Anmaßend – Rückwärtsgewandt – Dämlich: ARD stell Weichen für mehr Diversität

William Fielding Ogburn: Den Namen sollten Sie sich merken. Ogburn war ein US-amerikanischer Soziologe, der bereits 1959, aber immerhin im Alter von 73 Jahren, gestorben ist. Ogburn war u.a Präsident der American Statistical Society, ein Grund, warum ihn Soziologen in Deutschland weitgehend ignorieren, obwohl international eine erhöhte Nachfrage nach Ogburn zu verzeichnen ist.

Dass Ogburn wieder hoch im Kurs steht, das hängt an seiner Theorie des „cultural lag“. Darin unterscheidet er zwischen materieller und immaterieller Kultur. Erstere schlägt sich in Technologie, Smartphones, Computern, künstlichen Satelliten usw. nieder, letztere in Ideen und Konzepten und im Versuch, mit der Veränderung der materiellen Kultur und den Konsequenzen dieser Veränderung Schritt zu halten. Das gelingt nicht immer. Manche Gesellschaften zeichnen sich durch einen mehr oder weniger großen Rückstand in der immateriellen Verarbeitung neuer Technologien und ihrer Konsequenzen, eben durch ein cultural lag aus.

Die Probleme, die deutsche Journalisten, Politiker und viele derjenigen, die an Universitäten einen Sozialwissenschaftler darstellen wollen, mit den neuen Medien im Allgemeinen und mit Sozialen Medien, nicht zu reden von US-Präsidenten, die diese Sozialen Medien nutzen, haben, sie sind ein Beispiel dafür, wie die immaterielle Kultur in Teilen der Entwicklung der materiellen Kultur hinterherhinkt, wie veraltete Ideen und Vorstellung davon, wie z.B. Journalismus betrieben werden soll und welche Kanäle für journalistische Informationen bereit stehen, im Konflikt mit den neuen Möglichkeiten, wie sie durch neue Technologien geschaffen werden, stehen und dabei in der Regel ein jämmerliches Bild abgeben.

Ein besonders jämmerliches Bild geben diejenigen ab, die wie verwittertes Gestein immer noch der Strömung des Flusses trotzen, der seit rund einem halben Jahrhundert sein Bett um einen halben Kilometer nach rechts verlegt hat. Dennoch stehen sie da, stemmen sich gegen die Strömung, die gar nicht mehr vorhanden ist.

Derart Übriggebliebene, die gerne die Zeit zurückdrehen wollen, in die gute alte vor-technologische Zeit, als das Leben noch einfach und nicht komplex war, treffen sich z.B. am nächsten Montag zum Versuch, dem Kadaver der Gender Studies, der bereits stinkt, wieder Leben einzuhauchen. Aber Gender Studies sind tot. Die Zeit hat sie überholt. Die Kids sind mehr interessiert an Smartphone-Apps und den neuesten Gadgets als an den Hirngespinsten, mit denen die Genderista seit Jahren die Öffentlichkeit langweilt. Junge Frauen sind selbstbewusst, halten sich nicht wie ihre Vorgänger für behindert und brauchen daher auch niemanden, der sie im Kinderwagen über ausgetretene Pfade schiebt: Wenn die materielle Kultur mit ihren Technologien der immateriellen davongelaufen ist, dann gibt es nur die Möglichkeit, hinterher zu rennen. Wer versucht, technologische Entwicklungen zurückzudrehen, nachdem sie sich längst in gesellschaftliche Normalität übersetzt haben, der steht auf verlorenem Posten.

Nicht nur die ARD ist ein Museum der Angst. Wir empfehlen unseren Lesern diesen sehr guten Thriller!

Dort steht er nicht allein. Dort steht auch die ARD, die gerade beschlossen hat, den Zuschauern und Zuhörern der Sendeanstalten, aus denen sich die ARD konstituiert, mehr Diversität zuzumuten. Ganz so als gäbe es keine neuen Technologien, die die ARD überflüssig und verzichtbar machen, will die öffentlich-rechtliche ARD ihren Zuschauern mehr Diversität verordnen. Mehr Diversität hat natürlich nichts mit mehr Abwechslung zu tun. Vielmehr sollen mehr Frauen, das ist das einzige, woran man bei der ARD im Zusammenhang mit Diversität denken kann, dem Zuschauer und Zuhörer zugemutet werden, ob sie passen oder nicht. Wenn Sie also zu denen gehören, die die ARD abschalten, wenn sie mit Piepsstimmen penetriert werden oder mit der 70 Kommissarin, die sich wieder nur dadurch auszeichnet, dass sie Familie und Beruf unter einen Hut bekommen will, dann können sie die ARD in Zukunft ruhig ausgeschaltet lassen. Es wird nicht besser: Im Gegenteil, es wird schlimmer.

Die ARD ist angetreten, die 1990er Jahre festzuhalten, als der Genderismus vielleicht noch eine neue Idee war, von der noch nicht alle bereits wussten, dass es ein totalitärer Langweiler ist, dessen Vertreter eine Methode suchen, um sich auf Kosten der Allgemeinheit durchzufuttern, und sich gegen den Fortschritt zu stemmen, der soweit fortgeschritten ist, dass die ARD wirkt, wie ein Relikt, das den Einschlag eben jenes Meteors überdauert hat, dem die meisten Saurier zum Opfer gefallen sind.

Zu dieser wirklich dämlichen Vorstellung, man könne die Uhr anhalten oder die technische Entwicklung gar zurückdrehen, neue soziale Medien wieder beseitigen, kommt noch eine Form der Anmaßung, wie sie nur diejenigen haben können, die sich dämlich verhalten, weil sie dämlich sind. Die ARD-Vorsitzende Karola Wille sagt: „Es muss bei allen Entscheidungen ein Bewusstsein geben, dass Klischees und überholte Rollenbilder zum gegebenen Zeitpunkt in Frage gestellt und gebrochen werden müssen“.

Das ist der Handlungsbedarf, den die ARD im Zusammenhang mit Diversität und dem eigenen Programm sieht. Es ist eine unglaubliche Anmaßung, und es ist unheimlich dämlich, seinen Zuschauern und Zuhörern zu sagen, dass man gedenkt, sie zu penetrieren, zu indoktrinieren und zu manipulieren. Muss man mit denjenigen, die die Zeit in der ARD zurückgelassen hat, Mitleid haben?

Eigentlich gibt es nur zwei Reaktionen auf derartige Aussagen, die so völlig aus der Zeit fallen und von so wenig Kenntnis über die vorhandenen materiellen kulturellen Güter verrät: Eine Ohrfeige für Anmaßung oder Mitleid für die brummende Dämlichkeit, die in diesen Anmaßungen zum Ausdruck kommt.

“Spirit(s) – are you there?”

Wir tendieren gewöhnlich zu ersterem, machen in diesem Fall jedoch eine Ausnahme, weil wir gerade an Catweazle gedacht haben und Catweazle hatte es nicht leicht, in der Moderne, die ihm so fremd war. Sein cultural lag war dem der ARD vergleichbar, wenngleich Catweazle nicht anmaßend war. Vielleicht tendieren wir doch eher zur Ohrfeige.

Allen Zuschauern und Zuhörern können wir nur raten: Schalten Sie das Erste ab. Setzen sie sich lieber in die erste Reihe vor dem eigenen Computer und genießen die Vorteile die neue Technologien bringen: Freie Suche nach interessanten Inhalten. Echte Diversität in Meinung, Information, Theorien und Typen, die man im Internet treffen kann. Was ist dagegen die Monotonie, die man bei der ARD als Diversität verkaufen will? Richtig. Mitleiderregend.

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