Blacklist Update: Die soziale Kompetenz von Falschdarstellern

Die letzten Monate haben einen echten Run auf unseren Artikel “Bringing Boys Back In” gesehen. Eine Rolle dabei mag  spielen, dass einige derjenigen, die unseren Artikel in den letzten 10 Jahren zitiert und angeblich rezipiert haben, die Gelegenheit nutzen wollen, um nun doch zu lesen, was gelesen zu haben, sie vorgegeben haben. Eine Reihe dieser “Spezialisten”, die unseren Beitrag zwar zitieren, aber nachweislich nicht gelesen haben, haben wir bereits vor einigen Wochen dargestellt, als wir unsere Blacklist angelegt haben. Heute will ich von einigen Reaktionen berichten, die wir von Falschdarstellern, an die wir uns gewendet haben, erhalten haben, und ich will dies unter dem Tenor der sozialen Kompetenz tun.

Schön wär’s!

Sie erinnern sich sicher: soziale Kompetenz, eines dieser Buzzwords, einer dieser Inhalte, dessen Vermittlung in Schulen so unglaublich wichtig ist, sein Fehlen einer der Gründe dafür, dass Jungen auf Sonderschulen abgeschoben werden. Soziale Kompetenz ist wichtig , und soziale Kompetenz muss erlernt werden. Letzteres zeigt sich schon daran, dass die Anzahl der Bücher, die es über soziale Kompetenz gibt, nur noch von der Anzahl der Autoren übertroffen wird, die sich zu sozialer Kompetenz in Buchform äußern, denn, Bücher über soziale Kompetenz kann man natürlich nicht alleine schreiben, sondern nur im Trio, Quartett, Quintett, … Aber was ist soziale Kompetenz? Ich habe mir die Antwort auf diese Frage aus dem Buch eines Autorenquartetts geholt (Jugert, Rehder, Notz & Petermann, 2009). Dort steht auf Seite 13 zwar keine Definition von sozialer Kompetenz, aber eine Aufstellung von Komponenten: Demnach umfasst soziale Kompetenz:

  1. die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme;
  2. Problemlösungsstrategien für soziale Interaktionen;
  3. die Entwicklung von moralischen Wertvorstellungen;
  4. kommunikative Fähigkeiten;

Wie aus der Pädagogik bekannt ist, lernt man am besten “by doing”. Also wenden wird die vier Bestandteile sozialer Kompetenz auf ein Beispiel an, um herauszufinden, was z.B. ein sozial kompetenter Umgang mit einer Krise ist. Stellen Sie sich vor, Ihnen schreibt jemand, dass sie etwas Falsches über ihn in einer ihrer Veröffentlichungen geschrieben haben. Was tun, um sozial kompetent zu erscheinen? Nehmen wir die vier Bestandteile zur Hand:

  1. Wie würde ich mich fühlen, wenn jemand etwas Falsches über mich verbreitet? In jedem Fall nicht gut.
  2. Achtung! Transferleistung: Wenn ich mich nicht gut fühle, wenn etwas Falsches über mich verbreitet wird, dann wird sich X auch nicht gut fühlen, wenn ich etwas Falsches über ihn verbreitet habe. Also muss ich ihm sagen, dass es mir leid tut. Ich muss mich entschuldigen und zumindest anbieten, es im Rahmen meiner Möglichkeiten richtig zu stellen, und es in Zukunft zu unterlassen, das Falsche zu verbreiten.
  3. Wertvorstellung: Man schreibt nichts Falsches über andere, behauptet nicht, sie hätten etwas behauptet, was sie nicht behauptet haben!
  4. Kommunikative Fähigkeit: Ich kann das Opfer meiner Falschdarstellung anrufen, ihm – wenn ich feige bin – eine Email schreiben, einen Brief…

Dies kann man als rudimentäre Form sozialer Kompetenz ansehen, die den Umgang damit beschreibt, dass man über andere Falsches verbreitet hat und von diesen anderen darauf angesprochen wird. Im Folgenden berichte ich den Umgang von vier Pädagogen bzw. Erziehungswissenschaftlern:

  1. Prof. em. Dr. Margrit Stamm
  2. Prof. Dr. Hans-Peter Kuhn
  3. Dr. Susann Busse
  4. Dr. Susann Fegter

die alle in einer Publikation Dinge über uns und unseren Artikel verbreitet haben, die nachweislich falsch sind und den Schluss aufdrängen, dass sie unseren Artikel nie gelesen haben, damit, dass wir sie auf diese Falschdarstellung aufmerksam gemacht haben.

Prof. Dr. Margrit Stamm

Margrit Stamm gehört zu den WissenschaftlerINNEN, die es uns übel genommen haben, dass wir eine Korrelation zwischen einem sinkenden Anteil männlicher Grundschullehrer und einem sinkenden Anteil männlicher Abiturienten gefunden haben. Aus dieser Korrelation haben empörte Geister dann schnell die Behauptung gemacht, dass wir schreiben würden, dass Grundschullehrerinnen Jungen benachteiligen würden, und bei Frau Stamm hat diese Behauptung die folgende Form angenommen: “Sie argumentieren [also wir in Bringing Boys Back In], dass Jungen bei der Bewertung ihrer Leistung durch Lehrerinnen benachteiligt würden”. Hätte Frau Stamm jemals in unseren Artikel geschaut und verfügte sie über rudimentäre Kenntnisse der Statistik, sie hätte eine Korrelation gesehen zwischen dem Anteil männlicher Grundschullehrer und dem Anteil männlicher Abiturienten, und somit einen Abschluss und keine Note oder Leistung. Aber sie hat nicht in unseren Beitrag geschaut und stattdessen ihrer Phantasie freien Lauf gelassen, und so wurden aus dem Anteil männlicher Grundschullehrer Lehrerinnen und aus dem Anteil männlicher Abiturienten wurde die Bewertung der Leistung von Jungen.

Dr. habil. Heike Diefenbach hat Dr. Margrit Stamm angeschrieben und auf ihre Falschdarstellung hingewiesen. Dr. Margrit Stamm hat sich entschudligt und nach einigem Hin und Her, nach der üblichen Hinhaltetaktik, wurde auf Initiative von Dr. habil Heike Diefenbach vom ein Erratum formuliert und vereinbart, in dem die Falschdarstellung unserer Arbeit richtig gestellt wird und vom VS-Verlag der entsprechenden Publikation beigefügt. Dies verringert zwar nicht den bereits angerichteten Schaden, fügt aber zumindest keinen neuen hinzu.

Der SozialeKompetenzScore für Margrit Stamm zeigt entsprechend 1,5 von 4 möglichen Punkten. Den Punktabzug gibt es, weil die Transferleistung erst nach Anschieben erfolgt ist und die Problemlösung nicht selbständig, sondern von Frau. Dr. habil. Heike Diefenbach erarbeitet wurde.

Prof. Dr. Hans Peter Kuhn oder “das-ich-bin-ehrlich-entsetzt-Syndrom (jedenfalls für kurze Zeit)”

Hans Peter Kuhn ist ein ganz besonderer Professor, ein Wandel-Professor so zusagen, der, nachdem er von Dr. habil. Heike Diefenbach auf seine Falschdarstellung unseres Beitrags aufmerksam gemacht wurde, sich innerhalb von zwei Wochen von einem anfänglichen  “Ich bin ehrlich entsetzt” zu einem “das stimmt alles gar nicht” transformiert hat. Die gemessene Halbwertzeit seines schlechten Gewissens beträgt somit rund zwei Wochen (großzügige Rechnung), was bei der Berechnung des SozialeKompetenzScore zu berücksichtigen sein wird, insbesondere im Hinblick auf die Annahme, dass ein einmal erreichtes moralisches Niveau beibehalten werden sollte.

Hans Peter Kuhn gehört zu den “Kennern” unseres Beitrags, die aufgeschreckt durch die Korrelation zwischen dem Anteil männlicher Grundschullehrer und dem Anteil männlicher Abiturienten ihrer Phantasie freien Lauf lassen und sich das Schlimmste vorstellen, was sie sich vorstellen können: Frauen, weibliche Menschen, Grundschullehrerinnen sind nicht ausschließlich gut und ihr Handeln könnte nicht nur ausschließlich positive Folgen haben. Hans Peter Kuhn, ein Angehöriger des männlichen Geschlechts, der scheinbar einen “unbefleckte Empfängnis-Komplex” mit sich herumträgt, ist angetreten, die Reinheit der Grundschullehrerinnen, ihre Unschuld, wiederherzustellen, und er hat uns als den Feind ausgemacht, den es dabei zu bekämpfen gilt. Also unterstellt er uns eben einmal:

  • dass wir eine Studie durchgeführt haben, deren Ziel darin bestand, die “Benachteiligung von Jungen gegenüber Mädchen hinsichtlich von Sekundarschulabschlüssen” aufzuzeigen. Das ist zum einen grober Unfug, zum anderen vermutlich einer mangelhaften Beherrschung der deutschen Sprache geschuldet, die den Unterschied zwischen Nachteil und Benachteiligung nicht kennt.
  • dass wir keinen “Beleg für die These der ‘femininen schulischen Subkultur'” geliefert haben, eine These, die er der Einfachheit halber uns unterschieben will. Aber: Wir haben keine These über eine wie auch immer geartetet “feminine schulische Subkultur” aufgestellt, zwangsläufig haben wir die These, die wir nicht aufgestellt haben, auch nicht geprüft und ergo ist es nicht verwunderlich, dass wir das Hirngespinst von Hans Peter Kuhn auch nicht belegen.
  • dass wir einen ökologischen Fehlschluss begehen, wenn “wie hier [also in unserem Beitrag] geschehen, Zusammenhänge zwischen Daten auf der Kollektivebene … so interpretiert werden wie Zusammenhänge auf der Individualebene”. Einmal davon abgesehen, dass der Professor für Empirische Bildungsforschung, Hans Peter Kuhn, offensichtlich nicht weiß, was ein ökologischer Fehlschluss ist und den Begriff als eine Art Kampfbegriff verwendet, steht in unserem Beitrag auf Seite 956: “Diese Ergebnisse sind konsistent mit der in Abschnitt 3 entwickelten Argumentation, jedoch wären Individualdaten erforderlich, um diese Argumentation im Detail zu prüfen“. Wer Augen im Kopf hat und lesen kann, der kann nach der Lektüre dieser Passage nicht von einem ökologischen Fehlschluss sprechen. Da Herr Kuhn erklärt hat, er habe unseren Text gelesen und verstanden, bleibt nur der Schluss, dass er, der einen Lehrstuhl für empirische Bildungsforschung besetzt, deren Grundlagen nicht in Gänze verstanden hat, z.B.: den ökologischen Fehlschluss.

Als Dr. habil Heike Diefenbach den Professor für Empirische Bildungsforschung Dr. Hans Peter Kuhn mit seiner Falschdarstellung konfrontiert hat, hat Sie die folgende Antwort erhalten:

Liebe Kollegin Diefenbach,

ich bin ehrlich gesagt völlig entsetzt über Ihre Mail, ich schätze Sie und Ihre Arbeit sehr, gerade auch wegen Ihrer empirisch-soziologischen Perspektive, und bespreche Ihre Arbeiten immer auch in meinen Lehrveranstaltungen. Auch habe ich geplant, Sie zu einer Tagung bzw. einem Symposium zum Thema „Jungen als Bildungsverlierer“ einzuladen. Dass der Kontakt zu Ihnen statt in Form einer Kooperation jetzt auf diese Art stattfindet, trifft mich sehr, es kann sich hier nur um ein Missverständnis handeln! Da ich in den nächsten Tagen sehr eingespannt bin, werde ich mich mit einer detaillierten Stellungnahme nächste Woche bei Ihnen melden.

Herzliche Grüße aus Berlin!
Hans Peter Kuhn

Aus den nächsten Tagen sind mehrere Wochen geworden und die Zeit hat gereicht, um das Entsetzen verblassen zu lassen. Geblieben ist nicht das schlechte Gewissen, sondern die Überzeugung, gar nichts falsch gemach zu haben, dokumentiert in einer mehrere Seiten langen Stellungnahme, die in Teilen die Grenze zur Lächerlichkeit überschreitet, z.B. wenn Herr Kuhn erklärt, er benutze Anführungszeichen in wissenschaftlichen Texten nicht als Indikator für ein direktes Zitat, sondern als “modalisierende Funktion um sich von einer These zu distanzieren”. Leider vergisst es Herr Kuhn seine Leser darauf hinzuweisen, dass er Anführungszeichen in einer nur ihm eigenen Weise verwendet, und warum er eine These, die wir nicht aufgestellt haben, in “modalisierender Funktion” in Anführungszeichen setzt, um uns dann quasi gegen eine These in Schutz zu nehmen, die er, nicht aber wir aufgestellt haben, bleibt sein Geheimnis. Davon abgesehen fragen wir uns, was die neuartige Verwendung von Anführungszeichen wohl für die Frage der Plagiatsprüfung bedeutet, ganz neue Möglichkeiten… Aber vermutlich ist Herr Kuhn seinen Studenten gegenüber nicht in der gleichen Weise nachsichtig, wie sich selbst gegenüber.

Zusammenfassend können wir Hans Peter Kuhn auf dem SozialeKompetenzScore nur 0.5 von 4 Punkten geben, die sich im Laufe der nächsten zwei Wochen seinem Vorbild folgend auf 0 Punkte reduzieren werden.

Dr. Susann Busse

Susann Busse zeichnet sich durch eine ausgeprägte Phantasie aus. Diese nutzt Sie, um uns zunächst Aussagen zu unterstellen, die wir nie gemacht haben und diese Aussagen dann im nächsten Schritt zurückzuweisen. Wir haben Susann Busse darauf aufmerksam gemacht, dass zwischen ihrem hohen Maß an Phantasie und der Wirklichkeit unseres Beitrags keine Schnittmenge existiert:

  • Wir haben nicht, wie dies Busse behauptet, von einer Feminisierung des Schulalltags geschrieben. Der Begriff kommt im Beitrag überhaupt nicht vor.
  • Wir haben keine Vermutungen darüber aufgestellt, wie Busse behauptet, welche “Erfahrungswelten” Jungen in Schulen fehlen könnten.
  • Und schon gar nicht haben wir in unserem Beitrag, wie Busse behauptet, eine Förderung von Jungen gefordert.

All dies hat Frau Busse frei erfunden, und wir haben Ihr deshalb geschrieben, und sie aufgefordert, einen Vorschlag zu unterbreiten, wie sie den uns durch ihre Falschdarstellung entstandenen Schaden wieder gutmachen will.
Frau Busse hat es nicht för nötig befunden, zu antworten. Sie ist derzeit im Pädagogischen Institut der Universität Halle damit beschäftigt, eine qualitative (wie könnte es auch anders sein bei derart phantasiebegabten Personen wie Frau Busse) “Studie zu Biografien junger Vietnamesinnen und Vietnamesen in den neuen Bundesländern” durchzuführen. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit, wird sie Konzepte wie “soziale Kompetenz” an diese Jugendlichen herantragen, um zu erklären, warum manche Jugendliche z.B. erfolgreichere Berufsbiographien vorzuweisen haben als andere. Und wieder zeigt es sich, dass es leicht ist, andere an einem Maßstab zu messen, nicht so leicht ist es, den Maßstab an sich selbst anzulegen. Gemessen an den vier Kriterien sozialer Kompetenz, die oben zusammengetragen sind, muss Frau Busse das vollständige Fehlen sozialer Kompetenz bescheinigt werden, was insbesondere mit Blick auf die Entwicklung von Wertvorstellungen interessante Schlüsse über die moralische Befähigung von Frau Busse zulässt, die ich hier jedoch nicht weiter vertiefen will.

Der SozialeKompetenzScore zeigt also 0 von 4 möglichen Punkten, was uns dazu veranlasst, allen jungen Vietnamesen in den neuen Bundesländern zu empfehlen, den Brief von der Uni Halle, in dem sie um Teilnahme an einer Studie gebeten werden, zu ignorieren (Frau Busse hat dafür sicher Verständnis.).

Dr. Susann Fegter

Susann Fegter ist das vorläufige Highlight der Sammlung, denn Sie hat sich aus den verschiedenen Publikationen, in denen unser Beitrag zitiert wurde, quasi in zweiter Ebene der Selektion noch einmal das herausgesucht, was Ihr gerade in den Kram gepasst hat. Herausgekommen ist eine quasi doppelt selektive und an die eigene Ideologie angepasste Verzerrung unseres Beitrags, die Dr. habil. Heike Diefenbach dazu veranlasst hat, ein Krankenschwesterhäubchen aufzuziehen und Frau Fegter Nachhilfe im Umgang mit Kollegen zu geben. Ich zitiere aus der Email, die Frau Fegter zugegangen ist:

“Wenn Sie den Artikel von Herrn Klein und mir gelesen haben, sollte Ihnen nicht entgangen sein, dass wir WISSENSCHAFTLICH arbeiten, also nichts “nahelegen”, sondern unser Geschäft im Testen von Hypothesen zur Erklärung von deskriptiven Befunden, hier: der spezifischen Verteilung der Sekundarschulabschlüsse von Jungen und Mädchen in den verschiedenen Bundesländern, sehen. Hypothesen generieren wir normalerweise aus der theoretischen Literatur oder eigenen Überlegungen, die auf dieser Literatur basieren, nicht aus dem, was wir glauben, mögen oder uns wünschen würden und was wir daher gerne “nahelegen” würden. In der Studie, von der Sie berichten, standen Herr Klein und ich vor der Aufgabe, erklärende Faktoren zu finden, die theoretisch in der Lage sein würden, die von uns aufgefundene spezifische Verteilung über die verschiedenen Bundesländer zu erklären. Damit war klar: es musste sich um struktuelle Faktoren handeln, Merkmale des (jeweiligen) Bildungssystems oder der (jeweiligen) sozioökonomischen Verhältnisse in den Bundesländern. Gleichzeitig mussten die in Frage kommenden Faktoren auch in der allgemeinen Statistik enthalten sein. Das, was aufgrund dieser Restriktionen möglich war, war die Prüfung des Anteils der weiblichen Lehrkräfte an allen Lehrkräften und die Arbeitslosenquote. Die erstgenannte Variable konnte darüber hinaus theoretisch (unter Rückgriff auf sozialpsychologische Theorien) begründet werden, und normalerweise soll das ja der Fall sein, wenn man eine Variable als potentiell erklärende in Betracht zieht. Also haben wir diese Begründung geliefert. Das alles haben Herr Klein und ich in unserem Text beschrieben und begründet. In Ihrer Darstellung findet sich davon aber rein gar nichts. Statt dessen suggerieren Sie dem Leser, wir hätten (warum eigentlich?) eine Präferenz für die Erklärung der Bildungsnachteile von Jungen durch das Handeln von Lehrerinnen. Warum fanden Sie es nicht der Erwähnung wert, dass wir außerdem die Variable “Arbeitslosenquote” geprüft haben und einen positiven Zusammenhang festgestellt haben? Warum haben Sie uns nicht (auch) unterstellt, dass wir eine Präferenz für die Erklärung durch die sozioökonomischen Verhältnisse haben? Das hätten Sie ja mit demselben Recht tun können, haben es aber unterlassen. Warum diese selektive Darstellung?

Ich muss vermuten, dass diese selektive und daher unzutreffende Darstellung besser in einen mentalen Rahmen passt, unter dessen Einfluss Sie ihr Buch anscheinend verfasst haben, als es eine angemessene Darstellung unserer Studie getan hätte. Dies würde zumindest auch erklären, warum Sie empirische Befunde nicht als solche bezeichnen mögen, sondern sie als “Argumentationsfiguren” qualifizieren oder vielmehr: disqualifizieren 🙂 Dies ändert aber nichts an den Tatsachen, die jeder nachvollziehen kann, der sich die Auswertung der amtlichen Bildungsstatistik vornimmt, und an deren Erklärung wir nach wie vor interessiert sind (sei es durch politisch korrekte oder politisch unkorrekte Größen).

Sie werden sicherlich Verständnis dafür haben, dass ich Ihre selektive Darstellung der Arbeit von Herrn Klein und mir nicht akzeptieren kann und will; Sie wollten sicherlich auch nicht, dass Ihre Arbeit in entstellender und ideologisierender Weise dargestellt wird. Wie gesagt: ich will nicht glauben, dass Sie dies wissentlich getan haben, aber ich muss sagen, dass mir kaum verständlich ist, wie und warum sonst man den Text von Herrn Klein und mir so selektiv und damit entstellend oder schlicht: falsch lesen und wiedergeben kann. Die Lektüre meiner relativ zahlreichen Publikationen zum Thema nach 2002 hätte sicherlich auch zu einem besseren Verständnis der Arbeit von 2002 auf Ihrer Seite geführt. Warum haben Sie diese nicht gelesen oder der Erwähnung wert gefunden? Ich fürchte wirklich, dies hat mit einer Art “ideologischer Brille” zu tun, der Wissenschaft doch gerade entgegenwirken sollte. Ich frage mich nun, welche Möglichkeiten Sie sehen, um die von Ihnen publik gemachte unzutreffende Darstellung unserer Arbeit zu berichtigen”.

Es scheint, dass trotz des extra angelegten Krankenschwerthäubchens die Ausführungen von Frau Dr. habil. Heike Diefenbach für Frau Fegter nicht verdaulich waren, denn bislang hat sie sich nicht dazu durchringen können, die Verantwortung für ihre Falschdarstellung unserer Arbeit zu übernehmen. Vermutlich nimmt Sie gerade Nachhilfe in sozialer Kompetenz, um zumindest rudimentäre Fähigkeiten zu entwickeln, die Sie als Dozent an der Universität Frankfurt ja haben muss, wenn Sie Studenten über “Urbane Lernräume von Kindern” belehren will. Bis zum Nachweis der erfolgreichen Absolvierung eines Kurses in sozialer Kompetenz und auf Grundlage der Reaktion uns gegenüber, müssen wir jedoch feststellen, dass der SozialeKompetenzScore für Frau Fegter 0 von 4 möglichen Punkten ausweist.

Die Darstellung hat einen erheblichen Nachholbedarf in Sachen “sozialer Kompetenz” bei vier an deutschen Universitäten beschäftigten Pädagogen und Erziehungswissenschaftlern (!sic) zum Vorschein gebracht. Da es nunmehr zu spät ist, um die vier auf eine Sonderschule mit Schwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung zu verweisen, empfehlen wir Kurse an der nächstgelegenen Volkshochschule, um das nachzuholen, was ganz offensichtlich fehlt. Ansonsten haben wir einen Punkt erreicht, an dem die Falschdarstellung unseres Beitrags durch so genannte Wissenschaftler eine Kompensationshandlung erfordert. Unsere Kompesantion dazu ist Reggae, mit Reggae sieht die Welt gleich ganz anders aus und man denkt, ach, was interessieren mich all diese Schwach… bis auf weiteres, jedenfalls. … dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich allmählich herumspricht, was alles nicht in unserem Beitrag steht, und nur noch  wenige aus bestimmten Netzwerken, die anscheinend aufgrund ihrer mangelnden sozialen Kompetenz weitgehend von der wissenschaftlichen Community abgeschottet sind, hiervon noch nichts erfahren haben. Ganz davon abgesehen, gibt das, was Admiral Tibet singt, unsere Einschätzung der ganzen Angelegenheit trefflich wieder:

P.S.

Es stellt sich abschließend die Frage, was die dargestellten Mängel an den davon betroffenen Univeristäten für Konsequenzen nach sich ziehen. Drei der vier Personen, deren Sozialkompetenz hier dargestellt wurde, sind an pädagogischen oder erziehungswissenschaftlichen Instituten beschäftigt, wirken in Bildungsforschung und Erwachsenenbildung. Entsprechend muss die Frage erlaubt sein, wie Pädagogen, die einer Krisensituation wie sie alltäglich auftauchen kann: Sie werden kritisiert, nicht gewachsen sind, oder die die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens nicht beherrschen, die ihre eigenen Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens aufstellen, in modalisierender Absicht, versteht sich, es bewerkstelligen wollen oder sollen, andere zu unterrichten.

Jugert, Gerd, Rehder, Anke, Notz, Peter & Petermann, Franz (2009). Soziale Kompetenz für Jugendliche. Grundlagen und Training. Weinheim: Juventa.

Orte der Falschdarstellung:

Busse, Susanne (2010). Bildungsorientierungen Jugendlicher in Familie und Schule. Die Bedeutung der Sekundarschule als Bildungsort. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Fegter, Susann (2012). Die Krise der Jungen in Bildung und Erziehung. Diskursive Konstruktion von Geschlecht und Männlichkeit. Wiesbaden: VS-Verlag.

Kuhn, Hans Peter (2008). Geschlechterverhältnisse in der Schule: Sind die Jungen jetzt benachteiligt? Eine Sichtung empirischer Studien. In: Rendtorff, Barbara & Prengel, Annedore (Hrsg.): Kinder und ihr Geschlecht. Opladen: Budrich, S.49-71.

Stamm, Margrit (2009). Underachievement von Jungen in der Schule. In: Mammes, Ingelore & Budde, Jürgen (Hrsg.). Jugendforschung – empirisch. Zwischen Schule, männlichem Habitus und Peerkultur. Wiesbaden: VS-Verlag, S.131-148.

Das Original zum Nachlesen:

Heike Diefenbach & Michael Klein (2002). Bringing Boys Back In”. Soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern im Bildungssystem zuungunsten von Jungen am Beispiel der Sekundarschulabschlüsse. Zeitschrift für Pädagogik 48(6): 938-958.

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