Häresie an Jammerlappen? Kann man die Amadeu-Antonio-Stiftung lächerlich machen?

Ein Lob an Achim Winter. Der ZDF-Mann und u.a. 3.35 Minuten-Satiriker des ZDF mit eigener Woche, er hat geschafft, was viele bislang nicht geschafft haben: Die Amadeu-Antonio-Stiftung ist „schwer getroffen“ (aber leider (noch) nicht versenkt).

„Schwer getroffen“ fühlt sich stellvertretend oder repräsentativ für die gesamte Stiftung deren Stiftungsrats-Vorsitzender Andreas Zick. Und verstört ist man bei der Stiftung und im Stiftungsrat der Stiftung, die weitgehend vom Bundesministerium für FSFJ ausgehalten wird, über Winters Woche von letzter Woche, in der sich Achim Winter der Hassrede widmet, jenem Bereich, in dem die Amadeu-Antonio-Stiftung so viel eigene Expertise hat und jenem Bereich, an dem die Stiftung so hervorragend verdient.

So sehr sind die Amadeus getroffen, dass sie vom ZDF verlangen, den Beitrag Winters aus der ZDF-Mediathek zu entfernen. Mit Meinungsfreiheit, so zeigt sich einmal mehr, hat man bei der Stiftung, deren Mitarbeiter nicht nur selbst Hasskommentare absetzen, von denen man sogar beim Bundesinnenministerium denkt, man müsse sich von ihnen distanzieren, sondern die die politisch falschen Hasskommentare anderer beseitigen will und zur Denunziation der Urheber aufruft, nicht allzu viel am Hut.

Wer bislang noch nicht gewusst hat, welch‘ Geistes Kind die Amadeus sind, der weiß es nun. Richtet sich Kritik an ihre Adresse, dann werden sie schnell zickig, schicken Andreas Zick, den Konflikforscher oder wahlweise Sozialpsychologen, den man bei der ZEIT so gerne zitiert, zu eben dieser ZEIT, um dort einen Brief abzugeben, den die Stiftung, nein der Stiftungsrat geschrieben hat, an einen anderen, nämlich den Fernsehrat geschrieben, um den Beitrag von Achim Winter, den die Stiftung seit kurzem auch auf Twitter verfolgt, aus der Mediathek des ZDF zu löschen. Derartige Begehren gab es schon einmal. Sie kommen, seltsamer Weise immer aus der linken Ecke des politischen Spektrums, wo man mit Meinungen, die nicht die eigenen sind, erhebliche Schwierigkeiten zu haben scheint.

So wie Andreas Zick, der darüber jammert, dass man die Stiftung, die so wichtige Arbeit leiste (wenn man auch nicht angeben kann, welchen Nutzen die Arbeit der Stiftung hat, egal: die Arbeit ist wichtig), lächerlich mache. Das meint der Mann im Ernst.

Und wir fragen:

Amadeu Antonio Satire
Humorfähig ist man bei der AA-Stiftung nur, bei politisch-korrekter, primitiver Schadenfreude

Kann man eine Stiftung lächerlich machen, die öffentlich zu Denunziation aufruft und das Netz überwachen will, damit auch niemand einen bösen Hasskommentar absetzt, also z.B. Polizisten als Schweine bezeichnet und dazu aufruft, die Schweine zu verletzen. Aber nein, da ist uns wieder etwas durcheinander gegangen. Das sind linke Hasskommentare. Die sind unbedenklich. Bedenklich sind nur Hasskommentare, die aus der rechten Ecke kommen, in denen Begriffe wie „Wir“ und „die“ vorkommen, wie Achim Winter genüsslich aus einer absurden Broschüre der Amedeu-Antonio-Stiftung und wohl aufgrund seiner ScienceFiles-Lektüre zitiert. Kann man eine solche Stiftung dadurch lächerlich machen, dass man die Tätigkeit der Stiftung als „Bespitzelung“ also als das benennt, was sie wirklich ist?

Wir fragen weiter:
Kann man eine Stiftung, deren Vorsitzende sich die ersten Meriten im Feld als Mitarbeiter der Staatssicherheit verdient hat, dadurch lächerlich machen, dass man sagt. „Ich rufe jetzt mal bei Frau Kahane an … die ist für jeden Tipp dankbar“? Oder ist nicht etwa eine Stiftung, die das politisch-korrekte Reinheitsgebot im Internet durchsetzen will, per se schon lächerlich, wenn sie dies unter der Ägide einer Vorsitzenden tut, die bereits bewiesen hat, dass sie dann, wenn es darum geht, andere auszuhorchen und anzuschwärzen, mit den unterschiedlichsten Anbietern politischer Reinheit zusammenarbeitet, einmal mit dem Erich Mielke, einmal mit dem Heiko Maas?

Kurz: Man kann die Amadeu-Antonio-Stiftung nicht lächerlich machen. Sie ist es längst. Wäre sie es nicht längst, das Jammern, das nun wieder einsetzt, weil es jemand gewagt hat, die heilige Amadeu Stiftung zu kritisieren, die doch sakrosankt über jeder Kritik durch andersmenschliche wie Winter oder ScienceFiles steht, der Versuch, die eigene Stiftung jeder Kritik zu entziehen, sie würden ausreichen, die Stiftung lächerlich zu machen.

Amadeu Antonio ZEITDas Gespann Kahane und Zick leistet hier bessere Arbeit als jeder Satiriker sie leisten könnte. Z.B. dadurch, dass wohl Zick seine Beziehungen zur ZEIT, mit der die Stiftung auch in anderen Bereichen innig zusammenarbeitet, genutzt hat, um seinen Jammerbrief zu publizieren, jenen Jammerbrief, mit dem der kleine Zick vom Stiftungsrat zum großen ZDF-Fernsehrat gelaufen ist und nun will, dass der große Bruder den bösen Achim auch ganz doll verhaut. Als wäre dies nicht lächerlich und peinlich genug, setzen die Mannen bei der ZEIT in ihrem Beitrag noch einen obendrauf, wenn sie einmal mehr darauf hinweisen, dass böse Menschen in Berlin, die Tür zu den heiligen Hallen der Amadeu-Antonio-Stiftung mit Flugblätter beklebt haben, auf denen zu lesen stand: „Sie betreten den Überwachungsstaat“. Das ist natürlich Diffamierung. Es richtet sich gegen die Amadeu-Antonio-Stiftung und kommt von Rechten. Das reicht. Wie gesagt, Herkunft und Inhalt entscheiden darüber, ob etwas in der Welt der Zicks und Kahanes eine Diffamierung oder eine Hassrede ist, was uns wieder zu den Polizisten bringt, deren Verletzung von Linken gefeiert wird, und die als Abschaum bezeichnet werden.

Und natürlich darf auch die Geschichtsklitterung nicht fehlen: 19 Jahre sei Kahane gewesen, als sie von der Stasi angeworben wurde, so steht im Artikel der ZEIT zu lesen. Warum? Um die Schuld zu mildern. Denn 19Jährige sind noch dumm und anfällig für die Anwerbeversuche der Stasi. Das ist versuchte Manipulation der Leser, denn es gab in der DDR sehr viele 19jährige, die sich nicht von der Stasi haben anwerben lassen, die ihre nächsten Bekannten nicht für die Stasi ausspioniert haben und dafür keine kleinen Geschenke erhalten haben.

Dazu aus dem Gutachten von Dr. Helmut Müller-Enberg: „“Frau Kahane hatte zu Beginn der Kooperation [mit der Stasi] über ihr näheres Umfeld, Freunde und Studienkollegen zu berichten. Sie berichtete darüber nach den Niederschriften ihres Führungsoffiziers auch ‚belastend‘. Allerdings bemerkt der Führungsoffizier, dass Frau Kahane von Anfang an auch Sachverhalte ‚verschweigt‘. … Außerdem wirkt … Frau Kahane nach dem Eindruck aus den Akten altklug, insbesondere, was die Bewertung politischer Kader angeht“.

Außerdem wurde Kahane nicht angeworben. Das ist eine Lüge, denn Kahane hat sich, wie aus dem Gutachten von Müller-Enberg hervorgeht, freiwillig erboten, für die Stasi zu arbeiten. Und weil eine Lüge ungerne alleine bleibt, gibt es gleich noch eine zweite im Beitrag der ZEIT, dieses Mal in der Behauptung, ein Gutachten [das Gutachten von Müller-Enberg] habe festgestellt, dass Kahane als IM „keinem anderen Menschen geschadet“ hätte. Müller-Enberg stellt in seinem Gutachten ausdrücklich fest, dass „Informationen [an die Stasi]… per se das Risiko enthalten konnten, Dritte zu benachteiligen“. Und nachdem, was aus den Akten über die IM-Victoria bekannt ist, haben die Informationen tatsächlich geschadet:

“Fast 800 Seiten umfasst die IM-Akte “Victoria”, von denen die Birthler-Behörde gut 400 Seiten freigegeben hat. Enthalten sind mehr als 70 Informationen, die ausweislich der Akte von der Stasi-Zuträgerin stammen. IM “Victoria” berichtete ihrem Führungsoffizier über Bekannte, die sie im privaten Rahmen aushorchte – während einer Faschingsfeier, einer Hochzeit, eines Konzerts oder eines Stadtbummels.
Mit ihren Angaben belastete Kahane Dutzende Personen aus ihrem unmittelbaren Umfeld, darunter viele Künstler. Sie berichtete über einen ZDF-Reporter, mehrere Studenten von West-Berliner Universitäten und vor allem über in der DDR lebende Ausländer. Kahane führte Aufträge aus und erhielt von der Stasi kleinere Geschenke und Geld. In einem von IM “Victoria” stammenden Bericht heißt es 1976 über einen Kreis von Schriftstellern und Schauspielern: “Zu den Feinden der DDR gehören in erster Linie Klaus Brasch und Thomas Brasch.”

Dazu aus der Wikipedia:

“Nachdem Klaus Brasch, Sohn des ehemaligen stellvertretenden Kulturministers der DDR Horst Brasch, 1973 die Schauspielschule in Berlin beendet hatte, folgten Theaterengagements in Neustrelitz, Schwerin und Berlin. Er gehörte als Gast zum Ensemble der Volksbühne Berlin, spielte in Filmen der DEFA und des DDR-Fernsehens und galt als begabter junger Schauspieler. 1976 wurde er durch Anetta Kahane, die als inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit arbeitete, denunziert: „Zu den Feinden der DDR gehören in erster Linie Klaus Brasch und Thomas Brasch.“[1] Er starb kurz vor seinem 30. Geburtstag am 3. Februar 1980 an einem Cocktail aus Alkohol und Schmerztabletten.


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