Linksextremismus in Leipzig: Verwunderung, Entsetzen, Scheinheiligkeit

69 verletzte Polizisten, eine Spur der Verwüstung im Leipziger Süden, eingeschlagene Schaufenster, beschädigte Autos, „entglaste Wartehäuschen“ – das ist die Bilanz.

Wovon?

Vom Kampf gegen „Bullen“ und Rechtsextreme.

Ein Häuflein von 150 Neonazis, Rechtsextremen oder was auch immer, Rechte halt, ist schuld an dieser Bilanz. Und natürlich die „Bullen“ mit ihren unverhältnismäßigen Mitteln, mit denen sie gegen friedliebende vermummte Demonstranten vorgegangen sind, deren Ziel bestimmt nicht darin bestand, mit den geworfenen Steinen Polizeibeamte, die man ja trotz ihrer Eigenschaft „Bulle“ zu den Menschen zählen muss, zu verletzten. Sicher nicht. Und wenn, dann nur aus Notwehr, denn Linksextremismus ist kein Extremismus, es ist klassische Notwehr gegen Rechtsextremismus.

Wir wichtig diese Notwehr ist, sieht man an dem Häuflein von 150 Rechtsextremen oder Neonazis, die die angemeldete „Großdemonstration“ bestückt haben, 150 gewaltbereite Ewiggestrige, die das Fundament der deutschen Gesellschaft beseitigen, und – was auch immer an seine Stelle setzen wollen.

Wenn dieser armselige Haufen Rechtsextremer schon Gegenmaßnahmen in dem oben beschriebenen Ausmaß notwendig macht, dann kann man sich ungefähr vorstellen, was geschehen würde, wenn 151 Neonazis oder Rechtsextreme durch Leipzig ziehen würden. Eine Spur der Verwüstung bis vors Landgericht! Und natürlich ist die Gewalt gegen Polizeibeamte durch die hehren Motive, denen sie unterstellt ist, Kampf gegen Neonazis, ebenso gedeckt wie die Zerstörung fremden Eigentums. Die Eigentümer der Scheiben, die eingeschlagen wurden, und der Autos, die beschädigt wurden, die Steuerzahler, die die Kosten des Anti-Nazi-Kampfes zu tragen haben, sie sind kurzsichtig, wenn sie auf die Unverhältnismäßigkeit der Wahl der Mittel, angesichts des armseligen Häufleins von Rechten verweisen. Vielmehr gilt es auf die Habenseite zu schauen: Linksextreme hatten Spaß. 69 verletzte Polizeibeamte? Kollateralschaden linksextremer Partystimmung.

Die verstehen wohl keinen Spaß, die Polizisten, und überhaupt, wer Polizist wird, der weiß was er tut. Er stellt sich auf die Seite des Staates, jenes „miesen Stücks Scheiße“, wie es in linksextremen Kreisen heißt, das bekämpft werden müsse. Ja, ja, Linksextreme wollen auch einen anderen Staat, wollen auch die Bundesrepublik Deutschland überwinden.

Burkhard Jung ist das neu. Er ist überrascht davon, vom Ausmaß der Gewalt im Leipziger Süden überrascht, erschreckt wie viele, die die Augen vor dem, was sich an Linksextremem zusammenbraut, verschlossen haben, oder schlicht scheinheilig sind, wie Werner Patzelt sagt.

An der von Patzelt konstatierten Scheinheiligkeit politischer Akteure, die Linksextremisten schützend unter ihre Fittiche nehmen, wenn es darum geht, sie im Kampf gegen Pe- oder Legida zu instrumentalisieren, um dann ganz erschreckt zu reagieren, wenn die Wahl der Gewaltmittel durch die Beschützten Antifas und Autonomen unverhältnismäßig ist, ist schon etwas dran, denn dass Linksextreme gewalttätig sind, das ist keine neue Erkenntnis, es ist nicht einmal eine fast neue Erkenntnis, nein, es ist eine Erkenntnis, die die Extremismusforschung schon seit fast einem Jahrhundert durchzieht.

Extreme sind immer gewaltbereit und in der Regel auch gewalttätig. Es gibt also keinen Grund überrascht zu sein oder zu tun. Steht doch im Verfassungsschutzbericht von 2014 u.a.:

„So wurden auf die Polizeidienststelle im Leipziger Stadtteil Connewitz (Sachsen) seit ihrer Eröffnung im Februar 2014 bereits 16 Angriffe verübt. Der schwerste fand am 7. Januar 2015 statt, als rund 50 Personen die Wache mit Pflastersteinen, Farbbeuteln und Feuerwerkskörpern angriffen und versuchten, über eine Tür ins Gebäude einzubrechen. In einem Bekennerschreiben heißt es: „Bulle dein Duldungsstatus ist aufgehoben“ (73).

oder:

Der gewaltorientierte Linksextremismus in Deutschland ist vor allem ein urbanes Phänomen. Rund ein Viertel der gewaltorientierten Linksextremisten lebt in den Stadtstätten Hamburg und Berlin. Weitere regionale Zentren sind Großstädte wie Bremen, Frankfurt am Main (Hessen), Leipzig (Sachsen), die Region Köln/Bonn (Nordrhein-Westfalen), das Ruhrgebiet (Nordrhein-Westfalen) und kleinere Universitätsstädte wie Freiburg (Baden-Württemberg) oder Göttingen (Niedersachsen) (77).

Und zu den Zielen der Linksextremisten heißt es:

Verfassungsschutzbericht 2014„Linksextremisten richten ihr politisches Handeln an revolutionär-marxistischen oder anarchistischen Vorstellungen aus. Sie wollen die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung und damit unsere freiheitliche Demokratie abschaffen und durch ein sozialistisches beziehungsweise kommunistisches System oder eine herrschaftsfreie, anarchistische Gesellschaft ersetzen.“ (64)

Man sollte annehmen, dass der Verfassungsschutz den Verfassungsschutzbericht u.a. deshalb erstellt, um politische Akteure zu informieren, politische Akteure wie den Leipziger Oberbürgermeister Jung. Entsprechend hat Letzter keinen Grund „überrascht“ oder „schockiert“ zu sein. Er sollte wissen, wer sich da in Leipzig Connewitz und der Leipziger Südvorstadt eingenistet hat.

Aber im Kampf gegen das „ewig Böse“, das sich in einem Häuflein von 150 Männlein manifestiert, sind scheinbar nicht nur alle Mittel erlaubt oder waren es bislang, in diesem Kampf sind politische Akteure auch unverhältnismäßig, geben den Linksextremisten mehr Spielraum als den Rechtsextremisten, oder in den Worten von Werner Patzelt:

„Folglich steht Gewalt von links gegen rechts stets im Dienst einer guten Sache und also sind auch solche Mittel erlaubt, die man Rechten niemals nachsehen würde.“

Hier ist es Zeit, das Spielfeld einzuebnen und Linksextremen wie Rechtsextremen deutlich zu machen, dass Recht für alle gilt, in gleicher Weise und Gewalt, egal, ob von Links oder von Rechts, nicht akzeptabel oder tolerabel ist. Das Lernen aus der Geschichte, es steht in Deutschland doch angeblich so hoch im Kurs. Vielleicht sollte man aus den letzten Tagen der Weimarer Republik lernen, also linker Mob der KPD und rechter Mob der SA Straßenschlachten miteinander geführt haben und konsequenterweise jede Form von Gewalt unterbinden.

Zudem sollte sich endlich herumsprechen, dass Linksextremisten sich in ihren Zielen von Rechtsextremisten nur inhaltlich unterscheiden. Erstere wollen die freiheitlich-demokratische Grundordnung durch ein kommunistisches System ersetzen, ihre Form der Diktatur und Unterdrückung, deren Ausgestaltung man in Leipzig gerade wieder bewundern konnte. Letztere wollen einen Führerstaat oder ein faschistisches System an die Stelle der Demokratie setzen und somit ein ebenso unfreies Unterdrückungssystem wie die Linksextremen.

Wer sich entsprechend mit den Linksextremisten aus z.B. Leipzig solidarisiert oder meint, ihre Taten abmildern oder verharmlosen zu müssen, der macht sich ebenso gemein mit Personen, die die Freiheit abschaffen und eine Diktatur von was oder wem auch immer einführen wollen, wie derjenige, der Rechtsextremismus verharmlost (sofern es ihn im politischen Spektrum derzeit überhaupt gibt).

Um diesen Beitrag mit einem konstruktiven Vorschlag zu beenden: Wie wäre es mit der Einführung eines Verursacherprinzips, denn es ist nicht einzusehen, dass Steuerzahler für die Schäden, die Linksextreme anrichten, aufkommen, die Behandlungskosten der Polizeibeamten und deren Ausfallzeiten finanzieren und vermutlich noch über Hartz-IV oder sonstige Zahlungen den Unterhalt der Linksextremen bestreiten. Wie wäre es daher, wenn diejenigen, die die Schäden anrichten, auch für deren Beseitigung aufkommen, entweder, in dem sie selbst Hand anlegen, soweit dies bei Sachschäden möglich ist oder die finanziellen Kosten decken, die durch ihr Handeln entstanden sind? Das wäre doch einmal zumindest eine Petition wert – oder?

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14 Responses to Linksextremismus in Leipzig: Verwunderung, Entsetzen, Scheinheiligkeit

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  2. rote_pille sagt:

    Wie schaffen die es bloß Marxisten und Anarchisten zur gleichen Zeit zu sein… wir sollten sie „Schrödingers Extremisten“ nennen.

  3. Gereon sagt:

    den Kosten für die Steuerzahler sind nicht nur die Folgekosten sondern auch alle anderen Fördermittel im ‚Kamp gegen rechts‘ zuzurechnen, denn Antifa und deren nahe Vereinskonstruke streichen eine Menge solchet Gelder ein.
    DER STEUERZAHLER ZAHLT NOCH DAFÜR ZUSAMMENGESCHLAGEN, EINGESCHÜCHTERT UND VERFOLGT ZU WERDEN!

  4. Jürgen Forbriger sagt:

    Es geschieht nichts ohne Geheimdienst des Landes! Rote Faschisten werden geführt von Führungsoffizieren, wie bei der Stasi der DDR!

  5. Ken Meyer sagt:

    Der Bremer Polizeipräsident tat kürzlich sein Verhältnis zum Verursacherprinzip kund und hat rigoroses Durchgreifen gegen linke Gewalttäter angekündigt, nachdem diese(vermutlich) 6 auf dem Hof einer Polizeiwache Dienstfahrzeuge in Brand gesteckt hatten. Zitat: „Ich erwarte, dass diejenigen, die so etwas Sinnloses gemacht haben, den Mut aufbringen, sich zu bekennen und sich der öffentlichen Diskussion zu stellen, rechtfertigen lässt sich das nicht.“

    Jawoll, knallhart öffentlich diskutieren lassen, darunter geht ab jetzt nichts mehr.

    Daß Richter und Staatsanwälte schon mal auf dem linken Auge blind sind, war mir bisher bekannt, aber daß offenbar nun auch führende Polizeikräfte ein ähnliches Syndrom aufweisen überrascht einen dann schon.

    Quelle: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/polizeirevier-schwachhausen-brandstiftung-sechs-polizeiwagen-vor-dienststelle-in-bremen-abgebrannt/12632496.html

  6. Kurzschluss sagt:

    Prima Text, allerdings sähe ich es lieber, wenn alternative Staatsformen zur momentanen nicht sofort mit „Unfreiheit und Unterdrückung“ gleichgesetzt würden.
    Ich finde es nämlich extrem auffällig, dass in unserer heutigen, besten aller Demokratien, der Freiheit sehr bereitwillig – geradezu inflationär – das Wort geredet wird, während tatsächliche Freiheit im sich ebenso steigernden Tempo immer weiter abgeschafft wird, und das nicht selten mit der überaus fragwürdigen Begründung, diese dadurch „retten“ zu wollen.
    Wenn aber die Gleichung Demokratie=Freiheit nicht stimmt, dann kann ihr Gegenteil Keine Demokratie=Unfreiheit auch nicht stimmen. Oder irre ich da…? Einfach war gestern😦

    • Insofern die Staatsformen, die im Text genannt sind, Faschismus, Sozialismus und Kommunismus sind, ist die Gleichsetzung mit Unfreiheit und Unterdrückung nicht nur eine Notwendigkeit, sondern eine historisch belegte Tatsache.

  7. Hosenmatz sagt:

    Was für einen Saft die wohl getrunken haben? Sauerkrautsaft kann es ja nicht gewesen sein.😉

  8. EhemaligerOssi sagt:

    Wenn man sich Videos der Vorgänge in Connewitz anschaut, dann ist zu sehen, dass offenbar größere Steine (wahrscheinlich Pflastersteine) in Richtung der Polizei geworfen wurden. Die Polizisten haben keine Schilde (ich habe schon Bilder gesehen, auf denen Polizisten mit Schilden aus durchsichtigem Material abgebildet sind), und scheinen damit den Steinwürfen ziemlich ausgesetzt zu sein. Ich vermute, dass die Energie eines handgroßen Pflastersteins, der mit voller Wucht geworfen wird, durch die Schutzkleidung der Polizei nicht vollständig absorbiert wird. Es gibt sicher verschiedene Erklärungen dafür, warum die Polizisten so (meiner Meinung nach) relativ schutzlos im Einsatz waren.

  9. peter sagt:

    Der Steuerzahler zahlt sogar noch dafür-denn es dürften alle Linken Zentren Steuerbefreit sein-da Gemeinnützig.
    Und wer Konzerte Veranstaltet und ein bisschen Ahnung hat macht daraus auch einen Verein und zahlt keine Steuern mehr.

    Sogar Westberlin hat mal vor 30 Jahren ein Linkes Konzert gesponsert-dabei war das doch der Feind den man angeblich bekämpfte.

    „Er sieht sich selbst als Anarchist-aber als richtiger-das heisst kein Linker:

    Ich machte damals im SO36 die unterschiedlichsten Sachen, organisierte ein halbes Jahr lang Konzerte aus der Telefonzelle, weil ich in meinem Zimmer ja kein Telefon hatte. Ich machte da zum Beispiel auch das Atonal-Festival, das wurde vom Berliner Senat mit 250.000 Mark gefördert.

    Scheint so als ob man auf Teufel komm raus die Linken fördern wollte(obwohl dieser Typ ja keiner ist,im Interview steht noch was er von ihnen hält und wie sie sich verhalten haben)

    w.ox-fanzine.de/web/home.cfm?p=212&print=paper&s=212&itv=4455“

    • Roland sagt:

      Wenn ein Verein von der Steuer befreit ist, dann zahlt der Steuerzahler was genau?

      • Ingo sagt:

        Denk mal nach du Vogel!Die „Vereine“ zahlen sich selbst ein Gehalt und bestimmen selber über dessen Höhe.Ist auch so bei vielen Tier und Kinder“hilfswerken“ die bestehen nur damit die Gründer ein gutes Leben führen können.
        Die ganzen Deutsch-Türkischen Kulturvereine sind nichts anders als Cafes oder Kneipen-es giobt dort weder Deutsche noch Kultur-es sei denn man versteht unter Kultur Glücksspiel und Kaffee/Tee/Bier ohne die Anwesenheit der Frauen zu trinken.
        Diese haben natürlich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern die diese Steuerbefreiten Läden auch noch mit ihren Steuern fördern.In meiner Kleinstadt gibt es mindestens 5 solcher Läden.würde es sie nicht geben würde es sicherlich 2 Läden geben die Steuern zahlen würden.
        Kapiert?

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