Inszenierte Kinderarmut: Zuwanderung in die Statistik überfordert redaktionelle Gehirne

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, nicht mehr über Kinderarmut zu schreiben. Die Hysterie, die dieses Luxusproblem in einem Land umgibt, in dem selbst Hartz-IV-Empfänger meilenweit davon entfernt sind, in Armut zu leben, wie man leicht erfahren kann, wenn man beim nächsten Club Med Urlaub die Schutzzone verlässt und einmal eine Wohngegend der einheimischen Bevölkerung in Tunesien, Algerien oder Marokko oder in Ägypten besucht, widert uns an. Wer sich tatsächlich an das Thema „Armut“ herantraut, der möge sich in den Slums von Rio, von Brazzaville, Libreville oder Kinshasa umsehen. Das hilft weiter.

Obwohl es in Deutschland faktisch keine Kinderarmut gibt, ist das Thema ein Dauerbrenner. Kinder, die in Hartz-IV leben, denen im Rahmen von Hartz IV monatlich 240 Euro (0 bis 5 Jahre), 296 Euro (6 bis 13 Jahre) bzw. 316 Euro (14-18 Jahre) zugestanden werden, sollen in Deutschland in Armut leben, weil sie, wie wir vor einiger Zeit berichtet haben, nicht wöchentlich ins Restaurant gehen oder ein Kino besuchen können. Der Irrsinn, der sich mit der angeblichen Kinderarmut in Deutschland verbindet, bricht sich heute in einem Beitrag der Tagesschau Bahn, der mit „Zahlen zu Kinderarmut“ und „Immer mehr Kinder leben von Hartz-IV“ überschrieben ist.

Tatsächliche Armut

Kinder, deren Eltern Hartz-IV beziehen und für die zusätzlich Hartz-IV bezahlt wird, leben nicht in Armut. Wer es nicht glaubt, die Slums der Erde stehen demjenigen, der sich für soziale Probleme wirklich interessiert und nicht einfach soziale Probleme zur eigenen Bereicherung inszenieren will, offen.

Hartz-IV-Bezug ist auch kein Schicksal, wie bei der Tagesschau zu lesen, sondern ein Zustand, den man aus eigener Kraft verändern kann. Kinder sind deshalb nicht „jung, aber schon arm“, wie es weiter heißt, sondern sie werden oft genug als Kinder von Hartz-IV-Beziehern geboren, um die Hartz-IV-Bezüge der eigenen „Bedarfsgemeinschaft“ zu erhöhen. Gut 40% der Hartz-IV-Bezieher beziehen seit mehr als vier Jahren Hartz-IV. Die durchschnittliche Bezugsdauer von Hartz-IV hat sich von 555 Tagen (2011) kontinuierlich auf 629 Tage (2016) erhöht. Gut 40% der Kinder von Hartz-IV-Beziehern sind im Alter zwischen 0 und 5 Jahren und haben eine gute Chance in eine bestehende Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft hinein geboren worden zu sein. Wenn man dieses Thema unter „Kinderarmut“ diskutieren will, dann muss man nach der Verantwortung von Eltern fragen, die obwohl sie Hartz-IV-Bezieher sind, ihrer Fertilität freien Lauf lassen, oder man muss die Möglichkeit zulassen, dass Kinder in Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften geboren werden, um deren Einkommen zu erhöhen, dass sie ein Wirtschaftsfaktor in diesen Gemeinschaften sind, der Einkommen generiert und einen zusätzlich Bedarf schafft.

Der Gipfel des Irrsinns ist jedoch erreicht, wenn man eine statistische Kategorie schafft „Hartz-IV-Bezieher“, die den empirischen Tatbestand beschreibt, dass der Erfasste aufgrund von Arbeitslosigkeit Grundsicherung bezieht bzw. in einer Bedarfsgemeinschaft lebt und dort einen Regelbedarf an Grundsicherung anmelden kann (wie dies für Kinder der Fall ist), dann eine große Zahl von Menschen importiert, die, weil sie keiner Arbeit nachgehen bzw. keine Ausbildung mitgebracht haben, die ihnen die Aufnahme einer Arbeit ermöglicht, diese Menschen zu Berechtigten von Grundsicherung macht, sie entsprechend statistisch erfasst und dann ein Lamento darüber anstimmt, dass die Kinderarmut so sehr gestiegen sei.

Tatsächlich ist eine Zuwanderung von Kindern und Erwachsenen aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern in die Grundsicherung von Hartz-IV und die damit verbundene statistische Erfassung erfolgt. Davon, dass damit keine Armut verbunden ist, kann sich jeder überzeugen, der die Wohnmöglichkeiten, die für Zuwanderer geschaffen wurden, in Augenschein nimmt.

Warum angebliche Journalisten wie die der Tagesschau in Beiträgen behaupten, sie würden „die jüngsten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit“ verarbeiten, wenn sie Daten bis Juni 2017 berücksichtigen, die jüngsten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit aber bis zum Dezember 2017 reichen, ist eine Frage, die man nur mit einer der Optionen Unkenntnis oder Dilettantismus beantworten kann.

Wir haben ein paar der neuesten Daten der Bundesagentur für Arbeit zusammengestellt, aus denen deutlich hervorgeht, dass die Anzahl der deutschen Bezieher von Hartz-IV seit Mitte 2010 kontinuierlich zurückgeht, während die Anzahl der ausländischen Bezieher von Hartz-IV seit Mitte 2014 und ab 2015 deutlich ansteigt. Das spiegelt die Zuwanderung von Hartz-IV-Beziehern aus Krisenregionen der Erde wider.

Die nächste Abbildung zeigt die Verteilung der Kinder in Hartz-IV-Haushalten. Hier finden sich Anstiege seit Mitte 2014, die bei Kindern im Alter von 6 bis 14 Jahren und von 0 bis 3 Jahren am deutlichsten ausfallen. Die jeweilige Steigerung kann man einmal mit einer erhöhten Fertilität unter Hartz-IV-Beziehern erklären und einmal mit einer Zuwanderung von Kindern in Hartz-IV, die die Zuwanderung von Erwachsenen, die wir schon gezeigt haben, begleitet.

Es gibt also keine Zunahme von Kinderarmut in Deutschland, zum einen, weil es eine Armut von Kindern, die diesen Namen verdient, in Deutschland nicht gibt. Smartphonebesitzer, die regelmäßige Mahlzeiten erhalten könnten, wenn ihre oft alleinerziehenden Hartz-IV-Mütter kochen würden, sind nicht arm. Es gibt eine Zuwanderung in die Hartz-IV-Statistik, von Flüchtlingen, die man ebenfalls nur dann als arm bezeichnen kann, wenn man den Begriff der Armut so entleert, dass er auch diejenigen umfasst, die sich keinerlei Sorgen um ihr Dasein (mehr) machen müssen.


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7 Responses to Inszenierte Kinderarmut: Zuwanderung in die Statistik überfordert redaktionelle Gehirne

  1. Hannes says:

    Was ist arm im Wohlstandswesten?

    Reale Armut hat nichts mit der offiziell und willkürlich definierten Armutsgrenz zu tun.

    Ein Friseurin (wenn sie nichts geerbt und nicht im Lotto gewonnen hat und keinen großen Geldbetrag auf der Straße gefunden hat und nicht reich geheiratet hat) ist im Kreise unserer Wohlstandgesellschaft durchaus als arm zu bezeichnen, ebenso wie Krankenpfleger, Altenpfleger, Busfahrer und viele, viele andere Menschen, die nicht von HarzIV leben, sondern Vollzeit arbeiten

  2. zawehn says:

    Ich muss es gestehen: In meiner unmittelbaren Familie sind nur die Kinder die Quelle der “Erwerbstätigkeit”. Die Ex-Anverwandte hatte mit meinem Verwandten 2 Töchter. Als die Bauernschläue der Dame erwachte, wie viel Geld man monatlich “verdienen” kann durch die Einsparung von preiswerten Verhütungsmitteln, wurden der Ex-Anverwandten vom neuen Partner 4 neue Jungs als künftige “Erwerbsquelle aus dem H4-Universum” zugefertigt. Man wohnt zusammen in einem netten Haus, die 5-Zimmer-Wohnung, die nur noch von den halbwüchsigen Töchtern und einer handvoll 5-Minuten-Terrinen bewohnt wurde, zahlte eh “das Amt”. Als nun die erste Tochter so alt war, daß das Amt die Zahlung des Kindergeldes einstellte (kurz vor dem Ende der Ausbildung wurde sie gefeuert – passiert meist nur nach dem Griff in die Kasse), geschah das Wunder: Die Ex-Anverwandte empfing wieder und gebar die Ersatz-Einkommensquelle! Wir haben jetzt also 5 neue Jungs, die gemäß der Theorien von Thilo Sarrazin ihre geballte Intelligenz mit ihrem Samen fortan über der Erde verstreuen werden und für das Wohl unseres Landes Großartiges leisten werden. Danke, Du Ex-Anverwandte! …Warum sind nur immer die Falschen mit Unfruchtbarkeit geschlagen?

    • Heike Diefenbach says:

      Danke für diesen kleinen Bericht aus der gelebten Realität!

      Es ist dringend notwendig, dass Menschen von dem berichten, was es in der Welt tatsächlich alles gibt und was sie selbst erfahren haben, um jedem ideologisch begründeten Tunnelblick eine Korrektur angedeihen zu lassen.

      Es ist ja auch nur normal, dass Menschen Möglichkeiten, wo sie gegeben werden, nutzen.

      Und es ist normal, dass Menschen dies tun, um den eigenen Nutzen zu vergrößern, was normalerweise zuungunsten anderer Menschen passiert.

      Und es sollte normal sein, darüber zu reden.

      In einer pluralistischen Gesellschaft sollte es eigentlich akzeptabel sein, festzustellen, dass die Lebensweisen von Menschen verschieden sind, sie verschiedene gesellschaftliche Nischen bevölkern (aus welchen Gründen auch immer), sie verschiedene Vorstellungen vom “guten” Leben haben.

      Warum wird dann mit einer Riesenhysterie reagiert, wenn man darauf hinweist, dass Menschen findig sind und in aller Regel die Möglichkeiten (aus-/)nutzen, die ihnen gegeben werden, weshalb es nicht klug ist, eine Vielzahl solcher Möglichkeiten zu schaffen?

      Mir scheint, dass Leute, die nicht bereit sind, hierüber zu reden, nicht damit leben können, wie Menschen (im Guten wie im Schlechten) tatsächlich funktionieren, wie sie normalerweise angesichts bestimmter Bedingungen entscheiden oder handeln. Und schon gar nicht damit, dass das zwar in einem Sinn verwerflich, aber gleichzeitig subjektiv vernünftig sein mag.

      Sie wollen nicht akzeptieren, dass es dort, wo es Gebrauch gibt, Missbrauch gibt, und dass es deshalb eine Art Daueraufgabe ist, Missbrauch zu beobachten und möglichst zu verhindern oder einzuschränken. Sie traumtänzeln durch eine Welt, die es nur in ihrer Phantasie gibt, und verhalten sich dabei höchst fahrlässig gegenüber der Mehrheit der Menschen in der realen Welt, die wir gleichermaßen und in Gesellschaft miteinander bewohnen (müssen).

  3. Nomsm says:

    Die Abnahme von H4—Empfängern erfolgt aber auch durch sehr zweifelhafte Programme wie dieses. http://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsmarkt/Modellprogramme/bundesprogramm-soziale-teilhabe-am-arbeitsmarkt.html.

  4. archenlaender says:

    “die obwohl sie Hartz-IV-Bezieher sind, ihrer Fertilität freien Lauf lassen” – ja, was sollen sie denn mit der freien Zeit sonst anfangen?

    P.S.: Jeder lebt am persönlichen Existenzminimum.

    • zawehn says:

      Eine Schachtel Zigaretten im Monat gegen 30 Kondome eintauschen und diese (die Kondome) auch benutzen.

  5. Märchen Bernd says:

    Man sollte aber auch die Lebenshaltungskosten in der jeweils erwähnte Region einbeziehen. Jemand, der in den Slums wohnt und nichts hat, dem ist das egal, da es ihn ja nichts kostet in den Slums zu wohnen.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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