Sechs Schritte zur Verdummung: Das Gutmenschen-Kommunikations-Modell

Der Umgang mit dem, was sich in Chemnitz ereignet hat, nicht mit der Ermordung von Daniel Hillig, sondern mit der spontanten Demonstration, also das anschließende Ablenkungsmanöver, um einmal mit dem Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz zu sprechen, hat uns schon einige Gelegenheit gegeben, Verlaufsmodelle zu erstellen, die die Struktur, die Systematik dessen, was Medien und andere Dauererregte in der Nachfolge aufgestellt haben, abbilden.

So hat unser Modell der Lügenspirale, das zeigt, wie das erfundene Narrativ der „Hetzjagd“ benutzt wird, um politische Aktivisten zu mobilisieren und vom Mord an Daniel Hillig abzulenken, eine weite Verbreitung gefunden.

Eine eMail, die wie heute von der Universität Marburg und einem dort beschäftigten Leser, der uns regelmäßig mit Informationen versorgt, erhalten haben, hat uns dazu veranlasst, unser Gutmenschen-Kommunikations-Stufenmodell „Sechs Schritte zur Verdummung“ (Six Steps of Stultification) zu entwickeln.

Das Modell basiert auf der Beobachtung, dass je weniger bestimmte Personen von den Vorgängen in Chemnitz wissen, desto eher sind sie bereit, Vorgänge und Hergänge zu erfinden. Dass die Hergänge und Vorgänge, die dabei erfunden werden, alle schreckliche Rechte imaginieren, die sich über wehrlose Asylbewerber hermachen, ist dabei der Tatsache geschuldet, dass die frei Phantasierenden in die Klasse der Gutmenschen gehören, jene Klasse von Personen, die kein Ereignis, das Potential zur Selbstdarstellung und Selbstinszenierung hat, an sich vorüberziehen lässt. Besonders beliebt sind in dieser Gruppe Ereignisse, die mit hohem affektivem Gehalt beladen sind, denn je höher der affektive Gehalt, desto mehr kann man – wie sie glauben – signalisieren, dass man ein sehr guter Mensch ist. Wir nennen das Virtue Signalling. Und weil der eigene Anteil an der imaginierten Gutheit im Verhältnis zum Faktor der Schrecklichkeit der Ereignisse, gegen die man sich wendet, steigt, deshalb können wir regelmäßig beobachten, wie sich der Gutmenschen-Diskurs von den tatsächlichen Ereignissen löst und ein Eigenleben zu führen beginnt, das mit den Tatsachen nichts mehr zu tun hat und nur noch über die psychologischen Mängel der jeweiligen Person erklärt werden kann.

So hat die Bundeskanzlerin die Ereignisse in Chemnitz dazu benutzt, um Hetzjagden und Zusammenrottungen zu sehen, für die sie sich bislang weigert, die Quelle anzugeben.

Andere haben weiter übertrieben und von Ausschreitungen und Menschenjagden fabuliert. Denn: Gutmenschen, können erst so richtig aufleben, wenn sich möglichst viel Schlimmes, gegen das sie sich wenden können, ereignet hat. In diesem Sinne streiten sie darüber, ob sich mehr Schwule das Leben nehmen als Heterosexuelle und sind enttäuscht, wenn dies nicht der Fall ist. In diesem Sinne ist ihre Gutheit ernsthaft beeinträchtigt, wenn es keine Todesopfer oder Verletze gibt, die sie als Objekt benutzen können, um die moralische Überlegenheit, die Tugend, die sie sich zuweisen, auch zur Schau stellen zu können. Also müssen sie übertreiben, um sich selbst besser zu machen als alle, die bislang gegen das Böse gekämpft haben.

In diesem Sinne hat die Universität Marburg und die Stadtverordnetenverwaltung in Marburg, in der – wie könnte es anders sein – SPD, Grüne und LINKE die Mehrheit der Verordneten stellen, sowie Oberbürgermeister Thomas Spies, der der SPD angehört, beschlossen, dass sie sich „wirsindmehr“ anschließen und eine eigene Kundgebung in Marburg veranstalten wollen. Die Universität Marburg hat sich ausdrücklich dem „Aufruf zur Demonstration und zur Kundgebung“ der Stadt Marburg angeschlossen. In diesem Aufruf findet sich der folgende Passus:

„Man kann nicht dulden und wir werden nicht dulden, dass Gruppen hetzend und gewalttätig durch die Straßen ziehen“, machte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies unmissverständlich deutlich. In ihrem am Freitag gefassten Beschluss verurteilt Marburgs Stadtverordnetenversammlung einstimmig die pogromähnlichen Ausschreitungen in Chemnitz“.

Damit befinden sich die Stadtverordneten auf der Stufe 4, der Ebene der gesteigerten Phantasie. Wie man unserem Modell entnehmen kann, hat diese Ebene keinerlei Verbindung mehr zu dem, was ursprünglich Anlass der allgemeinen Entrüstung war. Stufe 4 ist frei erfunden, die Wahl der Begriffe auf das Bemühen, durch seinen Widerstand als besonders guter Mensch zu erscheinen, zurückzuführen. Die Begriffe stellen eine Steigerung der bereits von Gutmenschen verwendeten Begriffe „Hetzjagd und Zusammenrottung“ dar. Die Steigerung des negativen Gehalts ist dem Bemühen geschuldet, die guten Menschen von Stufe 3 an Gutheit noch zu überflügeln.

Ab Stufe 3 sind der Phantasie keine Grenzen mehr gesetzt und jeder darf sich die vermeintliche Schrecklichkeit der Ereignisse in Chemnitz nach eigener Bedarfslage zurechtlegen, einzige Bedingung: Der eigene Kampf muss sich gegen einen mächtigeren Feind, die dadurch zu gewinnende moralische Selbsterhöhung noch größer sein als auf der vorausgehenden Stufe. Ergo muss aus „pogromähnlich“ ein tatsächlicher Pogrom werden und Pogrom kann man nur noch durch Bürgerkrieg steigern …

Als Nebenfolge beschreibt unser Modell den Weg in den Wahnsinn, denn eine Person, die die Ereignisse in Chemnitz als pogromähnlich bezeichnet, kann angesichts des Anschauungsmaterials aus der deutschen Geschichte als nicht mehr ganz normal angesehen werden, es sei denn, man hält der entsprechenden Person ein Ausmaß an Opportunismus zugute, das seinerseits die Frage nach der Normalität aufwerfen könnte.

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