DFG bewilligt 3.3 Millionen Euro für … ??? Forschungsgegenstand nicht benennbar

Heute, am Freitag, den 13. November, haben wir eine Aufgabe für unsere Leser. Wir publizieren hier die Beschreibung eines Graduiertenkollegs, das die DFG mit 3.3 Millionen Euro fördert. Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion, um uns ihre Vorstellung von dem, was hier in 127 Worten so beschrieben wird, dass man nach dem Lesen der 127 Worte, darunter unzählige Plastikworte, auch nicht schlauer ist als vor dem Lesen, mitzuteilen.

Die im Text benannte Hyperkonnektivität, die man vielleicht als Insel des Verständnisses nutzen kann, um dieses Meer aus Geschwurbel, das der DFG 3.3 Millionen Euro wert ist, zu durchfahren, bezieht sich auf ein Konzept, das Anabel Quan-Haase und Barry Wellman erfunden haben. Wie viele Konzepte, die heutzutage “erfunden” werden, so ist auch die Hyperkonnektivität etwas Triviales, das die Trivialität der Tatsache, dass es Milliarden Smartphones weltweit gibt, die in Mobilfunk-Netzwerke eingebunden sind und andere Trivialitäten umfasst. “Hyper” bezeichnet dabei den Umstand, dass die Erfinder des Begriffs “Hyperkonnektivität” Anstoß am Umfang der “Konnektivität” nehmen. Warum? Wohl deshalb, weil man Normalbürger mit hoher Vernetzung überfordert und sie der Gefährlichkeit unabhängiger Informationsquellen aussetzt, oder so. Interessanterweise beschreiben Psychiater mit Hyperkonnektivität einen Information Overload im Gehirn, hergestellt durch hyperaktive Neuronen, die im Verdacht steht, Schizophrenie oder Epilepsie hervorzurufen.



Nun aber zur Beschreibung des Graduiertenkollegs, das der DFG 3.3 Millionen Euro wert ist:

” Das Graduiertenkolleg interessiert sich für die „andere Seite“ von Anschlussprogrammen in den Netzwerken von Medien, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Recht, Wissenschaft, Kunst und Kultur und fragt nach den Ausschlüssen, die mit den in globalisierten Netzwerken gängigen Praktiken des Anschließens einhergehen. Ein Beispiel ist das prominent diskutierte Problem der Hyperkonnektivität oder information overload, die mit der medial, ökonomisch und gesellschaftspolitisch gewünschten Anschlussfähigkeit einhergehen. Solche Überlastungseffekte führen zu einem zeitweisen Sich-Selbst-Ausschließen – längst auch bekannt unter den Stichworten ‚Entnetzung‘ oder ‚Achtsamkeit‘.
Ziel des Graduiertenkollegs ist es, eine transdisziplinäre Methodik zum Verhältnis von Beteiligung und Ausschluss zu entwickeln. Darüber hinaus soll durch Vergleiche von historischen Wandlungsprozessen sowie globalen, regionalen und lokalen Räumen, Fragen der Macht, der Teilhabe, der Selbst- und Fremdbestimmung sowie der fragmentarischen Wahrnehmung und symbolischen Narrativierung von Welt beleuchtet werden.”

Nein, wir sagen jetzt nichts zur “Machtbesessenheit”.

Durchgeführt wird das Graduiertenkolleg über viereinhalb Jahre an der Universität Köln:

“„Wir freuen uns, dass wir in diesem Graduiertenkolleg durch die Kooperation der drei beteiligten Hochschulen, unterschiedlichster Fächer und internationalen wie auch lokalen Partnern der Kölner Wissenschafts- und Kulturlandschaft neue Akzente setzen dürfen“, sagt Professor Dr. Stefan Kramer, Sprecher des Graduiertenkollegs und Leiter des Arbeitsbereichs Chinastudien am Ostasiatischen Seminar der Universität Köln. „Neben dem Erkenntnisgewinn soll jungen Nachwuchswissenschaftlern jenseits vorgegebener Disziplinen und Methoden der Weitblick und der Mut zu selbstständigem kritischen Denken und der Fähigkeit zur Lösung von komplexen Problemen mitgegeben werden.“
Insgesamt elf Kolleginnen und Kollegin [!sic] der Universität zu Köln, der Kunsthochschule für Medien (KHM) und der Technischen Hochschule Köln (TH Köln) arbeiten zusammen. Hinzu kommen elf Doktoraden-Stellen und eine Post-doc Stelle.”

Nun, liebe Leser, haben Sie Mut zu “selbständigem kritischen Denken” und entwickeln Sie die Fähigkeit zur “Lösung von komplexen Problemen”, so wie diese Fähigkeit am Arbeitsbereich Chinastudien, der Kunsthochschule Köln und der Technischen Hochschule Köln vermittelt werden soll. Das komplexe Problem, das bei uns zur Lösung ansteht:

Was um aller Götter Willen ist Gegenstand dieses Graduiertenkollegs?

Nun sind Sie an der Reihe.
Denken Sie kritisch.
Und beantworten Sie bitte die oben stehende Frage.
Übrigens erschreckend, wenn Graduierten, als Personen, die ein Universitätsstudium absolviert haben und somit irgendwo zwischen 24 und 28 Jahren alt sind, “selbständiges kritisches Denken” in einem Graduiertenkolleg vermittelt werden muss.

So langsam wäre es an der Zeit, eine Kontrollinstanz einzuführen, die die Vergabe von Forschungsmitteln durch die DFG kritisch begleitet. Insgesamt wurden gerade 48 Millionen für Graduiertenkollege durch die DFG bewilligt. Graduiertenkollege sind im Wesentlichen Projekte, auf denen Absolventen für viereinhalb Jahre geparkt und vor dem Gang in die Arbeitslosigkeit bewahrt werden, der nach den viereinhalb Jahren Graduiertenkolleg für die meisten dann bevorsteht. Es wäre dringend notwenig, nicht nur den gesellschaften Nutzen der Graduiertenkollegs den gesellschaftlichen Kosten dieser Projekte gegenüberzustellen, es wäre zudem notwendig, die Kosten für Graduierte, die nach viereinhalb Jahren im besten Fall einen Titel als Namenszusatz führen, wenn sie sich bei ihrem Arbeitsvermittler im Jobcenter melden, mit dem Nutzen für Graduierte ins Verhältnis zu setzen. Wir haben es schon anlässlich des letzten “Graduiertenkollegs”, bei dem 3.8 Millionen Euro in den Sand gesetzt werden, geschrieben: Die DFG hat auch denen gegenüber, die letztlich in den bewilligten Projekten arbeiten, eine Sorgfaltspflicht.

Die DFG wird aus Steuermitteln finanziert. Die Forschungsgemeinschaft hat daher die Pflicht, sorgsam mit dem Geld umzugehen, das Maurer, Bäcker, Dachdecker, Verkäufer und viele mehr erwirtschaften. Und natürlich hat die DFG die Pflicht, die sinnvolle Verwendung des Geldes, das von Verkäufern, Bäckern, Kraftfahrern, Fabrikarbeitern uvm erwirtschaftet wird, nachzuweisen. Auf den Nachweis des Erkenntnisgewinns, der aus dem oben beschriebenen Graduiertenkolleg resultiert, sind wir schon gespannt.

Der Titel des Graduiertenkollegs lautet übrigens: “Anschließen – Ausschließen. Kulturelle Praktiken jenseits globaler Vernetzung”. Das sollte jetzt weiterhelfen, oder etwa nicht?



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