Die am lautesten jammern: Lehrer haben das geringste Risiko, an COVID-19 zu erkranken

Schulen sind seit Beginn des SARS-Pandemiechen umkämpftes Gelände. Die, die man in Schulen erwarten sollte, nämlich Lehrer, deren Berufung darin besteht, junge Menschen auf das Leben vorzubereiten, sie mit den dazu notwendigen Kenntnissen auszustatten (okay, das war jetzt pathetisch), sie gehören zu denen, die sich am meisten dagegen sträuben, ihre Profession auszuüben, weil angeblich das Risiko, das mit Präsenzunterricht oder anderen Formen physischer Anwesenheit in Schulen verbunden sein soll, zu hoch ist, den armen Lehrern, die in der Mehrzahl Lehrerinnen sind (was die Hysterie vielleicht teilweise zu erklären vermag), in der Schule das Corona-Verderben, COVID-Erkrankung, Hospitalisierung und Tod droht. Und natürlich stehen Gewerkschaften in der ersten Reihe, wenn es darum geht, die Hysterie der eigenen Mitglieder, denen urplötzlich die Passion dafür, Kinder und Jugendliche auf das Leben vorzubereiten, abhanden gekommen ist, für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren.

Wir haben schon in der Vergangenheit eine Reihe von Studien besprochen (siehe Kasten), die zeigen, dass es kaum einen sichereren Platz gibt, kaum einen Platz, der mehr Schutz vor SARS-CoV-2 bietet als es Schulen tun. Ginge es den Lehrern, die nicht lehren wollen, also tatsächlich um die eigene und die Gesundheit der Kindlein, sie würden in Schulen strömen. Heute haben wir einen finalen Anschlag auf den Mythos der gefährdeten Lehrer zu bieten, eine Studie aus Schottland, die so umfassend und ausführlich ist, dass nunmehr alles gesagt ist und für diejenigen, denen das immer noch nicht reicht, füttern wir weitere Studien zum selben Gegenstand an.

Man muss die Ergebnisse dieser Studien auch im Kontext anderer Studien sehen, die zeigen, dass eine asymptomatische Übertragung von SARS-CoV-2 bei weitem nicht so einfach ist, wie zunächst angenommen wurde. Da die meisten Kinder, die SARS-CoV-2 tragen, asymptomatisch bleiben, sind auch diese Ergebnisse für Schulen von Relevanz:



Unsere heutige Studie stammt aus Schottland. Nicht alles an Schottland ist schlecht, nur die SNP und ihre Vasallen. Jenseits des Einflussbereichs der schottischen Nationalisten finden sich bei Public Health Scotland nicht nur Wissenschaftler, die diesen Namen verdienen, es finden sich vor allem Daten, die zu analysieren eine Freude sein muss, denn die Daten erlauben es, umfassende Aussagen zu treffen, da sie Vollerhebungen darstellen. Die Datenqualität, die Lynda Fenton, Ciara Gribben, David Caldwell, Sam Colville, Jen Bishop, Martin Reid, Jane White, Marion Campbell, S. Hutchinson, C. Robertson, Helen M. Colhoun, Rachael Wood, Paul M. McKeigue und David A. McAllister, die entweder bei Public Health Scotland, der Glasgow Caledonian University, der University of Glasgow oder der University of Edinburgh beschäftigt sind, zur Verfügung haben, ist erste Sahne. Entsprechend klotzen sie, sie kleckern nicht:

Folgen Sie uns auf TELEGRAM
  • Daten für ALLE in Schottland tätigen Lehrer.
  • Daten für ALLE in schottischen Krankenhäusern Beschäftigten mit Patientenkontakt.
  • Daten für ALLE Schotten, die ab dem ersten positiven Test auf SARS-CoV-2 bis zum 5. Januar 2021 positiv getestet wurden.
  • Daten für ALLE Schotten, die wegen COVID-19 hospitalisiert wurden, die schwer daran erkrankt sind (Definition: Beatmung und/oder Intensivstation) oder die im Zusammenhang mit COVID-19 verstorben sind.
  • Daten für ALLE in Schottland beim NHS registrieren Schotten.
  • Angaben für jeden einzelnen im Datensatz Enthaltenen umfassen Alter, Geschlecht, Ethnizität, Krankheitsgeschichte, soziodemographische Lebensumstände und vieles mehr und erlauben es somit, aus diesen Datensätzen einen Datensatz herzustellen, in dem ein sozio-ökonomisches Matching erfolgt, ein positiv Getesteter oder Erkrankter, ein Lehrer oder ein in einem Krankenhaus Beschäftigter mit Personen aus der Bevölkerung verbunden wird, die dasselbe sozialstrukturelle Muster aufweisen, das er aufweist, so dass sie miteinander vergleichbar sind.

Mit einem solchen Datensatz lässt sich etwas anfangen. In Zahlen finden sich im Datensatz:

  • 16.574 von 66.710 schottischen Lehrern;
  • 27.407 von 125.830 Beschäftigten in schottischen Krankenhäusern, die Patientenkontakt haben;
  • 797.713 Schotten die weder Lehrer noch in einem Krankenhaus beschäftigt sind, und sozialstrukturell mit den ersten beiden Gruppen verbunden wurden.

Für den gesamten Zeitraum vom 1. März 2020 bis zum 4. Januar 2021 untersuchen die Autoren, ob Lehrer und die Personen, die in einem Lehrerhaushalt leben, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung und im Vergleich zu Angestellten in Krankenhäusern, die Patientenkontakt haben, ein größeres Risiko haben, hospitalisiert zu werden oder schwer an COVID-19 zu erkranken, beide Endpunkte beschreiben die Angst derjenigen, die sich dagegen sträuben, ihre Arbeit in Schulen zu verrichten, wohl am besten. Sie werden kaum nur davor Angst haben, positiv auf SARS-CoV-2 zu testen.

  • Schulen in Schottland waren während dem ersten Lockdown in Schottland ab Ende März (23.3.) bis Mitte August (12.8.) geschlossen. Die Autoren betrachten den Zeitraum vom 1. März 2020 bis zum 2. September 2020 als Phase vor der Schulöffnung.
  • Schulen in Schottland wurden ab dem 12. August 2020 wieder geöffnet und blieben bis Mitte Dezember geöffnet. Die Autoren betrachten den Zeitraum vom 3. September 2020 bis zum 4. Januar 2021 als Phase nach der Schulöffnung.

Für beide Phasen untersuchen die Autoren das oben genannte Risiko von Lehrern und die Mitglieder ihrer Haushalte für beide Phasen kommen sie zu demselben Ergebnis:

“Among all working-age adults in Scotland, for the period from the first COVID-19 case to the 4th of January 2021, we examined the risks of COVID-19 in teachers and their household members. Neither was at increased risk of hospitalisation or severe COVID-19 at any time, whether compared to healthcare workers or to the general population; both before and after schools re-opened. Teachers were at lower risk of severe COVID-19 (intensive care unit admission or death) than the general population, healthcare workers, and the household members of healthcare workers, and in the period after schools re-opened this difference in severe COVID-19 was statistically significant. These findings were robust to adjustment for potential confounders.”

Nicht nur haben Lehrer kein höheres Risiko als Angestellte in Krankenhäusern oder der Rest der Bevölkerung wegen COVID-19 hospitalisiert zu werden oder schwer an COVID-19 zu erkranken, sie haben ein deutlich geringeres Risiko, wie die folgende Tabelle ausführlich zeigt:

Egal, ob Schulen geöffnet sind oder nicht, das Risiko für Lehrer, wegen COVID-19 hospitalisiert zu werden oder schwer an COVID-19 zu erkranken und das entsprechende Risiko derjenigen, die mit ihnen einen Haushalt teilen, ist stets und zum Teil erheblich geringer als das Risiko von Angestellten in Krankenhäusern mit Patientenkontakt oder das Risiko der Bevölkerung. Einmal mehr zeigt sich, dass diejenigen, die am lautesten Jammern, am wenigsten Grund dafür haben, wobei das Lehrerjammern angesichts eines um bis zu 18fach höheren Risikos von Hospitalisierung wegen bzw. schwerer Erkrankung an COVID-19 für Angestellte in Krankenhäusern mit Patientenkontakt geradezu zynisch, in jedem Fall umoralisch erscheint. Nun sind in Schottland Lehrer zu 80% weiblich, leben in vergleichsweise besseren Verhältnissen als der Rest der Bevölkerung und sind etwas jünger als der Durchschnitt der Bevölkerung. Daraus könnte man den Schluss ziehen, dass sich das geringere Risiko als Kompositionseffekt daraus ergibt, dass sich Lehrer aus denen zusammensetzen, die ohnehin ein geringeres Risiko wegen COVID-19 hospitalisiert zu werden oder schwer zu erkranken haben. Dieser Interpretation haben die Autoren jedoch einen Riegel vorgeschoben, indem sie die Ergebnisse adjustiert haben, d.h. die Risiken, die unter “adjusted” angegeben sind, sind die Risiken, die verbleiben, wenn man der Tatsache, dass Lehrer eine, wie beschrieben, selegierte Population sind, Rechnung trägt.

Es gibt an diesem Ergebnis nichts zu deuteln: Lehrer haben ein geringeres Risiko, an COVID-19 schwer zu erkranken oder wegen COVID-19 hospitalisiert zu werden als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Und weil das noch nicht reicht, steht das Ergebnis von Fenton et al. (2021) nicht alleine. Es ist zwar, was die Datengrundlage angeht, ein Outlier, schon weil derart gute Daten selten sind, nicht aber im Hinblick auf das Ergebnis. Um die Absurdität der Weigerung mancher Lehrern, ihrer Arbeit nachzugehen, auf den Punkt zu bringen, hier ein paar Forschungsergebnisse aus Europa, die die Arbeiten, die wir am Anfang dieses Beitrags verlinkt haben, ergänzen:

Magnusson et al. (2020) zeigen für Norwegen, dass das Risiko, wegen COVID-19 hospitalisiert zu werden, für Lehrer der Primar- und der Sekundarstufe in der Phase der Schulschließung deutlich unter dem Risiko anderer Bevölkerungsgruppen liegt, während es sich nach Öffnung der Schulen nicht vom Risiko der Gesamtbevölkerung unterscheidet. Vlachos et al. (2020) haben sich die Tatsache zunutze gemacht, dass in schwedischen Schulen der Primarstufe physischer Unterricht stattgefunen hat, während Sekundarschulen auf virtuellen Unterricht ausgewichen sind. Das Risiko für Lehrer der Primarstufe hospitalisiert zu werden, war verglichen mit Lehrern der Sekundarstufe höher, beider Risiko war jedoch geringer als das Risiko anderer Bevölkerungsgruppen. Billingsley et al. (2020) haben das Risiko von schwedischen Lehrern mit dem anderer Bevölkerungsgruppen verglichen und festgestellt, dass kein höheres Risiko für Lehrer vorhanden ist. Das britische Office of National Statistics (2020) hat für den Zeitraum vom 9. März 2020 bis zum 28. Dezember 2020 die Mortalität unter Lehrern mit der Mortalität der Bevölkerung zwischen 21 und 64 Jahren verglichen. Ergebnis: männliche und weibliche Lehrer hatten ein deutlich geringeres Sterberisiko als andere Berufsgruppen, sie rangierten unter 24 Berufsgruppen auf Platz 19 mit Blick auf das Sterberisiko. Ebenfalls das Office of National Statistics (2020) hat die Ergebnisse einer Antikörper-Studie veröffentlicht, in der der Anteil der Seropositiven für unterschiedliche Berufsgruppen, darunter Lehrer, bestimmt wurde. Auch für eine Ansteckung mit SARS-CoV-2 konnte kein höheres Risiko für Lehrer gefunden werden. Schließlich hat das European Center for Disease Control (2020) einen Bericht veröffentlicht, in dem u.a. die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von SARS-CoV-2 in Schulen analysiert wurde. Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit ist in Schulen geringer als außerhalb von Schulen. Das Ergebnis des ECDC stimmt somit mit den Ergebnissen überein, die wir im Kasten zu Beginn dieses Beitrags verlinkt haben.

Schlechte Nachrichten für Lehrer: Arbeiten ist der beste Schutz vor SARS-CoV-2.
Dumm gelaufen.


Fenton, Lynda et al. (2021). Risk of Hospitalisation with COVID-19 Among Teachers Compared to Healthcare Workers and Other Working-Age Adults: A Nationwide Case-Control Study. medRxiv. 

Magnusson Karin, Nygård Karin, Mehti, Fredrik, Vold Line & Telle Kjetil (2020). Occupational risk of COVID-19 in the 1st vs 2nd wave of infection. medRxiv

Vlachos Jonas Hertegård Edvin & Svaleryd Helena (2020). School closures and SARS-CoV-2. Evidence from Sweden’s partial school closure. medRxiv


Billingsley, Sunnee, Maria Brandén, Siddartha Aradhya, Sven Drefahl, Gunnar Andersson, and Eleonora Mussino (2020). Deaths in the frontline: Occupation-specific COVID-19 mortality risks in Sweden.


Office for National Statistics (2021). Coronavirus (COVID-19) related deaths by occupation, England and Wales.


Office for National Statistics (2020). Coronavirus (COVID-19) Infection Survey, UK: 6 November 2020.


European Centre for Disease Control (2020). COVID-19 in children and the role of school settings in transmission first update. TECHNICAL REPORT.



Seit Ende Januar 2020 besprechen wir Studien zu SARS-CoV-2. Damit gehören wir zu den wenigen, die das neue Coronavirus seit seinem Auftauchen verfolgt und den Niederschlag, den es in wissenschaftlichen Beiträgen gefunden hat, begleitet haben.
Eine Liste aller Texte, die wir zu SARS-CoV-2 veröffentlicht haben, finden Sie hier.

Gutes, so hieß es früher, muss nicht teuer sein. Aber auch ein privates Blog muss von irgend etwas leben.

Deshalb unsere Bitte: Tragen Sie mit einer Spende dazu bei, dass wir als Freies Medium weiterbestehen.

Vielen Dank!


  • Deutsche Bank 
  • Michael Klein
  • BIC: DEUTDEDBCHE
  • IBAN: DE18 8707 0024 0123 5191 00
  • Tescobank plc.
  • ScienceFiles / Michael Klein
  • BIC: TPFGGB2EXXX
  • IBAN: GB40 TPFG 4064 2010 5882 46


Bleiben Sie mit uns in Kontakt.
Wenn Sie ScienceFiles abonnieren, erhalten Sie bei jeder Veröffentlichung eine Benachrichtigung in die Mailbox.

ScienceFiles-Abo
Loading

Print Friendly, PDF & Email
9 Comments

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

ScienceFiles-Betrieb

Was uns am Herzen liegt ...

 

Ein Tag ScienceFiles-Betrieb kostet zwischen 250 Euro und 350 Euro.


 

Wenn jeder, der ScienceFiles liest, uns ab und zu mit einer Spende von 5, 10, 20, 50 Euro oder vielleicht auch mehr unterstützt, vielleicht auch regelmäßig, dann ist der Fortbestand von ScienceFiles damit auf Dauer gesichert.


Wir bedanken uns bei allen, die uns unterstützen!


ScienceFiles-Spendenkonto

Vielen Dank!

Holler Box