Überwachung heißt nun „kollegiale Hospitation“ – Genderista macht es möglich

Es gibt eine Reihe von untrüglichen Zeichen dafür, wann man es mit Hochstaplern zu tun hat, die versuchen, sich wissenschaftlich zu geben. Der an etlichen Fakultäten, darunter die Betriebswirtschaftslehre formale Fetischismus, der Punktabzug vorsieht, wenn im Literaturverzeichnis ein Punkt steht, wo ein Komma erwartet wird oder der Vorname des Verfassers ausgeschrieben statt abgekürzt ist, ist ein solcher Indikator:

Indikator 1: Belanglosigkeiten werden zu Monstrositäten aufgebauscht. Ein Literaturverzeichnis dient dazu, zitierte Literatur nicht nur nachzuweisen, sondern auffindbar zu machen. Ist beides gewährleistet und die Literaturangaben einheitlich gestaltet, dann ist dieses Ziel erreicht. Wer Formalia, wie das Literaturverzeichnis zu Zwecken der akademisierten Onanie missbraucht, hat in der Regel das Ziel, fehlende fachliche Eignung oder fehlende fachliche Kenntnisse oder beides zu verdecken.

Ein anderer Indikator findet sich in sprachlichen Monstrositäten, häufig in Sätzen, in denen man vor lauter Nominalkonstruktion das Verb kaum mehr findet oder in Wortschöpfungen zum Zwecke der Inszenierung eigener Gelehrtheit. Wie oben muss der, der gelehrt ist, Gelehrtheit nicht inszenieren, wer also Worte wie „Befeedbacked“ oder „supervidiert“ erschafft, der will damit das Fehlen von Kenntnis als Gelehrtheit ausgeben.

„Befeedbacked“ und „supervidiert“ sind zwei Begriffe aus dem Gendervokabular, das an der Universität Halle gepflegt wird, um – derb pfälzisch gesprochen: aus Scheiße Butter zu machen. 

Im vorliegenden Fall soll ein altes kommunistisches Konzept in neuem Gewandt verkauft werden. Wer Wolfgang Leonhardts Buch „Die Revolution entlässt ihre Kinder“ gelesen hat, der wird sich vielleicht an die Teile erinnern, in denen Leonhardt von seinen Erfahrungen im Russland Stalins als Mitglied des Komsomol, also der stalinistischen Studentenorganisation berichtet hat. Zentraler Bestandteil der Treffen der Komsomol war Kritik und Selbstkritik. Anwesende hatten die Möglichkeit, sich gegenseitig dafür zu kritisieren, dass sie bestimmte reine Bestandteile des Stalinismus in befleckter Form dargeboten oder sich nicht in der vorgesehenen Weise verhalten haben. Vom Opfer derartiger Kritik wurde eine entsprechende Selbstkritik erwartet. Wie diese Selbstkritik auszusehen hatte, kann man den Dokumentationen entnehmen, die die Schauprozesse zur Zeit von Stalin aufgearbeitet haben.

Der moderne Stalinismus kommt nicht mehr als Kritik- und Selbstkritik, er kommt als „gegenseitige Hospitation“, bei der man „befeedbacked“ und „supervidiert“ wird. Die Begriffe stammen aus dem so genannten Weiterbildungsprogramm der Universität Halle. Sie finden sich auf Seite 69 unter „Kollegiale Hospitationen zu gendersensiblen Lehreinheiten“. Die „16 Arbeitseinheiten“ der „Kollegialen Hospitationen“, die sich an „Professor*innen, Lehrende und Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen“ richten, bauen auf dem Workshop „Gender in der Lehre“ auf und sollen sicherstellen, dass Lehrveranstaltungen auch dem Katechismus der Genderideologie, dieses Mal als „Gendersensibilität“ bezeichnet, entsprechen.


In Deutsch: Dozenten sollen sich in ihren Lehrveranstaltungen überwachen lassen, um sicherzustellen, dass sie auch gendersensibel lehren, die „gender- und diversitätssensiblen Methoden“ richtig anwenden.

Diese Form der Überwachung und Kontrolle von Dozenten im Hinblick auf das, was nun, da Stalinismus außer Mode gekommen ist, Gendersensibilität genannt wird, ist ein Novum an Hochschulen angeblich demokratischer Gesellschaften und belegt einmal mehr, dass es dem Genderismus darum geht, das gesellschaftliche Miteinander nach seinen Vorstellungen zu formen und zu gestalten und darauf hinzuwirken, dass freie Menschen in ein Verhaltenskorsett nach Maßgabe der Gender-Ideologie gepresst werden. Und natürlich darf dann, wenn die richtige Gesinnung erlernt werden soll, der „Reflexionsbericht“ nicht fehlen, der sich nahtlos in die Reihe der Methoden einreiht, die Wolfgang Leonhard von den Hochschulen im stalinistischen Moskau berichtet hat.

Durchgeführt werden die beiden vermeintlichen Weiterbildungsmaßnahmen in der Tradition des Stalinismus von Lena Eckert, die an der Universität Halle, die noch den Namen von Martin Luther trägt, im Projekt „gender*bildet“, das dem Gleichstellungsbüro angegliedert ist, als Mitarbeiter geführt wird. Es lohnt sich, vor allem mit Blick auf Indikator 2 und die von uns angesprochene historische Kontinuität mit dem Stalinismus, dieses Projekt etwas näher zu betrachten.

Als Ziel von gender*bildet wird ganz offen die „Verankerung“ von Gender und Queer Studies in Forschung und Lehre verkündet. Normalerweise werden Fachbereiche durch ihren Beitrag zum Erkenntnisgewinn quasi von selbst verankert, denn es würde etwas Fehlen, wenn man Physik oder Chemie aus dem Lehrkanon streichen würde. Bei Gender und Queer Studies ist das anders. Da weder Gender- noch Queer Studies irgend etwas zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn beizutragen haben, können sich beide nicht als wissenschaftliche Fächer etablieren, von selbst verankern. Deshalb müssen sie „verankert“ werden, deshalb müssen sie von der Politik Hochschulen aufgezwungen werden.

Nun besteht eine Absonderlichkeit der Gender Studies, die wir nicht erklären können, darin, dass ihre VertreterINNEN in einer Weise titelgeil sind, die nicht nachvollziehbar ist. Obwohl jeder Wissenschaftler weiß, dass Gender oder gar Queer Studies mit Wissenschaft so viel zu tun haben wie Rambo mit Astrophysik, wollen Genderista partout als Wissenschaftler gelten. Obwohl sie nicht einmal entfernt eine Vorstellung davon haben, was die wissenschaftliche Methode ausmacht, was das Erkenntnisinteresse von Wissenschaft ist und vor allem nicht ist, mühen sie sich mit allerlei Sprachakrobatik, den Eindruck von Wissenschaftlichkeit zu erwecken, mit dem selben Erfolg, den ein Rehpinscher mit dem Versuch hat, als Dinosaurier durchzugehen.

Heraus kommt prätentiöser Blödsinn, Worte, die nur geschrieben werden, um bei besonders naiven Gemütern Eindruck zu schinden, nicht um eine Bedeutung, einen Inhalt, eine Information zu transportieren, so etwas:

“[1] Zweitens meint gender*bildet, dass Gender als performatives Geschehen In einem interdependenten Verhältnis zu gesellschaftlichen Prozessen steht. [2] Im Projekt verstehen wir die Kategorie Gender als konstruiert und setzen sie im Hochschulkontext analytisch im Sinne einer Dekonstruktion vermeintlich natürlich gegebener Herrschafts- und Machtverhältnisse ein. [3] Wir bewegen uns dabei auf der inhaltlichen Ebene der Disziplinen, der Forschung und der Lehre, und auf der strukturellen Ebene im Hinblick auf den Abbau von diskriminierenden, strukturellen Gegebenheiten im Hochschulbetrieb.”

Die Übersetzung oder für die Genderista die Dekonstruktion der Sprachinszenierung ist deutlich kürzer:

[1] Männer und Frauen interagieren.

[2] Männer und Frauen haben unterschiedliche Positionen inne, die es aber gar nicht gibt.

[3] Uns passt an [2] manches nicht.

Die Behauptung irgendjemand außerhalb der Echokammer der Genderista, ein Wissenschaftler am Ende, sei der Ansicht „Herrschafts- und Machtverhältnisse“ seien natürlich gegeben, wirft die Sozialwissenschaft weit hinter Aristoteles zurück. Philosophie und Soziologie untersucht seit Jahrtausenden bzw. Jahrhunderten die Frage, wie Macht und Herrschaft gesellschaftlich hervorgebracht wird und wie sie legitimiert wird. Viele Jahre Forschung haben unzählige Theorien von Macht und Herrschaft produziert, so viele, dass es schon erstaunlich ist, dass bei Genderista nicht eine davon angekommen ist.

Aber so sind sie halt, die Gören der Genderista, keine Ahnung von Wissenschaft, aber vorlaut. Vor diesem Hintergrund kann man sich gut vorstellen, wer das angebliche Weiterbildungsangebot an der Universität Halle wahrnimmt, sofern sich überhaupt jemand dahin verirrt. Nur so viel: Wissenschaftler sind es mit Sicherheit nicht.


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