Leichenfeilschen. RBB vertreibt DDR-Image-Politur

Es gibt Leichen, und es gibt Leichen.

6 Millionen Juden, die im Holocaust ermordet wurden, sind eine Zahl. Kein öffentlich Rechtlicher würde sich trauen, den Rechenschieber anzulegen und zu behaupten, es seien „nur“ 5.999.891 gewesen.

Geht es um Opfer rechter Gewalt, um Verletzte, die einem vermeintlich rechtsextremen Tatmotiv zum Opfer gefallen sind oder um Tote, die von rechter Gesinnung ermordet worden sein sollen, dann können öffentlich Rechtliche gar nicht genug bekommen. Dann zählen sie jeden, dessen sie habhaft werden können und weil ihnen offizielle Zahlen nicht hoch genug ausfallen, deshalb greifen sie auf Zahlen von inoffiziellen Stellen zurück, deren Zählkriterien sie ungeprüft übernehmen.

Nur wenn es um die Opfer des bislang einzigen real-existierenden Sozialismus in Deutschland geht, die im Zusammenhang mit dem antifaschistischen Schutzwall, der BRD-Bürger daran hindern sollte, sich vor dem Kapitalismus ins Arbeiter- und Bauernparadies zu retten, zu Tode kamen, dann ist alles ganz anders. Dann recherchieren öffentlich-rechtliche Angestellte und feilschen um jede Leiche.

327 Tote im Zusammenhang mit der innerdeutschen Grenze haben Forscher des Forschungsverbunds SED Staat der FU-Berlin gezählt. In mühsamen Aktenstudium haben sie versucht, der Toten habhaft zu werden, die in direktem oder indirekten Zusammenhang mit der Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten stehen, entweder weil sie dort erschossen wurden, weil sie wegen Fahnenflucht oder Dienstverweigerung hingerichtet oder eingebuchtet wurden und in Haft gestorben sind oder weil sie an den psychischen Folgen des Dienstes, der sie verpflichtet hat, auf Landsleute zu schießen, zerbrochen sind.

Dieselben öffentlich-rechtlichen Journalisten, die fraglos jede Zahl vermeintlich traumatisierter Flüchtlinge akzeptieren und keinen Gedanken daran verschwenden, wie sich Smartphone, Pre-paid Mastercard und Designerklamotten zu Traumatisierung verhalten, sie wollen über die Toten, die Staadt, Schroeder und die anderen Mitarbeiter der Forschungsstelle zusammengetragen haben, feilschen.

War Hans Schmidt aus Glöwen, Major der NVA, nun den Anforderungen seines Dienstes an der innerdeutschen Selbstschussgrenze nicht mehr gewachsen und hat deshalb Selbstmord begangen, oder war Schmidt ein Säufer, wie es der ehemalige Vorgesetzte, den der RBB als glaubwürdigen Zeitzeugen präsentiert, behauptet?

Hat sich Bodo Panke aus Plauen aus Liebeskummer und wegen undiagnostizierter Depression umgebracht oder „aus politischen Gründen“?

Und was ist mit Walter Monien, der nicht nur NVA, sondern davor auch SS-Mitglied war, wurde er in Stalins Sowjetunion erschossen, weil er Fahnenflucht begehen, sich in den Westen absetzen wollte, oder wollte er sich in den Westen absetzten, weil er seine Verurteilung wegen vermeintlich begangener Kriegsverbrechen gefürchtet hat?

Über diese und andere Fälle will man beim RBB unbedingt mit den Herausgebern des Biographischen Handbuches „Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze 1949 – 1989“, Dr. Jochen Staadt und Dr. Klaus Schroeder streiten.

Denn: „Die Bundeszentrale für Politische Bildung sponsert derzeit eine Sonderauflage von 2000 Exemplaren des Buches. Die Zahl 327 könnte einst in den Geschichtsbüchern stehen“.

Und natürlich würden sich folgende Generationen furchtbar darüber erregen, dass nicht 327, sondern vielleicht nur 307 oder 317 oder 326 Tote in einem der vielen Zusammenhänge stehen, die zwischen einem menschenverachtenden Regime und der Möglichkeit, zu Tode zu kommen, vorhanden sind.

Wir werden täglich schwermütiger angesichts dieser Bigotterie und Heuchelei derer, die nun angetreten sind, um dem Sozialismus wieder ein menschlicheres Antlitz zu verpassen.

Ob sie demnächst auch über die 20 Millionen Tote, die der Sozialismus Stalins gefordert hat oder die 65 Millionen Tote, die Mao allein in China als Folge seiner Säuberungen produziert hat oder die 2 Millionen Tote, die Pol Pots Blutspur in Kambodscha darstellen, feilschen wollen?

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