Intersektionalität oder: Die können nur Hass und Opfer

Es gibt wieder einmal eine Solidaritätserklärung.

ZTG HU BERLINEine vom Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität in Berlin.

Eine zu “aktuellen Kampagnen gegen Wissenschaftler … und gegen die Gender Studies, insbesondere zur Diffamierung von Prof. Dr. Hornscheidt”.

Eine, die wieder niemand unterschrieben hat, so dass man denken könnte, die/der/das am Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien angehängte Lann Hornscheidt sei hier in eigener Sache und mit sich selbst, in welchem Geschlecht auch immer, solidarisch.

Das könnte man denken.

Und damit wäre man dann, der Behauptung nach, die regelmäßig im Zusammenhang mit Lann Hornscheidt wiederkehrt und lautet, dass Denken den Prof ausmacht, ein Professor.

Aber lassen wir das.

Denn: Es ist viel interessanter, die Solidaritätserlkärung zu analysieren, und zwar unter drei Stichworten, die sich bei der Lektüre aufdrängen:

  • Undifferenzierter und gar nicht vielfältiger Hass,
  • Opferstatus,
  • Paranoia

Hass

hate_speech1Hass macht blind, so heißt es, und es ist etwas Wahres dran, denn mit Sicherheit führt Hass zu einer Einengung der Perspektive, zu einem Framing wie Tversky und Kahneman es beschrieben haben, das die Wahrnehmung beschränkt und im schlimmsten Fall zu einer Fixierung wird, die nur noch einen Modus der Wahrnehmung erkennen lässt – einen Modus, den man als Modus der intellektuellen Amöbe beschreiben könnte.

In diesem Modus wird alles, was von außen, also in diesem Fall von außerhalb eines als freundlich etikettierten eigenen Kults, kommt als feindlich wahrgenommen: wahllos, unterschiedslos und einförmig.

Negative Reaktionen auf einen Vorschlag, z.B. den die deutsche Sprache zu durch-zu-xsen, werden zur Diffamierung erklärt.
Fragen nach dem Grund dafür, dass Lann Hornscheidt eine universitäre Position inne hat, werden zur Diffamierung erklärt.

Kritik an Lann Hornscheidt wird zur Diffamierung erklärt.

Kritik am Genderismus wird zur Diffamierung erklärt.

Berechtigte Forderungen, die an Lann Hornscheidt oder Genderisten gestellt werden, werden zur Diffamierung erklärt.

Und man könnte die Reihe fortsetzen. Aber Wissenschaftler sind an allgemeinen Gesetzmäßigkeiten interessiert, und die Gesetzmäßigkeit, die sich aus Reaktionen von Genderisten auf Kritik oder Fragen immer wieder zeigt, läßt nur einen Schluss zu:

Genderisten im Allgemeinen und Lann Hornscheidt im Besondern fürchten nichts so sehr, wie Fragen nach der Legitimation der eigenen Position, nach der Begründung ihrer Behauptungen und Forderungen. Derartige Fragen können sie offensichtlich nicht beantworten, das haben sie nunmehr hinlänglich belegt, und deshalb reagieren sie mit Hass, weil sie fürchten, der mit Steuergeldern gefüllte Napf, an dem sie sich die ganze Zeit so fraglos bedienen konnten, wird ihnen weggenommen.

Eine durchaus berechtigte Furcht.

Opferstatus

Gender KultDer Opferstatus ist ein wiederkehrendes Motiv im Lamento der Genderisten, es ist die genderistische Entsprechung zum katholischen Glaubensbekenntnis. Er inszeniert das eigene Opfertum, das Genderisten umgeben von den mordenden Horden des Patriarchats tapfer das Evangelium des Genderismus verbreiten sieht. Im vorliegenden Fall wird wieder die Nummer mit der heiligen Jungfrau gegeben. In der Hauptrolle pikanter Weise dieses Mal das Lann Hornscheidt.

Lann Hornscheidt ist urplötzlich und ohne sein Zutun zum Gegenstand einer “unsägliche[n] Hasskampagne” geworden, die sich “in sozialen Medien” und “in offenen Briefen an die Universitätsleitung der HU und an die Berliner Wissenschaftssenatorin” äußert. Hier trifft sich das Motiv der Opferrolle mit dem oben beschriebenen Hass Modus der Amöbe, die alles, was von außen kommt, seien es Fragen, Anregungen oder Kritik nur unter Hass abspeichern kann. Die intellektuelle Amöbe ist eine Vegetationsform, die nicht mehr im Stande zu sein scheint, überhaupt Kontakt mit Personen der Außenwelt herzustellen, weshalb sie – wie beschrieben – mit Hass reagiert.

Reize aus der Außenwelt treffen die Amöbe völlig unvorbereitet und werden auch nicht als Reaktionen auf etwaige Externalitäten, die von der intellektuellen Amöbe ausgehen, wahrgenommen. Sie sind Reaktion und damit schlicht Hass, denn die intellektuelle Amöbe kennt neben dem Hass-Modus nur den Verkündungs-Modus: Amöbe an Welt. Welt an Amöbe ist nicht vorgesehen.

Meldet sich die Welt dennoch, dann kann es sich, per definitionem nur um Hass handeln, denn Fragen, Kritik, ja gar Widerspruch, das ist im intellektuellen Amöbe-Modus nicht programmiert.

Paranoia

Das Problem, das intellektuelle Amöben eher früher als später einholt, ist mit einem Wort zu beschreiben: Umwelt. Auch intellektuelle Amöben schaffen es nur für eine relativ kurze Zeit, die Illusion einer manipulierbaren, aber nicht reagierenden Umwelt aufrecht zu erhalten. Und reagiert die Umwelt erst einmal auf Externatlitäten, die von der intellektuellen Amöbe ausgehen, dann aktiviert dies den Modus Hass, der sich zum Modus Paranoia übersteigert, dem Modus, der die Unvereinbarkeit des Heiligkeitsstatuses, den die Genderisten als Inkarnationen der intellektuellen Amöbe für sich reklamieren, mit der Umwelt zum Ausdruck bringt.

Paranoia stellt das Opfer in die Welt – gezwungenermaßen. In der Welt findet sich das Opfer “einer Flut persönlicher Diffamierungen und Gewaltdrohungen” ausgesetzt. Es sieht sich “koordinierten Attacken” gegenüber, die sich im vorliegenden Fall nicht nur gegen das Lann, sondern gegen das innerste Sanktuarium, das ZtG selbst richten. “Universitäre Geschlechterforschung” werde als “unwissenschaftlich geschmäht”, und jetzt kommt es:

“Offenbar kristallisiert sich gerade an den Gender Studies, wo Normen und Machtgefüge systematisch in Frage gestellt werden, eine gegenwärtige Gemengelage aus Sexismus, Homophobie und Transdiskriminierung, aber auch aus Sozialneid, Angst vor dem Verlust imaginärer Macht und vor der Auflösung bekannter Normierungen.”

Gender Kult 2Kann man das eigene Sendungsbewusstsein besser in Worte fassen, das Sendungsbewusstsein, das Genderisten zum Teil der intellektuellen Amöbe macht und entsprechend und aus ihrer Sicht erhöht, sie zu einer Gruppe der Außererwählten macht, denen die Wahrheit von der intellektuellen Amöbe mitgeteilt wurde, eine Wahrheit, die ihnen zur Verbreitung aufgetragen wurde?

Es ist dies kein einfacher Auftrag, denn die Welt ist schlecht und für die Wahrheit nicht gewappnet. Sie ist voller falscher Propheten, voller Jesuse und Mohammeds, voller Krischnas und Buddhas und falschen Azathoths. Nein, es gibt nur eine wahre Religion, die Religion der intellektuellen Amöbe, die im Genderismus Wort geworden ist. Und wer das nicht glaubt, der wird schon sehen, was er davon hat, wenn am Tag des jüngsten oder zweitjüngsten Gerichts die intellektuelle Amöbe die Guten ins Genderparadies und die Bösen in die Machohölle verteilt.

Amen.

Bleibt noch die Nachbereitung der Frage: Warum sind die Genderisten so darauf versessen, an Universitäten zu sitzen, sich wissenschaftlich zu nennen und sich damit mit einer Last zu beladen, die sie als Sekte nun einmal nicht zu tragen im Stande sind? Die Antwort darauf ist einfach: Weil es die einzige Position ist, in der man bislang jeden Unsinn erzählen konnte, behaupten konnte, das sei Wissenschaft, weil das Ergebnis von Denken und für diesen Unsinn auch noch bezahlt wurde.

Der Hass der Genderisten richtet sich nicht per Zufall gegen alle, die die Wissenschaftlichkeit von Genderisten und Genderismus hinterfragen. Von hier kommt die Bedrohung, denn die Genderisten haben keine Antworten auf so einfach Fragen, wie die folgenden:

  1. Was hat Genderismus an Universitäten zu suchen?
  2. Welchen konkreten Nutzen hat Genderismus der Wissenschaft gebracht?
  3. Welchen konkreten Schaden hat Genderismus der Wissenschaft zugefügt?
  4. Wie rechtfertigen Genderisten ihre Finanzierung durch Steuerzahler?
  5. Welcher Nutzen entsteht Steuerzahlern durch Genderismus?
  6. Was ist wissenschaftlich am Genderismus?
  7. Welche wissenschaftliche Methode nutzt der Genderismus?
  8. Welche prüfbare und nachvollziehbare Erkenntnis hat der Genderismus erbracht?
  9. Wo sehen Genderisten, den Unterschied zwischen Ideologie und Wissenschaft?
  10. Wie sehen Genderisten das Verhältnis zwischen wissenschaftlicher Forschung und Sozialtechnologie?
  11. Wie ist das Verhältnis von Genderisten zu Demokratie und dem erklärten Mehrheitswillen?
  12. Hat der Mehrheitswille Primat vor der Sozialtechnologie, oder soll Sozialtechnologie den Mehrheitswillen brechen?
  13. Sind Straftaten legitime Mittel, um den Mehrheitswillen zu brechen?
  14. Ist Kritik außerhalb von Hasskampagnen für Genderisten vorstellbar? Wenn ja, wie äußert sich die entsprechende Kritik?
  15. Auf welcher Erkenntnistheorie basiert der Genderismus

Wir wundern uns schon seit Monaten, warum es Genderisten nicht möglich ist, denen, die außerhalb ihres Kultes stehen und die genannten Fragen stellen, die Antworten auf diese einfachen Fragen zu geben. Wenn Genderismus, wie seine Anhänger behaupten, eine Wissenschaft ist, dann sollte es ein Leichtes sein, diese Antworten zu geben. Dass sie seit Monaten nicht gegeben werden und Genderisten seit Monaten mit Beschimpfungen, mit der Intonation von Hass und der Inszenierung des Opferstatus’ reagieren, spricht daher für sich – ebenso wie es für sich spricht, dass in keinem Bereich wissenschaftlicher Forschung legitime Fragen, wie die genannten, als Hasskampagne bezeichnet werden.

 

Print Friendly, PDF & Email

About Michael Klein

… concerned with and about science

7 Responses to Intersektionalität oder: Die können nur Hass und Opfer

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Intersektionalität oder: Die können nur Hass und Opfer | netzlesen.de

  2. Axel says:

    Hoch, hoch, hoch die intersektionale Soli-, Solidaritääät!

    Professx Lann und Genossxs sind also mit sich selbst solidarisch. Oder wie ist das zu verstehen? Eine Unterschrift mit den Namen fehlt nämlich.

    Eine juristische Person wie das Zentrum für Trans-Tralala-Studien kann nämlich nicht solidarisch sein. Sonst könnte ich auch im Namen meines Mifa-Fahrrades oder meines Goldhamsters Ferdi Solidaritätsadressen verfassen.

    Da ist wohl jemand zu feige, seinen Namen zu nennen. Ist ja auch nachvollziehbar – bei den Horden mordlustiger “Maskus”, die 24h täglich vorm Institut mit frisch gewetzten Messern lauern.
    Weil die Humbug-Genderixe ja so bedeutende Wissenschaftler sind.

  3. alphachamber says:

    In der l e t z t e n Frage liegt doch der Schlüssel zu allen vorhergehenden.
    Genderismus ist nur ein Symptom einer Gesellschaft, deren ethischer und philosophischer Kompass zerbrochen ist und welche die Bedeutung der Vernunft herabwertet oder komplett verneint.
    Jedes Wesen ist sich selbst genug (L. Feuerbach), aber Rationalität, in diesem Zusamenhang, ist hinderlich für diejenigen, die für Bestätigung ihrer Person auf Mitmenschen angewiesen sind.
    Feminismus, Genderismus, Anti-ismen und Aktionismus (fast) jeglicher Art, ist im Grunde verzweifelte Suche nach Anerkennung. Westliche, progressive Gesellschaften, in denen sich der moderne Kult des Altruismus verbreiten konnte, ist idealer Nährboden für dieses Phänomen.
    In dem heraklischen, fließenden Universum der Humanität erfährt die Vernunft eine neue Definition: Alles für andere ist “gut”. Das “Gute” ist vernünftig – und wird damit Wissenschaft.
    (Siehe auch: http://liberalerfaschismus.wordpress.com/2014/11/16/vernunft-oder-menschlichkeit-2/

    Grüße

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      “In der l e t z t e n Frage liegt doch der Schlüssel zu allen vorhergehenden.”

      Das mag sein, aber so leicht wollen wir es den Genderisten nun doch nicht machen, oder!?

  4. Das ist wieder eine von diesen völlig inhaltsleeren verbalen Erleichterungen, die den uneingeschränkten Mangel an Kommunikationsfähigkeit auf Seiten der Genderisten illustrieren:

    “Offenbar kristallisiert sich gerade an den Gender Studies, wo Normen und Machtgefüge systematisch in Frage gestellt werden, eine gegenwärtige Gemengelage aus Sexismus, Homophobie und Transdiskriminierung, aber auch aus Sozialneid, Angst vor dem Verlust imaginärer Macht und vor der Auflösung bekannter Normierungen.”

    Wir überlegen gemeinsam: Wie ist eine solche kommunikative Botschaft anschlussfähig?

    Mir fällt allein eine Erwiderung ein:

    “Offenbar kristallisiert sich gerade an der kritischen Sozialwissenschaft, wo Normen und Machtgefüge, wie Lobbyisten sie durchsetzen möchten, systematisch in Frage gestellt werden, eine gegenwärtige Gemengelage aus Sexismus, Heterophobie und Männer-Diskriminierung, aber auch aus Angst vor Basis-Demokratie, sozialem Abstieg, Angst vor dem Verlust imaginärer Macht und vor der Auflösung identitätsbildender Ideologien und sozialer Identitäten bekannter Normierungen.”

    Und jetzt?

    Auf dieser Basis sind schwerlich die gaaaaaanz tollen Gespräche möglich, die diejenigen, die mit Sprache und Kommunikation hantieren, doch sicherlich sehr schätzen.

    Als Pfälzer fällt mir da nur einmal mehr ein: Herr, schmeiß’ Hirn – oder auch nur sprachliche Effizienz!

    • alphachamber says:

      Nun ja, der Mensch denkt durch die Sprache – und:
      “Man (sorry, Gandhi kannte noch keinen Genderismus) is but a product of his (sorry) thoughts, what he (nochmals sorry) thinks he (abermals sorry) he becomes”. Nun verlangen Sie von den armen Genderisten die Selbstverleugnung 🙂

  5. Orwell says:

    Naja, wenn es nur um

    Zitat:
    “…Angst vor dem Verlust imaginärer Macht… ”

    geht, ist doch alles gesagt.

    Wenn die männliche Macht nur imaginiert ist, das von den “Autorx dex Solidaritätserklärx” in selbiger sogar erklärt wird, brauchts auch keinen “Kampf” dagegen. Welche Wissenschaftler kämpfen gegen imaginierte Feinde?

    Somit ist der Genderismus von seinen Protagonisten selbt erklärt obsolet.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

Translate »
error: Content is protected !!
Skip to toolbar