Italien auf Messers Schneide – bleibende Schäden auch für Genesene? COVID-19 Update

Wie sich die Corona-Virus-Welt verändert hat. Vor nicht einmal einem Monat, war Asien rot und nicht viel darüber hinaus. Heute sieht die Welt so aus:

Der derzeitige europäische Hotspot ist Italien. Von gestern auf heute hat sich der Zahl der an COVID-19-Erkrankten in Italien um 3.497 erhöht. Die italienische Entwicklung folgt fast punktgenau den Vorhersagen, die man auf Basis einer exponentiellen Verteilung machen kann. Zwei italienische Wissenschaftler von der Universität Bergamo und dem Istituto di Ricerche Farmacologiche Mario Negri, schlagen deshalb Alarm. Andrea Remuzzi und Guiseppe Remuzzi haben in einem aktuellen Beitrag für den Lancet berechnet, wie die Zukunft für das italienische Gesundheitssystem aussieht. Die Crux: Die nächste Woche ist kritisch für Italien. Sollte das exponentielle Wachstum bei Erkrankten und Toten so weitergehen, dann bricht das italienische Gesundheitssystem.



Aus der Arbeit von Remuzzi und Remuzzi:

“In theory, we are in a better position than many other countries to react to the current outbreak. However, an aggressive approach needs to be taken with patients who are critically ill with SARS-CoV-2, often including ventilatory support. The system’s capacity to respond to changing circumstances has been under enormous pressure, at least in the Lombardy region, where two clusters have already emerged since Feb 21. We predict that if the exponential trend continues for the next few days, more than 2500 hospital beds for patients in intensive care units will be needed in only 1 week to treat ARDS caused by SARS-CoV-2-pneumonia in Italy. In the meantime, the government is preparing to pass legislation that will enable the health service to hire 20000 more doctors and nurses and to provide 5000 more ventilators to Italian hospitals.

These measures are a step in the right direction, but our model tells us that they need to be implemented urgently, in a matter of days. Otherwise, a substantial number of unnecessary deaths will become inevitable. Intensive care specialists are already considering denying life-saving care to the sickest and giving priority to those patients most likely to survive when deciding who to provide ventilation to.

https://www.thelancet.com/action/showPdf?pii=S0140-6736%2820%2930627-9

Zu sagen, die Situation in Italien stehe auf des Messers Schneide ist sicher keine Übertreibung.



Derweil kommt aus Hongkong beunruhigende Kunde. Owen Tsang Tak-yin vom Infectious Disease Centre des Princess Margaret Hospital in Hongkong hat vor drei Tagen die Ergebnisse der ersten Follow-up Untersuchungen berichtet, die an Patienten vorgenommen wurden, die von einer Erkrankung mit COVID-19 genesen sind. Die Frage, die auch etliche unserer Kommentatoren und Leser beschäftigt hat: “Was ist eigentlich mit denen, die von COVID-19 genesen, sind die dann gesund oder bleiben Folgeschäden?”, hat nun eine erste Antwort erhalten, rund 25% der von COVID-19 Genesenen hatten demnach eine um 20% bis 30% eingeschränkte Lungenfunktion.

“They gasp if they walk a bit more quickly,” Tsang told a media briefing on Thursday. “Some patients might have around a drop of 20 to 30 per cent in lung function [after recovery].” So berichtet die South Asian Morning Post.

Das vermeintlich milde Leiden fordert entsprechend nicht nur eine große Zahl Tote, allein in Italien sind bislang 1.441 Menschen an COVID-19 verstorben, es verursacht oft auch bleibende Schäden.

Für Deutschland haben wir heute bereits dargelegt, dass die deutsche Regierung einen lausigen Job macht, wenn das Ziel darin besteht, die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu behindern. Wenn das Ziel jedoch darin besteht, die ungehinderte Verbreitung sicherzustellen, dann macht die deutsche Regierung einen sehr guten Job.

Die folgende Abbildung zeigt den aktuellen Stand für die fünf Länder, die wir näher betrachten. Deutschland folgt nach wie vor der Entwicklung Italiens, das Vereinigte Königreich gehört seit heute zu den Ländern, die am Beginn einer exponentiellen Steigerung der Ausbreitung von COVID-19 stehen könnten. Mehr dazu können wir morgen sagen.



Ständig aktualisierte Informationen zu Forschung zu SARS-CoV-2 und zu aktuellen Ereignissen, findet sich u.a. hier:




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