Merkel und Schulz: Zwei Legastheniker streiten über Rechtschreibung

Bemerkenswerte Zeilen schreibt Reuters [nicht nur, weil sich auch Reuters nahtlos in die Reihe der Legastheniker einreiht]:

“Sie reden von Gerechtigkeit – aber vergessen, dass Gerechtigkeit ohne Innovation nicht klappt”, sagte Merkel beim CDU-Parteitag am Samstag in Münster. Damit zielte sie auf Schulz, der mit Korrekturen an der Agenda 2010 mehr soziale Gerechtigkeit durchsetzen will. Schulz erwiderte beim SPD-Wahlkampfauftakt am Sonntag in Essen, Innovationen seien etwa für mehr Bildungsgerechtigkeit nötig. Es gehe um Chancengleich der Kinder unabhängig von der sozialen Stellung ihrer Eltern. In NRW wird am 14. Mai ein neuer Landtag gewählt. Die Wahl gilt als wichtiger Indikator für die Bundestagswahl im September.“

Spiegel Merkel.jpgWas hat Windows 10 mit Gerechtigkeit und mit Bildungsgerechtigkeit zu tun? Windows 10 ist zweifellos eine Innovation, ob es auch eine Verbesserung gegenüber Windows 3.1 ist, das lassen wir einmal dahingestellt?

Ohne Innovation klappt Gerechtigkeit nicht, sagt Merkel.
Innovationen sind für mehr Bildungsgerechtigkeit nötig, sagt Schulz.

Was können beide nur meinen?

Gerechtigkeit ist ein regulatives Konzept und sagt: A erhält dasselbe wie B, wenn er sich genauso einsetzt wie B.

Innovation ist ein Konzept aus der Ökonomie und beschreibt entweder den Prozess, in dessen Verlauf aus einer neuen Idee hoffentlich ein neues Produkt (ein neuer Service, ein neuer Prozess), wird oder er beschreibt dieses neue Produkt (diesen neuen Service, diesen neuen Prozess).

Das bringt uns zurück zum Ausgangspunkt: Innovation und Gerechtigkeit, Bildungsgerechtigkeit (oder Chancengleichheit, was etwas anderes ist als Bildungsgerechtigkeit – jedenfalls für die meisten außer Schulz), bleiben wir daher bei Gerechtigkeit.

Die Aussage „ohne Innovation keine Gerechtigkeit“ knüpft die Möglichkeit von Gerechtigkeit an die Entwicklung neuer Produkte, Prozesse oder Serviceleistungen. Eine seltsame Vorstellung, ebenso wie die Vorstellung, Bildungsgerechtigkeit sei davon abhängig, dass Innovationen stattfinden.

Titanic SchulzEs ist offenkundig, dass weder Merkel noch Schulz wissen, wovon sie eigentlich reden, denn Gerechtigkeit weist keinerlei Schnittstelle mit Innovation auf. Ob ein Kind aus der Unterschicht ein Abitur ablegt, hat nichts mit Innovation zu tun. Es hat etwas mit der Frage zu tun, ob ein Kind aus der Unterschicht von Lehrern, die mehrheitlich aus der Mittelschicht kommen, fair behandelt wird und bei gleicher Leistung die gleichen Noten erhält und Chancen eingeräumt bekommt, wie ein Kind aus der Mittelschicht. Schulz redet offenkundig von Dingen, von denen er keine Ahnung hat.

Merkel ist nicht besser. Sie knüpft Innovation generell an Gerechtigkeit macht damit den spezifischen Blödsinn, den Schulz erzählt, zu einem allgemeinen Blödsinn. Ob Menschen Gerechtigkeit erfahren, z.B. in gesetzlichen Rentensystemen, das hat nichts mit Innovation zu tun, sondern mit Interessen. Derzeit sind die Interessen der Genderisten, die möglichst viel Geld für ihre Klientel abzwacken wollen, die Ursache dafür, dass im gesetzlichen Rentensystem keine Gerechtigkeit vorhanden ist, weil auch diejenigen Rente erhalten, die keine Einzahlung vorgenommen haben bzw. Zeiten Anerkennung finden, in denen keine Beitragszahlung erfolgt[e]. Um dies zu ändern benötigt man keine Innovation, sondern einen politischen Willen [aber vielleicht ist ja politischer Wille die Innovation im Reich der politischen Zombies].

Damit sind wir zurück bei Windows 10, denn Windows 10 hat genauso viel mit Gerechtigkeit zu tun, wie die Innovation, von der Merkel und Schulz reden. Beide haben offensichtlich keine Ahnung, wovon sie reden. Und deshalb haben deutsche Wähler die Wahl zwischen zwei Schattierungen derselben Ahnungslosigkeit.

„Legasthenie“ ist übrigens eine Metapher.

Wahlkampf ist, wenn zwei sich über Begriffe streiten, deren Bedeutung sie beide nicht kennen.

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15 Responses to Merkel und Schulz: Zwei Legastheniker streiten über Rechtschreibung

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  2. Isgrev says:

    Meine Schlussfolgerung:
    Viel Wahlkampf-Fürze, der bald durch die 10 Windows ins Nirwana abziehen werden…

  3. Roland says:

    “Wahlkampf ist, wenn zwei sich über Begriffe streiten, deren Bedeutung sie beide nicht kennen.”

    saved for later use

  4. rote_pille says:

    Die Reformen sind tot, es leben die Innovationen!?
    Keine Ahnung, ist ja eh bloß Geschwafel, das von den konkreten Absichten ablenken soll. Dass die so mit solchen Aussagen kritiklos durchkommen, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Lügenpresse.

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  6. Brockenteufel says:

    Ja, die ganzen “Windows-Innovationen” seit 3.1 sind bzw. waren für den Ar…! Man hātte Windows nur ein bisschen aufhübschen müssen,dann wäre es nie zu “Windows 10” – ich habe Windows 7-gekommen!!!!

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  8. Thomas Schumann says:

    Es geht um mehr Sozialismus.
    Endziel : Global Communism.

    Hört sich blöd an,
    wär’ auch blöd,
    is aber so.

  9. Thomas Schumann says:

    The result? The result you can see. Most of the people who graduated in the sixties, dropouts or half-baked intellectuals are now occupying the positions of power in the government, civil service, business, mass media, educational system. You are stuck with them. You cannot get rid of them. They are contaminated. They are programmed to think and react to certain stimuli in a certain pattern. You cannot change their mind even if you expose them to authentic information. Even if you prove that white is white and black is black. You cannot change the basic perception and illogical behavior. In other words, these people, the process of demoralization is complete and irreversible. To rid society of these people you need another twenty or fifteen years to educate a new generation of patriotically-minded and, and common sense people who would be acting in favor and in the interests of United States society.

    Interviewer, G. Edward Griffin: And yet these people who have been programmed and as you say, in-placed ….

    Yuri Bezmenov: Yes.

    Interviewer, G. Edward Griffin: … who are favorable to an opening with the Soviet concept. These are the very people who would be marked for extermination?

    Yuri Bezmenov: Most of them, yes. Simply because the psychological shock when they will see the future, what the beautiful society of equality and social justice means in practice. Obviously, they will revolt. They will be very unhappy, frustrated people. A Marxist-Leninist regime does not tolerate these people. They obviously will join the leagues of dissenters, dissidents. Unlike in present United States, there will be no place for dissent in future Marxist-Leninist America. Here you can, you can get popular, like Daniel Ellsberg, or filthy rich, like Jane Fonda, for being dissident, for criticizing your Pentagon. In future these people will simply be squashed like cockroaches. Nobody is going to pay them nothing for their beautiful, noble ideas of equality. This they don’t understand. And will be greatest shock for them, of course.

  10. Sven Kuchary says:

    Das inhaltlich Niveau erinnert mich spontan an das Kunstwerk “Hurz” von Hape Kerkeling.

  11. Andre Zawehn says:

    Wenn Schulz es ernst meinte mit Gerechtigkeit, würde er sofort die Mütterrente einkassieren (sorry Fr. Nahles). Wenn Mutti zu Hause bleibt, müßte des Mannes Einzahlung in die Rente gerechterweise auf beider Konten aufgeteilt werden. Nicht alles aufs Konto des Mannes und die Mutti bekommt das Ihre von der Allgemeinheit obendrauf. Gleichzeitig würde er die gleiche Bezahlung z.B. bei Lehren durchsetzen Mann/Frau (angeblich wenig mehr) und Beamter/Angestellter (ganz offenbar viel mehr). Statt Legasthenie (Metapher, ich weiß) könnte man mal Konkretismus als Verständnisstörung versuchen (s. Wikipedia und der reichlich gefüllte Teller) 😉

  12. packi says:

    Wahlkampf: Das sinnfreie Gebrabbel zweier Verwaltungs-Minderleister

  13. Es geht um einem Kampf von zwei Psychopathen um die Kommandobrücke. Hoffentlich merkt das der Wähler und wählt keine undefinierte Koalition.
    Obwohl Koalitionen die garnicht zur Wahl standen für Psychopathen auf der Kommandobrücke oft erfolgreich waren.
    Für Hitler, für Merkel …
    Hauptsache, das Volk weiß nicht was es wählt.

  14. N_K says:

    »Merkel und Schulz: Zwei Legastheniker streiten über Rechtschreibung«

    Da gibt es einen (seltsamen) Spruch und einen uralten (blöden) Witz. Beide haben aber einen gewissen Wahrheitsgehalt, wenn man die »Qualitäts-Exzesse« unserer »Polit-Kasperle« überdenkt:

    1. »Deutschland ein verrücktes Volk. Setzt vor EIN Wort DREI Artikel: DAS, DIE, DER Teufel (holt)«.
    2. »Im Garten einer Geschlossenen Anstalt treffen sich zwei Insassen – der Eine kaut an einem Schienenstück herum …
    Der Andere: “Du kannst doch keine Schiene kauen, die ist doch viel zu hart!”
    “Stimmt nicht! Ich hab’ ’ne Weiche erwischt”«.

  15. Es ist nicht traurig, es ist bedrohlich.
    denn es streiten keine Legasteniker um Rechtschreibung
    sondern.
    es kämpfen mehrere Psychopathen um die Kommandobrücke.

    Und man muss wissen:
    Psychopathen sind Meister in Lügen und täuschen. Und haben kein Gewissen.

    Aber in unserer Zeit sehr viel Macht: durch Medien, dadurch Meinungslenkung, durch Technologie vom Internet bis zu Atombomben.

    Entsprechende Tests auf Geisteskrankheiten sind möglich und bei Bewerbern um solche Posten ein unbedingtes Muss. Oder kommt diese Erkenntniss erst nach dem Untergang unserer Gesellschaft?

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