COVID-Geschichten aus dem Berchtesgadener Land: Wer trägt die Verantwortung für die Zerstörung?

Seit Oktober 2020 stehen im Landkreis Berchtesgadener Land alle Räder still.

Bernhard Kern, Landrat im  Berchtesgadener Land, hat am 20. Oktober, Wochen bevor die neue Hysterie den Rest des Landes erreicht hatte, den Landkreis geschlossen.

Grund dafür ist eine Zahl.
Die so genannte 7-Tage Inzidenz, die Anzahl der innerhalb von sieben Tagen positiv Getesteten gerechnet auf 100.000 Einwohner.

Das Berchtesgadener Land hat hier einen Nachteil. Der Landkreis ist ein Landkreis mit vergleichsweise wenig Bevölkerung: 105.929 Einwohner verlieren sich auf 840 Quadratkilometern Fläche, 130 Einwohner pro Quadratkilometer.

Zum Verleich: Der Landkreis Starnberg hat nur gut die Hälfte der Fläche des Berchtesgadener Lands, 488 Quadratkilometer, aber mehr Einwohner: 136.667, macht eine Dichte von 280 Einwohnern pro Quadratkilometer.

Heute lamentieren in der ARD-tagesschau Veronika Beer und Christine Haberlander vom Bayerischen Rundfunk darüber, dass die Zahlen für SARS-CoV-2 trotz des Lockdown im Berechtesgadener Land nicht wesentlich zurückgehen. Sie schauen gebannt auf die 7-Tages-Inzidenz und den willkürlichen Wert von 50, den wer auch immer aus welchem Grund auch immer als Fetisch vorgegeben hat, und stellen fest, mit 183,1 ist das Berchtesgadener Land noch weit davon entfernt.



Der Beitrag, der mit “Warum wirkt der längste Lockdown kaum?” überschrieben ist, gibt zwar keinerlei Antwort auf diese Frage. Der Titel ist also irreführend. Aber dessen ungeachtet zeigt der Beitrag deutlich den Wahnsinn, der Deutschland und nicht nur Deutschland, derzeit ergriffen hat.

Die Entwicklung die SARS-CoV-2 im Berchtesgadener Land genommen hat, ist die folgende:

Zu keinem Zeitpunkt ist die Anzahl der täglich positiv Getesteten auch nur in die Nähe von 100 gekommen. Im gesamten abgebildeten Zeitraum sind insgesamt 3.533 Einwohner des Landkreises positiv getestet worden, das sind 3,33% der Einwohner. Der Landkreis verzeichnet 77 Tote, die im Zusammenhang mit SARS-CoV-2, wie es so schön nichtssagend heißt, verstorben sind, 0,07% der Einwohner. Und dennoch ist Landrat Kern im oberen Bereich der nach oben offenen Hysterieskala. Am 9. Januar zitiert in BGLand24 mit der Aussage: “Es sind für die momentan angespannte Infektionslage zu viele Tagestouristen.” Die angespannte Lage am 9. Januar besteht aus 12 positiv Getesteten, am nächsten Tag sind es 9, am 11. Januar 23, dann 24, dann 20, wieder 24, 19, 7 und 10. Angesichts dieser immensen Anzahl positiv Getesteter hält es der Landrat von Berchtesgaden für angebracht, einen Lockdown durchzusetzen, denn: Der Wert der 7-Tagesinzidenz, auf den so viele in Deutschland starren als hinge ihr Leben davon ab, er ist höher als 50.

Warum ist die Schwelle von 50 so wichtig? Weil die Gesundheitsämter angeblich bis zu einer 7-Tagesinzidenz von 50 die Kontakte in jedem Fall nachverfolgen können. Was ist eigentlich aus der sensationellen RKI-Spahn-Corona-App geworden? Mit anderen Worten: Derzeit soll das Gesundheitsamt im Berchtesgadener Land nicht in der Lage sein, die Kontakte von 10, 7, 19, 24 täglich positiv Getesteten nachzuvollziehen. IM LOCKDOWN, in dem die Kontakte zu anderen Menschen ohnehin nur innerhalb eines engen Möglichkeitsraaums erfolgen. Wenn Gesundheitsämter derart ineffizient sind, dann sollte man sie schließen.

Indes, wäre Kern nicht Landrat im Berchtesgadener Land, sondern in Landkreis Starnberg, er sähe die Sache gelassener, denn seine 7-Tages-Inzidenz von 194 reduzierte sich in Starnberg wie von Geisterhand gesteuert auf 141, und das trotz derselebn Fallzahl. Das ist immer noch mehr als die phantastischen 50, aber doch deutlich weniger als 183,1. Also weniger Gefahr für Starnberg, nach der herrschenden Nomenklatur, obwohl der Landkreis Starnberg dichter besiedelt ist, und es somit nach aller Logik zu mehr Kontakten zwischen Einwohnern kommen muss als im Berchtesgadener Land. Die kurze Episode zeigt den Wahnsinn, der mit dem Zahlenfetisch “7-Tage-Inzidenz” einhergeht, der dazu führt, dass im Berchtesgadener Land, die für den Landkreis so wichtige Tourismusbranche mit 877.029 Übernachtungen allein im Jahr 2019 vollkommen stillgelegt ist. Das Statistische Bundesamt hat eine eindrucksvolle Grafik erstellt, die den Kahlschlag, der derzeit mutwillig von unverantwortlichen Politikern durchgeführt wird, darstellt:

So sieht dann wohl die systematisch betriebene Zerstörung einer Branche aus, einer Branche, die aus privaten Unternehmungen besteht, die im Gegensatz zu denen, die so lauthals nach noch härteren Lockdown-Maßnahmen rufen, nicht in Verwaltungsjobs, die in ihrer Mehrzahl entbehrlich sind, wie sich schon daran zeigt, dass sie nicht zu den “essentiellen Berufen” zählen, auf Kosten der produktiven Allgemeinheit durchgefüttert werden. Im Berchtesgadener Land sind 3,33% positiv Getestete und 0.07% im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 Gestorbene der Grund dafür, dass die Grundlage der dortigen Wirtschaft beseitigt wird, und zwar von einem Landrat, der offenkundig der Ansicht ist, er täte Gutes, denn er schützt die Menschen in seinem Landkreis vor einem unsichtbaren Feind.

Damit sind wir zurück beim Beitrag in der ARD, der so irreführend mit “Warum wirkt der längste Lockdown kaum?”überschrieben ist. Wären bei der ARD-tagesschau, beim Bayerischen Rundfunk im vorliegenden Fall, Journalisten beschäftigt, sie würden recherchieren und versuchen, die wissenschaftliche Forschung zu Lockdowns aufzuarbeiten. Vielleicht hat ja die Wissenschaft eine Antwort auf die Frage, warum Lockdowns nicht wirken?

Nun, zunächst hat die Wissenschaft, der die Politiker doch angeblich folgen wollen (solange ihnen die Ergebnisse in den Kram passen), mittlerweile eine stattliche Anzahl von Studien produziert, die zeigen, dass ein Lockdown nichts bringt. Im besten Fall zögert er die Verbreitung von SARS-CoV-2 hinaus. Im schlimmsten Fall hat er deutlich mehr negative Effekte als positive Effekte. Die letzte Studie, die wir besprochen haben, zeigt, dass der derzeitige Lockdown die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung reduziert und noch in 20 Jahren zu einer Überstebrlichkeit von rund 20.000 Toten in Deutschland führen wird.

Wer sich dafür interessiert, hier die angesprochenen Studien.

Was vor diesem Hintergrund die schlimmsten Befürchtungen wecken muss, ist die fast manische Art, mit der in Deutschland ein Lockdown gegen alle Empirie verteidigt wird, nur um nicht das eingestehen zu müssen, was offenkundig ist: LOCKDOWNS bringen nichts. Wäre dem anders, der Lockdown im Frühjahr, dessen Begründung übrigens eine Überlastung des UNVORBEREITETEN Gesundheitssystems war, hätte SARS-CoV-2 den Garaus gemacht. Man sollte annehmen, dass ein Gesundheitssystem wie das Deutsche nach Monaten der Vorbereitung nun in der Lage ist, mit einem erhöhten Aufkommen durch COVID-19-Patienten fertig zu werden. Dass dies nicht der Fall ist, ist fast so erschreckend wie die Methoden, mit denen Politiker, Journalisten, Landräte versuchen, die Realität in Abrede zu stellen.

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Leon Festinger, der in den 1950er-Jahren seine Theorie der kognitiven Dissonanz vorgestellt hat, gibt darin eine Reihe von Beispielen für Methoden, mit denen ein Akteur, der sich weigert, dissonante Informationen, die seine Überzeugung über den Haufen werfen und alle Handlungen, die auf Grundlage dieser Überzeugung ausgeführt wurden, in Frage stellen, mit denen er die kognitive Dissonanz, dass es diese Informationen gibt, beseitigen kann, darunter die Annahme, dass dissonante Informationen durch eine Drittvariable verursacht werden, ein dunkle Macht, unvorhergesehene Ereignisse, unerwünschtes Verhalten und die Annahme, dass alle Informationen, die ans Tageslicht gekommen wären, wenn man seine Überzeugung nicht in Verhalten umgesetzt hätte, zeigen würden, wenn es sie denn gäbe, dass das, was man getan habe, richtig gewesen sei.

Diese Methoden, die einzig und allein der psychologischen Hygiene einer Person dienen, die nicht in der Lage ist, auf veränderte Umweltbedingungen zu reagieren, etwa durch das Eingeständnis, sich geirrt zu haben, finden sich im Beitrag der ARD in Reinkultur. Angesproch darauf, dass die “7-Tage-Inzidenz” trotz längstem Lockdown deutschlandweit immer noch sehr hoch ist (gemessen an einem fiktiven Standard), sagt Landrat Kern:

“Wahrscheinlich lebten einige ihr Leben einfach so weiter wie vor der Pandemie. Andere seien nachlässig mit dem Mund-Nasen-Schutz, vermutet Landrat Kern. Echte Hotspots gibt es nicht. “Vielleicht ist doch der eine oder andere dabei, der sagt: ‘Ich will das gar nicht wissen. Ich mache in meinem Leben einfach weiter wie bisher'”, mutmaßt der Landrat.”

Das Verb “mutmaßt”, das wohl dem Zensor bei der ARD entgangen ist, ist hier obligatorisch. Wenn eine Maßnahme nicht das Ergebnis erbringt, von dem man sicher war, dass es sich einstellt, dann werden dunkle Mächte, in diesem Fall das Wirken böser Bürger, die sich einfach nicht so verhalten, wie der Landrat das gerne hätte, ANGENOMMEN. Landrat Kern liegt es fern, die falsifizierende Information: Lockdown führt NICHT zu einer heftigen Reduktion der Fallzahl, zu verarbeiten und daraus auch nur den Schluss zu ziehen, dass der Lockdown zumindest nicht in der Weise wirkt, wie gedacht, nein, ihm liegt es näher, zu mutmaßen, seine Phantasie spielen zu lassen, um einen Grund an den Haaren herbeizuziehen, der die Ursache dafür sein könnte, dass der Lockdown in seinem Landkreis zwar Existenzen zerstört, aber die Fallzahlen weitgehend unberührt lässt. Festinger hat diese Art der Verarbeitung kognitiver Dissonanzen nicht ohne Grund als “Scheinlösungen, Illusionen, Ausreden” bezeichnet.



Aber damit nicht genug. Landrat Kern hat noch eine mystische Erklärung. Wie viele, die eine Maßnahme verteidigen, die offenkundig keinen Effekt hatte, wandert er in die Esoterik ab und behauptet:

“Ja, es hat sich gelohnt. Wo wären wir hingekommen, wenn die Zahlen noch weiter nach oben gegangen wären?””

Karl Raimund Popper hat sein Kriterium der Falsifikation eingeführt, um solchen Unfug zu verhindern, denn wer danach sucht, sich seine Überzeugung, die er aus nicht angebbaren Gründen mit Zähnen und Klauen verteidigt, zu bestätigen, der wird immer etwas finden und seien es die aberwitzigsten Ausreden, wie hier: Ohne seinen Lockdown wäre der Landkreis Berchtesgadener Land ausgestorben, von Menschen entleert, von SARS-CoV-2 zerstört worden. Das ist die implizite Prämisse, die Landrat Kern haben muss, um seine Aussage zu treffen. Es ist ein Hirngespinst, denn es gibt keinerlei Beleg dafür, dass es so gekommen wäre, wie der Landrat mutmaßt, und es ist natürlich keine Grundlage, auf der man die konkrete und tatsächliche Zerstörung von Existenzen und die Einschränkung von Grundrechten legitimieren kann.

Sekten, Kulte, zeichnen sich durch deratige Prophezeiungen bevorstehender Katastrophen aus. Weil man den Einschlag eines Kometen, das Ende der Welt oder Armaggedon erwartet, bringt man sich vorsichtshalber um, um dem Tod zuvor zu kommen. Ein drastisches Verhalten, das in modifizierter und übertragener Form auf das Beispiel Berchtesgadener Land passt, denn die Furcht vor einem vielleicht endemischen SARS-CoV-2 Ausbruch, dem in der Hoffnung oder Angst der Corona-Sektenmitglieder viele Menschen zum Opfer fallen, führt dazu, dass eine kaum vorhandene Gefahr zur Überlebensfrage stilisiert, eine willkürlich gewählte Ziffer zum Fetisch der Corona-Sekte erkoren und so lange angebetet wird, bis ihr Wert unter die magische Schwelle von 50 gefallen ist, unter der alles gut ist.

Der Phantasie dessen, was sein könnte oder gewesen wäre, wenn man nicht drastische Maßnahmen getroffen hätte, um das, was hätte sein können, zu verhindern, stehen indes ganz reale Kosten gegenüber: Unternehmen gehen insolvent. Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz. Psychische Erkrankungen nehmen zu. Die Lebenserwartung sinkt, die Übersterblichkeit nicht wegen SARS-CoV-2, sondern aufgrund nicht durchgeführter Behandlung, nimmt zu, die Übersterblichkeit wegen Arbeitslosigkeit, für die ein Zusammenhang mit früherem Ableben gut dokumentiert ist, kommt oben daruf, aber alle diese KONKRETEN TATSÄCHLICHEN SCHÄDEN, gelten nichts, die Phantasie dessen, was man verhindert zu haben glaubt, ist stärker.

Die Systematik der Opferung derzeit Lebender zu Gunsten einer fiktiven besseren Zukunft ist natürlich eine Systematik die sich sowohl im Kommunismus als auch im Katholizismus findet: Aktuelles und konkretes Leiden wird mit einem fiktiv besseren Leben im Jenseits oder in der klassenlosen Zukunft legitimiert. Das nutzt denen, die aktuell leiden, zwar nichts, macht diejenigen, die deren Leiden verursachen, aber glücklich und befreit sie in ihren Augen von jeder Verantwortung.



Seit Ende Januar besprechen wir Studien zu SARS-CoV-2. Damit gehören wir zu den wenigen, die das neue Coronavirus seit seinem Auftauchen verfolgt und den Niederschlag, den es in wissenschaftlichen Beiträgen gefunden hat, begleitet haben. Die Liste der Texte, die wir gewöhnlich anhängen, ist zwischenzeitlich so lang, dass wir uns entschieden haben, eine eigene Seite für die entsprechende Forschung anzulegen. Den Link finden Sie in Zukunft an dieser Stelle.

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