Deutsche Effizienz? Deutsches Durcheinander! Beunruhigende Neuigkeiten zu COVID-19

Bei uns häufen sich die eMails, Hinweise, Anfragen zu SARS-CoV-2 bzw. COVID-19. Offensichtlich gibt es erheblichen Informationsbedarf in Deutschland.

Der aktuelle Stand für Deutschland: 18.00 Uhr: 482 bestätigte Erkrankungen, ein Plus von 220 Fällen seit gestern (+84%). Wir haben die Entwicklung in Deutschland einmal in den Kontext der Entwicklungen in Italien, dem Vereinigten Königreich und dem Iran gestellt. Das Ergebnis ist in der folgenden Abbildung zu sehen. Wir haben versucht, dem unterschiedlichen Entwicklungsstadium, in dem sich die vier Länder befinden, Rechnung zutragen.

Deutschland befindet sich derzeit auf dem Niveau, auf dem sich Italien vor rund einer Woche befunden hat. Der Anstieg der Fallzahlen in Deutschland ist indes höher als er es zum vergleichbaren Zeitpunkt in Italien gewesen ist.



Mit anderen Worten: Wir befürchten, dass sich Deutschland nach oder noch vor Italien zu einem Hotspot von COVID-19 auf dem europäischen Kontinent entwickeln könnte. Die vielen Informationen, die wir über das Durcheinander, das in Deutschland zu herrschen scheint, erhalten, legen diesen Schluss nicht nur nahe, sie zwingen ihn fast auf.

So hat uns ein Leser davon berichtet, dass einer seiner Bekannten dessen Freund positiv mit COVID-19 getestet wurde, regelrecht darum kämpfen musste, auch getestet zu werden (das war im Raum Köln). Ein anderer Leser hat uns den folgenden mehr oder minder haarsträubenden Fall berichtet:

“Vor der Arztpraxis (auf dem Land) meiner Schwester tauchte heute ein Italiener bzw. Italienreisender auf, der wegen Verdacht auf Corona-Virus-Infekt vom Gesundheitsamt des Landkreises zu ihr auf‘s Dorf geschickt wurde, um einen „Test machen zu lassen“, weil das Gesundheitsamt selbst „keine Kapazitäten dafür“ hat, so das Amt telefonisch zur Praxis.

Zum Glück konnte der Patient vor der Tür „abgefangen“ werden, weil der Anruf gerade noch rechtzeitig [kam]. Am Morgen wurde auch ein Schild draußen aufgehängt, daß Patienten mit entsprechenden Symptomen draußen an der Rollstuhlrampe klingeln sollen, statt die Praxis zu betreten. Die flache Edelstahlklingel kann ggf. leicht desinfiziert werden.

Eine Arzthelferin bastelte sich – geistesgegenwärtig- einen provisorischen Gesichtsschutz, um dann den Abstrich durch ein Fenster zum Hof „abzunehmen“.

Der Patient ist dazu wohl durch den halben Landkreis gereist.

Soviel dazu: Der deutsche Staat bekommt nicht mal einen einzelnen Patienten nach seinen eigenen Gesetzen gehandhabt. Ob und wie weit das noch gängige Praxis ist, weiß ich freilich nicht, lässt aber so einiges erahnen…”



Dazu passt die Meldung aus Potsdam, nach der 14 von 50 Schülern erkrankt sind, die aus Potsdam am letzten Sonntag ausgerechnet nach Südtirol gereist sind, um dort eine Ski-Freizeit zu verbringen. Südtirol gehört bekannter Maßen zu Italien, so dass die Wahrscheinlichkeit besteht, dort auf Italiener, z.B. solche aus Emilia-Romagna oder aus der Lombardei zu treffen. Die Reise sei nicht abgesagt worden, so berichten die Potsdamer Neuesten Nachrichten, weil Südtirol vom Robert-Koch-Institut (noch) nicht (und im Gegensatz zur Lombardei) als Risikogebiet eingestuft worden sei. Der ganze Aberwitz, der sich hinter derartigen Einstufungen verbirgt, wird am Beispiel aus Potsdam leicht deutlich, denn das Nichtrisikogebiet “Südtirol” grenzt direkt an die Lombardei, die als Risikogebiet geführt wird. Der ganze Klassifizierungsmumpitz basiert somit auf der Annahme, dass sich SARS-CoV-2 an bestehende regionale Grenzen UND an die Einschätzung des Robert-Koch-Instituts hält, wo ein Risikogebiet anfängt und wo es aufhört.

Wie dem auch sein, mittlerweile sind 14 Schüler und “eine Lehrkraft”, wie es in den Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN) heißt, erkrankt, haben unter anderem Fieber und wenig Spaß an ihrer Skifreizeit, wie man vermuten kann. Dessen ungeachtet hat die Stadtverwaltung Potsdam gegenüber den PNN erklärt, man werde weder vor Ort noch nach Rückkehr der Schüler dieselben auf COVID-19 testen, denn das Robert-Koch-Institut gebe vor, nur dann zu testen, wenn ein begründeter Verdachtsfall vorliege. Dieser Blödsinn aus der Stadtverwaltung Potsdam, der mit dem Blödsinn aus dem Kreis Neu-Ulm um den Preis für den größten Blödsinn konkurriert, ist bezeichnend für das Chaos, das in Deutschland herrscht, obwohl seit Wochen klar ist, was auf Deutschland zukommt.

Indes, das Robert-Koch-Institut und vor allem sein Präsident, Dr. Lothar Wieler, machen viel Unsinn, aber der Blödsinn, der ihnen aus Potsdam zur Last gelegt wird, ist nicht darunter, der ist auf dem Mist der Verantwortlichen vor Ort gewachsen. Es hat uns ehrlich gesagt, massiv verwundert, dass nur bei “begründeten Verdachtsfällen” ein Test vorgenommen werden darf und ein solcher voraussetzen soll, dass eine Person Symptome zeigt oder in einem Risikogebiet gewesen sei. Man soll derartige administrative Weltfremdheit nicht wirklich ausschließen, aber der gesamte Versuch, das Virus an seiner Verbreitung zu hindern, basiert auf der Idee, alle, die mit einem Infizierten Umgang hatten, einzusammeln und zu testen. Zudem ist mittlerweile hinlänglich bekannt, dass auch Infizierte, die KEINERLEI Symptome zeigen, die asymptomatisch sind, SARS-CoV-2 verbreiten können. Nur dann zu testen, wenn eindeutige Symptome vorliegen, wäre somit sträflich fahrlässig.

Wie dem auch sei, wir haben beim RKI gesucht und das folgende, eine “Orientierungshilfe für Ärzte” gefunden, die Anleitung für den Umgang mit COVID-19 geben soll.

Wer genau hinsieht, findet sowohl bei einem “begründeten Verdachtsfall” als auch bei “differenzial-diagnostischer Abklärung”: “PCR aus Naso-/Oropharyngealabstrich”. PCR steht für Polymerase Chain Reaction und somit für den Test, der verwendet wird, um auf COVID-19 zu testen. Die Leutchen aus der Stadtverwaltung in Potsdam liegen einfach und voll daneben. So wie die Verwalter der Stadt Neu-Ulm, die dem Robert-Koch-Institut unterstellt haben, die dort Verantwortlichen gingen davon aus, eine Infektion mit SARS-CoV-2 sei nur möglich, wenn man mindestens 15 Minuten mit einem Infizierten von Angesicht-zu-Angesicht verbracht habe, falsch gelegen haben. Es gibt viele Ideen, viele falsche Ideen zu SARS-CoV-2 und COVID-19 in Deutschland. Das macht betroffen, sollte man doch denken, die Verantwortlichen hätten dafür Sorge getragen, dass die notwendigen Kenntnisse über das neue Coronavirus verbreitet sind und nicht jeder Wald-und-Wiesen-Verwaltungsangestellte seine eigene Theorie dazu entwickelt.

Sicherzustellen, dass die relevanten Kenntnisse verbreitet und die entsprechenden Vorkehrungen zur Eindämmung von COVID-19, für die es nach den Fallzahlen, die heute veröffentlicht wurden, zu spät sein dürfte, und wenn schon nicht zur Eindämmung, so doch zur Verlangsamung der Verbreitung des Virus, sollte erste Pflicht derjenigen sein, die so gerne über das Gesundheitswesen schwadronieren und so genau wissen, was für “uns” gut ist. Scheinbar haben sie ihre Pflicht nicht ernst genug genommen.

Wie verheerend mangelnde Vorbereitung und schlechtes Management sein können, das kann man sich auf Grundlage einer neuen Studie aus China ausmalen.

Xiaolu Tang, Changcheng Wu, Xiang Li, Yuhe Song, Xinmin Yao, Xinkai Wu, Yuange Duan, Hong Zhang, Yirong Wang, Zhaohui Qian, Jie Cui und Jian Lui haben eine Studie mit dem Titel “On the origin and continuing evolution of SARS-CoV-2” veröffentlicht. Darin weisen sie nach, dass es mindestens zwei Stränge des neuen Coronavirus gibt, dass das Virus also mutiert ist. Sie nennen die beiden Varianten L und S-type, wobei der S-type die ältere Version von SARS-CoV-2 ist, aus der sich L-type entwickelt zu haben scheint. Den Untersuchungen der chinesischen Wissenschaftler zufolge, ist L-type auch mit rund 70%, die häufiger auftretende Variante von SARS-CoV-2 als S-type. Nicht nur das: L-type ist auch deutlich aggressiver als S-type, leichter zu verbreiten und mit einem höheren Gesundheitsrisiko für die Infizierten verbunden. In China scheint es durch drakonische Quarantäne-Maßnahmen gelungen zu sein, das Verhältnis von S-type zu L-type zu verändern und eine 50:50 Verteilung herbeizuführen, was, da S-type seltener und zudem weniger aggressiv als L-type ist, als Erfolg zu werten ist, als Erfolg, der nur erreicht werden kann, wenn Quarantäne-Maßnahmen extensiv eingesetzt werden, mit allen Mitteln, die vorhanden sind, gegen die Verbreitung des Virus gekämpft und vor allem auf Teufel komm’ raus getestet wird, damit die Ansteckungsherde einer Krankheit, die auch von asymptomatischen Trägern verbreitet werden kann, isoliert und dadurch reduziert werden können.

Um dieses Ergebnis zu erreichen, muss man zumindest konsequent auf COVID-19 testen. Diese Erkenntnis, scheint sich in Deutschland noch nicht eingestellt zu haben.

In this study, we investigated the patterns of molecular divergence between SARS-CoV-2 and other related coronaviruses. Although the genomic analyses suggested that SARS-CoV-2 was closest to RaTG13, their difference at neutral sites was much higher than previously realized. Our results provide novel insights into tracing the intermediate natural host of SARS-CoV-2. With population genetic analyses of 103 genomes of SARS-CoV-2, we found that SARS-CoV-2 viruses evolved into two major types (L and S types), and the two types were well defined by just two SNPs that show nearly complete linkage across SARS-CoV-2 strains. Although the L type (~70%) was more prevalent than the S type (~30%) in the SARS-CoV-2 viruses we examined, our evolutionary analyses suggested the S type was most likely the more ancient version of SARS-CoV-2. Our results also support the idea that the L type is more aggressive than the S type.
[…]
In summary, our analyses of 103 sequenced SARS-CoV-2 genomes suggest that the L type is more aggressive than the S type and that human interference may have shifted the relative abundance of L and S type soon after the SARS-CoV-2 outbreak.



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