COVID-19: Deutschland macht keinen guten, sondern einen miserablen Job

Das mediale Trommelfeuer hat eingesetzt, um das Management, das von Jens Spahn und Angela Merkel und von einem Krisenstab und vom Robert-Koch-Institut und all den anderen Verwaltungen, die das weben, was man als bürokratischen Ballast bezeichnen muss, über den grünen Klee zu loben. Jens Spahn mache einen guten Job, Merkel alles richtig und die Bundesregierung, bekanntermaßen ein Hort der Kompetenz (für was ist weniger bekannt), sei in ihrem Krisenmanagement einfach klasse. Erst gestern haben wir eine der Sternstunden der nationalen Sykophantenbewegung dokumentiert.

Aber: Deutschland und alle, die es für sich in Anspruch nehmen, machen keinen guten Job, sie machen einen lausigen Job, einen, der eher mit dem Versuch, die Verbreitung von SARS-CoV-2 in Deutschland zu maximieren, als mit dem Versuch, sie einzuschränken, kompatibel ist.

Um es gleich vorweg zu schicken. So sieht eine Entwicklung für ein Land aus, das einen guten Job mit dem Ziel, SARS-CoV-2 einzudämmen, macht:

Ein Virus wie SARS-CoV-2, das auf eine Bevölkerung trifft, in der es keinerlei Immunität gibt, verbreitet sich exponentiell, WENN nichts dagegen unternommen wird. Die Entwicklung der Fallzahlen für Deutschland bildet eine perfekte exponentielle Entwicklung ab. Die Entwicklung der Fallzahlen in Singapur nicht. Den Unterschied zwischen beiden Ländern kann man, da sie beide dieselben Randbedingungen haben (keine Immunität in der Bevölkerung, kein Impfstoff, kein Behandlungsmittel) auf die jeweiligen Anstrengungen, die Verbreitung von SARS-CoV-2 zu verhindern, zurückführen. Singapur hat offenkundig sehr gute und wirksame Anstrengungen unternommen, in Deutschland lässt man dem Virus dagegen freien Lauf – vielleicht mit dem Hintergedanken, die Rentenkassen zu entlasten?



Was macht nun den Unterschied zwischen Deutschland und Singapur?

Zunächst einmal die Ausgangsposition: Singapur hat die schlechtere Ausgangsposition. Singapur war das dritte Land, das Erkrankungen an COVID-19 gemeldet hat. Mitte Februar, zu dem Zeitpunkt, zu dem unsere Abbildung oben startet, hatte Singapur bereits 72 Fälle von COVID-19. Im Gegensatz zu Deutschland hatte Singapur nicht mehr als sechs Wochen Zeit, um sich auf das Virus vorzubereiten. Die exponentielle Verbreitung von SARS-CoV-2 schien nur eine Frage der Zeit. 5,6 Millionen Einwohner drängen sich auf dem kleinen Flecken im Süden von Malaysia, 7.804 davon teilen sich einen Quadratkilometer. Beste Bedingungen für ein aggressives Virus wie SARS-CoV-2. Und doch: Im Gegensatz zu Deutschland hat Singapur das Virus – wie es scheint – im Griff. Die Entwicklung der Zahl der Infizierten zeigt nicht einmal annähernd ein exponentielles Wachstum, während in Deutschland gilt: the sky is the limit.

Was ist das Geheimnis, besser: was sind die Geheimnisse des Erfolgs von Singapur?

Wir haben diese Frage durch den Vergleich der Maßnahmen, die in Singapur angewendet werden, mit denen, die in Deutschland umgesetzt werden sollen, beantwortet. Die wesentlichen Unterschiede zwischen Singapur und Deutschland sind die folgenden:

  • Rigoroses Testen: Selbst wenn ein Einwohner von Singapur nur milde Symptome hat und sich nicht sicher ist, ob es vielleicht eine Influenza ist, muss er zum Arzt gehen und sich testen lassen;
  • Die Behandlung ist umsonst. 
  • Die Behandlungskosten für einen etwaigen Krankenhausaufenthalt werden aus der Staatskasse getragen.
  • Singalesen, die in Selbst-Quarantäne gehen, erhalten, wenn sie selbständig sind, umgerechnet rund 65,50 Euro pro Tag aus der Staatskasse, Arbeiter und Angestellte erhalten eine volle Lohnfortzahlung;
  • Wenn ein COVID-19 Fall entdeckt wird, wird eisern einem Protokoll gefolgt, das dem Ziel dient, alle Personen, die Kontakt mit dem Infizierten hatten, aufzuspüren und zu testen. Singapur macht hier einen außerordentlich guten Job, wie Rene Niehus, Pablo M. De Salazar, Aimmee R. Taylor und Marc Lipsitch von der Harvard University herausgefunden haben: “We estimate that the global ability to detect imported cases is 38% of Singapore’s capacity”. Mit anderen Worten, in Singapur wurden dreimal so viele COVID-19 Erkrankte, die in das Land eingereist sind, aufgespürt wie im globalen Durchschnitt. 
  • Alle Maßnahmen, die in Singapur zur Eindämmung von SARS-CoV-2 eingeführt und umgesetzt werden, sind vollständig transparent. Jeder Bürger von Singapur kann sich jederzeit darüber informieren, wie viele infizierte Fälle es in seiner Nähe gibt und sobald ein infizierter Fall bekannt wird, erhält jeder Einwohner von Singapur eine Benachrichtigung zu Orten, an denen sich der Infizierte in den zurückliegenden Tagen aufgehalten hat und kann prüfen, ob er in Gefahr ist, sich infiziert zu haben.

Das Geheimnis für den Erfolg von Singapur scheint demnach im aggressiven Testen, dem kompromislosen Aufspüren aller, die mit einem Infizierten in Kontakt gewesen sind und einer vollständigen Transparenz der getroffenen Maßnahmen gegenüber Bürgern zu sein (die beiden Screenshots stammen beide von Seiten der Regierung von Singapur, man stelle sich vergleichbares in Deutschland vor …).

Auch Taiwan und Hongkong, beide in bester Lage, um mit China am selben SARS-CoV-2 zu ziehen, hätten wir hier als Beispiel anführen können. Taiwan hat zum gegenwärtigen Zeitpunkt 53 Infizierte, Hongkong derer 138 und das obwohl mit Guangdong die chinesische Provinz an Hongkong grenzt, die die meisten Infizierten außerhalb von Hubei, Wuhan vorzuweisen hat. Auch in Taiwan und Hongkong wird rigoros getestet. In Taiwan wurden Flüge von und nach China bereits zu einem Zeitpunkt ausgesetzt, in dem die WHO Flüge noch für unbedenklich gehalten hat. Und in Taiwan wurden alle Einwohner, die an Influenza erkrankt waren oder eine Erkrankung überwunden haben, auf SARS-CoV-2 getestet, und zwar lange bevor die Übertragung von Mensch zu Mensch bestätigt war. Zum Standard in allen drei Ländern gehört eine rigide persönliche Hygiene zum Standard: Hände waschen, Kleider wechseln, wenn man von draußen kommt, Masken sind obligatorisch. Alle Veranstaltungen, die mit einem Menschenauflauf verbunden sind, sind gestrichen. 



Was den Fall Taiwan insbesondere erfolgreich gemacht zu haben scheint, sind strenge Grenzkontrollen und ein Höchstmaß an sozialer Distanz. 

The reponse must be equal to the treat, so lautet ein berühmter, von einem Raucher gesprochener Satz aus den x-Files. Die Reaktion auf eine Gefahr hängt von der Einschätzung von deren Gefährlichkeit ab. In Hongkong, Singapur und Taiwan waren die Verantwortlichen, vermutlich auch wegen der Erfahrung mit SARS-CoV-1 davon überzeugt, es mit einem sehr gefährlichen Virus zu tun zu haben. Die Reaktionen waren entsprechend. In Deutschland ist man der Ansicht, das Virus sei nicht so schlimm, habe eine milde Erkältung zur Folge und abgesehen davon, ist es, wie wir seit gestern wissen, in einem neuen Höhepunkt deutscher Geschmacklosigkeit, ein “boomerRemover”, es soll nur alte Menschen beseitigen, heißt das (übrigens eine falsche Annahme). Entsprechend lau ist die Reaktion deutscher Verantwortlicher, die sich jetzt für ihre Untätigkeit auch noch feiern lassen wollen. 

In Nordrhein-Westfalen hat der Karneval dafür gesorgt, dass die Fallzahlen explodiert sind. In Hongkong, Singapur und Taiwan wurden alle Feierlichkeiten abgesagt. Die einen haben – wie sie meinen – Spaß, die anderen erkennen den Ernst der Lage.

Das macht den Unterschied.



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