
Es ist ein Problem für den Staatsfeminismus, dass die conditio humana Menschen nach etwas Streben lässt. Menschen wollen ihre Situation verbessern und sind zumeist nicht mit dem Erreichten zufrieden. Es ist deshalb eine Aufgabe, die sich Staatsfeministen selbst gegeben haben, nicht nur Menschen umzuerziehen und mit dem Wenigen, was ihnen der Staatsfeminismus zu geben vermag, zufrieden sein zu lassen, sondern auch dieses Streben nach Verbesserung, ein aus Sicht von Staatsfeministen „männliches Streben“, auszumerzen, um die Gesellschaft der Zombies zu begründen, in der niemand mehr nach etwas strebt, und in der es eine neue Form der Klassenherrschaft gibt, die George Orwell und H.G. Wells bereits vorweggenommen haben: Die Ideologen und ihre „staatsfeministische Partei“ stehen über der Masse der Gleichen.
Doch nun zum Geist der Umerziehung, zu dem, was in den kulturellen Grundlagen, die Deutschland derzeit (immer noch) besitzt, beseitigt werden soll und zu dem, womit es ersetzt werden soll, zu den „neuen Wegen für Jungs“. Kinder und Jugendliche sind für Einflussnahme von außen am empfänglichsten. Es ist daher kein Zufall, dass die meisten und die brachialsten Versuche, Kinder und Jugendliche auf die Linie des Staatsfeminismus zu zwingen und sie „den richtigen Weg“ im Leben nehmen zu lassen, bereits im Kindergarten und in der Schule zu finden sind: Nie war Erziehung mehr von Ideologie durchsetzt als heute. Ein besonders schönes Beispiel dafür findet sich in den „Materialen zur Lebensplanung (nicht nur) für Jungen“, die Ulrich Boldt unter dem Titel „Jungen stärken“ und u.a. über die Initiative „neue Wege für Jungs“ vertreibt. Darin gibt es einen Fragebogen mit der Überschrift „Jungen, Beruf, Familie und Glück“, dem unmissverständlich entnommen werden kann, wie die neuen Wege für Jungen aussehen. Um dies deutlich zu machen, habe ich eine Reihe von Aussagen, die Jungen und Mädchen in den 9. oder 10. Klasse als richtig oder falsch bewerten sollen, etwas anders angeordnet als sie im Fragebogen angeordnet sind. Ich habe sie einander gegenübergestellt, was die inhärente Ideologie überdeutlich macht:
| Mädchen sollen das Prinzip befolgen: „Heirate nie einen Mann, der sich nicht an der Hausarbeit und Kinderbetreuung beteiligt“. | Der Mann macht die Wäsche, putzt die Wohnung und wäscht das Geschirr. Seine Partnerin bügelt alles und kauft ein und kocht. Eine solche Arbeitsteilung sollten alle Paare haben |
| Moderne Mädchen träumen nicht mehr davon, die Frau des Herrn Doktor zu sein. Sie wollen selbst Frau Doktorin werden. | Moderne Jungen wollen einen interessanten Beruf ausüben. Sie möchten aber nicht alles und jedes dem Berufsleben opfern. |
| Mädchen sollen einen guten Beruf erlernen. Dann sind sie auch in der Lage, ihre Familie zu ernähren. Denn wer weiß, was im Leben alles passiert | Jungen sollen mehr Berufe lernen, die mit Menschen zu tun haben. So sind sie auf die Betreuung ihrer Kinder vorbereitet. |
| Sind tatsächlich nur die Frauen für die Hausarbeit und Kindererziehung zuständig? Immer mehr Mädchen sind unzufrieden, wenn sie daran denken. | Immer mehr Jungen sind unzufrieden, dass im Leben nur die berufliche Leistung zählt. Sie würden lieber auch ein Teil der Familienarbeit übernehmen. Dann hätten sie wenigstens etwas von ihren Kindern. |
Angesichts der ideologischen Überfrachtung dieser wenigen Sätze weiß man gar nicht so richtig, wo man anfangen soll, daher will ich es bei der Benennung der Prämissen belassen, die ich für die perfidesten halte, perfide deshalb, weil sie Jugendlichen, die noch nach Orientierung in ihrem Leben suchen, als selbstverständlich und allseits geteilt untergeschoben werden sollen:
Der einzige Lebenszweck besteht in Fortpflanzung: Normale Jungen und Mädchen wünschen sich Kinder.- Jungen, die nicht als altmodisch gelten, sondern modern sein wollen, konzentrieren sich nicht auf ihre berufliche Karriere.
- Altmodische Mädchen wollen Frau Doktorin sein. Allein dafür, dass sich Herr Boldt nicht vorstellen kann, dass Mädchen auch früher etwas mehr als die angeheiratete Funktion ihres Ehemanns sein wollten, hätte Herr Boldt von meiner Oma eine schallende Ohrfeige erhalten.
- Das Hauptproblem, das es in einer Partnerschaft zu bewältigen gibt, besteht in der Teilung der so furchtbar wichtigen und alles überstrahlenden Hausarbeit.
- Jungen und Mädchen wollen sich um Kinder kümmern.
So ganz nebenbei wird Jungen von Herrn Boldt somit nahegelegt, nicht 100% Einsatz im Beruf zu zeigen, sich mehr als Hausmann, denn als Fachmann für was auch immer zu sehen, Hausarbeit mit beruflicher Arbeit mindestens gleichzuordnen und ihr Leben in den Dienst der Erziehung der eigenen Kinder (Mehrzahl) zu stellen. Diese Vorstellung der neuen Wege von Jungen geht eine weitere Verflechtung mit der von Staatsfeministen so vehement betriebenen Umleitung männlicher Humanresourcen aus der kalten und männlichen Wirtschaft in die warme und weibliche Sozialarbeit. In Boldts Fragebogen lautet das:
Jungen sollten mehr Berufe lernen, die mit Menschen zu tun haben. So sind sie auf die Betreuung ihrer Kinder vorbereitet.
Hat jemand noch Fragen, worin der Zweck der männlichen Existenz besteht? Hätte jemand gerne noch einen Schuss Verschwörungstheorie und böses Männer-Gemisch? Kein Problem:
Wenn Männer verstärkt in Teilzeit arbeiten wollten, dann gäbe es auch mehr Teilzeitstellen.
Die nahegelegte Konklusion, die – wie immer bei perfiden Tricks – vom Leser gezogen werden soll, lautet: Derzeit verhindern die bösen Männer die Bereitstellung und gute Bezahlung von Teilzeitjobs. Und wem dies immer noch nicht reicht, um die Zeichen der Zeit zu lesen, dem sei noch die letzte Aussage aus dem Fragebogen von Uli Boldt, mit dem Jugendlichen im Alter von 15 und 16 Jahren traktiert werden, zugemutet:
Es git schon Jungen, die sich vorstellen, Hausmann zu werden. Sie haben aber Angst davor, zu ihrer Meinung zu stehen.
Wie es mit demokratischen und freiheitlichen Idealen vereinbar ist, dass in deutschen Schulen fachfremde und ideologische Inhalte vermittelt und Schulen zu Stätten der Indoktrination umgebaut werden, wie also, die völlige Erziehungsentmündigung von Eltern legitimiert wird, ist eine Frage, die bislang nicht einmal gestellt wird, denn im Staatsfeminismus werden kritische Fragen nicht gestellt, am Ende fühlt sich noch jemand bemüsigt, sie aufrichtig zu beantworten.
Literatur:
Brescoll, Victoria L., Uhlmann, Eric Luis, Moss-Racusin, Corinne & Sarnell, Lonnie (2012). Masculinity, Status, and Subordination: Why Working for a Gender Stereotype Violator Causes Men to Loose Job Status. Journal of Experimental Social Psychology 48(2): 354-357.
Bildnachweis:
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