Das Pöbeln ist des Politikers Lust, das Pöbeln ist des Politikers Lust,

das Pö.ö.beln…

Wie man sich nach den überlegenen Staatsmännern früherer Tage zurücksehnt. Dem Kettenraucher-Kanzler mit seiner unterkühlten Ruhe, dem Aussitz-Birnen-Kanzler mit seiner, “ich-weiß-nicht-was-ihr-wollt” Einstellung, dem feinen Herrn Genscher, dem man den Politiker nie abgenommen hat (er konnte einfach nicht so tief sinken), ja selbst der Kanzler mit dem ewig ungefäbrten Haaren, er hatte eine fast staatsmännische “Ihr-könnt-mich-mal”-Attitüde.

Und was haben wir heute: Pöbler. Pöbler, deren einziger Ausweis geistiger Aktivität eine Form affektiver Regress ist, der nur ein einziges Reaktionsschema kennt: aufgeregte Hysterie.

Man stelle sich vor, jemand hätte über Helmut Schmidt gesagt, er sei schlimmer als Adolf Hitler, und zwar wegen des Radikalenerlasses, den Schmidt zu verantworten hat oder man stelle sich vor, jemand hätte über Kohl gesagt, er sei dementer als Hindenburg, wegen der Kohlschen Strategie, Dinge einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen. Was wäre wohl passiert?

So etwas sicher nicht:

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Das sagt Ralf Stegner, stellvertretender Parteivorsitzender der SPD, und regt sich damit über Lutz Bachmann auf, den Pegida-Frontmann, der über Heiko Maas gesagt haben soll, er sei einer der “schlimmsten geistigen Brandstifter seit Goebbels und Karl-Eduard von Schnitzler”.

Offensichtlich ist Lutz Bachmann darüber verägert, dass Heiko Maas zum einen nicht müde wird, seine Theorie der geistigen Brandstiftung in Zeitungen zu verbreiten, die einen Zusammenhang zwischen Pegida und Brandanschlägen konstruiert, den man ebensogut zwischen dem Widerstand gegen Pegida und Brandanschlägen konstruieren kann.

In diesen Beiträgen hält Maas auch regelmäßig Angebote bereit, für alle, die Lust darauf haben, Anhänger der Pegida oder diejenigen, die er auf Facebook als die “Feinde der Freiheit” identifziert hat, zu diskreditieren, etwa als:

  • “faschistoide Frührenter mit zu viel Tagesfreizeit”,
  • “Neonazi-Nerds ohne Freundin, aber mit Frust”,
  • “Biedermänner, die sich nach Außen angepasst geben, aber im Schutz der Anonymität mal so richtig die Sau rauslassen?”

poebelnDas sind nicht unbedingt Erklärungsangebote, die man von einem Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz erwartet, aber es sind Aussagen, die Einblick in die Psyche von Heiko Maas gewähren, in das Portfolio seiner Feindbilder, das er gerne nutzt, um Keile in die deutsche Bevölkerung zu treiben und die Guten von den Bösen, die richtigen Deutschen von den falschen Deutschen, die Deutschen mit legitimen Interessen von denen mit illegitimen Interessen zu trennen.

Manche würden es geistige Brandstiftung nennen, wenn versucht wird, eine Gesellschaft in mehr oder weniger legitime Gruppen zu zersäbeln und manche würden denken, dass der Keil, den u.a. Goebbels zwischen Deutsche getrieben hat, weil sie unterschiedlichen Religionen angehört haben, durchaus vergleichbar ist.

Aber das ist natürlich ein rationales Argument, eines das man prüfen kann, in dem man Kriterien zur Hand nimmt und analysiert, ob die Differenzierung der Bevölkerung in Gruppen mit unterschiedlicher Legitimität, die u.a. Goebbels vorgenommen hat, mit der zu vergleichen ist, die Heiko Maas heute vornimmt.

Rationale Argumente haben in der Welt der deutschen Politik nichts verloren. Es herrscht das eingebildete Gefühl: Die Aufregung, die Wut, die Rage und alles, was von dieser einzigen Gefühlsregung, zu der deutsche Politiker in der Lage zu sein scheinen, getragen wird: Pöbeln zum Beispiel oder justitiable Beleidigungen wie:

“Pegidiot” Bachmann

oder

“elender PEGIDA-Hetzer” Bachmann

Mindestens der Pegidiot ist justiziabel, und es bleibt zu hoffen, dass nicht nur gegen Lutz Bachmann Ermittlungen aufgenommen werden, wie die SPD das fordert (warum auch immer, denn Vergleiche sind bislang nicht unter Strafe gestellt), sondern auch gegen Ralf Stegner, den stellvertretenden Vorsitzenden der SPD, der die politische Kultur Deutschlands um so emotional erregte und wenig überlegte und mit keinerlei Abstand vorgetragene Auswürfe wie die oben zitierten bereichert.

Früher hat man gesagt, wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen. Heute gilt mehr: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert.

Diese Devise gepaart mit der weitgehenden Unfähigkeit von Politikern, mit Besonnenheit, Abstand, mit Anstand, Überlegung und Überlegenheit zu reagieren, beschreibt, was sich derzeit als Politiker geriert: Ein Haufen Fühlender, affektive Ad-Hoc-Protestanten, die ihre unverdauten Ergebnisse pur emotionaler Gesteuertheit ohne einen Gedanken zu verschwenden in die Welt posaunen und ihrer Umgebung zumuten.

PolitainmentDas Pöbeln ist des Politikers Lust, das Pöbeln. Und die etablierten Politiker, die erkennt man daran, dass sie, wie Ralf Stegner dies tut, denken, ihre Pöbeleien seien in irgend einer Weise von denen, über die sie sich aufregen, verschieden.

Vor einigen Jahren war in den Politikwissenschaften die Idee des Politainment, der politischen Unterhaltung bzw. der unterhaltenden Vermarktung von Politik prominent. Dass daraus, Politpöbeln werden würde, hätte man damals nur vorhersehen können, wenn man die kognitiven Fähigkeiten moderner Politiker in Rechnung gestellt und sich vergegenwärtig hätte, dass eine vollkommene Vernunftlosigkeit viele dazu zwingt, Affekt an die Stelle von Ratio zu setzen: Sie haben und können nichts anderes als sich aufregen und pöbeln.

Ein Hinweis eines unserer Leser, der uns zwischenzeitlich erreicht hat: Nicht Heiko Maas ist der demnach größte geistige Brandstifter seit Joseph Goebbels, sondern Heiner Geißler:

“Zwar schien Brandt die Fassung zu verlieren, als er den Kanzler bezichtigte, die Unwahrheit zu sagen. Doch trotz aller Erregung brachte er unter, was er hatte loswerden wollen. In gezielter Verwechslung sprach er Kohl als Reagan an. Und er hieb auf Geißler ein: “Ein Hetzer ist er, seit Goebbels der schlimmste Hetzer in diesem Land.”

Auch diese Formulierung war wohl überlegt: Sie insinuiert den Vergleich, ohne ihn zu ziehen. Brandt: “Soll mir doch mal einer sagen, wann es bei uns seit Goebbels einen so begabten Demagogen wie Geißler gegeben hat.”

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16 Responses to Das Pöbeln ist des Politikers Lust, das Pöbeln ist des Politikers Lust,

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Das Pöbeln ist des Politikers Lust, das Pöbeln ist des Politikers Lust,

  2. Ich habe dieses politische Niveau schon einmal mit “parlamentarischer Obsoleszenz” beschrieben. Damals meinte ich das dümmliche Gequake einer gewissen Terry Reintke, die im Europaparlament Politikerin spielen darf. Selbst das damals vorherrschende Kindergarten-Niveau vermisst man in den heutigen Tagen schon.
    Was damals einfach nur unerträglich war, ist mittlerweile brandgefährlich geworden, denn zur politischen Unfähigkeit hat sich jetzt ein Ton gesellt, der Vergleiche mit den dunkelsten Kapiteln der Geschichte geradezu verlangt.

  3. Chaeremon says:

    Das Wiederherstellen von gebrochenem Vertrauen ist im Wesentlichen unmöglich. Wer angesichts so einer Situation pöbelt der hat sie als alternativlos [die Situation] akzeptiert.

  4. Zappo Bott says:

    Sicherlich würde Herr Stegner gerne anders, wenn er es denn könnte. Leider kann Herr Stegner nichts anderes als permanent verbal aus dem Maul zu stinken!

  5. Pingback: Politische Unkultur in Deutschland heute – der Fisch stinkt vom Kopf her | vacuumwest

  6. Parteihyäne says:

    [gelöscht] Ihr Kommentar, ob er nun korrekt oder nicht korrekt sein mag, trägt (a) nichts zu einer Diskussion bei und hat (b) Potential unser Blog zu diskreditieren, wenn wir ihn durchlassen. Kommentatoren haben auch eine Verantwortung uns gegenüber. Sie können hier nicht alles posten, was Ihnen in den Sinn kommt, wie nah oder fern es auch immer liegen mag.

  7. Marcus Junge says:

    “was sich derzeit als Politiker geriert”

    Ich würde die eher als typische Politiker einer Demokratie nach US-Vorbild bezeichnen. Verbrecher aus der Unterschicht, hochgespült, weil in diesem System nur der etwas wird, über den genug in der Akte steht, damit er jederzeit in die gewünschte Richtung gelenkt werden kann. Leute ohne Moral, Anstand oder Bindungen an Volk und Land, treue Parteisoldaten, die jedem Führer folgen würden, der ihnen Macht, Einkommen und etwas “Ruhm” verschafft. Ohne die Atombombe, ginge die Hetze gänzlich Richtung Osten und der nächste Weltkrieg würde schon toben. Weil sie den diesmal selber nicht überleben würden, brauchen sie einen anderen Feind, einen der zu schwach für richtige Gegenwehr erscheint, aber viel Beute verspricht, so wie bei den 2 Weltkriegen vorher. Schließlich stecken die “Demokratien” richtig tief im wirtschaftlichen Loch und in den Schuldenbergen, welche sie selber verbrochen haben und da gab es 1914 / 1939 nur eine “Lösung” für. Seit 1945 sind 70 Jahre rum, 60 bis 80 Jahre hält ein Schwundgeldsystem, dann schlägt die Exponentialfunktion zu und es implodiert mit mathematischer Präzision. Der Rest wird dann, wie man so schön sagt, bald nur noch Geschichte sein und kaum einer wird diesen Teil, wie üblich, verstehen. Schließlich sind doch die Deutschen an allem ganz alleine Schuld.

    • Ich sehe keinerlei Verbindung zur UnNterschicht. Welchen Politiker, der nicht aus einer Mittelschichtsfamilie kommt, kennen Sie? (Kurt Beck ist außen vor.)

    • rote_pille says:

      Woher kommt eigentlich dieser Mythos mit den 60-80 Jahren? Der US-Dollar z.B. ist schon seit weit über 100 Jahren in Benutzung.

      • moog says:

        bretton woods.

      • Uwe W. says:

        60-80 Jahre sind prinzipiell wohr richtig, beim US-$ gibt es Besonderheiten:
        1. Bretton-Woods-Abkommen, d.h. der $ gilt als Reservewährung für viele andere Währungen in der Welt, und es kommen im Laufe der Zeit immer mehr Länder/Währungen hinzu, d.h. die Zahl der Schuldner nimmt nach und nach zu.
        2. Der Petrodollar fördert den Zwang, den $ als Reservewährung anzunehmen (s.o.)
        3. Die Aufhebung der Golddeckung des $ in 1973. Mit dieser Maßnahme hat die USA de facto eingestanden, zahlungsunfähig zu sein, der $ ist eigentlich nix mehr wert, nur die militärische Macht der USA, Erpressung, Drohung etc. hält Länder mit großen Dollarreserven (China, EU etc.) ab, diese aufzulösen. Wenn allein China sein 2 Billionen plus x Dollar auf den Weltmarkt wirft um was auch immer zu kaufen, aber nix dafür bekommt, entsteht eine nichtmehr aufzuhaltende Entwertung des $.
        4. Derzeit extrem niedrige Zinsen bei $ und EURO (und anderen Währungen?) verlangsamen enorm den Zinseszinseffekt (=exponentielle Schuldenvermehrung)

        Alle Maßnahmen 1. bis 4. führen dazu, daß der $ noch nach über 100 Jahren lebt, aber er ist praktisch nur noch ein Zombie, wie der Euro übrigens auch.

  8. Heiner says:

    Nein, man sollte und kann Heiko Maas weder mit Goebbels noch mit Schnitzler vergleichen.
    Hilde Benjamin wäre eine Option.

  9. manfredmaus says:

    Der Parlamentarismus scheint sich ohne geeignete Gegengewichte (Referenden, strikte Direktwahl, freie Medien etc) im Laufe der Zeit ineinen Zitronenmarktzu verwandeln. Frei nach dem Sprichwort “Der Klügere gibt nach” und am Ende steht eine Situation, in der es je weiter es nach oben geht immer saurer wird.

    Bei uns fehlen einfach die Korrekturen, bzw. sie stehen außen oder warten in den Kasernen der Aliierten. Aber ob die jemalsnochmal rauskommen, um eine schlecht gewordene deutsche Politik retten ist für mich fast schon beantwortet mit nein, da sie selbst genug mit sich zu tun haben.

    Ich nehme stark an, dass wir demnächst eine stark rechtskonservative Regierung bekommen, nachem das System Merkel zerbrochen ist (was es letztlich muss angesichts der Krise). Den Wahlumfragen traue ich weniger als Seehofers Gespür für Mehrheiten und da scheint mir die AFD momentan bei 50%. Sollte dies der Grun sein für ein weiteres Durchhalten der Abgeorneten an der Seite von Merkels Wahn, dann wird in spätestens 9 Monaten einer Verfassungskrise entstehen, da sich jemand Uniformiertes (imho zu Recht) auf Art20,4 berufen fühlen wird.

    Das sind die zwei Szenarien, die mir am wahrscheinlichsten erscheinen. Beide irgendwo zwischen Pest und Cholera, da sie das Zitronenproblem der dt. Politik nicht lösen werden, sondern verlagern und letztlich in eine neue (schlimmeree)Runde tragen.

    Übrig bleibt in meinen Augen nur noch der Einbau von regelmäßigen Referenden mit niedrigen Hürden auf Landes- und Bundesebene, anders gesagtm: Das Modell Schweiz. Dort treibt die Politik zwar auch was sie will (insb. die SP bzgl. EU und Asyl), aber sie werden von Zeit zu Zeit wieder zurückgepfiffen vom Volk. Dieses mag zwar kurzfristig wankelmütig sein, aber – der Erfolg zeigt es – sie hatten bislang immer Recht mit ihren Entschieungen.

  10. caesar4441 says:

    Die Reaktion der Politmarionetten ist verständlich: Endlich wachen die Bürger auf und lassen sich kein U für ein X vormachen.Das führt dazu ,daß die Marionetten jeden Einfluß auf ihre Untertanen verlieren was wieder dazu führt ,daß die Auftraggeber der Marionetten reagieren und die Marionetten austauschen werden.Davor haben die Marionetten begründete Angst .Nicht vor dem Bürger.

  11. dneail says:

    “Neonazi-Nerds ohne Freundin, aber mit Frust.”

    Ich fühle mich mal angesprochen und antworte mit einem Zitat von Brecht:
    “Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher.”

    Wäre jetzt die Frage in welche Kategorie Maas gehört? Aber seit wann zitiert ein Neonazi Brecht? Daher votiere ich für die erste Kategorie.

  12. BRCS says:

    Wer seine Werte nicht verteidigt und seine Gestze nicht rigoros durchsetzt, wird nicht ernstgenommen, verachtet und entsprechend behandelt, da hilft auch alle Polemik nichts, sehr geehrter Herr Maas!

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