Sozialwissenschaften sind kein Laberfach – Projekt ScienceFiles

Unser Projekt ScienceFiles, das wir gestern gestartet haben, es lässt sich gut an, soviel können wir an dieser Stelle schon sagen. Bislang sind unsere Erwartungen übertroffen worden. Weiter so!

Von all den netten und schönen eMails und Kommentaren, die uns gestern erreicht haben, wollen wir uns zwei herausgreifen, die uns besonders gefreut haben, und zwar deshalb, weil sie den Kern dessen, was wir mit ScienceFiles versuchen, betreffen:

Sozialwissenschaften sind kein Laberfach und Sozialwissenschaftler keine Moralapostel!

Oder, wie zwei unserer Leser schreiben:

“Gratuliere zu ihrem Blog.

Sie haben mir näher gebracht was Sozialwissenschaften sein könnten aber oft nicht sind. Die moralisierenden Aussagen von Sozialwissenschaftlern in den Medien haben bei mir den Eindruck geprägt, es wäre eine Laberwissenschaft mit Moralapostelcharakter. Sie haben mir gezeigt, dass Sozialwissenschaft etwas anderes ist und auch eine echte Wissenschaft sein kann, deren Wesen aber in den Medien politisiert und konterkariert wird.

Vielen Dank an dieser Stelle für diese Einsicht und dass sie meine Meinung geändert haben.

Weiter so und auch viel Erfolg in der eigenen Karriere.
Grüße
Günter Heß”

“DANKE!
Danke für Euer Projekt. Ihr habt mir als Physiker gezeigt, dass auch Sozialwissenschaften Wissenschaft sind. Aus dem was ich nunmehr über 3 Jahre regelmäßigen Lesens von ScienceFiles über Sozialwissenschaften kannte (früher in der DDR reiner Sozialismus sch…, jetzt reingewaschener Soz…) hatte ich den Eindruck, dass Sozialwissenschaften so Etwas wie im Studium der Wissenschaftliche Kommunismus sind. Ihr habt mir gezeigt, dass es da noch mehr und vor Allem Sinnvolles gibt.
Ich hoffe Ihr habt mit Eurem Aufruf bei den Lesern genug Erfolg. Ich finde die Art der Finanzierung gut, da man (auch als Leser) sich auf die nächste Zeit einstellen kann.

mfg

Gernot”

Diese beiden Rückmeldungen, sie freuen uns besonders, weil sie zeigen, dass wir mit ScienceFiles dazu beigetragen haben, die Wahrnehmung von Sozialwissenschaften zu verändern, zu korrigieren.

Wer seine Informationen nur aus Mainstream-Medien nimmt, in denen Lehrstuhlbesetzer, die sich als Sozialwissenschaftler ausgeben, akademisierte Beleidigungen von sich geben oder Dünngeistiges, das sie als Wissenschaft verkaufen wollen, der kann in der Tat den Eindruck erhalten, dass die Sozialwissenschaften aus blasierten und moralisierenden Schwätzern bestehen, die nichts inhaltlich zu sagen haben und diese inhaltliche Leere durch Bewertung ersetzen, Bewertung anderer versteht sich.

sciencefilesDabei ist es ganz einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen, denn die Sozialwissenschaften basieren auf einem Konsens darüber, was Wissenschaft ist: Wissenschaft ist in erster Linie eine Methode, die den kumulativen Gewinn von Erkenntnis ermöglicht und zum Ziel hat. Dazu ist es erforderlich, dass wissenschaftliche Aussagen,

  1. Aussagen über die Wirklichkeit sind,
  2. Aussagen sind, die von anderen nachvollzogen werden können und
  3. Aussagen sind, die an der Wirklichkeit scheitern können.

Diese drei Kriterien reichen aus, um akademische Hochstapler von Wissenschaftlern zu unterscheiden.

Und an dieser Stelle verraten wir noch zwei weitere Kniffe, anhand derer man sehr schnell sieht, ob man es mit einem Hochstapler oder einem Wissenschaftler zu tun hat.

Angenommen, ein Wissenschaftler gibt die Bewertung ab, eine Menge bestehe aus Wutbürgern. Diese Bewertung ist zunächst einmal zulässig, auch wenn sie nicht als solche Gegenstand der Wissenschaft ist. Aber es ist möglich, Bewertungen auf Grundlage empirischer Sachverhalte vorzunehmen. Dazu muss es jedoch eine gesicherte empirische Basis und einen normativen Maßstab geben, der offengelegt werden muss.

So kann man der Ansicht sein, ein Mensch, der sich selbst schädigt, handelt nicht rational und muss entsprechend zu dem Schluss kommen, dass Menschen, die ihre Denkfähigkeit durch die Übernahme von Ideologien beeinträchtigen, also durch die Übernahme eines Glaubenssystems, das nicht empirisch begründet ist, irrational sind.

Folglich ist es einfach zu prüfen, ob die Behauptung, eine Gruppe von Menschen sei eine Gruppe von Wutbürgern eine berechtigte Einordnung oder eine akademisierte Beleidigung ist. Drei Fragen reichen aus, um die die entsprechende Entscheidung zu treffen:

  1. Ist definiert, welches Merkmal mit der Bezeichnung Wutbürger beschrieben werden soll?
  2. Ist das so definierte Merkmal gemessen worden?
  3. Ist das so definierte Merkmal unabhängig von seiner Definition gemessen worden?

Wenn jemand also behauptet, eine Gruppe von Menschen sei eine Gruppe von Wutbürgern, dann muss er zunächst angeben, worin sich Wutbürger von Nichtwutbürgern unterscheiden, er muss Wutbürger, z.B. als “Bürger, die Gegenstände fremder Menschen, die im öffentlichen Raum sind, mit rotem Kopf zerstören”, definieren. Sodann muss er messen, ob das Verhalten “Gegenstände im öffentlichen Raum mit hochrotem Kopf zerstören” in der von ihm als Wutbürger bezeichneten Gruppe häufiger vorkommt als im Rest der Bevölkerung. Die Operationalisierung “Gegenstände im öffentlichen Raum mit hochrotem Kopf zerstören” ist hier besonders wichtig, denn nur sie ermöglich die unabhängige Prüfung der Wutbürger-Hypothese.

Und damit kommen wir zu einer Eigenartigkeit, die Ideologen immer teilen, seien sie Sozialisten oder Genderisten, Faschisten oder Kommunisten: Sie sind in Zirkeln unterwegs. Ihr Denken, sofern man die entsprechende Tätigkeit von Neuronen als Denken bezeichnen kann, verläuft im Kreis und ist auf sich bezogen.

Logik der ForschungDiese Eigenartigkeit, die man auch als Denkbehinderung auffassen kann, findet sich z.B. in der Rede von den Wutbürgern oder im Palaver über das Patriarchat. Diejenigen, die von Wutbürgern oder vom Patriarchat fabulieren, gehen von einer Beobachtung aus, die ihnen aufgrund ihrer Ideologie nicht passt. Sie sehen Menschen, die sich nicht in der Weise verhalten, wie sie es für richtig halten, oder sie sehen, dass Frauen seltener auf Vorstandsposten zu finden sind als Männer. Jeder normale Mensch würde nun versuchen, die Unterschiede, die er beobachtet hat, zu erklären. Nicht so Ideologen. Sie kreisen um Bewertungen. Dass Menschen von Verhaltensvorstellungen abweichen, ist für Ideologen Erklärung und zu Erklärendes zugleich. Dass Verteilungen zwischen Frauen und Männern variieren, ist ebenfalls Erklärung und zu Erklärendes in Fehlschlussunion.

Die Denkbehinderung oder die Kunst, sich selbst um den Verstand zu bringen, die Ideologen beherrschen wie niemand sonst, sie interveniert nun mit einem Begriff, einem affektiv geladenen Begriff. Dem Begriff “Wutbürger” oder dem Begriff “Patriarchat”. Wutbürger sind nicht etwa deshalb Wutbürger, weil sie wie oben definiert wurden und ihr Verhalten entsprechend gemessen wurde, sondern weil sie von den Verhaltens-Vorstellungen dessen, der den Begriff benutzt, abweichen. Der entsprechende Ideologe sieht die Abweichung, bewertet die Abweichung und denkt, weil er bewertet hat, hätte er auch erklärt. Ein Irrtum, dem wirklich nur Ideologen aufsitzen können.

Ähnlich verhält es sich mit dem Patriarchat, von dem die Gender-Ideologen annehmen, es sei für ungleiche Verteilungen zwischen den Geschlechtern verantwortlich. Wann immer die Gender-Ideologen eine ungleiche Verteilung in einem Feld finden, in dem sie eine gleiche Verteilung vorteilhaft finden (also nicht bei der Müllabfuhr), muss entsprechend das Patriarchat seine Wirkung entfalten. Dass es das Patriarchat weder gibt noch je gegeben hat, spielt dabei keine Rolle, denn es geht nur darum, sich selbst über die eigene Denkbehinderung hinweg zu täuschen.

Man könnte entsprechend Patriarchat durch Rhabarberkuchen ersetzen und würde denselben Effekt erzielen.

Das Bloßstellen der Hochstapler, die sich im institutionalisierten Wissenschaftsbetrieb ausgebreitet haben, es ist eines der Ziele von ScienceFiles. Wenn Sie uns dabei unterstützen wollen, diese Ziele nicht als Hobby und nebenbei, sondern rund um die Uhr zu verfolgen, dann können Sie sich am Projekt ScienceFiles beteiligen. Wenn bis zum 31. März 2016 Spenden in Höhe von 5.000 Euro zusammenkommen, dann können wir ein Redaktionsmitglied Vollzeit für einen Monat für ScienceFiles abstellen, wenn es 30.000 Euro sind, für sechs Monate.

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3 Responses to Sozialwissenschaften sind kein Laberfach – Projekt ScienceFiles

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Sozialwissenschaften sind kein Laberfach – Projekt ScienceFiles

  2. iustus amentia says:

    Hm, nach den an Popper angelehnten Ausführungen zu Hypothesentests frage ich mich, ob man damit überhaupt die Existenz von Kreisläufen wissenschaftlich belegen kann.

    Daher interessehalber gefragt:
    Wie erklären denn Sozialwissenschaftler Kreislaufprozesse, die sich selbst verstärken bzw. wie testet man überhaupt die Hypothese, dass es sich um einen sich selbst verstärkenden Kreislauf handelt, wenn Endogene und Exogene nicht klar identifizierbar sind?

    Oder wird hier die Existenz eines Objektes getestet und würde gar nicht mehr den Sozialwissenschaften zurechenbar sein?

    Was ist mit objektiven (Kreislauf-)Prozessen, die vom Menschen begründet werden; Wirtschaft zum Beispiel? (bspw. “Kapital” ist gleichzeitig Input sowie Output)

    • Wir sprechen hier von einem Zirkel, von einem logischen Zirkel, der auf sich selbst verweist, nicht von einem Kreislaufprozess. Ein logischer Zirkel besteht in der Einheit von Exlanans und Explanandum: Warum ist das Meer heute so unruhig? Weil Poseidon ärgerlich ist. Woher weißt Du, dass Poseidon ärgerlich ist? Siehst Du nicht, wie unruhig das Meer ist?

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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