ScienceFiles bestätigt: b.1.1.7 NICHT tödlicher und nicht ansteckender als andere Varianten von SARS-CoV-2 [Neue Studien]

Die Erzählung, die Lockdown-Fanatiker und SARS-CoV-2 Fetischisten gerne verbreiten wollen, sie geht etwa so:

“Wesentlich bedeutsamer sind jedoch die neuesten Erkenntnisse, was die Gefährlichkeit von B.1.1.7 angeht. Anfangs hieß es, die Mutante sei nicht tödlicher als die bisherigen Coronavirus-Formen. Doch mittlerweile sind in Großbritannien drei Studien erschienen (ein Preprint aus Londoneine Studie aus Exeter und eine auf “Nature” veröffentlichte und bereits begutachtete Studie), die ein alarmierendes Bild zeichnen. Demnach ist die britische Variante nicht nur ansteckender, sondern auch deutlich häufiger tödlich. Das Risiko, innerhalb von 28 Tagen nach der Infektion zu versterben, ist – je nach Studie – um 58 bis 67 Prozent erhöht gegenüber einem Patienten, der eine der bisherigen Corona-Varianten hat. […] “Let’s face it. Das ist die Situation. Ob wir das jetzt gerne glauben mögen oder nicht”, warnte Drosten, der die Studie als “statistisch hervorragend” bezeichnet. “Wir haben 60, 70 Prozent erhöhtes Risiko, zu sterben oder ins Krankenhaus zu kommen nach Diagnose.” Das Virus sei nicht nur übertragbarer geworden, sondern auch gefährlicher. “Das ist keine gute Botschaft, gerade in diesen Zeiten.””

Der ARD-Faktenfinder, Hort aller Unkenntnis und Inkompetenz, hat dieses hysteriefähige Material unter die Leser der ARD-Tagesschau gebracht.

Wir haben schon am 20. März in einem Beitrag, in dem wir die drei Studien, die hier angesprochen werden, analysiert, vielleicht auch auseinandergenommen haben, gezeigt, dass man auf Grundlage der Daten und vor allem der statistischen Methoden, die darin zum Einsatz gekommen sind, um die größere Gefährlichkeit, nein: Tödlichkeit von b.1.1.7 zu belegen, genau das nicht belegen kann. Wer es im Einzelnen nachlesen will, der kann das hier tun.

Wir haben unsere Analyse damals mit den folgenden Worten abgeschlossen:

“Die ganze Aufregung über b.1.1.7 oder all die anderen Varianten ist ein Hoax, der genutzt wird, um ein ganz anderes Ziel, als den Schutz vor COVID-19 zu verfolgen. Welches das genau ist, das ist eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten kann. Dass es ein “ulterior motive” gibt, das nicht mit dem Schutz der Bevölkerung identisch ist, das zeigt auch das konzertierte Vorgehen, das nun wieder zu beobachten ist, nun, da sinkende Todeszahlen und steigende Fallzahlen (weil Tests verschleudert werden) dazu führen, dass der Ruf nach Lockdowns, also dem, was schon in der Vergangenheit nichts genutzt hat, wieder intensiviert wird.



Wir hatten mit unserer Analyse der Qualität der Studien, die angeblich zeigen, dass b.1.1.7 tödlicher als bisherige Varianten von SARS-CoV-2 ist, besser: der Nicht-Qualität Recht. Eine neue Studie aus dem Vereinigten Königreich zeigt, dass es KEINERLEI Unterschied zwischen b.1.1.7 und anderen Varianten von SARS-CoV-2 in Punkto “Letalität” gibt.

Die Studie stammt von (Luft holen):

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Dan Frampton, Tommy Rampling, Aidan Cross, Heather Bailey, Judith Heaney, Matthew Byott, Rebecca Scott, Rebecca Sconza, Joseph Price, Marios Margaritis, Malin Bergstrom, Moira J Spyer, Patricia B Miralhes, Paul Grant, Stuart Kirk, Chris Valerio, Zaheer Mangera, Thaventhran Prabhahar, Jeronimo Moreno-Cuesta, Nish Arulkumaran, Mervyn Singer, Gee Yen Shin, Emilie Sanchez, Stavroula M Paraskevopoulou, Deenan Pillay, Rachel A McKendry, Mariyam Mirfenderesky, Catherine F Houlihan und Eleni Nastouli. Die Studie trägt den Titel “Genomic characteristics and clinical effect of the emergent SARS-CoV-2 B.1.1.7 lineage in London, UK: a whole-genome sequencing and hospital-based cohort study” und ist gerade im Lancet erschienen.

Was macht die Studie so besonders?

Im Gegensatz zu anderen Studien, werden keine Proxymaße genutzt, um Infizierte mit b.1.1.7 zu bestimmen, sondern vorhandenes genetisches Material wird sequenziert. Das Material stammt auch nicht aus einer Zeit, zu der man wenig anderes als b.1.1.7 finden konnte, weil die Variante zur vorherrschenden Variante geworden ist, ein Problem, das in jeder der Studien, die angeblich gezeigt haben wollen, dass b.1.1.7 tödlicher ist als andere Varianten, ignoriert wird.

Das gesammelte genetische Material, das zur Bestimmung von b.1.1.7 oder anderer SARS-CoV-2-Varianten genutzt wird, stammt aus dem Zeitraum vom. 9. November 2020 bis zum 20. Dezember 2020 und somit aus dem Zeitraum, zu dem b.1.1.7 erst zur vorherrschenden Variante geworden ist. Die Gensequenzen, die in der vorliegenden Studie analysiert werden, stammen ausschließlich von Patienten, die entweder in das University College Hospital London oder das North Middlesex University Hospital eingewiesen wurden. Insgesamt basieren die Analysen auf

  • 141 hospitalisierten Patienten, die mit einer anderen Variante von SARS-CoV-2 infiziert sind;
  • 198 hospitalisierten Patienten, die mit b.1.1.7 infiziert sind;
  • Von diesen 341 Patienten sind 110 verstorben;

Die Frage, die die Autoren mit ihrer Studie unter anderem beantworten wollen: Haben Patienten, die an COVID-19 erkranken, nachdem sie sich mit b.1.1.7 infiziert haben, eine höhere Wahrscheinlichkeit, einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden oder an COVID-19 zu sterben.

Die Antwort ist eindeutig: NEIN.

Weder gibt es eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine schwere Erkrankung nach einer Infektion mit b.1.1.7 und im Vergleich zu anderen Varianten, noch gibt es eine höhere Wahrscheinlichkeit zu sterben.

Das wird Karl Lauterbach, dem Haus- und Hofexperten der MS-Medien nicht gefallen.

Die Tabelle (links) zeigt die Ergebnisse von Varianzanalysen (letzte Spalte) und macht deutlich, dass es keinerlei Unterschied im Hinblick auf die Frage, ob der Infektion eine schwere Erkrankung folgt, zwischen b.1.1.7 und anderen SARS-CoV-2 Varianten gibt. Was die Tabelle zudem zeigt, ist, dass b.1.1.7 ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Adipöse darstellt, sich b.1.1.7 häufiger unter Mittelalten finden und die bislang vorhandenen ethnischen Unterschiede durch b.1.1.7 eingeebnet werden (was de facto ein Platzhalter für Adipositas und Ko-Morbidität ist).

Wie die folgende Tabelle zeigt, gibt es im Hinblick auf Sterblichkeit KEINERLEI Unterschied zwischen b.1.1.7 und früheren SARS-CoV-2-Varianten. Wir hatten wieder einmal Recht, der ARD-Faktenfinder wieder einmal Unrecht, was nicht verwunderlich ist, denn bei ScienceFiles arbeiten Wissenschaftler, während beim Faktenfinder Haltungsjournalisten, also Personen arbeiten, die fehlende Kompetenz durch Ideologie ersetzen wollen.

In den Worten der Autoren:

“We found no evidence of a difference in our main outcome of severe disease or death by SARS-CoV-2 lineage (B.1.1.7 vs non-B.1.1.7) in either unadjusted analyses (PR 0·97 [95% CI 0·72–1·31]) or analyses adjusted for hospital, sex, age, comorbidities, and ethnicity (adjusted PR 1·02 [0·76–1·38; table 2). We found no evidence of effect modification by hospital (p=0·81), sex (p=0·68), or age (p=0·47).”

Damit nicht genug.

Mark S Graham und Carole H Sudre, Anna May, Michela Antonelli, Benjamin Murray, Thomas Varsavsky, Kerstin Kläser, Liane S Canas, Erika Molteni, Marc Modat, David A Drew, Long H Nguyen, Lorenzo Polidori, Somesh Selvachandran, Christina Hu, Joan Capdevila, COVID-19 Genomics UK (COG-UK) Consortium, Alexander Hammers, Andrew T Chan, Jonathan Wolf, Tim D Spector, Claire J Steves und Sebastien Ourselin haben ebenfalls im Lancet eine Studie veröffentlicht, die mit “Changes in symptomatology, reinfection, and transmissibility associated with the SARS-CoV-2 variant B.1.1.7: an ecological study” überschrieben ist. Eine “ökologische Studie” hat nichts mit Ökologie zu tun, der Begriff bezeichnet Studien, in denen Aggregatdaten benutzt und mit Individualdaten kombiniert werden.

Graham et al. (2020) haben Daten, die über die COVID-Symptom APP des Kings College in London gesammelt werden, genutzt und mit Schätzungen von COG UK über die Verbreitung von b.1.1.7 für den Zeitraum vom 27. September 2020 bis zum 27. Dezember 2020 kombiniert, also wieder für den Zeitraum, in dem b.1.1.7 zur im Vereinigten Königreich vorherrschenden Variante geworden ist.

Das Schöne an der COVID-Symptom APP ist, dass man Informationen zum tägichen Befinden von Nutzern mit und ohne positiven Test auf SARS-CoV-2 zur Verfügung hat. Da sozioökonomische Daten der Nutzer zudem bekannt sind, ist es möglich, die Daten entsprechend zu standardisieren, um Effekte, die z.B. von einer nach Alter verzerrten Stichprobe ausgehen, zu beseitigen. Vor diesem Hintergrund analysieren die Autoren, ob sich die Verbreitung von b.1.1.7 auf

  • die täglich berichteten Symptome auswirkt;
  • die Häufung von Symptomen, die vom selben Teilnehmer am selben Tag berichtet werden, auswirkt;
  • die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten auswirkt;
  • die Dauer der berichteten Symptome auswirkt;
  • die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Infektion mit SARS-CoV-2 auswirkt;

Die Ergebnisse, die die Autoren berichten, basieren auf den Angaben von 1.767.914 Teilnehmern, von denen 497.989 einen Test auf SARS-CoV-2 durchgeführt haben, von denen wiederum 55.192 positiv getestet wurden, darunter 40.463, die keinerlei Symptome oder Beschwerden berichtet haben.

Die Ergebnisse müssen abermals auf die Erregung der b.1.1.7-Enthusiasten, die so viel Hoffnung auf die höhere Tödlichkeit, Gefährlichkeit und Ansteckungsgefahr, die mit b.1.1.7 verbunden sein soll, gesetzt haben, wie ein Eimer eiskaltes Wasser wirken: Die Autoren finden nichts, gar nichts.

Weder werden mehr Symptome berichtet, noch berichten diejenigen, die Symptome berichten, mehr Symptome gleichzeitig, noch steigt die Häufigkeit der Krankenhausaufenthalte mit der Verbreitung von b.1.1.7 noch ist die Dauer, für die Symptome berichtet werden, unterschiedlich und eine erhöhte Gefahr sich wieder anzustecken, geht von b.1.1.7 auch nicht aus.

Bad Times for Hysterics.

“We did not find associations between the proportion of infections with the B.1.1.7 variant and the type of symptoms reported by our app users. We also did not find evidence for any change associated with the B.1.1.7 variant in the total number of symptoms reported by individuals, nor in the proportion of individuals with a long disease duration, defined as recording symptoms for more than 28 days without a break of more than 7 days. The proportion of users with asymptomatic disease did not significantly change as the B.1.1.7 variant increased in prevalence, in agreement with other studies on the subject. We also found no changes in admissions to hospital; however, other reports have shown that the B.1.1.7 variant increases rates of admission to hospital.”

Einfach nur nichts.

Aber: Hoffnung für die b.1.1.7 Enthusiasten keimt. Die Autoren finden ein leicht erhöhtes R für b.1.1.7, was man als Hinweis dafür werten kann, dass b.1.1.7 ansteckender sein könnte.

Alas:

“We found an increase in Rt for the B.1.1.7 variant, but Rt fell below 1 during lockdown, even in regions with very high (>80%) proportions of infections with the B.1.1.7 variant.”

Wäre b.1.1.7 ansteckender als andere Varianten von SARS-CoV-2, der eingeführte Lockdown hätte sich auf b.1.1.7 anders auswirken müssen als auf andere SARS-CoV-2 Varianten, von denen die Kunde ging, sie seine weniger ansteckend. B.1.1.7 hat sich jedoch identisch verhalten, was, wenn man weiß, dass der Peak der Fallzahlen in England VOR dem Lockdown liegt, ein weiterer Beleg dafür ist, dass SARS-CoV-2 in welcher Variante auch immer einem Zyklus folgt, der weitgehend unabhängig davon verläuft, ob eine Regierung ihre Bevölkerung gerade einsperrt oder nicht.

Bleibt uns noch darauf hinzuweisen, dass wir auch die Tatsache, dass b.1.1.7 entgegen aller vermeintlichen Befunde nach unserer Ansicht NICHT ansteckender ist als andere Varianten in einer Reihe von Beiträgen, zuletzt in diesem hier, dargelegt und anhand aktueller Studie begründet haben.

Mehr zu b.1.1.7:


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Seit Ende Januar 2020 besprechen wir Studien zu SARS-CoV-2. Damit gehören wir zu den wenigen, die das neue Coronavirus seit seinem Auftauchen verfolgt und den Niederschlag, den es in wissenschaftlichen Beiträgen gefunden hat, begleitet haben.
Eine Liste aller Texte, die wir zu SARS-CoV-2 veröffentlicht haben, finden Sie hier.

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