Gesinnungsterrorismus: Die Ideologisierung des Privaten

Dieser Post hat zwei Anfänge (weil wir uns manchmal nicht entscheiden können):

Anfang 1
Gesellschaften basieren auf Kooperation. Kooperation setzt `Vertrauen voraus. Vertrauen kann man als guten Willen vorstrecken oder auf gute Erfahrung gründen. In der deutschen Gesellschaft haben Sozialisten aller Stadien geistiger Demenz dafür gesorgt, dass gute Erfahrungen als Handlungsgrundlage beseitigt wurden, und sie haben es nachhaltig geschafft, den guten Willen aus der menschlichen Interaktion zu entfernen. Wer früher noch so gutmütig war, sich anzuhören, was Genderisten meinen zu sagen zu haben, der hat diesen guten Willen schnell aufgegeben als er gemerkt hat, dass ein Entgegenkommen nicht goutiert, sondern ausgenutzt wird.

Anfang 2
Erinnern Sie sich?
Einst in den 1970er und 80er Jahren:

  • Iron Maiden wird wegen Kulturapprobation kritisiert, Anlass ist das Lied „Run to the Hills“, in dem Indianer aufgefordert werden, wegzulaufen.
  • Roy Black wird als Rassist nicht mehr von deutschen Radiosendern gespielt. Anlass ist sein Lied „Ganz in weiß“, in dem er die Überlegenheit der Farbe „weiß“ besingt.
  • Konzerte der Pet Shop Boys werden boykottiert, weil die beiden Sänger schwul sind.
  • Marvin Gay wird auf Druck der Ärzteschaft nicht mehr nach Deutschland eingeladen, weil er eine neue Form der Quacksalberei mit seinem Titel „Sexual Healing“ vertreibt.
  • Modern Talking Konzerte werden von schreienden Gender-Groupies gestört, die Anstoß am nicht zeitgemäßen Frauenbild von Dieter Bohlen und Thomas Anders nehmen.

Platz eins der deutschen Single-Hitparade Weihnachten 1970: Black Sabbath: “Paranoid”

Nun, erinnern Sie sich?
Nein.
Kein Wunder, dass sie sich nicht erinneren.
Das gab es alles nicht.

Das, was man heutzutage für normal hält, hätte in den 1970er und 1980er Jahren erheblichen Widerstand erfahren, denn damals ist es denen, die immer genau wissen, was für andere das richtige Verhalten ist, den politischen Verhaltenskommissaren, die es sicher auch damals schon gab, nicht gelungen, sich noch in den letzten Winkel menschlichen Lebens hineinzuzwängen.

Dass die Pet Shop Boys schwul waren, das hat niemanden interessiert. Sie haben gute Musik gemacht. Die Texte von Liedern waren Texte von Liedern, ob darin eine politische Nachricht oder keine politische Nachricht zum Ausdruck kam, ob man eine politische Nachricht hineingeheimnissen konnte, ob man gar aus den Texten schließen konnte, dass der oder die Sänger nicht die eigene Weltanschauung teilen, das war damals weitgehend egal. Fast jeder hatte genug Abstand zu sich, um auch abweichende Meinungen zu akzeptieren, und fast jeder war in seiner Persönlichkeit so gefestigt, dass er auch abweichende Meinungen tolerieren konnte. Wie oft konnte man hören: Schei .. Text, aber die Musik und das Arrangement sind gut?

Heute ist das anders.

Heute haben es Gesinnungsterroristen geschafft, bis in den letzten Winkel des menschlichen Daseins mit ihrer Vorstellung vom Richtigen und Guten einzudringen und ohne Gewalt wird man sie von dort vermutlich nicht mehr entfernen können. Als Konsequenz ist die Privatheit durchideologisiert. Während in den 1980er Jahren niemand auf die Idee gekommen wäre, eine Verbindung zwischen Liedern der Pet Shop Boys und deren Homosexualität und nicht etwa ihrer sozialen Herkunft herzustellen, wenn die Sänger ihn nicht selbst hergestellt haben, muss heutzutage jeder Sänger durch die politisch korrekte Zensur.

Xavier Naidoo kann ein Lied davon singen.

Zwei aktuelle Beispiele zeigen, wie der genetische Fehlschluss, der im Dritten Reich geblüht hat, heute von politischen Aktivisten zur Maxime erhoben und zum Anlass genommen wird, um Gesinnungsterrorismus zu betreiben.

Der britische Sänger Morrissey hat Konzerte abgesagt. Offiziell, weil es logistische Probleme gegeben habe. Eine ziemlich lahme Erklärung und wohl nicht die Wahrheit, denn anscheinend wird Morrissey von Linksextremen bedroht:

„Morrissey hatte zuvor in einem Interview mit der islamkritischen Politikerin Anne Marie Waters und ihrer Partei For Britain sympathisiert und die Verhaftung von Tommy Robinson heftig kritisiert.“

Das jemand eine Meinung äußert, die Absolutisten, die der Ansicht sind, sie hätten die allein richtige Meinung, nicht in den Kram passt, reicht heute, um bekämpft zu werden. Wo Menschen früher wussten, dass Bier, Bier und Schnaps, Schnaps ist, dass die politische Einstellung eines Menschen das eine ist, sein Beruf oder seine Musik das andere und dass, wenn dies nicht der Fall ist und man den entsprechenden Musiker überhaupt nicht verknusen kann, man schlicht seine Lieder nicht anhören muss und ansonsten die Strategie des Leben-und-Lebenlassens zur Anwendung bringt, ist heute ideologischer Krieg.
Menschen, deren Gehirn so begrenzt zu sein scheint, dass selbst der homo floresiensis Probleme hätte, seines darin unterzubringen, können es nicht ertragen, dass andere einer anderen Meinung sind.

Nächstes Beispiel:

Young Fathers – Rapper aus Schottland, die den Fehler gemacht haben, öffentlich für BDS, Boycott, Divestment and Sanctions einzutreten, also für die Bewegung, die für einen Boykott israelischer Waren wirbt, um gegen die Behandlung der Palästinenser zu protestieren.

Die Young Fathers wurden zunächst zur Ruhr Trienale eingeladen, dann wieder ausgeladen, dann, weil andere Künstler den Veranstaltern der Trienale mitteilen ließen, dass sie wegen der Art und Weise, wie in Deutschland die Meinungsfreiheit mit Füßen getreten wird, nicht auftreten werden und als sich vor allem Top-Acts mit einer entsprechenden Drohung an die Veranstalter gewandt haben, wurden die Young Fathers wieder eingeladen, haben der Posse aber durch ihre Absage ein Ende gesetzt.

Die New York Times berichtet genüsslich über diese Form der öffentlich-finanzierten deutschen Idiotie, deren Ursache in der Finanzierung der Ruhr-Trienale durch das Land Nordrhein-Westfalen gesucht und die generös mit einem althergebrachten Schuldkomplex erklärt wird, ansonsten aber darauf zurückgeführt wird, dass man in Deutschland nicht mehr zwischen dem unterscheiden könne, was noch in den 1980er Jahren kein Problem war: Dem Menschen auf der einen Seite und seiner Meinung auf der anderen.

Im angeblich aufgeklärten Deutschland werden Menschen nur noch akzeptiert und toleriert, wenn sie die Meinung vertreten, die durch die Gesinnungsterroristen zur richtigen erklärt wurde. Das gab es schon einmal und dass der heutige Gesinnungsterrorismus damit begründet wird, dass man den 1000jährigen Gesinnungsterrorismus nicht wieder haben wolle, das muss man dann als Ironie der Geschichte oder Ausbund von Dummheit bezeichnen.

Dessen ungeachtet sind die Gedanken in Deutschland nur noch frei, wenn sie nicht geäußert werden. Werden sie geäußert und entsprechen sie nicht der vorgegebenen Norm, dann wird dies zum Anlass genommen, um die Meinung auf den Menschen zu übertragen und den Falschmeiner zum Unmenschen zu erklären, den man in Deutschland nicht toleriere und akzeptiere.

Dass die deutsche Gesellschaft eher der Parzellierung in einer Kolonie der Schrebergärtner entspricht als einer Gesellschaft, deren Mitglieder auch über die Grenzen ihres Bewusstseins hinaus mit anderen kooperieren, dass es in Deutschland keinen guten Willen mehr gibt, mit dem man anderen gegenüber tritt selbst dann, wenn man diese anderen nicht kennt oder noch schlimmer, wenn man weiß, die anderen sind nicht nur anders, sie haben auch eine andere Meinung, ist nicht verwunderlich. Jahre der sozialistischen Indoktrination, die mit einer Invasion des Privaten, einer Entrechtung des Individuums und dessen Kollektivierung in ideologischen Internierungslagern einher gingen, bleiben nicht spurlos. Sozialismus und friedliches Zusammenleben schließen sich aus. So wie sich wirtschaftliche Prosperität und Sozialismus gegenseitig ausschließen. Deutschland ist wieder einmal dabei, diesen Zusammenhang, der nun schon seit einem Jahrhundert geprüft und bestätigt wird, einmal mehr zu bestätigen.

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