Eine Kommissarin für Justiz, die gegen geltendes Recht verstoßen will…

Eigentlich wollte Viviane Reding, EU-Kommissarin für u.a. Justiz, am Dienstag, den 23. Oktober vor die Presse treten und ein weiteres Kapitel auf ihrem Weg in den totalitären Staat “Europa” aufschlagen. Reding ist seit Monaten dabei, die Werbetrommel für Mittelschichtsfrauen im Kostüm, also Frauen wie sie selbst, zu rühren, von denen sie denkt, dass sie es auf Basis eigener Leistung und eigener Verdienste nie in eine Führungsposition großer Unternehmen schaffen werden. Deshalb hat Frau Reding die einzige Möglichkeit, die ihr einfällt gewählt, um diese Frauen “zu fördern”, von denen sie genau weiß, dass sie in großer Zahl vorhanden sind und am beruflichen Aufstieg von dunklen und männlichen Mächten gehindert werden, nämlich Zwang. Wie sie in einer Rede vor dem Harvard Club in Brüssel frank und frei erzählt, habe sie zunächst Unternehmen dazu gedrängt, eine freiwillige Selbstverpflichtung abzugeben, um mehr Frauen in Vorstandspositionen zu hieven. Die Ergebnisse genügen Frau Reding aber nicht, deshalb soll nun das Drängen durch gesetzlichen Zwang ersetzt werden (Man beachte die Aushöhlung von Begriffen wie “Freiwilligkeit”. Ich glaube nicht, das irgend ein Mensch, der bei Verstand ist, behaupten wird, dass die Tatsache, dass er sich von X zu Y hat drängen lassen, ein freiwilliger Akt war, außer Frau Reding versteht sich). Der Zwang, in Gesetzesform gegossen, so hat sich Frau Reding das gedacht, sollte am Dienstag der Presse präsentiert werden.

Die Pressekonferenz wurde kurzfristig abgesagt, weil, wie Spiegel-Online zu berichten weiß, die EU-Kommission sich “bei ihrer Sitzung am Dienstag in Straßburg nicht auf einen Gesetzentwurft für eine europaweite Quote einigen” konnte. Für alle, die nun enttäuscht sind wie die Spiegel-Redaktion, hat der Artikel auch gleich noch das Bonbon: “Ich werde nicht aufgeben”, so hat Frau Reding nach Erkenntnissen des Spiegels getweetet. Na dann. Eigentlich hätte man noch gerne gewusst, warum die EU-Kommission den Gesetzentwurf von Reding abgelehnt hat. Aber kritische Fragen, die mit “warum” beginnen, sind im Spiegel offensichtlich nicht vorgesehen, und deshalb habe ich getan, was ich immer tue und auf einen amerikanischen Informanten zurückgegriffen: CNBC. CNBC weiß dann auch mehr über den nicht vorgestellten Gesetzesentwurf. Er habe es nicht durch die EU-Kommission geschafft, weil er gegen geltendes EU-Recht verstoßen habe. Und wenn sich schon die EU-Kommissarin für Justiz nicht um das geltende EU-Recht schert, so muss man feststellen, dass es doch andere Kommissare gibt, die nicht in gleicher Weise wie die EU-Kommissarin für Justiz bereit sind, über geltendes Recht hinwegzugehen. Als Beobachter der politischen Landschaft ist man ja einiges gewohnt, aber ein EU-Kommissar, zuständig für Justiz, der das Recht, das zu schützen seine Aufgabe ist, einfach bricht, ignoriert oder gar nicht kennt, ist ein Novum. Früher war sowas ein Grund zum Rücktritt, heute ist es ein Grund dafür “weiterzukämpfen” – weiterzukämpfen gegen geltendes Recht!

Als Wissenschaftler fragt man sich nun, wie kann es sein, dass ein Justiz-Kommissar sich verhält, wie Paule Panzerknacker? Als Antwort auf diese Frage bieten sich eine Reihe von Erklärungen an, ich will eine der Erklärungen geben und zwei weitere Erklärungen Mike Buchanan überlassen, der einen entsprechenden post gerade im blog der Campaign for Merit in Business publiziert hat.

Wenn man die Verfechter einer Frauenquote, die Kämpfer für eine Besserstellung von Frauen oder allgemein die Staatsfeministen betrachtet, dann wird man den Eindruck nicht los, dass sich die entsprechenden Personen in etwas verrant haben. Ich habe schon mehrfach in diesem blog belegt, dass es keinen Business Case für eine Frauenquote in Vorständen gibt, weder sind mehr Frauen förderlich für die Performanz des Unternehmens noch hat Diversifizität einen positiven Einfluss auf dieselbe noch gibt es eine “gläserne Decke”. Die wissenschaftlichen Belege sind eindeutig. Dennoch behauptet Frau Reding das Gegenteil in ihrer Rede vor dem Harvard Club von Belgien. Eine ähnliche Realitätsflucht kann man im Hinblick auf die monotone Wiederkehr der falschen Behauptung, Frauenquoten würden Gleichheit herstellen, feststellen. Frauenquoten in Vorständen nutzen nicht Frauen, sie nutzen bestenfalls einigen Mittelschichtsfrauen und sind somit nicht geeignet, Gleichheit herzustellen, sondern Ungleichheit, Ungleichheit zwischen Mittelschichtsfrauen auf der einen und Männern und nicht-Mittelschichtsfrauen auf der anderen Seite. Das ist eigentlich einfach zu verstehen. Nur Frau Reding versteht es nicht, wie sie gerade wieder in einer Rede dokumentiert hat. Wenn jemand dermaßen resistent gegen Informationen aus der Außenwelt ist, dann, so haben Psychologen herausgefunden, liegt das oft an einer funktionalen Fixiertheit. Funktionale Fixiertheit kann auf Deprivation, Persönlichkeitsproblemen oder auf der Zugehörigkeit zu kultischen Gruppen basieren, auf allem, was die Wahrnehmung der Realität verhindert. Ob diese Erklärung auf Frau Reding zutrifft, vermag ich nicht mit 100%tiger Sicherheit zu sagen. Deshalb will ich hier eine weitere Erkläungsmöglichkeit anführen, die Mike Buchanan gerade argumentiert hat (hier in meiner Übersetzung seines Beitrags):

“Ist Viviane Reding, EU-Kommissar für Justiz, eine Lügnerin, inkompetent oder beides?

Diese Frage hat sich mir gestellt als ich die Rede gelesen habe, die sie vor dem Harvard Club in Brüssel am 8. Oktober gehalten hat.

In dieser Rede gibt es Fundstücke wie das folgende:

First of all, there is a clear business case. Numerous studies – by Crédit Suisse, McKinsey, Deutsche Bank, Ernst and Young and others – show that companies with more women in top management enjoy better governance and financial performance. The McKinsey study has, for instance, shown that companies with women on their boards outperform their men only rivals with a 42% higher return in sales, 66% higher return on invested capital and 53% higher return on equity. Or take the Crédit Suisse study which shows that, over the past six years, companies with at least one female board member significantly outperformed those with no women on the board in terms of share price performance.

Wie kann Frau Reding ihre Zuhörer, vermutlich handelte es sich dabei um erfahrene Manager, mit diesem absoluten Unsinn beleidigen? Wie wir auf der Seite der Campaign for Merit in Business gezeigt haben, behauptet z.B. die Credit Suisse keinerlei kausale Beziehung zwischen der Anzahl von Frauen in Vorständen und der finanziellen Performanz von Unternehmen. Tatsächlich heißt es in dem Bericht von Credit Suisse:

“There is a significant body of research that supports the idea that there is no causation between greater gender diversity and improved profitability and stock price performance. Instead the link may be the positive signal that is sent to the market by the appointment of more women: first because it may signal greater focus on corporate governance and second because it is a sign that the company is already doing well” (p.17).

Frau Reding verbreitet auch Unwahrheiten über die angeblichen Ergebnisse von McKinsey. In keinem der Berichte von McKinsey, die wir kennen, findet sich auch nur ansatzweise die Behauptung, zwischen dem Anteil von Frauen in Vorständen und der Performanz eines Unternehmens gebe es einen kausalen Zusammenhang. Dagegen gibt es in den meisten McKinsey Berichten den Hinweis, dass die Korrelation zwischen dem Frauenanteil und der Performanz von Unternehmen Ergebnis einer gezielten Förderung von Frauen durch Unternehmen, die es sich leisten können, darstellen kann, Unternehmen also, die einer gesetzlichen Verpflichtung durch vorauseilenden Gehorsam begegnen wollen.”

Der Beitrag von Mike Buchanan, der deutlich macht, dass Frau Reding offensichtlich kein Problem damit hat, Fakten in ihrem Sinne neu zu interpretieren oder in ihrem Sinne wahrzunehmen, eine Eigenschaft, die sie auch im Zusammenhang mit Daten des Eurobarometer an den Tag gelegt hat, dessen Daten sie eben einmal für ihre Zwecke umgedeutet und gedehnt hat, sieht zwei mögliche Erklärungen für dieses Verhalten vor: Lügen oder Inkompetenz. Ich habe diesen beiden Erklärungen mit der funktionalen Fixierung noch eine dritte hinzugesellt, die quasi die Basis bildet, auf der Lügen oder Inkompetenz aufsetzen: Wer Fakten nicht mehr oder nur noch in bereits den eigenen Wünschen entsprechend aufbereiteter Weise wahrnimmt, wer funktional fixiert ist, kommt seiner Außenwelt zwangsläufig wie ein Lügner vor, denn er behauptet etwas, was offensichtlich falsch ist. Er kommt denen, die ihn noch versuchsweise ernst nehmen wollen, inkompetent vor, denn er ist offensichtlich nicht auf der Höhe der Erkenntnis. Funktional Fixierte wiederum tragen alle Merkmale von Mitgliedern eines Kultes und man muss sich spätestens dann, wenn ein EU-Kommissar für Justiz anfängt, seine Glaubenssätze in offenem Widerspruch zu geltendem Recht zu formulieren und versucht, diesen Rechtsbruch anderen aufzuzwingen, fragen, ob derartiges Verhalten noch toleriert werden kann oder ob es nicht an der Zeit zu (medizinischer oder politischer oder juristischer oder psychiatrischer) Intervention ist.

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Phoenix Business Lawyers

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19 Responses to Eine Kommissarin für Justiz, die gegen geltendes Recht verstoßen will…

  1. A. Behrens says:

    Für mich die deutlichste Aussage hinsichtlich einer Frauenquote war die Aktionärsversammlung von Siemens: 93% der Eigentümer von Siemens haben sich gegen eine Frauenquote ausgesprochen(*). Wohlgemerkt: Die Eigentümer selbst, keine bösen Männer in dunklen Hinterzimmern.

    Es ist halt ein Unterschied ob ich mein Geld jemanden anvertraue dem ich vertraue oder ob ich mein Geld jemanden geben soll, der mir von der Politik vorgeschrieben wird.

    (*)Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/aktionaersvotum-keine-chance-fuer-frauenquote-bei-siemens/6106832.html

  2. T.R.E.Lentze says:

    M.Klein: “Wenn man die Verfechter einer Frauenquote, die Kämpfer für eine Besserstellung von Frauen oder allgemein die Staatsfeministen betrachtet, dann wird man den Eindruck nicht los, dass sich die entsprechenden Personen in etwas verrant haben.”

    Das ist viel zu harmlos empfunden.

    Inbezug auf heutige gynokratische Tendenzen rate ich allen Ernstes zu einem Vergleich mit dem Aufstieg Adolf Hitlers. Schon ganz zu Anfang von Htilers Karriere wurde erkannt und öffentlich ausgesprochen, daß Hitler sich in alles Mögliche “verrannt” habe. Man glaubte, wer sich nur “verrennt”, der würde durch die Tatsachen irgendwann selbst belehrt werden und scheitern. Das war ein Irrtum. Hitler wollte “nicht aufgeben”. Das will Frau Reding auch nicht.

    Nun will ich Viviane Reding nicht mit Hitler parallelisieren. Und zwar deswegen nicht, weil es charismatische Persönlichkeiten vom Range Hitlers heute offensichtlich nicht gibt, aber vielleicht auch nicht mehr braucht, um gleichartige Wirkungen zu erzielen.

    Darin liegt allerdings die Gefahr. Wir sind es gewohnt, daß gefährliche Despotien von charismatischen Persönlichkeiten ausgehen, und können uns nur schwer vorstellen, daß vielleicht totalitäre Strukturen bereits unerkannt vorliegen, aus denen sich mit fast maschinenhafter Zuverlässigkeit die Katastrophe von selbst entwickelt.

    Das ist eine neue Qualität. Nichts wiederholt sich genauso wie früher. Was heute auftritt, sieht anders aus als das Bekannte, d.h. es sieht harmlos aus. Auch eine Atombombe sieht äußerlich nicht aus wie z.B. eine Pistole, deren Zerstörungspotential man auf den ersten Blick erkennt. Eine Atombombe ist nur dem Fachmann äußerlich erkennbar.

    Hier hat es keinen Zweck, auf Einsichtsfähigkeit von Politikern zu bauen. Hier liegt ein Wille vor! Jeder Wille hat einen Selbstzweck; er braucht keine Belehrung. Wenn ich Appetit auf einen Apfel habe, muß ich nicht belehrt werden, daß er gesund sei. Und wer raucht, wird sich auch nicht durch die Mitteilung belehren lassen, daß Rauchen schädlich sei.

    Darum wird auch Viviane Reding sich niemals belehren, höchstens stoppen lassen. Und ebenso gilt es, ihre Mitläufer und Trittbrettfahrerinnen zu stoppen, ihre Organisationen in den Blick zu nehmen und hier anzusetzen.

  3. Pingback: Abgesagte Pressekonferenz: EU-Kommission blockiert Frauenquote - Seite 10

  4. Michel Houellebecq says:

    So, und jetzt legen wir mal die Zahlen auf den Tisch, um die es bei der Frauenquote überhaupt geht. Mir scheint manchmal, hier wird hier eine Sau von verschiedensten Seiten durch’s Dorf getrieben, von der eigentlich niemand so recht eine Ahnung. bzw. eine genaue Vorstellung zu haben scheint. Wahrscheinlich handelt es sich hier um eine Art Phantomsau, der alle hysterisch kreischend hinterher rennen, bzw. vor sich her treiben: die BefürworterInnen in der irrigen Annahme, endlich etwas gegen das offenbar himmelschreiende Unrecht auf dieser Welt (oder gegen das Phantompatriarchat, je nach dem) unternehmen zu können, und die Gegner der Quote in der genauso irren Angst, hier geschehe etwas total Ungerechtes, dass sich vor allem gegen Männer richtet. Doch die Quote entpuppt sich bei genauerer Betrachtung lediglich als ein von Politik und Medien hoch geschaukelter Papiertiger, wie wir gleich sehen werden.

    Ich habe mir einmal die Mühe gemacht, und die Quote anhand sämtlicher Firmen aller Rechtsformen, die es in der Schweiz gibt, hoch zu rechnen. Und die Zahl der Firmen, die tatsächlich von einer Quote betroffen sein würden (konjunktiv), wäre mit weit unter einem Achtel Prozent (!) geradezu lächerlich tief.

    Die Quote würde nur börsenkotierte Unternehmen betreffen. Um überhaupt an der Börse gelistet werden zu können, bedarf es in der Schweiz der Rechtsform einer Aktiengesellschaft (AG). Gemäss Handelsregister gab es am 01.01.2012 insgesamt 549’363 Gesellschaften aller Rechtsformen in der Schweiz. Davon sind 194’289 Aktiengesellschaften, von denen wiederum genau 0’126 Prozent- oder insgesamt 245 Unternehmen- an der SIX (und anderen Börsenplätzen) notiert sind. Konkret: Wir sprechen hier von einem Achtel Prozent aller Aktiengesellschaften, für die eine Frauenquote gefordert wird, brutto, versteht sich! Und netto?

    Die kürzlich von EU-Komissarin Viviane Reding geforderte Frauenquote würde- man staune!- nicht einmal alle Unternehmen, die an der Börse gelistet sind, betreffen, sondern nur Grosskonzerne, also keine KMU’s. Dabei sind Letztere das Herzstück unserer Volkswirtschaften. Den Löwenanteil an der volkswirtschaftlichen Gesamtleistung generieren kleine und mittlere Unternehmen (KMU), und nicht Big Corporates wie VW, Nestlé, Novartis oder Bayer. 99 Prozent aller Unternehmen sind in unseren Volkswirtschaften KMU’s. Damit schrumpft die Zahl der betroffenen Firmen auf weit unter ein Achtel Prozent (!) aller (Kapital)gesellschaften. Netto wären es also vieleicht noch ein sechzehntel Prozent aller Unternehmen, die von einer Frauenquote betroffen sein würden. Von welcher Führungsebene, die die Quote betreffen würde (und welche Bedeutung diese innerhalb bestehender Konzernstrukturen hat!), wage ich noch nicht einmal zu sprechen: Das wäre ein ganz anderes Thema!

    So, und jetzt gehen wir alle- Gegner und Befürworter der Quote- einmal alle in uns, atmen drei Mal tief durch und fragen uns noch einmal: Was zum Teufel soll diese ganze Diskussion eigentlich? Lohnt sich diese ganze Hysterie überhaupt? Ist es wirklich so spannend, aus der sprichwörtlichen Mücke einen Elefanten zu machen?!

    Datenquellen:

    -Handelsregisterauszug Schweiz: http://tinyurl.com/8ba47zr
    -SIX Swiss Exchange, Swiss All Share Index: http://tinyurl.com/8m77yau

    • Hallo Michel Houellebecq,

      Da ich den Eindruck habe, Sie sehen mich ein Sau durchs Dorf treiben, will ich die entsprechende Illusion mit drei Argumenten zerstören:

      1) Kennen Sie auch nur eine Regulation, die erst für einen kleinen Teil einer Gruppe eingeführt wurde, um nicht später auf andere Mitglieder der Gruppe übertragen zu werden (in Norwegen wird die Einführung einer Quote für KMUs diskutiert)?
      2) Das eine Achtel Prozent Unternehmen macht rund 30-40% der Wertschöpfung aus, d.h. mit einem “kleinen” Handstreich kann man eine große Wirkung erzielen.
      3) Macht es ein Unrecht zu etwas Anderem, wenn nur einer davon betroffen ist? Eigentlich nicht – oder? Aber davon abgesehen geht es hier um Grundwerte und hier schließt sich der Kreis zu 1), denn wenn erst einmal klar ist, dass nicht Leistung belohnt wird, dann hat das erhebliche Effekte auf Leistungsbereitschaft und somit auf die Grundlagen einer erfolgreichen Ökonomie. Unter anderem deshalb gehöre ich nicht zu denen, die denken, ein Mordanschlag wird dadurch erträglicher, dass er nur einen und nicht vier Opfer hat.

      So und nun atmen Sie dreimal und tief durch und überdenken Ihre Position.

      • Michel Houellebecq says:

        Ich bin ein erklärter Gegner der Quote, das nur so nebenbei. Trotzdem ist diese Diskussion- nein, ich halte nicht Sie explizit für denjenigen, der die Sau durch’s Dorf treibt, sondern alle Beteiligten- angesichts der von der Quote tatsächlich betroffenen Gesellschaften für ganz erheblich überbewertet. Dass in Norway auch über eine Quote in KMU’s (laut?) nach gedacht wird, wusste ich nicht. Haben Sie dazu einen Link? Nun will ich aber doch noch ein paar Worte zur Führungsebene verlieren, von der die Quote betroffen sein würde. Vorab vieleicht noch etwas zur Klärung der Begriffe: Verwaltungsräte heissen in der BRD Aufsichtsräte. Das operative Management wird in Deutschland auch Vorstand genannt.

        Die Quote würde ja nur Verwaltungsräte und NICHT die operative Führung betreffen. Deren (unternehmerischer) Wert lässt sich alleine schon an der Zahl der Manndate pro Kopf im Schweizer Parlament (Nationalrat) ablesen: Ruedi Noser (FDP) hatte 2009 zum Beispiel 12, Fulvio Pelli (FDP) 10 und Arthur Loepfe (CVP) sogar 16 Verwaltungsratsmanndate inne! Was machen die eigentlich so das ganze Jahr über? Arbeiten die 1’200, 1’000 oder 1’600 Prozent? Mitnichten: Verwaltungsräte treffen sich ein paar Mal pro Jahr, um u. a. den Geschäftsbericht abzusegenen, bzw. abzunicken. Zynisch ausgedrückt, schaffen diese Herren also lediglich Teilzeit, knapp 5 Prozent pro Mandat- wenn’s hoch kommt. Wäre ja gelacht, wenn eine Frau mit “sieben Kindern und einem Reitlehrer” (Norbert Blüm in Anspielung auf die ehemalige Deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen) das nicht auch könnte, hat man sich 2003 in Norwegen wahrscheinlich gedacht- und sofort eine verbindliche Frauenquote eingeführt:

        Dass das Norwegische “Erfolgsmodell” lediglich Verwaltungratsmandate umfasst, versteht sich da eigentlich von selbst: Kein Wunder, mutierte es so schnell zum (Medien)erfolg: Teilzeitarbeit ist ja vor allem weiblich, wie allgemein bekannt ist! Insofern verstehe ich den mittlerweile fast hysterisch anmutenden Ruf nach einer Quote gewisser Kreise schon: Viele Frauen wollen ja auch nur Teilzeit arbeiten- und das erst noch absolut freiwillig, wie zahlreiche Studien beweisen, auch ohne Kinder!

        Zurück zum Tagesgeschäft, bzw. dem eigentlichen Machtzentrum jeder Aktiengesellschaft: Es ist die operative Führung, die das Heft in der Hand Hand hält, also die CEO’s, CFO’s, CTO’s etc. Und die sind durchschnittlich während 25+ Stunden an insgesamt 398+ Tagen pro Jahr für die Firma da: Dank Doppelmandaten (remember: Peter Brabeck-Letmathe, der Ex-Sonnenkönig von Nestlė u.v.a.m.) schaffen es diese Herren sogar, die Eigentümer (nämlich die Aktionäre, die an der Generalversammlung eigentlich die oberste Instanz einer Aktiengesellschaft sind) ausser Gefecht zu setzen! 

        Die Quote ist v. a. ein von Politik und Medien gehypeter Papiertiger. So eine Art Brot und Spiele für feministische Frauen und andere politisch korrekte Gutmenschen, mehr nicht: Bewirken wird sie absolut nichts, auf gar keiner gesellschaftlichen Ebene. Ich meine, was für einen sozialpolitischen Einfluss mutet man einer Handvoll hochqualifizierter Frauen- und mehr werden es nicht sein- denn zu? Was wird die Quote für Emma-Normalverbraucherin, die Teilzeit, im Stundenlohn oder auf Abruf an der Kasse bei Aldi, Lidl und Spar arbeitet, bewirken? Schliesslich bildet Frauenquote nicht die Lebenswirklichkeit von allen Frauen ab, sondern lediglich diejenige einer Handvoll bestens ausgebildeter, hochqualifizierter Frauen. Damit entpuppt sich die Frage nach einer verbindlichen Quote letztendlich als elitäre Luxusangelegenheit, die das Leben von über 99,8 Prozent aller Frauen nicht einmal Ansatzweise tangiert. 

        Trotz dem (abgeleitet vom Verb trotzen): Nur einmal angenommen, die Quote kommt wider Erwarten durch: Dann kämen vieleicht 600 oder 800 Frauen mehr zum Zuge. Doch die Schweiz hat über 4,5 Millionen Erwerbstätige, davon ist gut die Hälfte weiblich, nur um einmal die Proportionen aufzuzeigen. Wie gross wird die Signalwirkung dieser kleinen Schaar von Elitefrauen sein? Und, by the way: Wieviel Mal liest man in den Medien etwas von Verwaltungsräten? Das sind doch alles graue Mäuse und keine Opinion Leaders! Im Rampenlicht stehen lediglich die Oswald Grübels, Eric Schmidts oder Josef Ackermanns dieser Welt. Gelegentlich schafft es neben dem CEO auch mal der eine oder andere CTO oder CFO in die Schlagzeilen- und das war’s dann auch. 

        Doch bis diese Tatsachen wirklich hin bis zu allen politischen Institutionen und Redaktionen durch gedrungen sind, dürfte noch viel Wasser den Rhein hinunter fliessen. In einer primär von Partikularinteressen geleiteten, medialen “Öffentlichkeit” ist eigentlich gar nichts anderes zu erwarten, da bin ich ganz zuversichtlich: Schliesslich hat auch Viviane Reding erst vor Kurzem- aber immerhin doch noch- als eine der Ersten im erwähnten, medialen und politischen Vakuum erkannt, dass eine Frauenquote nach norwegischem Vorbild aus feministischer Sicht genau genommen eine Mogelpackung ist: Soviel Erkenntnis wurde bislang noch nicht einmal uns Männerrechtlern aka “Maskus” zuteil- von den Feministinnen ganz zu schweigen! Kein Wunder, die Quote wurde in Norwegen ja auch erst vor gut 10 Jahren eingeführt…

        Quintessenz: Die feuchten Träume unserer feministischen Kollektivistinnen werden im Endeffekt gar nichts bewirken- wie denn auch? Die ganze Quotendiskussion, die mir ehrlich gestanden angesichts der hier aufgeführter Tatsachen allmählich zum Hals heraus hängt, ist ein Irrläufer der Postmoderne, dessen Rattenschwanz es offenbar noch knapp bis ins 21. Jahrhundert geschafft hat. Letztendlich baut diese ganze Quotenhysterie auf völlig falschen Prämissen auf, wie wir beide sicherlich wissen: Die Untervertretung von einem Geschlecht ist schliesslich noch lange kein Beweis für eine Diskriminierung. Doch die Informations (-Medien) gesellschaft gehorcht bekanntermassen sowohl zeitlich als auch inhaltlich ganz eigenen Gesetzen…

        Zum Glück, ist man da schon fast versucht zu sagen..!

        Datenquellen:

        Verwaltungsratsmandate pro Kopf im Nationalrat (2009) s. hier: 
        http://tinyurl.com/9nnvqzj 

        • T.R.E.Lentze says:

          Herr Houellebecq: Kommt es wirklich so sehr auf die betriebs-organisatorischen Auswirkungen der Frauenquote an? Diese mögen ja, wie Sie schreiben, vernachlässigbar sein. Dazu will ich mangels Zuständigkeit nichts weiter sagen.

          Von Bedeutung ist vielmehr die Signalwirkung von Redings Forderung.

          Zum Vergleich: Jemand könnte eine Nicht-Juden-Quote für deutsche Betriebe fordern. Organisatorisch hätte das vielleicht keine Auswirkung, weil ohnehin wenig Juden bei uns leben.

          Aber hier wäre die Signalwirkung erheblich. Und darauf kommt es auch bei der Forderung nach der Frauenquote an.

          Es geht der Frau Reding um eine ideologische Weichenstellung. Die Folgen sind schwer abzuschätzen, aber man sollte es nicht auf die leichte Schulter nehmen. Eine Reduktion der Diskussion auf rein betriebs-organisatorische Fragen ist für mich unannehmbar.

        • Marcel Elsener says:

          Guten Tag Herr Houellebecq

          Zur Ihren Anmerkungen habe ich meinerseits einige Anmerkungen.

          Ich gehe mit Ihnen soweit konform, dass mit den Quotenforderungen wieder mal eine Sau durchs Dorf getrieben wird. Es ist jedoch entscheidend, wer denn eigentlich diese Sau antreibt. Das sind eindeutig die Quotenbefürworter, insbesondere die EU-Kommissarin Viviane Reding. Sie sind somit in der Pflicht nachzuweisen, dass ihre Behauptungen stichhaltig sind, und dass die Politik als Regulatorin tatsächlich kompetent ist, Regelungen zu erlassen. Weder haben die Quotenbefürworter die Stichhaltigkeit ihrer Behauptungen noch ihre fachliche Kompetenz zur Regulierung privatwirtschaftlicher Unternehmensstrukturen nachgewiesen. Schon aus diesem Grund müsste die Geschlechterquote eigentlich erledigt sein.

          Die Aufsichtsräte, welche nach dem Willen der Quotenbefürworter zunächst einmal politisch quotiert werden sollen, haben zwar nur wenig Einfluss auf das operative Geschäft. Das ist aber vollkommen irrelevant. Die Aufsichtsräte sind dazu da, die operative Geschäftsleitung zu kontrollieren. Rechenschaftspflichtig sind sie gegenüber den Aktionären und nicht gegenüber dem Staat. Demzufolge liegt es allein in der Hoheit der Aktionärsversammlung, den Aufsichtsrat zu ernennen und ihm gegebenenfalls für seine Aufsichtsarbeit Entlastung zu erteilen oder eben nicht. Letzten Endes sind es die Aktionäre, die bei allfälligen Fehlentscheidungen mit ihrem Kapital dafür haften. Staatsfunktionäre haben hier schlichtweg gar nichts dreinzureden. Die Handels- und Gewerbefreiheit ist eines der wichtigsten liberalen Abwehrrechte des Individuums gegenüber den politischen Machthabern. Leider wird es dieses Abwehrrecht immer mehr ausgehöhlt. Die Kampagne zur Einführung einer Geschlechterquote sehe ich als Teil ebendieser Beseitigung eines liberalen Grundrechts. Sie läuft dem ursprünglichen Geist der EWG, der EG und sogar noch der EU zuwider. Mit den mehrfachen Vertragsbrüchen durch EU-Funktinäre ist allerdings von diesem Geist nicht mehr viel übriggeblieben.

          Darüber hinaus ist es töricht zu glauben, die Quotenbefürworter würden bei der Quotierung von Aufsichtsräten aufhören. Die Aufsichtsräte sind lediglich eines von mehreren Einfallstoren, durch die man die Wirtschaft zu okkupieren beabsichtigt. Früher oder später wird man auch operative Geschäftsleitungen oder gar Aktionärsversammlungen zu quotieren versuchen. Die Quote ist eines von vielen Herrschaftsinstrumenten. Es wird solange eingesetzt, wie das die Beherrschten zulassen.

          Dass die feministischen Kollektivistinnen mit ihren feuchten Quotenträumen das offiziell gesteckte Ziel nicht erreichen werden, ist sicher wahr. Dass sie aber nichts bewirken werden, ist m.E. eine gefährliche Fehleinschätzung. Die Wirkung ist eine weitere Fehlallokation von Menschen und Kapital, die sich die europäischen Unternehmen im weltweiten wirtschaftlichen Wettbewerb ganz einfach nicht leisten können. Die Wirkung ist die Schaffung weiterer staatlicher Planstellen und die Inszenierung von noch mehr politischen Kampagnen, die zwar vollkommen unnütz sind, aber trotzdem von den Steuerzahlern bezahlt werden müssen. In dieser Hinsicht werden sich die Träume der feministischen Kollektivistinnen immerhin dahingehend erfüllen, als dass sie staatliche Pfründe zugeschanzt bekommen, welche von den wertschöpfenden Marktteilnehmern (seien es wertschöpfende Unternehmen oder Arbeitnehmer) finanziert werden müssen.

          Man sollte all diese politischen Regulationsbemühungen somit als das betrachten, was sie sind: als Geschäftskonzept einer weitgehend nutzlosen Politiker- und Bürokratenkaste, welche zulasten der Wertschöpfer in Lohn und Brot gebracht werden. Der gesamte Staatsfeminismus ist in diese Kaste, die man vielleicht am besten als Bürokratenadel charakterisieren könnte, einzuordnen. Dann erkennt man auch, dass die Repräsentanten des Bürokratenadels die Ziele zur Sicherung ihrer eigenen parasitären Lebensweise sehr wohl erreichen.

          Das ganze Gerechtigkeitsgeschwafel ist lediglich vorgeschoben, um die Ausgebeuteten zu täuschen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Bürokratenadel von Geschlechterdemokratie, von sozialer Gerechtigkeit, von staatlicher Wirtschaftsförderung oder von irgendeiner anderen staatlichen ‘Wohltat’ redet. Das alles sind beliebig austauschbare Säue, die vom Bürokratenadel durchs Dorf getrieben werden zwecks Verschleierung der wahren Absicht, nämlich der eigenen Alimentierung. Michael Klein bezeichnet dieses Verhalten richtigerweise als rent seeking. Das Nichterreichen der politisch vorgeschobenen Ziele ist dabei sogar erwünscht. Denn nur dadurch kann der Bürokratenadel seine Existenz (das eigentlich angestrebte Ziel) auch weiterhin begründen.

        • Michel Houellebecq says:

          Grüezi Herr Elsener

          Ich gehe mit Ihren Ausführungen weit(est)gehend konform. Inwiefern die Quote eine Art Einfallstor zu weiteren Quotierungen u. ä. sind, liegt jedoch meiner Ansicht nach im Bereich der Spekulation: Das liesse ja den Rückschluss zu, dass hier so eine Art von Generationenübergreifendem Masterplan vorliegt. Aber, zugegeben: Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Gut möglich, dass hier Stücklein für Stücklein etwas versucht wird einzuführen. Es würde mich jedoch sehr erstaunen, wenn der Hebel irgendwann einmal auch bei den Aktionären angesetzt wird: Betrachtet man die Aktionärsstruktur (grosskapitalisierter) Unternehmen, dann wird einem schnell einmal klar, dass diese zu ca. 80 Prozent in der Hand von institutionellen Anlegern (z. B. Versicherungen, Banken, Pensionskassen etc.) und Grosseigentümern sind, die über den ganzen Globus verstreut sind. Entsprechend sind auch die Stimmrechte verteilt. Irgendwo sind dem staatlichen Regulierungsapparat schliesslich Grenzen gesetzt, ob im Rahmen supranationaler Organisationen oder von Nationalstaaten ist m. E. einerlei: In einer globalisierten Welt- und der damit verbundenen Entgrenzung- dürfte noch manches Regulierungsanliegen wirkungslos verpuffen, da bin ich, einmal mehr, ganz zuversichtlich.

        • Marcel Elsener says:

          Guten Abend Herr Houellebecq

          Die Geschlechterquote bei Aufsichtsräten ist insofern ein Einfallstor, weil nach meiner Erfahrung weitere Quotierungen in anderen Organen der Privatwirtschaft folgen werden. Dahinter steckt nicht ein generationenübergreifender Masterplan sondern es ist ein der (staatlichen) Bürokratie innewohnender Mechanismus, durch den der einmal eingeschlagene Bürokratisierungsweg einfach weiterverfolgt wird. Frauenquoten in Parteien und staatlichen Verwaltungen sind ja nichts neues; der logisch nächste Schritt ist die Ausweitung der Quotenpolitik auf die Privatwirtschaft, wovon die Aufsichtsräte wiederum die erste Etappe sind. Ein politischer Versuchsballon sozusagen.

          Die Aktionärsstruktur (grosskapitalisierter) Unternehmen ist m.E. vollkommen irrelevant in Bezug auf Geschlechterquoten. Oder können Sie hier irgendeine Relevanz darlegen, Herr Houellebecq? Ein Unternehmen unterliegt dem Recht in jenem Land, in dem es jeweils tätig ist. Die Wahl des Hauptsitzes ist damit entscheidend, ob ein Unternehmen politischen Geschlechterquoten im Top-Management oder im Aufsichtsrat unterworfen ist. Das hat aber mit der Aktionärsstruktur nichts zu tun. Ein internationaler Grosskonzern könnte somit allenfalls durch eine Verlegung des Hauptsitzes in ein Nicht-EU-Land ohne Geschlechterquoten (z.B. in die USA oder in die Schweiz) diesbezügliche EU-Regelungen unterlaufen. Aber den Hauptsitz eines Grosskonzerns verlegt man nicht so schnell. Da ist zweifellos eine Gesamtschau notwendig, in der die politischen Regulierungen ein Faktor von mehreren sind.

          Die Geschlechterquote für Aufsichtsräte ist isoliert betrachtet zwar eine kleine Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Es ist jedoch ein grosser Fehler diesen eher unbedeutenden staatlichen Usurpierungsversuch isoliert zu betrachten. Es gibt ja noch viele andere politischen Initiativen, mit denen die Handels- und Gewerbefreiheit, das Privateigentum, die Autonomie von Familien, die Handlungsfreiheit und Meinungsäusserungsfreiheit des Individuums etc. eingeschränkt werden sollen. Wir haben es hier mit einem Moloch zu tun, der mit seinen unzähligen Tentakeln überall einzudringen versucht. Es geht somit um umfassende Verstaatlichungen, Verrechtlichungen, Gleichschaltungen in Bereichen, in denen der Staat wegen erwiesener Inkompetenz seiner Repräsentanten einfach nichts zu suchen hat.

          Die Grenzen der nationalstaatlichen Regulierung sind schon längst aufgeweicht. Deswegen sollen die Geschlechterquoten nach dem Willen der EU-Kommissarin Reding ja auf (supranationaler) EU-Ebene verankert werden, sodass sie auf einen Schlag für beinahe ganz West-Mittel-Europa gelten würden. Globalisierung findet eben nicht bloss auf wirtschaftlicher sondern schon längst auch auf politischer Ebene statt. Gender Mainstreaming beispielsweise ist schon etliche Jahre in EU-Verträgen verbindlich festgeschrieben. Der Grossteil der arglosen EU-Bürger weiss auch heute noch nichts davon, weil es unter dem nichtssagenden Label ‘Gleichberechtigung’ firmiert. Gefragt, ob sie diese bürokratische Gendergängelung wollen, wurden die meisten EU-Bürger sowieso nie.

          Die Grundlagen für die bürokratische Diktatur wurden schon vor Jahren geschaffen; jetzt geht es nur noch darum, die Grundsatzentscheidungen umzusetzen, was bei einem solchen riesigen Machtkonglomerat eine gewisse Zeit dauert. Geschlechterquoten sind dabei ein kleines Mosaiksteinchen in diesem Gesamtbild. Ich sehe gerade in der aktuellen Transformation der EU bzw. der Eurozone sehr viele Gefahren zur Errichtung einer europaweiten Despotie. Einige britische Spitzenpolitiker scheinen das inzwischen ebenfalls so zu sehen und nicht bloss ein paar politische Aussenseiter wie Nigel Farage von der UKIP.

        • Michel Houellebecq says:

          Herr Elsener, ich kann mir beim allerbesten Willen nicht vorstellen, dass aus den erw. 0,126 Prozent eines Tages 100 Prozent werden. Ausser man setzt die Rechtstaatlichkeit vollkommen ausser Kraft und installiert eine Art (supra) nationale Ordungsmacht. Was ich im vorwiegend linken Parteienspektrum- dem ich manchmal durchaus auch zugeneigt bin- immer mehr erkenne, ist eine Sehnsucht nach einem allmächtigen Super-Staat. Darunter fällt auch die Quote, die ich unter gar keinen Umständen befürworten kann. Das weckt in mir meine alten, ordoliberalen Reflexe. Entsprechend positioniere ich mich auch politisch.

          P.S. Stimmrechte sind an keinen bestimmten Ort gebunden. Damit ist auch gleichzeitig die Gefahr gebannt, dass selbst bei Aktionären eine Quote droht: Schliesslich wird, zumindest bislang noch, keine Quote ins Auge gefasst, die den ganzen Globus umspannt: Die Gefahr, dass die Erde zu einem durch quotierten Planeten wird, stufe ich nach wie vor (noch) als sehr gering ein.

        • Marcel Elsener says:

          Guten Tag Herr Houellebecq

          Grosskonzerne besitzen erhebliche Macht. Es ist unsinnig einen (börsenkotierten) Grosskonzern mit einer kleinen Familien-AG gleichzusetzen. Die 0,126 Prozent sagen somit gar nichts aus. Ein anderer Kommentator hat es bereits erwähnt. Die wenigen Grosskonzerne erwirtschaften erhebliche Teile der Wertschöpfung in unserer Wirtschaft. Nicht wenige kleine und mittlere Unternehmen sind ihrerseits als Zulieferer für Grosskonzerne von diesen abhängig. Es ist für die Machthaber im Staat also äusserst lukrativ die ‘fetten Pötte’ zu kontrollieren, weil sie damit auch grosse Teile der Wirtschaft kontrollieren. Das ist die logische Strategie auf dem Weg zu einem planwirtschaftlichen Wirtschaftssystem. Ob das wirklich gelingt, wird sich weisen.

          Die Unternehmen unterstehen den Gesetzen in jenen Machtgebilden (Einzelstaaten, EU), in denen sie jeweils tätig sind. Wenn sie dagegen verstossen, werden sie gebüsst. Da kann die Aktionärsversammlung beschliessen, was immer sie will. Wenn das Unternehmen den Hauptsitz in einem Staat mit Quotenregelungen hat, dann muss es sich entweder fügen, wegziehen oder die anfallenden Bussen bezahlen. Letzteres ist auf Dauer sicher keine Option. Solange ein Unternehmen in solchen Staaten Geschäfte tätigt, ist es auf jeden Fall direkt erpressbar. Wenn die EU Quotenregelungen beschliessen sollte, dann hätte das erhebliches Gewicht, weil es dadurch einen grossen politischen und wirtschaftlichen Raum und damit entsprechend viele mächtige Unternehmen beträfe.

          Momentan sieht es nicht danach aus, weil dankenswerterweise die Briten, die traditionell sehr misstrauisch gegenüber grossen Machtakkumulationen auf dem Kontinent sind, die Führung bei der Quotengegnerschaft übernommen haben. Es ist psychologisch sehr wichtig, dass ein Grossstaat mit entsprechendem politischem Gewicht dagegen opponiert. Den kann man nicht so einfach unterbuttern wie einen Kleinstaat. Kritische Kleinstaaten können sich GB anschliessen, was ja jetzt auch erfolgt ist. Gerade die von Ihnen mehrmals genannte Schweiz musste im Zusammenhang mit den Steuerregeln feststellen, wie wenig ihre Souveränität im internationalen Mächtespiel gilt, solange sie auf sich allein gestellt ist.

        • Michel Houellebecq says:

          Grüezi Herr Elsener

          Wir verfolgen im Prinzip ähnliche politische Anliegen, einfach auf unterschiedlichen Wegen. Die 0,126 Prozent sind für mich, das möchte ich betonen, nach wie vor noch irrelevant, u. a. aus folgenden Gründen: In einer globalisierten Welt, mit globalisierten Aktionären, Vorständen und Aufsichtsräten, in denen die betriebswirtschaftliche Wertschöpfung (zumindest im produzierenden Gewerbe [sekundärer Sektor]) genauso global über alle 5 Kontinente verteilt ist, die Steuern aber- und das ist im Zusammenhang mit der Messung des BIP’s nicht unerheblich!- da bezahlt werden, wo das Domizil der Aktiengesellschaft liegt (grosskapitalisiert, keine börsenkotierten KMU wie z. B. im Mid- und Small Cap-Börsensegment der SIX), wird die 0,126-Prozent-Quote m. E. nicht den Schaden anrichten, den Sie vermuten. Aber man kann da durchaus unterschiedliche Ansichten haben- dagegen spricht ja schliesslich nichts. Dass man wachsam bleiben muss, trotz allem, da bin ich mit Ihnen allerdings einig. Irgend etwas haben sich Frau Reding et al. ja schliesslich bei der Miniquote gedacht. Was genau es ist, darüber kann man nur spekulieren.

    • @Michel Houellebecq

      ja, gut, und zu welchem Ergebnis sind Sie nun im Zuge Ihres “In-Sich-Gehens” gekommen?

      Können Sie uns Ihre Idee dessen, worum es bei der Forderung nach einer gesetzlichen Vorgabe einer Frauenquote (in Unternehmensvorständen und anderswo) wirklich geht, mitteilen?

      Wenn es sich dabei um symbolische Politik handelt, welche Symbole werden dann zu welchem (eigentlichen) Zweck eingesetzt? Es sind ja nicht die Gegner von Quoten, die das Thema aufgebracht haben, sondern es haben sich Leute ohne jede theoretische oder empirische Begründung Quoten als Verteilungsinstrumente ausgedacht – und vor allem ohne jeden Bezug auf die Frage, wie sich dies zum meritokratischen Prinzip verhält, durch das allein schon die schlichte Existenz von öffentlich finanzierten Institutionen wie z.B. die Bildungsinstitutionen legitimiert wird, von den Verfahrensweisen in diesen Institutionen ganz zu schweigen.

      Welche Motive, glauben Sie, liegen dahinter? Wenn bestimmte Leute eine “Mücke” zum Anlass nehmen, Gesetze durchdrücken zu wollen, die im Widerspruch zur Verfasstheit einer Gesellschaft (und übrigens auch zum Willen und zur Überzeugung der Mehrheit der Bevölkerung, wie Surveys zeigen,) stehen, dann fragt man sich als rationaler Menschen doch wohl, welcher Elefant durch welche Mittel moderner Sozialalchemie hier aus der Mücke herangezüchtet werden soll, oder!?

      Ich finde diese Frage durchaus spannend und von höchster Relevanz, denn bekanntlich “tomorrow starts today”, und wer today Mücken beiläufig wegwischt, mag sich tomorrow mitten in einer Elefantenherde wiederfinden. Und dann steht man ziemlich hilflos da und weiß (angeblich und wieder einmal) gar nicht, wie es so weit kommen konnte.

      Aber vielleicht ist es ja gerade Teil einer Strategie zur Verfolgung der eigentlichen Ziele, die Teilziele als kaum diskussionswürdig erscheinen zu lassen…..

  5. Frauenhaus - Von Frauen. Für Frauen. says:

    Neben “Lügen”, “Inkompetenz” und “Funktionaler Fixierung” gibt es noch eine vierte Möglichkeit, die übrigens auch erklärt, warum eine EU-Kommissarin für Justiz keine Skrupel hat, Gesetze zu brechen:

    http://bloganddiscussion.com/hee/261/frauenquoten-kriminelle-energie/

  6. Pingback: Die staatsfeministische Gleichschaltung schreitet voran « Kritische Wissenschaft – critical science

  7. Michael Baleanu says:

    Die “Zugehörigkeit zu kultischen Gruppen” scheint eine durchaus plausible Diagnose zu sein ;-).

    Frau Reding will den Frauen per Quote Vorstandsposten sichern, weil Frauen eine besondere Rolle haben. Wer zur “die besondere Rolle der Frau” googelt, wird feststellen, dass alle wichtige Kulte darunter zu finden sind, auch Sekten.

    Die einzige kultische Gruppe, die sich das Lügen offen auf der Fahne geschrieben hat, scheint der Scientology-Kult zu sein: „DER EINZIGE WEG, UM LEUTE ZU KONTROLLIEREN, IST SIE
    ANZULÜGEN“ (H.i.O.).” (http://www.hamburg.de/contentblob/109326/data/scientology-organisation.pdf).

    Angesichts der Tatsache, dass durch Vorstandsposten auch eine wirtschaftliche Macht erreicht werden soll – ebenfalls ein Ziel der Scientologen – ist die Frage berechtigt: Wird hier der Feminismus als nützlicher Idiot der Scientologen missbraucht? Und die EU-Kommission noch dazu?

  8. Michael Baleanu says:

    @Marcel Eisener
    “Die Geschlechterquote bei Aufsichtsräten ist insofern ein Einfallstor, weil nach meiner Erfahrung weitere Quotierungen in anderen Organen der Privatwirtschaft folgen werden.”

    Auf diese Quotierungsphantasien warte ich schon die ganze Zeit. Vielleicht kommen dann noch mehr Menschen solche Gedanken wie Ihnen.

    Diese Hydra, die sich hier breitmacht, wird sich aber hüten, da Quoten zu verlangen, wo sie sich entlarven würde: Bei den Fliesenlegern oder beim Patentamt!

    Mann stelle sich die Forderung vor: “Alle Räder stehen still, bis die Quotenfrau erfinden will!”

    Das würde sicherlich viele Unternehmer endlich aus ihrem lethargischen Schlaf aufwecken, denn spätestens dann, würden sie das real existierende Matriarchat erkennen und angreifen.

    1998 hatte Henryk Broder im Spiegel den Aufsatz “Endstation Apartheid!” veröffentlicht (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-7830085.html).

    Danach hatte die Hydra einiges langsamer angehen lassen. So hatte sich z. B. das „Tutzinger Damensalon“ in „Tutzinger Salon“ umtaufen lassen, die feministische Ausrichtung blieb aber. Zwar dürfen nun auch Männer daran teilnehmen, die Ausrichtung blieb.

    Dieser schleichende Prozess scheint den meisten Mitbürgern nicht klar zu sein. Sie verhalten sich wie der berühmte Frosch im Topf mit kaltem Wasser über ein offenes Feuer: Er wird als Suppe im Teller der Mächtigen enden!

    • Marcel Elsener says:

      Guten Tag Herr Baleanu

      Sie haben natürlich vollkommen Recht. Die Quotenbefürworter werden sich hüten den Bogen zu überspannen, weil sonst der der Quotenideologie innewohnenende Schwachsinn für alle offenbar würde.

      Es gibt noch einen anderen Grund, weshalb sich die Quotenbefürworter ausschliesslich auf Spitzenjobs konzentrieren. Im Topmanagement ist viel Macht zu erlangen. Indem man quotenprivilegierte Frauen auf solche Posten hievt, erlangt man deren Loyalität. Die Quotenfrau wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch weitere staatliche Einflussnahmen loyal befürworten, weil sie ja nur durch die Staatsmacht überhaupt an ihren Job gelangt und nun von dieser abhängig ist. Fliesenleger oder Müllmänner besitzen keine Macht, weshalb sich eine Quotierung bei denen auch nicht lohnt.

      Die Hydra wird sich somit primär in Machtpositionen breitmachen, wovon die Aufsichträte die erste Etappe sind. Der Feminismus ist hier lediglich Mittel zum Zweck, und die Feministinnen sind die nützlichen Idioten der übergeordneten Politik.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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