USA: Antifa zur terroristischen Organisation erklärt

Kriminologen mühen sich nun schon seit Jahrhunderten, deliquentes Verhalten zu erklären. Dabei hat der Kriminelle unterschiedliche kausale Bestimmungen erfahren. Von der biologischen Veranlagung bis zum Erlernten reicht die Spannbreite der Erklärungen.

Mitglieder der Antifa treten regelmäßig mit delinquentem Verhalten in Erscheinung. Ihr Repertoire reicht von der einfachen Sachbeschädigung bis zur bandenmäßig ausgeübten Gewalt, wie sie im schweren Landfriedensbruch ihren Niederschlag im Strafgesetzbuch gefunden hat.

Die Erklärung der entsprechenden Straftaten ist eine Herausforderung für kriminologische Theorien.

Rational Choice Theorien gehen davon aus, dass Kriminalität ein geplantes und zielgerichtetes Verhalten ist, das um eines Nutzens Willen begangen wird. Ein Einbrecher hofft auf Beute. Ein Dieb will sich in den Besitz eines Gutes bringen. Ein Mörder hofft auf reiches Erbe, und ein Gewalttäter verbindet damit, dass er sein Gegenüber grün und blau schlägt, die Hoffnung auf Status innerhalb seiner Peer-Group.

Die entsprechende Erklärung ist eine individualistische Erklärung, die einen individuellen Nutzen als Grund dafür sieht, das Straftaten begangen werden.

Bei der Antifa hat man das Gefühl, Rational-Choice Erklärungen greifen zu kurz, denn der individuelle Nutzen, der daraus zu gewinnen ist, dass man gemeinschaftlich Steine auf Polizeibeamte wirft, daraus, dass Mülltonnen oder Pkws Unbeteiligter in Brand gesteckt werden, ist eher unbestimmt, sofern er überhaupt vorhanden ist. Ideologische Kriminelle wie sie sich bei der Antifa finden, scheinen in ihrem Verhalten durch die Annahme, sie würden sich rational verhalten, nur unzureichend erklärt zu werden.

Wie also die scheinbare Irrationalität der Antifa-Kriminellen erklären?

Eine Möglichkeit besteht darin, auf den alten Zweig biologischer Erklärungen auszuweichen und – in modernisierter Fassung – anzunehmen, dass sich Antifa-Kriminelle durch eine genetische Besonderheit oder Absonderlichkeit vom Rest der Bevölkerung unterscheiden.

Eine unbefriedigende Erklärung, weil sie keinerlei sozialen Einfluss, keinerlei individuelle Motive für die Begehung von Straftaten benötigt und man über kurz oder lang in Erklärungsnot kommt: Wie zum Beispiel kann man die Zusammenrottung von Antifa-Kriminellen in von ihnen besetzten Häusern biologisch erklären? Man müsste eine Form von Anziehungskraft, ähnlich der, die Fliegen zum ranzigen Käse leitet, annehmen und wäre noch spekulativer unterwegs als man dies mit biologischen Erklärungen sowieso schon ist.

Eine bessere Möglichkeit besteht darin, das delinquente Verhalten von Antifa-Kriminellen im Rahmen einer Lerntheorie zu erklären, wie sie z.B. Edwin K. Sutherland entwickelt hat und mit der Anomie-Theorie von Robert K. Merton zu verbinden.

Sutherland hat seine Theorie differenzieller Assoziation u.a. vor dem Hintergrund ethnographischer Studien über Jugendbanden wie sie Trasher und Whyte durchgeführt haben, entwickelt. Im Kern sagt Sutherland, dass delinquentes Verhalten erlerntes Verhalten ist, das sich immer dann zeigt, wenn die Handlungsangebote, die delinquentes Verhalten zu Gegenstand haben, häufiger sind, als die Handlungsangebote, die nicht-delinquentes Verhalten zum Gegenstand haben.

Die Verbindung zur Bandenforschung ist offenkundig, denn in Banden richtet sich das meiste Bestreben darauf, durch Straftaten einen Vorteil zu erzielen. Bandenmitglieder werden in ein Leben als Straftäter sozialisiert, erhalten nicht nur die Mittel zur Begehung von Straftaten, sondern auch die Begründungen für die Begehung von Straftaten mitgeliefert. In diesem Sinne hat Trasher in seiner Untersuchung zu Jugendbanden etwa gezeigt, dass Gewalttaten, die für normale Beobachter wie eine sinnlose Tat erscheinen, für die Mitglieder der Bande einen Statusgewinn zur Folge hatten. Wer sich durch Gewalttaten hervortat, hat damit einen Anspruch auf Führung der Gruppe begründet.

Mit anderen Worten, was für Außenstehende wie sinnloser Vandalismus und sinnlose Gewalt aussieht, hat für die Antifa-Mitglieder einen internen Wert. Sie können sich voreinander produzieren, sich als besonders wertvolle, weil besonders gewalttätige Mitglieder der Antifa-Bande darstellen und auf diese Weise Status gewinnen. Diese Erklärung macht die Nähe der Antifa zur Jugendbande deutlich und zeigt, dass die Antifa-Bande von einer Mehrheit infantiler Mitglieder aufrecht erhalten wird. Zu dieser Mehrheit der Infantilen gesellen sich in der Regel ein oder mehrere opportunistische Gruppenmitglieder, die aus der Infantilität der anderen einen direkten Nutzen, zumeist in Form von Geld oder materiellen Leistungen ziehen.

Nunmehr bleibt noch zu erklären, warum sich die Antifa-Kriminalität gegen die Vertreter des Staates und gegen das richtet, was die Antifa-Kriminellen als kapitalistisches System ansehen.

Hier hilft Merton mit seiner Anomietheorie weiter. Letztere ist eigentlich eine Deprivationstheorie, denn sie erklärt z.B. delinquentes Verhalten als Ergebnis eines Auseinanderklaffens gesellschaftlicher Ziele und individuell verfügbarer Mittel. Das klassische Beispiel waren zu Zeiten Mertons die Kids aus der Bronx, die entweder als Super-Basketballspieler oder als Krimineller in den Besitz der materiellen Mittel kommen konnten, die sie benötigten, um sich z.B. ein Auto leisten zu können.

Heute hat der Wohlfahrtsstaat die Bedürftigkeit weitgehend beseitigt. Mit einer zunehmenden materiellen Sicherung geht eine zunehmende ideologische Unzufriedenheit einher, die man auch als Neid bezeichnen und mit Homans erklären kann, der die These aufgestellt hat, dass die Befriedigung von einem Bedürfnis dazu führen wird, neue Bedürfnisse zu entwickeln. Wenn ein Antifa-Krimineller als von dem Staat, dessen Repräsentanten er bekämpft und als Ergebnis des wirtschaftlichen Systems, das er abschaffen will, in einer Weise ausgehalten wird, die ihn von der Sorge um seinen täglichen Lebensunterhalt freistellt, sind Grundbedürfnisse befriedigt und die Grundlagen für die Entwicklung neuer Bedürfnisse gelegt. Da Antifa-Kriminelle keine Grundbedürfnisse haben, die befriedigt werden müssen, bleibt ihnen nur, ihre Situation mit der Situation von anderen zu vergleichen, nicht mit anderen, die arbeiten, sondern mit anderen, die, wie sie meinen, nicht arbeiten, so wenig arbeiten wie die Antifa-Kriminellen, um nunmehr ihre psychologischen Bedürfnisse zu befriedigen.

In der Vorstellungswelt der Antifa sind es die Reichen, die gesichtslosen Konzerne, die unbekannten Bonzen, die wenigen, die so viel Reichtum gehortet haben, während die vielen, arbeiten müssen, die zum gesellschaftlichen Ziel im Sinne Mertons aufgebaut werden, und weil es dem ordinären Antifa-Kriminellen nicht möglich ist, den Reichtum zu emulieren, den er gerne hätte, weil er nicht einmal in der Lage ist, an die Reichen, die er so bewundert und beneidet, heranzukommen, um sie direkt um ihren Reichtum zu erleichtern, bleibt ihm nur Destruktivität, quasi der Aufstand der Neidischen gegen die von ihnen phantasierten Reichen, ein Aufschrei der Anomie, ausgeübt von denen, die sich mit ihrer Rolle als Loser abgefunden haben und nun von dem Motiv beherrscht werden, diejenigen, die sie als Ursache dafür sehen, dass es Reiche gibt, zu bekämpfen: Den Staat und seine Institutionen, die Wirtschaft und ihre vermeintliche Organisation als kapitalistisches System.

Wären beide, politische und wirtschaftliche Ordnung, beseitigt, so unsere Rekonstruktion der psychologischen Bedürfnisse der Antifa-Kriminellen, dann hätte niemand mehr als sie, und es wäre entsprechend nicht nötig, auf andere neidisch zu sein.

Zusammengenommen ergibt sich für die Antifa das Bild einer bandenmäßigen Struktur, einer Form organisierter Kriminalität, deren Ziel nicht darin besteht, für sich (finanzielle) Ressourcen zu gewinnen, sondern darin, die (finanziellen) Ressourcen anderer zu zerstören. Die Destruktion als das Motiv, das Antifa-Kriminelle an ihre kriminelle Vereinigung bindet, bringt ein Symbolsystem mit sich, das Status für Straftaten gegen die Institutionen des Staates vergibt und Gewalttaten als Mittel, einen Anspruch auf eine höhere Position innerhalb der Hierarchie der kriminellen Vereinigung zu erheben, einführt. Im Ergebnis werden Straftaten gegen den Staat, seine Institutionen und neuerdings vermehrt gegen Menschen mit anderer Meinung, die als ideologische Feinde angesehen werden, geplant und organisiert, und zwar mit dem Ziel, durch direkte Gewalt, die mehr oder weniger willkürlich ist, Angst und Schrecken zu verbreiten, Gewalt gegen einen oder einige wird genutzt, um Zwang und Druck auf andere und auf staatliche Institutionen auszuüben.

Damit kann die Antifa nicht nur als kriminelle Organisation, die bandenmäßige Strukturen aufweist, erklärt werden, sie muss auch als terroristische Vereinigung angesehen werden.

Und zu genau diesem Ergebnis ist die New Jersey Homeland Security gelangt. Deshalb wird in den USA die Antifa seit dem 3. Juli 2017 als terroristische Vereinigung angesehen.

Literatur

Cornisch, Derek B. & Clarke, Ronald U. (eds.) (1989). The Reasoning Criminal. Rational Choice Perspectives on Offending. New York: Springer.

Decker, Scott H. & van Winkle, Barrik (1996). Life in the Gang. Family, Friends and Violence. Cambridge: Cambridge University Press.

Merton, Robert K. (1968). Sozialstruktur und Anomie. In: Sack, Fritz & König, René (Hrsg.): Kriminalsoziologie. Frankfurt a. M.: Akademische Verlagsgesellschaft, S. 283-313.

Merton, Robert K. (1958). Social Theory and Social Structure. Glencoe: Free Press.

Sutherland, Edwin K. (1947). Principles of Criminology. Philadelphia: Lippincott.

Trasher, Frederic M. (1936). The Gang. Chicago: University of Chicago Press.

Whyte, William F. (1943). Street Corner Society. Chicago: University of Chicago Press.

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