Agent*in.org: Ein Kemper kämpft für seinen Pranger!

Agent*in.org, der Internetpranger, den Andreas Kemper, Kämpfer gegen alles, was ihm falsch erscheint, Elisabeth Tuider, scheinbar unterbeschäftigte Professurbesetzerin und Profiteur der gesellschaftlichen Leistungen aus der Postkolonialen Ära an der Universität Kassel und Henning van Bargen, Profiteur der unter der Hand Parteienfinanzierung des Gunda-Werner Instituts „redaktionell betreut“ haben und für den sich die Heinrich-Böll-Stiftung offiziell entschuldigt hat, er soll wieder da sein.

Der beträchtliche Imageschaden und die Gefahr, sich einer Vielzahl von Gerichtsprozessen wegen Persönlichkeitsverletzungen und übler Nachrede gegenüber zu sehen, hat die Heinrich-Böll-Stiftung wohl dazu veranlasst, die Reißleine zu ziehen und die Darsteller im Denunziantenstadl vor die Stiftungstür zu setzen, quasi stiften zu schicken.

Die bislang mageren Reste des Denunziantenstadls, mit dem Kemper die bösen Antifeministen bloßstellen und die Gesellschaft vor den Gefahren antifeministischer Betätigung retten will, und von denen er sich wohl Seligsprechung vom Transgott im Genderhimmel verspricht, sie belaufen sich derzeit auf ein knappes Dutzend Textchen, die den Themen gewidmet sind, die Kemper besonders belasten: „Björn Höcke“, ohne den Kemper nicht leben könnte, den „Antaois Verlag“, ohne den er sich nicht vollständig fühlen würde, „Dekadenz“, von der man annehmen könnte, dass sie Personen wie Kemper erst möglich macht, der „Niedergang der Nation“, von dem man denken könnte, er sei Kemper ein Anliegen usw.

Der Privatkrieg, den Kemper als einziger namentlich genannter aus einer von ihm als vielköpfig angegebenen Redaktion führt, weil er nach seiner Behauptung der einzige ist, der den Todesdrohungen, die die anderen anonymen Redakteure, die niemand kennt, erhalten haben, todesmutig entgegen trotzt, er ist nur dann für Kemper vollständig, wenn die von ihm so geliebte „Wikipedia-Gemeinde“ sein Privatkriegwiki „Diskursatlas Antifeminismus“ als offiziellen Nachfolger von Agent*in.org anerkennt und selig spricht.

Nur: Die Wikipedianer wollen den Diskursatlas nicht zum Nachfolger von Agent*in.org machen. Sie verweigern der schwarzen Feder von Kemper die Gefolgschaft. Deshalb ist im Moment eine amüsante Auseinandersetzung zwischen Kemper, pro-Nachfolge, und etlichen anderen, contra Nachfolge, im Gange, die man sich als Lektüre, je nachdem für den Karfreitag, Kreuzigung und eben keine Auferstehung oder für die Osternacht „Kempers Auferstehung“ vornehmen kann. Im Ergebnis wird man zu der Erkenntnis kommen, dass Wikipedianer und Kemper zu viel Zeit haben und diese viele Zeit dazu nutzen, sich über Blödsinn zu streiten. Ob Kempers Privatwiki nun ein Nachfolger des Denunziantenstadls der Heinrich-Böll-Stiftung ist oder nicht, es ist in jedem Fall sein privatrechtlich-verantwortliches Unterfangen, an dem er sich zur Not auch gerichtlich wird messen lassen müssen. Nur das zählt. Also: Wikipedianer: Gebt dem Kemper seinen Nachfolgepranger, wenn ihr an Oster-Kreuzigungen mit Happy-End glaubt, verweigert sie, wenn ihr Kreuzigungen als solche ablehnt. Es soll auch unter Wikipedianern welche geben, die hinter Metaphern blicken und deren Logik erkennen können, selbst wenn sie auf unterschiedlichen Verstehensebenen zu finden ist.

Es gibt ja Menschen, deren geistiges Gehege ist so eng, dass sie nur in anti- oder pro denken können. Wir dagegen sind Vertreter geistiger Vielfalt, wie sie der kritische Rationalismus bereit stellt und als solche haben wir grundsätzliche Einwände gegen diejenigen, die ihren ideologischen Glauben gegen die Realität durchsetzen und Aussagen aufrechterhalten wollen, die falsch sind. für die dann alle zum „anti-„ werden, die ihre Heilsvorstellung nicht teilen.

Zum Schluss noch ein Wenig von Nietzsche, das uns passend scheint:

„W e s h a l b  d i e  D u m m e n  s o  o f t  b o s h a f t  w e r d e n –

Auf die Einwände des Gegners, gegen welche sich unser Kopf zu schwach fühlt, antwortet unser Herz durch Verdächtigung der Motive seiner Einwände“.

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Endlich Weltspitze: Deutschland führt die Twitter-Zensur an

BuzzFeed hat etwas getan, was – seit die qualitativen Kaffeekränzchen zum Standard der Sozialforschung geworden sind – an Universitäten kaum noch getan wird: quantitativ geforscht. Von Oktober 2017 an hat BuzzFeed Twitter-Accounts gesammelt, die in einem Land „ausgeblendet werden“ und eine entsprechende Datenbank angelegt. Insgesamt rund 800.000 Twitter-Accounts hat das BuzzFeed-Team untersucht und dabei 1.714 Nutzer gefunden, die in mindestens einem Land ausgeblendet werden. Das Ausblenden ist die Twitter-Form des Löschens: Man macht Tweets oder Accounts schlicht in einem Land nicht mehr sichtbar. Nur in ganz seltenen Fällen werden Accounts von Twitter gelöscht, wenn man dem Transparenzbericht des Unternehmens Glauben schenken kann.

Das Interessante an den 1.714 Twitter-Nutzern, deren Tweets nur noch von ihnen gesehen werden bzw. deren Tweets in mindestens einem Land zensiert werden, also nicht gezeigt werden, ist natürlich die lokale Verteilung. Und siehe da: Deutschland ist Spitze.

Der Denunziationsmob und die von Heiko Maas zu verantwortende Lizenz zur Denunziation, das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, sie hat zwar noch nicht einen einzigen Antrag eines Gerichtes hervorgebracht, der bei Twitter eingegangen ist, und zwar mit dem Ziel, einen Account zu löschen oder auch nur zu sperren, aber sie hat dazu geführt, dass in Deutschland so viele Nutzer blockiert sind wie sonst nirgends. Die Leute von BuzzFeed haben ihre Ergebnisse in einer Grafik zusammengestellt, die wir hier wiedergeben. Sie zeigt deutlich, in welchen Ländern es noch Meinungsfreiheit gibt und in welchen nicht mehr. Dass Deutschland auf einer Stufe mit einem autoritären Systemen wie dem der Türkei steht, ist dabei sicher kein Zufall, sondern einfach nur eine Bestätigung der Tatsache, dass das einst freie Deutschland nicht mehr frei ist.

Dafür gesorgt haben all die Hobby-Denunzianten, die denken, wenn sie einen Tweet melden, der ihnen nicht passt, und dieser Tweet von Twitter dann tatsächlich in Deutschland geblockt wird oder mehr noch, wenn sie es schaffen, einen ganzen Account geblockt zu bekommen, dann hätten sie im Gegenzug nicht nur die Genugtuung, ihre psychologische Störung, die es nicht ertragen kann, kontroverse Inhalte zu sehen, durchgesetzt zu haben, sondern würden sich auch als besonders guter und braver Bürger qualifizieren, der die Drecksarbeit seines Staates macht.

Sicher: BuzzFeed hat eine Häufung von Begriffen wie „Hitler“, „Nazi“ oder Zahlencodes, die mehr Linke als Rechte kennen, bei geblockten Accounts gefunden. Ideologisch Verwerfliches, das in einem Land, das Freiheit in Meinung angeblich garantiert und in dem die persönliche Freiheit so wichtig, zumindest in Sonntagsreden so wichtig geredet wird, geduldet werden muss.

Was ist das für ein Land, was ist das für eine Demokratie, die von ein paar Begriffen, ein paar Symbolen des Tausendjährigen Reiches und ein paar versprengten Nazis gefährdet werden kann? Nichts, worauf man bauen wollte, jedenfalls, oder ein autoritäres System, das keine Gefahr abwehren, sondern unterdrücken will. Entsprechend wären die Hobbydenunzianten wohl als kleine Sadisten anzusehen, die ihren Wert daraus beziehen, sich bei dem, was sie für die Autorität halten, anzudienen, indem sie andere schädigen. Das ist übrigens auch die Definition von Boshaftigkeit.

Und natürlich ist es ein Zeichen für Dummheit, wenn man nicht versteht, dass die Inhalte, die man heute denunziert, nicht die Inhalte sind, die morgen noch als verwerflich angesehen werden müssen, morgen können es schon die Inhalte sein, die die Denunzianten von heute gut finden. Und wetten, wenn morgen die Denunzianten von heute zum Gegenstand staatlicher Zensur werden, dann schreien sie Zeter und Mordio? Ob sich an das Geschrei die Einsicht anschließt, dass es nur einen Feind von Freiheit gibt und dass dieser Feind sich in Form staatlicher Institutionen äußert, die Bürger kontrollieren wollen, und dass man deshalb keine Handbreit der Freiheit an den Staat und seine Institutionen abgeben darf?

Wir haben so unsere Zweifel.

BuzzFeed: Wie Twitter Konten in verscheidenen Ländern auf der ganzen Welt blockiert

 

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Denunziation ist notwendiger Bestandteil der Arbeit von Betriebsräten

Zu diesem Ergebnis muss man angesichts eines Vorgangs kommen, der auf Justillion berichtet wird.

Braunschweig.

100 Mitarbeiter der Wolters Brauerei sind bei einer Betriebsversammlung anwesend. Der Betriebsrat liest ein anonymes Schreiben vor, in dem Mitarbeiter namentlich angegriffen werden, als „überflüssig“, „ohne Ahnung“ und „nur quatschend“ bezeichnet werden. Auch der Vorwurf, ein Mitarbeiter fälsche die Statistiken, wurde von dem anonymen Schreiber erhoben.

Die Betriebsleitung nimmt dieses anonyme Schreiben zum Anlass, eine Belohnung von 2.000 Euro für denjenigen auszusetzen, der die Anonymität des Schreibers lüftet.

Gegen dieses Vorgehen hat der Betriebsrat vor dem Arbeitsgericht einen Eilantrag auf Unterlassung gestellt: Man werde durch das Vorgehen der Geschäftsleitung in seiner Arbeit behindert. Mitglieder des Betriebsrats „dürfen in der Ausübung ihrer Tätigkeit nicht benachteiligt oder begünstigt werden“, so zitiert der Betriebsrat den Artikel 78 des Betriebsverfassungsgesetzes.

Die Geschäftsleitung hat es eingesehen und vor dem Arbeitsgericht eingelenkt. Die Belohnung von 2.000 Euro wurde gestrichen.

Und so haben wir das interessante Ergebnis, dass Denunziation einen elementaren Bestandteil der Arbeit von Betriebsräten darstellt. Ein Verbot von Denunziation käme einer „Benachteiligung“ der Mitglieder des Betriebsrates gleich. Ob die Gewerkschaftler hier wissen, was sie tun?

Die logische Struktur dieses Syllogismus der Denunziation lautet wie folgt:

Die Mitglieder des Betriebsrates dürfen in der Ausübung ihrer Tätigkeit nicht benachteiligt werden.
2000 Euro Belohnung für Hinweise auf einen anonymen Denunzianten stellen eine solche Benachteiligung dar.
Daraus folgt, dass Denunziation gewährleistet werden muss, weil sie für die Arbeit des Betriebsrats wichtig ist und ein Verbot der Denunziation eine Benachteiligung der Mitglieder des Betriebsrates darstellen würde.

Wundert sich noch jemand, dass in Deutschland eine Kultur der Denunziation blüht?

Scheinbar gilt es mittlerweile schon als besondere Leistung, aus der Anonymität heraus und so, dass man für seine Behauptungen nicht zur Rechenschaft gezogen und die Grundlage der Behauptungen nicht geprüft werden kann, andere namentlich zu denunzieren. In jedem Fall muss man feststellen, dass Betriebsratsmitglieder bei der Brauerei Wolters in Braunschweig anonyme Schreiben verlesen, in denen Dritte namentlich denunziert werden, was darauf schließen lässt, dass Anstand und Moral im Gegensatz zu Hopfen und Malz unbekannte Größen im Betriebsrat sind.

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Kultur der Boshaftigkeit – Don Alphonso über seine Freunde, die das Denunzieren zu lieben lernten

NetzDG oder wie Freunde lernten, das Denunzieren zu lieben“, so lautet der Titel des neuesten Beitrags, den Don Alphonso bei der FAZ veröffentlicht hat. Darin berichtet er von zwei guten Bekannten, die „immer das richtige gesagt haben“, aber einmal das falsche gesagt haben. Sie haben es zur falschen Zeit am falschen Ort gesagt und … Basta. Das war es mit dem Job.

Es geht, wie könnte es anders sein, um das NetzDG, das Denunziationsdurchsetzungsgesetz, das Heiko Maas nach wie vor stolz verteidigt, vermutlich mit der selben Verve, mit der Arthur Seyß-Inquart seine Unterschrift unter das „Anschlussgesetz“ verteidigt hätte, hätte man ihn 1938 zur Verantwortung gezogen. Zum NetzDG, das zwei seiner Bekannten ihren Job gekostet hat, äußert sich Don Alphonso als der Historiker, der er qua Ausbildung ist: Die Möglichkeit zur Denunziation werde genutzt, wenn man sie schaffe, so schreibt er. Von Der „banalen Mentalität der kleinen Anschwärtzung“ schreibt er und davon, dass die Denunzianten dann, wenn ihre „Anschwärtzung“ Erfolg hatte, dies „auch stolz mitteilen“ werden. Mit dem NetzDG, so kann man sein Argument zusammenfassen, wurde ein gesetzliches Vehikel geschaffen, das es jedem kleinen Denunzianten erlaubt, sein schmutziges Geschäft auszuüben und sich dafür von seinem Staat auch noch auf die Schulter klopfen zu lassen. Und damit endet bei Don Alphonso die Diskussion dessen, was wir für die größte mit dem NetzDG assoziierte Katastrophe halten, denn das NetzDG ermöglicht und verstärkt eine Kultur der Boshaftigkeit, die es in Deutschland, vor allem auf Seiten der politischen Linken gibt.

Es gehört zur Uniform eines Linken, sich als Intellektueller und als denen überlegen zu fühlen, die er für ideologisch und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch menschlich inferior ansieht. Intellektuelle Superiorität kann man sich entweder zugestehen, weil man sich in einer rationalen Argumentation mit seinen Argumenten durchgesetzt hat. Das erfordert Wissen, Kompetenz und Lernen. Drei Qualitäten, die man nur noch bedingt auf der linken Seite des politischen Spektrums vorfindet. Statt dessen findet man den Anspruch, moralisch überlegen zu sein, ein besserer Mensch zu sein, aus dem dann eine intellektuelle Überlegenheit gegenüber all denen abgeleitet wird, die man als ideologische Feinde ansieht, mit denen man sich nicht mehr auseinandersetzt, die man im wahrsten Sinne des Wortes bekämpft. Da wo der wirklich intellektuell Überlegene seine Überlegenheit mit der Wucht seiner Argumentation unter Beweis stellt, da kneifen moderne Linke. Sie suchen nach Surrogaten und die Surrogate, die ihnen angeboten werden, enthalten u.a. die Möglichkeit, sich als Denunziant zu betätigen und dadurch, wie sie glauben, eine moralische Erhöhung zu erfahren. Das aus ihrer Sicht ideologische Ungeziefer, das sie denunzieren, macht sie zu Helden, Volkshelden im Kampf gegen den Hass und die Hetze, Begriffe, hinter denen sich in der Regel einfach nur eine andere Meinung verbirgt.

Die Sozialpsychologie kennt diese Methoden, mit denen kleine Geister versuchen, sich zu großen und überlegenen Menschen zu stilisieren. Von Sherif bis Tajfel, von Turner bis Milgram reichen die klassischen Experimente, mit denen gezeigt wurde, dass kleine Menschen Halt in der Gruppe suchen, dass sie ihre fehlende Urteilsfähigkeit und ihren fehlgeschlagenen Versuch, eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln, durch Zuordnung zu einer Gruppe zu ersetzen bzw. kaschieren suchen und dass sie, als nunmehr soziale Persönlichkeit ohne eigene Idee, freudig bereit sind, sich zum Helfershelfer einer Ordnungsmacht zu machen, deren Ziel darin besteht, Abweichung zu bestraften. Gerade die Experimente von Stanley Milgram zeigen, wie schnell der kleine Geist, der die soziale Surrogat-Persönlichkeit an die Stelle eigener Urteilsfähigkeit gesetzt hat, bereit ist, Dritte, die ihm als abweichend bedeutet wurden, zu bestrafen, hart zu bestrafen und dabei auch deren Tod in Kauf zu nehmen.

Die gesellschaftliche Katastrophe die Gesetz, die NetzDG geworden ist, sie schafft Randbedingungen, unter denen die Denunziation blüht, unter denen Boshaftigkeit und Niedertracht belohnt werden, unter denen der kleine Denunziant mit stolz geschwelter Brust zum verdienten Helden des Volkes im Kampf gegen die Hassrede avancieren kann – wie er glaubt.

Aber es kommt noch schlimmer.

Um 1901 hat Jerome K. Jerome mit seinem Buch „Three Men on the Bummel“ eine humoristische Reisebeschreibung gegeben, in deren Mittelpunkt Deutsche und ihre Eigenarten stehen, wie sie dem britischen Reisenden der damaligen Zeit aufgefallen sind. Das lustige und liebenswürdig gehaltene Buch kommt dennoch an vielen Stellen auf die Eigenschaft der oder mancher Deutschen zurück, die Jerome K. Jerome als die seltsamste, die am wenigsten normale anzusehen scheint: Die Bereitschaft der Deutschen, sich ihrer Obrigkeit freiwillig und in vorauseilendem Gehorsam zu fügen. Dieselbe Mentalität des Untertanen beschreibt Heinrich Mann in seinem gleichnamigen Buch, und sie findet sich nach dem zweiten Weltkrieg in der von Gabriel Almond und Sidney Verba unternommenen Vierländerstudie zur politischen Kultur wieder. Nein, sie findet sich nicht wieder, denn in Deutschland fehlt das, was Almond und Verba eine „Civic Culture“ genannt haben, also letztlich das Bewusstsein, dass Bürger gemeinsam gegen ihren Staat stehen, dass sie nur als freie Bürger überleben können, wenn sie ihren Staat und seine Macht beschränken, beschneiden und notfalls diejenigen, die sich als Staatsdiener verdingen, zum Teufel jagen.

Die entsprechende Civic Culture gibt es in Deutschland nicht. In Deutschland gibt es heute vor allem Linke, die sich zum Diener ihres Staates erklären. Ihnen liegt es näher, ihre Mitbürger zu bekämpfen und bei ihrem Staat anzuschwärzen, als dass sie gemeinsam mit Mitbürgern die Freiheit, die sie teilen oder eben nicht teilen, gegen den Staat und seine Tendenz, Freiheit einzuschränken und vor allem durch die Gewährung von Rechten zu zerstören, verteidigen [Wem bei der Formulierung “Gewährung von Rechten durch den Staat” nicht das Messer in der Tasche aufgeht, der hat die Transformation zum Untertanen bereits erfolgreich hinter sich gebracht.].

Das NetzDG macht sich diese Tendenz, der Obrigkeit dienlich zu sein, die sich vor allem bei Linken findet, ganz einfach deshalb, weil die Linken die größten Nutznießer des Staates sind, zunutze und schafft ein Klima, schafft Randbedingungen, in denen die Denunziation rehabilitiert wird. Denunziation gilt nicht mehr als boshafte Niedrigkeit, zu der man sich als Mensch nicht herunterziehen lässt, sie wird zu einer Form der Selbsterhöhung stilisiert, die dem Denunzianten einen warm glow verspricht, in dem er sich zu sonnen können glaubt.

Das ist für diejenigen, denen die Fähigkeit, sich eine eigene Persönlichkeit mit Urteilsfähigkeit und Menschenverstand zu geben, fehlt, ein Angebot, das sie nicht ausschlagen können. Ohne Leistung, ohne Können, ohne Kompetenz und ohne Wissen werden sie einfach nur dadurch, dass sie ein Tweet bei Twitter melden oder einen Post bei Facebook, zum Helden. Sie mutieren in ihren Augen zum Verteidiger der Demokratie und oft genug auch der Meinungsfreiheit, obwohl sie beider Totengräber sind. Sie fühlen sich plötzlich als wer, besser als der, den man denunziert hat. Und wo ganz wenig ist, gilt eben wenig viel.

Heiko Maas kommt das Verdienst zu, Randbedingungen geschaffen zu haben, die das wieder ermöglichen, was Historiker wie Richard Evans und Robert Gellately in ihren Arbeiten umfangreich beschrieben haben. Evans ist einer der besten Kenner der Geschichte des Dritten Reiches. Beide, Evans wie Gellately, haben die Idee, dass die Deutschen ein Volk der von Hitler Verführten und von der Gestapo Überwachten waren, zurückgewiesen und in vielen Beiträgen als falsch belegt. Gellately hat dies am Beispiel der Gestapo-Akten u.a. aus Würzburg getan, die sehr deutlich zeigen, dass nicht die Gestapo Ausgangspunkt eines Klimas war, in dem Deutsche des Deutschen Wolf wurden, dass vielmehr die Gestapo von einer Welle der Denunziation getrieben, ja fast weggeschwemmt wurde. Gesetze, die Juden im Dritten Reich zu Aussätzigen erklärt haben, schufen die Grundlage, auf der die Denunziation von Deutschen geblüht hat. Der Grundstock der Boshaftigkeit, er scheint in Deutschland 1933ff in gleicher Weise vorhanden gewesen zu sein, in der er heute vorhanden ist. Viele kleine Denunzianten, die die schmitzige Arbeit des Staates voller Freude erledigen.

Dass die politische Kultur in Westdeutschland auch nach dem Zweiten Weltkrieg keine grundlegend andere geworden ist, dass Untertänigkeit immer noch höher im Kurs stand als Solidarität mit Mitbürgern, das wissen wir aus der Studie von Almond und Verba. Dass die SED in Ostdeutschland die Kultur der Untertänigkeit, die immer eine Kultur der Boshaftigkeit und Missgunst war, für sich ausgenutzt hat und mit dem Ministerium für Staatssicherheit eine Institution zur Beschnüffelung der eigenen Bürger geschaffen hat, die der Gestapo kaum, wenn überhaupt, nachstand, eine Institution, die auf mehr als eine Million Inoffizielle Mitarbeiter zurückgreifen konnte, die eifrig, wie z.B. der Führungsoffizier von Anetta Kahane es ausgeführt hat, am sozialistischen Heil gearbeitet haben und damit das sozialische Heil auch erreicht wird, Mitbürger bespitzelt und denunziert haben, ist ebenfalls bekannt.

Man muss also feststellen, dass es in Deutschland eine Kultur der Boshaftigkeit gibt, die man anzapfen kann, wie dies Heiko Maas getan hat, um Bürger gegen Bürger in Stellung zu bringen, um diejenigen sich mit der Obrigkeit solidarisieren zu sehen, die zu den kleinen unter den Lichtern gehören und es nötig haben, durch ihren unermüdlichen Kampf für eingebildete Konzepte und gegen konkrete Mitbürger, Surrogat-Selbstwert zu kaufen. Wie gesagt, Tajfel, Turner, Milgram und Sherif, sie haben die sozialpsychologische Ärmlichkeit beschrieben, auf denen ein Denunziant wächst und gezeigt, wie einfach es ist, aus einem schüchternen Bürger einen brutalen Verteidiger von Konzepten zu machen, die er nicht einmal kennt.

Heiko Maas wird von nachfolgenden Generationen für sein NetzDG gescholten werden. Historiker werden es anführen, wenn sie die Brutalisierung und Entmenschlichung des öffentlichen Diskurses, wie sie unter Merkel stattgefunden hat, erklären wollen. Andere werden wieder einmal auf die Banalität des Bösen verweisen, die mit Gesetzen wie dem NetzDG losgelassen und tausendfach in Aktion gesetzt wurde. Wieder andere werden einen neuen Anwendungsfall von Stanley Milgrams Erkenntnissen darüber sehen, wie leicht es doch ist, ein kleines Menschlein, das nicht weiß, was es ist und keine Leistung erbracht hat, um eine Persönlichkeit darauf zu bauen, mit einem Ersatz für beides zu versorgen, der es dazu motiviert, nun, da es etwas ist, andere, die eben anders sind, zu denunzieren und zu bestrafen.

Heiko Mass ist der Ausgangspunkt eines neuen Kapitels im Buch, das der deutschen Kultur der Boshaftigkeit gewidmet ist. Die Geschichte wird ihm dafür den Platz einrichten, der ihm gebührt.

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Das Problem mit der Denunziation oder: Warum Denunzianten keine Preise erhalten dürfen

Nachdem die Feierlichkeiten zu Ehren einer 15jährigen, deren Verdienst darin besteht, einen Mitschüler bei der Polizei wegen Volksverhetzung angezeigt zu haben, hoffentlich zuende sind, nachdem das limbische System in vielen Gehirnen, die obwohl Zugehörigkeit zum homo sapiens reklamierend, dennoch den Eindruck vermitteln, die Entwicklung des präfrontalen Cortex und damit des rationalen Denkens, sei bei Ihnen entweder im Anfangsstadium stecken geblieben oder in einen von Neuronen gemiedenen Hirnlappen gemündet, können wir uns nun vielleicht dem Zuwenden, was mit Denunziationen verbunden ist: Die Zerstörung des Zusammenlebens in einer Gesellschaft.

Denn mit Denunziation verbinden sich vor allem die folgenden drei Probleme:

Wenn man Hitler 1923 denunziert hat, dann konnte man damit rechnen, von Staatstreuen und Kommunisten gefeiert zu werden. Wenn man ihn 1934 denunziert hat, konnte man damit rechnen, ein Ende in einem Konzentrationslager zu finden.

Das ist eines der Probleme, die sich mit Denunziation verbinden.

Denunziation ist ein asymmetrisches Verhalten. Jemand, der das Vertrauen aufgebracht hat, sich in Gegenwart eines Anderen zu äußern, wir von diesem Anderen hinter dessen Rücken an eine Staatsmacht, die gerade das Gewaltmonopol beansprucht z.B. die Gestapo, die Polizei, die Stasi oder den NKWD verraten.

Es gibt in dem von Lawrence Rees verfassten Buch „The Nazis, A Warning from History“ eine Geschichte über eine mittlerweile betagte Frau, die im Dritten Reich eine Nachbarin bei der Gestapo denunziert hat. Rees zitiert aus den Akten: „Ilse Sonja Totzke is a resident next door to us in a garden cottage. I noticed the above-named because she is of Jewish appearance…. I should like to mention that Miss Totzke never responds to the German Greeting [Heil Hitler]. I gathered from what she was saying that her attitude was anti-German. On the contrary she always favoured France and the Jews. Among other things she told me that the German Army was not as well equipped as the French … Now and then a woman of about 36 years old comes and she is of Jewish appearance … To my mind, Miss Totzke is behaving suspiciously. I thought she might be engaged in some kind of activity which is harmful to the German Reich”.

Die Denunziantin in diesem Fall war Resi Kraus aus Würzburg. Wie man sieht, reicht ein jüdisches Aussehen, das Nichtzeigen des deutschen Grußes und der Besuch einer weiteren Person, jüdischen Aussehens, um Verdacht zu schöpfen und eine Denunziation zu begehen.

Von diesem Beispiel kommt man schnell zum nächsten Problem, das sich mit Denunziation verbindet. Denunziation ist eine Tätigkeit, bei der sich der Denunziant einen Nutzen davon verspricht, dass er den Denunzierten bei der Obrigkeit oder einer Staatssmacht anschwärzt. Der Nutzen kann einerseits in der Genugtuung bestehen, demjenigen, den man denunziert hat, geschadet zu haben oder in direkten Belohnungen, wie sie zwischen Stasi-Führungsoffizier und IMs wie z.B. Annetta Kahane vergeben wurden.

Der Erfolg der Anbiederung eines Denunzianten bei der Obrigkeit hängt natürlich vom Inhalt an, den er denunziert. D.h. man kann die Tätigkeit der Denunziation formal fassen, wie wir das gerade getan haben. Diese formale Struktur ist konstant. Sie verbindet die Denunzianten des Dritten Reiches, der Sowjetunion, der DDR mit heutigen Denunzianten. Was sich unterscheidet ist der Inhalt. Mit Anspielungen auf die Homosexualität der Nachbarin und deren „jüdischem Aussehen“ konnte man im Dritten Reich erfolgreich denunzieren. Heute muss man umgekehrt, Menschen wegen eines vermeintlichen Hasses auf Homosexuelle oder Juden und ihres vermeintlich „rechtsextremen Aussehens oder Outfits“ denunzieren. Und weil sich Inhalte ändern, kann man als Denunziant nicht sicher sein, dass das heutige Lob nicht schon morgen aus der Erinnerung der ehemaligen Opfer zu einem Tadel wird, der sich gewaschen hat. “Times – they are changing”, so hat schon Bob Dylan gewusst.

Es gäbe also ein rationales Argument, das jeden Möchtegern-Denunzianten von einer Denunziation abhalten müsste, denn man kann nicht sicher sein, das die Inhalte, mit denen man sich heute bei der Obrigkeit einschleimen kann, morgen noch gültig sind bzw. nicht morgen schon eine Wirkung in die andere Richtung entfalten. Ein Blick nach Zimbabwe, wo derzeit diejenigen, die sich bei Robert Mugabe eingeschleimt haben, zittern, sollte reichen, um jeden von einem Vorhaben der Denunziation abzubringen.

Es gibt aber einen wichtigeren und vielleicht moralisch integeren Grund, warum man seine Finger von Denunziation lassen sollte. Gesellschaften basieren auf Kooperation. Ist man z.B. als Bürger mit einem totalitären System konfrontiert, dann kann man nur dann Widerstand organisieren, wenn man denen, mit denen man gemeinsam Widerstand leisten will, trauen kann. Es ist also im Interesse einer totalitären Staatsmacht, Misstrauen unter ihren Bürgern zu säen. Die DDR hat dieses Mechanismus’ bedient und es zeitweilig geschafft, dass DDR-Bürger sich nicht vorbehaltlos begegnet sind. Man musste erst eine lange Phase der Vertrauensbildung durchlaufen, ehe offenere Gespräche möglich waren und nicht einmal dann war man vor den IMs der Stasi sicher.

Staaten, die Widerstand durch ihre Bürger vorbeugen wollen, werden darauf hinarbeiten, ihre Bevölkerung in Gruppen zu teilen, die sich gegenseitig bekämpfen, die nicht miteinander sprechen, die Gute in Böse teilen und auf der Grundlage, dass es vom Staat und den ihn tragenden Nutznießern askribierte Gute gibt, Denunziation ermutigen. Wir sehen diese Entwicklung heute in vielfältiger Weise. Gesellschaftliche Gruppen werden mit Steuergeldern die Bundesministerien in großen Beträgen ausgeben, einerseits viktimisiert, das sind die Guten, andererseits kriminalisiert, das sind die Bösen. Auf diese Weise wird nicht nur darauf hingewirkt, dass ein Riss die Gesellschaft durchzieht, der damit einhergeht, dass Bürger untereinander feindlich sind, nur deshalb, weil sie unterschiedliche politische Einstellungen haben, es soll auch verhindert werden, dass Kooperation unter Bürgern stattfindet, die sich gegen kontrollierende Maßnahmen des Staates richtet.

Da, wo Solidarität von Bürgern gegen Zwangsmaßnahmen des Staates notwendig wäre, gegen die Eingriffe in bürgerliche Freiheiten, wie sie über Bildungspläne in Schulen erfolgen, gegen Zwangsgebühren für Leistungen, die viele nicht wollen, wird diese Solidarität durch die Teilung der Bevölkerung in Gute und Böse erschwert. Und wie immer hat der Staat Helfer, die dumm genug sind, diesen Mechanismus nicht zu durchschauen, Helfer, die Zwietracht säen, die für totalitäre Systeme so wichtig ist, Helfer die Bürger aufrufen, andere zu denunzieren, die dazu aufrufen, Meinungen, die nicht in den Kanon offiziell geduldeter Meinungen fallen, zur Anzeige zu bringen, Handreichungen bereit stellen, um missliebige Bürger mundtot zu machen, beruflich zu behindern oder auf eine andere Weise zum Schweigen zu bringen und zu guter letzt Helfer, die Preise ausloben, die an Denunzianten vergeben werden.

Wer es gut findet, Denunziation zu belohnen, der muss qua definitionem Anhänger eines totalitären Systems sein. Wäre er es nicht, es würde ihn erschrecken, dass Meinungs-Konflikte zwischen Individuen, zwischen Schülern in diesem Fall, auf eine Weise bewusst eskaliert werden, die Zwietracht zwischen Individuen sät und eine wirksame Gegenwehr gegen einen Staat, der immer tiefer in die persönliche Freiheit eindringt und immer mehr Rechte von Bürgern außer Kraft setzt, erschwert.

Auch dazu haben wir eine kleine Geschichte, die uns ein Leser zugeschickt hat. Es ist seine eigene Erfahrung, die er gemacht hat, als er noch Schüler in der damals noch existenten DDR war.

“Meine Geschichte ist folgende: Meine Schwester, 9 Jahre älter als ich, ist zu Zeiten des Kalten Krieges in den Westen abgehauen. Es war das Jahr 1982. Meine Eltern waren schon immer sehr Anti-Zone, mein Vater mit Doppeldiplom als Maschinenbauingenieur sollte in die Partei eintreten, damit er “Abteilungsleiter” werden kann. Hat er abgelehnt!, und mein Bruder und ich wurden eines Tages von meinen Eltern in meinem Zimmer zur Seite genommen und meine Mutter heulend: C. ist in den Westen abgehauen. Wir waren alle verzeifelt… es war doch unsere große geliebte Schwester!

Das als kurze Vorgeschichte.

Ich war schon immer sehr opportun in der Zone, war in der Punkszene etc… 1984 wurde eine Abschlussreise für die ganze Klasse nach Ungarn geplant. Dass meine Schwester in den Westen abgehauen ist, war schon lange kein Geheimnis mehr. Jedenfalls sagte ich mal so lapidar im “Klassenverbund”: “Da kann ich mich in Budapest ja mit meiner Schwester treffen!”.

Es war einfach nur so daher gesagt. Was kam war: Eine Woche später, es war ein Wochenende, meine Eltern waren auf der “Datsche”, klingelte es an unserer Wohnungstür. Ein Typ stand da und bat um Einlass.. es ginge um eine Aussage, die ich getätigt hatte. Ich war da noch sehr naiv, 16, und mir wurde Angst und Bange. Er befragte mich, wie gesagt OHNE, DASS MEINE ELTERN DABEI WAREN!!!!, wie ich das mit meiner Schwester gemeint hatte. Ich kann das nicht mehr genau nachvollziehen, aber Fakt war, dass mich da jemand verpfiffen hat. Ich weiß heute natürlich WER es war, und es war auch ein Mädchen.

Das Ende vom Lied war, dass ich wirklich am Boden zerstört war, komplett den Glauben an meine Klassenkameraden verloren hatte. Aber ich durfte zur Klassenfahrt mit, da ich dem Stasi-Heini glaubhaft und eingeschüchtert gesagt habe, dass es nur ein “Scherz” war. Also so ganz genau habe ich das sicher nicht gesagt, ich war einfach nur baff.”

Vielleicht kommt ja so mancher, der es gewohnt ist, nur sein limbisches System zu nutzen und das Denken entsprechend zu unterlassen, aus diesem Gefühls-Ghetto heraus und in der Welt des rationalen Denkens und im präfrontalen Kortex an.

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