Doing Schwachsinn: Münchner Soziologen verwischen Grenze zwischen Vernunft und Wahnsinn

Es sind Texte wie der folgende, die dazu beitragen, Soziologen einen schlechten Leumund zu verschaffen und in der Öffentlichkeit das Bild des akademischen Spinners entstehen zu lassen, eines Spinners, der in seiner Selbstwichtigkeit gar nicht merkt, welchen Unsinn er gerade von sich gibt.

Den Text haben wir von der Seite der DGS (Deutsche Gesellschaft für Soziologie) gefischt. Er steht dort unter der Überschrift „DGS goes public: Ist die Wirklichkeit veränderbar“. Falls jemand aus diesem Text Sinn machen kann, so ist er herzlich dazu eingeladen, dies entweder im Forum oder in Form eines Kommentars hier zu tun. Im Anschluss an die nun folgende Ansammlung von Worten geben wir noch ein paar kleine Interpretationshilfen…

„Soziologie trifft auf Theater. Am 28. Juli findet im Rationaltheater in München ab 20 Uhr eine performative Vernissage zum Abschluss eines an der LMU durchgeführten Seminars statt. Ausgangspunkt ist die Frage, wie sich soziale Ordnungen performativ reproduzieren und verändern lassen. Im Zentrum stehen Performativitäts- und Alteritätstheorien, sowie kunstphilosophische und theaterwissenschaftliche Ansätze, die das erfahrende Subjekt und seine subversive Widerstandskraft in den Mittelpunkt stellen. Den Abend einleitend, wird einem öffentlichen Publikum vermittelnd ein Überblick über die im Seminar behandelten Themen und Texte gegeben. Diese reichen von Autoren wie Helmuth Plessner, Victor Turner, Erika Fischer-Lichte und Thomas Düllo bis hin zu Jill Dolan, Chantal Mouffe und Jacques Rancière. Anschließend wird eine Performance der vom Shadow-Yoga inspirierten Bewegungskünstlerin invisible movements den theoretischen Rahmen mit einer leiblichen Erfahrung anreichern. Dabei scheint im Performativen das Andere auf, die Zuschauer*innen fühlen sich in eine andere Zeitstruktur versetzt und erleben subtile Metamorphosen durch die unmerklichen Bewegungen. Ausklingen soll der Abend im Dialog mit den Studierenden und der Künstlerin in einer Durchwanderung des Raumes, in dem Flipcharts die Arbeiten der Studierenden präsentieren. Einzelne Seminarinhalte wurden hier nochmals verdichtet und können an ein interessiertes Publikum vermittelt werden. So wollen wir im dialogischen Austausch ergründen: Ist eine andere Wirklichkeit möglich?“

Alles klar?
Hier die versprochenen Interpretationshilfen:

Performativitätstheorien im hier verstandenen Sinne sind formulierte Trivialitäten, die letztlich besagen, dass es etwas gibt, dass dieses etwas einen Niederschlag findet und dass der Niederschlag, den es findet, von Menschen beeinflusst werden kann. Vermutlich hatten die Neanderthaler bereits, ohne es zu wissen, ein Konzept von Performativität.

Alteritätstheorien sind eine Ausgeburt der Psychoanalyse. Sie beschreiben letztlich Wechselbeziehungen nach innen und außen und können die herausragende Erkenntnis reklamieren, dass man nach innen das Selbstverhältnis reflexiv überdenken solle und nach außen mit anderen konfrontiert sein kann. Als der Neanderthaler vor seinem Feuer saß, hat es sich bestimmt gefragt, warum das Feuer so wenig wärmt und warum sein Nebenmann, der näher am Feuer sitzt, die Wärme blockt. Die Alteritätstheorie war geboren.

Nun, da Sie die grundlegenden Erkenntnisse aus dem Text oben reflexiv und in Innenansicht mit sich erörtert haben, wird es ihnen sicher auch ohne Shadow-Yoga möglich sein, eine Manifestation, es muss keine leibliche Manifestation der Gedanken, die ihre Innenansicht mit sich gebracht hat, an uns als ihre virtuellen Gegenüber quasi in gelebter Außensicht weiterzugeben. Bitte seien sie in Ihrem Urteil nicht zu performativ, denn es könnte sein, dass wir bestreiten wollen, was sie behaupten, dass ist. Sollten Sie diesen Außenrat performativer Entität nicht berücksichtigen, werden wir sie mit der subversiven Kraft individuellen Widerstands konfrontieren.

Doing Schwachsinn!

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Soziologie in der Schule? Himmel hilf!

Schade. Wirklich schade.

Hätte man uns vor rund 35 Jahren danach gefragt, ob Soziologie ein Fach ist, das in Schulen vermittelt werden und in dessen Grundlagen Lehrer firm sein sollen. Wir hätten vermutlich ja gesagt.

Aber: 35 Jahre später steht uns der kalte Schweiß auf der Stirn, wenn wir Bestrebungen sehen, Soziologie in der Schule als Schulfach und als Grundlage der Lehrerausbildung zu etablieren.

Esser_SoziologieDer Grund für die mittelmäßige Panik, die uns angesichts der Pläne, Soziologie ins schulische Curriculum zu integrieren, erfasst, ist schnell benannt: Die Soziologie hat sich wie die Politikwissenschaft auch zu ihrem Nachteil verändert (British understatement). Beide Fächer waren einst Vorzeigedisziplinen der Sozialwissenschaften. Sie hatten Methode, einen theoretischen Korpus, eine Epistemologie und eine Fragestellung. Studenten der Soziologie und der Politikwissenschaft konnten auf die Frage: „Was ist der Gegenstand der Soziologie?“ bzw. „Was ist der Gegenstand der Politikwissenschaft?“ präzise antworten (naja, zumindest die meisten), manche sogar im Original: „Soziologie (im hier verstandenen Sinne dieses sehr vieldeutig gebrauchten Wortes) soll heißen; eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und in seinen Wirkungen ursächlich erklären will“ (Weber 1972: 1). Im Zentrum der Soziologie stehen somit der Handelnde und die Umstände seines Handelns, die Interkation von Handelnden und der Möglichkeitsraum für Handlungen, wobei von Handeln dann gesprochen werden soll, wenn „und insofern als der oder die Handelnden mit ihm [dem Handeln] einen subjektiven Sinn verbinden“ (Weber, 1972: 1).

Seither ist angeblich alles komplexer geworden. Die Komplexität moderner Gesellschaften, die man immer nur als Nominalkonstruktion, aber nie genau benennen kann, sie hat Einzug gehalten. Unter dem Deckmantel der „Komplexität“ und der späteren Ergänzung der „Vielfalt“ hat sich die Soziologie (und die Politikwissenschaft) weg von einem methodischen Unterfangen und hin zu einem Sammelbecken für Schwätzer aller Art entwickelt. Nicht mehr das soziale Handeln und dessen Erklärung bestimmte nun die soziologische Analyse. Vielmehr wurde alles zu Soziologie, was derjenige, der es aus nicht nachvollziehbaren Gründen auf einen Soziologielehrstuhl geschafft hat, von sich gegeben hat. Weltbetrachtungen, Geschlechtslamentos, Armutsattacken, Rechtsextremismushysterien, Fremdenfeindlichkeitsphobien und grundlegende Ängste vor sozialem Wandel haben vermeintliche Soziologen inkubiert und fest in ihrem Griff. Viele Soziologen sind zu Kämpfern für die Umwelt, Frauen, sozial Benachteiligte, Arme, noch mehr sozial Benachteiligte, Homosexuelle, Ausländer oder sonstige Minderheiten und all diejenigen geworden, von denen die Lehrstuhlbesetzer denken, sie seien sozial unter ihnen angesiedelt. Andere Soziologen sehen ihre Aufgabe eher darin nicht für sondern gegen etwas zu kämpfen: gegen den Kapitalismus, gegen die Bonzen, gegen die AfD, gegen die Globalisierung, gegen Konsum, gegen Autos, gegen Kohlebergbau, gegen die Unterdrückung von Hans Peter Brügel und vieles mehr. Soziologen sind Kämpfer für und gegen, politische Aktivisten und Vorkämpfer für eine bessere Welt, also das, was sie für eine bessere Welt halten, nur eines sind sie mehrheitlich nicht mehr: Wissenschaftler.

Das heißt nicht, dass es nicht noch Soziologen gäbe, die wissen, wie man eine standardisierte Befragung konzipiert, was eine soziale Theorie ist und wer Emil Durkheim war. Aber es heißt, dass die Wissenschaftler unter den Soziologen in die Minderheit geraten sind, fast schon ein Schattendasein führen. In jedem Fall ist das in der öffentlichen Wahrnehmung so, die von den Gelegenheitsschwätzern und Soziologie-Aktivisten geprägt wird, die sich gerne bei Medien andienen.

Deshalb ist es für uns eine Drohung, Soziologie in Schulen zu lehren oder Lehrern beibringen zu wollen. Verstärkt wird diese Drohung noch durch Workshops wie den, der am 9. Juni 2017 im Schader-Forum in Darmstadt stattfinden soll, unter der Überschrift „Soziologie in der Schule?“. Bereits in der Ankündigung findet sich alles, was Wissenschaftlern die Haare zu Berge stehen lässt:

„Heranwachsende stehen vor enormen und vielfältigen Herausforderungen, die der aktuelle soziale Wandel und die Unübersichtlichkeit der modernen Gesellschaften mit sich bringen. Globalisierung, internationale Verflechtungen, Flucht und Migrationsprozesse, regierungspolitischer Steuerungsverlust, Digitalisierung, Unsicherheit, Orientierungsverlust und Ängste, Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Ausländerfeindlichkeit, Homophobie und Extremismus einerseits, Solidarität, Zusammenhalt, Menschenwürde, Teilhabe, Sicherheit, Toleranz, Integration, Inklusion, Diversität und Heterogenität andererseits sind nur einige wenige Begriffe zur Beschreibung der öffentlich ausgetragenen Verhandlungen über derzeitige gesellschaftliche Entwicklungen und Herausforderungen.“

Einerseits kann man das Geschwätz abkürzen und feststellen: Es gibt eine Umwelt.
Andererseits kann man sich angesichts der Aufzählung dessen, was die veranstaltenden Soziologen als wichtig, für erschreckend oder für schulgegenständlich ansehen, ungefähr vorstellen, worum es im Fach Soziologe gehen soll: Nicht darum, dass Schüler formale Kriterien und Methoden erlernen, die es ihnen erlauben, sich ein begründetes Urteil über einen Gegenstand zu bilden, sondern darum, das Urteil, das andere vorgegeben haben, z.B. im Hinblick darauf, was gerecht, tolerant und solidarisch ist, auswendig zu lernen. Das ist politische Indoktrination auf Grundlage einer für wahr postulierten Heilslehre und hat mit Soziologie überhaupt nichts zu tun.

Und wer noch Zweifel hat, der muss nur weiterlesen:

Soziologie in der Schule„Sowohl in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern wie in der schulischen Vermittlung an die Lernenden geht es darum, gesellschaftliches Deutungs- und Orientierungswissen zu erwerben sowie zum Perspektivenwechsel und zum Umgang mit gesellschaftlicher Komplexität befähigt zu werden. Genau dadurch kann individuelle wie soziale Autonomie im gesellschaftlichen Kontext und auf der Grundlage unserer Grundwerte erworben werden.“

Damit man sich ein Bild von etwas, z.B. von Wahlkampfaussagen der AfD oder der SPD machen kann, benötigt man weder Deutungs- noch Orientierungswissen. Es reicht aus, eine Reihe von analytischen Fähigkeiten mitzubringen, die es ermöglichen, Geschriebenes auf Konsistenz, empirische Relevanz und inhaltliche Kongruenz zu prüfen. Deutungs- und Orientierungswissen ist nur dann notwendig, wenn man sicherstellen will, dass bestimmte Arten, die Welt zu sehen, etwa: „Diversität ist Klasse!“ zur alleinigen Wahrheit erklärt, besser: verklärt werden und jede kritische Auseinandersetzung verunmöglicht werden soll. Indoktrination nennt man das:

„Es wird deutlich, dass Lernende in der modernen Gesellschaft den Umgang mit gesellschaftlicher Komplexität und Vielfalt lernen müssen, die vor allem auch ein Merkmal pluralistischer demokratischer Gesellschaften sind“

That settles it: Die Komplexität, von der vermeintliche Soziologen in nominaler Konstruktion grenzenlos faseln können, die sich jedoch jeglichem Versuch einer konkreten Bestimmung, komplex wie sie nun einmal ist, entzieht, sie wird zum Anlass der Erziehung von „Lernenden“ genommen; zur Begründung dafür, dass Lernende nur eine bestimmte Art und keinerlei Abweichung davon, erlernen sollen, dass sie Inhalte, richtige Inhalte auswendig lernen sollen und eben nicht in die Lage versetzt werden sollen, selbständig und vor allem unabhängig zu denken und sich ein selbständiges und unabhängiges Urteil zu bilden. Wenn man sieht, wie heutige vermeintliche Soziologen zu Volkserziehern und Propheten des Heils geworden sind, das sie unverständlicher Weise für demokratisches Heil halten, dann kann man auf um himmlische Unterstützung hoffen, wenn es darum geht, sie von Schulen so fern wie nur möglich zu halten.

Heißer Brei: Erdoğan, Wissenschaft und die Deutsche Gesellschaft für Soziologie

Was macht man mit einem autoritären Führer, der alle Regeln des demokratischen Miteinanders mit Füßen tritt? Denn: Er ist demokratisch gewählt und repräsentiert somit das Legitimationsmodell, auf dem alle westlichen Demokratien und ihre Regierungen basieren.

erdogan.jpgEntsprechend mussten die Mitglieder der politischen Kaste jubeln als der demokratisch gewählte Recep Tayyip Erdoğan einen Militärcoup überstanden und mit aller Brutalität des Siegers gegen die nunmehr Verlierer vorgegangen ist.

Nun ist ein Putsch, der scheitert, eine hervorragende Gelegenheit, um alle möglichen Kritiker und Leute, die man schon immer einmal loswerden wollte, auch tatsächlich loszuwerden. Josef Stalin hat eigens Umsturzbemühungen gegen sich erfunden, um seine Gegner, einen nach dem anderen, nicht nur schauprozessen zu lassen, sondern auch zu exekutieren. Adolf Hitler hat gleich zu Beginn seiner Zeit als Reichskanzler seine Widersacher im so genannten Röhm-Putsch beseitigt. Voraussetzung dafür, dass ein missglückter Putsch dazu genutzt werden kann, Gegner zu beseitigen, ist nicht nur eine minutiöse Auflistung der Gegner, die beseitigt werden sollen, sondern auch das Vorhandensein von Ressourcen, um die Zügel autoritärer Herrschaft straff zu ziehen und bürgerliche Freiheiten zu beseitigen.

In dieser Hinsicht zeigt sich Recep Tayyip Erdoğan als autoritärer Herrscher, der sich auf eine breite Basis von Repressionshelfern stützen kann. Letztere erlauben es ihm nicht nur, die Türkei in einen autoritären Staat zu verwandeln, bürgerliche Freiheiten auszuhebeln und Grundrechte zu beseitigen, sie erlauben es ihm auch, alle möglichen Quellen, aus denen in Zukunft vielleicht einmal Kritik an seinem autoritären Herrschaftsstil kommen könnte, zu beseitigen.

Interessanter Weise ist Erdoğan der Ansicht, Bildungseinrichtungen und Universitäten seien potentielle Horte des Widerstands, weshalb er in großem Stil Lehrer entlässt und Repressalien einführt, um Wissenschaftler einzuschüchtern.

Und die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) hat dazu Stellung genommen.

DGS_Turkey.jpg

Man lese und staune darüber, dass sich die DGS genötigt sieht, ein negatives Wort über die Vorgänge in der Türkei auszusprechen. Indes, man staunt nur kurz, denn der Text ist eine Meisterleistung im „um-den-heißen-Brei-Herumreden. Wird Eingangs noch das Erdoğan-Regime dafür verantwortlich gemacht, dass der Bildungssektor zum Gegenstand von Repressalien wird, so winden sich die Soziologen Lessenich und Villa aus München, die für den offenen Brief verantwortlich zeichnen, im dritten Absatz in fast schon mitleiderregender Weise, denn:

Es habe als Reaktion auf den Militärcoup weltweite und einstimmige Unterstützung für die demokratisch gewählte Regierung der Türkei gegeben (also das Erdoğan-Regime) und nun brauche die Türkei mehr denn je konstitutionelle und politische Garantien für Wissenschaftsfreiheit und eine freie öffentliche Debatte … Die DGS rufe alle Universitäten und Wissenschaftler dazu auf, Stellung gegen die derzeitigen Entwicklungen in der Türkei zu beziehen und die Demokratie in der Türkei zu unterstützen …

Wie man diesen Kreis quadrieren soll, das ist eine Frage, die Lessenich und Villa sicher nicht beantworten können, die so ungekonnt, um den heißen Brei herumschreiben, der darin besteht, dass die demokratische Regierung, deren Bestand auch nach dem Militärcoup sie so gefeiert haben, das Regime- Erdoğan, die selbe demokratische Regierung ist, nämlich das Regime Erdoğan, die sich nunmehr als gänzlich undemokratisch zeigt und die Gelegenheit nutzt, um Kritiker des Regimes zu beseitigen. Entsprechend ist es nicht klar, wen man denn nach Meinung der beiden Münchner Soziologen unterstützen soll, um die Demokratie in der Türkei zu unterstützen und Stellung gegen die derzeitige Entwicklung in der Türkei zu beziehen: Das Regime- Erdoğan oder dessen Gegner, also mithin diejenigen, die versucht haben, ihn per Militärcoup zu beseitigen?


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Alles Rassisten in der Bürgerlichen Mitte – Die Sektion Frauen- und Geschlechterforschung der DGS klärt auf

Den Genderisten bläst der Wind ordentlich ins Gesicht, was auch kein Wunder ist, denn wenn sich erst einmal herumgesprochen hat, dass der Kaiser nackt ist, nimmt die Zahl derer, die das kaiserliche Gewandt bewundern, rapide ab.

Achtung heftiger Gegenwind!Und so scheinen den Gender- und Geschlechterforschern und vor allem den “feministischen Gesellschafts- und Wissenschaftskritikern” die Felle davon zu schwimmen, und zwar in einer Geschwindigkeit, die ihnen außer Anomie wenig Zeit zur Reaktion lässt. Anomie beschreibt hier die Reaktion des Kaninchens vor der Schlange.

Und so hat uns gerade ein “Statement der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung in der DGS” erreicht, ein Statement zum “Ratschlag zum Umgang mit Anti-Feminismus”, das an Armseligkeit nicht zu überbieten ist. [Was Frauen- und Geschlechterforschung mit Feminismus zu tun hat, ob Frauen- und Geschlechterforschung überhaupt etwas mit Feminismus zu tun hat, das wäre übrigens noch zu klären. Es gibt genug Anlass anzunehmen, dass die Frauen, die Feminismus als emanzipatives Projekt begründet haben (z.B. Mary Wollstonecraft), beim Anblick der traurigen Gestalten, die heute von sich sagen, sie wären Feministen,  von einem heiligen Zorn erfasst würden.]

Vorab und zur Erinnerung: Bis heute hat es kein Lehrstuhlbesetzer für Gender, Geschlechter oder sonstige Zwischenbein-Forschung geschafft, einfache Fragen zu den Grundlagen, den Methoden, der Erkenntnistheorie seiner vermeintlich doch wissenschaftlichen Betätigung zu beantworten. Alle, die wir oder Günter Buchholz gefragt haben, schweigen beharrlich, was nurmehr den Schluss zulässt, dass sie nicht antworten können, weil sie keine wissenschaftlichen Grundlagen, keine wissenschaftlichen Methoden und keine Erkenntnistheorie haben.

Dafür haben sie einen ausgeprägten Opfersinn und eine ausgeprägte Lamentierfähigkeit, wie man dem Statement der Sektion Frauen und so weiter Forschung entnehmen kann.

Sie sehen sich umzingelt. Von Kritikern gejagt, die ihnen nun schon in der Wissenschaft auflauern und sie mit Fragen traktieren. Offensichtlich wird so langsam auch behäbigen Wissenschaftlern klar, dass sie Ideologen in ihren Reihen und an ihren Fördertöpfen haben (dazu unten mehr).

Dass die Frauen- und Geschlechterforscher_I_*innen Angst um ihre Pfründe haben, dass sie sich in der dummen Situation finden, sich erklären zu müssen, wird auch daran deutlich, dass sie, wie üblich, auf Kritik mit Diffamierung reagieren. So sehen sie eine “mediale Debatte”, die einen “Angriff” auf die “feministische Wissenschaftstradition” führt, was schon deshalb nicht möglich ist, weil es vermutlich eine feministische Tradition, aber eben keine feministische Wissenschaftstradition gibt. Gäbe es dieselbe, die Genderisten könnten die ihnen gestellten Fragen beantworten.

Die Angriffe werden sodann zu “Vorwürfen der Unwissenschaftlichkeit und der Ideologisierung”, um sich danach zu “polemischen Attacken” aufzubauen, die die  “De-Legitimierung des Feldes” anstreben (als müsste man das “Feld” de-legitimieren), den Genderisten die “Durchsetzung politischer Interessen” vorwerfen und die “Wissenschaftlichkeit der Genderforschung grundsätzlich in Abrede” stellen. Und diese Vorwürfe, Attacken und Angriffe, sie kommen auch aus dem “akademischen Feld”.

Ja, so ist das. Die Zeit des gemächlichen und ungestörten rent seeking ist vorbei.

DGSWer nun denkt, das Statement der XX-Sektion zeige die Unhaltbarkeit dieser “Angriffe”, “Attacken” und “Vorwürfen”, also in normaler Sprache: der Kritik an den Genderista auf, der irrt sich. Wo ein normaler Wissenschaftler mit Argumenten und dem Versuch, die Kritik zu widerlegen oder doch zumindst zu entkräften reagiert hätte, da reagieren die XX-Sektionalen mit … nichts.

Kein Argument, warum die Angriffe ungerechtfertigt sind.

Kein Beleg dafür, dass der Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit falsch ist.

Kein Argument, das zeigt, dass keine Ideologisierung der Wissenschaft durch deren Infiltrierung mit Genderista erfolgt. Einfach nur nichts.

Einen klassischeren Beleg dafür, dass Frauen- und Geschlechterforscher eben keine Wissenschaftler, sondern Ideologen und politische Günstlinge sind, kann man sich kaum vorstellen.

Wir haben uns zwei Stellen aus dem “Statement” herausgegriffen, an denen die ganze Armseligkeit der Genderista deutlich wird:

“… wer anderen Normativität und politischen Etikettenschwindel vorwirft, bewegt sich vor allem selbst auf rhetorisch-ideologischem Glatteis. Der in diesem Zusammenhang geäußerte Vorwurf, kulturelle Aspekte des Geschlechterverhältnisses seien völlig unterforscht, demonstriert Unkenntnis”.

Diese Passage richtet sich gegen Stefan Hirschauer, der es gewagt hat, einen recht biederen und zurückhaltenden Beitrag mit dem Titel “Wozu Gender Studies?” zu verfassen. Wer die Passage gelesen hat, vermisst vermutlich den positiven Teil, wie Hans Albert immer gesagt hat und bis heute wohl sagt: Warum, so muss man die Genderista fragen, bewegt sich derjenige, der anderen Normativität und politischen Etikettenschwindel vorwirft, auf Glatteis? Warum demonstriert jemand, der behauptet, “kulturelle Aspekte des Geschlechterverhältnisses” seien “völlig unerforscht” Unkenntnis?

Den rhetorischen Trick, der hier zur Anwendung kommt, könnte man als offensive Armseligkeit bezeichnen, denn die fehlenden eigenen Belege und Argumente sollen durch einen Angriff auf den Kritiker übertüncht werden. Ein Trick, der unter Genderista klappen mag, nicht jedoch unter Wissenschaftlern, denn Wissenschaftler sind nicht so dumm, als dass sie glauben würden, ein argumentum ad hominem sei gültig.

Wissenschaftler arbeiten an einem kumulativen Projekt . Und ein kumulatives Projekt setzt es voraus, dass man Argumente, nachvollziehbare und nachprüfbare Aussagen aufstellt. Wer nichts anderes kann, als Dritte abzukanzeln, der ist ein Ideologe und hat in der Wissenschaft nichts zu suchen. Ergo haben Genderista und ihre Vasallen in der Wissenschaft nichts zu suchen.

Genderista sind auch gar nicht in der Wissenschaft, um Wissenschaft zu betreiben oder Erkenntnis zu gewinnen, nein, sie sind politische Überzeugungstäter, Ideologen, die an einer sozialistischen Gesellschaft bauen wollen:

windbeutel“Dabei sind der sich artikulierende Antifeminismus sowie Trans- und Homophobie kein singuläres Phänomen. Die Diffamierung von Genderforscher_innen und die Verunglimpfung der Gleichstellungspolitik stehen u.a. im Zusammenhang mit kulturellem Rassismus, der sich zunehmend in Hassreden und Praktiken der Abwertung äußert. Europaweit zeigen mediale Debatten und Demonstrationen im öffentlichen Raum, dass die bürgerliche Mitte zunehmend ein ‚Unbehagen‘ artikuliert, das in der Ungleichheitsforschung u.a. auf die Neoliberalisierung und Vermarktlichung der Gesellschaft zurückgeführt wird; aus modernitätstheoretischer Sicht geht dieses ‚Unbehagen‘ mit antiemanzipatorischen und anti-aufklärerischen, d.h. reaktionären Impulsen einher. In diesem Zusammenhang werden kategorial abwertende Zuschreibungen, wie etwa Fremdenfeindlichkeit, immer vehementer artikuliert.”

Die bürgerliche Mitte ist aus Sicht der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung der DGS also Hort von Rassimus, Homophobie, Antifeminismus und “Neoliberalisierung” bzw. kurz. von kulturellem Rassismus. So einfach denken die Gender-Sektionalen, ist es, Kritik vom Tisch zu wischen und Kritiker als kultur-rassistische Bourgeois zu diffamieren, die es im neuen Klassenkampf, in dem die gelangweilten Günstlinge öffentlicher Förderprogramme sich nunmehr mit denen konfrontiert sehen, die diese Förderprogramme finanzieren, quasi als Verkehrung dessen, was Marx einst am Werk sah und vielleicht auch als neue Fassung dessen, was er einst als Lumpenproletariat bezeichnet hat, zu bekämpfen gilt.

Die modernen Klassenkämpfer haben jedoch im Vergleich zu ihren Vorgängern ein Handicap: Sie verfügen über keinerlei Produktivkraft. Sie sind vollständig vom Wirt, der sie bedient, abhängig, und das scheint ihnen auch vollkommen bewusst zu sein. Anders ist dieses Mahnmal genderistischer Armseligkeit kaum zu erklären.

Siegwart Lindenberg hat einmal sinngemäß gesagt, dass dann, wenn die Mittel knapp werden, wenn ökonomische Zwänge die Ausgaben determinieren, Rationalität als Kriterium bei den entsprechenden Entscheidungen über die Verwendung begrenzter Ressourcen wieder Einzug hält. Insofern sind wir auf dem besten Weg, Genderista loszuwerden.

Dass nichts verloren ist, wenn wir Genderista von Hochschulen entfernen und im Gegenteil viel gewonnen ist, zeigt die folgende Passage aus dem Statement der Gender-Sektionierten ganz deutlich:

“Die Einsicht in Prozesse der Vergeschlechtlichung der Wissenschaftsorganisation und des wissenschaftlichen Denk- und Begriffsapparats war für die Ausdifferenzierung des Forschungsfeldes zentral; die erkenntnistheoretisch motivierten Debatten der 1990er Jahre um das Verhältnis von sex und gender stellen eine paradigmatische Erweiterung dar und sind Ausdruck eines Selbstverständnisses als emanzipatorischer Wissenschaft, die immer wieder offen über das Verhältnis von Standortgebundenheit, Erkenntnis und Normativität in Verhandlungen getreten ist.”

Wie es sich mit einer angeblich emanzipatorischen Wissenschaft vereinbaren lässt, dass Kritiker der Genderista durch die Bank diffamiert und als Rassisten beschimpft werden, ist eine Frage, die die Schreiber des Statements vielleicht beantworten können, wenn sie demnächst von dem emotionalen Hoch, das ihre Hysterie ihnen verschafft hat, auf den Boden der Realität zurückkehren, sofern Hysterie bei ihnen kein Dauerzustand ist, quasi eine Grundqualifikation zum Genderista.

Inhaltlich hat die zitierte Passage wenig zu bieten und lässt sich unter Auslassung sämtlicher Füll- und Leerwörter wie folgt zusammenfassen: Die genannte Einsicht war wichtig, um zusätzliche Stellen für Gender-XX zu schaffen, und die Debatten der 1990er Jahre haben gezeigt, dass eine emanzipatorische Wissenschaft sich mit sich selbst beschäftigen muss. Die Maxime der feministischen Erkenntnis lautet demnach: “Beschäftige Dich mit Dir selbst und schaffe Stellen für andere, die sich mit sich selbst beschäftigen wollen!”

Zeit, an unsere Petition gegen Genderismus an Schulen und Hochschulen zu erinnern. Sie kann immer noch unterzeichnet werden.

Davon abgesehen, brauchen Stefan Hirschauer und Günther Buchholz Solidaritätsbekundungen, denn die beiden wurden von den Genderista als neue Feinde ins Visier genommen – wie man beim Lesen des Statements und vor allem der Fußnoten schnell bemerkt..

Zweierlei Maß im Verharmlosungs- oder Hämejournalismus

Nachdem Lügenpresse zum Wort des Jahres gekürt wurde (oder war es das Unwort des Jahre?), kann man ein weiteres Wort in die Phalanx der Beschreibungen nach-moderner Versuche, Presse zu betreiben, einfügen: Den Verharmlosungs- oder Hämejournalismus.

Verharmlosungs- oder Hämejournalismus zeichnet sich dadurch aus, dass er einen Skandal zu einer Begegebenheit reduziert, die eigentlich nicht weiter erwähnenswert ist, keiner Aufregung würdig ist, entsprechend keiner weiteren Aktivitäten bedarf und der denen, die er betrifft, sowieso recht geschieht.

Ein besonders krasses Beispiel hat die FAZ gerade geliefert, die in einer nicht mehr akzeptablen Art und Weise Forschungsergebnisse die einen Tsunami belegen, darstellt, als wäre das Wasserglas in Nachbarhaus übergeschwappt.

MPIfG_LutterAusgangspunkt ist die von Mark Lutter und Martin Schröder durchgeführte und unter dem Titel “Who Becomes a Tenure Professor, and Why?” als MPIfG Discussion Paper 14/19 publizierte Untersuchung, die wir vor einigen Tagen vorgestellt haben. Es ist die erste Untersuchung, die klipp und klar belegt, dass männliche Bewerber auf eine Professur in der Soziologie diskriminiert werden:

  • Weibliche Bewerber werden schneller berufen als männliche Bewerber. Männer müssen zwei Jahre länger auf eine Berufung warten als Frauen.
  • Weibliche Bewerber, die auf eine Professur berufen werden, haben deutlich weniger publiziert als männliche Bewerber: “… by the time, men get a tenure, they have published 1.8 times as many SSCI-articles … 1.7 times as many non-SSCI-articles …, 1.4 times as many books …, 1.3 times as many edited volumes …, 1.4 times as many book chapters …, and 1.8 times as much ‘gray’ literature as women”.
  • Für männliche Bewerber ist es schädlich, wenn sie ihre Sozialisation an einer renommierten Universität, z.B. in Heidelberg, Mannheim oder (früher) in München erfahren haben. Dieser Stallgeruch reduziert ihre Wahrscheinlichkeit, eine Professur zu erhalten.

Das nennt man eine krasse Diskriminierung. Es ist ein Verstoß gegen jede Version eines Leistungsprinzips, das gewährleisten soll, dass die besten und leistungsfähigsten Bewerber in Positionen gelangen, und es ist eine Verletzung des Prinzips der Meritokratie mit allen negativen Effekten, die diese Verletzung auf die Bereitschaft leistungsfähiger Männer hat, sich im Fach Soziologie zu engagieren.

Man muss kein Prophet sein, um vorhersehen zu können, dass die Soziologie über kurz oder lang zu einem Market for Lemons verkommen wird, wenn die Diskriminerung von Männern nicht beendet wird (aber vielleicht ist sie auch schon ein Market for Lemons, immerhin hat die Soziologie den höchsten Anteil von Gender Studies aller Fachbereiche an Hochschulen).

Eigentlich ist das Ergebnis von Lutter und Schröder also eine Katastrophe für eine Gesellschaft, die Wohlstand zur Zielsetzung hat und immer noch behauptet, im Bildungssystem und der Gesellschaft als Ganzes ginge es um Meriotokratie. Eigentlich ist das Ergebnis von Lutter und Schröder ein Ergebnis, das man in Superlativen beschreiben müsste.

Eigentlich.

Uneigentlich wird bei der FAZ ein Verharmlosungs- und Hämeartikel daraus, der es einem wirklich schwer macht, sich nicht zu übergeben.

Es beginnt schon im Untertitel:

“Wer in der Sozialwissenschaft in den Professorenrang aufsteigen will, muss noch immer vor allem vielfältige Veröffentlichungen vorweisen. Aber es schadet auch nicht, eine Frau zu sein – im Gegenteil.”

Statistik verstehenManche Journalisten schaffen es bereits im ersten Satz, ihre komplette Unkenntnis in genau ein Wort zu fassen, hier: Sozialwissenschaften. Für den Fall, dass es Philosophen, Politikwissenschaftler oder Literaturwissenschaftler o.a. nicht wissen: Ihr seid alle Anhängsel der Soziologie, denn die Soziologie ist die einzige Sozialwissenschaft, jedenfalls nach Kenntnis des kenntnisarmen Redakteurs der FAZ, der wohl aus guten Gründen nicht namentlich genannt werden will.

Man stelle sich vor, die Untersuchung von Lutter und Schröder hätte das Ergebnis erbracht, dass Frauen mehr publizieren müssen als Männer und länger auf eine Professur warten müssen als Männer, was wäre wohl passiert? Hätte ein unkenntnisreicher Redakteur der FAZ dann von “es schadet auch nicht, ein Mann zu sein – im Gegenteil” geschrieben? Oder wären ihm dann die Superlative eingefallen, die ihm nicht einfallen, wenn derselbe Skandal dummerweise Männer trifft?

Ob hier Feigheit bei Redakteuren dazu führt, dass Ergebnisse nicht als das dargestellt werden, was sie sind, dass verharmlost und beschwichtigt und Häme ausgeschüttet wird, oder ob Redakteure die herausragenden Exemplare dessen sind, was Harold Garfinkel “Cultural Dopes” genannt hat, Akteure, die nicht selbständig, sondern nur im Rahmen vorgegebener Bahnen denken könnne, ist bislang eine offene Frage.

Im FAZ Beitrag folgt eine Darstellung der Arbeit von Lutter und Schröder, die einerseits vermuten lässt, wie selten statistische Kenntnisse unter Redakteuren zu sein scheinen, andererseits das Ergebnis der Analyse der beiden Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts fast auf den Kopf stellt:

“Die Studie bestreitet auch die gängige Annahme, dass akademische Leistungen von Frauen in der Soziologie weniger anerkannt würden als die von Männern: Frauen müssen für eine Professur im Schnitt deutlich weniger publizieren. Bei sonst gleichen Faktoren liegt ihre Chance auf eine Professur 1,4 Mal höher.”

Was hier beschrieben wird, ist die Diskriminierung von Männern. Die Diskriminierung von Männern kommt jedoch nicht als Diskriminierung von Männern daher, nein, sie wird dargestellt als wäre sie ein erfreuliches Ergebnis, denn: Frauen werden in der Soziologie gar nicht “weniger anerkannt”. Darüber müssen wir uns doch freuen, auch dann, wenn die nicht geringere Anerkennung mit der Diskriminierung von Männern, der 1,4fachen Diskriminierung erkauft wird. Und damit auch niemand diesen vom Redakteur der FAZ vermutlich als erfreulich gesehenen Schlag in das Gesicht eines jeden, der noch denkt, Leistung lohne sich, falsch versteht, kommt im nächsten Abschnitt das unvermeitliche Framing, der Psalm, der die Grundlage für weitere Männerdiskrimierung liefern soll:

“Trotzdem waren unter den Befragten, die eine feste Professur erreichten, nur 31 Prozent weiblichen Geschlechts. Der Anteil von Frauen an der Gesamtuntersuchung hatte noch bei 41 Prozent gelegen.”

Wir sehen: dass Männer diskriminiert werden, und zwar ganz konkrete Männer, die sich auf eine ganz konkrete Professur beworben haben, dient einem höheren Ganzen, dem heiligen Ziel der Gleichstellung, der 50:50 Verteilung, denn trotz der Diskriminierung von Männern gibt es immer noch nur 31% weibliche Professoren. (Seltsamerweise werden Genozide auch immer damit begründet, dass sie einem höheren Ganzen dienen.)

Hätte der Redakteur auch nur einen blassen Schimmer von statistischen Methoden, er hätte das Ergebnis der Untersuchung nicht in der Weise verkehrt, wie er es hier getan hat, denn: dass es noch 69% männliche Professoren gibt, ist der Grund dafür, dass der Redakteur der FAZ verkünden kann, dass “noch immer vor allem vielfältige Veröffentlichungen” den Weg zur Professur bahnen.

Unter diesem generellen Trend, verbirgt sich jedoch ein anderer Trend, der diesen Zusammenhang mit jedem weiblichen Bewerber, der auf eine Professur berufen wird, abschwächen wird: Frauen müssen weniger Publikationen vorweisen als Männer und erhalten schneller als Männer eine Professur, und weil dem so ist, muss man kein Prophet sein, sondern einfach nur Kenntnisse statistischer Methoden haben, um vorhersagen zu können, dass die derzeitige Diskriminierung von männlichen Bewerbern in 5 vielleicht in 10 Jahren dazu geführt haben wird, dass die “vielfältigen Veröffentlichungen” nicht mehr die Erklärung für eine Berufung darstellen, sondern die Erklärung dafür, dass eine Berufung nicht erfolgt ist.

Wir haben an dieser Stelle schon öfter die Frage gestellt, wie moralisch verkommen man eigentlich sein muss, um konkrete Individuen aufgrund der Tatsache, dass sie männlich sind, zu diskriminieren, um der Gruppe der Frauen als Gesamt vermeintlich Vorteile zu verschaffen.

Es bleibt daher nur die Frage anzufügen, was diejenigen, die derzeit Gender Sponging auf Kosten des gesellschaftlichen Wohlstands betreiben, denken, wer ihre Rente und ihr Auskommen zahlen wird, wenn sie nicht mehr direkt vom Nutznießen leben können, denn zwei Dinge sind klar: Wenn deutlich ist, dass Leistung sich nicht lohnt, dann werden immer mehr Leistungsfähige zu Leistungsunwilligen, denn warum sollen sie leisten, es bringt doch sowieso nichts. Und wer sich dennoch nicht von dem Leisten-Wollen trennen kann, der wir dahin gehen, wo seine Leistung nach wie vor einen Unterschied macht: Ins Ausland.

Als Ergebnis finden sich mittelmäßige Hänger auf Lehrstühlen und ein einst vielversprechendes Fach wird der politischen Korrektheit geopfert.

Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie

  • Prof. Dr. Peter A. Berger,
  • Prof. Dr. Nicole Burzan,
  • Prof. Dr. Stephan Lessenich,
  • Prof. Dr. Michaele Pfadenhauer,
  • Prof. Dr. Uwe Schimank,Prof. Dr. Paula-Irene Villa,
  • Prof. Dr. Georg Vobruba,

schweigt nach wie vor zur Untersuchung aus dem MPI. Dass männliche Bewerber diskriminiert werden, so muss man daraus schließen, ist den Mitgliedern des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie vollkommen egal, wenn sie es nicht gar befürworten.

Wer das nicht glauben will, der kann einen hier verlinkten Text, in dem die Mitglieder des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie um eine Stellungnahme gebeten werden, per eMail an die Mitglieder verschicken (eMail-Adressen sind zum Cut and Paste ebenfalls vorhanden) und warten, ob er eine Antwort erhält.

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