Mit Falschmeldungen geimpft: Impfdaten erfinden mit der ARD

Lockdown- und andere Kontroll-Fanatiker haben ein Problem: Einerseits sind sie Feuer und Flamme für Impfstoffe und stehen in erster Front, wenn es darum geht, den eigenen Arm zuerst unter eine Nadel zu halten, abermals einerseits sind sie heftig besorgt darüber, dass Mutationen, also das, was nicht nur RNA-Viren auszeichnet, sie mutieren, dass also diese Mutationen schneller und aggressiver die Bevölkerung dezimieren, obwohl es dafür keine Belege gibt. Aus beiden Einsereits, ergibt sich andererseits ein Problem: Die derzeit gehypten Mutationen sind Mutationen, die bei Entwicklung der Impfstoffe nicht bekannt waren, sie finden sich in relevanter Zahl im Spike Protein, auf das die Impfstoffe anzielen, und – dumm gelaufen – so kommt es, dass die Mutationen, die so nützlich sind, um Lockdowns trotz sinkender Fallzahlen aufrecht erhalten zu können, die gesamte Impf-Erzählung in Frage stellen könnten, dann nämlich, wenn Impfstoffe gar nicht wirken.

Aber, nicht verzagen: Es gibt die ARD, und die ARD ist angetreten, die Sache richtig zu stellen. Ralph Sina, der nachdem der Brexit nun vollzogen ist, kommentarlos geworden ist, hat heute klargestellt: “Impfstoffe wirken auch gegen Mutationen”. Und wenn der Ralph Sina das sagt, dann ist das so. Basta!

Übereinstimmend zeigten das “sogenannte Neutralisationsstudien des renommierten nationalen US-Gesundheitsinstituts in Washington (NIH) und der Universität von Texas”. Falls sie an der Bewertung “renommiert” hängengeblieben sind, das Adjektiv muss Sina einführen, um Vertrauen einzuflößen, denn die beiden Studien, die er zwar nicht angibt und mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht kennt, sie sind NICHT PEER REVIEWED. Das ist misslich, denn, dass eine Studie nicht peer reviewed sei, das führen insbesondere die öffentlich-rechtlichen Faktenchecker, jene Spezies, die sich in den letzten Jahren in einer Weise vermehrt hat, die sich umgekehrt proportional zum dort vorhandenen Kenntnisstand verhält, ins Feld, um Studienergebnisse, die zu diskreditieren, man ihnen aufgetragen hat, denn dafür werden sie bezahlt, zum Diskreditieren, eben zu diskreditieren.

Nun sind zwei Studien, die der ARD und Sina und all denen, die seit Wochen Blut und Wasser schwitzen, ob ihrer Hysterie, die sie hat unbedacht Mutationen von SARS-CoV-2 problematisieren sehen, ohne die Folgen dieser Hysterie, Skeptizismus gegenüber der Wirksamkeit von Impfstoffen zu bedenken, genau das: NICHT PEER REVIEWED. Aber nun gibt es ja Ralph Sina, der per Eilmeldung unter die nagelknabbernde Meute wirft, was er zu wissen glaubt. Renommierte Institute haben herausgefunden ..

Die beiden Studien, die die Erlösung versprechen, sie wurden gerade erst veröffentlicht:
Wu, Kai et al. (2021). mRNA-1273 vaccine induces neutralizing antibodies against spike mutants from global SARS-CoV-2 variants. BioRxiv. In dieser Studie geht es um den Impfstoff von Moderna, mRNA-1273.

und:
Xie et al. (2021). Neutralization of SARS-CoV-2 spike 69/70 deletion, E484K, and N501Y variants by BNT162b2 vaccine-elicited sera. bioRxiv. Hier geht es um den Pfizer/Biontec-Impfstoff BNT162b2.

Beginnen wir mit Wu et al. (2021) schon weil es die bessere Studie ist. Wu et al. (2021) haben drei SARS-CoV-2 Viren hergestellt, die die Mutationen, die in Südafrika (b.1.351) und im Vereinigten Königreich (b.1.1.7) erstmals entdeckt wurden, komplett enhalten, also alle 17 Mutationen, die die beiden Varianten auszeichnen, aufweisen, darunter die Mutationen im S-Protein: 69-70 del, Y144 del, N501Y, A570D, P681H, T716I, S982A und D118H für b.1.1.7 sowie L18F, D80A, D215G, L242-244del, R246I, K417N, E484K, N501Y, D614G und A701V (b.1.351). Das ist insofern wichtig, als es die einzige uns bekannte Studie ist, in der alle Mutationen gleichzeitig analysiert werden. Die von Wu et al. (2021) hergestellten Viren werden mit Serum, das Teilnehmern aus Phase I des Moderna Trials abgezapft wurde, versetzt, um zu sehen, ob sich genügend neutralisierende Antikörper bilden und ob die Antikörper in der Lage sind, auch die Mutationen zu bekämpfen. Die gute Nachricht ist, die vom Moderna-Impfstoff ausgelöste Immunreaktion ist in der Lage, sowohl b.1.1.7 als auch b.1.351 zu neutralisieren, allerdings – und das ist die schlechte Nachricht – ist die Konzentration neutralisierender Antikörpern bei b.1.351 erheblich reduziert, d.h. die in Südafrika gefundene Mutation hat erhebliches Potential, Impfstoffen zu entgehen:

“Consistent with other recent reports assessing neutralization of the mutations found in B.1.351 (Wang et al, 2021), there was a 2.7-fold reduction in neutralization from sera collected from participants vaccinated with mRNA-1273 when the 3 mutations found in the RBD (K417NE484K-N501Y) were present in the VSV-based pseudovirus assay. Importantly a 6.4-fold reduction was observed when the full set of mutations, including those in the N-terminal domain (NTD), were included.



Die zweite Studie, die von Angehörigen der University of Texas, sorry: der renommierten University of Texas ausgeführt wurde, untersucht den Impfstoff von Pfizer/Biontech auf seine Wirksamkeit gegen nicht die komplette Liste der Mutationen, die die neuen Varianten b.1.1.7 und B.1.351 auszeichnen. Die Analyse wird auf zwei Kombinationen von je drei Mutationen beschränkt, nämlich: 69-70 del, N501Y und D614G bzw. E484K, N501Y und D614G. Die Ergebnisse sind schon von daher mit Vorsicht zu genießen. Das Ergebnis, zu dem Xie et al. (2021) für den Impfstoff von Pfizer/Biontech kommen, entspricht weitgehend dem Ergebnis, zu dem Wu et al. (2021) kommen:

“Consistent with other recent reports of the neutralization of SARS-CoV-2 variants or corresponding pseudoviruses by convalescent or post-immunization sera, the neutralization GMT [Geometric Mean Titers] of the serum panel against the virus with three mutations from the SA variant (E484K+N501Y+D614G) was slightly lower than the neutralization GMTs against the N501Y virus or the virus with three mutations from the UK variant (Δ69/70+N501Y+D614G).”

Indes:

“A limitation of the current study is that the engineered viruses do not include the full set of spike mutations found in the UK or SA variants.”

Mit anderen Worten: Man kann beide Studien dahingehend zusammenfassen, dass es Indizien dafür gibt, dass die Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna in der Lage sind, Schutz vor den beiden Varianten b.1.1.7 und b.1.351 zu bieten, wenngleich der Schutz vor der Variante, die in Südafrika entdeckt wurde, deutlich geringer ausfällt.


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Nun ist Wissenschaft, nicht wie es Journalisten-Darsteller so gerne hätten, kein abgeschlossener Prozess, an dessen Ende man eindeutig und für alle Zeiten feststellen kann: “Impfstoffe wirken auch gegen Mutationen”. Wissenschaft ist zum einen ein kumulativer Prozess und zum anderen ein Prozess, bei dem man ständig konfligierende Ergebnisse bewerten muss. Das ist, was Journalisten-Darsteller nicht begreifen können oder wollen: Es gibt kein endgültiges Votum dazu, ob die genannten Impfstoffe auch vor b.1.1.7 und b.1.351 schützen oder nicht, denn zum einen bleibt die Welt nach der Durchführung einer Studie nicht stehen, zum anderen sind Menschen unterschiedlich, reagieren unterschiedlich auf den gleichen Impfstoff, ganz davon abgesehen, dass SARS-CoV-2 auch innerhalb der Varianten b.1.1.7 und b.1.351 weiter mutiert. Und weil dem so ist, gibt es eine Reihe von Studien die die Ergebnisse, die wir gerade präsentiert haben, relativieren.

Vor einiger Zeit haben wir bereits über drei Studien berichtet, die festgestellt haben, dass die Fähigkeit von Antikörpern, die als Immunreaktion auf einen Impfstoff oder auf das ursprüngliche Wuhan-Virus gebildet werden, die neuen Varianten zu neutralisieren, reduziert oder nicht vorhanden ist. Wer sich dafür interessiert, die Studien können hier nachgelesen werden.

Zwischenzeitlich ist uns die nagelneue Studie von Cele et al. (2021) mit dem Titel “Escape of SARS-CoV-2 501Y.V2 variants from neutralization by convalescent plasma”, auf den Tisch gekommen. Die Autoren haben für die in Südafrika gefundene Variante von SARS-CoV-2 (N501Y.V2; b.1.351) das komplette Genom der Variante im Labor repliziert und untersucht, ob Plasma, das 6 an COVID-19 erkrankten und genesenen Personen entnommen wurde, in der Lage ist, die neue Variante zu neutralisieren. Sie haben eine um das 6 bis 200fache reduzierte Fähigkeit der im Plasma enthaltenen Antikörper, die neue Variante zu neutralisieren, gefunden und folgern daraus:

“This observation indicates that 501Y.V2 may escape the neutralizing antibody response elicited by prior natural infection. It raises the concern of potential reduced protection against re-infection and by vaccines designed to target the spike protein of earlier SARS-CoV-2 variants”.

Die Autoren formulieren also die Sorge, dass ihre Ergebnisse darauf hinweisen, dass Impfstoffe, die auf Basis der ursprünglichen Wuhan-Variante von SARS-CoV-2 entwickelt wurden, keinen Schutz gegen die in Südafrika gefundene Variante bieten. mRNA-1273 (Moderna) und BNT162b2 (Pfizer/Biontech) sind Impfstoffe, die auf Grundlage der Wuhan-Variante entwickelt wurden.

Damit nicht genug. Es gibt neben den von uns bereits besprochenen Studien, eine weitere Studie (es werden täglich mehr), die zeigt, dass die neuen Varianten von SARS-CoV-2 ein erhebliches Potential haben, den von Impfstoffen indizierten neutralisierenden Antikörpern zu entgehen:

Weisblum, Y., Schmidt, F., Zhang, F., DaSilva, J., Poston, D., Lorenzi, J.C., Muecksch, F., Rutkowska, M., Hoffmann, H.-H., Michailidis, E., et al. (2020). Escape from neutralizing antibodies by SARS-CoV-2 spike protein variants. ELife 9.

Die einfache Welt, die es im Gehirn von Ralph Sina scheinbar als Einbildung gibt und die den Konsumenten der Tagesschau vermittelt werden soll, sie ist nicht vorhanden, it doesn’t exist in nature… [kleiner Scherz für Eingeweihte].



Soweit, so gut. Doch was nun im Beitrag der ARD kommt, das kann man nicht mehr mit fehlender Kompetenz oder eingeschränkter Fähigkeit, Komplexität zu verarbeiten, erklären, denn was nun kommt, sind frei erfundene Daten. Sina schreibt:

“Beispiel Israel: Hohe Impfstoffwirkung –
Wie hoch die Impfstoffs-Wirkung bei dem nicht mutierten CoronaVirus, ist zeigt ein Blick nach Israel, wo mittlerweile knapp 50 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. Dort liegt die Wirksamkeit des in Mainz entwickelten BioNtech-Impfstoffs nach der zweiten Impfung bei mehr als 99 Prozent. Weniger als 0,01 Prozent der Geimpften infizierten sich mit dem Virus. Keiner dieser Infizierten musste ins Krankenhaus. Die Betroffenen zeigten nur leichte bis mäßige Symptome. Bei keinem der Infizierten stieg das Fieber über 38,5. Mit anderen Worten: die Impfung mit der mRNA-Technologie kann auch dann helfen, wenn sie in Ausnahmefällen nicht vor der Infektion selber schützt – sie minimiert die Symptome.

Sina erfindet hier frei. Was er behauptet, ist alles falsch.
Beginnen wir mit dem Anteil der in Israel Geimpften:

Knapp 50% der Bevölkerung Israels sind geimpft, und zwar EINMAL, nicht zweimal. Beide Impfstoffe, sowohl der von Moderna als auch der von Pfizer/Biontech erfordern zwei Impfungen. Am Montag den 25. Januar 2021 waren in Isreal 12,5% der Bevölkerung ZWEIMAL geimpft. Bis zu den 50%, die Sina suggerieren will, ist es noch ein langer Weg. Die bisherigen Ergebnisse für zweifach geimpfte Israelis legen nahe, dass bei rund 98% der Geimpften Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet wurden. Wo Sina seine Behauptung, dass sich nur 0,01% der Geimpften mit dem Virus infizieren würden, hernimmt, ist uns ein Rätsel. Die einzige Studie, die überhaupt einen Hinweis darauf gibt, wie sich eine Impfung auf die Neuerkrankungen auswirkt, stammt von KSM Research and Innovation in Israel. Eine Analyse von 50.777 Personen im Alter von mehr als 60 Jahren hat gezeigt, dass die Anzahl der Neuerkrankungen nach Erhalt der ZWEITEN Impfung auf 6,3 Infektionen pro 10000 Personen gefallen ist. In der Bevölkerung Israels liegt die Infektionsrate mit 18,1 pro 10.000 Personen darüber. Daraus kann man jedoch KEINERLEI Rückschlüsse für die Frage ziehen, ob einen Impfung vor einer Neuinfektion wirksam schützt. Hinzu kommen eher beunruhigende Ergebnisse, die das Calil Research Institut veröffentlicht hat: 200.000 Menschen, die 60 Jahre oder älter waren, wurden nach ihrer ersten Impfung mit 200.000 Personen aus der Bevölkerung verglichen, die nicht geimpf waren. Nach 14 Tagen hat sich in der Gruppe der Geimpften im Vergleich zur Gruppe der Ungeimpften eine um 33% geringere Anzahl von Neuinfektionen ergeben. Auch nach 17 Tagen haben sich nur 33% weniger in der Gruppe der Geimpften als in der Gruppe der Nichtgeimpften infiziert.

“The Report has raised concerns, as published results have suggested that the efficacy of the Pfizer vaccine was 52,4% between the first and the second dose (space 21 days away).”

Hinzu kommt, dass Israel, wenn es um die Mutationen b.1.1.7 / b.1.351 geht, ein wirklich ungeeignetes Pflaster ist, denn beide Mutationen sind dort eher selten. Zwar wurde b.1.1.7 bereits am 22. Dezember in Israel nachgewiesen, die Phylogenese der dort sequenzierten SARS-CoV-2 Genome zeigt jedoch, dass sowohl N501Y.V1 (UK) als auch N501Y.V2 (SA) in Israel eher eine randständige Bedeutung haben (Man muss schon genau hinsehen, um sie überhaupt zu entdecken):

Quelle

Warum Sina einen deratigen wohl erfundenen Blödsinn verbreitet und behauptet, dass “weniger als 0,01 Prozent der Geimpften” sich mit dem Virus infizieren, ist eine Frage, die man nur beantworten kann, wenn man annimmt, dass den öffentlich-rechtlichen Schreibern vorgegeben wird, was sie zu schreiben haben. Derzeit lautet die Vorgabe: Impfstoffe gutzuschreiben und jeden Zweifel an deren Wirksamkeit vom Tisch zu wischen. Das ist die einzige Erklärung, die uns einfällt, denn freiwillig macht man sich ja nicht lächerlich, nicht einmal als Ralph Sina – oder?



Seit Ende Januar besprechen wir Studien zu SARS-CoV-2. Damit gehören wir zu den wenigen, die das neue Coronavirus seit seinem Auftauchen verfolgt und den Niederschlag, den es in wissenschaftlichen Beiträgen gefunden hat, begleitet haben.
Eine Liste aller Texte, die wir zu SARS-CoV-2 veröffentlicht haben, finden Sie hier.

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