Von gekauften Wissenschaftlern und Junk Science in the Making

Falls es jemanden gibt, der sich fragt, warum Bundes- und Landesministerien mittlerweile sicher mehr als eine Milliarde Euro aufgewendet haben, um Gender Studies und ihre Ableger an Hochschulen zu installieren, warum Programme von Bund und Ländern dazu benutzt werden, (weibliches) Geschlecht und nicht Kompetenz zum Berufungsgrund zu machen, warum Fördertöpfe von Bund und Land bereitgestellt werden, um das Heer der Unvermittelbaren, das im Rahmen der entsprechenden Programme gekauft wurde, mit Drittmitteln zu versorgen, hier kommt die Antwort.

Wir haben bereits in der Vergangenheit von den Schöpfungen der Ministerien in Bund und Ländern berichtet, die über Bevorzugungsprogramme in Positionen der institutionalisierten Wissenschaft gehievt werden, um dort mit anderen Mitteln des Bundes und der Länder finanziert zu werden und um von dort aus die Drecksarbeit zu machen, für die sich die Herrschaften in Ministerien von Bund und Ländern immer noch – warum auch immer – zu fein sind.

Das Projekt REVERSE, das vom BMBF mit einer Million Steuereuro finanziert wird, ist ein Beispiel für diese Drecksarbeit. Steuereuro werden vordergründig vergeben, um Ursachen und Erscheinungsformen des Anti-Feminismus, der angeblich die Gesellschaft spaltet und unzulässig zu einem „Anti-Pluralismus“ verallgemeinert wird (wie etwas, das distinkt anders ist als der Einheitsbrei, der Genderisten vorschwebt, anti-pluralistisch sein kann, ist ein Rätsel, das man vermutlich nur lösen kann, wenn man die neuronalen Einöden, die die Hirne von Genderisten darstellen, simulieren kann), aufzuarbeiten. Tatsächlich geht es in REVERSE nicht darum, ein Forschungsobjekt wissenschaftlich zu erarbeiten. Tatsächlich geht es um krude Beeinflussung und politischen Aktivismus.

Das wird sehr deutlich, wenn man sich die Zeit nimmt, den hier verlinkten Text zu lesen, den man wie folgt zusammenfassen kann: Debatten, die Kritik am Genderismus üben, beeinträchtigen die öffentliche Meinungsbildung und sind gesellschaftlichem Zusammenhalt abträglich. Die entsprechenden Debatten gehen von denen aus, die Genderisten nicht leiden können und deren Ziel darin besteht, die „Privilegien von Männern“ zu verteidigen. Selbst Frauen tragen diese „anti-feministische Strömung“, Frauen, die „Vorteile in der Re-Traditionalisierung der weiblichen Rolle sehen“. Aus diesem Grund ist es das Ziel von REVERSE die „verschiedenen Dimensionen desintegrierender Spaltungslinien im ‚Anti-Genderismus’-Diskurs” darzustellen. Zunächst sollen “Trägerschichten, Einstellungen, diskursive Strategien, Mobilisierungs- und Radikalisierungspotenziale anti-feministischer Bewegungen mit Fokus auf die Wechselwirkungen von Überzeugungen mit dem Erleben und der Diskursivierung gesellschaftlicher Umbrüche“ untersucht werden, um auf dieser Grundlage Ansatzpunkte zu identifizieren, „um potentiell gesellschaftsspaltenden Diskursen zu begegnen”.

„Gemeinsam u.a. mit Trägern der politischen Bildung werden Bildungsangebote entworfen, die sich mit (Un- )Gleichheitsvorstellungen, anti-/liberalen sowie anti-/demokratischen Deutungen von Geschlechterverhältnissen beschäftigen. In Multiplikator*innen-Workshops erarbeitete Transferkonzepte werden im internen Benchmarking evaluiert und in ein öffentlichkeitswirksames Transferprogramm integriert. Zentrales Instrument sind mehrformatige Veranstaltungsreihen zur Aufklärung, Wissensvermittlung sowie Diskussion geschlechterpolitischer Fragen. Neben klassischen Konzepten für den intra- und interuniversitären Austausch, Expert*innen- und Arbeitsgesprächen, Podiumsdiskussionen und Fachpublikationen werden Seminare und Gesprächsrunden zur Anwendung im Studium Generale oder in Schulen sowie entwicklungspsychologische und pädagogische Konzepte und Manuale für die Aus- und Weiterbildung von Ärzt*innen, Psycholog*innen, Erzieher*innen, Lehrer*innen und Fachkräften der Sozialen Arbeit entwickelt“.

Dass die Damen von REVERSE versuchen, sich den Anstrich von Wissenschaftlichkeit zu geben, ist ein schlechter Witz, der wieder einmal zeigt, dass man, wie schon ein biologische Abnormalität aus den x-Files weiß, nicht vorgeben kann, etwas zu sein, was man nicht ist. Gender Studierte sind keine Wissenschaftler. Sie sind politische Aktivisten.

Wissenschaftler haben einen Forschungsgegenstand. Genderisten haben ein politisches Anliegen.

Wissenschaftler wollen den Forschungsgegenstand erklären. Genderisten regen sich über einen empirischen Fakt auf und wollen ihn zum Verschwinden bringen.

Wissenschaftler untersuchen einen Forschungsgegenstand, um zur Theoriebildung beizutragen. Genderisten wollen den empirischen Fakt, der sie aufregt, eliminieren.

Wissenschaftler stehen ihrem Forschungsgegenstand neutral gegenüber. Genderisten stehen ihrem Erregungsgegenstand von Anfang an negativ gegenüber. Sie haben Vorurteile, die durch keinerlei Beobachtung veränderbar sind.

Wissenschaftler sind rationaler Argumentation verpflichtet und streben danach, eine Kongruenz zwischen ihrer Theorie und empirischen Beobachtungen herzustellen. Genderisten sind ihrer Heilslehre verpflichtet und streben danach, abweichende empirische Beobachtungen zu eliminieren.

Und deshalb ist es das Ziel von REVERSE, Mittel und Wege zu ersinnen, mit denen man die Kritik an der Heilslehre des Genderismus unterdrücken, beseitigen, eliminieren kann. Wie gewöhnlich sind die angestrebten Mittel nicht Mittel des rationalen Diskurses, denn dazu müsste man die Legitimität von Kritik am Genderismus anerkennen, sondern Mittel des Zwangs, der Manipulation und Indoktrination.

Wer auch immer an REVERSE beteiligt ist und zu den Marburgern, die daran beteiligt sind, liegen uns bereits interessante Analysen zu Querverbindungen und wenn man es einmal so bezeichnen will „Werdegang“ vor, ist alles nur kein Wissenschaftler. Die meisten Beteiligten wurden über Bundes- und Landesprogramme in ihre institutionelle Position gehievt, sind seit Jahren Empfänger von Zuwendungen aus Landes- und Bundestöpfen, die der Förderung ansonsten offensichtlich chancenloser „Projekte“ aus dem Bereich des Genderismus oder schlicht der politischen Zuarbeit dienen, so dass der Verdacht naheliegt, sie wurden in ihren Positionen an Universitäten installiert, um als intellektuelle UBoote jederzeit für politische Zwecke eingesetzt werden zu können, immer in der Hoffnung, man könne sie mit dem Feigenblatt der Wissenschaftlichkeit ausstatten,

Man kann es nicht, wie der neueste Unsinn aus der Gender-Kaderschmiede in Marburg zeigt, den wir auf der Seite der DGS, die einst Soziologen vertreten hat und heute zu einer Nickveranstaltung des politischen Zeitgeistes geworden ist, gefunden haben:

“ERFAHRUNGEN FACH SOZIOLOGIE MIT DISKURSEN ÜBER UND ARGUMENTATIONEN GEGEN GENDER STUDIES, FEMINISMUS UND GENDER MAINSTREAMING
Das Zentrum für Gender Studies der Universität Marburg forscht im Rahmen des BMBF-geförderten Projektes „REVERSE“ zur Sicht von WissenschaftlerInnen auf Gender Studies, Feminismus und Gender Mainstreaming.

Die ForscherInnen des Projektes bitten die DGS-Mitglieder und LeserInnen der DGS-Website um die Beantwortung der folgenden Frage:
 Welche Erfahrungen gibt es im Fach Soziologie mit Diskursen über und Argumentationen gegen Gender Studies, Feminismus und Gender Mainstreaming?

Bitte richten Sie Ihre Antwort bis zum 31.01.2018 an Dr. Marion Näser-Lather: naeserm(at)staff.uni-marburg.de
Weitere Informationen zum Projekt “REVERSE” finden Sie im Anhang.”

Wir rufen alle Soziologen, die beim Versuch, mit Genderisten zu diskutieren, die Erfahrung gemacht haben, dass sie als Antwort auf ihre Kritik persönlich angegriffen wurden, diskreditiert wurden, dass man versucht hat, sie mundtot zu machen, ihnen nahegelegt wurde, die Universität zu wechseln, wie es einem männlichen Nachwuchswissenschaftler an der Frankfurter Universität geschehen ist, der eine fundierte Kritik zum Mythos „Gender Pay Gap“ publiziert hat, das sie zum Gegenstand einer Rufmordkampagne wurden, wie sie an der Universität Leipzig durchgeführt wurde und vieles mehr, sich bei der angegebenen eMail-Adresse zu melden. Vielleicht gelingt es auf diese Weise Marion Näser-Lather, die es zwar irgendwie zur Promotion geschafft hat, aber nicht zu wissen scheint, dass Wissenschaft nicht darin besteht, Vorurteile bestätigt zu bekommen, sondern darin, einen Forschungsgegenstand zu untersuchen, was es notwendig voraussetzt, ihn von allen Seiten zu betrachten, nicht nur von denen, die einem affektiv und ideologisch gerade in den Kram passen, ein wenig Nachhilfe in wissenschaftlichem Vorgehen, wissenschaftlicher Methode und wissenschaftlicher Lauterkeit zu geben.

Aber natürlich ist es kaum zu erwarten, dass sich jemand, der eine Vorstellung davon hat, was wissenschaftliche Lauterkeit ist, als Vasall für die dreckige Arbeit, die Ministerien zu vergeben haben, verdingt, für dreckige Arbeit, die darin besteht, unter dem Deckmantel der Finanzierung von angeblich wissenschaftlicher Forschung Indoktrinationsmaterial zu produzieren, mit dem der politische Gegner derer bekämpft werden kann, die ihren Hintern in Ministerien plattsitzen.

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Alles Rassisten in der Bürgerlichen Mitte – Die Sektion Frauen- und Geschlechterforschung der DGS klärt auf

Den Genderisten bläst der Wind ordentlich ins Gesicht, was auch kein Wunder ist, denn wenn sich erst einmal herumgesprochen hat, dass der Kaiser nackt ist, nimmt die Zahl derer, die das kaiserliche Gewandt bewundern, rapide ab.

Achtung heftiger Gegenwind!Und so scheinen den Gender- und Geschlechterforschern und vor allem den “feministischen Gesellschafts- und Wissenschaftskritikern” die Felle davon zu schwimmen, und zwar in einer Geschwindigkeit, die ihnen außer Anomie wenig Zeit zur Reaktion lässt. Anomie beschreibt hier die Reaktion des Kaninchens vor der Schlange.

Und so hat uns gerade ein “Statement der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung in der DGS” erreicht, ein Statement zum “Ratschlag zum Umgang mit Anti-Feminismus”, das an Armseligkeit nicht zu überbieten ist. [Was Frauen- und Geschlechterforschung mit Feminismus zu tun hat, ob Frauen- und Geschlechterforschung überhaupt etwas mit Feminismus zu tun hat, das wäre übrigens noch zu klären. Es gibt genug Anlass anzunehmen, dass die Frauen, die Feminismus als emanzipatives Projekt begründet haben (z.B. Mary Wollstonecraft), beim Anblick der traurigen Gestalten, die heute von sich sagen, sie wären Feministen,  von einem heiligen Zorn erfasst würden.]

Vorab und zur Erinnerung: Bis heute hat es kein Lehrstuhlbesetzer für Gender, Geschlechter oder sonstige Zwischenbein-Forschung geschafft, einfache Fragen zu den Grundlagen, den Methoden, der Erkenntnistheorie seiner vermeintlich doch wissenschaftlichen Betätigung zu beantworten. Alle, die wir oder Günter Buchholz gefragt haben, schweigen beharrlich, was nurmehr den Schluss zulässt, dass sie nicht antworten können, weil sie keine wissenschaftlichen Grundlagen, keine wissenschaftlichen Methoden und keine Erkenntnistheorie haben.

Dafür haben sie einen ausgeprägten Opfersinn und eine ausgeprägte Lamentierfähigkeit, wie man dem Statement der Sektion Frauen und so weiter Forschung entnehmen kann.

Sie sehen sich umzingelt. Von Kritikern gejagt, die ihnen nun schon in der Wissenschaft auflauern und sie mit Fragen traktieren. Offensichtlich wird so langsam auch behäbigen Wissenschaftlern klar, dass sie Ideologen in ihren Reihen und an ihren Fördertöpfen haben (dazu unten mehr).

Dass die Frauen- und Geschlechterforscher_I_*innen Angst um ihre Pfründe haben, dass sie sich in der dummen Situation finden, sich erklären zu müssen, wird auch daran deutlich, dass sie, wie üblich, auf Kritik mit Diffamierung reagieren. So sehen sie eine “mediale Debatte”, die einen “Angriff” auf die “feministische Wissenschaftstradition” führt, was schon deshalb nicht möglich ist, weil es vermutlich eine feministische Tradition, aber eben keine feministische Wissenschaftstradition gibt. Gäbe es dieselbe, die Genderisten könnten die ihnen gestellten Fragen beantworten.

Die Angriffe werden sodann zu “Vorwürfen der Unwissenschaftlichkeit und der Ideologisierung”, um sich danach zu “polemischen Attacken” aufzubauen, die die  “De-Legitimierung des Feldes” anstreben (als müsste man das “Feld” de-legitimieren), den Genderisten die “Durchsetzung politischer Interessen” vorwerfen und die “Wissenschaftlichkeit der Genderforschung grundsätzlich in Abrede” stellen. Und diese Vorwürfe, Attacken und Angriffe, sie kommen auch aus dem “akademischen Feld”.

Ja, so ist das. Die Zeit des gemächlichen und ungestörten rent seeking ist vorbei.

DGSWer nun denkt, das Statement der XX-Sektion zeige die Unhaltbarkeit dieser “Angriffe”, “Attacken” und “Vorwürfen”, also in normaler Sprache: der Kritik an den Genderista auf, der irrt sich. Wo ein normaler Wissenschaftler mit Argumenten und dem Versuch, die Kritik zu widerlegen oder doch zumindst zu entkräften reagiert hätte, da reagieren die XX-Sektionalen mit … nichts.

Kein Argument, warum die Angriffe ungerechtfertigt sind.

Kein Beleg dafür, dass der Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit falsch ist.

Kein Argument, das zeigt, dass keine Ideologisierung der Wissenschaft durch deren Infiltrierung mit Genderista erfolgt. Einfach nur nichts.

Einen klassischeren Beleg dafür, dass Frauen- und Geschlechterforscher eben keine Wissenschaftler, sondern Ideologen und politische Günstlinge sind, kann man sich kaum vorstellen.

Wir haben uns zwei Stellen aus dem “Statement” herausgegriffen, an denen die ganze Armseligkeit der Genderista deutlich wird:

“… wer anderen Normativität und politischen Etikettenschwindel vorwirft, bewegt sich vor allem selbst auf rhetorisch-ideologischem Glatteis. Der in diesem Zusammenhang geäußerte Vorwurf, kulturelle Aspekte des Geschlechterverhältnisses seien völlig unterforscht, demonstriert Unkenntnis”.

Diese Passage richtet sich gegen Stefan Hirschauer, der es gewagt hat, einen recht biederen und zurückhaltenden Beitrag mit dem Titel “Wozu Gender Studies?” zu verfassen. Wer die Passage gelesen hat, vermisst vermutlich den positiven Teil, wie Hans Albert immer gesagt hat und bis heute wohl sagt: Warum, so muss man die Genderista fragen, bewegt sich derjenige, der anderen Normativität und politischen Etikettenschwindel vorwirft, auf Glatteis? Warum demonstriert jemand, der behauptet, “kulturelle Aspekte des Geschlechterverhältnisses” seien “völlig unerforscht” Unkenntnis?

Den rhetorischen Trick, der hier zur Anwendung kommt, könnte man als offensive Armseligkeit bezeichnen, denn die fehlenden eigenen Belege und Argumente sollen durch einen Angriff auf den Kritiker übertüncht werden. Ein Trick, der unter Genderista klappen mag, nicht jedoch unter Wissenschaftlern, denn Wissenschaftler sind nicht so dumm, als dass sie glauben würden, ein argumentum ad hominem sei gültig.

Wissenschaftler arbeiten an einem kumulativen Projekt . Und ein kumulatives Projekt setzt es voraus, dass man Argumente, nachvollziehbare und nachprüfbare Aussagen aufstellt. Wer nichts anderes kann, als Dritte abzukanzeln, der ist ein Ideologe und hat in der Wissenschaft nichts zu suchen. Ergo haben Genderista und ihre Vasallen in der Wissenschaft nichts zu suchen.

Genderista sind auch gar nicht in der Wissenschaft, um Wissenschaft zu betreiben oder Erkenntnis zu gewinnen, nein, sie sind politische Überzeugungstäter, Ideologen, die an einer sozialistischen Gesellschaft bauen wollen:

windbeutel“Dabei sind der sich artikulierende Antifeminismus sowie Trans- und Homophobie kein singuläres Phänomen. Die Diffamierung von Genderforscher_innen und die Verunglimpfung der Gleichstellungspolitik stehen u.a. im Zusammenhang mit kulturellem Rassismus, der sich zunehmend in Hassreden und Praktiken der Abwertung äußert. Europaweit zeigen mediale Debatten und Demonstrationen im öffentlichen Raum, dass die bürgerliche Mitte zunehmend ein ‚Unbehagen‘ artikuliert, das in der Ungleichheitsforschung u.a. auf die Neoliberalisierung und Vermarktlichung der Gesellschaft zurückgeführt wird; aus modernitätstheoretischer Sicht geht dieses ‚Unbehagen‘ mit antiemanzipatorischen und anti-aufklärerischen, d.h. reaktionären Impulsen einher. In diesem Zusammenhang werden kategorial abwertende Zuschreibungen, wie etwa Fremdenfeindlichkeit, immer vehementer artikuliert.”

Die bürgerliche Mitte ist aus Sicht der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung der DGS also Hort von Rassimus, Homophobie, Antifeminismus und “Neoliberalisierung” bzw. kurz. von kulturellem Rassismus. So einfach denken die Gender-Sektionalen, ist es, Kritik vom Tisch zu wischen und Kritiker als kultur-rassistische Bourgeois zu diffamieren, die es im neuen Klassenkampf, in dem die gelangweilten Günstlinge öffentlicher Förderprogramme sich nunmehr mit denen konfrontiert sehen, die diese Förderprogramme finanzieren, quasi als Verkehrung dessen, was Marx einst am Werk sah und vielleicht auch als neue Fassung dessen, was er einst als Lumpenproletariat bezeichnet hat, zu bekämpfen gilt.

Die modernen Klassenkämpfer haben jedoch im Vergleich zu ihren Vorgängern ein Handicap: Sie verfügen über keinerlei Produktivkraft. Sie sind vollständig vom Wirt, der sie bedient, abhängig, und das scheint ihnen auch vollkommen bewusst zu sein. Anders ist dieses Mahnmal genderistischer Armseligkeit kaum zu erklären.

Siegwart Lindenberg hat einmal sinngemäß gesagt, dass dann, wenn die Mittel knapp werden, wenn ökonomische Zwänge die Ausgaben determinieren, Rationalität als Kriterium bei den entsprechenden Entscheidungen über die Verwendung begrenzter Ressourcen wieder Einzug hält. Insofern sind wir auf dem besten Weg, Genderista loszuwerden.

Dass nichts verloren ist, wenn wir Genderista von Hochschulen entfernen und im Gegenteil viel gewonnen ist, zeigt die folgende Passage aus dem Statement der Gender-Sektionierten ganz deutlich:

“Die Einsicht in Prozesse der Vergeschlechtlichung der Wissenschaftsorganisation und des wissenschaftlichen Denk- und Begriffsapparats war für die Ausdifferenzierung des Forschungsfeldes zentral; die erkenntnistheoretisch motivierten Debatten der 1990er Jahre um das Verhältnis von sex und gender stellen eine paradigmatische Erweiterung dar und sind Ausdruck eines Selbstverständnisses als emanzipatorischer Wissenschaft, die immer wieder offen über das Verhältnis von Standortgebundenheit, Erkenntnis und Normativität in Verhandlungen getreten ist.”

Wie es sich mit einer angeblich emanzipatorischen Wissenschaft vereinbaren lässt, dass Kritiker der Genderista durch die Bank diffamiert und als Rassisten beschimpft werden, ist eine Frage, die die Schreiber des Statements vielleicht beantworten können, wenn sie demnächst von dem emotionalen Hoch, das ihre Hysterie ihnen verschafft hat, auf den Boden der Realität zurückkehren, sofern Hysterie bei ihnen kein Dauerzustand ist, quasi eine Grundqualifikation zum Genderista.

Inhaltlich hat die zitierte Passage wenig zu bieten und lässt sich unter Auslassung sämtlicher Füll- und Leerwörter wie folgt zusammenfassen: Die genannte Einsicht war wichtig, um zusätzliche Stellen für Gender-XX zu schaffen, und die Debatten der 1990er Jahre haben gezeigt, dass eine emanzipatorische Wissenschaft sich mit sich selbst beschäftigen muss. Die Maxime der feministischen Erkenntnis lautet demnach: “Beschäftige Dich mit Dir selbst und schaffe Stellen für andere, die sich mit sich selbst beschäftigen wollen!”

Zeit, an unsere Petition gegen Genderismus an Schulen und Hochschulen zu erinnern. Sie kann immer noch unterzeichnet werden.

Davon abgesehen, brauchen Stefan Hirschauer und Günther Buchholz Solidaritätsbekundungen, denn die beiden wurden von den Genderista als neue Feinde ins Visier genommen – wie man beim Lesen des Statements und vor allem der Fußnoten schnell bemerkt..

Soziologen, setzt Euch zur Wehr gegen systematische Diskriminierung!

Gestern haben wir die Ergebnisse der Unterschung von Mark Lutter und Martin Schröder  “Who Becomes a Tenure Professor, and Why?” dargestellt. Die Ergebnisse von Lutter und Schröder basieren auf einer Analyse aller Lehrstuhlbesetzungen für den Zeitraum 1980 bis 2013 für das Fach Soziologie und entsprechend auf Informationen über 1.260 Soziologen und 297 ordentliche Lehrstuhlbesetzungen.

PopitzSoziologen, das sind (oder waren einmal) WIssenschaftler, die sich unter anderem mit Fragen der sozialen Ungleichheit oder der Sozialstruktur befasst haben, die untersucht haben, wie vertikale Mobilität verhindert wird, also dafür gesorgt wird, dass Kinder aus Unterschichtsfamilien selbst Unterschichts- und nicht MIttelschichtsfamilien gründen, oder die die Mechanismen des alltäglichen Lebens untersucht haben, mit denen z.B. in Bildungsinstitutionen für soziale Segregation gesorgt wird. Entsprechend war Soziologie eine kritische Wissenschaft, die gesellschaftliche Prozesse analysiert und unerwünschte Entwicklungen aufgezeigt hat.

Zwischenzeitlich ist Soziologie in vielen Teilen zu einer Legitimationswissenschaft verkommen, d.h. Soziologen sehen es nicht mehr als ihre Aufgabe an, die Folgen politischer Entscheidungen auf die Gesellschaft zu analysieren. Die meisten Soziologen sehen es heute als ihre Aufgabe an, die nämlichen politischen Entscheidungen zu legitimieren.

Als Folge hat sich die Soziologie von einer empirischen zu einer Lehnstuhl-Wissenschaft entwickelt. An die Stelle der Analyse dessen, was ist, ist die mehr oder weniger gelangweilte Betrachtung darüber getreten, was man gerne hätte.

Diese Entwicklung von einer kritischen zu einer selbstgefälligen und langatmigen Wissenschaft, deren Vertreter der sie umgebenden Welt nichts mehr zu sagen haben, hat nach unserer Ansicht u.a. mit dem Staatsfeminismus zu tun, mit der Installation von Gender Studies in der Soziologie und mit einer systematischen Untergrabung der Standards der Soziologie dadurch, dass nicht mehr nach Leistung in Positionen berufen wird, sondern nach Geschlecht.

Das hat, wie Lutter und Schröder mit ihrer Untersuchung deutlich gemacht haben, dazu geführt, dass männliche Bewerber auf einen Lehrstuhl in Soziologie massiv und systematisch diskriminiert werden:

  • MPIfG_LutterWeibliche Bewerber werden schneller berufen als männliche Bewerber. Männer müssen zwei Jahre länger auf eine Berufung warten als Frauen.
  • Weibliche Bewerber, die auf eine Professur berufen werden, haben deutlich weniger publiziert als männliche Bewerber: “… by the time, men get a tenure, they have published 1.8 times as many SSCI-articles … 1.7 times as many non-SSCI-articles …, 1.4 times as many books …, 1.3 times as many edited volumes …, 1.4 times as many book chapters …, and 1.8 times as much ‘gray’ literature as women”.
  • Für männliche Bewerber ist es schädlich, wenn sie ihre Sozialisation an einer renommierten Universität, z.B. in Heidelberg, Mannheim oder (früher) in München erfahren haben. Dieser Stallgeruch reduziert ihre Wahrscheinlichkeit, eine Professur zu erhalten.

Eine solche Situation in einem Fach, zu dessen wichtigsten Aufgaben einmal die Analyse sozialer Ungleichheitsstrukturen gehört hat und nach Anspruch der Soziologen, die von sich behaupten, sie würden nach wie vor soziale Ungleichheit oder gar Diskriminerung untersuchen, immer noch gehört, ist der Gipfel der Ironie. Sie wirkt auf uns als wäre ein Gärtner, dessen Aufgabe darin bestanden hat, Unkraut aus einem Park zu entfernen, dazu übergegangen, das Unkraut systematisch anzupflanzen.

Aber ganz davon abgesehen, dass es gerade für die Soziologie eine erstaunliche Transformation darstellt, vom Kritiker sozialer Ungleichheit und von Diskriminierung zum praktischen und Legitimations-Ort sozialer Ungleichheit und Diskriminierung geworden zu sein, ist Diskriminierung und soziale Ungleichheit, da wo sie nicht durch das meritokratische Prinzip gerechtfertigt ist, also dadurch, dass ein Bewerber, der einem anderen vorgezogen wird, nachvollziehbar besser ist als der Bewerber, dem er vorgezogen wurde, immer eine Frage von Moral und Anstand.

Moral insoweit, als es moralisch verwerflich ist, Dritte wegen Eigenschaften zu benachteiligen, die für die vorliegende Entscheidung irrelevant sind. Anstand insoweit, als ein anständiger Mensch sich nicht der Beihilfe zur Diskriminierung schuldig macht.

Deshalb haben wir die Ergebnisse von Lutter und Schröder zum Anlass genommen, um alle Mitglieder des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie anzuschreiben und zu fragen, wie sie zu der systematischen Benachteiligung von Männern in der Soziologie stehen, was sie jungen Männern, die die Soziologie als Ausbildungsfach gewählt haben, raten und welche Schritte sie einzuleiten gedenken, um die systematische Benachteiligung von Männern in der Soziologie zu beenden.

Sehr geehrter …

dgs2

Mark Lutter und Martin Schröder vom Max Planck Institut für Gesellschaftsforschung in Köln haben eine Vollerhebung der Berufungen auf Lehrstühle der Soziologie, die im Zeitraum von 1980 bis 2013 besetzt wurden, durchgeführt und auf Grundlage dieser Daten, für 1.260 Soziologen die Variablen bestimmt, die einen Effekt auf die Besetzung eines Lehrstuhls haben (Veröffentlicht als MPIfG Discussion Paper 14/19 unter dem Titel: “Who Becomes a Tenure Professor, and Why”).

Dabei haben sie eine systematische Diskriminierung von männlichen Soziologen festgestellt, die jedem Wissenschaftler, der sich mit Diskriminierung oder mit sozialer Ungleichheit oder mit der Erforschung von Stereotypen, Vorurteilen und darauf basierenden Ismen, wie Rassismus oder Sexismus beschäftigt, den blanken Schrecken ins Gesicht treiben muss.

Hier ein Auszug der wichtigsten Ergebnisse.

  • Weibliche Bewerber werden schneller berufen als männliche Bewerber. Männer müssen zwei Jahre länger auf eine Berufung warten als Frauen.
  • Weibliche Bewerber, die auf eine Professur berufen werden, haben deutlich weniger publiziert als männliche Bewerber: “… by the time, men get a tenure, they have published 1.8 times as many SSCI-articles … 1.7 times as many non-SSCI-articles …, 1.4 times as many books …, 1.3 times as many edited volumes …, 1.4 times as many book chapters …, and 1.8 times as much ‘gray’ literature as women”.
  • Für männliche Bewerber ist es schädlich, wenn sie ihre Sozialisation an einer renommierten Universität, z.B. in Heidelberg, Mannheim oder (früher) in München erfahren haben. Dieser Stallgeruch reduziert ihre Wahrscheinlichkeit, eine Professur zu erhalten.

Diese Ergebnisse beschreiben eine unhalbare Situation systematischer und insofern wohl institutioneller Diskriminierung von männlichen Bewerbern. Dass eine solche Situation ausgerechnet in der Soziologie mit ihrer Tradition der Erforschung von Diskriminierung und sozialer Ungleichheit eingetreten ist, kann man wohl nur als Ironie der Geschichte bezeichnen.

Wir nehmen diese Situation zum Anlass, um Sie als Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie zu bitten, die folgenden Fragen zu beantworten:

  1. War Ihnen bekannt, dass männliche Bewerber auf eine Professur in der Soziologie systematisch diskriminiert werden?
  2. Halten Sie die systematische Diskriminierung von männlichen Bewerbern im Verlauf einer universitären Karriere für hinnehmbar?
  3. Wenn ja, warum?
  4. Wenn nein: Was gedenken Sie dagegen zu unternehmen?
  5. Was raten Sie männlichen Abiturienten, die sich mit dem Gedanken tragen, Soziologie zu studieren?
  6. Was raten Sie männlichen Absolventen, die sich mit dem Gedanken tragen, eine wissenschaftliche Karriere in der Soziologie anzustreben?
  7. Was halten Sie von der Tatsache, dass männliche Bewerber in der Soziologie systematisch diskriminiert werden?

Wir bedanken uns für Ihre Antworten und verbleiben mit kollegialen Grüßen,

Dr. habil. Heike Diefenbach & Michael Klein
ScienceFiles.org

Die eMail ging an:
Peter Berger, Universität Rostock;
Nicole Burzan, Technische Universität Dortmund;
Stephan Lessenich, Ludwig-Maximilians-Universität München;
Michaela Pfadenhauer, Universität Wien;
Uwe Schimank, Universität Bremen;
Paula Irene Villa, Ludwig-Maxilimians-Universität München;
Georg Vobruba, Universität Leipzig;

Endlich: Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie ist mit Gerhard Amendt solidarisch

Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie ist solidarisch. Das hat die Deutsche Gesellschaft für Soziologie gerade in einer Erklärung des Vorstands verlautbart. Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie hat also entschieden, dass die Deutsche Gesellschaft für Soziologie solidarisch ist, und zwar mit Soziologen, was schon einmal sehr erfreulich ist, denn in der Vergangenheit hat sich die Deutsche Gesellschaft für Soziologie und ihr Vorstand nicht unbedingt dadurch ausgezeichnet, solidarisch mit Soziologen zu sein.

Amendt1Solidarisch ist der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, der für alle Soziologen spricht, mit Soziologen, die sich mit Themen der “Geschlechter- oder Sexualitätsforschung beschäftigen” und die sich “immer öfter mit sogenannten Hasskampagnen konfrontiert sehen”. Derzeit, so heißt es weiter, “werden einzelne Kollegen und Kolleginnen in sozialen Medien wie Facebook, in Blogs und mit E-Mails persönlich attackiert, verunglimpft und z.T. sogar bedroht”.

Was der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, der für alle Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Soziologie hier seine Empörung und Solidarität zum Ausdruck bringen will, leider verschweigt, sind die Namen der Angegriffenen, was schade ist, denn die Solidarisierung hätte mehr Nutzen gebracht, wenn sie offen und nicht hinter einem Mantel aus Angst und Misstrauen erfolgt wäre. Also ist es wieder an uns, über Ross und Reiter zu spekulieren.

Aber lange spekulieren muss man nicht, denn: kein anderer Soziologe wird seit Jahren derart angefeindet, wie Gerhard Amendt. Die Solidarität des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie kann daher eigentlich gar keinem anderen als Gerhard Amendt gelten. Fast dass man sagen könnte, es wird langsam Zeit, denn kaum ein Soziologe hat sich im Verlauf der letzten Jahre mit giftigeren Hasstiraden, Verunglimpfungen oder Versuchen, ihn zu diskreditieren, konfrontiert gesehen, wie Gerhard Amendt, der von Feministen mit wüsten sexistischen Beschimpfungen und Hasskommentaren überzogen worden ist.

An der Technischen Universität Berlin hat man Gerhard Amendt zur unerwünschten Person erklärt, weil er es wagt, den Feminismus zu kritisieren. Gerhard Amendt ist Ziel einer Diffamierungskampagne, die ihn regelmäßig zum Hassobjekt in so genannten Studien macht, die von politischen Vereinen wie der Heinrich-Böll-Stiftung oder der Friedrich-Ebert-Stiftung finanziert werden und deren Inhalte regelmäßig und postwendend, von überraschend schnell informierten Mitarbeitern bei Wikipedia in die entsprechenden Hassbeiträge eingepflegt werden. Die Hasskampagne gegen Gerhard Amendt geht soweit, dass man ihn mit Anders Breivik und Akif Pirincci vermengt, um ihn zu diskreditieren. Die Liste derer, die sich Gerhard Amendt zur Zielscheibe auserkohren haben, ist zu lang für diesen post, weshalb wir es hier bei aus Steuergeldern bezahlte Reputations-Killer wie dem Bundesforum für Männer und die Friedrich-Ebert-Stiftung, die sich z.B. mit diffamierenden Behauptungen wie der folgenden hervortut, belassen wollen:

“Zumindest ein Teil der Beiträge treibt im Fahrwasser der Männerrechtler, die von der „Machtergreifung der Frau“ und einem „neuen Tugendstaat“ fabulieren. Autoren wie Arne Hoffmann, der in seinem Blog Genderama gegen alles Feministische hetzt, oder auch Gerhard Amendt, der Opfererfahrung von Frauen als „fantasiertes Leid“ denunziert und eine (weibliche!) „Sehnsucht nach traditioneller Männlichkeit“ ausmacht – was die kirchliche Männerstudie von Rainer Volz und Paul Zulehner gerade empirisch widerlegt hat – sind alles andere als geschlechterdialogisch orientiert” (17).

Es freut uns, dass der Vorstand der DGS sich dazu entschlossen hat, nach Jahren der Tatenlosigkeit, Gerhard Amendt solidarisch zur Seite zu stehen, und wir können uns der Feststellung des Vorstandes der DGS, wonach “einzelne Wissenschaftler … in einer Weise attackiert werden, die völlig unsachgemäß ist und in ihrem mehr als fragwürdigen Stil letztlich auf die Urheber selbst zurückfällt”nur anschließen.

Wie gesagt, wir hätten uns gewünscht, dass der Vorstand der DGS den Mut hat, Gerhard Amendt beim Namen zu nennen, aber wir sind uns natürlich im Klaren darüber, dass sich der nämliche Vorstand damit zur Zielscheibe feministischer Hasstiraden gemacht hätte, am Ende in die nächste aus Steuergeldern finanzierte Studie über “den Maskulismus” oder “den Antifeminismus” aus, turnusmäßig dieses Mal wieder der Heinrich Böll Stiftung aufgenommen worden wäre und vielleicht sogar seine finanzielle Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung verloren hätte.

Dies muss man gewichten, wenn man den Schlusssatz der Solidaritätsadresse liest, der darauf verweist, dass “eine zivilisierte öffentliche Debatte über gesellschaftlich relevante Themen” nicht möglich ist, wenn man die Debatte nicht zivilisiert führt. Man sieht, auch Solidarität ist in sich tautologisch und vielleicht sogar selbstreferentiell, denn, und damit kommen wir zu einer eigenen Sache, manche im Vorstand der DGS haben sich  selbst schon dadurch hervorgetan, dass sie “Hetze” in die öffentliche Diskussion eingebracht und damit die zivilisierte Auseinandersetzung über gesellschaftliche relevante Themen wie die Frage, ob man Studenten die Möglichkeit geben sollte, ihren Studienort, an dem sie Soziologie studieren wollen, auf Grundlage einer bundesweiten Bewertung der enstprechenden Institute zu wählen, unmöglich gemacht hat.

Man kann sich daher fragen, ob wir es bei der Solidaritätsadresse des Vorstands der DGS in Teilen mit einer Form “Selbstkritik” zu tun haben, auf einer Transformation vom Saulus zum Paulus und ob der Aufruf, eine zivilisierte öffentliche Debatte zu führen, sich auch auf Wissenschaftler erstreckt, die sich in der Vergangenheit dadurch hervorgetan haben, dass sie die Arbeiten anderer für ihre eigenen Zwecke entstellt und missbraucht haben.

Solidarität-der-UneinsichtigenBislang hat die Deutsche Gesellschaft für Soziologie ja beide Augen gegenüber Mitgliedern zugedrückt, die die Grundlage wissenschaftlicher Lauterkeit, nämlich das Zitieren(überhaupt) und das korrekte Zitieren nicht beherrschen oder nicht beherrschen wollen, so dass man hier eine Offensive nicht nur zur zivilisierten Debatte, sondern auch zur Rettung wissenschaftlicher Standards unter Soziologen sehen kann, vielleicht sogar ein sich entwickelndes Unwohlsein gegenüber öffentlichen Institutionen, die sich in der Vergangenheit allzu oft auf Soziologen verlassen konnten, wenn es darum ging, die eigene ideologische Suppe nicht nur anzurühren, sondern auch unter Studenten zu verteilen. Sehen wir also so etwas wie den Advent eines selbstreflexiven Kantschen Instrumentalisierungsverbots, das lautet: Du sollst Dich als Soziologe nicht vor den Karren ideologischer Indoktrinierer, wie Heinrich-Böll-Stiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung, Attac oder BMBF spannen lassen?

Was abschließend die Frage aufwirft, was diese Veränderung im Denken des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie bewirkt hat. Hier können wir nur spekulieren und auf Beispiele verweisen, in der die Veränderung in einem Bereich mit personellen Veränderungen oder mit Veränderungen in den Umständen bestimmter Personen einhergehen, wie sie z.B. ein Umzug von einer roten an eine weiß-blaue Universität darstellt oder in den Worten von Stephan Lessenich, dem derzeitigen Vorsitzenden der DGS:

Mein Jenaer Jahrzehnt war wunderbar und ich danke allen, die dies ermöglicht und dazu beigetragen haben; die kommenden Jahre werden hoffentlich ähnlich schön – die Zeichen dafür stehen eindeutig gut. (Und um allfälligen Nachfragen vorzubeugen, darf ich hier einmal zustimmend zitieren: „Das will ich nur mal klarstelln, damit man mich richtig versteht: ich habe nichts gegen München, ich würde nur nie zu den Bayern gehn.“ Der Alarm ist also doch eher, wie einst bei Falco, rot.)

Wie heißt es doch: Wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören und sich verändern, zum zivilisierten Debattierer, zum nicht-Hetzer, ja vielleicht sogar zum Wissenschaftler.

Nachtrag:

Arne Hoffmann weist darauf hin, “dass Professor Amendt, vermutlich als Folge der Hetze gegen ihn, auf Anraten der Kriminalpolizeit auf mehreren Veranstaltungen nur noch mit Leibwächtern erscheinen konnte”. Das darf an dieser Stelle natürlich nicht unerwähnt bleiben.

Die soziale Konstruktion sozialer Probleme und die Entnormalisierung von Meinungsvielfalt durch Soziologen

von Dr. habil. Heike Diefenbach

Der folgende Text von Dr. habil. Heike Diefenbach ist eine Form unentgeltlicher Nachhilfe für die Initiatoren einer ad-hoc Gruppe auf dem 37. Soziologentag der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) in Trier im Oktober diesen Jahres. Der mit: "Genderismus - Der Umbau der Gesellschaft. Annäherung an einen aktuellen Krisendiskurs" überschriebene Antragstext ist ein Mahnmal für den derzeitigen Zustand der Soziologie. Wer, wenn nicht Dr. habil. Heike Diefenbach, die im Gegensatz zu vielen, die soziologische Lehrstühle besetzen, eine uneingeschränkte Venia Legendi für Soziologie hat, nur keine Lust, ihre vielen Talente an den deutschen Staat zu verkaufen, wäre besser dazu geeignet, den soziologischen Dilet-Tanten Nachhilfe in Soziologie zu geben?

GarfinkelBereits seit den 1970er- und 1980er-Jahren, in denen Autoren wie Erving Goffman (1990) und Harold Garfinkel (1996, besonders S. 35-75) durch Fallstudien und Erschütterungsexperimente demonstriert haben, dass Normalität eine fragile Sache ist, die hergestellt und aufrechterhalten werden muss und sich keineswegs von selbst aufdrängt, gilt es als eine Binsenweisheit in der Soziologie und in ihren benachbarten und mit ihr verbundenen Fachdisziplinen (wie z.B. Soziale Arbeit), dass Normalität sinnvoll nur als statistische Normalität verstanden werden kann oder genauer: als Modalwert auf einer Verteilung, während jedes Verständnis von Normalität als Soll- oder Muss-Norm für menschliches Verhalten, d.h. als konventionelles Verhalten, unweigerlich zu den Fragen führt, wer die Norm aus welchem Interesse setzt, wer ihr mit welchem Gewinn zu folgen bereit ist und wer durch die Normsetzung als Abweichler gebrandmarkt und ggf. negativ diskriminiert werden soll oder kann (vgl. hierzu Foucault 2004; 2003 sowie Taylor 2009; mit Bezug auf Normalisierungsprozesse in fachwissenschaftlichen Disziplinen: Luke 1999).

Im Zuge dieser Ausweisung von tatsächlichen oder vermeintlichen Selbstverständlichkeiten als eben nicht selbstverständlich fand auch das naive Verständnis von sozialen Problemen als objektiv beschreibbaren Mißständen ein Ende, denn

Mooney_Understanding social problems“[i]ndividuals and groups frequently disagree about what constitutes a social problem. For example, some Americans view the availability of abortion as a social problem, whereas others view restrictions on abortion as a social problem. Similarly, some Americans view homosexuality as a social problem, whereas others view prejudice and discrimination against homosexuals as a social problem. Such variations in what is considered a social problem are due to differences in values, beliefs, and life experiences” (Mooney, Knox & Schacht 2013: 3).

Dementsprechend könnte man eine soziologische Definition von “sozialen Problemen” vorschlagen, die wie folgt lautet: Soziale Probleme sind das, was bestimmte Gruppen von Menschen dafür halten. Allerdings ist dies aus verschiedenen Gründen wenig hilfreich, vor allem deshalb, weil diese Definition zu einer völligen Entleerung des Begriffs durch Inflationierung führen würde: fast alles dürfte irgendwann von irgendjemandem als soziales Problem gewertet werden. Damit wäre der Begriff für Ideologien aller Art zwar nützlicher denn je, aber für Sozialwissenschaftler gänzlich unbrauchbar.

Brauchbar für Sozialwissenschaftler ist ein Konzept nämlich nur dann, wenn es mehr ist als eine intellektuell klingende Metapher und ihnen irgendwelche Aufschlüsse über die Funktionsweise der sozialen Welt gibt, und diese wird gewöhnlich nicht durch die Betrachtung irgendwelcher Inhalte – die z.B. als soziale Probleme gelten mögen oder auch nicht – erkennbar, sondern durch eine Betrachtung von Formen, z.B. von Regelmäßigkeiten, nach denen sich bestimmte Prozesse vollziehen (in diesem Zusammenhang ist Hackings Diskussion von Idee und Begriff der sozialen Konstruktion nützlich: Hacking 2001).

Aus dieser Erkenntnis heraus haben Spector und Kitsuse ihre Auffassung davon, was soziale Probleme seien, bereits im Jahr 1977 wie folgt beschrieben:

Constructing Social problems“Our definiton of social problems focuses on the process by which members of society define a putative condition as a social problem. Thus we define social problems as the activities of individuals or groups making assertions of grievances and claims with respect to some putative conditions” (Spector & Kitsuse 1977: 75; Hervorhebung im Original).

Auch in Deutschland sind diese Erkenntnisse angekommen wie z.B. die Definition von Andreas Pfeuffer zeigt, die im online-Wörterbuch der Sozialpolitik SOCIALinfo zu lesen ist:

“Als Konstruktion sozialer Probleme bezeichnet man den Prozess, im Zuge dessen Umstände oder Ereignisse, die bestimmte Gruppen oder ganze Gesellschaften in ihrer Lebenssituation beeinträchtigen (etwa Armut, Kriminalität, Gewalt, Drogenkonsum, Umweltprobleme), in der Öffentlichkeit bzw. in Teilen derselben kollektiv als veränderungsbedürftig definiert, skandalisiert und zum Gegenstand politischer Programme und Maßnahmen gemacht werden.
Blumer (1975) schlägt zur Beschreibung des Konstitutionsprozesses sozialer Probleme ein fünfstufiges Modell vor, das folgende Phasen umfasst: 1. das Auftauchen des sozialen Problems bzw. seine Wahrnehmung und Benennung; 2. die öffentliche Anerkennung (Legitimierung) als soziales Problem; 3. die Mobilisierung von Handlungsstrategien in politischen Auseinandersetzungen; 4. die Erstellung eines offiziellen Handlungsplanes zur Regulierung des Problems; 5. die Transformation dieses Handlungsplans in seiner tatsächlichen Ausführung.
Dass soziale Probleme einer kollektiven Definition unterliegen, das heißt, dass ihre Konstitution als Prozess kollektiven Handelns aufgefasst wird, darüber besteht in der Forschung Konsens. Strittig hingegen ist, ob diese Definitionen auf konkrete gesellschaftliche Bedingungen aufbauen, was dann die Untersuchung der Bedingungen ihrer Wahrnehmung erfordert, oder ob sie unabhängig davon sozial konstruiert werden, was impliziert, dass ihnen kein anderer Sinn zukommt als der ihnen von den Gesellschaftsmitgliedern in interaktiven Prozessen zugeschriebene …”.

Aber sie sind offensichtlich nicht bei all denen, die die deutschsprachige Sozialwissenschaft bestücken, angekommen. So liest man im “Grundkurs Soziologie” von Hans Peter Henecka, der im Jahr 2009 erschienen ist, dass

“[e]in soziales oder gesellschaftliches Problem […] meist dann vor[liege], wenn eine Diskrepanz (Widerspruch) zwischen den gesellschaftlichen Normen und Zielvorstellungen und dem tatsächlichen Verhalten der Menschen besteht (z.B. im Falle von Devianz und Kriminalität) oder wenn eine unvorhergesehene oder unvorhersehbare Situation eintritt, die in der Gesellschaftsordnung (noch) nicht geregelt ist (wie beispielsweise Massenarbeitslosigkeit in Deutschland und gleichzeitige Verlagerung von Arbeitsplätzen durch inländische Unternehmen in Billiglohnländer)” (Henecka 2009: 29).

Während für Henecka ein soziales Problem also dann besteht, wenn Menschen sich nicht hinreichend stark an normative Vorgaben halten oder jemand einen Regelungsbedarf sieht, dem noch nicht abgeholfen ist, und Henecka sich ansonsten vollständig darüber ausschweigt, wer mit welchem Recht normative Vorhaben macht oder Regelungsbedarf einfordert, würden Spector und Kitsuse genau diese Fragen stellen, also fragen, wer wie und warum bestimmte Umstände als Mißstände auszuweisen und ggf. Regelungen, die für andere bindend sein sollen, herbeizuführen versucht.

The battered womanDer grundlegende Unterschied in der Sicht auf das Konstrukt “soziale Probleme”, der durch die Definitionen von Henecka einerseits und Spector und Kitsuse andererseits illustriert wird, hat erhebliche Auswirkungen auf das, was Soziologen meinen, als Erklärungsproblem formulieren oder hinterfragen zu müssen. So ist in der englischsprachigen sozialwissenschaftlichen Welt prinzipiell kein Inhalt davor sicher, daraufhin untersucht zu werden, wie er als soziales Problem gerahmt wird und in wessen Interesse das ist, auch dann nicht, wenn es sich um einen ideologisch stark aufgeladenen Inhalt handelt, der im Übrigen auf der Agenda der derzeit herrschenden politischen Ideologie steht. Beispiele hierfür bieten die Arbeiten von Ronald Weitzer (2007) über “The Social Construction of Sex Trafficking: Ideology and Institutionalization of a Moral Crusade” und von Donileen R. Loseke (1992) über “The Battered Woman and Shelters: The Social Construction of Wife Abuse”, die gleichermaßen nicht nur den Konstruktionscharakter der in Frage stehenden Phänomene aufzeigen, sondern auch die Instrumentalität der Konstruktionen.

Eine solche kritische Haltung gegenüber sozialen Phänomenen ist die Voraussetzung dafür, dass überhaupt Sozialwissenschaft betrieben werden kann und ist letztlich neben dem Kriterium der verwendeten Methodologie das Kriterium, das Sozialwissenschaft von Sozialagitation und Ideologie unterscheidet. Und wenn man in die Texterzeugnisse derer schaut, die die deutschsprachige Sozialwissenschaft derzeit bestücken, dann hat man den Eindruck, dass tatsächlich ein starkes Bewusstsein für die Notwendigkeit von Reflexionsprozessen vorhanden ist. Gleichzeitig scheint sich die allerorts betonte und geforderte Reflexion aber so gut wie nie auf die Form der Selbstreflexion zu erstrecken, die einen interessanten Einblick darein geben könnte, wie sich Sozialwissenschaftler als Konstrukteure sozialer Probleme gerieren.

Ein sehr deutliches Beispiel hierfür bietet der Antrag, den Paula-Irene Villa von der LMU München und Sabine Hark von der TU Berlin auf Genehmigung einer ad hoc-Gruppe auf dem DGS-Kongress im Oktober 2014 gestellt haben und der den Titel trägt: “Genderismus – Der Umbau der Gesellschaft. Soziologische Annäherung an einen aktuellen Krisendiskurs”.

Goffman StigmaBehauptet wird von den Autorinnen die Existenz eines “Krisendiskurses”, in dessen Mittelpunkt “Sexualität und Geschlecht” stünden und dass der Genderismus als “hoch-gefährliche Ideologie und ‘staatlich verordnete[s] Umerziehungsprogramm’ im Zentrum jener Krisendiskurse [die inzwischen im Plural und nicht mehr wie zu Anfang des Textes im Singular konstatiert werden]” stünde. An dieses von den Autorinnen vorgestellte Szenario schließen sie die These an, nach der sich in den von ihnen behaupteten Krisendiskursen “womöglich nicht nur Unsicherheiten und Abwehrreaktionen gegenüber gesellschaftlichen Emanzipations- und Reflexivierungs[!]prozessen artikulieren, sondern vor allem die erneute “Befestigung der heteronormativen Geschlechterordnung auf der Agenda steht”. Wie sie eine solche These aus von ihnen konstatierten Krisendiskursen über “Tugendterror”, “repressive ‘Political Correctness'” u.ä. ableiten, bleibt ihr Geheimnis und für den uneingeweihten Leser unnachvollziehbar. Jedenfalls schließen sich für die Autorinnen an das von ihnen entworfene Szenario
“eine Reihe von Fragen an: Auf welche als ‘Problem’ definierten gesellschaftlichen Dynamiken antwortet der Krisendiskurs des (Anti-)Genderismus? Weshalb und wie genau stehen ausgerechnet Sexualität und Geschlecht im Mittelpunkt eines breiteren […] und breit anschlussfähigen (Krisen-)Diskurses, der sich anti-etatistisch und vordergründig [!] liberal/libertär geriert (etwa in den Unterstellungen [!] gegenüber der EU oder der ‘Denk- und Sprachverbote’ durch Medien) und dabei u.U. zentrale Institutionen des demokratischen Rechtsstaats anzweifelt?”

Während die Autorinnen für sich bzw. ihre ad hoc-Gruppe eine “forschungsbasierte soziologische Reflexion zu einem europaweiten Krisendiskurs” in Anspruch nehmen wollen, scheitern sie an der Selbstreflexion im Vorfeld vollständig, obwohl eine solche äußerst aufschlussreich hätte sein können: Sie scheinen sich nämlich in keiner Weise bewusst zu sein, dass sie mittels ihrer Themen- und Ausdruckswahl ein soziales Problem (mit)konstruieren, das bereits seit einiger Zeit durch Positionsinhaber in der öffentlichen Verwaltung zu konstruieren versucht wird, um Kritik am von ihnen favorisierten, aber (zumindest auf der Ebene der EU) in keiner Weise demokratisch legitimierten Gesellschaftsentwurf, wie er beispielhaft im Genderismus zum Ausdruck kommt, zu delegitimieren, nämlich die massenhafte Existenz von Menschen mit so genannten rechten Einstellungen, die in der Empirie zwar nicht existiert, aber zu konstruieren versucht wird, indem alle möglichen Weltanschauungen, Argumentationen, Meinungen, Überzeugungen und Äußerungen ein- und zusammengeklammert werden, die nur eine einzige Gemeinsamkeit haben, nämlich von Vertretern des Genderismus als anti-genderistisch eingeordnet zu werden. Nur vor diesem – im Text der Autorinnen implizit gebliebenen – Hintergrund und des in ihm verankerten Bedrohungsdiskurses innerhalb der Gruppe der Genderisten ist nachvollziehbar, wie die Autorinnen zu ihrer These von der “erneute[n] Befestigung heteronormativer Geschlechterordnung” kommen, konstruieren die Genderisten die heteronormative Geschlechterordnung doch unablässig selbst mit, um einen benennbaren Feind zu haben, gegen den sich der Genderismus richten kann.

Dies alles würde ihnen vielleicht bewusst, wenn sie statt andere Menschen als Andere zu konstruieren und ihnen Motive zu unterstellen, die die Genderisten mit einem sozialen Problem versorgen könnten, selbstreflexiv tätig würden. Aber dass Reflexivität mit dem Nachdenken über das eigene Tun und die eigenen Motive beginnt, ist ihnen entweder unbekannt oder zu unangenehm, um es zu praktizieren, denn die Trennung von Wir (Genderisten und anderen guten Menschen, die zumindest keine Kritik an ihm üben) und den Anderen, d.h. den Kritikern des Genderismus, die von den Autorinnen zu einer homogenen Masse verschmolzen werden und die in den Augen der Autorinnen z.B. bloß “vordergrüngig [aber keinesfalls tatsächlich] liberal” sein können, diese Trennung, die keine Grautöne zulässt, sondern nur Schwarz und Weiß kennt, steht im Zentrum der Konstruktion eines Bedrohungsszenarios, für das das diskursive Phantasma einer Masse von Unsicheren und in Abwehrreaktionen von “Emanzipations- und Reflexivierungsprozessen” Befindlichen ersonnen wurde.

Dieses diskursive Phantasma spricht allen Bürgern, die nicht derselben Auffassung sind wie die Autorinnen bzw. Genderisten jegliche Kompetenz ab, sich eigene Urteile zu bilden, und verkehrt außerdem die Bemühungen von Bürgern um Emanzipation von den Vorgaben des Genderismus aufgrund eigener Reflexionen in Emanzipations- und Reflexionsunwilligkeit. Emanzipation und Reflexion sind für die Autorinnen bzw. Genderisten als Begriffe und Ideen nämlich exklusiv für das eigene Gedankengut reserviert. Sie verfügen also über keine formale Definition dieser Begriffe und Ideen, was bei Sozialwissenschaftlern – in britischer Untertreibung formuliert – als beklagenswerter Zustand bezeichnet werden muss.

Diese Strategie der sprachlichen Verkehrung von Emanzipationsbestrebungen in Emanzipationsabwehr hat immerhin den Vorteil, Genderisten von der Begründung ihrer Position scheinbar (und nur bis auf Weiteres) zu entheben und es ihnen zu ermöglichen, sich statt dessen der Diskreditierung ihrer Kritiker zu widmen. Und diese Diskreditierung ist anscheinend das Grundanliegen im Antrag der Autorinnen auf Genehmigung der ad hoc-Gruppe; anders lässt sich kaum verstehen, warum Kritiker von ihnen uneingeschränkt als nur “vordergründig” liberal bezeichnet werden, Kritik an der EU als “Unterstellungen” und Kritik an einseitiger Berichterstattung und Zensur in den Medien als “‘Denk- und Sprechverbote'”.

Klemperer LTIAnders lässt sich auch kaum nachvollziehen, warum die Probleme, von denen die Autorinnen behaupten, dass Kritiker des Genderismus sie sehen würden, von den Autorinnen in Anführungszeichen gesetzt werden: es soll kundgetan werden, dass es sich nicht wirklich um Probleme handelt – wirkliche soziale Probleme definieren nur die Autorinnen, sonst niemand! Die Verwendung des “ironischen Anführungszeichens”, das “[…] Zweifel in die Wahrheit des Zitierten [setzt]”, hat übrigens der Philologe Victor Klemperer als Charakteristikum der LTI, d.h. der Sprache des Dritten Reiches, der “Neutralität … zuwider ist” identifiziert (Klemperer 2007: 99). Man kann (und vieleicht: muss) sich fragen, ob die neuerdings wieder auffällig häufige Verwendung des ironischen Anführungszeichens in den Medien, aber auch in Texterzeugnissen, die Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben, Ausdruck einer totalitären Geisteshaltung ist, die der Sprache des Dritten Reiches zugrunde lag. Kaum anders als durch die Absicht, Kritiker des Genderismus zu diskreditieren, kann auch erklärt werden, dass die Autorinnen es als eine Art Verfehlung dauerhaft Uneinsichtiger auslegen, wenn diese “zentrale Institutionen des demokratischen Rechtsstaates anzweifel[n]”.

Die Reflexivität der Autorinnen reicht nicht so weit, dass sie erkennen könnten, dass vielleicht nicht die Institutionen als solche in der Kritik stehen, sondern die Art und Weise, wie sie derzeit funktionieren bzw. instrumentalisiert werden, um bestimmte ideologische Inhalte zu kolportieren, die in der Bevölkerung aus den verschiedensten Gründen auf Widerstand stoßen. Die Reflexivität der Autorinnen ist überhaupt kein
Nachdenken über die Motive und Prämissen der von ihnen konstruierten Anderen, weil sie deren Auffassungen und Motive ja bereits im ihrem Text u.a. durch die ironischen Anführungszeichen als falsch und unbegründet ausgewiesen haben, sondern es soll lediglich der Schein von Reflexivität erweckt werden, denn die so genannte Reflexivität der Autorinnen beschränkt sich – zumindest im vorliegenden Text – auf das unablässige Wieder-Aktualisieren von Gedanken, an die sie sich affektiv gebunden fühlen.

Wenn Reflexivität schon etwas ist, von dem sie meinen, es bezeichne die Unterstellung, dass Überzeugungen und Motive anderer Menschen nicht ernst zu nehmen und unbegründet seien, so ist Selbstreflexivität für sie ein völlig unbekanntes Konzept. Wäre es bekannt, dann wäre es z.B. möglich gewesen, Fragen danach aufzuwerfen, (1) welche Aspekte ihrer Sozialisation und ihrer Biographie diejenigen, die sich in der ad hoc-Gruppe zusammenfinden (sollen), in die Lage gebracht haben, auf Kritik an Ideen, mit denen sie sich identifizieren, an denen sie selbst aber keinerlei schöpferischen Anteil haben, in der auf Überidentifikation beruhenden Weise zu reagieren, in der sie reagieren, und die zumindest dem durch Sigmund Freud vorgeprägten Betrachter hysterisch vorkommen könnte, (2) wo der Zusammenhang zwischen diesen Ideen und Sozialwissenschaft bestehen soll oder kann und (3) – und besonders wichtig – welche Verantwortung Sozialwissenschaftlern bei der Trennung der Bevölkerung in Wir und die Anderen durch die Konstruktion von Meinungsvielfalt als soziales Problem zukommt. (Ich hoffe, damit Impulse für die Diskussion in der ad hoc-Gruppe gegeben zu haben!)

Was hier nur bruchstückhaft und ad hoc entwickelt wurde, ist eine soziologische Annäherung an den aktuellen Bedrohungsdiskurs, den Genderisten, die die Sozialwissenschaften derzeit bestücken, konstruieren und auf dessen Basis wiederum ein neues soziales Problem konstruiert werden soll, nämlich das der hoch-gefährlichen Existenz von Kritik und Meinungsvielfalt – und dies in einer demokratischen Gesellschaft, auf die die Autorinnen doch scheinbar große Stücke halten, wenn es darum geht, die Zweifel von Bürgern an “zentrale[n] Institutionen des demokratischen Rechtsstaates” zu diskreditieren!

Sicherlich wäre eine breitere und tiefere Analyse der diskursiven Konstruktion von Bedrohung der Ideologie des Genderismus und die diskursive Entnormalisierung von Meinungsvielfalt durch Soziologen nicht nur lohnend, sondern notwendig und Aufgabe einer kritischen Sozialwissenschaft. Ausgangspunkt einer solchen Analyse könnte – und müsste, wenn sie in Selbstreflexion erfolgen soll – sein, was Peter L. Berger und Thomas Luckmann in ihrem Buch “Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit” formuliert haben:

Berger Luckmann“Eine mögliche Folge der institutionalisierten Auffächerung ist das Entstehen gesellschaftlich abgetrennter Sinnwelten. Sie ergeben sich aus den verschiedenen Akzenten, die auf Rollenspezialsierung gelegt werden, bis hin zu dem Punkte, an dem rollenspezifisches Wissen, gemessen am allgemeinen Wissensvorrat, völlig esoterisch wird … Wie alle Sinnkonstruktionen der Gesellschaft müssen auch die Subsinnwelten von einer bestimmten Gemeinschaft ‘getragen’ werden, das heißt, von der Gruppe, welche die betreffende Sinnhaftigkeit ständig produziert und in der sie objektive Wirklichkeit geworden ist. Zwischen solchen Gruppen können Streitigkeiten und Rivalitäten bestehen. … In hochentwickelten Industriegesellschaften mit ihrem enormen wirtschaftlichen Überschuss, der es ungezählten Personen gestattet, ihre gesamte Zeit noch den obskursten Interessen zu widmen, ist die pluralistische Konkurrenz von Subsinnwelten jeder vorstellbaren Art und Weise der Normalzustand” (Berger & Luckmann 1996 : 90/91; Hervorhebung d.d.A.)

– und dies im statistischen Sinn und daher empirisch tatsächlich, und das sollten auch oder gerade Sozialwissenschaftler akzeptieren statt neue Bedrohungsdiskurse zu eröffnen und moralische Paniken zu inszenieren.

Bleibt zu fragen, was die beantragte ad hoc-Gruppe anderes sein kann als ein informelles Treffen genderistisch geprägter Ideologen in einem formal-wissenschaftlichen Kontext, denn der Interpretationsrahmen des in Frage stehenden Phänomens, also der in Deutschland und anderen Ländern immer lauter werdenden Kritik am Umbau der Gesellschaft im Sinne des Genderismus, wird von den Autorinnen ja bereits im Vorfeld durch ihre Antragsschrift vorgegeben und lässt keinerlei Raum für alternative Interpretationen. Insofern ist der Antrag eine schlechte Satire auf den Entwurf einer wissenschaftlichen Fragestellung.

Satire kann auch nur die von Autorinnen aufgeworfene Frage sein, “[w]eshalb und wie genau […] ausgerechnet [!] Sexualität und Geschlecht im Mittelpunkt des breiten [!] […] und breit anschlussfähigen [!] (Krisen-)Diskurses, der sich anti-etatistisch und vordergründig liberal/libertär geriert ….” steht, denn wenn sie selbst ihren Text mit “Genderismus – Der Umbau der Gesellschaft” betiteln, dann sollte man meinen, dass sie doch eine vage Ahnung davon haben, warum “ausrechnet” der Umgang mit Sexualität und Geschlecht in der Kritik steht, wenn es um den Umbau der Gesellschaft im Sinne des Genderismus geht!

Und insofern der Umbau der Gesellschaft im Sinne des Genderismus u.a. die Verabsolutierung askriptiver Merkmale bedeutet, die Ersetzung des meritokratischen Prinzips durch Ergebnisgleichheit und die ideologische Indoktrination von Kindern und Jugendlichen in öffentlichen und öffentlich finanzierten Schulen, ist es vielleicht nicht so überraschend, dass die Kritik am Genderismus in viele Richtungen “breit anschlussfähig” ist. Gerade deshalb ist es sehr seltsam und ganz und gar soziologisch uninformiert, wenn all die verschiedenen Kritiker von den Autorinnen als homogene Gruppe der Anderen und ihre Kritik sozusagen als – im übrigen prinzipiell verfehlte – Einheitskritik am Umbau der Gesellschaft im Sinne des Genderismus konstruiert und damit ein soziales Problem geschaffen werden soll, dass nur diejenigen sehen können, deren Reflexivität nicht so weit gereicht hat zu erkennen, dass Meinungsvielfalt und Kritik nicht nur der Normalzustand in einer komplexen Gesellschaft sind, sondern die Basis für eine Zivilgesellschaft. Aber genau diese soll ja anscheinend durch den Umbau der Gesellschaft im Sinne des Genderismus beseitig werden. Fragt sich nur, ob Soziologen sich hieran guten Gewissens beteiligen können, aber die Befragung des eigenen Gewissens setzt Selbstreflexivität voraus ….

Literatur:

Berger, Peter L. & Luckmann, Thomas, 1996: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit: Eine Theorie der Wissenssoziologie. Frankfurt/M.: Fischer.

Foucault, Michel, 2004: Abnormal: Lectures at the Collège de France, 1974-1975. New York: Picador.

Foucault, Michel, 2003: Society Must Be Defended: Lectures at the Collège de France, 1975-1976. New York: Picador.

Garfinkel, Harold, 1996: Studies in Ethnomethodology. Cambridge: Polity Press.

Goffman, Erving, 1990: Stigma: Notes on the Management of Spoiled Identity. London: Penguin.

Hacking, Ian, 2001: The Social Construction of What? Massachussetts: Harvard University Press.

Henecka, Hans Peter, 2009: Grundkurs Soziologie. Konstanz: UVK.

Klemperer, Victor, 2007: LTI: Notizbuch eines Philologen. Stuttgart: Reclam.

Loseke, Donileen R., 1992: The Battered Woman and Shelters: The Social Construction of Wife Abuse. Albany: State University of New York Press.

Luke, 1999: The Discipline as Disciplinary Normalization: Networks of Research. New Political Science 21, 3: 345-363.

Mooney, Linda, Knox, David & Schacht, Caroline, 2013: Understanding Social Problems. Belmont: Wadsworth, Cengage Learning.

Spector, Malcolm & Kitsuse, John I., 1977: Constructing Social Problems. Menlo Park: Cummings.

Taylor, Dianna, 2009: Normativity and Normalization. Foucault Studies 7: 45-63.

Weitzer, Ronald, 2007: The Social Construction of Sex Trafficking: Ideology and Institutionalization of a Moral Crusade. Politics & Society 35, 3: 447-475.

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