feindliches und giftiges (hostile und toxic) Umfeld, in dem Frauen diskriminiert werden. Eigentlich ist Junk, wie der, den Usher, Holcomb und Littman unter die Leser bringen, keiner weiteren Betrachtung wert. Eigentlich müsste sich jeder Leser mit noch vorhandenem gesundem Menschenverstand an den Kopf fassen und sich darüber wundern, wer heutzutage alles frei herumlaufen darf.

Aber, es hat sich eine heftige Auseinandersetzung um diesen Junk entsponnen, so dass wir uns fast genötigt sehen, auch ob der vielen Hinweise, die uns erreicht haben, dazu etwas zu schreiben.

Der Beitrag mit dem Titel „Twitter Makes It Worse: Political Journalists, Gendered Echo Chambers and the Amplification of Gender Bias” besteht aus viel Text, der um etwas, was man nur als Erstklässer-Statistik bezeichnen kann, angeordnet ist. Die Erstklässer-Statistik ist rein deskriptiv, kommt überhaupt nicht im Bereich bivariater Statistik an und erlaubt somit auch nicht die Schlüsse, die die Autoren ziehen wollen. Aber das macht nichts, denn die Tabellen sind sowieso nur vorhanden, um den Eindruck zu vermitteln, man habe etwas gerechnet.

Auf Seite 10 von 17 Textseiten und nach viel Geschwall findet sich die erste Tabelle, ohne jeden Hinweis darauf, was die lustigen Zahlen in der Tabelle eigentlich darstellen. Das haben auch die Autoren zwischenzeitlich vergessen. Entsprechend ist ihnen Tabelle 1 nur der Erwährung aber nicht mehr wert.

Es folgen drei Tabellen, in denen ausschließlich Zeilenprozente (für Männer und Frauen) berichtet und die Ergebnisse vollkommen sinnloser Chi-Quadrat-Tests dargestellt werden, die wiederum zeigen sollen, dass es einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Journalisten im Hinblick auf diverse Twitter-Aktivitäten gibt. Das hätte man, wenn rund 60% der Twitter-Nutzer, von denen die Autoren Daten bezogen haben, männlich sind, auch ohne Chiquadrat-Test phi-mal-Daumen feststellen können, aber dazu muss man natürlich rudimentäre Vorstellungen von Statistik haben. Die haben Usher, Holcomb und Littman mit ziemlicher Sicherheit nicht.

Ihre Unbeholfenheit ist dafür der beste Beleg. Sie berichten in Tabelle 2, dass 64,4% der „original Tweets“ in ihrem Datensatz, was auch immer das sein mag, von männlichen Nutzern / Journalisten stammen. 35,6% stammen von weiblichen Nutzern / Journalisten. Wenig überraschend ist der Chiquadrat-Wert sehr hoch und bei .995 signifikant. Bei den verifizierten Nutzern von Twitter, also den Nutzern, denen Twitter auf Basis unbekannter Kriterien eine „öffentliche Position“ zubilligt, ergibt sich ein anderes Bild: 56% der männlichen und 51,4% der weiblichen Nutzer haben von Twitter einen verifizierten Account erhalten. Überproportional viele weibliche und unterproportional viele männliche Nutzer relativ zur Anzahl der originalen Tweets und relativ zum Anteil von 56,7% männlichen Nutzern im Datensatz der Autoren und 43,3% weiblichen Nutzern haben einen von Twitter verifizierten Account, also einen Account, dem Twitter mehr Wichtigkeit als anderen Accounts zuweist, was dazu führt, dass Tweets von den entsprechenden Accounts eher angezeigt werden. .

Mit der Herstellung solcher Relationen, wie wir es gerade getan haben, mit dem Vergleich von mehr als zwei Variablen sind die Autoren aber offensichtlich und hoffnungslos überfordert, vermutlich deshalb, weil sie nur Gender denken können, und Gender zu denken, macht bekanntlich dumm. Nur so kann man erklären, dass die Autoren das soeben berichtete Ergebnis, das klar zeigt, dass die Verifikation von Nutzern durch Twitter offensichtlich einen Bias zu Gunsten von weiblichen Nutzern hat, gerade umgekehrt interpretieren und lamentieren, dass es Frauen ja nicht in der Hand hätten, ihren Status bei Twitter zu verifizieren, ganz so als hätten Männer das in der Hand. Aber dazu kommen wir noch.

Tabelle 3 soll angeblich zeigen, dass männliche Nutzer eher auf männliche Nutzern antworten und weibliche ignorieren. Abermals berichten die Autoren Zeilenprozente und berechnen vollkommen unnötige Chi-Quadrat-Werte um zu suggerieren, dass weibliche Nutzer / Journalisten ja so benachteiligt seien, auf Twitter. Dieses Mal haben sie aber die Rechnung ohne die Statistik gemacht, denn ihr Manipulationsversuch scheitert an ihrer eigenen Unkundigkeit.

Nehmen wir die Ergebnisse, die die Autoren „erschreckend“ finden. Männliche Journalisten im Datensatz haben in den zwei Wochen, für die Daten vorhanden sind, in 91,5% der Fälle auf Tweets von männlichen Nutzern / Journalisten geantwortet (in 8,5% auf Tweets von weiblichen Nutzern / Journalisten), während weibliche Journalisten in 27,9% der Fälle auf Tweets von männlichen Nutzern / Journalisten geantwortet haben (in 72,1% auf die Tweets von weiblichen Nutzern / Journalisten).

Shocking oder Unsinn?

Schockierender Unsinn.

Zwar haben die Autoren es peinlich vermieden, Ns (also die Grundgesamtheit ihrer Tabelle) anzugeben und verstecken sich, wie alle, die manipulieren oder lügen wollen, hinter Prozentwerten, aber, wie gesagt, sie haben unvorsichtigerweise den Wert für Chiquadrat und das Signifikanzniveau angegeben. Beides genügt, um die Anzahl der Fälle, auf die sich die Prozentzahlen beziehen, ziemlich genau zu berechnen:

Ergebnis: Auf 33.810 Tweets männlicher Nutzer / Journalisten gab es eine Antwort und auf 2.990 Tweets weiblicher Nutzer. Die Grundgesamtheit sieht also wie folgt aus:

Von 36.800 Tweets, auf die eine Antwort erfolgte, stammten 91,9% von männlichen Nutzern / Journalisten und 8,1% von weiblichen. 91,5% der männlichen Nutzer haben auf einen Tweet von einem männlichen Nutzer geantwortet, 8,5% auf einen Tweet von einem weiblichen Nutzer. Mit anderen Worten, der Anteil der Antworten männlicher Nutzer auf Tweets von weiblichen Nutzern entspricht fast genau dem Anteil entsprechender Tweets. Im Gegensatz zu männlichen Nutzern tendieren weibliche Nutzer dazu, sich im Weibchen-Ghetto einzuschließen und überproportional auf Tweets von weiblichen Nutzern zu antworten. Vielleicht haben sie ja Angst, sich gegenüber männlichen Kollegen mit einer dummen Antwort zu outen?

Wie dem auch sei, davon, dass männliche Nutzer / Journalisten, weibliche Nutzer / Journalisten links liegen lassen würden, kann keine Rede sein. Diese Aussage wird zudem durch die Daten gestützt, die die Autoren in Tabelle 4 veröffentlicht haben und ebenfalls fehlinterpretieren, ob aus Boshaftigkeit, Opportunismus oder Unfähigkeit, sei einmal dahingestellt.

Die Tabelle basiert auf 28.254 Re-Tweets. Abermals verschweigen die Autoren die Grundgesamtheit der Tabelle. Abermals haben wir das Datum über den Chi-Quadratwert und das Signifikanzniveau errechnet. 8,3% der Tweets, die weiterverbreitet werden, stammen von weiblichen Journalisten / Nutzern, 25,8% davon werden von männlichen Nutzern / Journalisten weiterverbreitet.

Kurz: Wenn man die Datengrundlage, auf der Usher, Holcomb und Littman ihre Ergebnisse gewonnen haben wollen, rekonstruiert, dann ergibt sich das Gegenteil der Ergebnisse, die die Autoren ihren Lesern aufbinden wollen. Männliche Journalisten / Nutzer verbreiten Tweets von weiblichen Journalisten / Nutzern überproportional häufiger und antworten auch überproportional häufiger auf deren Tweets als weibliche Journalisten / Nutzer.

Wir haben dieses quantitative Ergebnis errechnet, um zu zeigen, dass die Autoren bewusst oder aus Unfähigkeit heraus, lügen. Neben diesem quantitativen Ergebnis gibt es natürlich noch gewichtige qualitative Einwände, denn:

Nicht jeder Tweet hat auf Twitter zu jeder Zeit dieselbe Wahrscheinlichkeit Re-tweeted zu werden. Manche verschwinden einfach in der Versenkung und niemand weiß warum. Schon diese Einsicht reicht, um die Ergebnisse von Usher, Holcomb und Littman unabhängig von der Tatsache, dass sie ihre Behauptungen auf eine Fehlinterpretation ihrer eigenen Daten stützen, in die Mülltonne zu stopfen.

Aber es gibt noch einen ganz anderen Grund.

Die Idee von Twitter ist, dass man sich zwar kurz, aber dennoch mit Gehalt mitteilt. Ob die wenigen Zeichen dazu reichen, darüber kann man sich streiten, aber man muss konstatieren, dass ein Tweet, der für viele interessant ist, den viele amüsant finden, der einen Inhalt hat, der von vielen für wichtig angesehen wird, der provokativ ist, eine höhere Wahrscheinlichkeit hat, eine Antwort herauszufordern und verbreitet zu werden als ein Hausfrauentweet, der die Gesundheit der Enkelkinder zum Gegenstand hat.

Ergo muss man aus den Ergebnissen von Usher, Holcomb und Littman den Schluss ziehen, dass die meisten interessanten, provokanten, witzigen oder einfach gehaltvollen Tweets von männlichen Nutzern / Journalisten stammen.

Das hat mit Diskriminierung und toxischer und feindlicher Umgebung überhaupt nichts zu tun. Twitter wird, so muss man selbst für Journalisten annehmen, von Personen bevölkert, die aufgrund eines eigenen Willens zu einer entsprechenden Entscheidung fähig sind. Die Ergebnisse, die die Autoren so furchtbar finden, stellen das Ergebnis dieser Entscheidungen dar. Das werden selbst die Autoren akzeptieren müssen, so wie sie akzeptieren müssen, dass nicht jeder Beitrag, der es in eine wissenschaftliche Zeitschrift schafft, deshalb zu einem wissenschaftlichen Beitrag wird. Manche sind eben Junk, so wie der Beitrag von Usher, Holcomb und Littman.

Sozialwissenschaftlich ist der Beitrag also Junk. Literaturwissenschaftlich kann man den Beitrag als Ausdruck eines hohen Maßes an Phantasie ansehen, allerdings muss man psychologisch anmerken, dass die Borniertheit des Geistes, die darin zum Ausdruck kommt, dass ein Vorteil von Frauen als Nachteil interpretiert wird, weil die Autoren geistig oder ideologisch nicht flexibel genug sind, ihr Ziel, einen Nachteil zu finden, aufzugeben, wenn sie eben keinen finden, auf eine Persönlichkeitsstörung hinweist, wie man sie bei Genderisten häufig findet, weshalb das letzte Wort in dieser Angelegenheit ein Psychiater sprechen sollte.

Usher, Nikki, Holcomb, Jesse & Littman, Justin (2018). Twitter Makes it Worse: Political Journalists, Gendered Echo Chambers and the Amplification of Gender Bias. International Journal of Press/Politics. DOI: 10.1177/1940161218781254

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Reconquista Germanica: Nicht rechtsextrem und viel Lärm um herzlich wenig

Nicht zuletzt der Glockenturm (belltowernews) der Amadeu-Antonio-Stiftung hat die Reconquista Germanica bekannt gemacht.

Die Faktenfinder und Patrick Gensing haben sich alle Mühe gegeben, Reconquista Germanica hochzureden und zum „Public Enemy No. 1“, zur Trollfabrik aufzubauen.

Jan Böhmermann hat mit seiner misslungenen Aktion „Reconquista Internet“ und der dazugehörigen Liste derer, die aus dem demokratischen Deutschland, wie es sich Böhmermann vorstellt, entfernt werden müssen, dazu beigetragen, dass Reconquista Germanica auch noch dem letzten Begriffsstutzigen ein Begriff geworden ist.

Die ganze Kampagne gegen Reconquista Germanica ist ein perfektes Modell dafür, wie ein Echozimmer funktioniert, wie mimetische Isomorphie dazu führt, dass gleichgeschaltete Akteure auf Grundlage von gleichgeschalteten Informationen sich auf ein Objekt fixieren und dieses Objekt zum wichtigsten Gegenstand ihrer engen Stirn machen.

Und natürlich finden sich in diesem Echozimmer nicht nur politische Aktivisten wie die Glockenturmbesatzung der AAS-Stiftung, die davon lebt, dass es Plattformen oder Organisationen oder Erscheinungen wie Reconquista Germanica gibt, die man hochreden und mit Relevanz versehen kann, sondern auch Politiker, denen es ein ideologisches Ansinnen ist, eine rechte Gefahr zu beschwören, rechte Feinde aufzubauen und Rechtsextremismus zum großen Problem aufzubauschen, aus dem man dann politisches Kapital schlagen zu können glaubt.

Die LINKE hat gerade im Bundestag versucht – Kapital aus der Hysterie um Reconquista Germanica zu schlagen. Mit einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung hat die LINKE das versucht – und ist klassisch gegen die Wand gelaufen.

Es gebe Rechtsextremisten und rechtsextremistisch beeinflusste Gruppen, die im Internet versuchten, “Stimmung zu machen” (so wie es linke und linksextreme Gruppen, Parteien und Politiker gibt, die versuchen, Stimmung zu machen, schon weil “Stimmung machen” das ist, worum sich Politik dreht, vor allem in Zeiten des Wahlkampfes), so die Bundesregierung in ihrer Antwort. Reconquista Germanica sei „kein Beobachtungsobjekt des Bundesamtes für Verfassungsschutz“, sei „bislang nicht als rechtsextremistisch eingestuft“, ist somit auch nicht zu den rechtsextremistischen Gruppen zu zählen, die im Internet versuchten „Stimmung zu machen“.

Reconquista Germanica sei eine Vernetzungs- und Kommunikationsplattform, nicht mehr.

Dabei hat die LINKE wirklich alles versucht, um eine Verbindung von NPD, Drittem Weg, Identitärer Bewegung, „Die Rechte“ und anderen Gruppen mit Reconquista Germanica herbeizufragen. Es hat nichts genutzt. Reconquista Germanica ist nichts anderes als das Portal “Linksunten” in der derzeit vom Verfassungsschutz geduldeten Variante und im Gegensatz zu einer Reihe von Organisationen, die Teil der Partei „Die Linke“ sind, wird Reconquista Germanica weder vom Verfassungsschutz beobachtet noch als verfassungsfeindlich eingestuft.

Ob Jan Böhmermann den gleichen Elan, den er dazu verwendet hat, ein Miniatur-Portal, von dem keinerlei nachweisbarer Effekt auf die Bundestagswahl ausgegangen ist, trotz aller Bemühungen, den entsprechenden Effekt herbeizureden und herbeizuforschen, zum Monsterproblem zu stilisieren, nun, aus Gründen der ausgewogenen Berichterstattung, die ja zum Auftrag des öffentlichen Rundfunks gehört und im Rundfunkstaatsvertrag festgeschrieben ist, eine Aktion „Linksoben“ ins Leben ruft, um dem Hass auf „Linksunten“, die Liebe von „Linksoben“ entgegen zu setzen?

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Hasskommentar-Windmühlen: Don Quichotte und Sancho Panza gespielt von Laiendarstellern aus Politik und Medien

„Sie fanden, was sie kannten“. So lautet der Titel eines Büchleins, in dem Joachim Rehork schon vor Jahrzehnten die (Selbst-)Beschränkung von Archäologen, die egal, was sie finden, rituelle Gefäße finden, deren Bedeutung sie rituell mit „Opfer“ oder sonstigen religiös verbrämten Vorstellungen angeben. Die Archäologie, sie war der Hort der Phantasielosen bis sie von Grewis (Grenzwissenschaftlern) aufgemischt wurde und den Stab der Erkenntnis- und Phantasielosigkeit an diejenigen in den Sozialwissenschaften weitergegeben hat, die seit Jahrzehnten erfolglos darauf warten, eine Idee zu haben.

Weil ihnen partout nichts selbst einfallen will, deshalb verlegen sie sich darauf, Mouthpiece, Sprachrohr der Phantasielosen zu spielen, die sich in Politik und Journalismus als Laiendarsteller versuchen. Es ist in diesem Kontext der Phantasielosigkeit, in dem Ideen wie die, soziale Medien seien der Hort von Hassrednern, in denen sich Hasser zusammentun, um zu hassen, und nur zu hassen in guten wie in schlechten Tagen bis die schlechte DSL-Leitung sie vom Server scheidet, florieren. Erst gestern haben wir von einem Hilfsakademiker, einem institutionalisierten Soziologen berichtet, der nichts anderes kann als das Internet vor dem Hintergrund seiner eigenen Vorurteile zu betrachten und sich seine Vorurteile zu bestätigen, täglich aufs Neue und in minutiöser Kleinkrämerei, die jeden Blick auf mehr als eine Fallstudie scheut.

Es ist in der Enge der Gehirne von Laiendarstellern aus Politik, Journalismus und Hilfsakademia, in der sich Phantasien der Abgeschlossenheit im eigenen Zirkel, in der eigenen Subkultur formieren, in der Feindbilder derer, die angeblich das Internet nur dazu benutzen, um zu hassen, gebildet werden und sich die Wut auf diese phantasierten Hasser aufstaut, bis sie sich in einem Shitstorm Bahn bricht, um Gesetz oder von einem vormals wissenschaftlichen Verlag zwischen zwei Buchdeckel gepresst zu werden. Wenn sich die Phantasien vom bösen Anderen, der im anonymen Internet hassen soll, wie Azathoth im Dunkeln nagt, erst Bahn gebrochen haben, wenn sie erst zum herrschenden Gegenstand im eigenen Echozimmer, das die phantasie- und häufig auch kenntnislosen Polit-, Journalistik- und Wissenschaftsdarsteller gemeinsam bewohnen, geworden ist, dann entwickeln sie eine eigene Dynamik, dann werden sie zum eigenständigen Motiv, das all denjenigen, die außerhalb des Echozimmers in Normalität leben, unterstellt wird.

So entstehen dann die Märchen von den Wutbürgern und Hassern, die das Internet bevölkern und sich dort nur aufhalten, um zu hassen, sich mit Ihresgleichen im Hass zu verbrüdern und gemeinsame Hassorgien zu feiern. Derartige Phantasien sagen viel über die Laiendarsteller aus Politik, Medien und institutionalisierter Wissenschaft aus, aber sie sagen gar nichts über die Realität.

Mehr noch: Sie sind schlicht falsch.

Dass sie falsch sind, das zeigt eine brandneue Studie, die Dr. habil. Heike Diefenbach aufgetan und für uns besprochen hat. Nicht nur finden sich Echozimmer im Internet so gut wie gar nicht, die Forscher und all die anderen, die sie angeblich gefunden haben wollen, konnten dies nur, weil sie selbst in einem Echozimmer leben, das so sehr von methodischer Armseligkeit geprägt ist, dass es ihnen gar nicht in den Sinn kommt, dass das Internet viel mehr Möglichkeiten bereitstellt als die eine, die einzige, die sie kennen und gegen die sich ihr ganzer Ärger richtet.

Der gemeine Internetnutzer, er ist viel informierter und versierter als die meisten derjenigen, die ihn beforschen wollen oder die ein Zerrbild erschaffen, um sich daran abzuarbeiten, jenes Zerrbild, aus Hasskommentaren (was immer genau das auch für wen sein mag) und Echozimmern, also der Vorstellung, dass jeder nur diejenigen sozialen Medien zur Kenntnis nehmen würde, die ihm weltanschaulich zusagen, aber keine anderen Medien (oder gar keine), so dass es zunehmend zur Entstehung von so genannten Echozimmern komme, in denen sich nur Gleichgesinnte austauschen, was zu politischer Polarisierung in der Gesellschaft zwischen politisch Interessierten und politisch nicht bis wenig Interessierten einerseits und zwischen weltanschaulichen „Lagern“ andererseits führe.

Diese Vermutungen werden zwar routinemäßig wiederholt, aber empirisch überprüft wurden sie bislang kaum oder wenn, dann auf der Grundlage mangelhafter Forschungsdesigns, insbesondere in Form von Betrachtungen einzelner sozialer Medien ohne Berücksichtigung der Frage, inwieweit Nutzer dieser Medien noch andere Medien nutzen.

Elizabeth Dubois von der University of Ottawa und Grant Blank vom Oxford Internet Institute haben diesem Mißstand nun Abhilfe geschaffen. Sie haben anhand einer 2.000 Personen umfassenden Zufallsauswahl von Erwachsenen im Vereinigten Königreich untersucht, welche Medien sie nutzen und inwieweit sie sich bei ihrer Mediennutzung in „echo chambers“ bewegen.

Das Ergebnis im Originalton von Grant Blank: „Whatever the causes of political polarisation today, it is not social media or the internet” [Was immer auch die Ursache der derzeitigen politischen Polarisierung sein mag, soziale Medien oder das Internet sind nicht die Ursache], denn die Untersuchung ergab, dass soziale Medien weniger dazu genutzt werden, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen oder Informationen nur aus weltanschaulich nahestehenden Medien zu suchen. Vielmehr werden soziale Medien von der Mehrheit ihrer Nutzer dazu genutzt, Informationen, die sie irgendwo gelesen haben, zu überprüfen. Sie nutzen dazu auch Suchmaschinen und werden dabei häufig mit Darstellungen oder Meinungen konfrontiert, die nicht ihren eigenen entsprechen. Die Forscher haben festgestellt, dass die Nutzer in der Stichprobe durchschnittlich vier verschiedene Medien als Hauptinformationsquellen nutzten und im Durchschnitt auf Plattformen dreier verschiedener sozialer Medien angemeldet waren. Sie haben weiter festgestellt, dass einige der Nutzer in der Stichprobe aufgrund dieser Art der Mediennutzung ihre Meinung zu bestimmen Fragen geändert haben.

In der Stichprobe von Dubois und Blank waren nur 8 Prozent der Befragten Nutzer eines einziges Mediums, aus dem sie sich gesellschaftspolitische Informationen verschafft haben. Sie zeichnen sich auch dadurch aus, politisch nicht besonders interessiert zu sein. Während sie also diejenigen Mediennutzer sind, die am ehesten in der Gefahr stehen, sich in „echo chambers“ zu bewegen, sind sie aufgrund ihres realtiven politischen Desinteresses auch diejenigen, die am wenigsten meinungsbildend auf andere Personen wirken dürften. Während das politische Interesse oder Desinteresse also einen (statistisch signifikanten) Zusammenhang mit der Mediennutzung ergab, war das für andere Variablen wie Alter, Einkommen, ethnische Zugehörigkeit und Geschlecht der Befragten nicht der Fall.

Diese Studie, die – anders als die vielen Arbeiten, die sich nur der Betrachtung eines einzelnen sozialen Mediums widmen, wohl oft in der Absicht, Belege für ihre vorgefassten Meinungen über die Fragwürdigkeit sozialer Medien zu beschaffen – erstmals die Breite der Mediennutzung durch Befragte in Rechnung stellt, ergibt also ein klares Bild: sofern eine politische Polarisierung in (westlichen) Gesellschaftlichen zu beobachten ist, spielen soziale Medien dabei keine Rolle. (Der Fairneß halber sei bemerkt, dass Barberá et al. im Jahr 2015 aufgrund ihrer Studie mit dem Titel „Tweeting From Left to Right“ über die Nutzung von Twitter, also aufgrund ihrer Betrachtung eines einzigen sozialen Mediums, ebenfalls zu dem Ergebnis kamen, dass das Ausmaß politischer bzw. weltanschaulicher Segregation bei der oder durch die Nutzung sozialer Medien überschätzt wird.)

Nun wäre es notwendig, diese Studie in anderen Ländern, z.B. in Deutschland, und möglichst auf der Grundlage einer noch größeren Anzahl von Befragten zu replizieren, um festzustellen, ob sich bezüglich der Bedeutung sozialer Medien bzw. des Internets für eine politische Polarisierung Unterschiede zwischen verschiedenen (westlichen) Gesellschaftlichen feststellen lassen. 

Die Studie von Dubois und Blank ist in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Information, Communication & Society“ erschienen.

Dubois, Elisabeth & Blank, Grant, 2018: The Echo Chamber is Overstated: The Moderating Effect of Political Interest and Diverse Media. Information, Communication & Society 21(5): 729-745.
https://doi.org/10.1080/1369118X.2018.1428656

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Kultur der Boshaftigkeit – Don Alphonso über seine Freunde, die das Denunzieren zu lieben lernten

NetzDG oder wie Freunde lernten, das Denunzieren zu lieben“, so lautet der Titel des neuesten Beitrags, den Don Alphonso bei der FAZ veröffentlicht hat. Darin berichtet er von zwei guten Bekannten, die „immer das richtige gesagt haben“, aber einmal das falsche gesagt haben. Sie haben es zur falschen Zeit am falschen Ort gesagt und … Basta. Das war es mit dem Job.

Es geht, wie könnte es anders sein, um das NetzDG, das Denunziationsdurchsetzungsgesetz, das Heiko Maas nach wie vor stolz verteidigt, vermutlich mit der selben Verve, mit der Arthur Seyß-Inquart seine Unterschrift unter das „Anschlussgesetz“ verteidigt hätte, hätte man ihn 1938 zur Verantwortung gezogen. Zum NetzDG, das zwei seiner Bekannten ihren Job gekostet hat, äußert sich Don Alphonso als der Historiker, der er qua Ausbildung ist: Die Möglichkeit zur Denunziation werde genutzt, wenn man sie schaffe, so schreibt er. Von Der „banalen Mentalität der kleinen Anschwärtzung“ schreibt er und davon, dass die Denunzianten dann, wenn ihre „Anschwärtzung“ Erfolg hatte, dies „auch stolz mitteilen“ werden. Mit dem NetzDG, so kann man sein Argument zusammenfassen, wurde ein gesetzliches Vehikel geschaffen, das es jedem kleinen Denunzianten erlaubt, sein schmutziges Geschäft auszuüben und sich dafür von seinem Staat auch noch auf die Schulter klopfen zu lassen. Und damit endet bei Don Alphonso die Diskussion dessen, was wir für die größte mit dem NetzDG assoziierte Katastrophe halten, denn das NetzDG ermöglicht und verstärkt eine Kultur der Boshaftigkeit, die es in Deutschland, vor allem auf Seiten der politischen Linken gibt.

Es gehört zur Uniform eines Linken, sich als Intellektueller und als denen überlegen zu fühlen, die er für ideologisch und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch menschlich inferior ansieht. Intellektuelle Superiorität kann man sich entweder zugestehen, weil man sich in einer rationalen Argumentation mit seinen Argumenten durchgesetzt hat. Das erfordert Wissen, Kompetenz und Lernen. Drei Qualitäten, die man nur noch bedingt auf der linken Seite des politischen Spektrums vorfindet. Statt dessen findet man den Anspruch, moralisch überlegen zu sein, ein besserer Mensch zu sein, aus dem dann eine intellektuelle Überlegenheit gegenüber all denen abgeleitet wird, die man als ideologische Feinde ansieht, mit denen man sich nicht mehr auseinandersetzt, die man im wahrsten Sinne des Wortes bekämpft. Da wo der wirklich intellektuell Überlegene seine Überlegenheit mit der Wucht seiner Argumentation unter Beweis stellt, da kneifen moderne Linke. Sie suchen nach Surrogaten und die Surrogate, die ihnen angeboten werden, enthalten u.a. die Möglichkeit, sich als Denunziant zu betätigen und dadurch, wie sie glauben, eine moralische Erhöhung zu erfahren. Das aus ihrer Sicht ideologische Ungeziefer, das sie denunzieren, macht sie zu Helden, Volkshelden im Kampf gegen den Hass und die Hetze, Begriffe, hinter denen sich in der Regel einfach nur eine andere Meinung verbirgt.

Die Sozialpsychologie kennt diese Methoden, mit denen kleine Geister versuchen, sich zu großen und überlegenen Menschen zu stilisieren. Von Sherif bis Tajfel, von Turner bis Milgram reichen die klassischen Experimente, mit denen gezeigt wurde, dass kleine Menschen Halt in der Gruppe suchen, dass sie ihre fehlende Urteilsfähigkeit und ihren fehlgeschlagenen Versuch, eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln, durch Zuordnung zu einer Gruppe zu ersetzen bzw. kaschieren suchen und dass sie, als nunmehr soziale Persönlichkeit ohne eigene Idee, freudig bereit sind, sich zum Helfershelfer einer Ordnungsmacht zu machen, deren Ziel darin besteht, Abweichung zu bestraften. Gerade die Experimente von Stanley Milgram zeigen, wie schnell der kleine Geist, der die soziale Surrogat-Persönlichkeit an die Stelle eigener Urteilsfähigkeit gesetzt hat, bereit ist, Dritte, die ihm als abweichend bedeutet wurden, zu bestrafen, hart zu bestrafen und dabei auch deren Tod in Kauf zu nehmen.

Die gesellschaftliche Katastrophe die Gesetz, die NetzDG geworden ist, sie schafft Randbedingungen, unter denen die Denunziation blüht, unter denen Boshaftigkeit und Niedertracht belohnt werden, unter denen der kleine Denunziant mit stolz geschwelter Brust zum verdienten Helden des Volkes im Kampf gegen die Hassrede avancieren kann – wie er glaubt.

Aber es kommt noch schlimmer.

Um 1901 hat Jerome K. Jerome mit seinem Buch „Three Men on the Bummel“ eine humoristische Reisebeschreibung gegeben, in deren Mittelpunkt Deutsche und ihre Eigenarten stehen, wie sie dem britischen Reisenden der damaligen Zeit aufgefallen sind. Das lustige und liebenswürdig gehaltene Buch kommt dennoch an vielen Stellen auf die Eigenschaft der oder mancher Deutschen zurück, die Jerome K. Jerome als die seltsamste, die am wenigsten normale anzusehen scheint: Die Bereitschaft der Deutschen, sich ihrer Obrigkeit freiwillig und in vorauseilendem Gehorsam zu fügen. Dieselbe Mentalität des Untertanen beschreibt Heinrich Mann in seinem gleichnamigen Buch, und sie findet sich nach dem zweiten Weltkrieg in der von Gabriel Almond und Sidney Verba unternommenen Vierländerstudie zur politischen Kultur wieder. Nein, sie findet sich nicht wieder, denn in Deutschland fehlt das, was Almond und Verba eine „Civic Culture“ genannt haben, also letztlich das Bewusstsein, dass Bürger gemeinsam gegen ihren Staat stehen, dass sie nur als freie Bürger überleben können, wenn sie ihren Staat und seine Macht beschränken, beschneiden und notfalls diejenigen, die sich als Staatsdiener verdingen, zum Teufel jagen.

Die entsprechende Civic Culture gibt es in Deutschland nicht. In Deutschland gibt es heute vor allem Linke, die sich zum Diener ihres Staates erklären. Ihnen liegt es näher, ihre Mitbürger zu bekämpfen und bei ihrem Staat anzuschwärzen, als dass sie gemeinsam mit Mitbürgern die Freiheit, die sie teilen oder eben nicht teilen, gegen den Staat und seine Tendenz, Freiheit einzuschränken und vor allem durch die Gewährung von Rechten zu zerstören, verteidigen [Wem bei der Formulierung “Gewährung von Rechten durch den Staat” nicht das Messer in der Tasche aufgeht, der hat die Transformation zum Untertanen bereits erfolgreich hinter sich gebracht.].

Das NetzDG macht sich diese Tendenz, der Obrigkeit dienlich zu sein, die sich vor allem bei Linken findet, ganz einfach deshalb, weil die Linken die größten Nutznießer des Staates sind, zunutze und schafft ein Klima, schafft Randbedingungen, in denen die Denunziation rehabilitiert wird. Denunziation gilt nicht mehr als boshafte Niedrigkeit, zu der man sich als Mensch nicht herunterziehen lässt, sie wird zu einer Form der Selbsterhöhung stilisiert, die dem Denunzianten einen warm glow verspricht, in dem er sich zu sonnen können glaubt.

Das ist für diejenigen, denen die Fähigkeit, sich eine eigene Persönlichkeit mit Urteilsfähigkeit und Menschenverstand zu geben, fehlt, ein Angebot, das sie nicht ausschlagen können. Ohne Leistung, ohne Können, ohne Kompetenz und ohne Wissen werden sie einfach nur dadurch, dass sie ein Tweet bei Twitter melden oder einen Post bei Facebook, zum Helden. Sie mutieren in ihren Augen zum Verteidiger der Demokratie und oft genug auch der Meinungsfreiheit, obwohl sie beider Totengräber sind. Sie fühlen sich plötzlich als wer, besser als der, den man denunziert hat. Und wo ganz wenig ist, gilt eben wenig viel.

Heiko Maas kommt das Verdienst zu, Randbedingungen geschaffen zu haben, die das wieder ermöglichen, was Historiker wie Richard Evans und Robert Gellately in ihren Arbeiten umfangreich beschrieben haben. Evans ist einer der besten Kenner der Geschichte des Dritten Reiches. Beide, Evans wie Gellately, haben die Idee, dass die Deutschen ein Volk der von Hitler Verführten und von der Gestapo Überwachten waren, zurückgewiesen und in vielen Beiträgen als falsch belegt. Gellately hat dies am Beispiel der Gestapo-Akten u.a. aus Würzburg getan, die sehr deutlich zeigen, dass nicht die Gestapo Ausgangspunkt eines Klimas war, in dem Deutsche des Deutschen Wolf wurden, dass vielmehr die Gestapo von einer Welle der Denunziation getrieben, ja fast weggeschwemmt wurde. Gesetze, die Juden im Dritten Reich zu Aussätzigen erklärt haben, schufen die Grundlage, auf der die Denunziation von Deutschen geblüht hat. Der Grundstock der Boshaftigkeit, er scheint in Deutschland 1933ff in gleicher Weise vorhanden gewesen zu sein, in der er heute vorhanden ist. Viele kleine Denunzianten, die die schmitzige Arbeit des Staates voller Freude erledigen.

Dass die politische Kultur in Westdeutschland auch nach dem Zweiten Weltkrieg keine grundlegend andere geworden ist, dass Untertänigkeit immer noch höher im Kurs stand als Solidarität mit Mitbürgern, das wissen wir aus der Studie von Almond und Verba. Dass die SED in Ostdeutschland die Kultur der Untertänigkeit, die immer eine Kultur der Boshaftigkeit und Missgunst war, für sich ausgenutzt hat und mit dem Ministerium für Staatssicherheit eine Institution zur Beschnüffelung der eigenen Bürger geschaffen hat, die der Gestapo kaum, wenn überhaupt, nachstand, eine Institution, die auf mehr als eine Million Inoffizielle Mitarbeiter zurückgreifen konnte, die eifrig, wie z.B. der Führungsoffizier von Anetta Kahane es ausgeführt hat, am sozialistischen Heil gearbeitet haben und damit das sozialische Heil auch erreicht wird, Mitbürger bespitzelt und denunziert haben, ist ebenfalls bekannt.

Man muss also feststellen, dass es in Deutschland eine Kultur der Boshaftigkeit gibt, die man anzapfen kann, wie dies Heiko Maas getan hat, um Bürger gegen Bürger in Stellung zu bringen, um diejenigen sich mit der Obrigkeit solidarisieren zu sehen, die zu den kleinen unter den Lichtern gehören und es nötig haben, durch ihren unermüdlichen Kampf für eingebildete Konzepte und gegen konkrete Mitbürger, Surrogat-Selbstwert zu kaufen. Wie gesagt, Tajfel, Turner, Milgram und Sherif, sie haben die sozialpsychologische Ärmlichkeit beschrieben, auf denen ein Denunziant wächst und gezeigt, wie einfach es ist, aus einem schüchternen Bürger einen brutalen Verteidiger von Konzepten zu machen, die er nicht einmal kennt.

Heiko Maas wird von nachfolgenden Generationen für sein NetzDG gescholten werden. Historiker werden es anführen, wenn sie die Brutalisierung und Entmenschlichung des öffentlichen Diskurses, wie sie unter Merkel stattgefunden hat, erklären wollen. Andere werden wieder einmal auf die Banalität des Bösen verweisen, die mit Gesetzen wie dem NetzDG losgelassen und tausendfach in Aktion gesetzt wurde. Wieder andere werden einen neuen Anwendungsfall von Stanley Milgrams Erkenntnissen darüber sehen, wie leicht es doch ist, ein kleines Menschlein, das nicht weiß, was es ist und keine Leistung erbracht hat, um eine Persönlichkeit darauf zu bauen, mit einem Ersatz für beides zu versorgen, der es dazu motiviert, nun, da es etwas ist, andere, die eben anders sind, zu denunzieren und zu bestrafen.

Heiko Mass ist der Ausgangspunkt eines neuen Kapitels im Buch, das der deutschen Kultur der Boshaftigkeit gewidmet ist. Die Geschichte wird ihm dafür den Platz einrichten, der ihm gebührt.

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Preiskauf: Heiko Maas erhält Preis für Toleranz (keine Satire)

Falls Sie sich fragen, was das Auswärtige Amt mit Steuergeldern macht, hier eine Antwort, die Michael Roth, Staatssekretär für Europa, in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Tolerantia-Awards an Heiko Maas gegeben hat:

„Vergangene Woche haben wir wir im Auswärtigen Amt eine Konferenz mit LGBTI-Aktivistinnen und Aktivisten vom Westlichen Balkan organisiert. Dabei berichtete ein Aktivist aus Mazedonien, wie seine Organisation in den vergangenen Jahren sechs Mal Opfer von Übergriffen wurde. Auch er selbst wurde angegriffen, und hatte anschließend den Eindruck, dass staatliche Behörden kein Interesse an einer Aufklärung der Vorfälle hatten.“

Nur zur Erinnerung, das Auswärtige Amt hat eigentlich die Aufgabe, die Interessen von Deutschen im Ausland zu vertreten, Pässe auszustellen, Deutschen, die in Not geraten sind, zu helfen, für deren Sicherheit zu sorgen, ihnen rechtlichen Beistand zu leisten usw. Nun wären Verwaltungen keine Verwaltungen, wenn sie nicht versuchen würden, ihren Tätigkeitsbereich zu erweitern, schon um mehr Ressourcen zu binden. Deshalb wurde die Aufgabenbeschreibung des auswärtigen Dienstes gedehnt, wenngleich man sie unter der Überschrift „Sicherung und Vertretung der Interessen Deutschlands im Ausland“ stellen könnte:

“(2) Aufgabe des Auswärtigen Dienstes ist es insbesondere,
– die Interessen der Bundesrepublik Deutschland im Ausland zu vertreten,
– die auswärtigen Beziehungen, insbesondere auf politischem, wirtschaftlichem, entwicklungspolitischem, kulturellem, wissenschaftlichem, technologischem, umweltpolitischem und sozialem Gebiet zu pflegen und zu fördern,
– die Bundesregierung über Verhältnisse und Entwicklungen im Ausland zu unterrichten,
– über die Bundesrepublik Deutschland im Ausland zu informieren,
– Deutschen im Ausland Hilfe und Beistand zu leisten,
– bei der Gestaltung der Beziehungen im internationalen Rechtswesen und bei der Entwicklung der internationalen Rechtsordnung mitzuarbeiten
– und die außenpolitische Beziehungen betreffenden Tätigkeiten von staatlichen und anderen öffentlichen Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland im Ausland.”

Ob das Hätscheln von Lobbyisten zu den Interessen Deutschlands gehört, ist eine Frage, die wir hier nicht beantworten müssen, denn hier geht es ja um Heiko Maas, der sich so um die Toleranz verdient gemacht haben soll, dass er den Tolerantia-Preis des Jahres 2017 erhalten hat. Der Tolerantia-Preis wird, oh Wunder, von Lobbygruppen der LGBTIusw (d.h. Homosexuelle und Anderssexuelle), also von denen vergeben, die man im Auswärtigen Amt hofiert. Fast könnte man denken, hier wäscht eine Hand die andere… Ihr finanziert uns, wir vergeben Preise an Euch …

Und so hat Heiko Maas (SPD) den diesjährigen Tolerantia-Preis erhalten, weil er sich so um LGBTIusw verdient gemacht hat.

Vermutlich könnte man einem Massenmörder den Friedensnobelpreis verleihen oder Robert Mugabe zum Botschafter für Weltgesundheit der WHO machen, wenn man all das ausblendet, was die Freude der Preisverleihung trüben könnte, NetzDG, Aktivismus gegen vermeintliche Hatespeech, Zerstörung der Meinungsfreiheit und Komplizenschaft mit der AAS-Stiftung … Es ist eben alles eine Frage der Betrachtungsweise und der A-Moral.

Und es ist sicher kein Zufall, dass Michael Roth (SPD), Staatssekretär für Europa im Auswärtigen Amt, die Laudatio auf Heiko Maas (SPD) hält und darin Umberto Eco zitiert:

„Der Schriftsteller Umberto Ecco hat einmal gesagt: „Um tolerant zu sein, muss man die Grenzen dessen, was nicht tolerierbar ist, festlegen.“ Diese Worte hast Du Dir, lieber Heiko, bei der Bekämpfung von Hate Speech zum Leitsatz gemacht.“

Nun, dann wollen wir einmal Eco’s mit Köpfen machen. Ab sofort definieren wir die Grenze unserer Toleranz da, wo Eco oder Unsinn von Eco in welcher Form auch immer, im Kommentarfeld auftaucht. Wer ecozitiert wird gelöscht. So viel Toleranz muss sein! Man muss eben die Grenze der Toleranz definieren, muss intolerant sein, um tolerant zu sein.

In einer Welt des Wahnsinns muss man sich anpassen, um nicht aufzufallen oder in die Klapse gehen, um normal zu bleiben.

Wir widmen diesen Beitrag der forensischen Psychiatrie.

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