Marktwirtschaft ist Moral

Die Marktwirtschaft ist ins Gerede gekommen. Die Finanzkrise, so scheint es, verschafft den Kritikern der Marktwirtschaft Flügel: Von Raubtierkapitalismus redet ausgerechnet Helmut Schmidt, und begründet dies damit, dass “manche Topmanager” [so wie manche Politiker] allen Anstand vergessen haben. Wolfgang Schäuble, oberster Hüter des wirtschaftlichen Wachstums in Deutschland, der er eigentlich sein sollte, will nicht mehr wachsen, d.h. nicht mehr “maßlos” wachsen. Und die Globalisierungsgegner, die mehr einem Reiseunternehmen als einer kritischen Organisation gleichen, treffen sich derzeit im sonnigen Brasilien, um Armut, Hunger und vor allem den Kapitalismus anzuprangern.

Alle genannten “Kritiker” haben eines gemeinsam, sie stellen Moral und Wirtschaftsordnung gegeneinander, reklamieren das Wissen um erste für sich und deklarieren das Fehlen derselben in der derzeitigen Wirtschaftsordnung. Deshalb, so die einhellige Meinung, müsse Marktwirtschaft geregelt , müsse die Moral in die Amoral des Marktes getrieben werden. In einem mutigen Beitrag für die Schriftenreihe des Walter Eucken Instituts in Freiburg (ausgerechnet), hat Viktor Vanberg die Marktwirtschaft gegen ihre Kritiker verteidigt und gezeigt, dass es keine Alternative zur Marktwirtschaft, zur freien Marktwirtschaft, gibt.

Hier die Gründe:

Maddison (2006), S.43

Ich will die Arbeit von Vanberg von zwei Punkten aus beschreiben, zum einen von der Feststellung, dass die klassische Ökonomie, die Adam Smith begründet hat, als Modell zur optimalen Allokation von Ressourcen und als Mittel gegen die Monopolisierung von Ressourcen durch organisierte (staatliche, feudale oder ständische) Akteure erdacht wurde. Zum anderen ist die Entwicklung der Marktwirtschaft, des Kapitalismus, wie sie z.B. von Maddison (2006) über die Jahrhunderte dargestellt wird, eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Dass sich die Weltbank heute Sorgen um Armut und Gleichberechtigung machen kann und Hungersnöte die Ausnahme und nicht die Regel sind, ist nicht das Ergebnis der Umsetzung sozialistischer Pläne, sondern das Ergebnis einer marktwirtschaftlichen Ordnung, die in höchstem Maße erfolgreich war und weiterhin ist. (Dass Globalisierungsgegner eben einmal nach Brasilien jetten können (ohne Rücksicht auf Ihren Carbon-Imprint ürbigens und ohne Probleme an ihrem Arbeistplatz zu verursachen, an dem sie offensichtlich nicht vermisst werden) ist auch ein Erfolg des Kapitalismus, den sie, nach ihrer Landung und unter der Sonne Brasiliens, bekämpfen möchten.).

Es ist also aus meiner Sicht keine Frage, ob Marktwirtschaft oder Kapitalismus moralische Unterfangen sind, angesichts der Entwicklung des Wohlstands in freien Marktwirtschaften sollte diese Frage als beantwortet gelten. Somit stellt sich die Frage, die Vanberg als Gegenüberstellung von Moral und Wirtschaftsordnung beschreibt, in anderer Weise nämlich als Frage der Art von Moral, die man gerne hätte. Die Gegner von Marktwirtschaften hängen ganz offensichtlich dem an, was Vanberg eine deontische Moralbegründung nennt. In meinen Worten: sie sehen sich als Anhänger des Heils, das zu verbreiten, sie vom jeweiligen Heilsbegründer beauftragt wurden. Entsprechend besteht ihre erste Aufgabe nicht darin, die Überlegenheit der Resultate ihrer Moral zu belegen, sondern darin, die Überlegenheit der Prämissen ihrer Weltsicht zu behaupten. Damit ist jedoch nichts anderes als ein Glaubenssystem beschrieben, was vermutlich eine Erklärung dafür ist, dass so viele Theologen und so viel missionarischer Eifer unter den Globalisierungsgegnern zu finden sind.

Gegen die deontische Moralbegründung steht die teleologische Moralbegründung, die Begründung über deren Wirksamkeit, für die man dadurch werben kann, dass man auf die empirischen Folgen der Moral hinweist: z.B. den Erfolg der Marktwirtschaft, wie er sich im Lebensstandard auch oder gerade der Globalisierungs- und Wachstumsgegner zeigt. Dieser Erfolg ist das Ergebnis der inhärenten Logik, auf der eine Marktwirtschaft basiert. Schon Adam Smith hat darauf hingewiesen, dass sympathie, wie er es nannte, die treibende Kraft einer Marktwirtschaft sein muss, denn ein egoistischer oder rationaler Akteur, der seinen Nutzen maximieren will, ist auf den Austausch mit anderen angewiesen. Ein Bäcker ist darauf angewiesen, dass er gute Beziehungen zum Müller und zu seinen Kunden hat. Er muss mit Kunden wie Lieferanten kooperieren, will er dauerhaft Nutzen für sich schaffen. Entsprechend wird er sich an die Spielregeln, die auf einem Markt gelten und die Rawls mit “Gerechtigkeit und Fairness” benannt hat, halten, wenn er dauerhaft mit anderen kooperieren will. Dieses Ergebnis, das Smith in philosophischer Deduktion erreicht hat, hat Robert Axelrod (1997) in einer Reihe von Experimenten und Studien mehr als deutlich belegt. Wenn sich ein Marktteilnehmer von Moral und Anstand verabschiedet, dann wird ihm dies, wie Axelrods Studien zeigen, nur kurzfristig einen Gewinn erbringen. Langfristig gilt, was Vanberg wie folgt beschreibt: “Auch wenn derjenige, der sich in der Verfolgung seiner Interessen an moralische Beschränkungen hält, dadurch unzweifelhaft gelegentlich Nachteile in Kauf nehmen muss, so werden doch die Nettovorteile aus den Kooperationschancen, die ihm seine moralische Disposition eröffnet, größer sein als die Ausbeutungsgewinne … denn [er wird] von anderen als Kooperationspartner gemieden werden” (Vanberg, 2011, S.11).

Das Meiden von Marktteilnehmern, denen nichts an Reziprozität und der Einhaltung von Fairness in Austauschbeziehungen gelegen ist, setzt jedoch voraus, dass die entsprechenden Marktteilnehmer auch als solche erkannt und sanktioniert werden können, setzt z.B. voraus, dass Banken, die sich mit ihren Anlagen verspekuliert haben nicht darauf vertrauen können, von ihrer Regierung aus dem finanziellen Morast, in den sie sich begeben haben, gerettet zu werden. Es setzt voraus, dass die evolutionären Kräfte eines Marktes, wie Hayek sie genannt hat, intakt sind und die entsprechenden Spieler bestraft werden. Nur auf diese Weise, ist es Wettbewerb möglich, die besten Wettbewerber zu prämieren. Nur ein Markt, der gute Wettbewerber prämiert, schafft Anreize für Entdeckung und Schaffung von Innovationen. Und ein so funktionierender Wettbewerb ist – wie Franz Böhm geschrieben hat – das Entmachtungsinstrument schlecht hin: “Macht – so sein Argument – hat mit Abhängigkeit zu tun und Wettbewerb, der das Vorhandensein von Wahlmöglichkeiten bedeutet, wirkt Abhängigkeit entgegen; er verhindert die Bildung von Macht und damit den Missbrauch von Macht” (Vanberg, 2011, S.17). Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass jede Einschränkung von Wettbewerb, jeder Eingriff in den Marktmechanismus eine Agglomeration von Macht schafft, die einzelne Marktteilnehmer mit Privilegien versorgt, die sie vom Wettbewerb freistellen und zu amoralischen, weil der Anstandsregel des Marktes, nämlich der Fairness, nicht mehr verantwortlichen Spielern macht: zu Bankern, die nicht mehr um die Folgen von Missmanagement bangen müssen, zu Landwirten, die nicht mehr produzieren müssen, was auch nachgefragt wird, zu Herstellern von grüner Energie, die ohne Risiko und Rücksicht auf Abnehmer produzieren können,  zu Anwälten, die gesetzlich vor Konkurrenz geschützt werden, und zu parteinahen Stiftungen, die steuerlich begünstigt werden, um propagandistisch Fehlinformationen – am besten unter dem Siegel der Wissenschaftlichkeit zu verbreiten.

Aus den hier zusammengefassten Gründen würde ich das Fazit des Beitrags von Vanberg schärfer formulieren als er selbst es tut und feststellen, dass eine Marktwirtschaft ein hochmoralisches Unterfangen ist, dessen Moral regelmässig durch staatliche Eingriffe gestört, wenn nicht zerstört wird.

Axelrod, Robert (1997). Evolution der Kooperation. München: Oldenbourg.

Maddison, Angus (2006). The World Economy: A Millennial Perspective.Paris: Organisation for Economic Co-operation and Development.

Vanberg, Viktor J. (2011). Moral und Wirtschaftsordnung: Zu den ethischen Grundlagen einer freien Gesellschaft. Freiburg: Walter Eucken Institut, Freiburger Diskussionspapiere zur Ordnungsökonomik.

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21 Responses to Marktwirtschaft ist Moral

  1. Satori says:

    Danke.

    In letzter Zeit zweifele ich immer mehr an meinem Geisteszustand, da ich das Gefühl habe mit meiner Meinung allein dazustehen.

    Scheinbar bin ich doch nicht ganz allein….

    • Hallo Satori,

      danke für Ihren Kommentar!
      Ich kenne einige Leute, denen es so geht und einige, die meine hier veröffentlichte Meinung teilen. Entsprechend sind wir schon mindestens zu viert!

  2. Cosmo says:

    Entstehen Monopole oder Preisabsprachen unter Marktteilnehmern immer nur durch den vorherigen falschen staatlichen Eingriff in den freien Marktmechanismus?

    Schliessen sich Totalitarismus und Marktwirtschaft automatisch aus?

    Hat Adam Smith die Notwendigkeit verbindlicher staatliche Regeln für alle Marktteilnehmer abgelehnt?

    Hat er abgelehnt, neue Regeln zu finden und wirken zu lassen, wenn sich die Situation ändert?

    Ensteht historisch gesehen die Herrschaft des Rechts, die Gewaltenteilung, der Grundrechtekatalog, die offene Gesellschaft aus der freien Marktwirtschaft oder umgekehrt?

    Falls es ein komplexer Prozess gegenseitiger Wechselwirkung war, bedurfte es nicht auch anderer Teilnehmer ausserhalb des Marktes, die diesen Prozess vorantrieben?

    War das Verbot der Sklaverei in den USA ein staatlicher Eingriff in den freien Markt?

  3. Cosmo says:

    War Adam Smith nicht auch ein “Globalisierungsgegner”, weil er das Wirken der “ordnenden Hand” in einer globalisierten Ökonomie verneinte, weil dort die Marktteilnehmer unterschiedliche Rechts- und Regierungssysteme benutzen?

    Hat nicht gerade Adam Smith eine intensive staatliche Bankenregulation gefordert, die, hätte man sie gemacht, genau die letzte Bankenkrise verhindert hätte?

    • War Adam Smith nicht auch ein „Globalisierungsgegner“, weil er das Wirken der „ordnenden Hand“ in einer globalisierten Ökonomie verneinte, weil dort die Marktteilnehmer unterschiedliche Rechts- und Regierungssysteme benutzen?

      Jau, deshalb gibt es so ulkige Versuche der Integration und Harmonisierung durch die WTO oder die anderen Organisationen, die versuchen, den Staat so weit wie nur möglich aus dem Handel herauszuhalten.

      Hat es zu Zeiten von Adam Smith bereits einen Staat gegeben, der Banken hätte regulieren können? Aber gut, was sind schon 250 Jahre, wenn es um die Ideologie geht…

      • Cosmo says:

        1.) Wann je in der Weltgeschichte hätten sich gute, der Allgemeinheit dienende Regeln, von allein auf den Märkten entwickelt und etabliert? Ich finde kein praktisches Beispiel. Sie?

        2.) Ihre Frage war sicher ein rhetorischer Scherz. Jeder Student 1. Semester Ökonomie weiss, dass Adam Smith explizit von “government” redet, welches für die Sicherheit der gesamten Gesellschaft verantwortlich zeichnet und deshalb Gesetze gegen die Freiheit weniger erlassen muss:

        “To restrain private people, it may be said, from receiving in payment the promissory notes of a banker, for any sum whether great or small, when they themselves are willing to receive them; or, to restrain a banker from issuing such notes, when all his neighbours are willing to accept of them, is a manifest violation of that natural liberty which it is the proper business of law, not to infringe, but to support. Such regulations may, no doubt, be considered as in some respect a violation of natural liberty. *But those exertions of the natural liberty of a few individuals, which might endanger the security of the whole society, are, and ought to be, restrained by the laws of all governments; of the most free, as well as of the most despotical. The obligation of building party walls, in order to prevent the communication of fire, is a violation of natural liberty, exactly of the same kind with the regulations of the banking trade which are here proposed.” Adam Smith, WN II.ii.94: S. 324

        • Die Strategie des Fragenstellens ohne je einen eigenen positiven Beitrag zu leisten, haben Sie wirklich gut drauf. Nun, dann will ich auch mal mehr passiv agieren:

          1.) Welches erfolgreiche Wirtschaftssystem AUSSER der freien Marktwirtschaft kennen Sie denn – aus der Weltgeschichte?

          2.) Ich weiß nicht, wie weit das erste Semester für Sie zurückliegt, aber ist Ihnen jemals die Idee gekommen (seither meine ich), dass Adam Smith unter “Government” (Ich habe übrigens von Staaten gesprochen in meiner Post, das ist ein Unterschied, aber das nur nebenbei) versteht, nichts mit dem aufgeblähten bürokratischen Ungetüm heutiger Zeit zu tun hat. Smith gehört in die Schule von Thomas Hobbes und David Hume, d.h. er sucht nach einem Souverän, der gewährleistet, dass auf Märkten die Spielregeln, die vor Monopolen schützen und Eigentum sicherstellen, eingehalten werden. Das hat nichts mit dem Bundesfamilienministerium oder dem Bundesministerium für Landwirtschaft und blah zu tun.

  4. Cosmo says:

    @Michael Klein

    1.) Erfolgreich waren eigentlich alle Ökonomien, die den darin Lebenden ein gutes Leben ermöglichten zum Stand der technischen Möglichkeiten der jeweiligen Zeit. Das ging auch schon vor 6.000 Jahren ganz gut. Damals waren die Menschen sogar grösser und gesünder als Ende des 19. Jhdts. Auch die Buschmänner leben heute noch erfolgreich als Jäger und Sammler.
    Aber ich bin natürlich auch ein Fan der freien westlichen Zivilisation und der freien Marktwirtschaft *in Kombination* ganz im Sinne Adam Smiths, der die Pflicht des Staates (“government”) darin sieht, seine Bürger zu schützen, Erziehung und die Herrschaft des Rechts zu gewährleisten sowie den Markt mit Institutionen in seinem Funktionieren zu regulieren und zu unterstützen, sodass alle letztlich profitieren.

    Das sehe ich in der “freien Marktwirtschaft” Chinas beispielsweise nicht.

    2.) Das stimmt sicher. Unser Staat ist an einigen Stellen zu stark gewuchert, an anderen aber auch verkümmert (Polizei, Justiz, Bildung, Forschung). Es wird zu viel und falsch reguliert. Allerdings ist es nicht leicht, eine komplexe westliche Industriegesellschaft mit ihren vielen Interessen zu organisieren. Die Gesellschaft ist heute einfach pluraler als zu Smiths Zeiten. Ich finde ein Blick über die Grenzen, zur Konkurrenz, zeigt uns, was wir vermeiden müssen und was wir nachahmen können. Und was wir nachahmen wollen.
    Pauschalrezepte gibt es heute überhaupt keine.
    Was das Bauerministerium betrifft: ich möchte in Zukunft nicht nur Produkte aus osteuropäischen Grossproduktionen oder China kaufen können.
    Und wer Kinder hat, wird es zu schätzen wissen, dass Programme gibt, die Kindestagesstätten schaffen, denn die freie Wirtschaft tut das leider nicht von sich aus.
    Dafür zahle ich auch gern Steuern, aber da bin ich wahrscheinlich ein wenig schwedisch.

  5. Hans Meier says:

    Ob Marktwirtschaft was mit Moral zu tun hat, sei mal dahin gestellt.
    Jedenfalls stellte sie sich in freien Gesellschaften immer Marktwirtschaft ein und ihre Verhinderung hat keine Vorteile, aus denen sie durch eine bessere Wirtschaftsform übertroffen werden könnte, die sich darum auch nirgendwo durch etwaige Vorteile selbst einstellt.
    Auch wenn Ideologie lastige Versuche stattfanden, brauchte es immer einen Überwachungs- und Sanktionsapparat mit “gläubigen Gefolgs-Kapos” mit allen herrschaftlichen Machtbefugnissen, um ein Staatsregime zu errichten und mit Zwang zu stützen, bis es wieder zerbrach, da es instabile Wirtschaftsformen sind.
    Den Gerechtigkeits- oder Gleichheitsanspruch auf ein System des Wirtschaftens anzuwenden, ist infantil. Die gewaltigen Fortschritte an Lebensqualität für die Mehrheit der Weltbevölkerung, die in weniger als den letzten 250 Jahren, trotz rasanter Bevölkerungszunahme stattfanden, haben dynamische Marktkräfte entwickelt die sich gegen Dogmen durchsetzten.
    Als 1688 in England eine konstitutive Monarchie entstand, mit zwei Parlamentskammern in denen diskutiert werden konnte, also eine stabile Demokratie mit demokratischen Freiheiten, war das der „Nährboden“ auf dem sich kontroverse Wissenschaftler entwickeln und Techniken angewandt werden konnten.
    Dieser, zu seiner Zeit ungeheuer freie Aspekt, einer nicht von Dogmen erstickten Gesellschaft entwickelte sich zu besagter „Industriellen Revolution“, weil die Rationalität sich entwickeln konnte. Zu Lande, zu Wasser und in den wissenschaftlichen Zirkeln als faszinierende Leidenschaft, die in England gepflegt und mit der Entdeckungen und Erfindungen gefördert wurden.
    Schließlich war nach dem Untergang der spanischen Armada, die einzig durch die technisch überlegenen Schiffskanonen, mit größerer Feuerkraft auf größere Distanz den Engländern zur größten Seemacht und einem Empire verhalfen, auch ein Argument schlagkräftig geworden, was wiederum den eingeschlagenen Weg mit Erfolg und Reichtum bestätigte.
    Damit war die Erkenntnis, mit Rationalität sieg- und erfolgreich zu sein, so klar, dass sich diese „Revolution“ in der industriellen Produktion und den rationalen Naturwissenschaften ausbreitete.
    Damit hatten die alten Dogmatiker und Alleinherrscher die Oberhand verloren. England besaß dabei den Vorteil seiner sehr stabilen Staatsform, die sich über die Kolonien und weiter über zivilisierte Länder, mit Wissens- und Technikaustausch weiter entwickelte und andere Länder inspirierte dem Englischen Vorgehen zu folgen.
    Endlich konnten kluge Köpfe neue Dinge in Freiheit erfinden, es war nicht mehr ihr Stand, sondern der Erfolg im realen Wettbewerb was weiter brachte.
    Obwohl Gesellschaftstheoretiker gerade diesen freien Wettbewerb so kritisch sehen, weil es dabei natürlich eine Masse von Verlierern oder Armen gibt, die nicht ohne Revolutionen nach oben kommen, dann aber auch keine besseren Lösungen realisieren können.
    Der Lebensstandart in den Armenvierteln zieht auch heute noch die Landbevölkerung in die Slums. Bestimmt nicht, weil sie auf dem Land besser gelebt hätten oder mehr Chancen vorhanden waren und die „Sozialistischen Paradiese“ haben die größten Flüchtlingsprobleme mit der eigenen Bevölkerung die weg will, um wo anders ihre Chancen im Wettbewerb zu haben.
    Wenn nun dieser natürliche Prozess eines Wettbewerbs, sich Fähigkeiten anzueignen, sich gegen Konkurrenten zu behaupten, dazu führt, dass eine ungeheure Dynamik in der Entwicklung auf allen Gebieten in Gang kommt, dann ist das eigentlich nur das Selbstverständliche und Normale .
    Dann sind die Metropolen, die Forschungslabors und Hochschulen die „Brutstätten der Intelligenz“ und der globale Wettbewerb der Nährboden für alle, ihre Fähigkeiten zu steigern, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten.

    Wer sich dabei als hoffnungsloser Verlierer fühlt, wird leicht zum sogenannten „Wutbürger“, einem aus persönlicher Unfähigkeit überforderten Menschen, der die Herausforderungen im Wandel der Zeit nicht optimistisch zu bewältigen vermag. Der am Alten festhängt, Angst hat als Verlierer die solidarische Nestwärme mit Seinesgleichen sucht und Alibis von Hirnzwergen für sein Scheitern vorträgt.

    • Cosmo says:

      Zur Herrschaft der Rationalität kommt noch eine weitere stimulierende Komponente der westlichen Moderne – vielleicht sogar deren Ursache – nämlich die Erfindung des einzigartigen Individuums als Spiegelbild Gottes. Diese Idee der Aufklärung, die ihre Quelle im Judentum hat, vom Christentum übernommen wurde, hat erst den Einzelnen und zwar jeden, dazu ermächtigt zu denken, sich zu entwickeln, seine Rechte einzufordern. Daraus entstehen die großen Freiheits- und Emanzipationsbewegungen des Westens, von denen m.E. die freie Marktwirtschaft nur die ökonomische Entwicklungskomponente darstellt. Wir dürfen die Quelle unserer Zivilisation nicht auf das Wirtschaftliche reduzieren, wenn wir den unmenschlichen Strömungen der Zukunft standhalten wollen.

  6. Cosmos Fragen sind sinnvoll und verständlich.
    -Trotzdem muß ich zugeben,daß einiges Bedenkenswertes in Ihrem Artikel zu finden ist.
    -Markt und Wettbewerb sind nicht das Gleiche.Die segensreich erhofften Wirkungen der Konkurrenz stellen sich manchmal als Vergeudung von menschlicher Arbeitszeit heraus.

  7. Hans Meier says:

    Sie erheitern mich mit Ihrer Ansicht “Markt und Wettbewerb sind nicht das Gleiche”.
    Wo findet denn Ihrer Ansicht nach Wettbewerb statt, wenn nicht auf Märkten?

    Wer in der Konkurrenz unterliegt, kann doch wieder aufstehen und sich erneut stellen oder? Schauen wo er seinen Platz findet, in welcher “Liga” er sein Auskommen findet.
    Warum sollen denn aus Rücksicht auf die Verlierer im Wettbewerb die Tüchtigeren zugunsten der Wünsche der Unterrlegenen nachgeben, auch wenn die gescheiterten ihre Arbeitszeit so oder anders einsetzten wie die, die eben erfolgreicher waren?

    Klar haben die Erfolgreichen eine Verantwortung für die Armen und das auch schon immer akzeptiert, darum engagieren sie sich seit je her in sozialen Projekten, Stiftungen etc.
    Weil sie ihr Glück mit ihren Mitmenschen teilen wollen, weil sie ihre Mitarbeiter und Kunden schließlich für ihren Erfolg benötigen oder?
    Schauen Sie sich mal an, wie viele amerikanische “Foundations” von den “Siegern in Märkten” gegründet und mit viel Kapital ausgestattet wurden und dann suchen Sie mal nach den “sozialistischen Stiftungen” die sich ebenfalls sozial engagieren, statt zu agitieren oder zu bewaffneten Kämpfen aufrufen.

    Wenn ich die Erfolgsgeschichte der freien Märkte und den dort stattfindenden Wettbewerb, nicht als Ursache für den gestiegenen Lebensstandart der Bevölkerung sehen können wollte, müßte ich halluzinogene Drogen konsumieren und das ununterbrochen.

  8. Dass Globalisierungsgegner eben einmal nach Brasilien jetten können (ohne Rücksicht auf Ihren Carbon-Imprint ürbigens und ohne Probleme an ihrem Arbeistplatz zu verursachen, an dem sie offensichtlich nicht vermisst werden) ist auch ein Erfolg des Kapitalismus, den sie, nach ihrer Landung und unter der Sonne Brasiliens, bekämpfen möchten.

    Natürlich gibt es unter dieser Klientel ein paar Dösbattel. Es ist aber eine trivialisierende Beschreibung, die unterschlägt, daß nicht der Markt an sich beseitigt werden soll, sondern dessen Verwerfungen und Pervertierungen.

    Bringt nicht auch der Markt Monopole und Oligopole hervor, wenn das Kartellamt nicht so berauschend arbeitet?

    Ich sehe die Fusionitis und den Größenwahn vieler Konzerne ebenfalls als großes Problem an. “Wirtschaft als Krieg” lautet hier der passende Ausdruck.

    Wenn man bestimmte Pathologien kritisiert, die übrigens auch von Verbraucherseite gestützt werden, sollte man solchen Menschen nicht gleich unterstellen, sie hätten grundsätzlich etwas gegen Marktwirtschaft. Das sollten Sie fairerweise einkalkulieren.

    So trivialisiert man die Position des Kritikers, um das eigene Weltbild unangetastet sein lassen zu können.

    Sie wissen ja, wie das die Feministinnen machen. So läuft das eigentlich immer ab. Bei mir letztens auch bei meinen Ausführungen zur Homosexualität.

    Man kann doch nicht die Wellen der Kritik der letzten Zeit in Gänze als Unfug abtun. Diese Bewegungen haben doch ihren Grund, auch wenn da nicht alles koscher ist.

    • Ich glaube, wir haben eine fundamental unterschiedliche Auffassung von Globalisierungsgegnern. Ich kenne keinen Globalisierungsgegner, der nur den freien Markt herstellen will, und davon reden wir ja eigentlich, denn niemand hat einen Markt gefordert, auf dem nicht bestimmte Spielregeln, wie z.B. Privilegienfreiheit (was auf ein Verbot von Monopolbildung) hinausläuft, eingehalten würden.

  9. Cosmo says:

    Wenn wir über Moral der Marktwirtschaft reden, steht fest, dass die Effizienz und der Reichtum, der in den letzten 100 Jahren im Ganzen erarbeitet wurde unübertroffen ist.

    Aus der Konkurrenz der Firmen untereinander, und vor allem aus der Konkurrenz mit Wirtschaften, deren Civilgesellschaft unterentwickelt ist (wie China) ergibt sich aber auch folgendes Phänomen, welches mir bei meiner Arbeit für Apple Inc. auffiel:

    Eigentlich fühlt sich das Innere einer erfolgreichen Firma irgendwie stalinistisch an. Angst, totale Hingabe und Intrigen. Wir werden erzogen, trainiert und gebogen. Wir sollen dort neue Menschen werden, die ihre Handicaps tapfer überwinden und für das Gute eintreten. Den Gewinn. Das Wachstum. Die Verbesserung der Welt. Den Sieg über die Konkurrenz. Wir werden überwacht und ermahnt. Einbestellt und verfolgt. Die Dümmsten und prinzipienlosesten Opportunisten werden die Manager. — Das heisst ja wohl, dass wir alle einen Teil unserer Lebenszeit, obwohl wir in der freiesten Zivilisation aller Zeiten leben, in einer stalinistischen Abteilung dieser Gesellschaft verbringen müssen. Wir sind Sklaven, weil wir frei sind.

    Zur Emanzipationsbewegung des freien Westens gehört auch, auf innere Widersprüche hinzuweisen. Nur so wird die offene Gesellschaft verbessert.

    Globalisierungsgegner gehören also zur liberalen Gesellschaft wie das Freiheitsmantra.

  10. Burhard Bumann-Döres says:

    Es freut mich Herr Meier,daß ich sie zu erheitern vermochte!
    Sie stehen in einem gedanklichen Wettbewerb zu mir,wenn Sie behaupten,es gäbe Wettbewerb nur auf Märkten.Vielleicht betreiben sie Ihre Einwände hier gewerblich?
    Ich mache das hier aus Spaß an der Einsicht in die verschiedenen Argumentationsstränge und betreibe diesen Wettbewerb marktfrei.

  11. Hans Meier says:

    B.B.-D.
    Zunächst habe ich gezögert, ob es etwas ändert, auf Ihren Einwand zu reagieren aber sei`s drum.
    Es liegt mir fern, Haarspalterei oder ähnliches Aufgockeln mit analytischer “Fährtenlese” verwechseln zu wollen, darum wünsche ich Ihnen alles Gute, in diesem Sinn 😉

  12. H.M.
    Kein Problem.
    Ihnen wünsche ich auch den wissenschaftlichen Fortschritt ,den Sie sich erhoffen!
    Gruß von Burkhard Bumann-Döres

  13. In dem Artikel war zu lesen:
    „Macht – so sein Argument – hat mit Abhängigkeit zu tun und Wettbewerb, der das Vorhandensein von Wahlmöglichkeiten bedeutet, wirkt Abhängigkeit entgegen; er verhindert die Bildung von Macht und damit den Missbrauch von Macht“ (Vanberg, 2011, S.17). (…..)
    Aus den hier zusammengefassten Gründen würde ich das Fazit des Beitrags von Vanberg schärfer formulieren als er selbst es tut und feststellen, dass eine Marktwirtschaft ein hochmoralisches Unterfangen ist, dessen Moral regelmässig durch staatliche Eingriffe gestört, wenn nicht zerstört wird.
    Dann war noch von Anreizen die Rede ,die im Marktgeschehen ja auch ihre sinnvolle Daseinsnotwendigkeit haben-wenn dann aber Politiker anfangen, davon zu sprechen,daß “Anreize” gegeben werden müssen(!),findet eine Grenzüberschreitung statt.Neben der sich bei mir einstellenden Gänsehaut steht die Frage im Raum ,ob derjenige seine Bürger als mündige glaubt anschauen zu dürfen.

  14. Also, wenn ich die Kommentare so lese und mir ansehe, wie dieser Beitrag von Michael Klein bewertet wurde, nämlich nur als mittelmässig gut, dann scheint mir, dass hier wieder einmal bestätigt wird, was ich schon seit einiger Zeit zu beobachten glaube: Es geht Kommentatoren und Bewertern von Beiträgen leider häufig nicht um die Güte der Argumente, die dort vorgebracht werden, sondern darum, ob die Inhalte des Beitrags der eigenen, vermutlich vor allem affektiv (und nicht rational) begründeten Weltanschauung entsprechen oder nicht. Wenn die Inhalte dieser nicht entsprechen, dann ist der Beitrag halt einfach nicht gut – und das sogar auf einem Blog, der sich bemüht, den Wert korrekten Argumentierens und empirischer Evidenzen zu vertreten und zu praktizieren!

    Der negativen Bewertung liegt dann der Affekt zugrunde, sonst nichts, denn man hat ja keine Gegenargumente, wie sich den Kommentaren entnehmen lässt, sondern findet eben einfach “Globalisierungsgegner” ganz gut oder nimmt deren bloße Existenz als Hinweis darauf, dass diese “Bewegungen” (inwieweit kann man hier überhaupt von einer grassroots-Bewegung sprechen kann und nicht von organisiertem Kadertun sprechen kann, will ich hier nicht erörtern) doch durch irgendein legitimes Anliegen oder Argumente begründet seien, dass man leider gerade selbst nicht parat hat (sonst hätte man es in seinem Kommentar sicherlich angeben können, oder!?).

    Ich halte das für eine Tiefstleistung im Argumentieren, und darüber hinaus kann man auf diese Weise alles, aber auch wirklich alles rechtgertigen, z.B. dass doch etwas dran gewesen sein muss an der Zersetzung der Gesellschaft im nationalsozialistischen Deutschland, denn sonst hätten ja nicht soooooo viele Deutsche zu ihrer systematischen Verfolgung geschwiegen, also offensichtlich nichts dagegen gehabt…. Bestimmt haben diese Deutschen geglaubt, dass die Nazis irgendwelche guten Argumente haben, die sich aber der eigenen Kenntnis entziehen und deshalb nicht angegeben werden können.

    Wie gesagt: Ich halte das für eine argumentative Tiefstleistung.

  15. Pingback: Ohne Kapitalismus kein Respekt « Kritische Wissenschaft – critical science

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