Ko-Morbidität: Erste Daten für Gestorbene aus Italien – Tschentscher schreibt 30.000 Hamburger ab – COVID-19 update

Erste Daten aus Italien, die in einem Bericht des Instituti Superiore di Sanita veröffentlicht wurden, mit dem Titel: “Report sulle caratteristiche dei pazienti deceduti positivi a COVID-19 in Italia Il presente report è basato sui dati aggiornati al 17 Marzo 2020” vermitteln einen Eindruck davon, wessen Leben durch COVID-19 am meisten gefährdet ist.

Zunächst zur Altersverteilung von 2003 Menschen, die zum Zeitpunkt der Berichterstellung in Italien an COVID-19 verstorben waren:

Das bekannte Bild, nachdem die Mortalität mit dem Alter ansteigt, findet sich auch in den italienischen Daten. 1.757 der Verstorbenen (87,7%) waren zum Zeitpunkt ihres Todes 70 und mehr Jahre alt, 246 (12,3%) waren unter 70 Jahre alt. Die Altersverteilung ist aus China bekannt. Ebenso bekannt ist, dass sich die Altersverteilung im Laufe der Zeit verändert, die Opfer jünger werden, was man vielleicht damit erklären kann, dass alte Menschen dem Virus durchschnittlich weniger entgegen zu setzen haben als jüngere Menschen. Entsprechend sterben sie früher daran als jüngere Menschen.



Bei den Symptomen der Verstorbenen zeigt sich eine Abweichung zu den Daten aus China, denn die Mehrheit der Verstorbenen hat wegen Atembeschwerden einen Arzt aufgesucht (77%), Fieber (74%) und Husten (42%) folgen. In den chinesischen Daten, die wir z.B. gestern berichtet haben, ist Husten das häufigste Symptom, gefolgt von Fieber, Atemnot spielt keine große Rolle.

Besonders interessant ist die Analyse mit Blick auf die Ko-Morbiditäten, die allerdings nur auf 355 Verstorbenen, also auf 17,7% aller Verstorbenen zum Zeitpunkt der Berichterstellung, basiert. Demnach sind die häufigsten Ko-Morbiditäten Bluthochdruck (76,1%), Diabetes (35,5%), ischämische Herzerkrankungen, also Krankheiten als Folge von Problemen mit der Sauerstoffversorgung des Herzens (33,0%), Krebs (20,3%) und Nierenversagen (18,0).



Unsere Citizen Journalisten haben uns heute u.a. mit einem Beitrag aus Hamburg versorgt, den wir hier in vollem Umfang wiedergeben:

“Tschentscher: Viele Erkrankungsfälle nötig für Corona-Immunsystem
15.54 Uhr: Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hält es grundsätzlich für sinnvoll, dass möglichst viele Menschen mit dem Coronavirus in Kontakt kommen. „Wir werden viele Erkrankungsfälle haben. Das ist auch etwas, was jetzt notwendig ist, wenn man es mal so sagen darf“, sagte Tschentscher am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Zur Begründung erklärte der habilitierte Labormediziner: „Das wirksamste Mittel gegen das Virus ist unser Immunsystem selbst.“ Dieses habe bisher aber keine Gelegenheit gehabt, sich auf das Virus einzustellen. Da es keine Impfung gebe, könnten die Mediziner auch nicht nachhelfen. „Deswegen ist eigentlich die wichtigste Maßnahme jetzt, dass wir unseren Immunsystemen, der Bürgerinnen und Bürger in Hamburg, die Gelegenheit geben, sich gegen das Virus aufzustellen.“ Das müsse allerdings über einen gestreckten Zeitraum passieren. Tschentscher erklärte weiter, dass ungefähr 80 Prozent der Infizierten gar nicht erkrankten. Von den verbleibenden 20 Prozent erkrankten auch nur wenige schwer. Auf diesen liege aber das Augenmerk. Die Versorgung der schwer Erkrankten müsse auf gewohnt hohem Standard sichergestellt sein.”

Der Bürgermeister von Hamburg, der hier so freigiebig mit den “wenigen”, die schwer erkranken, wenige heißt, die kann man vernachlässigen, umgeht, hat ein Problem, das wir bei Politikern in Leipzig (Dr. habil. Heike Diefenbach im Kinder- und Jugendausschuss der Stadt), Baden-Württemberg und anderswo schon mehrfach beobachtet haben: Politiker verstehen die Aussage hinter Prozentzahlen nicht, können mit Prozentzahlen nicht umgehen. Die Daten, die Tschentscher hier rapportiert, sind offenkundig die 80, 15, 5 -Daten, die sich eingebürgert haben: Bei 80% verläuft COVID-19 recht mild, sie kotzenübergeben sich und es ist ihnen schlecht, sie haben Fieber und sie husten sich die Lunge aus dem Hals, nichts Besonderes also. 20% haben Komplikationen, 15% schwere, die es notwendig machen, sie stationär mit dem Bauchladen des hilflosen Mediziners, Tamiflu und Antibiotika, und mit Sauerstoff zu behandeln, für 5% wird COVID-19 lebensgefährlich, sie müssen künstlich beatmet werden. 5%, so denkt sich Tschentscher in seiner sozialdarwinistischen Welt des SARS-survival of the fittest, das ist nicht viel, viel weniger als 20 und noch weniger als 80. Nun, wir haben eine Überraschung für den Mann, der in Hamburg Bürgermeister spielt: 5% entsprechen 91.100 Hamburgern. Nimmt man die amtlichen Merkeldaten zur Grundlage, nach der zwei Drittel der deutschen erkranken werden oder sollen, sollen liegt eigentlich näher, wenn man das Nichtstun betrachtet und dem Hamburger Bürgermeister-Darsteller folgt, dann hat Tschentscher gerade 60.100 Hamburger abgeschrieben, 30.050 davon für immer, denn die Mortalität unter denen, die sich künstlich beatmet auf einer Intensivstation wiederfinden, beträgt im günstigsten Fall 50%. Ob Tschentscher die “wenigen” Sterbenden persönlich verabschiedet, ist derzeit noch unklar. 

Es ist doch immer wieder beruhigend, solche mitdenkenden und mitfühlenden Polit-Darsteller zu haben – oder? Deutschland ist gesegnet mit solchen Koryphäen.


Quelle

Damit sind wir beim alleingelassenen Italien, dem Land, das Hilfe aus China, nicht jedoch aus der EU bekommt.

Wenn sich in den letzten Wochen etwas gezeigt hat, dann wie unnötig die EU ist. Wer gedacht hat, die Brüsseler Bürokratie würde sich ins Zeug legen, um Mitgliedsstaaten, die so tief im Schlamassel stecken, wie Italien, unter die Arme zu greifen, der sieht sich getäuscht. In der Staatengemeinschaft der EU ist sich jeder selbst der nächste. Solidarität gibt es nur als Forderung, nicht als Entgegenkommen. Dr. habil. Heike Diefenbach stellt seit mehr als zwei Wochen die Frage: Was tut eigentlich die EU um Italien zu helfen? Nach all der Zeit kann man nun feststellen: Nichts. Die EU ist so überflüssig wie ein Kropf, ein bürokratischer Auswuchs, der nehmen, aber nicht geben kann.

Die Zahl der Toten in Italien ist um 475 gestiegen, ernsthaft erkrankt sind mittlerweile 2.257 Italiener. Was immer man sich in Rom vom Lockdown versprochen hat, es lässt auf sich warten. Was man von einem Lockdown überhaupt erwarten kann, dazu bringen wir morgen einen Beitrag.

Der Club der 1000er ist heute um Dänemark erweitert worden, bis die Japaner, die einen erstaunlich guten Job in der Verlangsamung der Ausbreitung von COVID-19 machen, hinzukommen, ist wohl nur eine Frage der Zeit. Shooting-Star heute ist Malaysia. Die Pandemie ist eben überall. In 169 Ländern ist COVID-19 mittlerweile angekommen.

Die Zahlen für Deutschland, die oben ausgewiesen sind, sind nicht aktuell. Derzeit gibt es in Deutschland 11.973 bestätigte Fälle und 28 Tote. Die Zahl der Toten ist für Deutschland nicht reliabel. Hier wird verschwiegen, wohl um den Eindruck zu vermitteln, COVID-19 sei gar nicht so tödlich, wie es tatsächlich ist.

Übertragen in unsere Abbildung zeigt sich, dass Deutschland Spanien hinter sich gelassen hat und nunmehr auf eine Situation zustrebt, die gemessen an den Fallzahlen das, was wir derzeit in Italien sehen, noch in den Schatten stellen wird. Aber natürlich werden nur “wenige” an COVID-19 sterben, wie der Hamburger Bürgermeister weiß, im schlechtesten Fall 1,3 Millionen Menschen. Peanuts, wie ein Parteifreund von Tschentscher wohl sagen würde.



Fakten zu SARS-CoV-2/COVID-19:




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