Zu viel Demokratie ist schlecht für das dumme Volk

Die Zeit der Rabulisten ist angebrochen. Rabulisten verdrehen Tatsachen, versuchen durch Spitzfindigkeiten und Sophismen aller Art und durch Fehlschlüsse die eigene Position durchzusetzen.

WELT SchusterJacques Schuster übt sich in Rabulistik. Er tut dies in der WELT, und er tut dies, um den Deutschen die direkte Demokratie madig zu machen. Soll bloß niemand auf die Idee kommen, eine Volksabstimmung in Deutschland zu fordern.

Denn: “Das Grundproblem der Demokratie besteht darin, dass das Volk die Quelle aller öffentlichen Gewalt ist, aber diese nicht selbst ausüben kann“.

Diese These von Schuster, sie steht im zweiten Teil seines Beitrags und sie ist quasi der Höhepunkt der Sophisterei, ein Sprachtrick, der Eindeutigkeit vorgaukeln soll: Der Trick beginnt mit dem Volk, von dem Schuster weiter feststellt: „Es gibt kein Volk, außerhalb der Verfassung“. Und obwohl es außerhalb der Verfassung kein Volk gibt, wie Schuster meint, setzt sich das Volk (das es nicht gibt), „aus dir und mir, ihm und ihr zusammen. Alle Staatsbürger gehören dazu“, wie er wenig später zum Besten gibt

Also gibt es ein Volk, das es gibt, und es gibt ein Volk, das es nicht gibt. Das Volk das es gibt, das ist das konstituierte Volk, das sind die Parlamentarier im Parlament. Das Volk, das es nicht gibt, das sind wir alle, die wir Fleisch geworden sind, denn wir sind nur wir, nicht das konstituierte Volk.

Man fühlt sich an Catweazle erinnert, der in einen Telefonhörer wispert: Spirits, are you there?

Catweazle magic boneWas Schuster sagen will ist schnell gesagt: Wir alle, wir sind nicht in der Lage zu regieren. Wir sind zwar alle irgendwie ein Volk (oder auch nicht), aber was wir alle sagen, mit einfacher Mehrheit am Ende noch, das ist uninformiert und falsch. Informierte und richtige Entscheidungen kann nur das konstituierte Volk treffen, jenes Volk, das es in unserem täglichen Leben nicht gibt, sondern nur in seiner Inkarnation als Parlament: Das Parlament, voller Kompetenz und Qualifikation und „von Experten beraten“, wie Schuster weiß, „es war stets ein Motor der Freiheit oder ist doch immer dazu geworden“.

Wenn ein Parlament doch immer zum Motor der Freiheit geworden ist, dann kann es nicht stets der Motor der Freiheit gewesen sein. Was zeigt, Schuster erzählt Unsinn, wie Leute gewöhnlich Unsinn erzählen, die partout darauf aus sind, ihr Heil anderen als deren Erkenntnis unterzuschieben. Die Erkenntnis, die Schuster uns unterschieben will: Gäbe es in Deutschland Volksabstimmungen, dann wären deutsche Gesetze absurd, es gäbe eine Mehrheitsdiktatur und Deutschland hätte nie Wohlstand gesehen. Denn nur die Hochintelligenten im Parlament sind in der Lage, die Geschicke des Vaterlands in die richtige Richtung zu leiten, z.B. mit einer Zwangsfrauenquote für Unternehmen oder mit der Finanzierung der eigenen Vasallen in Parteistiftungen. Mit Recht befürchtet Schuster, dass es beide Formen des Nepotismus nicht gäbe, würde darüber in einer Volksabstimmung abgestimmt.

Aber die Volksabstimmung, sie ist dem deutschen Wesen fremd, wie Schuster herausarbeitet, wenn er ruft, „Kommt nicht immer mit der Schweiz. Sie hat eine andere Tradition“. Es ist derselbe Schuster der sich wenige Absätze weiter fragt: „Warum kam keiner der britischen Vertreter für das Plebiszit auf die Idee, vorher eine Zwei-Drittel-Mehrheit festzuschreiben“. Schuster! Komm uns nicht damit. Das Vereinigte Königreich hat eine andere Tradition. Seit Jahrhunderten gilt hier das einfache Mehrheitswahlrecht. Hast Du das nicht gewusst, oh Schuster?

Und damit sind wir doch wieder beim BREXIT, bei jenem Fiasko der deutschen Außenpolitik, die seit Jahrzehnten darauf abzielt, International- statt Nationalstaat zu werden. Am BREXIT kann man sehen, was passiert, wenn man die eigenen Bürger fragt, und an dem, was Schuster zum BREXIT zu schreiben hat, kann man sehen, dass Rabulistik aus Verdrehungen, Falschaussagen und logischen Fehlern besteht:

Der BREXIT war die Stunde der Possenreißer und Hetzer, so schreibt Schuster, und recht hat er. Zum Glück sind die Briten nicht auf europäische Possenreißer und Remain-Hetzer hereingefallen und haben für den BREXIT gestimmt. So hat er das nicht gemeint? Stimmt vermutlich! Schuster versucht, seine Bewertung seinen Lesern unterzuschieben. Einer der eher plumpen rhetorischen Tricks, die man billigen Managementbüchern entnehmen kann.

BREXIT_Referendum„Ein Teil der Bevölkerung wiederum ging an die Urnen und zog hinterher an die heimischen Computer, um zu googlen, was ‚EU‘ eigentlich bedeutet“, schreibt Schuster. Ach, diese dumme Bevölkerung, diese dummen Briten. Da stimmen sie ab und wissen gar nicht worüber. Da sieht man, dass man dem Volk, also uns allen, die wir nach seiner Ansicht das Volk gar nicht sind, keine Volksbefragung anvertrauen kann. Wir Dilettanten stimmen ab und wissen gar nicht worüber. Oder ist etwa Jacques Schuster der Dilettant, der Dumme [Eine Vermutung, die naheliegt, denn Schuster ist ja gar nicht im Parlament], der Dinge behauptet, die er aufgeschnappt hat und die falsch sind, wie z.B. die absurde Behauptung, viele Wähler wären nach der Wahl bei Google vorbeigegangen, um sich nach der EU zu erkundigen. Diese Falschmeldung ist eigentlich zu dumm, als dass man sie tatsächlich glauben kann, sofern man bei normalem Verstand ist.

Und schließlich zeige der BREXIT, dass das Volk die öffentliche Gewalt nicht ausüben könne. Warum? Na, weil das britische Volk falsch (also das Volk, das es nach Schuster gar nicht gibt, nur als Parlamentarier gibt) gewählt hat. BREXIT eben. Das war falsch. Konklusion Schusters: Volksabstimmung nicht brauchbar. Bewertung von uns: Klassischer Fehlschluss der Bejahung des Konsequens und zudem Ergebnis, des abermaligen Schusterschen Versuchs, seine Bewertung seinen Lesern unterzuschieben.

Und die Moral von der Geschicht‘: Diejenigen, die sich für Intellektuelle halten, für die Avantgarde des Volkes, diesem dummen Haufen von ihr alle, der keine Ahnung von den komplizierten Entscheidungen hat, vor denen die hochintelligenten und umfassend gebildeten Vertreter dieses dummen Volkes, die von diesem dummen Volk gewählt wurden, im Parlament stehen: Sie wissen Bescheid. Der Heiligenschein der Intelligenz, er umkränzt die Parlamentarier ab ihrem Übertritt in das Parlament, trennt sie von der Dummheit des Volkes, zu dem sie, wie Schuster ja ausdrücklich feststellt, doch gehören.

Sind sie erst einmal im Parlament, dann wird aus dem Studenten der Theaterwissenschaft, der es zwei Monate ausgehalten hat, ein Intelligenzbolzen, der selbst Einstein in den Schatten stellt und aus dem, der nie etwas gearbeitet hat, der Studium, Partei, Parlament als Karriereweg vorzuweisen hat, wird der allumfassend Erfahrene, der seinen Senf zu jedem Bereich des täglichen Lebens geben kann, eben weil er so erfahren ist. Es ist ein wahres Tabernakel der Magie, jenes Parlament, das noch dem Dümmsten den Glauben vermittelt, er sei besser qualifiziert, „komplexe Entscheidungen“ zu treffen als ein Busfahrer aus Mühlheim an der Ruhr.

Gesetze wie z.B. das Kriegsermächtigungsgesetz von 1914, das im deutschen Reichstag mit großer Mehrheit beschlossen wurde oder das Ermächtigungsgesetz von 1933, das vom deutschen Reichstag mit großer Mehrheit beschlossen wurde, oder die vielen kleinen Gesetzen und Entscheidungen zur Selbstbegünstigung des konstituierten Volkes, in der Sprache von Schuster, also zur Selbstbereicherung der Parteien und Parteivertreter, die im Bundestag versammelt sind, sie zeugen von diesen Qualifikationen. Manche dieser Selbstbereicherungspraktiken waren so krass, dass sie vom Bundesverfassungsgericht kassiert wurden, z.B. im Jahre 1966 als die Richter entschieden, das es mit dem “Grundsatz der freien und offenen Meinungs- und Willensbildung vom Volk zu den Staatsorganen” nicht vereinbar sei, “den Parteien Zuschüsse aus Haushaltsmitteln des Bundes für ihre gesamte Tätigkeit” zu gewähren und die “dauernde finanzielle Fürsorge für die Parteien zu einer Staatsaufgabe zu machen” (BVerfGE 20: 56).

Aber dem Volk, also uns, die wir nicht das konstituierte Volk im Parlament sind, uns kann man nicht trauen.

Auf welchem Planeten oder von welchen Auftraggebern lebt eigentlich Herr Schuster? Aber er hat die Prügel, die er für seinen unsäglichen Beitrag ernten wird, ja vorhergesehen. Wie schreibt er zu Beginn seines Beitrags: „Kaum einer wagt es, seine grundsätzlichen Zweifel an der Volksabstimmung in die Debatte zu werfen“. Der Zeitgeist verhindere dies, so hat es ein anderer Geist dem Schuster eingegeben. Aber Schuster ist unbeirrt: „Hört endlich auf, den Irrsinn der direkten Demokratie für eine ernsthafte demokratische Alternative zu halten“, so schreit er seine Leser an.

Die rhetorischen Tricks sind so verstaubt, dass wir jetzt noch husten. In welchen schlechten Managementbüchern stehen sie? Sie müssen in derartiger Beraterliteratur stehen. Das belegt ihre Häufigkeit. Bei uns im Blog kommen sie des Öfteren in der Form: „Wetten, dass Sie diesen Kommentar nicht veröffentlichen?“ an. Wette gewonnen, sagen wir dann immer, und löschen den Kommentar. Bei Schuster kommt der alte Trick mit der falschen Frontstellung als Glorifizierung der eigenen Position daher: Alle intelligenten Deutschen sind feige, sagen nicht, was sie wirklich von Volksabstimmungen halten! Alle? Nein. In der Redaktion der WELT, im letzten Zimmer, gleich vor der Kaffeemaschine, da sitzt ein Held, ein Held, der immer seine Meinung sagt, der sich gegen den Zeitgeist ins Zeug wirft und schreit: „Hört auf mit diesem Irrsinn der direkten Demokratie!“

Nebenbei bemerkt, es gibt gar keine nennenswerte direkte Demokratie in Deutschland. An welche Volksabstimmung erinnern Sie sich? Welchen Politiker in Amt, der die Idee einer Volksabstimmung ernsthaft erwägen würde, kennen Sie? Uns scheint, der glorreiche Ritter von der rabulistischen Gestalt, der Jacques Schuster, er stürmt mit seinem Kriegsross eine zeitgeistliche Festung, die es gar nicht gibt. Zu keinem Zeitpunkt wurde von den Deutschen mehr verlangt, als dass sie ein Kreuz im Kreis hinter einer Partei machen und ansonsten die Klappe halten und über sich ergehen lassen, was aus der Halle der Erleuchteten, die Schuster euphemistisch das Parlament nennt, auf die Menschen niederkommt. Was auch immer auf sie niederkommt: Es ist zu ihrem besten, denn eines muss sich das Volk ein für alle Mal merken: das konstituierte Volk, also die Merkels, die Steinmeiers, die Becks, sie sind das wahre Volk und wissen besser, was für uns alle, die wir das falsche Volk sind, richtig ist. Herr Schuster hat es gesagt. Und wer würde an Jacques Schusters Wort zweifeln, am Wort dessen, der schon einmal in die Nähe des Heiligenscheins des deutschen Bundestags gekommen ist und dort aus dem Füllhorn der Erkenntnis getrunken hat (oder war es die Akkreditierungsliste des bezahlten Bekenntnisses?).

Der Platz auf der Akkreditierungsliste würde zumindest erklären, warum Schuster die Trommel für Totalitarismus rührt. Denn Demokratie kann es nur als Volkherrschaft geben. Alles, was mehr oder weniger davon abweicht, ist etwas anderes: Parlamentarismus, die Herrschaft derer, die wie auch immer in einem Parlament gelandet sind, ist eine mehr oder weniger große Abweichung von Demokratie. Die Angst derer, die sich dem Parlament nahe wähnen oder ihm angehören, vor einer Volksbefragung, sie ist daher ein Maß dafür, wie groß die Abweichung von Demokratie schon ist.


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16 Responses to Zu viel Demokratie ist schlecht für das dumme Volk

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  2. St. Elmo says:

    “Das Grundproblem der Demokratie besteht darin, dass das Volk die Quelle aller öffentlichen Gewalt ist, aber diese nicht selbst ausüben kann”

    In einer Diktatur bestünde dieses Grundproblem natürlich nicht…

  3. Gereon says:

    Im Parlament sitzen:
    – Schul und Studienabbrecher ohne eine abgeschlossene Ausbildung und ohne praktische Berufserfahrung.
    – Beamte, die in ihren Ämtern offenbar nicht gebraucht wurden/werden
    – Juristen, die nirgendwo anders unterkamen.

    Episodenhaft kommt immer mal wieder die Spitze eines Eisberges an Drogen und Alkoholproblemen ans Tageslicht.

    Dazu ein Milliardenkabinett (15 Nullen) aus dem selbigen Sumpfe emporgehoben.

    Wenn das (schlimmstmöglichen Begriff einfügen) besser urteilen soll als eine Schwarmintelligenz, heiss ich Schicklgruber.

    Die können nichtmal richtig Englisch um die englischen Entmächtigungsgesetze lesen zu können, über die sie abstimmen. Bekommt man diesen inuitiven Zugang zum Wahren und Richtigen automatisch, wenn man abgeordnet wird oder kommt das von den Drogen? Wenn letzteres, bitte ich um genaue Angaben, was wieviel genommen werden muss und beanspruche dieselbe Urteilsüberlegenheit für mich.

  4. Heike Diefenbach says:

    Kurzfassung unseres Textes:

    1. Weil Herr Schuster zum tumben Volk gehört – er ist weder Parlamentarier noch beratender “Experte” des Paralments -, ist er zu kognitiven Transferleistungen unfähig.

    2. Weil Herr Schuster zu kognitiven Transferleistungen unfähig ist, erkennt er nicht, dass er selbst zum tumben Volk gehört.

    3. Weil Herr Schuster nicht erkennt, dass er selbst zum tumben Volk gehort, meint er, er könne irgendetwas (angemessen, versteht sich,) beurteilen und irgendjemanden würde es interessieren, welche persönliche Rechtfertigung er für sein Den-Führern-Blind-Folgen hat.

    4. Wenn Schuster Recht hat, dann hat er Recht, und das bedeutet:
    nach seiner eigenen Argumentation (nennen wir es einfach einmal so) hat niemand einen Grund dafür, sich für das zu interessieren, was er von sich gibt.

    Die Frage ist dann: warum meint er dennoch, sich kompetent äußern zu können?

    Möglicherweise liefert hierfür eine narzisstische Persönlichkeitsstruktur eine Erklärung.

    Aber egal, festzuhalten ist:

    Wenn man Schusters Prämissen teilt, gibt es keinen Grund, ihm als dem tumben Volk zugehörig überhaupt zuzuhören.

    Wenn man Schusters Prämissen nicht teilt, gibt es keinen Grund, ihm zuzuhören, weil er aufgrund seiner Unfähigkeit zu kognitiven Transferleistungen offfensichtlich eine Negativselektion des Volkes darstellt.

    In JEDEM Fall gibt es keinen guten Grund, Schuster zuzuhören, jedenfalls keinen inhaltsbezogenen.

    Allerdings enthalten seine Äußerungen eine Meta-Botschaft, nämlich die, dass die Vertreter des Totalitarismus unter uns sind und der demokratische Konsens, der noch vor wenigen Jahrzehnten mehr oder weniger allumfänglich herrschte, inzwischen ganz offen von entsprechend geneigten Seiten aufgekündigt wird.

    Und DAS zu realisieren, und zwar möglichst rasch, und entsprechend darauf zu reagieren, ist, glaube ich, für jeden von uns wirklich wichtig.

  5. Jürgen says:

    Ein preußischer Innenminister sagte den Inhalt des WELT-Artikels aber prägnanter:

    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    – Gustav von Rochow
    (1792 – 1847), preußischer Innenminister

    Historisch verendete diese Minister also mit dem sogenannten Vormärz.

    Den Vorsitz der Kommission die das GG (nach dem Diktat der West-Alliierten) formulierte, war ein gewisser Adenauer. Später wie Merkel, CDU. Er setzte sich insofern durch, als er die vorgeschlagenen bundesweiten Volksabstimmungen ablehnte. Seine bekannte Begründung: das Volk ist zu emotional. Daß die Abgeordneten auch aus dem emotionalen Volk kommen und durch undurchsichtigen Fraktionszwang sowie Eigen- und Fremdinteressen zu weit größeren Fehlentscheidungen neigen, überging Adenauer. Macht war für ihn, wie für andere CDU-Granden nichts, was das Volk angeht oder in einer Demokratie mit dem Volk zumindest geteilt werden muss. Ihm war es völlig egal ob im GG Art. 20 steht “Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.”. Aktuell Lammert/CDU in der Welt:

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article156922594/Lammert-lehnt-Volksentscheide-auf-Bundesebene-ab.html

    Wobei erstaunlich ist, daß die WELT hier Kommentare zulässt. Naja, die werden ja direkt von einem Dienstleister in den USA gemanagt. Mit möglicherweise direkten Draht zur NSA. Weshalb ich dort keinen Leserbrief absondere.

    Für mich ist die CDU (aus diesem und anderen Gründen) eine Partei, die vom Untertanengeist lebt und auch nur von Menschen erwählt wird, die sich wünschen, Untertan zu sein und zu bleiben.

  6. Werner Fütterer says:

    Kann mir mal jemand helfen?Ich verstehe das nicht: Wenn ich Schuster`s Bewertungsmuster in Excel eingebe kommt immer “Zirkelbezug”.
    Also, wenn das Volk zu dumm ist, um in Referenden,Abstimmungen und sicher auch Wahlen als einer Form der Abstimmung richtige Entscheidungen zu treffen, wie kann es dann bei der Wahl seiner Elitevertreter richtige Entscheidungen treffen?
    Oder anders, wenn dieses dumme Volk grundsätzlich falsch wählt (was ich nicht wirklich grundsätzlich bestreite ), wie können dann die falschen Gewählten für das Volk richtige Entscheidungen treffen?Sind das dann noch “falsch gewählte”?
    Wenn Schuster Recht hat, beweist er damit, dass die Dummheit der Wähler keinen Einfluss auf die Qualität des Wahlergebnisses hat,oder???

    • Heike Diefenbach says:

      Sie haben Recht: Was Schuster erzählt, ist nicht zu verstehen bzw. macht keinen Sinn, denn es steckt voller Widersprüche, von denen Sie ja einige genannt haben.

      Mein Lieblingswiderspruch unter all den Widersprüchen in dem, was Schuster erzählt, lautet:

      Wenn Schuster zum tumben Volk gehört (und das tut er ja wohl, denn er ist kein Parlamentarier), dann ist seine Meinung sowieso nicht ernstzunehmen, denn Angehörige des tumben Volkes können ja nichts richtig beurteilen!

  7. francktalk2 says:

    Haben “Die Welt, der Speigel, Süddeutsche Zeitung, die Zeit, Focus, Stern … ARD, ZDF, nTV, RTL, SAt1 etc.” Journalisten bzw. Journalistinnen überhaupt? Nein, alle sind Professroren und Professorinnen der Verdummungstheorie und Angewandte Verdummumg.

  8. ein stein says:

    Na ja, ganz so Unrecht hat Schuster nun auch wieder nicht. Beispielsweise wurde in Österreich der gewünschte Ausgang des EU-Referendums unter anderem dadurch erreicht, dass die damalige sozialdemokratische EU-Staatssekretäin Ederer jeder 4-köpfigen Familie 1.000,- Schilling versprach, die sie durch einen EU-Beitritt pro Monat (!) mehr haben sollte („Ederer-Tausender“). Die für eine lebendige Demokratie unabdingbaren Volksentscheide setzen nun mal ausreichende Information und Bildung voraus, um wirklich sinnvoll zu sein. Das erklärt aber auch, warum Schuster nicht Schiller zitiert hat:

    „Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen.“ (Schiller, Demetrius)

    Er hätte dann nämlich erklären müssen, warum das einzig legitimierte „konstituierte Volk“ mit aller Macht dafür sorgt, dass das auch so bleibt, indem schon in den Schulen Bildungsmöglichkeiten wie der Geschichtsunterricht oder Staatsbürgerschaftskunde immer mehr reduziert, teilweise (Berlin) sogar abgeschafft werden, um Lehrpläne zu „verschlanken“ – oder generell Bildungsstandards gesenkt werden sollen (Thomas De Maizière), damit auch Neubürger (Migranten, „Flüchtlinge“) in diese Gesellschaft passen.

    Je niedriger das Bildungsniveau des Volkes aber wird, um so höher wird dann natürlich die Verantwortung des „konstituierten Volks“, die für Volksentscheide relevanten Informationen zu selektieren, insbesondere jene Teile zurückzuhalten, die nur „die Bevölkerung verunsichern” könnten. Wenn aber nur die Parlamentarier die nötige Information und Bildung für Entscheidungen besitzen, dann verpflichtet sie schon der Abgeordneteneid dazu, das unqualifizierte Volk vor falschen Entscheidungen und ihren negativen Konsequenzen zu bewahren.

    Für Parlamentarier gibt es nun mal nichts Absurderes, als dass jemand die Konsequenzen für seine Entscheidungen selber tragen müsste.

    • Heike Diefenbach says:

      @ein stein

      Volksentscheide haben ihre Vor- und Nachteile. Das bestreitet niemand.

      Darum geht es aber gar nicht. Es geht darum, dass das, was Schuster vorbringt, für die Frage nach den Vor- und Nachteilen von Volksentscheiden IRRELEVANT ist, und zwar deshalb, weil es Unsinn ist, und dies wiederum, weil Schuster sich selbst in vielfacher Hinsicht widerspricht.

      Es ließen sich ANDERE und vernünftige Einwände gegen Volksentscheide anführen, aber nur, weil das möglich WÄRE, hat Schuster nicht Recht mit dem, was er tatsächlich vorbringt. Das sind zwei ganz verschiedene Paar Stiefel. Es bleibt dabei, dass Schuster Unsinn redet, auch dann, wenn es möglich ist, widerspruchsfreie Argumente vorzubringen, die gegen Volksentscheide sprechen.

      So viel zu Schuster,

      Zu Volksentscheidungen:

      Wie gesagt, es lassen sich vernünftige Einwände gegen sie formulieren. Nur müssen Entscheidungen für oder gegen Volksentscheidungen gegen alternative Arten, Entscheidungen zu treffen, abgewogen werden, und alternative Entscheidungsarten haben eben auch ihre Nach- neben ihren Vorteilen. Man muss also eine vergleichende Perspektive einnehmen.

      Darüber hinaus sollte man nicht vergessen, dass Entscheidungsqualität das eine ist und das andere die Frage ist, ob eine Entscheidungsfindung den Vorstellungen der Bevölkerung von einer effizienten und gerechten Entscheidungsfindung entspricht. Wenn nicht bzw. wenn in zu großem Maße nicht, dann hat die so getroffene Entscheidung keine guten Chancen, akzeptiert zu werden; sie wird dann gegen die Überzeugung der Leute – entweder gegen ihre inhaltliche Überzeugung oder gegen ihre Überzeugung darüber, was eine guter Weg ist, für uns alle relevante Entscheidungen zu treffen,- getroffen und umzusetzen versucht.

      Mittel- bis langfristig geht so etwas nicht gut. Man kann nicht dauerhaft gegen den Widerstand der Mehrheit der Bevölkerung anregieren. Und man vergisst dabei allzu leicht, dass Widerstand nicht immer inhaltlich auf bestimmte Sachfragen bezogen ist, sondern sehr häufig auf Vorgehens- und Verfahrensweisen.

      Ich bin geneigt zu vermuten, dass dieser zuletztgenannte Widerstand (gegen Vorgehens- und Verfahrensweisen) sogar derjenige ist, der längerfristig nicht nur bestehen bleibt, sondern auch die größeren Folgen hat. Ich habe jedenfalls den Eindruck aufgrund vieler historischer Beispiele (was nicht heißen soll, dass Menschen nicht einfach deshalb revoltieren können und revoltiert haben, weil sie nicht genug zu essen haben).

  9. Datensatz says:

    Was Herr Schuster eigentlich sagen will: “Alle doof, außer unseren politischen Spitzenkräften und mir.” Denn als Chefkommentator einer angesehenen Tageszeitung operiert Jaques Schuster natürlich auf dem gleichen intellektuellen Niveau wie die Erleuchteten in den Parlamenten. Das ist zumindest für Chefkommentatoren so selbstverständlich, dass es nicht weiter erwähnt werden muss. Das löst die Widersprüche auf in Hisicht auf den Erleuchtungsgrad des Herrn Schuster.
    Andere Widersprüche bleiben frelich bestehen. Also wie das törichte Volk genau zum Wahltag von der himmlichen Erleuchtung erfasst wird, dass es genau die richtigen Durchblicker ins Parlament wählt. Und nicht etwa irgendwelche bösen Populisten – ups, passt wieder nicht. Dazu werden wir von Herrn Schuster sicher noch Erleuchtetes hören. Vermutlich ein Plädoyer für “betreutes Wählen”.

  10. Pingback: News 11.07.2016 | Krisenfrei

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