Muslimische Unterschichtung der Gesellschaft: Ein Spiel mit dem Feuer

Migration hat in manchen Ländern eine Unterschichtung der vorhandenen Sozialstruktur zur Folge. Die Gastarbeiter, die nach Deutschland kamen, um in den meisten Fällen ungelernte Arbeit zu verrichten oder nach einer kurzen Anlernphase, die entsprechende Arbeit zu tun, sind ein Beispiel dafür. Sie haben die vorhandene Sozialstruktur unterschichtet, eine neue, eigene Schicht geschaffen. Weitgehend ungelernte Arbeiter in beengten Wohnverhältnissen ohne Vermögen und mit Tätigkeiten, bei denen keine Frauenbeauftragte auch nur im Traum darauf gekommen wäre, eine Gleichstellung für ihre Klientel zu fordern.

MIgrantenfamilienEine derartige Unterschichtung, so die Ansicht von Migrationsforschern wie Milton M. Gordon oder John W. Berry, wird für die meisten Migrantengruppen über kurz oder lang ein Ende finden. Sie werden sich in die autochthone Gesellschaft akkulturieren oder assimilieren oder integrieren, in jedem Fall werden sie im Hinblick auf Beruf, Verdienst, Schulbildung usw. kaum oder gar nicht mehr von den Mitgliedern der Aufnahmegesellschaft zu unterscheiden sein.

Gordon ist ein US-amerikanischer Forscher, Berry ist Kanadier. Das mag erklären, warum beide den deutschen Sonderfall nicht berücksichtigen. Denn: Wenn in Deutschland etwas stabil ist, dann die Sozialstruktur. Vertikaler Aufstieg findet so gut wie nicht statt. Das deutsche Schulsystem ist ein segregierendes Schulsystem: Kinder aus Arbeiterfamilien haben weit geringere Chancen, einen Bildungsaufstieg zu erreichen als Kinder aus den Familien der Mittelschicht. Dafür sorgen nicht zuletzt die Lehrer aus der Mittelschicht.

Die Prozesse, die dazu führen, dass die deutsche Sozialstruktur in Stein gemeißelt ist, sind vielschichtig, die Schließung schulischer Karrierewege für Kinder aus dem, was man heute bildungsferne Schichten nennt, ist ein solcher Prozess, einer der Prozesse, die dafür sorgen, dass auch Kinder aus Migrantenfamilien geringere Bildungschancen haben als deutsche Kinder. Dr. habil. Heike Diefenbach hat die Erklärungen für dieses Phänomen in einem Buch, das als Standard der Migrationssoziologie gilt, zusammengestellt.

Und so kommt es, dass das PEW Research Center ein Ergebnis einer eigenen Analyse auf Basis von Daten aus dem Jahre 2010 veröffentlicht, das man nur als erschreckend bezeichnen kann. Die PEWler haben untersucht, wie groß die Distanz in Schuljahren zwischen unterschiedlichen Gruppen der Bevölkerung ab 25 Jahren ist, u.a. für die Gegenüberstellung der Gruppe der Muslime und der nicht-muslimischen Bevölkerung. Das Ergebnis für Europa ist in der folgenden Abbildung dargestellt und zeigt: Nirgends ist der Unterschied zwischen der muslimischen und der nicht-muslimischen Bevölkerung gemessen in Bildungsjahren so groß, wie in Deutschland. Muslime haben im Durchschnitt 4.2 Schuljahre an Bildung weniger als Nicht-Muslime. (9,5 im Vergleich zu 13,7) Ein eindrucksvoller Beleg für eine im Bereich „Bildung“ nicht gelungene Integration von Muslimen und ein ebensolcher für die Persistenz der Sozialstruktur, für deren Unterschichtung durch Muslime.

PEW Muslime Bildung

Eine derart starre Sozialstruktur ist nicht überlebensfähig. Sie wird über kurz oder lang zu Konflikten führen, wie Robert K. Merton schon in den 1960er Jahren gezeigt hat, ganz einfach deshalb, weil Ziele, deren Erreichung als gesellschaftlicher Standard angesehen werden, für viele nicht erreichbar sind, weil ihnen dazu u.a. die finanziellen Mittel fehlen. Der Konflikt zwischen Zielen und nicht vorhandenen Mitteln, diese Ziele zu erreichen, führt bei Merton u.a. zu kriminellem Verhalten oder in die Revolution.

Seit 2010 sind mehr als eine Million Personen muslimischen Glaubens nach Deutschland geflüchtet von denen zwischenzeitlich bekannt ist, dass ihr Bildungsniveau deutlich unter dem der autochthonen Bevölkerung liegt.

Was bedeutet es, eine starre und ohnehin schon von Muslimen unterschichtete Gesellschaft weiter mit Muslimen zu unterschichten, so dass der Unterschied, gemessen in Bildung, zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen noch größer, die Divergenz zwischen gesellschaftlichen Zielen und vorhandenen Mitteln noch größer wird?. Um es mit Merton zu sagen: Es ist ein Rezept dafür, Kriminalität zu erhöhen, Unruhe zu schaffen und eine Gesellschaft in Tumulte zu stürzen.


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22 Responses to Muslimische Unterschichtung der Gesellschaft: Ein Spiel mit dem Feuer

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  2. Sebastian Laubinger says:

    Die Frage ist doch: Wessen Schuld ist das? Ich vermute, dass zumindest ein Teil der Schuld bei den zuständigen Behörden zu suchen ist (von denen so einige, wenn man’s mal zynisch betrachtet, ohnehin ihr Möglichstes zu tun scheinen, um unsere Schüler immer dümmer zu machen).

    Ich glaube allerdings nicht, dass nur Autochthone für diese Bildungsmisere verantwortlich sind. Ein Pferd kann zur Tränke getragen werden, aber saufen muss es immer noch selbst.

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  5. Frieder Lehmann says:

    Da in D alle das gleiche BaFög bekommen, kann es an den finanziellen Mitteln nicht liegen.

  6. whgreiner says:

    Dass “nicht zuletzt” (und als einzige, im Artikel erwähnte Ursache) die Mittelschicht-Lehrer an der geringen, vertikalen Durchlässigkeit unseres Bildungssystems schuld sein sollen, ist mir dann doch zu monokausal – und vor allem: warum, bitte, sollten Lehrer Kinder aus der “Unterschicht” systematisch benachteiligen? Was hätten sie denn davon? Meine Frau war (bis zur Pensionierung vor 2 Jahren) Grundschullehrerin; ich wüßte wirklich KEINEN Grund, weshalb sie Kindern aus der Mittelschicht bei gleicher Leistung schlechtere Noten und weniger Realschul- und Gymnasiumsempfehlungen hätte geben sollen – abgesehen davon, dass die amtlichen Empfehlungen auch schon lange nicht mehr bindend sind. Und im täglichen Unterricht haben sowieso die schwächeren Schüler den weitaus größeren Teil ihrer Bemühungen auf sich gezogen.

    Eine im Ergebnis hohe, vertikale Durchlässigkeit setzt zweierlei voraus: erstens die reale Möglichkeit für begabte Kinder, unabhängig von ihrer Herkunft einen hohen Bildungsstand zu erreichen – und zweitens einen immer noch hohen Anteil an begabten Kindern in der “Unterschicht”, die auch die persönlichen Voraussetzungen für einen Bildungsaufstieg haben. Es hat nun mal nicht jeder den nötigen Grips für Abitur und Universitätsstudium, und gerade in vertikal besonders durchlässigen Gesellschaften akkumulieren im Endergebnis die Begabungen in der Mittelschicht und die weniger Begabten in der Unterschicht. Eine hohe, vertikale Durchlässigkeit entzieht sich so paradoxerweise auf längere Sicht selber den Boden. Dass in Deutschland die Unterschicht aktuell relativ schlechte Bildungschancen hat, muß nicht an diskriminierenden Strukturen liegen; es kann ganz im Gegenteil auch daran liegen, dass gerade wegen des Fehlens diskriminierender Strukturen über einen langen Zeitraum sich die Begabungspotenziale längst in der Mittelschicht etabliert haben und in der Unterschicht einfach nur noch relativ wenige begabte Kinder zu finden sind.

    Ein weiteres Ursachenfeld ist die Immigration: Sprachschranken, kulturelle Bildungsfeindlichkeit, Parallelgesellschaften. Die große Mehrzahl der Muslime in Deutschland waren ursprünglich anatolische Bauern und Landarbeiter, die auch schon in der Türkei zur Unterschicht gehörten. Daß sich das dann statistisch anders darstellt als beispielsweise in Großbritannien, wo ein Großteil der dort lebenden Muslime privilegierte Einwanderer aus dem Commonwealth waren, sollte auch klar sein.

  7. Enno Schneyer says:

    Ich gebe die Hauptschuld an der ungezügelten Invasion Frau Merkel.Statt alle Flüchter unkontrolliert ins Land zuholen,hätte man Grenzkontrollen einführen sollen.Etwa 90% der Einwanderer sind nicht integrierbar,sie wollen sich nicht in unsere Gesellschaft integrieren.Sie werden sich mit Straftaten über Wasser halten müssen oder Geldgeschenke der Steuerzahler entgegen nehmen.
    Herr Schulz hat mal gesagt,die Einwanderer sind Gold wert.Und dieser Mensch will Kanzler der BRD werden;das geht in die Hose.
    Wir müssen uns sofort aus den Kriegshandlungen der USA ausklinken und unseren eigenen Weg gehen.

  8. Claudia Pförtner-Dzäbel says:

    In Deutschland hat jeder dirgendwie Chance für seinen Schulabschluss zu lernen.
    Wenn die Rechenaufgabe richtig gelöst, das Diktat fehlfrei geschrieben ist, dann kann der Lehrer daran auch nix ändern. Wie heißt es so schön, ohne Fleiß kein Preis.

    • Wenn dem so ist, dann können wir die teuren Schulen schließen und uns auf Abschlusstests beschränken, für die dann die Schüler eigenständig lernen können.
      In Deutschland hat auch jeder irgendwie die Chance Millionär zu werden, wenn er sich anstrengt.
      Sind Sie eigentlich Millionär?

  9. Roman Schreibe says:

    Die Timms-Studie, frei im Netz verfügbar, zeigt dass 16jährige Syrer das Schulniveau von 11jährigen Deutschen haben. Da gibt’s natürlich Probleme bei der Ausbildung, multipliziert mit den Sprachproblemen.
    Woher das kommt? Schulbildung findet zu großen Teilen in der Haltung der Eltern zur Schule statt. Und da sind die eingeborenen Deutschen viel unterstützender im Schnitt, auch weil ihre Kultur nicht automatisch eine Abwertung der Anleitung durch Deutsche nahe legt. Der weitere Misserfolg muslimischer Gruppen ist vorprogrammiert.

    • Da Sie die Frage, wie man Schulleistung, nicht etwa Schulbildung, erklärt, gelöst haben, erklären Sie uns doch bitte, warum Eltern, die ja für große Teile der Schulbildung verantwortlich sind, ihre Jungen so viel schlechter unterstützen als ihre Mädchen, so dass erstere erhebliche Nachteile im Vergleich zu letzteren bei der Schulbildung haben.

  10. Eloman says:

    In einem Land, in dem mittlerweile fast 50 % der Schüler über 10 Jahren ein Gymnasium besuchen und der Anteil der Abiturienten weitaus höher ist als in meiner Schulzeit kann ich an die Undurchlässigkeit der sozialen Schichtung nicht so recht glauben.

    • Das ist keine Frage des Glaubens. Das ist eine der wenigen Fragen, die man auf Grundlage vollständiger Daten umfassend beantworten kann.

      • Eloman says:

        Na dann mal her mit den Daten. Aber bitte auch Vergleichsdaten aus früheren Dekaden.

        • Suchen Sie auf ScienceFiles. Wir haben eine ganze Reihe von Datenquellen des Statistischen Bundesamts, des Studentenwerks oder wissenschaftlicher Arbeiten besprochen, in denen gezeigt wird, dass im dtn. Bildungssystem nach Schicht segregiert wird. Wer das in Frage stellen will, muss von einem anderen Planeten kommen.

          • Eloman says:

            Da werde ich wohl berufsbedingt ein paar Tage für brauchen. Aber eine Frage noch: Wie erklärt sich denn die Tatsache, dass sowohl die Anzahl der Gymnasiasten wie auch der Abiturienten und Studenten seit meiner Schulzeit (Abi ’74) so enorm gestiegen ist? Stammen die alle aus kinderreichen Akademikerfamilien?

  11. Wanderfrank says:

    Das eigentlich spannende Ergebnis dieser Pew-Studie ist für mich ja die +1,3 Jahre in Ungarn. Ungarn wird ja in der sogenannten “Lückenpresse” immer als Muslime hassend dargestellt, und ausgerechnet dort sollen Muslime die Schule mit überdurchschnittlichem Erfolg verlassen?
    Entweder hat die Studie da einen methodischen Fehler oder leitende Mitarbeiter unserer 16 Kultusministerien sollten ganz dringend Fortbildungskurse in Ungarn belegen…
    Bauchgefühl: Sollten die Daten stimmen wird es nicht an Inklusion und Gender-Gedöns liegen. Aber woran dann?

    • Wanderfrank says:

      Habe mir noch einmal die Karte im Beitrag angeschaut, das Phänomen tritt ja auch in anderen Ländern auf. Würde die gezeigte Karte mit einer Karte “Gezahlte Sozialleistungen in Abhängigkeit von Schulerfolg bzw. unabhängig von schulischem Misserfolg” korrelieren? Ja, wäre ein bösartiger Deutungsversuch. Aber die dargestellte Karte ist für mich ein Rätsel: Portugal und Spanien haben starke Unterschiede, sollten sich aber doch ähnlich sein (mein uninformiertes Vorurteil, bitte um Entschuldigung falls anders). Russland und UK haben ähnliche Werte, dabei bekommen Muslime in Russland bestimmt “keine Extrawurst gebraten”… Schwierig.

  12. Frager says:

    An den Lehrern liegt es nicht. Warum sollten sonst Kinder aus vietnamesischen Familien, deren Eltern zum größten Teil arm und ungebildet waren, bessere schulische Ergebnisse erzielen selbst als deutsche Schüler? Was unterscheidet sie von muslimischen Schülern? Da fällt mir z. B. ein: der Wert der Bildung und Leistung in ihrer Kultur, Sekundärtugenden wie Fleiß, Disziplin, Respekt vor Autoritäten. Dass Lernen in der Schule durch Inklusion von Minderbegabten, Verhaltensgestörten und Migranten und der Verteufelung von Leistung immer schwieriger wird und es immer wichtiger wird, dass im Elternhaus das Wissen erarbeitet wird, das in der Schule nicht mehr erarbeitet werden kann, kommt noch hinzu. Aber selbst das können vietnamesische Kinder offenbar kompensieren.

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