Warum die Schlechtesten in Führungspositionen kommen

Friedrich August von Hayek hat sein Buch “The Road to Serfdom” im Jahr 1944 im Londoner Exil veröffentlicht. Es ist ein Appell an seine Leser, nicht dem Sozialismus auf den Leim zu gehen, ein Buch, in dem alle Argumente dafür zu finden sind, warum Sozialismus oder Kommunismus oder wie auch immer man ein kollektives System nennen will, das über die Köpfe seiner Bürger hinweg plant und vorgibt und Freiheiten beschränkt und die Kritiker des Systems entweder interniert oder gleich ermordet, nicht funktionieren kann.

In Hayek’s Buch findet sich ein kurzes Kapitel, das mit “Why the Worst get on Top” überschrieben ist: Warum die Schlechtesten, Übelsten oder Dümmsten in Führungspositionen gelangen.

Hayek SerfdomIn diesem Kapitel stellt Hayek die Gründe dafür dar, dass in totalitären Systemen, worunter alle Formen des Sozialismus für Hayek (und uns) fallen, immer diejenigen in Führungspositionen gelangen, die die schlechtesten Eigenschaften in sich vereinen und bei denen es sich um die übelsten Konsorten überhaupt handelt, also Mörder wie Mao, Hitler oder Stalin, Personen, wie Honecker oder Ulbricht, deren kognitive Fähigkeiten eher unter dem Durchschnitt liegen oder Verrückte wie Himmler oder Trotzki usw.

Drei Gründe sind es für Hayek, die dafür sorgen, dass die Übelsten und Schlechtesten in Führungspositionen gelangen.

Mit steigender Intelligenz geht eine steigende Individualität einher und damit eine zunehmende Unfähigkeit, die entsprechenden Personen unter den Hut einer gemeinsamen Sache zu bringen: Wenn also eine große Anzahl von Personen benötigt wird, um eine totalitäre Partei zu formen oder eine totalitäre Organisation zu gründen, die Einfluss auf das öffentliche Leben auf einer Massenbasis gewinnen will und deren wichtigstes Merkmal der Vertrieb undifferenzierter ideologischer Inhalte ist, dann werden die Mitglieder dieser Organisationen sich in der Regel nicht aus denen rekrutieren, die über differenzierte Ansichten verfügen, die auf Grundlage entsprechenden Wissens und entsprechender Intelligenz geformt wurden.

Der Kern einer Massenorganisation besteht somit aus durchschnittlich oder unterdurchschnittlich Gebildeten und Fähigen.

Es folgt als zweites Kriterium, das der Selbstselektion in totalitäre Organisationen: Letztere üben mit ihrem einfachen ideologischen Inhalt eine Anziehungswirkung auf leichtgläubige und fügsame Individuen aus, die über keine eigene Meinung verfügen und dann, wenn ihnen bestimmte Inhalte regelmäßig z.B. über Staatsmedien in einsamer Monotonie eingehämmert werden, ins Lager der totalitären Organisation oder Partei überwechseln.

Während eine totalitäre Organisation, die nur auf ihre Mitglieder bauen kann, auf Gewalt und Zwang gegenüber der Bevölkerung als Mittel zur Machtsicherung angewiesen ist, ist die totalitäre Organisation, die den Kern um die Gruppe der Meinungslosen erweitern kann, denen durch die Übernahme der vorgegebenen Ideologie nicht nur eine eigene Meinung, sondern auch ein Selbstwert gegeben wird, in der Lage, die Anwendung von Gewalt weitgehend auf Systemkritiker zu begrenzen.

Schließlich sind Feinde, Andere oder Nicht-Gruppenmitglieder, also negative Projektionsflächen anderer Menschen, denen alles Übel, das gerade zur Hand ist, unterstellt werden kann, ein Grund dafür, dass totalitäre Organisationen oder Parteien mit ihren Ideologien Zulauf finden, denn “… it is easier for people to agree on a negative programme, on the hatred of an enemy, on the envy of those better off, than on any positive talk. The contrast between the ‘we’ and the ‘they’, the common fight against those outside the group, seems to be the essential ingredient in any creed which will solidly knit together a group for common action” (Hayek, 2007: 143).

Das also sind die drei Zutaten, die die totalitäre Organisation bzw. Partei ausmachen und dafür sorgen, dass die Auswahl der Führungspersonen nicht meritokratisch erfolgt, sondern entlang einer pervertierten Wertordnung, die die übelsten Gesellen an die Spitze der Organisation gelangen lässt.

Zusammengefasst:

  • Totalitäre Organisationen rekrutieren sich vornehmlich aus denen, die mit eher durchschnittlichem oder unterdurchschnittlichem Intellekt ausgerüstet sind.
  • Totalitäre Organisationen ziehen Personen an, die über keine eigene Meinung verfügen und entsprechend auf der Suche nach einer einfachen Meinung sind, derer sie sich ermächtigen und durch die sie Status erlangen können.
  • Totalitäre Organisationen basieren auf Aus- und Abgrenzung und den dazu gehörigen Gefühlen von Gier und Neid, die um ein gemeinsames Feindbild gelagert sind.

Der Blick auf Links- und Rechtsextremismus, auf Antifa, NPD und Genderisten scheint zu bestätigen, was Hayek vor nunmehr 71 Jahren geschrieben hat.

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29 Responses to Warum die Schlechtesten in Führungspositionen kommen

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  2. gunst01 says:

    Gibt es irgend einen Grund, warum wir einen derart inhaltslosen Kommentar freischalten sollten? Ein Argument z.B.? Wie wärs mit dem Vorsatz für’s neue Jahr: Nicht mehr argumentlos sich erleichtern? M.K.

    • … das darf dann wohl als unabhängige Messung und Bestätigung der These Hayeks von der mangelnden Intelligenz von Mitläufern und Anhängern totalitärer Ideologien gelten:

      Da Sciencefiles seit nunmehr fast fünf Jahren besteht und wir seit Langem im Kommentarbereich darauf hingewiesen haben – und auch in eigenen Kommentaren deutlich gemacht haben – , dass hier niemand mit inhaltsleerem, lediglich bewertendem Gewäsch landen kann, sondern sich zu einer Begründung dessen, was er äußert, wird herablassen müssen, muss jemand, der dennoch versucht, just ein solches Gewäsch mit Bezug auf Hayek hier als Kommentar absetzen zu können, minder intelligent sein; er kapiert es einfach nicht oder kann nicht einmal die einfachsten Informationen aus seiner Umwelt verarbeiten!

  3. rote_pille says:

    Das betrifft nicht nur totalitäre Organisationen, sondern sämtliche Organisationen, deren Existenz Zwang oder Gewalt voraussetzt. Die Unterschiede sind nur graduell, einen prinzipiellen Unterschied zur Lage der anderen politischen Systeme hat auch Hayek niemals ausarbeiten können. Folglich hat jeder Staat eine begrenzte Lebensdauer.

    • Chaeremon says:

      Zu “Organisation … Lebensdauer” und im Artikel “Schließlich sind Feinde, Andere oder Nicht-Gruppenmitglieder, also negative Projektionsflächen anderer Menschen … denen alles Übel … unterstellt werden kann …”: ist doch gäbig dass sich die Wehrhaften einer Kulturgemeinschaft mit Adrenalin aufputschen (siehe: Folgen bis hin zum Kortex) um Angriffen / Versklavung / Ausbeutung konzertiert entgegenzutreten.

      Das hat uns Nachfahren von Hominiden in den letzten 1-2 Mio Jahre gut getan, “kürzlich” sogar die eg. Eidgenossen hervorgebracht; mit Büchern kann das Phänomen nicht umgedeutet werden, mit Worten aus Hayes Feder kann das nicht weggezüchtet werden, oder.

      Was können wir daraus schliessen (spezifisch): wenn die Zeit es für nötig befand die Wehrhaftigkeit von Kulturgemeinschaften zu erfinden (eg. Pegida, eg. AfD 0.2beta, eg. UKIP 0.01bleedingEdge), dann weil anders der ausser Kontrolle geratene zerstörerische Überschwang, der krankhafte Wahn hin zu Angriffen / Versklavung / Ausbeutung nicht mehr [anders] abgebaut werden konnte (eg. nicht mit Buchdruckerei).

      Anders als es die Anthropologieschamanen und Politschamanen herbeiwollen basiert unsere Kulturgemeinschaft, irreduzibel, auf A. Prosperation & Produktion, B. Verwesung (von ersten Camps bis hin zu Megacities), C. Erfahrungstransfer (bis hin zu literarisch erfundenem Meta- und Pseudowissen). Die Verweser sind zu untalentiert um nur in A oder C erfolgreich zu sein und haben die symptomatische Angewohnheit dass Überschwang ausser Kontrolle gerät.

      • rote_pille says:

        Könnten Sie genauer ausführen, inwiefern das einen Bezug zu meinem Kommentar hat, auf den Sie da antworten? Und würden Sie mir bitte erklären, wieso Sie den harmlosen Spaziergängern von Pegida irgendeine Wehrhaftigkeit zuschreiben? Wehrhaftigkeit ist die Bereitschaft zur Gewaltanwendung gegen Aggressoren.
        Aus welcher Gesellschaftstheorie ist der letzte Absatz entnommen und wieso wurde er aus dem Kontext gerissen dort plaziert?

        • Chaeremon says:

          Oops, haben Sie was in den falschen Hals bekommen? Werde mich bessern, ist ja noch jung das neue Jahr.

          Zu “Wehrhaftigkeit” und “Pegida”: solange ich mich erinnere werden Pegida Spaziergänger und Zuhörer der Vorträge auf der Strasse immer wieder aggressiv angegriffen, teils körperlich aggressiv, teils verbal aggressiv, auch in Medien und von Politapparatschiks.

          Was ist demzufolge an der Tatsache der Wehrhaftigkeit der Pegida Teilnehmer auszusetzen? Die zeigen allein schon durch ihre wöchentlichen Wiederholungen dass sie wehrhaft sind, auch und gerade gegen die von Pegida kritisierten Vorkommnisse und Zustände (und gegen die lügende “Bericht”erstattung). Basiert etwa Jiu Jitsu bei Ihnen auch auf Aggression oder warum soll das nicht wehrhaft genannt werden.

          Jetzt habe ich bei den anderen Punkten irgendwie keine Lust mehr auf potentiell langatmige Wortklauberei.

  4. corvusalbusberlin says:

    Man braucht doch nur in die Gesichter unserer Politiker – gleich welcher Couleur, mit wenigen Ausnahmen – hineinschauen, dann weiß man doch, wen man vor sich hat, nicht nur beruflich, sondern auch menschlich.

    • Werner Runkel says:

      Genau so sehe ich das auch !

    • Obacht! 😉
      Unter “Intelligenz” wird ja auch die Fähigkeit subsummiert, möglichst effektiv das eigene Überleben zu besichern. Insofern ist z.B. Frau Wagenknecht recht intelligent. Sie labert zwar vollkommenen Mumpitz daher, ihre Entlohnung dafür beträgt ca. € 14.000.
      Insofern kann “dummes Zeug” reden auch sehr intelligent sein – im Sinne des eigenen Vorteils.

  5. Eber says:

    Bin ja Wirtschafts-Laie, aber ein sehr interssierter.
    Ich habe also einige dicke Bücher über die Österreichische Schule der Nationalökonomie gelesen, auch ganz neue.
    Mir das wichtigste Buch ist und bleibt Hayeks “Der Weg zur Knechtschaft” – ganz fabelhaft.
    Zwar etwas schwer zu lesen, was möglicherweise an der nicht so ganz gelungenen Übersetzung liegen könnte? ich weiß es nicht – und mein Englisch reicht leider nicht fürs Original.

    Hayeks Buch ist ein absolutes Muss!
    Leider ist es nur antiquarisch erhältlich, man findet es aber leicht z. B. über Buchhai.de

  6. Enrico says:

    @corvusalbusberlin: Das finde ich spannend. Sie stellen die Behauptung auf, daß man anhand des Gesichts eines Menschen z.B. auf dessen beruflichen Kompetenzen schließen kann. Habe ich das so richtig verstanden? Gibt es dafür Statistiken oder basiert das eher auf persönlicher Zu- bzw. Abneigung? Und wer sind eigentlich sie Ausnahmen, von denen Sie sprechen? 🙂

    • corvusalbusberlin says:

      @Enrico Nein, Sie haben das nicht richtig verstanden. Lesen Sie nochmals meine 2 Zeilen. Und was die Statistiken angeht – an die werden Sie doch wohl nicht glauben.
      Es beruht auch nicht auf persönlicher Zu- oder Abneigung, wenn ich auch einige Politiker kenne. Es hat mit meinem beruflichen Werdegang zu tun.
      Einen Politiker will ich Ihnen nennen: Ströbele. Das heißt allerdings nicht, dass ich die Grünen wähle.

    • corvusalbusberlin says:

      @ Enrico Noch ein Nachsatz: Ein bekannter Politiker hat mir einmal ein Zitat genannt, welches 2000 Jahre alt ist und in dem es sinngemäß heißt: “…..dass die wirklich klugen Leute, viel zu klug sind, um in die Politik zu gehen – und deshalb werden sie von Leuten regiert, die viel dümmer sind, als sie selber. ” Leider ohne Verfasser.
      Und wahrscheinlich nicht nur viel dümmer, sondern aus gerissener und vor allem machtgeil.

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  8. Heiner says:

    Sind es wirklich die Schlechtesten oder sind die Versager in Führungspositionen nur allesamt endplatziert, wie es Lawrence J. Peter es schon als Peter-Prinzip beschrieb?

    (vgl: Laurence J. Peter, Raymond Hull: Das Peter-Prinzip oder die Hierarchie der Unfähigen. Übersetzt von Michael Jungblut, 12. Auflage, Rowohlt-TB 61351, Reinbek bei Hamburg 2001, ISBN 978-3-499-61351-7)

    Ich habe Hayek bisher nicht gelesen. Aber danke für den Tipp, ich muss mich mal dran machen.

    Wenn ich aber die diversen Hierarchien, in denen ich während meines Lebens schon arbeitete, darunter mehrere Uniformierte und andere traditionell hierarchische Strukturen, betrachte, habe ich immer wieder die Symptome der Endplatzierung mit ihren Ersatzhandlungen angetroffen.

  9. Das ist die gängige Ansicht in der Bevölkerung. Hayek gibt die Vorurteile der breiten Masse wieder. Oder seine Erklärung hat sich in der Masse breitgemacht, hatte ja auch lange genug Zeit.

    Ich vermute schon lange, daß die Sache so einfach nicht ist. Sicher, in eine Organisation passen nur anpassungsfähige Menschen. Dies sind oft Menschen, die nicht merken, daß sie benutzt werden, oder die nicht argwöhnisch genug sind. Aus diesem Grunde bestehen einige Staaten auch auf dem Verbildungsmonopol von Kindern.

    Die Masse der Menschen in Organisationen rekrutiert sich sicher, wie hier behauptet, aus gutgläubigen Menschen. Ob diese nun mehr oder weniger intelligent sind ist problematisch. Die Abbildung von Intelligenz auf einem Skalar ist sowieso ein Unding, ein unmögliches Ding, ein Ding der Unmöglichkeit. Ein so vielgestaltiges Ding wie die Intelligenz paßt nicht in einen einfachen Zahlenwert. Diese Simplifizierung des Problems ist unerträglich.

    Die meisten Organisationen befördern ihre Mitglieder, bis auf die Organisationen, in denen sich die Gründer gleich als Chefs einsetzen und in denen die Wege an die Spitze für die Mitglieder undurchsichtig sind, also auf anderen Wegen geschehen.

    Organisation wird aber benötigt für eine Höherentwicklung. In der Masse der Menschen setzen sich organisierte Gruppen durch, sie haben Bestand und bestimmen, wo es langgehen soll.

    Viele einfache und gutgläubige Menschen ohne großen Ehrgeiz bilden also den Körper einer Organisation und leisten die Verwaltungsarbeit und bringen die Energie, von der sie lebt.
    Nun gibt es Menschen, die sich den Wegen an die Spitze anpassen. Es ist nicht so, wie ein gewisser Peter oder ein gewisser Parkinson behaupten, daß sich nur die unfähigen oben wiederfinden, weil man sie loswerden will. Es ist nicht generell so!
    Anpassungsfähige Menschen werden sich diesen Auswahlbedingungen anpassen und Karriere machen. Wer sich gewissen Anforderungen verweigert, der wird nicht be- oder gefördert. Es kann sich dabei auch um intelligente Menschen handeln, denn sie haben sicher Gründe, gewisse Verhaltensweisen zu verweigern. Letztlich bleiben die, die unfähig sind, sich anzupassen, und die, die sich nicht anpassen wollen, im Körper der Organisation stecken und die intriganten, intelligenten, skrupellosen und anpassungsfähigen Menschen kommen an die Spitze — wenn es keine Umwege an diese Spitze gibt. Und diese Umwege bestimmen das Leben von Organisationen. Man kommt durch Arbeit nur zu einem gewissen Punkt. Weiter geht es über geheime Kanäle, Parteimitgliedschaft, Klüngelklubs…

    Jedes Wesen auf diesem Planeten und jede Organisation, wir als Individuum sind ja auch nur Organisationen, will seinen Machtbereich ausdehnen, will letztlich alles beherrschen, will die Welt retten. Aus diesem Grunde ist die Betonung totalitärer Organisationen, die implizit die Welt einteilt in totalitäre und nicht totalitäre, nicht gerechtfertigt.
    Andersherum ist es, Organisationen, wie auch Individuen, haben den Drang zu Totalitarität schon eingebaut. Es ist eine Funktion des Lebens.
    Die Selbstbeschränkung von Macht, die zum gesellschaftlichen Zusammenleben dazugehört, ist eine Frage des Zusammenlebens, der Vernunft, der Weitsicht. Durchsetzen werden sich aber die, denen es an dieser Selbstbeschränkung mangelt, von Lorenz & Co. auch als Hemmung beschrieben.

    Organisation ist notwendig. Aus notwendigen Organisationen werden also auf ganz natürlichem Wege totalitäre Organisationen, weil jede Organisation diesen Weg geht.

    Ich halte es nicht für klug, Mitglieder totalitärer Organisationen als dumm zu erklären. Zeigt nicht die Durchsetzungskraft, daß die Verhaltensweisen klug sind? Zeigen diese Organisationen nicht, daß sie aus vielen dummen Mitgliedern etwas schlagkräftiges, also etwas kluges aufbauen? Warum setzen sie sich denn durch? Warum werden die Organisationen denn immer totalitärer? Warum verkennen wir denn viele Organisationen, merken nicht, wie sehr sie sich unserem Denken angepaßt haben, um uns auszunutzen?

    Die Versklavung der Menschen findet sicher auf diesem Wege statt, aber anders. Die Selbstbeschränkung der Macht fehlt. In einer Armee schaffen es sicher die Rücksichtlosen, denen die Selbstbeschränkung ihrer Macht fehlt, in den mittleren Stab. In die obere Leitungsebene schaffen es aber nur Menschen, die die gesamte Situation überblicken und die ihre Macht nicht überschätzen — zum Glück.

    Langer Rede kurzer Sinn, die Messungen von Intelligenz und Totalitarität sind nicht in Ordnung und sehr fragwürdig.

    Die meisten Bürger jedes Staates glauben, auf einem roten Teppich zu spazieren, dabei ist es nur die rote Zunge des Leviathan. Wir sind alle Opfer von Organisation, totalitär oder nicht als totalitär eingeschätzt. Eine Organisation entfernt sich eben zu leicht von ihrem Gründungszweck und von ihren Mitgliedern. Eine Organisation, die sich von ihren Mitgliedern entfernt und sich harte Vorgehensweisen gegen diese leisten kann — wird totalitär oder wird untergehen. Was wird sie wählen?

    Die Einschätzung historischer Persönlichkeiten ist sehr sportlich.

    Der Dreh- und Angelpunkt der Organisationsbildung, die religiöse Idee oder das Ideal wurden nicht betrachtet. Wir sind zur Abstraktion gezwungen, unsere Informationsverarbeitungsmaschine ist noch sehr klein. Religionen und Ideologien sind deshalb die Orientierungen und sind die Kristallisationskeime von Organisationen.

    Carsten

    Der Software-Gigant Microsoft werde künftig seine Outlook-Nutzer über staatliche Spähaktivitäten informieren, teilte ein Microsoft-Vertreter Reuters mit.

  10. Winston Smith says:

    In der Analyse von Hayek steckt der Hinweis, dass Organisationen den Aufstieg nicht nur der Unfähigen, sondern besonders der Skrupel- und Rücksichtslosen begünstigen. Aus psychopathologischer Perspektive wurde dies von Andrzej M. Lobaczewski in “Politische Ponerologie” beschrieben. Die Gegenwart einer Ideologie begünstigt diese Mechanismen und die beiden Ansätze ergänzen sich wohl widerspruchsfrei. Es gab sogar ein weiteres Werk, in dem beschrieben wurde, dass zu jeder pathologischen Persönlichkeit eine Gruppe von an sich unfähigen Anhängern und Profiteuren gehört und dass beide Momente einander bedürfen. Mir fällt nur der Titel gerade nicht mehr ein. Was vielleicht noch fehlt, ist eine ähnlich prominente Betrachtung solcher Vorgänge aus moderner sozialpsychologischer Perspektive, also eine gruppenbezogene Analyse von Autoritätshörigkeit (Milgram, Zimbardo), Bandwagon-Effekt, Schwarmverhalten und dergleichen in Hinblick auf Organisationen. Dürrenmatts Drama “Der Besuch der Alten Dame” erscheint mir richtungsweisend. Auch in der Literatur zu Mobbing am Arbeitsplatz ist viel zu finden. Bei der Beschränkung der obigen Betrachtung auf den Sozialismus möchte ich anmerken, dass die momentanen Zustände im Land, die gerne als linksgrün oder als “System Merkel” angesprochen werden, meiner Meinung nach auch (wenngleich bestimmt nicht allein) auf die Erosion aller Moral in der Politik im autokratischen “System Kohl” zurückgehen. Hier wurden die Weichen gestellt für eine Gesellschaft, in der in verschiedensten Bereichen keine selbständig und kreativ denkenden Köpfe und verantwortungsbewußte Persnlichkeiten mehr hochkommen. Möglicherweise erntet nicht nur noch immer die Merkel-CDU die Früchte Kohls, sondern haben sich auch die anderen Parteien dem erst angepasst, durch innere Re-Strukturierung, Alleinherrschaft des Machtdenkens und durch Verflechtung mit Medien und Lobbies.

  11. Livia says:

    Der Mann hat noch einen weiteren Aspekt vergessen: Den, daß sich selten jemand, der “oben” ist, Leute in der eigenen Herrschaftsgruppe fördert, die ihm überlegen sind und seine Position gefährden könnte.
    Deswegen sinkt das Niveau jeder Regierung mit dem Generationswechsel in Richtung Mittelmäßigkeit. Das konnte man schon in den attischen Demokratieen beobachten.
    Die römische Republik hatte etwas mehr Beständigkeit, da die Berechtigten aus einer bestimmten Klasse gewissermaßen vorsortiert waren. Da nur Patrizier berechtigt waren, kamen immer wieder auch Interligentere in den Senat – bis das diese Regel fiel!

    Untergegangen ist das Reich dann nachdem das Christentum übernahm. Der Monotheismus ist der direkte Vorläufer der Ideologie: Du sollst glauben und nicht wissen, Dogma statt Forschung, Missionsbefehl (zur Weltherrschaft) und daraus abgeleitet die Herabklassifizierung aller Nichtgläubigen zu Menschen 2. Klasse, mit denen man alles machen konnte! Wer römische Quellen von Heiden aus dieser Zeit – sofern sie nicht den Säuberungsaktionen der Kirche zum Opfer gefallen sind – liest, stellt fest, daß das frühe Christentum eine Religion der Sklaven und sonstigen Ungebildeten war, weshalb sie die Oberschicht zu lange nicht ernst genommen hatte.
    In ihrer Bildungsfeindlichkeit hat sie aber die Masse Volk dumm und gefügig gehalten, was Despoten wie Konstantin gerade recht kam. Bildungstechnisch durfte sich ja nur mit der “heiligen Schrift” und Fragen der Religion beschäftigt werden, und Letztere allein in der Führungsschicht. In den folgenden Jahrhunderten wurde Europa deswegen technisch und geisteswissenschaftlich um mindestens 500 Jahre zurückgeworfen.
    Mit dem Islam ist es wie mit den “modernen” Ideologieen heute genauso. Daß der Orient im Mittelalter dem Abendland haushoch überlegen war, rührt vom längeren Überleben Ostroms und von übernommenen Vorgängerkulturen her. Als in Europa die Aufklärung einsetzte, begann dort der Abstieg!
    Regierungsformen, die sich besonders lange hielten, waren stets Mischformen zwischen Volksherrschaft und Erbherrschaft. So das Wahlkaisertum im deutschem Mittelalter, was verhinderte, daß jeder adlige Idiot, der gerade Kronprinz war, auf den Thron gelangen konnte.
    China war sehr lange führend, weil es allein auf Bildung der Führungsschicht setzte, ohne Blick auf die Herkunft. Erst als die Engländer und Amerikaner das Land aufmischten, ging das Prüfungssystem den Bach runter!
    Systeme das Aufstiegs sollten über Generationen angelegt sein, wie das mitteleuropäische Zunftwesen, und das Adeln in Stufen, damit den Fähigsten und nicht den Skrupelosesten der Aufstieg ermöglicht wird! Sind die Skrupellosen nämlich auch noch interligent, sind sie gerissen und werden aus dem Hintergrund heraus herrschen, wie es die “Superreichen” heute in der “westlichen Welt” tun.

    Eine weitere wichtige Regel ist, daß Gemeinschaften nicht so groß sein dürfen, daß Anonymität aufkommt. Dann ist wirkliche Demokratie nämlich nicht mehr möglich und die Versuchung bei Einigen zu groß, die Masse Mensch dumm und folgsam zu halten, sowie der interlektuelle Weg zur Mittelmäßigkeit der Führungsschicht nach spätestens 3 Generationen.
    Manche dieser Systeme/Ideologieen haben die Interligenz durch z.B. Zölibat, Knabenlese, Eunuchen geradezu systematisch an der Fortpflanzung gehindert und damit ausgerottet!

  12. Hans Meier says:

    Die Lebensläufe jener, die sich immer weiter in politische Führungen begeben, benötigen eine politische Thermik, in der sie gewählt werden.
    Es geht um Emotionen, die eigenen und die der Kohorte, siehe
    http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0002645#comments

  13. Jürg Rückert says:

    Hayek aktualisiert:
    Vor Jahren nannte ein renommiertes Wochenblatt die 3 Top Secrets der Bürger (worüber man nicht spricht):
    1. Mord- und Selbstmordphantasien
    2. differente sexuelle Wünsche
    3. Angst vor Versagen im Beruf.
    Nr. 1 und 3 beruhen auf Angst. Ich vermute, dass sehr begründete Existenzängste in den tiefen Schichten unseres zentralen Nervensystems erblich verankert sind, angereichert mit erlebten, individuellen Bedrohungen: Wir alle sind „Traumatisierte!“ Und: Intelligenz im Kampf mit dem Stammhirn verliert fast immer!
    Als Teil einer machtvollen Gemeinschaft (stärkster Stamm!) borgen wir uns ethnische, religiöse oder politische Sicherheit. Der „lauteste Rufer im Streite“ (Ilias!) schart in der Bedrohung die Leutchen um sich.
    Amerikanische Präsidenten wurden für die 2. Wahlperiode nur abgewählt, wenn der kleine Bürger um seinen Arbeitsplatz fürchten musste. Der zentrale Mechanismus heißt Angst. Er ist ein hot spot für Diktatoren und funktioniert auch ohne Sozialismus.
    Wir haben eine Regierung mit einer zum Himmel schreienden Machtlosigkeit. Alles ist lediglich noch geborgt. Der Wohlstand ist der einzig verbliebene gemeinsame Nenner. Er speist sich aber nur noch vom Saft im Stamm, die Wurzeln sind gekappt, das Ende ist absehbar.
    Wenn sich deutsche Politiker in Südamerika Ranchos kaufen (statt „wandere aus so lange es noch geht“ heißt es hier: „schaffe dir ein Zuflucht und halte ein Flugzeug bereit, Honecker war zu langsam!“), dann sollten die Bürger aufmerken.

  14. francktalk2 says:

    Das Peter Prinzip bzw. der Sieg der Mittelmäßig, der Triumph der Mediokratie. Die Mittelmäßigkeit als Tugend einer Gesellschaft, eines Unternehmens.

    Die Gehalte sind hoch. Die Rente gesichert. “Wir trinken Wein und die andere Wasser oder gepanschter Wein und basta.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Mediokratie_%28Herrschaft_der_Mittelm%C3%A4%C3%9Figkeit%29

    Das Peter-Prinzip: Warum viele Chefs so unfähig sind: https://www.lecturio.de/magazin/das-peter-prinzip-warum-viele-chefs-so-unfaehig-sind/

    http://www.freiheitistselbstbestimmtesleben.de/pdf/das_peter-prinzip.pdf

    http://berufebilder.de/2011/schluesselqualifikation-faulheit-inkompetenz-erfolgsrezept-peter-prinzip/#text.

  15. BeFree says:

    Ich habe F.A.v.Hayeks klare Positionierung gegen den Kommunismus/Sozialismus – nicht halb richtig, sondern ganz falsch – immer bewundert und geschätzt, sogar als das nicht in Mode war, im Hippie-Westen Deutschlands nicht und im zwangskommunistischen Osten schon gar nicht.
    Wenn man nun die beiden o.g. Ausrisse aus seinen Schriften nimmt,
    1) ‘Mit steigender Intelligenz …….. geformt wurden’ sowie 2) ‘Es folgt ……. ins Lager der totalitären Organisation oder Partei überwechseln’ und diese als Schablone auf den vergangenen CDU Jubel-Parteitag in Karlsruhe projeziert, dann erkennt man an der Passgenauigkeit dieser Zitate, was Kohls Mädchen mit ihrem FdJ/SED Migrationshintergrund und auf der Basis des Zustimmungsergebnisses insbesondere zu ihrer durchgeknallten Zuwanderungspolitik aus der CDU gemacht hat: die Neuauflage einer innerparteilich völlig kritikunfähigen Kommunstischen One Woman Partei von persönlichen, egomanischen Vorteilsnehmern ohne Gewissen und ohne Rückgrat.
    Um es allen 500.000 +/- Gestörten, die in ihrer Verblendung glauben, noch CDU Mitglieder sein zu wollen, zu sagen: Sie sind de facto Mitglieder der neuen, von Frau Merkel alt aufgebackenen, KP/SED.
    Und die werden eines Tages, wenn der Merkelspuk wie der von Honnecker und Hitler ganz plötzlich und mit einem Knall beendet sein wird, wieder alle behaupten, sie hätten es nicht gewusst.
    Und dann wollen wir es ihnen nicht glauben! Sie nicht wie damals als Mitläufer im Befehlsnotstand davon kommen lassen. Nicht noch einmal! Die CDU in toto sollte sich in Grund und Boden schämen. Das Beste wäre es, die CDU ersatzlos aufzulösen und ihre Mitglieder auf Lebenszeit von jeglicher politischen Teilhabe an der Demokratie auszuschließen, da CDU-Mitgliedschaft=Kad(av)ergehorsam und Demokratie sich gegenseitig ausschließen. Prosit Neujahr.

  16. Wolfgang R. says:

    Ich kann auf Anhieb erkennen, was Hayek meint, die dargestellten Zusammenhänge sind für mich uneingeschränkt plausibel. Allerdings nehme ich die Tendenz, dass “die nur mittelmäßig Begabten” oder “die wenig differenziert Denkenden” oder “nicht gerade die Besten” die Führungs und Lenkungsfunktionen besetzen, nicht nur in totalitären System wahr. Und nicht nur in Abhängigkeit von Gewalt und Zwang.

    Ist es nicht vielmehr so, dass in nahezu jeder Jugendsportgruppe, im Schützen-, Taubenzüchter- oder Kleingartenverein, in jeder politischen Organisation, in jeder Interessengruppe früher oder später die “weniger Geeigneten” das Sagen haben?

    Aus den unterschiedlichsten Gründen wenden sich doch auch in heterogeneren und wenig totalitären Systemen die Klügeren meist von Verantwortung, Posten, Funktion ab und überlassen das Feld denen, die es nötig haben, sich zu profilieren oder deren Fell dicker ist – was das Ertragen von Dummheit anderer Protagonisten erleichert.

    Die allermeisten Führungspositionen, die ich beurteilen kann, sind vom Peter-Prinzip oder ähnlich witzigen Interpretationen der Wirklichkeit besetzt worden, nicht von einer objektiv belastbaren Qualifikation. Das betrifft Politik, Wirtschaft, Justiz, Gesellschaft. Die Überschrift des Artikels bringt es für (fast) alle Zusammenhänge auf den Punkt, warum sollte es in totalitären Organisationen anders sein?

    Spannend ist auch, was eine Organisation zu einer totalitären Organisation werden lässt. Wenn man z.B. die gegenwärtige Stimmungslage in Deutschland beobachtet, formieren sich potentiell zwei gesellschaftliche Lager mit Hang zum Totalitarismus. Und das in Zeiten scheinbar vollständiger Information!

    Mein Fazit aus derartigen Überlegungen: Die Menschheit lernt nicht aus ihren Fehlern. Das scheint Individuen vorbehalten zu sein. Die Massen treffen immer wieder die gleichen unsinnigen Entscheidungen, fallen immer wieder auf die gleichen Dummschwätzer herein und erleben immer wieder die gleichen Abläufe von Aufstieg und Fall ihrer Kulturen. So what?

  17. Gast says:

    Wieder einmal ein ganz toller Bericht. Es war immer die breite Volksmasse, die sich gegen die Wahrheit gestellt hat, die sie aus meiner Sicht aus eigenen Unzulänglichkeiten nicht erkennen kann. Der herrschende Patriarch rekrutiert immer aus dieser Menschengruppe deren Führer, damit sie sich mit dem Gesagten identifizieren kann. Die Masse hat immer die Klasse besiegt. So ist es wirklich zu verstehen, dass so viele geniale Menschen getötet wurden und mittlerweile ein total primitives System entstanden ist, wobei selbst ein Hochschulabschluss nicht mehr so den Wert hat, denn auch dort werden mittlerweile nur ganz bestimmte Menschen rekrutiert, die in die Sektenstrukturen passen.

  18. David says:

    Schön geschrieben! Die Intelligenten ziehen sich entweder aus Frust zurück, widmen sich ihren eigene Dingen oder nutzen das System der “Dummen” für sich selbst aus. Kann man tagtäglich in der Politik und parteiübergreifend beobachten.

  19. hjschubert says:

    Inkompetente Führungskräfte herrschen auch in demokratischen Staaten. Sie erwachsen aus zahlreichen gesellschaftlichen Zwängen heraus. Besonders aus der oft hirnarmen Verehrung attraktiver Zeitgenossen. Auch die Vorfahrt für die sogenannten Macher gehört dazu. Den pragmatisch “nicht denkenden”, die immer sofort wissen, was zu tun ist.
    http://www.gehirnsabotage.de/warum-wir-unser-denken-begreifen-müssen/5-latente-inkompetenz-durch-übereilte-entscheidungen/

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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