Trotz aller Hetze: Internethetze nicht Justiz-relevant

Derzeit feiern die Süddeutsche Zeitung und ihr No-Hate-Speech Ableger eine 353%ige Zunahme von Vergehen gegen die Paragraphen 130 und 131 StGB. Tatort: Internet. § 130 StGB ahndet die Volksverhetzung, § 131 die Verbreitung „grausamer oder unmenschlicher Gewaltdarstellungen“. Von 505 auf 2.290 ist die Zahl der Ermittlungsverfahren, die bei Staatsanwaltschaften anhängig sind, gestiegen. Ein wahrer Erfolg der No-Hate-Speech Kampagnen, die offensichtlich die Hysterie angesichts von vermeintlicher Volksverhetzung und vermeintlicher Gewaltdarstellung befeuert und dafür gesorgt haben, dass die Zahl derjenigen, die nur zu gerne die Meinungen anderer zensieren würden, gewachsen ist.

Dass die erhöhte Zahl von Ermittlungsverfahren vornehmlich das Ergebnis davon ist, dass Projekte wie No-Hate-Speech oder Stiftungen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung das schaffen, was wir Gutmenschen-Salience nennen, kann man an den Daten, die das Bundesjustizamt unlängst veröffentlicht hat, leicht nachweisen.

Amadeu Hetze 1Salience bezeichnet die Schaffung von Aufmerksamkeit oder von Interesse für einen bestimmten Gegenstand. Eine Dauerberieselung mit dem Lamento, dass im Internet auf Schritt und Tritt mit Hass zu rechnen ist, wird entsprechend die Aufmerksamkeit für den vermeintlichen Hass erhöhen. Surfer im Internet werden Aussagen, die sie früher als rüde oder idiotisch abgetan hätten, neu etikettieren und nunmehr als Hass deklarieren. Gleichzeitig bietet sich aufgrund der Wirkung von Selbst-Purifikation, die man sich als Hassjäger oder Hassanzeiger einbilden kann, die Suche nach vermeintlichem Internethass für Gutmenschen an. Hier können sie sich ausleben und dem Angebot, das No-Hate-Speech oder Amadeu-Antonio-Stiftung machen: „Erweise Dich als Guter, hetze gegen Hetzer oder jage vermeintliche Hasser oder denunziere vermeintliche Hasskommentatoren“, Folge leisten. Entsprechend steigt die Zahl der Anzeigen und folglich die Zahl der Emittlungsverfahren wegen angeblicher Hasskommentare oder wie es kurz heißt: Hetze im Netz, wobei Hetze immer nur von rechts kommen kann. Ein weiterer Kriegsschauplatz, denn linke Hetzer gegen Hetzer wollen Hetze zu einem exklusiv rechten Problem machen, um selbst folgenlos hetzen zu können..

Die Zahlen des Bundesjustizamts zeigen, dass vom 1. Januar 2015 bis zum 31. Dezember 2015:

  • 3.245 Ermittlungsverfahren wegen rechtsextremistischer oder fremdenfeindlicher Straftaten, die im Internet begangen worden sein sollen, eröffnet wurden. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um die oben genannte Volksverhetzung und Gewaltdarstellung sowie Verstöße gegen die §§ 86 und 86a, d.h. „Verbreitung von Propagandamitteln verfassungsfeindlicher Organisationen“ und „Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“.

Von diesen 3.245 Ermittlungsverfahren wurden

  • 1.142 (35,2%) Verfahren eingestellt, weil ein Täter nicht ermittelt werden konnte.
  • 1.458 (44,9%) Verfahren eingestellt, weil eine Strafverfolgung nicht im öffentlichen Interesse lag oder die Schuld des Täters nur gering ist oder nicht genügend Anlass zur Erhebung einer Klage vorhanden war.
  • In 645 (19,9%) Fällen kam es zur Erhebung einer Anklage vor zumeist einem Amtsgericht.
    • 406 Verfahren (12,5% der Ermittlungsverfahren) endeten mit einer Verurteilung des Angeklagten.
    • 239 Verfahren (7,4% der Ermittlungsverfahren) endeten mit einer Einstellung oder einem Freispruch

Der ganze Aufstand, der derzeit wegen Hatespeech oder Hetze oder Hasskommentaren erfolgt, hat somit zu 406 Gerichtsverfahren bundesweit geführt, die mit der Verurteilung des Angeklagten beendet wurden. Es wäre interessant zu sehen, in welcher Höhe Steuermittel eingesetzt wurden, um die Werbetrommel zur Jagd auf Internet-Hetzer zu schmieren, um auf deren Grundlage errechnen zu können, wie viel Steuermittel aufgewendet wurden, um die Staatsanwaltschaft mit 3.245 Ermittlungsverfahren zuzuschütten, von denen letztlich 12,5% (406) mit einer Verurteilung endeten.

Die Steuergelder, die ausgegeben werden, um einen Internet-Hetzer zu verurteilen, sie stellen vermutlich die Steuergelder, die ausgegeben werden, um einen Gewalttäter oder einen Einbrecher zu ermitteln und zu verurteilen, weit in den Schatten.

In jedem privaten Unternehmen würde man eine Erfolgsquote von 12,5% als lausig bezeichnen.
hate-speech-aktimistmus-jpgOffensichtlich ist man auch bei den No-Hate-Speech-Aktivisten, also denen, die gegen Hetzer hetzen, mit dem Ergebnis wie es das Bundesjustizamt gemeldet hat, nicht zufrieden. Die Zahl der Verurteilten 2015 ist den No-Hate-Speech-Aktivisten zu gering. Außerdem ist sie im Vergleich zu 2014 nicht gestiegen, so dass man als Erklärung nur Hysterie anführen kann: Durch Kampagnen zur Hervorhebung von HateSpeech Aufgestachelte scheinen zu melden, was ihnen vor die Nase kommt. Von dem, was ihnen vor die Nase kommt, erfüllt 87,5% nicht die Kriterien, die man in Deutschland nach wie vor an eine Straftat anlegt, so dass man davon ausgehen muss, dass in 87,5% der Fälle, in denen ein Ermittlungsverfahren z.B. auf Basis einer anonymen Anzeige aufgenommen wurde, Meinungsfreiheit unterdrückt werden sollte.

Die Erklärung passt No-Hate-Speech-Aktivisten natürlich nicht. Deshalb bieten sie eine andere für die lausige Erfolgsquote an: Wegen der Anonymität im Netz sei die Verurteiltenquote so gering, behaupten sie, entsprechend sei die Anzahl der Täter, die nicht ermittelt werden könnten, bei Internetstraftaten höher als bei Nicht-Internet-Straftaten.

Behauptungen über die Wirklichkeit haben den Nachteil, dass man sie prüfen kann, und eine Prüfung der gerade zitierten Behauptung zeigt: Sie ist falsch.

Wie man mit ein wenig Rechnerei leicht herausfinden kann, ist die Wahrscheinlichkeit im Verlauf eines Ermittlungsverfahrens, das auf Grundlage einer Internet-Straftat (§§ 86, 86a, 130, 131 StGB) eröffnet wurde, verurteilt zu werden, höher als die Wahrscheinlichkeit für eine nicht im Internet erfolgte vergleichbare Straftat aus dem Bereich „rechtsextremistisch/fremdenfeindlich“ verurteilt zu werden.

12,5% der Ermittlungsverfahren mit dem Tatort „Internet“ enden mit einer Verurteilung, aber nur 10,9% aller Ermittlungsverfahren im Bereich „rechtsextremistisch/fremdenfeindlich“. Bei 35,2% der Ermittlungsverfahren mit dem Tatort „Internet“ ist es der Staatsanwaltschaft nicht möglich, einen Täter zu ermitteln, im Gegensatz zu 41,2% bei allen entsprechenden Straftaten.

hate_speech1Wie man sieht, löst sich auch die Hoffnung der No-Hate-Speech-Aktivisten, die lausig geringe Zahl der Verurteilten durch ein schnell erfundenes Dunkelfeld zu erhöhen, in Luft auf. Es bleibt dabei: Im Jahr 2015 wurden gerade einmal 406 Ermittlungsverfahren wegen einer Straftaten gegen die §§ 86, 86a, 130 oder 131 StGB, die im Internet begangen wurden, mit einer Verurteilung beendet, 12,5% Erfolgsquote, 87,5% Misserfolgsquote.

Es wird viel Steuergeld zum Fenster hinausgeworfen, um einerseits den Anschein zu erwecken, das Internet sei voller Hetze und andererseits die unglaubliche Anzahl von 406 Verurteilungen bundesweit und im Jahr 2015 zu erreichen. Deutsche lassen sich ihren ideologischen Spleen viel kosten: Schließlich muss ja das ganze No-Hate-Speech Lager auf Steuerzahlerkosten unterhalten werden.


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Überall Fremdenfeindlichkeit – von Béziers bis Berlin

Fremdenfeindlichkeit ist eine Begriffsmode, die sich langsam aber sicher nicht nur in den Medien durchsetzt, und zwar zur Bezeichnung aller Erscheinungen, die man als negative Form der Betrachtung von Migranten oder als Kritik an der Migrationspolitik von Regierungen ansehen könnte. Vor allem in Deutschland werden normative Begriffe, wie die Fremdenfeindlichkeit genutzt, um Stimmung für die Regierungspolitik zu machen und alle, die die Regierungspolitik im Hinblick auf Migranten nicht mittragen, zu ächten, zu bösen Menschen, zu Rechtsextremisten oder zu sonst etwas zu erklären, was deutlich macht, dass die entsprechenden Menschen den Boden der Regierungskonformität verlassen haben.

Die vollkommene Ächtung jeder Kritik an z.B. der großen Zahl von Migranten, die in Deutschland aufgenommen wurden und werden, kommt einem Redeverbot gleich, das in dieser Form vor allem aus faschistischen Systemen bekannt ist, in denen versucht wird, bestimmte Sprachregelungen durchzusetzen und bestimmte Informationen nicht mehr zuzulassen. Insofern ist die Weigerung die Migrationspolitik der Bundesregierung zu diskutieren, ein Zeichen dafür, dass demokratische Grundprinzipien in Deutschland nicht mehr gelten, dass der öffentliche Diskurs vielmehr von bestimmten Themen, die der Sprachregelung, die durchgesetzt werden soll, nicht entsprechend, gereinigt werden sollen.

Fremdenfeindlichkeit hat sich als Begriff in diesem Zusammenhang bewährt, um Kritiker der Politik der „Willkommenskultur“, zu diskreditieren und aus dem öffentlichen Diskurs zu drängen. Fremdenfeindlichkeit ist ein normatives Konzept, das die Bewertung gleich in sich trägt, denn wer „feindlich“ eingestellt ist, der kann in der Plastikwelt moderner Vielfalt nicht gut sein, muss vielmehr verderbt sein. Der gute Bürger ist nicht feindlich, schon gar nicht gegenüber Fremden. Er ist ein sanftmütiger, friedliebender Altruist, der die zweite Hälfte seines St. Martinsmantel teilt, nachdem ihm die erste Hälfte bereits von seinem Staat (als Steuer) abgenommen wurde. Der gute Bürger hält den Mund und nickt an der richtigen Stelle.

Der gute Bürger kritisiert nicht. Er kritisiert vor allem keine Einwanderungspolitik, Migrationspolitik, Frauenpolitik, Schwulen- und Lesbenpolitik, Sozialpolitik, sonst gilt er als Fremdenfeind, Rassist, Anti-Genderist, als homophob und egoistisch.

Eigentlich ein lustiges Spiel, dieser Versuch einer schwachen Republik, Kritiker mit Begriffen einzuschüchtern. Ganz so lustig ist das Spiel jedoch nicht, denn die Begriffe genügen, um soziale Leben zu zerstören, durch anonyme Anzeige, Anschwärzen beim Arbeitgeber, durch vorauseilende Diffamierung besonders treuer Staatsvasallen …, die auf Begriffe reagieren, die sie in der Regel nicht verstehen und schon gar nicht hinterfragt haben.

menard-beziersNehmen wir z.B. Ellis Fröder, die gerade einen wüsten Beitrag über Robert Ménard, den Bürgermeister von Béziers für die ARD verfasst hat, in dem sie Robert Ménard nicht freundlich gegenübersteht, den Bürgermeister vielmehr als Fremdenfeind und Opportunisten, ja fast feindlich darstellt. Da Robert Ménard und Ellis Fröder sich nicht persönlich kennen werden, ist Robert Ménard für Ellis Fröder ein Fremder, ihre Darstellung von Ménard ein Beispiel der Fremdenfeindlichkeit.

Der Begriff der Fremdenfeindlichkeit, analytisch genutzt, wie wir das gerade getan haben, verliert somit jeden Wert. So betrachtet ist jeder ein Fremdenfeind, denn jeder von uns kann Personen benennen, die er nicht kennt, die ihm fremd sind und die er nicht leiden kann, denen er feindlich gegenübersteht. Wir können das. Sie können das. Probieren sie es: Fremdenhass hat etwas Kathartisches. Wir stehen z.B. allen überzeugten Sozialisten feindlich gegenüber. Sozialisten sind uns fremd, wollen Dinge durchsetzen, die unsere Freiheit beeinträchtigen und entsprechend von uns nicht friedlich, sondern feindlich goutiert werden, fremdenfeindlich.

winnetouWie gesagt, analytisch hat der Begriff der Fremdenfeindlichkeit keinerlei Wert. Man muss ihn normativ aufladen, indem man zunächst seinen ersten Teil positiv belegt, denn: fremd ist gut! Fremd ist nicht schlecht. Mit dem Begriff des Fremden gehen nur gute Assoziationen einher, keine schlechten. Der Begriff des „Fremden“, wie er von denen benutzt wird, die ihre Einwanderungspolitik jeder Kritik und Diskussion entziehen wollen, ist Ausdruck des Motivs des Edlen Wilden, das sich durch den Orientalismus des 19. Jahrhunderts ebenso zieht, wie durch die Winnetou Bücher von Karl May. Der Fremde kann nur edel und gut sein. Auf diesem Niveau sind offensichtlich eine ganze Menge Deutscher stehen geblieben.

Folgerichtig kann man eigentlich gar nicht fremdenfeindlich sein. Wer würde dem edlen Wilden niedere Motive unterstellen? Winnetou ist ein guter Indianer, ein edler Wilder, der jede Sekunde Blutsbruderschaft von Old Shatterhand wert war. Und genau auf diesem Stadium der verklärten Bewunderung des edlen Wilden finden sich eine Reihe wissenschaftlicher Definitionen des Begriffs „Fremdenfeindlichkeit“. So schreibt Bornewasser:

“Fremdenfeindlichkeit wird im vorliegenden Bericht als eine motivierte Bereitschaft verstanden, sich gegenüber Personen, die nicht dem eigenen Volk oder der eigenen Nation angehören und die vorübergehend oder auf Dauer im eigenen Land leben, abwertend, abweisend und diskriminierend zu verhalten“ (Bornewasser 1999: 292).

Bornewasser räumt selbst ein, dass seine Definition „weich und weit“ ist. Er hätte auch sagen können, dass sie nutzlos ist. Nutzlos ist sie schon deshalb, weil sie dann, wenn man die Definition ernst nehmen würde, als fremdenfeindlich qualifiziert werden müsste, denn sie ist denjenigen, die sich abwertend, abweisend und diskriminierend gegenüber Personen verhalten, die „vorübergehend oder auf Dauer“ in ihrem Land leben, abwertend, abweisend und diskriminierend, und da Bornewasser diejenigen, die er abwertet, diskriminiert und denen er gegenüber sich abweisend verhält, nicht kennt, sie ihm fremd sind, ist seine Definition fremdenfeindlich und er auch.

Diesem Problem der Selbsreferentialität der Definition von Fremdenfeindlichkeit, kann man auch nicht dadurch entgehen, dass man, wie Schröder das tut, die „Raumzeitwelt“ einführt:

“Zusammenfassend ist der Fremde also ein ‚Eindringling‘ in eine ihm fremde Raumzeitwelt, die ihm entgegengebrachte Abwehrhaltung soll an dieser Stelle als Fremdenfeindlichkeit bezeichnet werden.“

Polizisten, die Häuser von fremden Besetzern räumen, die wiederrechtlich besetzt wurden, qualifizieren sich damit ebenso zu Fremdenfeinden wie Eigentümer, die einen ihnen fremden Einbrecher aus ihrem Haus vertrieben sehen wollen. Die Definition ist offenkundiger Unsinn und zudem partiell tautologisch, denn der Begriff des Fremden trägt die Wertung „Eindringling“ schon in sich, denn würde der Fremde nicht als Eindringling wahrgenommen, er würde vermutlich auch nicht als Fremder erkannt.

Die dargestellte Unfähigkeit, den Begriff „Fremdenfeindlichkeit“ sinnvoll zu definieren, hat damit zu tun, dass der Begriff nur dann Sinn macht, wenn man ihn auf Basis einer ganz bestimmten normativen Grundhaltung benutzt, einer Grundhaltung, die alles als nicht-Fremd ansieht, was positiv bewertet ist und alles als fremd, was nicht positiv bewertet ist. Entsprechend werden Fremde zu Nicht-Fremden, wenn sie positiv bewertet werden und Nicht-Fremde werden zu Fremden, wenn sie negativ bewertet werden. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Zuwanderungs-Enthusiasten sehen in Migranten die edlen Wilden und stehen den Fremden, die da kommen, positiv gegenüber. Gleichzeitig verfremden sie diejenigen, die den Migranten negativ gegenüberstehen, selbst dann, wenn sie sie kennen, und stehen ihnen in Konsequenz feindlich, fremdenfeindlich gegenüber.

Normative Begriffe taugen eben nicht dazu, außerhalb der Welt der eigenen Normen anderen oktroyiert zu werden. Man kann versuchen, sich über Normen zu verständigen, aber man kann sie anderen nicht aufzwingen – nicht in Demokratien.

Das ist der Grund, warum Wissenschaftler, die ernst genommen werden wollen, entweder den Begriff der Fremdenfeindlichkeit nicht benutzen oder ihn so definieren, wie Hans-Gerd Jaschke: Als „die öffentlich demonstrierte aggressive Abwehr des Fremden …“ (62). Aber selbst Jaschke kommt nicht um den normativen Kern von Fremdenfeindlichkeit herum, die den Fremden, der notwendig, vom eigenen abgesetzt und als anders wahrgenommen und bewertet werden muss, voraussetzt.

So definiert und an die Bedingung „aggressiver Abwehr“ geknüpft, eine Bedingung, die noch vage genug ist, zumal die Ansichten darüber, was Aggression ist und was nicht, auseinandergehen, ist die Plakataktion von Robert Ménard keine fremdenfeindliche Aktion, fremdenfeindlich ist jedoch der Beitrag von Ellis Fröder, in dem ohne Not eine Diskreditierung von Ménard vorgenommen wird, einmal durch den Fehlschluss der falschen Assoziation: Weil Ménard auch mit den Stimmen des Front Nationale gewählt wurde, muss er ein Böser sein, einmal durch den Fehlschluss der Trivialisierung, denn: „gerade einmal 40 Flüchtlinge“ soll Béziers aufnehmen, wie Frau Fröder weiß, woran man sieht, wie kleinlich und fremdenfeindlich Robert Ménard doch ist. Wo ist nur das „Wehret den Anfängen“ als analytischer Rat geblieben? Und wieso wird in Deutschland wegen gerade einmal 40 Neonazis, die in einem Nest in Nordbayern auftauchen, der nationale Notstand ausgerufen?

Es ist eben alles eine Frage der Bewertung. Und eine Gesellschaft, die nur noch bewerten und keine Diskussion mehr über Fakten und Konsequenzen führen kann, verkommt notwendig zur totalen Institution, weil sie als freie Gesellschaft nicht funktionieren kann.

Bornewasser, Manfred (1999). Fremdenfeindlichkeit und Polizei. In: Dünkel, Frieder & Geng, Bernd (Hrsg.). Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Bestandsaufnahme und Interventionsstrategien. Mönchengladbach: Forum Verlag Bad Godesberg, S.289-310.

Jaschke, Hans-Gerd (2001). Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Begriffe, Positionen, Praxisfelder. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Schröder, Sebastian (2003). Fremdsein und Fremdenfeindlichkeit. Marburg: Tectum.


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Fremdenfeindlichkeit ist die falsche Form politischen Protests

Fremdenfeindlichkeit ist ein alter Bekannter von Soziologen und Politikwissenschaftlern. Nicht, weil Soziologen und Politikwissenschaftler besonders fremdenfeindlich wären, perish the thought, nein, weil die Konzepte in beiden Fächern seit Jahrzehnten Konjunkturen der Popularität durchlaufen. Derzeit ist das Konzept wieder en vogue und die Veröffentlichungen sind entsprechend häufig.

Woerterbuch der SoziologieDie Fremdenfeindlichkeit, sie wird gewöhnlich, so z.B. im Wörterbuch der Soziologie als „aggressiv-ablehnende Einstellung und Verhaltesweisen von Angehörigen eines Kollektivs gegenüber Menschen aus anderen Gemeinden, Regionen, Völkern und Kulturkreisen“ (241) definiert, so dass sich auch Mitglieder der Antifa, die eine aggressiv-ablehnende Einstellung gegenüber Mitgliedern der Pegida zeigen, von der Definition erfasst und als fremdenfeindlich eingeordnet sehen.

Die breite Definition macht deutlich, dass Fremdenfeindlichkeit keine feste Disposition gegenüber bestimmten Fremden ist, sondern eine fluide Disposition gegenüber wechselnden Fremden und dass Fremdenfeindlichkeit Platzhalter und konzeptioneller Überbau über/für einem/ein grundlegenden Unwohlsein ist.

Das grundlegende Unwohlsein ist leicht benannt. Die Social Dominance Theorie von Sidanius und Pratto erstellt, sie benennt vielleicht am klarsten, worum es bei der Fremdenfeindlichkeit geht, nämlich um die Behauptung des eigenen Zugangs zu Ressourcen und die Abwehr der Ansprüche von Fremden auf Ressourcen, zu denen Zugang als exklusives Recht der Eigengruppe angesehen wird.

Bleibt der Platzhalter, eine Funktion, deren Beschreibung sich ausgerechnet bei Theodor Adorno und in seinem Beitrag zur Autoritären Persönlichkeit in fast schon humoresker Weise findet:

„Wir erwähnen weiterhin 5032 [Das ist die Nummer eines Interviewten], einen Antisemiten mit starken homosexuellen Neigungen, der von Spaniern und Negern abstammt. Er ist Nachtklubbesitzer, und der Interviewer fasst seinen Eindruck in der Bemerkung zusammen, dass dieser Mann sagen möchte: ‚Ich bin kein Neger, ich bin Nachtklubbesitzer‘. Hier ist offensichtlich die soziale Identifizierung eines Paria für dessen Vorurteile verantwortlich“ (Adorno, 1999: 114).

In Fremdenfeindlichkeit drückt sich also ein Protest aus, ein Protest gegen die politische Wirklichkeit, gegen die soziale Verortung der eigenen Person, gegen den fehlenden Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen. Fremdenfeindlichkeit kann somit als ein Anpassungstyp im Sinne von Merton verstanden werden, nämlich gerade als Konformität, mit der Personen versuchen, sich in eine bestehende Gesellschaftsordnung einzufügen. Das ist das Paradoxe an der Fremdenfeindlichkeit, dass sie von Personen, die sich konform mit den Regeln ihrer Gesellschaft verhalten, als Mittel zur Artikulation des eigenen Unwohlseins mit eben dieser Gesellschaft angewendet wird.

Dass es sich um Konformität handelt, wird schon daran deutlich, dass nicht einmal der extremste Pegida-Demonstrant bislang zum monarchistischen Umsturz aufgerufen hat. Derart unkonventionelle Aufrufe z.B. als sozialistischer Totalitarismus kommen meist von linker Seite.

Wenn es also bei Fremdenfeindlichkeit um den Zugang zu Ressourcen geht und Fremdenfeindlichkeit ein Platzhalter für Unwohlsein mit, Kritik am oder Ärger über das politische System ist, das man beibehalten, dessen Akteure man aber auswechseln will, dann ist Fremdenfeindlichkeit das falsche Mittel, um diesen Ärger über die Akteure des politischen Systems kundzutun.

Es ist das falsche Mittel, weil es die Falschen trifft: Die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, wissen nichts vom Unwohlsein durch, von der Kritik am oder vom Ärger über das politische System und sie können auch nichts dafür, dass es Anlass zu Unwohlsein, Kritik und Ärger bietet. Sie kommen nach Deutschland gerade als Folge der Entscheidung der politischen Akteure..

Also sollten nicht die Flüchtlinge zur Zielscheibe von Ärger und Kritik werden, sondern diejenigen, die ohne Rücksprache mit ihren Bürgern viele, sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland gelockt haben, die politischen Akteure, die sich auf dem Rücken der Flüchtlinge profilieren wollen.

Flüchtlinge sollten schon deshalb nicht Gegenstand des Ärgers und der Kritik sein, weil die entsprechende Kritik und der entsprechende Ärger den politischen Akteuren die Möglichkeit gibt, sich als Menschenfreude zu inszenieren, ein moralisches Roß zu besteigen und diejenigen, die sie kritisieren und die verärgert über sie sind, in Bausch und Bogen als Fremdenfeinde, Wutbürger, Problembürger, Rechtsextremisten, Faschos oder Hetzer zu diskreditieren. Wer Fremdenfeindlichkeit predigt, spielt entsprechend den Politikern in die Hände, die er kritisieren will und über die er verärgert ist.

Wenn das politische System und seine Akteure im Zentrum der Kritik stehen, was nicht zuletzt die Diskussionen unter dem Titel „Lügenpresse“ nahelegen, dann gibt es effizientere Mittel, seinen Protest kundzutun als Fremdenfeindlichkeit, Mittel, die sich zudem an die richtige Adresse richten.

Hier eine kleine Auswahl:

  • Ziviler Ungehorsam: Amtsbriefe werden grundsätzlich mit Gegenfragen beantwortet, in denn z.B. um eine verständliche Erklärung der kryptischen Rechtshilfebelehrung gebeten wird. Das legt Verwaltungen in Windeseile lahm.
  • Wahlboykott: Wer nicht wählen geht, legitimiert das politische System nicht und hat negativen Einfluss auf die Höhe der Wahlkampfkostenerstattung sowie die Parteienfinanzierung.
  • Passiver Widerstand: Bürger verweigern die Gefolgschaft, bringen ihr Geld nicht mehr zur Bank, bewahren es als Bargeld auf, beantworten keine Amtsbriefe mehr, zahlen Steuern nur noch bar ein und knüpfen die Entrichtung von Steuern an einen bestimmten Steuer-Verwendungszweck, z.B. den Bau von Straßen und Schulen, schließen andere Zwecke aus, z.B. die Finanzierung von Genderismus, drohen mit Klage beim Verstoß gegen den Steuer-Verwendungszweck;
  • Bürger nehmen Politiker ernst, Politiker, die die Zivilgesellschaft fordern. Deshalb werden Wahlkreisabgeordnete mit Nachfragen zu ihrer Tätigkeit überschüttet, sie werden mit Vorschlägen zu Gesetzesinitiativen bombardiert, ihr Wahlkreisbüro wird von Abordnungen von Wählern aufgesucht, die sich um die Durchsetzung ihrer Interesen sorgen usw.

Dies sind die Ergebnisse eines kurzen Brainstormings dahingehend, wie man politische Akteure dazu bringt, Bürger wieder ernst zu nehmen. Wer weitere Vorschläge hat, die Kommentarfunktion ist offen.

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Die Mitstech-Legende: Öffentlich-rechtlicher Schmierenjournalismus vereint im Hass

Patrick Gensing, den Namen muss man sich merken. Gensing ist Redakteur bei Tagesschau.de und Autor eines Beitrags, mit dem die öffentlich-rechtliche ARD nun endgültig den Boden des seriösen Journalismus verlassen und ins Lager des Schmierenjournalismus übergewechselt ist.

Für uns Beobachter von der Insel ist es wirklich erstaunlich, wie wenig es braucht, damit die deutsche Schönwetterdemokratie sich als die Einbildung herausstellt, die sie nun einmal ist.

Es braucht ein Attentat, einen Attentäter der von sich sagt oder über den gesagt wird oder von dem behauptet wird, er sei … ja, was eigentlich, rechtsextrem, fremdenfeindlich, xenophob, Kölner… irgendwas, was diskreditierungsfähig ist halt.

Und daraus mischt Patrick Gensing eine braune Soße, und wir sezieren sie.
Absatz für Absatz.

ARD Vereint im HassDer Anschlag von Köln und Pegida: Vereint in Hass auf Flüchtlinge und das System„, so lautet die Überschrift, die an die publizistische Meisterleistung erinnert, mit der Joseph Goebbels, den Anschlag auf Ernst Eduard vom Rath, Diplomat für Hitler in Paris, verübt von Hermann Grünspan benutzt hat, um die Reichskristallnacht loszutreten – Auch damals wurde ein Zusammenhang zwischen der Tat eines Einzelen und einer Gruppe von Menschen hergestellt. Damals wurde die Gruppe über ihr Merkmal „Jude“ identifiziert, heute über eine falsche Einstellung.

„Wenn der braune Mob loslegt, dann kann es jeden treffen“, das sagt Katja Kipping von der Linkspartei und warnt damit vor einer Eskalation der Gewalt. Wir warnen vor einer Eskalation der Dummheit, denn natürlich kann es nicht jeden treffen, denn wenn es jeden treffen könnte, gäbe es keinen braunen Mob bzw. müsste sich der braune Mob gegen sich selbst richten, was auch wieder bedeuten würde, dass es nicht jeden treffen kann. Wir sehen: Nicht jeder, der sprechen kann, kann auch Sprache benutzen (oder gar richtig denken), und nicht jeder der mit linken Devotionalien wie „brauner Mob“ um sich wirft, hat die geistige Reife, das auch zu tun.

Der „braune Mob“, der für alle, einschließlich sich selbst, eine Gefahr ist, er bildet den Auftakt zum Beitrag von Patrick Gensing in der ARD. Es folgt der Einzeltäter, jener Einzeltäter aus Köln, der mit einem Messer hantiert hat. Er ist – wie Gensing unter Bezug auf die objektive Quelle „Antifa“ und deren „Recherchen“ weiß – in einer Szene unterwegs gewesen, in der auch Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, für alle, die es nicht wissen, NSU, Nationalsozialistischer Untergrund, unterwegs waren. Guilty by Association nennt man das im Englischen. Es ist ein Fehlschluss.

Aber es dient der ersten Eskalationsstufe im Manipulationswerk von Gensing, den die Steuerzahler, auch die Steuerzahler von Pegida, finanzieren, die da lautet: Brauner Mob kann jeden treffen, der Attentäter von Köln ist brauner Mob und schlimmer noch, NSU, jedenfalls ist er in den selben Kreise recherchiert worden, von der Antifa, die in öffentlich-rechtlichen Kreisen als verlässliche Quelle gilt. Tief sind wir gesunken.

Aber noch nicht tief genug.

Zwei Absätze widmet Gensing dem Anliegen, rechtsxtreme Täter, Neonazis und Straftäter, die in einer Datenbank, die so unbekannt ist, dass sie nicht einmal einen Namen hat, der rechtsxtremen Szene zugeordnet werden, als Einzeltäter darzustellen. Die Anstrengung dient der Verbreitung des Mythos vom rechtsxtremen „führerlosen Widerstand“, also niemand führt, niemand strukturiert, niemand organisiert und dennoch sollen alle auf die selbe Weise ausgerichtet und organisiert sein.

Der Mythos des „führerlosen Widerstands“ ist instrumentell im Text von Gensing, denn er dient dazu, das böse Agens, das wir schon analysiert haben, jene esoterische Dämonenvorstellung, von der Leute wie Gensing besessen sind, einzuführen. Ganz nebenbei ist Einzeltäter mit rechtsextremem Hintergrund natürlich immer gut, um Anders Breyvik anzuführen. Gäbe es Breyvik nicht, man müsste ihn erfinden, als personifiziertes Böses.

Bis hier gibt es also einen braunen Mob, der sich in führerlose Einzeltäter auflöst und Anders Breyvik.

Jetzt kommen „Politiker und Experten“, die Pegida eine Mitverantwortung für das Attentat auf Henriette Reker in Köln zuweisen. Und wenn das Experten behaupten, Experten wie Hajo Funke oder Andreas Zick, der auf dem gleichen Sender einmal als Konfliktforscher und einmal als Sozialpsychologe geführt wird, und kein Mal als Stiftungsvorstand der Amadeu Antonio Stiftung, dann muss das so sein, dann muss es ein böses Agens geben, das die Kette der Wahnvorstellung, die Gensing bislang gewoben hat, schließt: Brauner Mob, rechtsxtreme Einzeltäter und Pegida als geistige Mentoren des rechtsextremen und führerlosen Widerstands.

Und damit die Message auch nachhause genagelt wird, kommt nicht nur der Stiftungsvorstand der Amadeu Antonio Stiftung, Sozialpsychologe oder Konfliktfoscher oder was auch immer Zick zu Wort, sondern auch „Timo Reinfrank von der „Amadeu Antonio Stiftung“. Und jener Reinfrank, der weiß, wer schuldig ist:

Timo Reinfrank von der „Amadeu Antonio Stiftung“ kritisierte, dass die rechtspopulistischen und islamfeindlichen Inhalte von „Pegida“ als vermeintlich berechtigte Ängste verharmlost worden seien. „Die Drohungen gegen Flüchtlinge und Migranten, die auch immer wieder am Rande oder nach Pegida-Demonstrationen zu realer Gewalt führten, wurden nicht als Bedrohung der inneren Sicherheit verstanden.“ Der Anschlag von Köln zeige, so Reinfrank weiter, dass Pegida „mitgestochen“ habe.

Zum Thema „mitgestochen“ haben wir uns bereits geäußert. Dass Reinfrank, der von Rechtsextremen lebt und ohne Rechtsextreme arbeitslos wäre, ein Interesse daran hat, die Gefahr von Rechts zu stilisieren und warm zu halten, ist vermutlich der Hauptgrund für die Mitstech-Legende. Mit seiner Behauptung, dass am Rande von Pegida-Demonstrationen „reale Gewalt“ verübt worden sei, stellt der unvorsichtige Reinfrank aber eine Tatsachenbehauptung auf, die ausgerechnet die Bundesregierung als falsch ausgewiesen hat:
BT18-4068

“Die Veranstaltungen der PEGIDA und ähnlichen Aktionsformen verliefen überwiegend störungsfrei. Nur in Einzelfällen kam es im Rahmen von Konfrontationen mit Gegendemonstranten und Anhängern dieser Strömungen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. In Anbetracht der zum Teil erheblichen Anzahl von Demonstranten wurden bisher jedoch verhältnismäßig wenige Straftaten mit Bezug zu den jeweiligen Veranstaltungen festgestellt.“ Das schreibt die Bundesregierung.“

Amadeu Antonio GUVDass Reinfrank es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, ist vermutlich seinem Eifer geschuldet, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, und die Mitstech-Legende in Zählbares zu verwandeln: Steuermittel für Aktionen gegen Rechts, für Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor rechten Eltern, für Erziehung von Schülern zu treuen und nicht rechten Staatsbürgern und alles durch die Amadeu Antonio Stiftung, die schon jetzt fast vollständig von deutschen Ministerien unterhalten wird. Arbeitsplatzsicherung nennt man das.

Die Meldung, die Gensing den Lesern der Tagesschau, die für dieses Stück Schmierenjournalismus Gebühren bezahlen, mit auf den Weg geben will, ist denmnach die folgende:

Brauner Mob ist für alle gefährlich. Rechte sind Einzeltäter. Breyvik ist rechts. Einzeltäter sind führerloser Widerstand, der durch eine geheimnisvolle, dämonische Macht, ein böses Agens angeleitet wird, Pegida, das ist der Ursprung dieses bösen Agens, dieser geheimnisvollen Macht, und Anders Breyvik, das ist der, der zeigt, wozu diese geheimnisvolle, dämonische Macht fähig ist. Wer bei Pegida mitläuft, der ist für Anders Breyvik nachträglich und für den Attentäter von Köln vor allem verantwortlich. Wer Pegida-Versteher ist, ein Attribut, das Werner Patzelt angeheftet wurde, weil er versucht, die Diskussion um Pegida auf Grundlage der Fakten zu führen, der ist auch schuld, mitschuld – woran auch immer.

Das also ist die Qualität des Journalismus, den öffentlich-rechtliche Anstalten ihren Lesern zumuten. Es ist Schmierenjournalismus und widerlich und mit einem eindeutigen Ziel verfasst: Brandstiftung und Brunnenvergiftung, denn: Welche Reaktion gibt es wohl, wenn man einem ganz normalen Menschen, der bislang bei Pegida mitgelaufen ist, weil er seinen Unmut über die deutsche Politik zum Ausdruck bringen will, zum Komplizen im Attentat von Köln, zum geistigen Mentor der NSU und zum Weggefährten von Anders Breyvik erklärt?

So lange es in Deutschland Redakteure wie Patrick Gensing bei öffentlich-rechtlichen Anstalten gibt, braucht man sich keine Sorgen zu machen, dass die Situation nicht eskalieren wird. Offensichtlich gibt es eine ganze Reihe von Gutmenschen, die endlich Blut sehen wollen, denen ein Attentätchen nicht reicht, denn es hat sie erst auf den Geschmack gebracht.

Freuen wir uns also auf den LiveFeed von der Pegida-Demonstration. Sie wissen ja: Bei der ARD sitzt man in der ersten Reihe, und vielleicht fließt ja wirklich Blut – live und in Farbe!

Die Hemmschwelle: Ein Justizminister, der diffamiert und an Geister glaubt

Wir haben uns gestern schon zu einer interessanten geistigen Fehlleistung geäußert. Dabei geht es um kausale Beziehungen. Also um Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Wenn z.B. jemand eine Frage stellt und ein anderer antwortet, dann ist man zumeist geneigt, die Frage als Ursache der Antwort anzusehen, selbst dann, wenn die Antwort mit der Frage nicht viel gemein hat. Die zeitliche Nähe und die Tatsache, dass Frager und Antworter in einer in der Regel erkennbaren Beziehung zueinander stehen bzw. dass man eine solche Beziehung herstellen kann, sind die Ursache für die Annahme der Kausalität.

Problematisch wird es mit der Kausalität, wenn Ursache und Wirkung sich nicht unmittelbar nachfolgen, wenn die Ursache vorgestern war und die Wirkung heute sein soll. Noch problematischer wird es mit der Kausalität, wenn nicht nur eine zeitliche Entfernung zwischen Ursache und Wirkung, sondern zudem keine direkte und begründete Beziehung zwischen beiden hergestellt werden kann.

Das ist eine Situation, wie geschaffen für Wahnvorstellungen, wie geschaffen für Brandstifter, wie geschaffen für Geisterheiler und Phantasten aller Art und wie geschaffen für Politiker, denn die Haupttätigkeit, die Politiker heutzutage für sich entdeckt zu haben scheinen, besteht darin, mehr oder weniger sinnfreie Beziehungen zu behaupten und als Ursache und Wirkung auszugeben.

Es sind diese Situationen, in denen Politiker versuchen Verbindungen herzustellen, die ihnen genehm sind, in denen der Geisterglaube, der Glaube an frei flottierende Viren, an Dämonen und Geister seine Blüte erlebt, z.B. dann, wenn Heiko Maas das Folgende von sich gibt:

Heiko Maas„Heiko Maas: Nein. Ich finde, wir müssen an dieser Stelle klar Farbe bekennen. Deutschland ist ein tolerantes und weltoffenes Land. Bei Pegida versammelt sich eine extrem radikale Minderheit. Wer Galgen baut und Menschen daran baumeln sehen will, setzt Hemmschwellen herab. Niemand, der da mitläuft, kann sich von der Verantwortung frei machen, für die Taten, die diese Hetze inspiriert. Für brennende Heime oder verletze Flüchtlingshelfer. Da gibt es keine Ausrede mehr.“

Und weil das noch nicht reicht, kommt Andreas Zick, der als Vorsitzender des Stiftungsrates der Amadeu Antonio Stiftung, die davon lebt, dass es Rechtsextreme gibt, gegen die die Stiftung steuerfinanzierte Maßnahmen durchführen kann, der also ein Interesse daran hat, dass der Nachschub an Rechtsextremen auch nicht versiegt (selbst wenn man die gesellschaftliche Mitte anbohren muss), und gibt Folgendes zum Besten:

„Menschen können sich durch die fremdenfeindlichen Parolen der „Pegida“-Bewegung zur Gewalt angestachelt fühlen, warnen auch Experten, wie der Bielefelder Konfliktforscher Andreas Zick: „Die AfD heizt die Stimmung an. Man muss auf [den] Ton achten, der sehr aggressiv ist. Auch die entsprechenden Symbole sind da. Die AfD schürt diesen Konflikt, in den wir alle hineingezogen werden.““

Beide, Maas und Zick, machen also eine kausale Verbindung zwischen Pegida, AfD (dem politischen Gegner von zumindest Heiko Maas, mit dem er um Wählerstimmen konkurriert) und „brennenden Flüchtlingsheimen und verletzten Flüchtlingshelfern“ oder ganz allgemein „Gewalt“, zu der sich Menschen durch die Pegida angestachelt fühlen können, wie der Konfliktforscher Zick zu wissen meint (wobei das „können“ das operative Wort hier ist, denn können kann man vieles …).

//platform.twitter.com/widgets.js Die Kausalität, die Maas und Zick behaupten, und die von der Ursache „Pegida“ oder „AfD“ zur Wirkung „brennendes Flüchtlingsheim“, „verletzter Flüchtlingshelfer“ oder „Gewalt allgemein“ führt, wird bei beiden durch eine dritte Variable, die die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung sicherstellen soll, vermittelt: durch die angeheizte Stimmung bei Zick und durch die von gebauten Galgen herabgesetzte Hemmschwelle bei Maas.

Also: Galgen bei Pegida führt zu heruntergesetzter Hemmschwelle, führt zu verletzten Flüchtlingshelfern oder brennenden Flüchtlingsheimen.
Und: Fremdenfeindliche Parolen können Menschen anstacheln und zu Gewalt führen.

Das muss man sich in Ruhe zu Gemüte führen. Ein Justizminister, der einem Stand von Leuten vorsteht, die auf Grundlage von Indizien oder Beweisen ein Urteil fällen sollen, glaubt an spirituelle Verbindungen, einen klimatischen Dämon (einem, der das Klima vergiftet), der zwischen einem Galgen an einem Ort und einem brennenden Flüchlingsheim an einem anderen Ort eine Verbindung herstellt, und ein angeblicher Konfliktforscher hängt dem Glauben an, dass Parolen an einem Ort anstacheln können und zu Gewalt an einem anderen Ort führen können.

Um sich zu vergegenwärtigen, dass diese Rabulistik sich nicht einmal als logischer Fehlschluss qualifiziert, muss man nur die folgenden Behauptungen aufstellen:

Die Tatsache, dass ein Justizminister versucht, einen Teil seiner Bevölkerung zu kriminalisieren und als Personae non Gratae darzustellen, radikalisiert Dritte, die die Bekundungen des Justiztministern als Beleg dafür nehmen, dass die Interessen von Menschen dann, wenn sie der politischen Kaste nicht in den Kram passen, nicht ernst genommen werden, dazu, Flüchtlingsheime anzuzünden und Flüchtlingshelfer zu verletzten, und zwar als Kompensation dafür, dass man in der politischen Kaste kein Gehör findet.

Oder: Das ständige Zetern von angeblichen Forschern für irgendetwas, die von Symbolen faseln, die dazu aufstacheln können, dass Gewalt verübt wird, hat zur Folge, dass Dritte, die mit der Pegida überhaupt nichts zu tun haben, auf den Geschmack kommen und denken, der Herr Zick hat Recht, ich werde radikal, stachle mich auf und verübe Gewalt, damit er hat, was er sich wünscht.

Dass man in Deutschland mit derart dummen und leicht durchschaubaren Manipulationsversuchen Claqueure auf seine Seite ziehen kann, ist einer der Gründe dafür, dass Deutschland weder ein demokratisches System hat noch eine Zivilgesellschaft. Deutschland ist und bleibt (bis auf weiteres) ein Obrigkeitsstaat, in dem diejenigen, die sich oben wähnen, hoch alarmiert reagieren, wenn sie Kritik ausgesetzt sind, die man in demokratischen Gesellschaften als normale Wahrnehmung demokratischer Rechte ansehen würde.

Um auch noch den zweiten Teil dessen, was Heiko Maas im Hinblick auf die Verantwortung der Mitläufer zu sagen weiß, in seiner ganzen logischen Erbärmlichkeit darzustellen, hier eine Anwendung seiner eigenen Logik:

Nach einem Bericht der Zeit mehren sich in den Fraktionen des Bundestages die Fälle von Steuerhinterziehung. Wer Steuern hinterzieht, „setzt Hemmschwellen herab“. Niemand, der sich einer Bundestagsfraktion mit Steuerhinterziehern anschließt, „kann sich von der Verantwortung frei machen, für die Taten, die diese“ Steuerhinterziehung inspiriert. „Da gibt es keine Ausrede mehr.“

Baader Meinhof komplexEs sei den Linken unter unseren Lesern und vor allem Heiko Maas angeraten, das Buch „Der Baader Meinhof Komplex“ von Stefan Aust zu lesen. Aust beschreibt darin sehr eindrücklich, wie die Radikalisierung der Baader Meinhof Gruppe und deren Entscheidung, Gewalt anzuwenden, eine Funktion der eigenen empfundenen Ohnmächtigkeit, der eigenen Ausgrenzung durch die politische Kaste und der Diffamierung durch die politische Kaste war.

Die Aufgabe besteht nun darin, die Situation, in der sich die Baader Meinhof Gruppe gefunden hat, mit der heutigen Situation in Verbindung zu bringen und daraus Schlüsse zu ziehen, z.B. im Hinblick auf das eigene Auftreten gegenüber der Pegida und den Bürgern, die dort mitlaufen. Im Gegensatz zu den Behauptungen von Heiko Maas, kann man nämlich auf Basis der Reaktionen von Personen wie Maas auf die Pegida und auf Grundlage von sozialpsychologischen Theorien eine Radikalisierung vorhersagen, die nicht einmal Mitläufer der Pegida zum Gegenstand haben muss, denn die Tatsache, dass Bürger von einem, der Justizminister spielt, diffamiert werden, weil sie ein demokratisches Grundrecht in Anspruch nehmen, ist gut dokumentiert und jederzeit als Grundlage einer Radikalisierung und generellen Ablehnung von politischer Kaste und politischem System nutzbar – das würde dann Heiko Maas zum Brandstifter machen, sozialpsychologisch, z.B. mit der Theorie kognitiver Dissonanz unterfüttert.

Das böse Agens „Pegida“: Die Wahnvorstellung schreibt mit

So lange es Menschen gibt, so lange gibt es mentale Krankheiten. Wahnvorstellungen faszinieren Wissenschaftler und Novellisten entsprechend seit vielen Jahrhunderten. Der Fall of the House of Usher, der Fall Charles Dexter Ward oder die gerade erschienene wissenschatfliche Bestandsaufnahme „The Measure of Madness“ von Philip Gerrans zeigen dies.

Eine Wahnvorstellung wird in der klinischen Psychologie wie folgt definiert:

„Eine Wahnvorstellung ist eine Überzeugung, die logisch inkonsistent ist oder wohlbestätigtem Wissen über die reale Welt widerspricht und trotz gegenteiliger Belege aufrechterhalten wird, weil die persönliche Gewissheit der Betroffenen so stark ist, dass sie rationl[en Argumenten] nicht mehr zugänglich sind.“ (Butcher, Mineka & Hooley, 2009: 583).

Das ist die Theorie der Wahnvorstellung, nun zur Praxis:

Pegida hat in Köln mitgestochen„, so schreib Martin Niewendick im Berliner Tagessgpiegel. Und weiter:

Tagesspiegel Pegida mitgestochen„Dresden: Auf einer islamfeindlichen Pegida-Demonstration droht ein Mann Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel mit ihrer Hinrichtung. Er hat einen Galgen dabei und lässt auf Schildern wissen, dieser sei für Politiker ‚reserviert‘. ‚Abschieben, Abschieben‘, skandiert die Menge der ‚Asylkritiker‘ währenddessen.
Köln, fünf Tage später: Ein Mann attackiert die Oberbürgermeister-Kandidatin Henriette Reker mit einem Messer … „Ich habe das wegen Rekers Flüchtlingspolitik getan“, sagt er nach Angaben von Zeugen.
Völlig egal, ob der Mann geistesgestört ist oder noch alle Sinne beisammen hat: Die Saat der Hetze gegen Asylbewerber ist aufgegangen. Pegida hat mitgestochen.“

Analysieren wir die Wahnvostellung von Martin Niewendick, der sich aus nicht weiter nachvollziehbaren Gründen in öffentlich zugänglichen Medien wie dem Tagesspiegel äußert (vielleicht ein Programm der Resozialisierung, so eine Art „offenes Äußern“ …).

Das ist das Explanans im Text von Niewendick:
(1) Ein Mann hat in Dresden einen Galgen dabei, der für Politiker reserviert ist.
(2) In Dresden findet eine Demonstration der Pegida statt.
(3) Irgendwer skandiert „Abschieben“ in Dresden.
(4) In Köln sticht fünf Tage später ein Mann auf die Oberbürgermeister-Kandidatin Reker ein.
(5) Er habe das wegen der Flüchtlingspolitik von Rekers getan, sagen andere (angeblich).

Daraus folgert Niewendick:
(K) Die Saat der Hetze gegen Asylbewerber ist aufgegangen.
(K) Pegida hat mitgestochen.

Betrachtet man zunächst die empirischen Tatsachen, so war der Mann, von dem bei Niewendick die Rede ist, ein Einzeltäter. Insofern hat niemand mitgestochen, was auch schwierig ist, da der Griff eines Messers in der Regel nicht für mehr als eine Hand ausreicht.

Die Behauptungen von Niewendick können demnach nicht empirisch gemeint sein. Sie gehören entsprechend in eine metaphysische Sphäre, in der sich „Saatgut“ verbreiten kann, wobei dieses Saatgut die folgenden Kriterien erfüllen muss:

(1) Säer und Besäter müssen in gleicher Weise für das Saatgut empfänglich sein.
(2) Das Saatgut muss in der Lage sein, die Strecke von Dresden bis Köln innerhalb von fünf Tagen und unbeschädigt zurückzulegen.
(3) Das Saatgut muss in der Lage sein, sich einen empfänglichen Wirt zu suchen, auf dem es aufgehen kann.
(4) Das Saatgut darf nicht wählerisch sein, muss bei geistesgestörten ebenso aufgehen, wie bei nicht geistesgestörten.
(5) Das Saatgut muss gegen Asylbewerber „hetzen“, aber Politiker an Galgen hängen wollen.

Nun, Saatgut der Art, wie es sich Niewendick hier vorstellt, gehört in der Tat in den Bereich der Metaphysik, denn intelligentes Saatgut, das sich in der beschriebenen Weise verhält, gibt es nicht.

Bleibt noch die Ausrede, dass Niewendick „Saatgut“ als Metapher verwendet, was die Frage aufwirft, für was verwendet er „Saatgut“ als Metapher?

Klinische PsychologieNehmen wir an, er verwendet „Saatgut“ als Metapher für ein irgendwie gearteten bösartigen Agens, das von Pegida in Dresden freigesetzt wird, der die paar Hundert Kilometer nach Köln spielend zu überwinden im Stande ist, und dort einen „Mann“ befallen kann, der wiederum Messerstechen und eben nicht erhängen will. Nehmen wir die Inkonsistenz, dass das bösartige Agens eigentlich von einem Galgen in Dresden ausgeht, sich aber in Köln in einem Messer materialisiert hat, nicht weiter ernst, eine kleine Diskrepanz, die völlig ungeachtet der Frage, ob Niewendick „geistesgestört ist oder noch alle Sinne beisammen hat“ bestehen bleiben kann.

Denn nunmehrt stellt sich die Frage, wie das frei driftende Agens, das sich in Pegida-Demonstranten, Galgen, Messern und Männern in Köln materialisieren kann, bekämpft werden soll.

Bekämpfen wir es doch mit Logik und mit dem, was David Hume schon vor Jahrhunderten in seiner Untersuchung über den menschlichen Verstand (!sic) geschrieben hat.

Kein Agens, kein Saatgut und auch kein Dämon, kein Teufel und kein Gott sind in der Lage, ein Messer in die Hand zu nehmen und zuzustechen.

Bei derartigen Vorstellungen handelt es sich um Wahnvorstellungen, wie sie oben definiert wurden.

Ein Messer kann nur eine Person benutzen. Wozu die Person ein Messer benutzt, ist wiederum Ergebnis eines Kalküls, das die entsprechende Person vornimmt. Wer einen Apfel vor sich hat, der geschält werden soll, hat für ein Messer eine andere Verwendung als derjenige, der versucht, das Rettungsseil, das ihn an die Normalität bindet, durchzuschneiden.

Menschen sind – so haben es die meisten Philosophen angenommen – in ihrer Mehrheit mit Vernunft begabte Wesen, die Handlungensziele für sich formulieren und diese Handlungsziele zu erreichen suchen. Die Ideen und Motive für Handlungen entstehen in den Köpfen der entsprechenden Menschen. Es braucht keinen Dämon und kein bösartiges Agens, um Menschen zu niedrigen Handlungen, z.B. zum Anstecken eines Polizeiautos, zum Quälen eines Tieres oder zum Attentat auf einen Politiker, sei es Oskar Lafontaine, sei es Wolfgang Schäuble oder John F. Kennedy zu motivieren, nicht einmal Pegida braucht es, wie die Tatsache, dass es lange vor Pegida politische Attentate gab, zeigt.

Entsprechend stellt sich die Frage, wie die Verbindung zwischen Pegida, Galgen, Dresden und Mann, Messer, Köln hergestellt werden kann. Auf Basis logischer Argumente, ohne einen Dämon, ein bösartiges Agens anzunehmen, ohne eine Wahnvorstellung zu kultivieren, die ein frei flottierendes Agens am Werke sieht, der Ausschau nach potentiellen Messerstechern hält, ist dies nicht möglich.

Die Verbindung, die Niewendick „Pegida mitstechen sieht“, gibt es also nicht in der Realität, es gibt sie ausschließlich im Gehirn von Niewendick, was zu David Humes Untersuchung über den menschlichen Verstand führt. Hume hat gezeigt, dass Annahmen über abstrakte oder zusammengesetzte Eindrücke, wie er das genannt hat, also über Entitäten, die es nicht gibt, „Ideen“, „Verbindungen“, „ein bösartiges Agens“, „einen Dämon“, „die unsichtbare Hand der Pegida am Griff des Messers des Mannes in Köln“ ausschließlich Konstrukte menschlicher Phantasie sind. Wären sie das nicht, Strafrichter hätten ihre wahre Freude mit Angeklagten, die für sich ins Feld führen, von einem bösartigen Agens, einem Dämon oder dem Niewendick-Virus besessen zu sein, weshalb sie für ihre Taten nicht verantwortlich sein könnten.

ideology of madnessDie Behauptung, Pegida habe mitgestochen, ist also eine Phantasievorstellung von Uwe Niewendick, was die Frage aufwirft, warum er diese Vorstellung entwickelt, warum er es gerne sähe, wenn Pegida mitgestochen hätte, warum er die Gelegenheit nutzt, um mehrere Tausend Personen, die in Dresden demonstrieren, zu gedungenen Meuchelmördern zu erklären?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, so wenig wie die Frage zu beantworten ist, warum es vielen gefallen würde, wenn sich der Ärger der Teilnehmer an der Pegida in Dresden in Gewalt transformieren würde. Die enstrpechenden Antworten lassen sich vermutlich nur über den Umweg der klinischen Psychologie geben und ihre Gegenstände finden sich im DSM-V beschrieben.

In jedem Fall kann festgestellt werden, dass es dem öffentlichen Diskurs und dem öffentlichen Klima in Deutschland sicher nicht nützlich ist, wenn von Wahnvorstellungen Geplagte wie Martin Niewendick in Tageszeitungen Raum erhalten, um weiter den Brunnen zu vergiften und weiter dazu beizutragen, die Menschen in Dresden und ihre Anliegen und Interessen zu delegitimieren. Dies wiederum fällt in die ureigenste Verantwortlichkeit von Medien und Politik, deren Vertreter offensichtlich nicht daran interessiert sind, legitime Interessen von Bürgern ernstzunehmen, wie dies in einer Demokratie normal sein sollte. Vielmehr scheinen sie an einer Eskalation interessiert zu sein, denn zu einer solchen tragen die Niewendicks der Republik bei.

Damit sind wir wieder im Reich der Vorstellungen angekommen und bei der Feststellung, das jemandem, der es sich vorstellen kann, dass mehrere Tausend Menschen gerne Messer in Politiker stecken, exzessive Gewaltphantasien offensichtlich sehr nahe liegen [und die Frage, was der Kandidat für das Amt des Verwaltungschefs in Köln mit einem Bundespolitiker gemeinsam hat, ist an dieser Stelle noch nicht einmal angesprochen…].

Butcher, James W., MIneka, Susan & Hooley, Jill M. (2014). The Measure of Madness. Philosophy of Mind, Cognitive Neuoscience and Delutional Thought. Cambridge: MIT-Press.

Das Gehirn ohne Hochschulabschluss ist xenophob:

Die Sicht des Borwin Bandelow auf fremdenfeindliche Einstellungen

Einem Leser und Stammkommentator von Sciencefiles haben wir den Hinweis auf einen Text zu verdanken, der am 09. Oktober 2015 auf T Online der Öffentlichkeit zugemutet wurde und dieselbe über die „Sicht des[!] Psychologen“ auf fremdenfeindliche Einstellungen unterrichtet.

TONLINEPsychologenNun ist allgemein bekannt, dass es auf der Erde nicht nur einen einzigen Psychologen gibt, sondern sehr viele, so dass sich erstens die Frage stellt, warum bei T Online dennoch so getan wird, als gäbe es nur einen einzigen, und zweitens wer der Psychologe ist, dessen Sicht als die einzig mitteilenswerte Sicht von Psychologen auf fremdenfeindliche Einstellungen zur Veröffentlichung ausgewählt wird.

Wer sich das, was die konventionellen Medien seit mehreren Jahren der Öffentlichkeit anbieten, zu Gemüte führt, ist vielleicht nicht überrascht zu erfahren, dass es sich bei dem Psychologen, dessen Sicht hier vorgestellt wird, um Borwin Bandelow handelt. Und wer die seit längerer Zeit in Deutschland übliche Form der Diskreditierung Andersdenkender durch akademisierte Beschimpfungen und Beleidigungen in Rechnung stellt, ist vermutlich nicht überrascht zu erfahren, dass die zur Veröffentlichung ausgewählte psychologische Sicht auf fremdenfeindliche Einstellungen nicht diejenige ist, fremdenfeindliche Einstellungen als solche, d.h. als Einstellungen gegenüber einem bestimmten Einstellungsobjekt, hier: Zuwanderern oder Flüchtlingen, betrachtet, sondern sie von vornherein als eine Form der Erkrankung einordnet, nämlich als Xenophobie, d.h. als der Realität unangemessene Angst vor Fremden bzw. Fremdem.

Zur Darstellung fremdenfeindlich oder auch nur fremdenskeptisch eingestellter Menschen als xenophob bedient sich Bandelow eines Sammelsuriums von Versatzstücken aus Argumentationsfiguren, die wiederum verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und Forschungsfeldern entstammen. Es mag daher hilfreich sein, sich zunächst klar zu werden, welche diesbezüglichen Qualifikationen Bandelow hat oder eben nicht hat.

Bandelow ist an der Universität Göttingen als Hochschullehrer angestellt, weshalb er ein Professor ist, er „arbeitet als stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Göttingen“ und ist „Angstforscher“, so erfährt der Leser des Textes, der als Interview präsentiert wird, das eine Person namens Franziska Höhnl mit Herrn Bandelow geführt haben soll oder vielleicht tatsächlich geführt hat. (Eigene Erfahrungen von Redaktionsmitgliedern von Sciencefiles wie Heike Diefenbach mit den mainstream-Medien deuten eher in die Richtung, dass Herr Bandelow, der bereits seit Jahren und anscheinend bereitwilligst auf Anfragen von Personen reagiert, gebeten wurde, einen kurzen Text zu verfassen, der dann im Nachhinein strukturiert und mit fingierten, vermutlich als pädagogisch wertvoll erachteten Zwischenüberschriften versehen wurde.)

Borwin_Bandelow

Borwin Bandelow

Im Zusammenhang mit diesem in Interviewform abgefassten Text ist es wie gesagt wichtig festzuhalten, was Bandelow alles nicht ist bzw. wofür er formal nicht qualifiziert ist, und zwar weder formal noch tatsächlich (wie im Folgenden noch deutlich erkennbar werden wird): er ist kein Anthropologe, insbesondere kein Paläoanthropologe, kein Neurologe, kein Biologe, kein Ethnologe, kein Kognitionsforscher, kein Sozialwissenschaftler, kein Politikwissenschaftler. Dennoch setzt er seine Sicht auf fremdenfeindliche Einstellungen zusammen aus vage antizipierten Argumentationsfiguren aus all diesen Disziplinen; er kombiniert sie unbelastet von einem konzeptionellen Verständnis derselben auf geradezu expressionistische Weise. Wie für den expressionistischen Künstler gilt für Bandelow: „Er sieht nicht, er schaut. Er schildert nicht, er erlebt. Er gibt nicht wieder, er gestaltet … Die Tatsachen haben Bedeutung nur soweit, als durch sie hindurchgreifend die Hand des Künstlers nach dem greift, was hinter ihnen steht …“ (Edschmid, zitiert nach Krause 2015: 45).

Aber der Reihe nach:

Für den „Angstforscher“ Bandelow sind Menschen, die für den gemeinen Sozialwissenschaftler oder Sozialpsychologen (mehr oder weniger) fremdenfeindliche Einstellungen haben, xenophob. Wie Bandelow korrekt sagt oder schreibt, deutet der Wortteil „-phobie“ in „Xenophobie“ darauf hin, dass die Angst vor dem Fremden eine unangemessene Angst ist, denn nur dann, wenn eine Angst der realen Bedrohung unangemessen ist, wird sie als Phobie bezeichnet:

„a phobia or phobic anxiety is not an “[a]daptive anxiety [that] serves a protective function because it signals real dangers and motivates a person to take action to avoid stress or negative experiences” (Graczyk and Connolly 2008: 217).

„Instead, a phobic anxiety leads a person to “misconstrue…] an innocuous situation as posing a threat or exaggerate[…] the actual danger” (Beck and Emery 1985: 30),

so that he or she will “develop anticipatory anxiety even when thinking about possibly encountering the dreaded phobia object or situation“ (Basavanthappa 2011: 339).

Bandelow versucht, die Unangemessenheit einer phobischen Angst am Beispiel einer Spinnenphobie zu erläutern, „die heute in Deutschland nicht mehr nötig ist, denn es gibt hier keine Spinne mehr, die beißt, sticht oder kratzt“. Insofern ist die Angst vor Spinnen unbegründet, und deshalb gilt sie als der Realität unangemessen.

Dem mag man zustimmen oder nicht, aber das Beispiel verstellt den Blick auf die Tatsache, dass es nur in Ausnahmefällen hinreichend klar zu entscheiden sein dürfte, ob eine Angst angemessen oder unangemessen ist, und zwar insbesondere dann, wenn es sich um eine Angst handelt, die sich auf soziale Phänomene oder Entwicklungen bezieht, deren Folgen in der Zukunft (notwendigerweise) unbekannt sind und nur als vermutete Erwartungen formuliert werden können. Welche Einschätzung angemessen waren oder nicht, weiß man letztlich erst in der Rückschau, aber in der Gegenwart lassen sich Einschätzungen über Zukünftiges danach beurteilen, wie gut sie begründet sind. Wer bestimmte Einschätzungen der sozialen Folgen sozialer Phänomene von vornherein, d.h. ohne Prüfung der Begründungen für diese Einschätzungen, als krankhaft oder netter ausgedrückt: unangemessen beurteilt, setzt seine persönliche Einschätzung absolut und erweist sich als unfähig, in einer pluralistischen Gesellschaft zu funktionieren.

So ist es möglich, wenn nicht wahrscheinlich, dass Menschen, denen Bandelow eine Xenophobie unterstellt, Ängste haben, die ihnen durchaus der Situation angemessen vorkommen, während sie Bandelow selbst unangemessen vorkommen. Genau darin besteht ja das Problem: über die Angemessenheit von Ängsten oder Erwartungen negativer Folgen starker Zuwanderung sind Menschen in Deutschland (und nicht nur dort) derzeit unterschiedlicher Auffassung. Die Kommunikation der Menschen mit unterschiedlichen Einschätzungen wird aber verunmöglicht, wenn jemand sein persönliches Angemessenheitsempfinden von Erwartungen absolut setzt und Menschen mit anderem Angemessenheitsempfinden kurzerhand für phobisch erklärt.

Genau das tut Bandelow aber, und vielleicht könnten wir unseren Text an dieser Stelle beenden. Aber wie gesagt sind wir der Meinung, dass es wichtig ist, Einschätzungen auf ihre Begründung hin prüfen, und deshalb betrachten wir im Folgenden, was Bandelow zur Begründung seiner Sicht vorzubringen hat.

Bandelow ist der Auffassung, dass Xenophobie evolutionspsychologisch bedingt ist, und um dies zu erläutern, unternimmt er einen spekulativen Ausflug in die Paläoanthropologie:

Flying elephants„Früher sind wir als Höhlenbewohner in Stämmen organisiert durch die Wälder gezogen. Die Nahrungsmittel waren zu knapp, um für alle zu reichen. Entwicklungsgeschichtlich war es wohl ein Überlebensvorteil, sich zusammenzurotten[!], den eigenen Stamm zu verteidigen und Mitglieder anderer Stämme zu erschlagen. Auch[,] wenn das heute keinen Vorteil mehr darstellt, werden wir eben mit der überflüssigen Xenophobie, dieser alten Abwehrhaltung, geboren“.

Bandelow erweist sich hier als Märchenonkel, der sich eine nette Gesichte zusammengesponnen hat, um die Kindlein vielleicht nicht von der Geschichte, aber doch von der Moral der Geschichte zu überzeugen – zu mehr taugt diese Geschichte auch nicht, denn sie besteht aus nichts außer unbelegten, teilweise überhaupt unprüfbaren und unplausiblen Behauptungen

Deshalb weiß man auch nicht, wo man damit anfangen soll, das obige Zitat einer Kritik zu unterziehen; vielleicht bei der starken Behauptung, dass „wir“ nicht nur schon einmal gelebt hätten, sondern auch noch – vom mittleren Pleistozen bis zum Holozän und ohne Variationen – „als Höhlenbewohner“, die „in Stämmen organisiert“ waren? Wir von ScienceFiles sind uns ziemlich sicher, dass wir vorher noch niemals gelebt haben, jedenfalls nicht als Höhlenbewohner und zusammen mit Herrn Bandelow.

Darüber hinaus dürften die diversen Hominiden in kleinen Gruppen, vermutlich Verwandtschaftsgruppen bzw. „simple bands“, und nicht in „Stämmen“ („tribes“) gelebt haben (der eilige Leser sei diesbezüglich verwiesen auf Peoples & Bailey 2009: 288).

Oder soll man bei der Annahme ansetzen, dass Nahrungsmittel für Hominide und vormoderne Menschen überall und permanent „zu knapp“ gewesen seien, um „für alle zu reichen“? Sie ist nämlich durch nichts belegt. Vielmehr ist plausibel, davon auszugehen, dass Überbevölkerung schon angesichts im Vergleich zur Moderne zweifellos deutlich höherer Säuglings- und Müttersterblichkeit bestenfalls in Ausnahmefällen aufgetreten ist und dass es saisonale Unterschiede hinsichtlich der Sicherheit der Nahrungsmittelversorgung gab und die kleinen Gruppen von Hominiden sozusagen ihre saisonalen Runden drehten (vgl. Sutton & Anderson 2014: 162-170).

Prof FacepalmWenn keine Dauerknappheit an Ressourcen herrschte, ist es auch wenig plausibel anzunehmen, dass unterschiedliche Gruppen einander „erschlagen“ haben sollen, um einen „Überlebensvorteil“ zu erhalten. Und nichts spricht dagegen, dass unterschiedliche Gruppen Kooperationsbeziehungen eingegangen sind, die für beide Seiten nützlich gewesen sind, also z.B. den Austausch von verschiedenen Lebensmitteln oder von Lebensmitteln gegen Arbeitskraft gepflegt haben (vgl. Sutton & Anderson 2014: 174), aber auch den Austausch von Heirats- bzw. Fortpflanzungspartnern, denn wären Fortpflanzungspartner nicht exogam, also außerhalb der eigenen Gruppe, gesucht und gefunden worden, so wäre das Überleben einer Gruppe aufgrund mangelnder Variation im Genpool mittel- bis langfristig nicht möglich gewesen.

Festhalten kann man an dieser Stelle also, dass das, was Bandelow als die evolutionären Grundlagen der „Angst vor dem Fremden“ postuliert, allein seiner Phantasie entspringt und darüber hinaus unplausibel ist.

Als wäre das noch nicht genug, behauptet Bandelow auch noch, dass die von ihm herbeiphantasierten „Urängste“ „überliefert“ seien, und seine Version der „Überlieferung“ ist anscheinend eine evolutionsbiologische bzw. genetische „Überlieferung“, denn

„[e]in großes Problem der überlieferten Urängste ist, dass sie in einem primitiven Teil des Gehirns entstehen, dass keinen Hochschulabschluss hat“.

Davon abgesehen, dass es die Urängste, sofern es sie geben sollte, kalt lassen dürfte, wo genau sie im menschlichen Gehirn entstehen, es also sicherlich nicht ihr Problem ist, ob sie in einem primitiven Teil des Gehirns entstanden sind oder an der Hochschule oder sonst wo, würde diese Art der „Überlieferung“ alle derzeit lebenden Menschen betreffen, denn sie alle haben Gehirne, die entwicklungsgeschichtlich ältere und jüngere Regionen umfassen. Wenn die „Urängste“ in den „primitiven“ Gehirnregionen entstehen, müssen sie notwendigerweise in den Gehirnen aller zur Zeit lebenden Menschen samt ihrer hominiden Vorfahren entstanden sein bzw. entstehen, auch in den Gehirnen, die „Hochschulabschluss ha[ben]“, was immer das auch bedeuten mag.

Genauso kann man also nicht erklären, warum manche Menschen mehr Angst vor dem Fremden haben als andere oder aus Bandelows Sicht: unangemessene Angst vor dem Fremden haben, während andere keine Angst vor Fremden haben. Das ist nämlich anscheinend das Oppositionspaar, das Bandelow herstellt, denn Bandelow argumentiert ja gerade, dass es vor sehr langer Zeit in der Menschheitsgeschichte vielleicht angemessen gewesen sein mag, das Fremde oder den Fremden zu fürchten, dies aber heute eben nicht mehr so sei. Und deshalb können heute den Xenophoben nur Angstfreie gegenüberstehen; eine angemessene Angst vor dem Fremden kann für Bandelow in der Gegenwart nicht existieren.

Das mag für Bandelow so sein, für viele andere Menschen aber nicht, und gerade hierin besteht ja das Problem. Bandelow scheint das aber überhaupt nicht zu verstehen, oder er räumt es per Dekret des Psychologen Bandelow einfach aus dem Weg.

Tatsächlich muss Bandelow sich als Vertreter einer mentalen Avantgarde unter den Menschen fühlen, der zu einem solchen Dekret eben kraft mentaler Überlegenheit qualifiziert ist, denn er behauptet, dass:

„Xenophobie dazu führt, dass ein Großteil der Bevölkerung übergroße Ängste vor dem hat, was auf uns zukommt“,

er ist hiergegen aber selbstverständlich immun.

Dabei lässt diese Aussage große Zweifel an seinem Status als dem „Großteil der Bevölkerung“ mental überlegen aufkommen, denn erstens ist „Xenophobie“ nicht als „übergroße Ängste vor dem, was auf uns zukommt“, definiert, sondern als unangemessene Angst vor dem Fremden, was Bandelow immerhin am Anfang des Textes/Interviews noch wusste. Vielleicht ist der Psychologe etwas zerstreut!? Und zweitens ist es Unsinn, weil unlogisch, zu behaupten, dass Xenophobie zu sich selbst in einer übersteigerten Form führen könnte. „Xenophobie“ ist nur das griechisch-stämmige Fremdwort für „Angst vor dem Fremden“, und deshalb behauptet Bandelows oben zitierte Aussage, dass er meint, dass die Angst vor dem Fremden dazu führe, dass übergroße Angst vor dem, „was auf uns zukommt“ entstünde, womit er vermutlich fortgesetzte Zuwanderung und deren soziale Folgen meint.

Wir müssen zugeben, dass für uns nicht zufriedenstellend rekonstruierbar ist, was Herr Bandelow uns sagen möchte. Das, was er hier geschrieben oder gesagt hat, macht so jedenfalls keinen erkennbaren Sinn.

Das ist aber noch längst nicht das Ende der Wirrnis in dem, was Bandelow als seine Sicht beschreiben will. Er behauptet nämlich weiter, dass „eher vernunftgesteuerte Menschen“ „eher“ „die ökonomischen und demographischen Vorteile, wenn junge und arbeitsfähige Menschen in das alternde Deutschland einwandern“, „betonen“, während „das … bei den ängstlicheren Menschen“ „verhallt“, „weil das primitive Angstsystem auf solche Überlegungen überhaupt nicht reagiert“.

Bandelow behauptet also, dass „vernunftbegabtere Menschen“, die anscheinend durch den Angstforscher mit weniger ängstlichen Menschen gleichgesetzt werden, der Gehirnregionen verlustig gegangen sind, die entwicklungsgeschichtlich die ältesten bzw. älteren sind, aus denen die „Urängste“ entstehen, denn sonst würde ja auch bei ihnen das „primitive Angstsystem“ wirken, das auf „Überlegungen überhaupt nicht reagiert“.

Oder bei ihnen werden diese älteren Gehirnregionen irgendwie durch die entwicklungsgeschichtlich jüngeren Gehirnregionen kurzgeschlossen, während das bei den xenophoben Menschen nicht der Fall ist. Herr Bandelow hätte zweifellos davon profitiert, Rücksprache mit Neurologen zu halten, bevor er seine These aufstellt, nach der entwicklungsgeschichtlich jüngere Teile des Gehirnes entwicklungsgeschichtlich ältere einfach kurschließen („overriding a circuit“ wäre wohl der angemessene englischsprachige Ausdruck), und das auch nur bei manchen Menschen, aber nicht bei anderen.

A propos „Kurzschluss“:

Double facepalmDass nach Bandelow bei „eher vernunftgesteuerten Menschen“ die älteren Gehirnregionen kurzgeschlossen werden, liegt daran, dass ihr Gehirn „[..]einen Hochschulabschluss hat“, so Bandelow im Originalton. Oder anders ausgedrückt: für Bandelow erwerben nicht Menschen einen formalen Bildungsabschluss, was immer dieser auch abbilden mag, sondern Gehirne haben formale Bildungsabschlüsse! Selbst dann, wenn man Bandelow zugute halten will, dass er hier mit einer vollständig verfehlten Metapher hantieren möchte, so muss man ihm doch zumindest eine grandiose Naivität hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen kognitiven Leistungen und formalen Bildungsabschlüssen bescheinigen.

Wir fürchten, dass die Sache noch ernster liegt und Bandelow eine Art Zwei-Gehirne-Menschlichkeit postulieren will, die sich erschreckend leicht in eine Unterscheidung zwischen (Ober-/)Menschen und Untermenschen übersetzen lässt: Das mit Hochschulabschluss versehene Gehirn kennzeichnet den homo sapiens sapiens, während das nicht so geadelte Gehirn im besten Fall das eines homo sapiens ist, im schlechten Fall z.B. das eines Australopithecus. Und deshalb hat Unrecht, wer in den Augen Bandelows dumm ist – oder so ähnlich muss sich Bandelow das wohl vorstellen.

Immerhin wirft Bandelows Sicht ein ganz neues Licht auf die menschliche Evolution: Hätten Hominide statt des aufrechten Gangs Institutionen erfunden, die den formalen Bildungsabschluss „Hochschulabschluss“ vergeben, dann wären die älteren Gehirnregionen gar nicht erst entstanden, sondern die Gehirnentwicklung der Hominiden wäre gleich zu den jüngeren, „intelligenteren Teile[n] des Gehirns“ übergegangen. (Entspricht das ungefähr der Vorstellung der EU-Bildungspolitiker, durch einen Anteil von 40 Prozent Abiturienten in jeder Geburtskohorte 40 Prozent Gebildete oder gar kluge Menschen zu erschaffen?) Damit wären die „Urängste“ entfallen, und die Hominiden bis hin zu uns jetzt existierenden Menschen hätten nicht jeden Morgen beim Aufstehen mit der Schwerkraft kämpfen müssen, und die Mitglieder der Sciencefiles-Redaktion wären bei der gemeinsamen Besteigung des Pen y fan nicht immer außer Puste und rot im Gesicht, bis sie oben ankommen, sondern würden wie die Schäfchen auf ihren vier Beinen einfach hinaufhoppeln – welch‘ wunderbare Vorstellung!

Dummerweise könnten die jüngeren Gehirnregionen dann nicht die jüngeren sein, sondern wären notwendigerweise die alten, weil es ja keine älteren gäbe, aber was soll’s?! Wer lässt sich eine in die Vergangenheit verlagerte SF-Geschichte schon durch Fakten oder gar die Gesetze der Logik verderben? Nicht Herr Bandelow jedenfalls!

Und wo er schon dabei ist, u.a. in Paläoanthropologie herumzudilettieren und die Gesetze der Logik außer Kraft zu setzen, gibt er auch gleich noch seine Unfähigkeit, ein vernünftiges Argument aufzubauen, und seine Unkenntnis des Forschungsstandes zur sogenannten Kontakthypothese zum Besten:

„Wenn ich eine Angsttherapie mache, wird immer empfohlen, sich mit der Angst auseinanderzusetzten …. Wer Angst vor Fahrstühlen hat, muss Fahrstuhl fahren. Nach 100 Versuchen ist klar: Es passiert nichts [vorausgesetzt, es passiert tatsächlich nichts, und der Fahrstuhl bleibt nicht stecken!]. Genauso ist das, wenn man mehr Kontakt mit Fremden hat. Das erklärt, warum in Gebieten mit besonders wenigen Ausländern die Angst vor ihnen größer ist. Die Antwort ist also Begegnung, um Vorbehalte abzubauen“.

Erstaunt hat uns an dieser Stelle zunächst, dass Bandelow hier unumwunden zugibt, mehrere Angsttherapien gemacht zu haben, und wir fragen uns, worauf sich seine in ihnen behandelte Phobie bezieht. Ratlos zurückgelassen hat uns die Frage, welchen Vergleich Bandelow hier anstellen will, denn mit dem Wort „größer“ impliziert er ja einen Vergleich, aber es erfolgt keiner („größer“ ist ein zweistelliger Funktor!). Das, was wohl als Argumentkette gedacht war, ist für uns nicht rekonstruierbar, weil wir keinen Mittelterm identifizieren können, der irgendetwas mit irgendetwas anderem in eine logische Verknüpfung bringen würde.

Aber wir entnehmen dem Wort-Wirrwarr immerhin, dass Bandelow meint, Xenophobe würden ihre unangemessene Angst vor dem Fremden verlieren, wenn sie mehr mit Fremden zu tun hätten, mehr „Begegnung“ stattfände. Diese Vorstellung ist in der sozialpsychologischen und sozialwissenschaftlichen Literatur als Kontakthypothese bekannt. Sie stammt keineswegs von Bandelow, sondern wurde bereits in den 1950er-Jahren von Gordon Allport entwickelt und im Jahr 1954 von Allport publiziert.

Bandelows Empfehlung von mehr „Begegnung“ ist ein neuerliches Zeugnis von Naivität und schlichter Unkenntnis, naiv, weil es theoretisch möglich ist, dass der Kontakt mit Fremden dazu führen kann, dass Xenophobe ihre Ängste als eben nicht unangemessenen zu betrachten lernen, sondern der Kontakt sie in ihrer Überzeugung, ihre Ängste seien der realen Situation angemessen, bestärken können. Unkenntnis zeigt seine Empfehlung insofern als die Kontakthypothese inzwischen empirisch weitgehend und sicher in ihrer einfachen Form als uneingeschränkte Zusammenhangsthese falsifiziert ist (wie u.a. die Arbeiten von Pettigrew und Kollegen zeigen, so z.B. Pettigrew & Tropp 2006; Pettigrew et al. 2011). Dass Bandelow dies nicht weiß oder sein diesbezügliches Wissen unterschlägt, stellt für einen Psychologen gleichermaßen eine bemerkenswerte Peinlichkeit dar.

Bandelow meint aber – trotz Ignoranz gegenüber der politikwissenschaftlichen Forschung vor allem von Werner Patzelt – genau zu wissen, dass „der Vorwurf, dass Pegida und AfD Fremdenangst bewusst für ihre Zwecke nutzen“, stimmt. Der Psychologe ist seines eigenen Erachtens anscheinend auch Politikwissenschaftler, Gesellschaftsbeobachter, empirischer Sozialforscher und überhaupt alles, was einen vielleicht dazu qualifizieren könnte, eine entsprechende Frage mit der Inbrunst der Überzeugung zu beantworten. So weiß er auch zu berichten, dass

„[d]ie Rechtsnationalen […] sich diebisch [freuen], dass das Flüchtlingsthema jetzt wieder akut ist, …“

– dies alles bar jeder rationalen Begründung für die eigene Einschätzung. Oder vielleicht irren wir uns, und Bandelow ist als ein sogenannter Maulwurf in den entsprechenden Kreisen unterwegs und verfügt über eigene Erfahrungen in dieser Richtung!? Wir wissen es nicht.

Wir wissen aber, dass Bandelow sich schon seit Langem und gerne in der Öffentlichkeit moralisierend und – aus dem Schutz seiner Anstellung als Lehrkraft an einer deutschen Universität heraus, die für Menschen, die den Fehlschluss ad auctoritatem nicht verstehen, den Nachweis seiner Fähigkeit zum analytischen Denken und (damit) wissenschaftlichen Arbeit ersetzt, – teilweise beleidigend über Personen äußert, die ihm persönlich nicht sympathisch sind.

So hat er im Rahmen seiner Ferndiagnose der Persönlichkeit von Uli Hoeneß als Narzisst, die er am 09.05.2013 in der Frankfurter Allgemeinen zum Besten gab, das Folgende gesagt:

Borwin_Bandelow„Ein Narzisst ist jemand, der Ehrgeiz und Geltungsdrang hat. Das ist kein psychiatrisches Problem, denn das muss nichts Schädliches sein. Narzisstische Menschen haben ungemein viel Energie, können häufig andere Menschen begeistern – und zugleich sehr hart sein. Die eignen sich daher oft als Manager. Und die definieren sich darüber, wie sie bei anderen ankommen: ob sie häufig im Fernsehen sind und in der Presse zitiert werden. Die Hauptantriebskraft dahinter ist die Angst, nicht von allen geliebt zu werden, wenn sie nicht dauernd demonstrieren, dass sie die Besten sind. Da kehren viele den Moralisten raus, predigen Wasser, aber trinken Wein“ (Hervorhebung d.d.A.).

Bei so viel Erkenntnis über die Möglichkeit der unangemessenen Selbstbezogenheit mancher Menschen würde man vermuten, dass diesbezüglich auch für Selbsterkenntnis Platz bleibt, aber eine Analyse von Herrn Bandelow der eigenen Person z.B. als Narzisst, der vom Beifall einer (politisch korrekten) Masse lebt, oder als pluralismusphobe Persönlichkeit, die Menschen mit von seinen eigenen abweichenden Angemessenheitsauffassungen nicht akzeptieren kann, sondern sie – vielleicht zwecks Erhalt der eigenen fragilen Identität – für psychisch krank erklären muss, haben wir bislang noch nicht gehört.

Die vollständige Abwesenheit jeglicher Selbstreflexion mit Bezug auf psychologische Befindlichkeiten zeugt entweder von einem bemerkenswerten Mangel an Fähigkeit zur Reflexion der eigenen Person oder eigener Standpunkte, oder es handelt sich um eine Art Abwehrzauber, der vielleicht eine primitive Reaktion auf primitive Ängste darstellt und etwa so zusammengefasst werden könnte: wenn ich andere Menschen probeweise negativ beurteile oder beschimpfe, dann kann ich dadurch vielleicht die Gefahr bannen, selbst von anderen Menschen negativ beurteilt zu werden.

Wir befürchten allerdings, dass die intelligenteren Teile des Gehirns jedem eher vernunftgesteuerten Menschen sagen sollten, dass solch primitive Reaktionen nicht (mehr?) den realen Verhältnissen in der heutigen realen Welt angemessen sind.

Aber wir haben kein Interesse daran, die Persönlichkeit von Herrn Bandelow durch ein mehr oder weniger inhaltsleeres und beliebiges Schlagwort zu charakterisieren. Uns geht es darum festzuhalten, dass man Bandelow angesichts des Sammelsuriums von vorgefassten Meinungen, Stereotypen, Assoziationen und unbelegten Behauptungen, das er nun schon seit Jahren zum Besten gibt, als Wissenschaftler negativ beurteilen muss – da hilft weder Wortmagie noch das Motto „Frechheit siegt“ noch der Job an der Universität oder der Klinik.

Wenn er aber als Wissenschaftler versagt, von welchem Interesse ist dann die private Meinung von Herrn Bandelow? Richtig: von ebenso viel oder wenig Interesse wie die Meinung irgendeiner zufällig ausgewählten Person aus der Bevölkerung.

Wenn er dennoch mit dem Anspruch auftritt oder präsentiert wird, nicht nur Psychologe, sondern sogar der Psychologe zu sein, der als Autorität oder zumindest als überdurchschnittlich kompetent gelten soll, dann kann man hieraus nur den Schluss ziehen, dass es sich bei dem Interview von Franziska Höhn mit Borin Bandelow um einen Versuch der Meinungsmanipulation – mittels akademisierter Beschimpfung zwecks Diskreditierung der Sicht von Teilen der Bevölkerung – handelt, und zwar um einen sehr primitiven, der wohl aus entsprechend primitiven Gehirnen stammen muss, oder?! Und das, obwohl zumindest das Gehirn von Bandelow einen Hochschulabschluss haben sollte …

Literatur:

Allport, Gordon W., 1954: The Nature of Prejudice. Cambridge: Addison-Wesley.

Basavanthappa, B. T., 2011: Essentials of Mental Health Nursing. New Delhi: Jaypee. Print.

Beck, Aaron T. & Emery, Gary, with Ruth L. Greenberg, 1985: Anxiety Disorders and Phobias. A Cognitive Perspective. New York: Basic Books. Print.

Graczyk, Patricia & Connolly, Sucheta D., 2008: Anxiety Disorders in Childhood, pp. 215-238 in: Gullotta, Thomas & Blau, Gary M. (eds): Handbook of Child Behavioural Issues. Evidence-Based Approaches to Prevention and Treatment. New York: Routledge, Taylor & Francis.

Krause, Frank, 2015: Literarischer Expressionismus. Göttingen: V & R unipress

Peoples, James & Bailey, Garrick, 2009: Humanity: An Introduction to Cultural Anthropology. Belmont: Wadsworth, Cengage Learning.

Pettigrew, Thomas F. & Tropp, Linda R., 2006: A Meta-Analytic Test of Intergroup Contact Theory. Journal of Personality and Social Psychology 90, 5: 751-783.

Pettigrew, Thomas F., Tropp, Linda R., Wagner, Ulrich & Christ, Oliver, 2011: Recent Advances in Intergroup Contact Theory. International Journal of Intercultural Relations 35, 2: 271-280.

Sutton, Mark Q. & Anderson, E. N., 2014: Introduction to Cultural Ecology. Lanham: AltaMira.

Politische Feiglinge oder: Die heile virtuelle Welt des Heiko Maas

Heiko Maas hat einen Brief geschrieben.

An Facebook.

Und er hat dafür gesorgt, dass der Brief wörtlich in deutschen Medien veröffentlicht wird.

Das macht sich gut, wie er denkt. Es ist eine Gelegenheit, sich als gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Hassreden und für das gute kämpfender Ritter der Freundlichkeit zu inszenieren.

Seinem Haus, so schreibt Heiko Maas, seien Beschwerden von Bürgern zugegangen, die auf Facebook Kommentare oder Post gelesen zu haben meinen, die rassistisch, fremdenfeindlich seien, ja Hasssprache darstellten und die sich darüber bei Facbook beschwert hätten. Und was ist daraufhin passiert? Was hat Facebook getan mit den Kommentaren, die die Bürger so rassistisch und fremdenfeindlich und hasssprechend empfunden haben?

Nichts. Geprüft hat Facebook. Mehr nicht.

Das geht so nicht.

Beschwerden gegen fremdenfeindliche Kommentare, gegen rassistische Posts gegen Hassreden, sie sind unverzüglich mit Löschung der entsprechenden Kommentare, Posts und Hassreden zu beantworten – ohne Prüfung. Beschwerde genügt.

Darüber will Heiko Mass mit Facebook reden.

Warum auch nicht. Schließlich ist Heiko Maas jemand. Bundesjustizminister ist er. Deshalb erwartet er vermutlich, dass man bei Facebook nur darauf wartet, mit ihm zu reden.

Und Ritter Heiko wird sich natürlich durchsetzen, jedenfalls in der PR, die „sein Haus“ verbreiten wird, wird er das. Denn: Er ist wichtig, der Heiko. Niemand wagt es, den deutschen Justizminister und seinen Wünschen vor den Kopf zu stoßen. Nicht einmal Facebook.

Deshalb wird jetzt – in der Welt von Heiko Maas – auf Beschwerde alles gelöscht, was den entsprechenden Facebook-Reinigungskommandos rassistisch, fremdenfeindlich und hassgeredet erscheint. Alles. Ausnahmslos.

Und die Welt von Heiko Maas, sie ist wieder eine schöne, heile Welt. Eine Welt ohne Hassreden, fremdenfeindliche Kommentare und rassistische Äußerungen auf Facebook, jedenfalls ohne entsprechende Aussagen auf den öffentlich zugänglichen Timelines.

Diejenigen, die vermeintlich rassistisch, fremdenfeindlich und von Hass erfüllt reden, sie sind natürlich immer noch da. Sie gehen davon, dass Facebook in der Welt von Heiko ihre öffentlichen Einträge löscht, nicht weg. Aber sie verschwinden aus der Wahrnehmung der Welt, wie sie Heiko Maas hat, und das ist fast so gut wie weg.

Ein Sieg für den Ritter der Freundlichkeit. Er hat gezeigt, dass er sich durchsetzen kann, und dass er seine virtuelle Welt so gestalten kann, wie es notwendig ist, damit sich seine kognitiven Dissonanzen nicht zu einer vollausgereiften Pathologie entwickeln. Das ist wichtig, wer will schon einen Justizminister mit Psychose?

Eben.
Ritter von der traurigen GestaltDeshalb ist es wichtig, die virtuelle Welt, in der Heiko Maas lebt, sauber zu halten. Keine bösen, keine rassistischen, keine fremdenfeindlichen Kommentare und Posts dürfen seine Welt beflecken. Dass es sie dennoch gibt, ist so lange kein Problem, so lange Heiko Maas nicht davon erfährt.

So lange kann er sich als Ritter für die gute Sache, die Nächstenliebe und die Freundlichkeit fühlen, seinen Mantel mit Angestellten teilen und sich in „seinem Haus“ und seiner virtuellen Welt einigeln und diejenigen aussperren, die seine heile Welt und seine Selbstinszenierung gefährden.

Abermals ist das wichtig, denn der Ritter von der Freundlichkeit, würde schnell zur Ritter von der traurigen Gestalt, würde ihm jemand den Kommentar zumuten, dass sich wahrlich große Staatsmänner, also große Ritter, dadurch auszeichnen, dass sie mit ihrer Bevölkerung reden – auch mit denjenigen, die anderer Meinung sind. Auch mit denjenigen, die fremdenfeindliche und rassistische Kommentare absetzen. Auch mit denjenigen, die angeblich Hass predigen.

Aber das geht nicht.

Moderne Politiker, also Ritter wie Heiko Maas, die haben Angst vor ihrer Bevölkerung. Sie treten nur im erlauchten Kreis unter ausgesuchten Bewunderern auf. Sie beantworten nur vorgesiebte Fragen und gehen nur dann an öffentilche Orte, wenn die entsprechenden Orte von fremden Meinungen gesäubert und entsprechend desinfiziert sind.

Moderne Politiker eignen sich eher zu Feiglingen, die sich in ihrer virtuellen Welt verkriechen und alles tun, um Wahrheitskämpfer, die mit ihrer unpassenden Meinung, in das Sanktuarium des eigenen Thronsaals einbrechen, auszuschließen, auszugrenzen, sie zum nicht tolerierbaren rechtsradikalen Pack zu erklären – alles aus Angst, man könnte am Ende einem Bürger mit anderer Meiung in Fleisch und Blut gegenüberstehen, sei mit ihm konfrontiert, müsste mit ihm reden – unvorstellbar.

P.S.

Statt Bettelbriefe an Facebook zu schreiben, könnte Heiko Maas auch dem Regierungskollegen Gabriel jede öffentliche Äußerung untersagen, so lange, bis er wieder reden kann, ohne Teile seiner Bevölkerung als „rechtsradikales Pack“ zu beschimpfen. Schießlich wollen Politiker doch dann, wenn es darum geht, keine Hasssprache zu verbreiten, mit gutem Beispiel vorangehen – oder?

Ist Pegida an Fremdenfeindlichkeit und brennenden Unterkünften schuld? Zwei Politikwissenschaftler – zwei Meinungen

Zwei Interviews mit Politikwissenschaftlern sind uns auf den Tisch gekommen. Eines hat Werner Patzelt, seines Zeichens Professor für politische Systeme und Systemvergleich an der Technischen Universität Dresden der dpa gegeben. Eines hat Hajo Funke, emeritierter Professor der FU Berlin mit Arbeitsschwerpunkt Politik und Kultur der ARD gegeben.

Beide Interviews haben weitgehend denselben Gegenstand. Beide Professoren, der aktive, wie der emeritierte, äußern sich zum Zusammenhang von Pegida und Fremdenfeindlichkeit, zu Sachsen, zur NPD und zu den Ursachen von Fremdenfeindlichkeit.

Wir stellen hier Teile der Interviews einander gegenüber, quasi in einem Professorencontest und fragen unsere Leser im Anschluss: Wer macht dem kompetenteren Eindruck: Patzelt oder Funke?

Los geht’s mit Werner Patzelt:

Werner patzelt„Frage: Trägt die Politik eine Mitschuld? [daran, dass die NPD mit Flüchtlingspolitik Punkte macht]

Antwort: Ja. Einesteils waren viele Reaktionen auf Pegida als Symptom unserer Einwanderungsprobleme zwar gut gemeint, doch schlecht getan. Andernteils bemüht sich die für die rechte politische Spielfeldhälfte zuständige CDU seit langem zu wenig darum, die Gewinnbaren vom rechten Rand an eine vernünftige Partei zu binden. Zunächst hat sie der NPD freien Raum gelassen, später der AfD. Und so kam es, dass viele den Rechtsradikalen überlassen wurden, die zwischen der CDU und dem rechten Rand auf der Kippe standen. Aber auch diese Fehlleistung der CDU, ihrerseits als „Abgrenzung nach rechts“ nachgerade eingefordert von den linken Parteien, reicht nicht aus, um das Gesamtphänomen zu erklären.

Frage: Liefern die Islamkritiker von Pegida den Humus für rechtsradikale Einstellungen und solche Taten wie jetzt in Heidenau?

Antwort: Das ist eine beliebte Erklärung, weil man dann einen wegzujagenden Sündenbock in den Blick bekommt. Doch soeben wurde auch im weitgehend Pegida-freien Baden-Württemberg eine Flüchtlingsunterkunft abgefackelt. Die Dinge liegen also komplizierter. Mir scheint: An Pegida wurde bloß offensichtlich, was da um die Einwanderungsthematik herum an Sorgen und Empörungsbereitschaft in der Gesellschaft schlummert. Es war billig, sich über jene, die da als „Frühwarnsystem“ wirkten, einfach lustig zu machen: Die törichten Sachsen faselten über Probleme mit der Einwanderung, obwohl es bei ihnen doch kaum Ausländer gäbe. Doch der Kern war: Die meisten Sachsen identifizieren sich stark mit ihrem Land und wollen es wieder so schön haben wie vor der DDR- und Nazizeit. Dem kommt aber, wie es ihnen scheint, die Zuwanderung in die Quere, wobei sehr viele ganz besonders muslimische Migranten fürchten. Derlei Behinderung des sächsischen Wiederaufstiegs zu einem prosperierenden Land wollen viele einfach nicht akzeptieren und versuchen, bereits den Anfängen zu wehren.“

Patzelt in der Zusammenfassung:

Menschen mit berechtigten Sorgen wurden in die rechte Radikalität abgedrängt, wo die NPD und andere Rechte sie gerne aufgenommen haben. Dadurch, dass man die Pegida-Beteiligten nicht ernst genommen hat, sie ausgegrenzt hat, hat man zur Radikalisierung beigetragen.

Die Behauptung, die Pegida sei der Boden, auf dem Fremdenhass wächst, ist naiv und billig, wird von denen aufgestellt, die einfache Pseudo-Lösungen einer Bearbeitung der tatsächlichen Probleme vorziehen.

Nun zu Hajo Funke:

Hajo Funke„Die Politik muss sich ohne Wenn und Aber dazu bekennen, Flüchtlingen helfen zu wollen, an deren Seite zu stehen. Alles andere hieße, die Dramatik der Lage in Syrien, Afghanistan, Libyen und auch im Irak zu verkennen.

Eine ganze Region ist nach dem Einmarsch der Amerikaner in den Irak ins Rutschen gekommen. Deswegen geht es jetzt auch in Deutschland weniger um Zeichen als um operatives Krisenmanagement, das Chefsache oder Chefinnensache sein muss.

[…]

Der Fehler lag in der falschen Reaktion auf die Pegida-Bewegung. Auch hier war die Abgrenzung nicht eindeutig genug. Den Vorwurf muss sich auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel gefallen lassen, der sich Anfang des Jahres zum Teil recht verständnisvoll über Pegida-Anhänger geäußert hat.

Dabei ist es immer Gegenstand von Politik, mit den Ängsten der Menschen umzugehen. Aber es muss Politik darum gehen, Ängste abzubauen, und nicht darum, Parolen aufzunehmen und diese dann noch zu verstärken. Politik, die Ängste vielleicht auch nur indirekt schürt, ist immer gegen die Demokratie gerichtet.

Fakt ist: Nach den rassistisch gefärbten Demonstrationen verzeichneten wir in nur vier Monaten doppelt so viele Übergriffe gegen Flüchtlingsheime wie vorher. Das ermutigte Nachahmertäter. Im Schatten von Pegida konnten sich die Rechtsextremen reorganisieren.“

Fazit Hajo Funke:

Schuld ist die Pegida. Sie ist der Anfang allen Übels. Sie hat den Startschuss dafür gegeben, dass Flüchtlingsunterkünfte brennen. Die Politik, wer auch immer das sein mag, muss die Ängste der Bürger abbauen und darf sich nicht verständig über Pegida-Anhänger äußern. Von Letzteren muss man sich konsequent distanzieren.

Jeder unserer Leser kann nun selbst entscheiden, welcher Deutung der Situation er zustimmt, der von Werner Patzelt oder der von Hajo Funke.

Was also darf es sein: Der Patzeltsche Versuch, die Pegida-Teilnehmer und ihre Motivation zu verstehen oder das Funksche Verdikt, dass man mit denen nicht spricht, sich vielmehr von ihnen abgrenzt.

Und wie ist es mit der Schuldzuschreibung? Ist Pegida der Anfang von Fremdenhass und somit aller derzeitiger deutscher Übel, wie Funke dies behauptet, oder ist die entsprechende Erklärung zu einfach, wie Patzelt meint?

Und schließlich: Was machen wir mit den Ängsten vor Fremden, die beide sehen, ernstnehmen, wie Patzelt empfiehlt oder „abbauen“, wie Funke vorschlägt?

Professorencontest

Wer hat Angst vorm MuselMann?

Bertelsmann StiftungMehrheit fühlt sich vom Islam bedroht„, so eine Überschrift im ARD Onlineangebot heute. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die von Mitarbeitern des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung sowie der Universitäten Erfurt und Frankfurt erstellt wurde, hat für diese Überschrift Pate gestanden, wobei es sich bei der Studie wohl eher um eine schlichte Befragung handelt. Genaues weiß man wie so oft bei der Bertelsmann-Stiftung erst dann, wenn man die Studien-Katze im Sack und vom Bertelsmann-Verlag gekauft hat. (Wo der Kommerz anfängt. hört bekanntlich die Stiftung auf…). Entsprechend muss man derzeit glauben, dass die Ergebnisse auf einer „repräsentativen“ und „international vergleichenden“ Untersuchung basieren.

Wie auch immer die Ergebnisse zu Stande gekommen sein mögen, 61% der Befragten in der Bertelsmann-Studie sind der Ansicht, „der Islam passe nicht in die westliche Welt“, und von den „54-Jährigen fühlen sich 61 Prozent durch den Islam bedroht, von den unter 25-Jährigen hingegen nur 39 Prozent. Die Angst vor dem Islam ist am stärksten dort, wo die wenigsten Muslime leben“, so die Bertelsmann-Stiftung, für die offensichtlich klar ist, dass eine Verbindung zwischen Islam und Muslimen bestehen muss.

world muslim populationFür eben diese Muslime zeigt die selbe Studie, wie die ARD zitiert, dass sie „mehrheitlich fromm und liberal zugleich“ sind. Aber ganz offensichtlich hat die Angst vor „dem Islam“ nichts mit Muslimen  zu tun, bestenfalls mit Muslimen, die medial als Islamisten oder Vertreter mit Alleingeltung für eine Religion aufgebaut werden, die weltweit 1,57 Milliarden Gläubige unter ihrem Dach versammelt.

Es ist sicher nicht falsch, wenn man feststellt, dass es die Mehrheit der 1,57 Milliarden Muslime nicht in die Nachrichten schafft. Die Tariqs und Ahmeds, die in Kairo versuchen, ihren Lebensunterhalt zu bestrieten, bleiben unerwähnt. Muslime haben als Person keine Existenz, sie kommen in deutschen Medien entweder als Attentäter oder Gotteskrieger oder religiöse Fanatiker vor, die man instrumentalisieren kann, um sie zum Gegenstand von Angst und in einem klassischen Fehlschluss zu einer repräsentativen Auswahl des Islams zu machen.

Der Islam, vor dem Deutsche Angst haben. Was ist dieser Islam eigentlich?

Zunächst einmal ist eine Frage wie die, die in der Studie der Bertelsmann-Stiftung offensichtlich gestellt wurde: „Fühlen Sie sich durch den Islam bedroht“, eine sozialforscherische Katastrophe, denn wer weiß schon, was sich ein beliebiger Befragter unter „dem Islam“ vorstellt? Wie viele Befragte kennen wohl „den Islam“? Wie viele Befragte haben auch nur eine blasse Ahnung davon, was im Koran steht? Wie viele Befragte haben schon einmal davon gehört, dass Jesus ein von Muslimen anerkannter Prophet ist, den sie verehren, dass, mit anderen Worten, Muslime und Christen wenn es um die religiösen Inhalte geht, nicht allzuviel trennt?

Anders formuliert: Was fragt man eigentlich, wenn man Befragte fragt, ob sie sich von „dem Islam“ bedroht fühlen?

Niemand kann sich von etwas Abstraktem bedroht fühlen, auch wenn die Bundesregierung sich das einbildet. Bedrohung geht nicht von der Mafia aus, nicht von der Bundesregierung, nicht von der Wehrmacht und auch nicht von der Sportgemeinde Edesheim. Bedroht kann man sich nur von konkreten Personen fühlen, von Al Capone, post-hum, von den Häschern des Finanzamts, die im Auftrag des Finanzmininsters Jagd auf ihren Souverän machen, von Major Trapp oder von Peter Ludwig.

Muslime

Public Viewing I

Bislang ist kein Fall bekannt, in dem „der Islam“ jemanden erschossen hätte. Es ist kein Fall bekannt, indem „das Christentum“ gemordet hätte, es ist nicht einmal ein Fall bekannt, in dem der Kommunismus Konzentrationslager eingerichtet hat. In jedem Fall waren es konkrete Individuen, die gehandelt haben. Stalin hat den Gulag in Sibirien einrichten lassen und Willige gefunden, die das für ihn tun. Attentäter, die von sich behaupten, sie wollten, was auch immer für den Islam erreichen, verdingen sich als Mörder und es war Bernhard von Clairvaux, der Brandreden gehalten hat, um Kreuzzüge vorzubereiten.

Warum fragen dann angebliche Forscher nach dem Bedrohungspotential „des Islam“ und warum titeln Journalisten „Mehrheit fühlt sich vom Islam bedroht“?

Zwei Ursachen: Dummheit oder Brandstiftung.

Dummheit bei den angeblichen Forschern drückt sich in einer vollkommenen Unkenntnis der Methoden der empirischen Sozialforschung im Allgemeinen und der Befragung im Besonderen aus, Methoden, die Kurt Holm bereits im Jahre 1975 und im Hinblick auf stereotype Formulierungen wie folgt dargelegt hat:

„Stereotype Formulierungen lassen sich im hier erörterten Zusammenhang als eine besondere Art suggestiver Formulierung begreifen. Es handelt sich dabei um Worte oder Wortkombinationen (Floskeln), deren positive oder negative Wertbesetzung für bestimmte Befragte so hoch ist, dass ihre inhaltliche Bedeutung dahinter zurücktritt, und der Befragte statt auf den gemeinten Inhalt nur noch auf den Reiz des bloßen Wortes reagiert, und zwar nahezu mechanisch und auf voraussagbare Weise. Beispiele hierfür sind die Worte ‚Kapitalismus‘, ‚die Kommunisten'“ (Holm, 1975: 60) oder heute „der Islam“.

Christen

Public Viewing II

Stereotype Formulierungen, also krude Verallgemeinerungen, sind nicht nur in vielen Fällen suggestiv, und deshalb werden sie von gewissenhaften Sozialforschern vermieden, sie sind auch so unbestimmt, dass es keinen Zweck hat, nach ihnen zu fragen, denn man hat nicht die Spur einer Chance herauszufinden, woran die Befragten gerade gedacht haben, als sie „den Islam“ als Bedrohung eingeordnet haben. Die Bertelsmann-Forscher sind entsprechend keine gewissenhaften Forscher, sondern von Unkenntnis Getriebene oder, – sofern sie wissen, was sie tun: Brandstifter, die versuchen, Ergebnisse in ihrem Sinne herbei zu manipulieren.

Und was ist von Journalisten zu halten, die titeln „Mehrheit fühlt sich vom Islam bedroht„?

Alternative 1:

Nichts – einfach nur nichts. Sie sind fehl am Platze. Ihnen fehlt jegliche Befähigung zum kritischen Denken und damit jegliches Urteilsvermögen. Letzteres ist jedoch für Journalisten zwingend erforderlich, schließlich setzen sie die Ergebnisse ihres vermeintlichen Denkprozesses vielen Lesern vor.

Alternative 2:

Nichts – denn sie wissen was sie tun und verwischen mit Bedacht und Bösartigkeit den Unterschied, der zwischen einem allgemeinen Begriff wie „Islam“ und 1,57 Milliarden Muslimen besteht. Letztere sind Muslime und nicht der Islam (immer vorausgesetzt, man kann überhaupt des Islams im Gewirr der unzähligen Schulen habhaft werden), und der Islam ist etwas anderes als die 1,57 Milliarden Muslime. Wenn zwei Attentäter ein Büro eines islamkritischen Satirejournals überfallen, dann hat das ebenso wenig mit „dem Islam“ zu tun, wie es mit dem Christentum zu tun hat, dass katholische Priester sich in doch recht großer Zahl an Jungen vergangen haben.

Die Gleichsetzung von Individuen mit einem abstrakten Begriff dient enstprechend dazu, eine Menschengruppe in Bausch und Bogen zu verteufeln und als unwert zu deklarieren, und sie passt in eine Zeit, in der eine Horde von Verrückten der Ansicht ist, es gäbe „die Männer“ und „die Frauen“ und alle unter dem Begriff „die Männer“ oder „die Frauen“ Eingeordneten seien sich so furchtbar ähnlich, während zwischen Männern und Frauen ein so großer Unterschied bestehe, dass man keine Gemeinsamkeit mehr finden könne.

Wer nicht mehr in der Lage ist, den Unterschied zwischen Peter Schmidt und Männer oder den Unterschied zwischen Ahmed Saad al-Din und Islam zu erkennen, der kann im normalen Leben nicht mehr funktionieren und sollte sich schnellstens in eine geschlossene Anstalt einliefern lassen.