Staatsfeminismus als Angriff auf die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft

In ihrem Beitrag über das Patriarchat hat Dr. habil. Heike Diefenbach die unsägliche Verbindung, die  kommunistische, pseudo-anthropologische und feministische Ideen im Staatsfeminismus eingegangen sind, deutlich angesprochen und offengelegt. Als Crux davon kann man den Staatsfeminismus als kollektivistische Ideologie beschreiben, deren Ziel darin besteht, das – wie Engels es genannt hat: “lumpige[n] Individuum” (Engels 1984[1884]: 204) einem größeren als heilig und richtig angesehenen Ganzen zu unterstellen, es in ein Volksganzes einzuordnen und seiner Individualität zu berauben. Es ist von daher kein Zufall, dass der Staatsfeminismus sich gegen freien Kapitalismus wendet und ihm ein ur-kommunistisches Idyll gegenüberstellt, in dem gleiche Menschen, mit gleichem Zugriff auf die gleichen ärmlichen Ressourcen von den besonders gleichen, den Schriftgelehrten des Staatsfeminismus, gelenkt werden. Die Schriftgelehrten des Staatsfeminismus haben dabei vornehmlich die Aufgabe, die kulturellen Voraussetzung dafür zu schaffen, dass Werte, die im Kapitalismus gelten, untergraben und besser noch: beseitigt werden. Konkurrenz wird daher als “menschenfeindlich” deklariert, Märkte als Ansammlung von egoistischen Gierlingen diffamiert, der Wert der sozialen Aufopferung dem Verfolgen eigener Ziele gegenübergestellt und, in einer an Primitivität und chthonischer Übersättigung kaum zu überbietenden Weise, werden die als schädlich festgestellten Werte mit “männlichen Werten” gleichgesetzt. Als Ergebnis dieser Zuordnung ist es nicht der Kapitalismus, der bekämpft werden soll, sondern Männlichkeit, die sich aus der Sicht staatsfeministischer Ideologen im Kapitalismus niederschlägt. Die Überwindung des Männlichen ist somit der Überwindung des Kapitalismus gleichzusetzen.

Es ist ein Problem für den Staatsfeminismus, dass die conditio humana Menschen nach etwas Streben lässt. Menschen wollen ihre Situation verbessern und sind zumeist nicht mit dem Erreichten zufrieden. Es ist deshalb eine Aufgabe, die sich Staatsfeministen selbst gegeben haben, nicht nur Menschen umzuerziehen und mit dem Wenigen, was ihnen der Staatsfeminismus zu geben vermag, zufrieden sein zu lassen, sondern auch dieses Streben nach Verbesserung, ein aus Sicht von Staatsfeministen “männliches Streben”, auszumerzen, um die Gesellschaft der Zombies zu begründen, in der niemand mehr nach etwas strebt, und in der es eine neue Form der Klassenherrschaft gibt, die George Orwell und H.G. Wells bereits vorweggenommen haben: Die Ideologen und ihre “staatsfeministische Partei” stehen über der Masse der Gleichen.

Die Versuche der kulturellen Umgestaltung richten sich vornehmlich gegen Jungen und finden sich in den vielfältigsten Zusammenhängen. Ein besonders gutes Beispiel ist die Initiative “Neue Wege für Jungs”, die bewusst das Naheliegende offen lässt: Die Angabe des Ziels, des Endpunkt der “neuen Wege für Jungs”. Dass die neuen Wege für Jungs Wege sind, die Jungen in den Gegensatz zu dem stellen, was bis zum heutigen Tag mit “Männlichkeit” verbunden wird, wird demjenigen schnell klar, der sich mit den unterschiedlichen Varianten und Methoden der Indoktrination beschäftigt, die zur Manipulation von Jungen bereit stehen, auf dass sie neue Wege beschreiten. Ich will vorweg anmerken, dass die Vorteile, die dem Staatsfeminismus daraus entstehen, dass sich Jungen auf die vorgeschriebenen neuen Wege machen, offenkundig sind, was nicht offenkundig ist, nicht einmal der Erwähnung wert befunden wird, sind die individuellen Vorteile, die sich den Jungen auf neuen Wegen bieten. Wie ich unten zeigen werde, ist dies auch kein Wunder, denn die neuen Wege sind nicht mit Vorteilen, sondern mit Nachteilen für Jungen verbunden. Dies zeigt des Staatsfeminismus einmal mehr als kollektive Ideologie: Das Wohl des Einzelnen wird der “großen Sache” geopfert.

Doch nun zum Geist der Umerziehung, zu dem, was in den kulturellen Grundlagen, die Deutschland derzeit (immer noch) besitzt, beseitigt werden soll und zu dem, womit es ersetzt werden soll, zu den “neuen Wegen für Jungs”. Kinder und Jugendliche sind für Einflussnahme von außen am empfänglichsten. Es ist daher kein Zufall, dass die meisten und die brachialsten Versuche, Kinder und Jugendliche auf die Linie des Staatsfeminismus zu zwingen und sie “den richtigen Weg” im Leben nehmen zu lassen, bereits im Kindergarten und in der Schule zu finden sind: Nie war Erziehung mehr von Ideologie durchsetzt als heute. Ein besonders schönes Beispiel dafür findet sich in den “Materialen zur Lebensplanung (nicht nur) für Jungen”, die Ulrich Boldt unter dem Titel “Jungen stärken” und u.a. über die Initiative “neue Wege für Jungs” vertreibt. Darin gibt es einen Fragebogen mit der Überschrift “Jungen, Beruf, Familie und Glück”, dem unmissverständlich entnommen werden kann, wie die neuen Wege für Jungen aussehen. Um dies deutlich zu machen, habe ich eine Reihe von Aussagen, die Jungen und Mädchen in den 9. oder 10. Klasse als richtig oder falsch bewerten sollen, etwas anders angeordnet als sie im Fragebogen angeordnet sind. Ich habe sie einander gegenübergestellt, was die inhärente Ideologie überdeutlich macht:

Mädchen sollen das Prinzip befolgen: “Heirate nie einen Mann, der sich nicht an der Hausarbeit und Kinderbetreuung beteiligt”. Der Mann macht die Wäsche, putzt die Wohnung und wäscht das Geschirr. Seine Partnerin bügelt alles und kauft ein und kocht. Eine solche Arbeitsteilung sollten alle Paare haben
Moderne Mädchen träumen nicht mehr davon, die Frau des Herrn Doktor zu sein. Sie wollen selbst Frau Doktorin werden. Moderne Jungen wollen einen interessanten Beruf ausüben. Sie möchten aber nicht alles und jedes dem Berufsleben opfern.
Mädchen sollen einen guten Beruf erlernen. Dann sind sie auch in der Lage, ihre Familie zu ernähren. Denn wer weiß, was im Leben alles passiert Jungen sollen mehr Berufe lernen, die mit Menschen zu tun haben. So sind sie auf die Betreuung ihrer Kinder vorbereitet.
Sind tatsächlich nur die Frauen für die Hausarbeit und Kindererziehung zuständig? Immer mehr Mädchen sind unzufrieden, wenn sie daran denken. Immer mehr Jungen sind unzufrieden, dass im Leben nur die berufliche Leistung zählt. Sie würden lieber auch ein Teil der Familienarbeit übernehmen. Dann hätten sie wenigstens etwas von ihren Kindern.

Angesichts der ideologischen Überfrachtung dieser wenigen Sätze weiß man gar nicht so richtig, wo man anfangen soll, daher will ich es bei der Benennung der Prämissen belassen, die ich für die perfidesten halte, perfide deshalb, weil sie Jugendlichen, die noch nach Orientierung in ihrem Leben suchen, als selbstverständlich und allseits geteilt untergeschoben werden sollen:

  • Der einzige Lebenszweck besteht in Fortpflanzung: Normale Jungen und Mädchen wünschen sich Kinder.
  • Jungen, die nicht als altmodisch gelten, sondern modern sein wollen, konzentrieren sich nicht auf ihre berufliche Karriere.
  • Altmodische Mädchen wollen Frau Doktorin sein. Allein dafür, dass sich Herr Boldt nicht vorstellen kann, dass Mädchen auch früher etwas mehr als die angeheiratete Funktion ihres Ehemanns sein wollten, hätte Herr Boldt von meiner Oma eine schallende Ohrfeige erhalten.
  • Das Hauptproblem, das es in einer Partnerschaft zu bewältigen gibt, besteht in der Teilung der so furchtbar wichtigen und alles überstrahlenden Hausarbeit.
  • Jungen und Mädchen wollen sich um Kinder kümmern.

So ganz nebenbei wird Jungen von Herrn Boldt somit nahegelegt, nicht 100% Einsatz im Beruf zu zeigen, sich mehr als Hausmann, denn als Fachmann für was auch immer zu sehen, Hausarbeit mit beruflicher Arbeit mindestens gleichzuordnen und ihr Leben in den Dienst der Erziehung der eigenen Kinder (Mehrzahl) zu stellen. Diese Vorstellung der neuen Wege von Jungen geht eine weitere Verflechtung mit der von Staatsfeministen so vehement betriebenen Umleitung männlicher Humanresourcen aus der kalten und männlichen Wirtschaft in die warme und weibliche Sozialarbeit. In Boldts Fragebogen lautet das:

Jungen sollten mehr Berufe lernen, die mit Menschen zu tun haben. So sind sie auf die Betreuung ihrer Kinder vorbereitet.

Hat jemand noch Fragen, worin der Zweck der männlichen Existenz besteht? Hätte jemand gerne noch einen Schuss Verschwörungstheorie und böses Männer-Gemisch? Kein Problem:

Wenn Männer verstärkt in Teilzeit arbeiten wollten, dann gäbe es auch mehr Teilzeitstellen.

Die nahegelegte Konklusion, die – wie immer bei perfiden Tricks – vom Leser gezogen werden soll, lautet: Derzeit verhindern die bösen Männer die Bereitstellung und gute Bezahlung von Teilzeitjobs. Und wem dies immer noch nicht reicht, um die Zeichen der Zeit zu lesen, dem sei noch die letzte Aussage aus dem Fragebogen von Uli Boldt, mit dem Jugendlichen im Alter von 15 und 16 Jahren traktiert werden, zugemutet:

Es git schon Jungen, die sich vorstellen, Hausmann zu werden. Sie haben aber Angst davor, zu ihrer Meinung zu stehen.

Ich kann mich derzeit nicht entscheiden, was mich ärgerlicher macht: Die perfide Art, mit der Jugendlichen suggeriert werden soll, dass es einen Weg zur Seligkeit gibt, die fiese Art und Weise, mit der Jungen dazu motiviert werden sollen, sich doch zu outen, natürlich nicht, dass sie glauben, homosexuell zu sein, das wäre nicht im Sinne des Erfindern, nein, dass sie Hausmann werden wollen  – welch schönes und voller gloreicher Ziele steckendes Leben -,  oder die Einfachheit, mit der die Lebenschancen von Jungen der eigenen Ideologie, dem Staatsfeminismus geopfert werden. Und dass sie das werden, haben eine Unzahl von sozialpsychologischen Studien belegt. Eine dieser Studien, von Brescoll et al. (2012) erstellt, belegt sehr eindrücklich, dass Männer, die sich in nicht als männlich angesehenen Berufen befinden, einen Statusverlust erleiden, den sie nur dadurch wettmachen können, dass sie sich besonders viel Mühe damit geben, die verlorene männliche Reputation mit entsprechenden Freizeitaktivitäten (Fussball spielen, Bodybuilding …) wieder wettzumachen. Zudem zeigt sich, dass Männer, die in Berufen arbeiten, die als typisch männliche Berufe gelten, dann, wenn ihr Vorgesetzer weiblich ist, einen erheblichen Statusverlust in den Augen ihrer Umwelt erleiden und dass dasselbe für Frauen gilt, die in einem typischen Frauenberuf mit einem männlichen Vorgesetzten konfrontiert sind. Mit anderen Worten, der Staatsfeminismus mit seinem Versuch, die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft umzubauen, ist dabei, Unfrieden und soziale Konflikte herzustellen, die die davon betroffenen Individuen erheblich in Mitleidenschaft ziehen. Vertreter des Staatsfeminimus werden diese Kritik natürlich von sich weisen und darauf hinweisen, dass nicht sie es sind, die Individuen opfern, dass vielmehr  überkommene gesellschaftliche Wertvorstellungen dafür verantwortlich seien. Diese Ausflucht ändert nichts an der Kälte, mit der Staatsfeminsten Individuen instrumentalisieren, um sie den “überkommenen Wertvorstellungen” zu opfern, immer in der Hoffnung, dass ihr Opfer die eigene Ideologie voranbringt. Diese Verachtung von Individuen ist es, die kollektive Ideologien wie den Staatsfeminismus auszeichnet: Wo das hehre und oberste Gemeinschaftsgut betroffen ist, bleiben Individuen eben auf der Strecke.

Wie es mit demokratischen und freiheitlichen Idealen vereinbar ist, dass in deutschen Schulen fachfremde und ideologische Inhalte vermittelt und Schulen zu Stätten der Indoktrination umgebaut werden, wie also, die völlige Erziehungsentmündigung von Eltern legitimiert wird, ist eine Frage, die bislang nicht einmal gestellt wird, denn im Staatsfeminismus werden kritische Fragen nicht gestellt, am Ende fühlt sich noch jemand bemüsigt, sie aufrichtig zu beantworten.

Literatur:

Brescoll, Victoria L., Uhlmann, Eric Luis, Moss-Racusin, Corinne & Sarnell, Lonnie (2012). Masculinity, Status, and Subordination: Why Working for a Gender Stereotype Violator Causes Men to Loose Job Status. Journal of Experimental Social Psychology 48(2): 354-357.

Bildnachweis:
Jet packer
Davidicke

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13 Responses to Staatsfeminismus als Angriff auf die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft

  1. T.R.E.Lentze says:

    Obwohl ich inhaltlich mit Allem, was hier ausgesagt wurde, einverstanden bin und auf meinen Netzseiten gewissermaßen am gleichen Strang ziehe, möchte ich doch darauf hinweisen, daß der Artikel – entgegen der Etikettierung dieses Blogs – mit Wissenschaft so gut wie nichts zu tun hat.

    Der “Staatsfeminismus” hat seine Stoßrichtung, die er mit gewissen, nicht weiter hinterfragten Werten begründet. Das tut aber, wer ihn bekämpft, ebenfalls. Wissenschaftlich begründen läßt sich weder der Feminismus und seine Verstaatlichung, die Gynokratie; noch läßt sich die Opposition gegen dieses Treiben wissenschaftlich begründen. Denn auch hinter der Opposition – den Antifeminismus, der Feminismuskritik, dem Maskulismus, der Männer(rechts)bewegung usw. – steht eine Ideologie oder ein Wertekanon. Diese bzw. dieser kann nicht wissenschaftlich begründet werden.

    Falls jemand doch eine Begründung für den Antifeminismus verlangt, so findet er diese u.a. in der Bibel. Natürlich ist diese unwissenschaftlich. Aber immerhin, es ist eine Begründung – sogar eine solche, die für sehr viele Menschen (und nicht unbedingt die dümmsten!) Gültigkeit hat. Siehe hierzu etwa http://www.horst-koch.de/joomla_new/content/view/237/236/

    Wem dies nicht reicht (wie mir z.B.), der muß dann eben noch weiter suchen.

    Auf jeden Fall geht es um Werte. Da muß man die Wissenschaft schlichtweg hinter sich lassen, ohne deswegen ins Fabulieren zurückzufallen. Man kommt dann zur Religion. Auch hier geht es nicht ums Fabulieren, sondern um das ständige Uberwinden der Subjektivität. Die Einübung in wissenschaftliches Denken ist hierfür eine Hilfe, aber sie reicht allein nicht aus: “Scientia ancilla theologiae”.

    • BastI says:

      Sicher lässt sich, liese sich das durch die Soziologie beschreiben, so wie auch Ideeologien oder Diktaturen beschrieben werden können…wenn die Soziologie nicht selbst toal feminisiert wäre…

  2. jck5000 says:

    Erstmal: Einige entsetzliche Teile des Buches (wie den angesprochenen) gibt es online, den Fragebogen hier: http://www.eduhi.at/dl/Jungen,_Beruf,_Familie_und_Glueck.pdf

    Aber zum Inhalt:

    Natürlich werden im Staatsfeminismus kritische Fragen nicht gestellt. Man findet ja online ein paar “Arbeitsblätter” des Herrn Boldt mit dem expliziten Hinweis “Wichtig: Die Stellungnahmen bleiben als persönliche Meinungen im Raum stehen und werden nicht kommentiert oder bewertet.” (Arbeitsblatt 6). Weil Diskussion (“kommentiert”) oder gar Nachdenken (was zu einer Wertung führen könnte) geht ja mal gar nicht.

    Komischerweise gilt meine Argumentation oben nicht für das hier fokale Arbeitsblatt 7, denn hier “ergeben sich unweigerlich Diskussionen”. Die ist aber nicht offen, sondern hat als einziges Ziel die “Änderungen der Haltung bzw. Einstellung” (wo bitte ist der Unterschied zwischen einer Haltung und einer Einstellung in diesem Kontext?).

    Weiterhin irritierend ist dann, dass Arbeitsblatt 4 Aussagen beinhaltet, die so einfach keinen Sinn machen – allein die Anweisung des Arbeitsblattes erfordert eine Zustimmung zwischen 0 und 100% zu Aussagen, wobei eine Zustimmung zwischen 21 und 79 % mit Ausnahme von 50% nicht möglich ist. Aber ein paar Beispiele warum das keinen Sinn macht – oder zuumindest nicht stringent ist:

    “Kindererziehung ist und bleibt Frauensache”.
    Meine Meinung: Nö, ganz sicher nicht. Frauen verziehen Kinder nur. Das ist aber ganz sicher nicht das, worauf der Autor rauswollte.

    “Frauen können Kinder besser erziehen und den Haushalt führen”
    Diese Vermischung ist Quatsch. Und es suggeriert eine weibliche Definitionsherrschaft über das Führen eines Haushalts. Ich bin ein großer Fan zweier Spülmaschinen und wenig Geschirrschränken.

    “Jungen machen mehr Reparaturen, weil das eben Männersache ist”
    Ja zu Teil 1, nein zu Teil 2. Das liegt daran, dass Frauen es nicht können. Ja, es gibt sicher Ausnahmen. Ich kenne persönlich keine. Aber damit man nicht auf die Idee kommen könnte, dass ich Recht habe, gleich hinterher:

    “Mädchen sind eigentlich viel geschickter als Jungen und können auch besser kleine Reparaturen machen”

    Ach, _kleine_ können sie. Aber große wohl nicht. Gut, darauf kann sich sogar ein patriarchalistischer, antifeministischer Quengler wie ich einlassen – oder? Hmmmm… ne, ja, muss ich. Ich wechsle nur die Glühbirnen an der Decke, meine Frau die der Stehlampen. Trotzdem nein zu der Aussage, ich wechsle die genauso gut.

    “Jungen sollen auf jeden Fall mehr Kenntnisse im Bereich der Hausarbeit erwerben”
    Selbstverständlich. Die ganzen Emanzen bringen ihren Töchtern ja nicht mal mehr bei, wie man kocht. Und das geht schon lange so, nichtmal meine Mutter kocht gut (so im Verhältnis zu meinem Vater).

    Aber gut, langsam wird’s öde, es geht ja nur in die gleiche Richtung. Ich bitte daher eine überzeugte Feministin, mir vorzuwerfen, dass ich das nicht ernst genug nehme alles so, und bitte ohne jedgliche Begründung.

    Neben dem Bedürfnis, meine Meinung zu Herrn Boldts Machwerk (was ich nicht gelesen habe und auch nicht werde, die Ausschnitte reichen mir) zu konstatieren, nach diesem Endlostext noch ein paar andere Punkte:


    Ich konnte ganz ehrlich HG Wells nicht sofort nachvollziehen. Und bei dem Gedanken, dass Männer wie Morlocks als nutzlose und ausschließlich Eloi (müssen dann wohl Frauen sein) schädigende/tötende Wesen dargestellt werden, gruselt mir. War das so gemeint, Herr Klein?

    Die Forderung, dass Männer nicht 100% Einsatz im Beruf zeigen, finde ich verständlich. Denn wenn das Leistungsniveau der Männer sinkt, steigt relativ das der Frauen, was sicher gut für die Feministische “Argumentation” ist.

    Bei den Lebenszielen bin ich nicht sicher. Meine Lebensziele mit 16 waren tendenziell sehr schnell reich und unbedingt Doktor zu werden. Das hat nur zu einem Drittel geklappt (schnell und reich nicht), und mittlerweile habe ich andere Präferenzen. Kinder nerven mich immer noch, und meine Beteiligung an der Hausarbeit ist revers proportional zu meiner Beteiligung an der Steuererklärung: Ich koche, meine Frau kümmer sich um die Unterlagen. Das findet sie zwar unfair, will aber nicht tauschen. Ich auch nicht.

    Zu den sozialen Spannungen: In meinem Bekanntenkreis sind einige Frauen, die mehr verdienen als ihre “Lebensabschnittsgefährten” – zwei der drei sind verheiratet. Nur eine hat damit kein Problem, der Rest fühlt sich nicht gut (die eine schuldig und die andere überfordert – Lebensstandards und so; sie hätte gerne Kinder, viele sogar). Ich schreibe das mal als eine der kranken Auswirkungen des Staatsfeminismus ab. Bei der dritten fühlt sich der Mann scheiße, dem hilft der Staatsfeminismus also auch nicht.

    Frauen als Chefs – kenne ich fast nur Leute, die das ablehnen. Ich rede jetzt mal wieder nur von den Frauen in meinem Bekanntenkreis (ich selbst würde nie wieder “für” irgendwen arbeiten) – die eine hat eine Chefin, die ihre fachlich hohe Kompetenz ignoriert und nur auf Socializing bedacht ist (ich behaupte mal, dass das die Regel ist, wenngleich es nicht ausschließlich für weibliche Chefs gilt); die andere hat männliche Mitarbeiter und musste die erstmal unter den Tisch saufen, um Respekt zu bekommen. Das war wohl nicht so das Problem, und dann geht das alles. Aber das kann halt nicht jede, und deswegen kann Frauenquote nicht funktionieren.

    Die Indoktrination in der Schule fällt auch den Lehrern auf, und die finden das teilweise auch nicht gut (ich kenne wenige, aber wenigstens ein paar). Sie “unterrichten” es trotzdem, weil es im Lehrplan steht und auf den Gedanken zu kommen, sich da nicht dran zu halten, weil ihnen eh niemand was kann da sie Beamte sind, das haben sie schon lange (oder sehr schnell) verlernt, das mit dem eigenständigen Denken.

    Ich erlaube mir, mit einem letzten Zitat-Kommentar zu Herrn Boldt zu schließen:

    “Cool sein” ist eine besondere Stärke von Jungen”

    Ohja. Frauen verstehen (fast ausschließlich) den Unterschied zwischen cool und zickig nicht, und zickig ist sehr uncool. Glücklicherweise gibt es auch hier Ausnahmen, und einer werde ich jetzt Abendessen kochen.

  3. Mo says:

    ” Wenn Männer verstärkt in Teilzeit arbeiten wollten, dann gäbe es auch mehr Teilzeitstellen. ”

    Herr Klein meint dazu:
    ” Die nahegelegte Konklusion, die – wie immer bei perfiden Tricks – vom Leser gezogen werden soll, lautet: Derzeit verhindern die bösen Männer die Bereitstellung und gute Bezahlung von Teilzeitjobs.

    Herr Klein, also das finde ich ja nun etwas sehr speziell gemutmaßt.

    Ich würde es sehr begrüßen, wenn dieses Thema (Männer und Teilzeitbeschäftigung), ganz besonders von den Männerbewegungen/Männerrechtsbewegungen, verstärkt aufgegriffen und beleuchtet würde.
    Das Ergebnis einer großangelegten Befragung, ob Männer tatsächlich einen Teilzeitjob annehmen würden, wenn es dementsprechend viele geben würde, wäre sicher interessant. Ich könnte mir vorstellen, dass Männer sofort einen Teilzeitjob annehmen würden, wenn die Partnerin zeitversetzt/zeitgleich ihrerseits auch einen Teilzeitjob ausüben würde. Um gesellschaftspolitisch und wirtschaftspolitisch etwas zu verändern, halte ich die Thematisierung für überaus wichtig.

    • “Herr Klein, also das finde ich ja nun etwas sehr speziell gemutmaßt.”

      Ich nicht. Und jetzt? Vielleicht können Sie ihrer Empfindung noch eine Begründung nachfolgen lassen.

      Ich würde es begrüßen, wenn Sie, für das was sie begrüßen würden, eine Begründung angeben würden. Ich kann z.B. überhaupt keinen Sinn darin sehen, Männern Teilzeitjobs schmackhaft zu machen. Worin soll der gesellschaftliche Nutzen bestehen? Was haben die einzelnen Männer von einer Teilzeitarbeit? Was haben die Arbeitgeber davon? Eines der wichtigsten Konzepte in der Ökonomie, economies of scale, beschreibt Lerneffekte, die dann entstehen, wenn man dauerhaft an einer Sache arbeitet, woraus sich zwangsläufig verbesserte Fähigkeiten ergeben, die wiederum dazu führen, dass bestimmte Aufgaben schneller und besser ausgeführt werden. Anders formuliert: mit einer vollstänidgen Tätigkeit geht ein höheres Maß an Professionalität einher als mit einer Teilzeitarbeit. Warum soll es noch einmal gut sein, eine Ökonomie durch Teilzeitjobs zu deprofessionalisieren?

      Was die Männerbewegung/Männerrechtsbewegung mit Teilzeitjobs für Männer macht oder nicht macht, entzieht sich meinem Einfluss.

      • jck5000 says:

        Ich finde das auch nicht “gemutmaßt”, sondern sehr realitätsnah.

        Und wenngleich ich mich mit dem Economies of Scale-Argument nicht wirklich anfreunden kann, fällt mir kein zu haltendes Gegenargument ein (denn wenn Mann nach einigen Jahren Vollzeitarbeit professionell genug ist, und dann nur Teilzeit arbeitet, dann wäre das evtl. für ihn relaxed, aber gesellschaftlich sicher nicht wünschenswert, so von wegen Produktivitätsverlust. Und an “Chancen für XY” zu Lasten von irgendwas glaube ich nicht.

        Ich finde aber grundsätzlich Teilzeitjobs für Männer super, aber Blockmodelle: 7 Monate voll arbeiten, 5 Monate frei, als 2/3 Stelle. So habe ich promoviert. Da hat man dann noch Zeit für einen “Nebenjob”. Oder Weltreisen. Oder beides.

        • Omti says:

          Sehe ich ehrlich gesagt ähnlich. Ich lebe ja nicht zum Arbeiten, sondern arbeite um zu leben… Bei 5 Millionen defakto Arbeitslosen, wen schert da der produktivitätsverlust durch Teilzeit. Es gibt genügend andere, die das übernehmen könnten.

          • Das Problem sind weniger die Arbeitslosen als die Tatsache, dass man für bestimmte Jobs bestimmte Fähigkeiten und Qualifikationen benötigt und zudem steigen mit der Dauer einer Tätigkeit die Fähigkeiten und es wachsen die Erfahrungen. Diese Zusammenhänge sind (a) nicht wegzudiskutieren und (b) nicht dadurch zu entkräften, dass man Arbeitslos umschult, um es auf den Punkt zu bringen: Sie können nicht einfach Arbeitslose zu Erfindern umschulen.

      • Mo says:

        Herr Klein, es geht mir darum, dass der Mann in der Gesellschaft überhaupt eine freie Wahl hat.
        Er soll eine Auswahl treffen können aus mehreren Möglichkeiten/Angeboten. Das kann er in der Regel aber nicht, weil überhaupt gar keine Angebote zur Auswahl vorliegen, das lässt der (Staats) Feminismus gar nicht zu. Unser verkrustetes Gesellschaftssystem bietet für den Mann nur die Vollzeitbeschäftigung an, alles andere scheint nicht vorstellbar. Der Mann verbringt also die meiste Zeit seines Lebens im Beruf/Job. Das will er vielleicht gar nicht. Es geht mir nicht darum, was für ein Nutzen daraus erwächst, oder ob das für Sie Herr Klein, ökonomischer Nonsens ist, es geht mir um die Möglichkeit, dass der Mann das Angebot einer Teilzeitbeschäftigung überhaupt erhält, um dann zu entscheiden, ob er es annehmen möchte. Daher verhindern Männer eben nicht die Bereitstellung und gute Bezahlung von Teilzeitjobs, das kann also auf keinen Fall von irgendeiner Stelle glaubhaft gepriesen bzw. argumentativ vorgetragen werden, ich wundere mich daher, dass Sie Herr Klein meinen, dass genau das versucht wird. Was die Ökonomie betrifft: Ökonomie hat sich nach den Vorgaben der Menschen zu richten – und nicht der Mensch nach den Vorgaben der Ökonomie. Sie hat also die Aufgabe Vorschläge zu erarbeiten, selbst wenn die Verhältnisse das nicht hergeben. Wenn Ökonomie also die Komponente, dass es z.B. mehr Teilzeitjobs geben könnte und weniger Vollzeit gearbeitet wird, nicht in der Lage ist auch zu Grunde zu legen, dann frage ich mich ob sie noch gebraucht wird.

        • Dass die Ökonomie sich nach den Vorgaben der Menschen zu richten haben, ist schön, hoffentlich weiß “die Ökonomie” das… Sie können Ihren Imperativ genau so lange umsetzen, wie sie im Supermarkt vor vollen Regalen stehen und wenn der Mangel Einzug hält, dann wird sich schnell zeigen, in welche Richtung die Kausalität verläuft … Was ist eigentlich so wünschenswert an Teilzeitjobs? Ich meine, außer dass man mehr “Freizeit” hat. Die Frage ist doch, was mit der Freizeit anfangen? Ich vermute, die Antworten auf diese beiden Fragen werden uns ganz schnell ins Fahrwasser staatsfeministischer Lebensplanungs-Vorgaben bringen!

  4. Hans Alef says:

    Da scheinen mir einige in der Adenauer Zeit stecken geblieben zu sein oder meinen die äußere Rolle “definiere” den Mann. Einfältig ist so eine Denkweise. Alle Väter, die keiner Berufung (und wer lebt die schon ?), sondern einer Maloche nachgehen müssen, werden privilgiert dadurch, das sie bei den Kinder zuhause bleiben dürfen und sichern sich so auch noch ihre Väterrechte.

    “http://www.youtube.com/watch?v=99r46HbiJEw”

    Ein mir bekannter Vater im mittleren Management bei der Telekom, sagte mir einmal, es wäre unnatürlich als Vater bei den Kindern zu bleiben. Als er mit 40 am Schreibtisch einen Infarkt bekam, fragte ich ihn ob seine Arbeit natürlicher und gesünder sei, als mit seinen Kindern z.B. eine Fahrradtour zu machen ?

    Gut, das ich meinen Bürojob vor vielen Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben konnte und durfte.

    • Hallo Hans,
      das Problem mit den Fallbeispielen ist, dass man immer ein Gegenbeispiel findet. Ein mir bekannter Hausmann ist beim Kindersitting an Masern erkrankt und war am Ende derart mitgenommen, dass er sich schnellstens wieder in seinen Beruf begegeben hat, nach dem Motto: einmal und nie wieder. Es ist und bleibt eben eine individuelle Entscheidung, der man keinen kollektiven Zwangsstempel aufpressen kann.

      Was die Rollendefinition von “Mann” angeht, so denke ich, dass Erwerbstätigkeit nichts mit “Männlichkeit”, dagegen aber etwas mit Überleben zu tun hat, immer vorausgesetzt, man will nicht an der arbeitenden Gemeinschaft schmarotzen… Insofern sitzen Männlein und Weiblein im nicht staatsfeministischen Naturzustand im selben Boot, erst mit den “milden Gaben” durch den Staatsfeminismus, wird die Notwendigkeit eingeführt, sich einer Geschlechtsrolle “Maloche” oder “Nicht-Maloche” zuzuordnen. Es ist halt der alte Antagonismus der Klassen nur in neuem Gewandt.

      • Hans Alef says:

        Hallo Michael,

        ja der kollektive Zwangsstempel ist leider im Gegensatz zum Anglo Raum in Deutschland sehr ausgeprägt. In den USA sind deutlich mehr Frauen Top ausgebildet als Männer und wir leben in einer Multi Task Gesellschaft. Von daher ist es schon ihre Pflicht die Familie zu ernähren, vor allem wenn der Mann die höhere emotionale Intelligenz im individuellen Fall haben sollte. Vg Hans

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