Die Arbeitswelt: Unbekannte Weiten für LINKE

Bei ScienceFiles haben wir, unter anderem zwei Maximen:

1. Was jemand von etwas weiß, kann man auf Basis der Irrtümer erschließen, die er begeht, wenn er über dieses „etwas“ redet.
2. Themen, die in einer Gesellschaft besonders brisant sind, sind die Themen, über die nicht oder nur sehr ungern gesprochen wird (die Nachteile von Jungen in der Schulbildung zum Beispiel).

Dieser Post basiert auf ersterer Maxim und hat einen Beitrag im Neuen Deutschland zum Gegenstand, der wiederum die Welt der Arbeit zum Gegenstand hat, jene Arbeit, die vielen Linken so große Probleme zu bereiten scheint, weil sie sie schlicht nicht kennen. Besonders problematisch wird die Beziehung zur Arbeit dann, wenn Linke Arbeit zum Gegenstand ihrer politischen Propaganda machen wollen, wie dies Katja Kipping, die Co-Vorsitzende der Linkspartei gerade gegenüber dem Neuen Deutschland getan hat.

“Solange die 90-Stunden-Woche“, so hat Kipping gesagt, „solange die 90 Stunden-Woche als Standard in Führungsämtern gilt, geht ein Führungsamt für Frauen in der Regel mit Verlusten im Familienleben einher.“

Oh No!Potzblitz haben wir uns gedacht: Die 90-Stunden-Woche herrscht bei Managern, also in Führungspositionen, 90 Stunden Arbeit in der Woche, bei einer fünf Tage Woche sind das 18 Stunden am Tag, die der arme Tropf da in Führungsposition zubringt. Arbeitet er sechs Tage in der Woche, dann bleiben dem Manager immerhin noch 9 Stunden des Tages, um zu schlafen und zu essen. Eine Verbesserung gegenüber den 6 Stunden der 5-Tage-Woche. Und am siebten Tage wollen wir selbst den deutschen Managern einen Ruhetag gönnen.

Kein Wunder, dass Manager keine Zeit für Familie und Muse haben, wie sie es haben sollten, wenn es nach der Co-Vorsitzenden der Linkspartei geht, und kein Wunder, dass das Familienleben leidet, bei Frauen, nicht bei Männern. Männer können sich offensichtlich auch mit 90-Stunden-Woche noch um alles kümmern, was von ihnen erwartet wird. Aber lassen wir den Gender-Unsinn und wenden uns dem zu, was der Linkspartei und ihrer Co-Vorsitzenden so fremd ist und den Redakteuren des Neuen Deutschlands, die die Standard-90-Stunden-Woche gleich noch zur Schlagzeile gemacht haben, auf dass auch jeder diesen Unsinn mit Sicherheit zur Kenntnis nimmt: Die Arbeit. Denn Unsinn ist es. Manager haben nämlich gar keine 90-Stunden-Woche.

Die 90-Stunden-Woche ist nämlich gar kein Standard. Nicht einmal in Führungspositionen.

Die 90-Stunden-Woche ist eine Phantasie von Kipping, die offensichtlich keinerlei Ahnung hat, wie viele Stunden in einer Woche man arbeiten kann und wie viele Stunden in der Woche andere arbeiten, in Führungspositionen. Also phantasiert sie 90 Stunden.

Denn:
„Deutsche Manager arbeiten im Durchschnitt 70 Stunden pro Woche, so titelte die WELT im Jahre 2000.

infografik-manager-arbeitszeitEtwas detaillierter hat man die Arbeitszeit bei der FAZ im Jahre 2007: „80 Prozent aller deutschen Manager arbeiten mehr als 50 Stunden die Woche, das zeigt eine Kienbaum-Studie zum Thema Work-Life-Balance.“ Aber kaum einer der Manager arbeitet mehr als 70 Stunden die Woche. Selbst die Intensivtäter unter den arbeitenden Führungspersonen, schaffen es nicht auf die 90-Stunden-Woche, die Kipping in ihrer (Wahn-)Vorstellung zum Standard erhoben hat (siehe die Grafik).

Selbst beim Berufsverband der deutschen Führungskräfte kennt man die Standard-90-Stunden Woche, die Kipping, so hat es den Anschein, frei erfunden hat, nicht, das zeigen Daten für das Jahr 2015:

“In Krisenzeiten sind Führungskräfte besonders gefordert. Deshalb ist es wenig überraschend, dass die Arbeitszeit der Manager noch einmal angestiegen ist und jetzt bei durchschnittlich 54 Wochenstunden liegt.
Dies hat der Berufsverband “die Führungskräfte” (DFK) in seiner aktuellen Studie ermittelt. 25% der Manager arbeiten laut DFK sogar mehr als 56 Stunden in der Woche.

Und zu guter letzt belegt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung mit seinen Daten, wie groß der Unsinn ist, den Kipping geredet hat: 1.550 Führungskräfte haben die DIWler im Rahmen des SOEP befragt, unter anderem zu ihrer Arbeitszeit, ganze 7% der Männer und 5% der Frauen in Führungspositionen gaben im Jahr 2013 an, 60 oder mehr Wochenstunden zu arbeiten. Für beide, Männer wie Frauen, liegt der Modus der Arbeitszeit zwischen 41 und 50 Wochenstunden. Der Standard liegt somit bei der Hälfte der Kippingschen Phantasie.

Man soll eben nicht über Dinge reden, von denen man keine Ahnung hat. Und Kipping hat nachweislich keine Ahnung davon, wie viele Stunden Führungskräfte im Durchschnitt arbeiten und aus der Tatsache, dass sie eine 90-Stunden-Woche zum Standard erhebt, kann man schließen, dass sie auch ansonsten von Arbeit nicht allzu viel Ahnung hat.


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7 Responses to Die Arbeitswelt: Unbekannte Weiten für LINKE

  1. PROMETHEUS says:

    Katja Kipping, Liebling der Götter, sei der Patzer verziehen.

    Und Recht hat sie. Die Arbeit ist nur Mittel zum Zweck.
    Leider hat sie den Tiefblick auf die Realitäten des Sklavenvolkes verloren.
    Wir helfen nach:

    Wir fordern die 20-Stunden Woche für alle.

    Das wird jeden “in die Lage versetzen, Nein zu sagen. Die
    unmittelbare existenzielle Erpressbarkeit – im Erwerbsleben oder in
    familiären Zusammenhängen – hört auf”.

  2. Neumann says:

    An dem Tag, an dem die Linken anfingen, Arbeit als “sozialversicherungspflichtige Tätigkeit” zu ( nein, nicht definieren ) beschreiben, wusste man doch, dass der Kontakt verloren gegangen war.

  3. Livia says:

    Frau Kipping hat möglicherweise auch ganz einfach Schwierigkeiten mit den Grundrechenarten und / oder diskutiert als linke Antibiologistin auch biologische Grundbedürfnisse wie schlafen und essen weg.
    Da in früheren Zeiten die Kirche wollte, daß ihre Funktionäre rund um die Uhr nur für die Kirche da sein sollen, führten sie das Zölibat ein – damit man eben nicht durch eine (eigene) Familie von seinen Aufgaben abgelenkt wurde. (Kirchenkritiker sagen dagegen, daß es hauptsächlich darum ging, daß der Nachlaß Eigentum der Kirche blieb, und nicht an mögliche (legale, illegitime waren in früheren Epochen nicht erbberechtigt) Nachkommen fallen sollte.)
    Heute kann sich jeder – ob Mann oder Frau – für eine extreme Karriere ohne Familie entscheiden. Entweder stellt man sich dann Haushaltsangestellte (incl. Leihmutter für mögliche Erben) ein oder findet eine(n) Partner(in), der (die) bereit ist, einem den Rücken frei zu halten. Daß dazu eher Männer bereit sind, soll doch – verdammt noch mal – jedem selber überlassen bleiben!
    Frau Kipping sollte doch froh sein, über jeden, der das freiwillig macht, da in Zukunft immer mehr Leute länger arbeiten müssen, um den Mehrwert zu erarbeiten, der nötig wird, wenn – von ihrer Partei ja protegiert – immer mehr Unfähige (Flüchtlinge) von der Gesellschaft durchgefüttert werden müssen.
    Die Aufgaben z.B. eines technischen Direktors lassen sich nun einmal nicht durch Aufteilung auf 5 z.B. arbeitslose Sozialarbeiter, Buchhalter, u.ä. verteilen!

  4. PeWi says:

    Dabei sollte man beachten, dass die Arbeitszeit der Manager anders gestaltet ist. Ein Top-Chef, dort wo ich gearbeitet hatte (Bank) kam gegen 8:00/9:00 Uhr und ging mindestens einmal die Woche – und wenn das Wetter schön war öfter – gegen 15:00 Uhr. Er ging zum Golfen, was er dann unter “Arbeit” verbuchte. Sicherlich auf dem Golfplatz hat er Vertragsanbahnungen in die Wege geleitet, aber soviele Verträge sind dann, wenn man sie mit der Zeit abgleicht, dann doch nicht herausgekommen. Golfen und wirklich arbeiten, das ist doch ein Unterschied. Er ging dann auch oft abends mit seinen Kumpeln, auch Top-Manager anderer Unternehmen zum saufen – wirklich zum saufen. Dort wurden dann Erfahrungen ausgetauscht und Adressen für neue Verträge ausgehandelt. Diese glückseligen Runden waren auf Geschäftskosten und Arbeit. Er war einer von vielen der Bankmanager, die mit ihm gingen oder ihre eigenen Kumpel pflegten. So relativieren sich die angegebenen Arbeitszeiten. Ich habe in der Bank absolut niemanden kennengelernt, der wirklich 50 Stunden in der Woche arbeitete, was zumindest der Normalbürger unter Arbeit versteht. In Ausnahmefällen kam das schon vor, aber es waren wirklich nur Ausnahmefälle.

  5. Florian Geyer says:

    Zum Glück sagen immer mehr Steuerdeppen “nein” zu steuerpflichtiger Arbeit, die doch nur dazu dient, das kunterbunte Takatukaland der Kipping zu alimentieren.
    Da ist es doch sinnvoller, den Konsum herunterzufahren, bei Gelegenheit schwarz zu arbeiten, Schwarzarbeiter zu beschäftigen und sich lieber in die Sonne zu legen, als für die Hirnblähungen der roten Volldemokraten buckeln zu gehen!

  6. Hans says:

    Diese linken Elemente sind unfähig, ihren Lebensunterhalt zu erarbeiten und haben daher alle öffentlichen Institutionen und den Staatsapparat unterwandert. Die Menschen in der wertschöpfenden Tätigkeit sind nunmehr in der Minderheit. Das drückt sich auch in den Scheinwahlen aus, denn diese Elemente rennen möglichst 2mal zur Urne, um jede Veränderung iher schmarotzerhaften Existenz zu verhindern.
    Deshalb alle Kraft für die AfD

  7. Georg says:

    Lafontaine und Gysi hörte man noch zu und jetzt auch Wagenknecht. Ansonsten hat die Linke nichts zu bieten (Prodestpartei) und könnte mit den anderen Parteien des BT sich zur “neoSED”vereinen. Die Gesellschaftsentwicklung besorgt mich und ich suche nach Alternativen (ehemaliger Ortsvereinsvorsitzender, KreisV, lange schon Wechselwähler)

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