Plagiat oder Propaganda? Das “vertrauliche Strategiepapier” des WDR aus dem Innenministerium

Ist es ein Plagiat oder ist es gezielte Propaganda des Staatsfunk?

Entscheiden Sie selbst.

Mit effizientem Testen zum ‘Best Case'”, so lautet der Titel eines Beitrags der Tagesschau vom heutigen Tag. WDR, NDR und die Alpenprawda haben, so heißt es darin, Kenntnis eines “vertraulichen Strategiepapiers” aus dem Bundesinnenministerium erlangt, in dem unter dem Titel “Wie wir Covid-19 unter Kontrolle bekommen”, Südkorea als Vorbild propagiert werden soll.

Ein Szenario “Schnelle Kontrolle” soll in eklatantem Bruch mit den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts umsetzen, was nichtzuletzt wir auf ScienceFiles schon seit Wochen als best case beschreiben: Umfangreiches Testen, am besten der gesamten Bevölkerung, Isolation der positiv Getesteten, und Auffinden der Personen, mit denen positiv Getestete Kontakt hatten. Mit diesem Szenario wollen die Autoren des “vertraulichen Strategiepapiers”, – in unseren Worten: Deutschland von einem Land, das durch das Virus getrieben wird, zu einem Land machen, in dem das Virus kontrolliert wird. Es sei dazu notwendig, so heißt es weiter, “die Bevölkerung zu mobilisieren” und “vom Ernst der Lage” zu überzeugen, denn das Virus sei mitnichten für Kinder harmlos, gefährde mitnichten nur Alte [sonst wäre alles kein Problem], und ein medizinischer Notstand könne dazu führen, dass Patienten, die eine Aufnahme in eine Intensivstation oder in ein Krankenhaus benötigen, z.B. nach einem Herzinfarkt, abgewiesen werden müssten, weil die Kapazitäten ausgeschöpft seien. Das “vertrauliche Strategiepapier” spiele, so berichten die Journalisten von der ARD unter dem Siegel der Verschwiegenheit, worst case Szenarien durch, was zum Beispiel passieren würde, wenn sich “die Krankheit monatelang unkontrolliert ausbreiten würde”.



“Das positive Szenario dagegen”, so schreiben Markus Grill und Georg Mascolo, die für den Beitrag auf Tagesschau.de verantwortlich sind, trage den Namen “Hammer and Dance”. Das bedeute, dass das Virus zunächst mit Ausgangsbeschränkungen und Schulschließungen eingedämmt werde und die Fallzahlen binnen sechs Wochen deutlich zurückgehe: “Nach dieser Phase des Holzhammers, also etwa zum Ende der Osterferien, könnte dann die Dance- oder Tanzphase beginnen: Kindergärten und Schulen würden wieder öffnen, die Infektion würde dann durch intensives Testen, Nachverfolgung von Kontakten und Isolation kontrolliert. Das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben kehre dann ‘weitgehend zurück zur Normalität’, heißt es in dem Papier. Bei dem Szenario ließe sich der Einbruch des Bruttoinlandprodukts auf etwa vier Prozent begrenzen, dies sei der wirtschaftliche Best Case”.

Alles, was hier beschrieben wird, steht in genau der Weise, zum Teil wortwörtlich in dem Papier “Coronavirus: The Hammer and the Dance“, das Tomas Pueyo bereits am 19. März auf Medium.com veröffentlicht hat. Nicht nur folgt das angebliche Strategiepapier aus dem Bundesinnenminister Punkt für Punkt der Argumentation von Pueyo, selbst die Auswirkungen und Beschreibungen, bis hin zur Benennung, werden von Pueyo übernommen. Ob es sich bei dem angeblichen Strategiepapier um ein Plagiat handelt, das ein gewiefter Mitarbeiter des Minsteriums seinem Minister untergeschoben hat, um sich zu profilieren, wohlwissend, dass die Kenntnis um entsprechende Vorschläge bei deutschen Politdarstellern eher nicht vorhanden ist oder ob die Markus Grill und Georg Mascolo die Urheberschaft von Tomas Pueyo absichtlich verschweigen, um den Eindruck zu erwecken, dass die Überlegungen deutschen Ursprungs seien, das sind Fragen, die sich jeder selbst beantworten kann.

In seinem Papier diskutiert Pueyo fünf verschiedene Aspekte, die für die Frage, wie man SARS-CoV-2 am wirkungsvollsten und effizientesten begegnet, von Bedeutung sind:

  1. Die derzeitige Situation;
  2. Die vorhandenen Optionen;
  3. Die Bedeutung von Zeit;
  4. Die wirkungsvolle Gegenstrategie;
  5. Die ökonomischen und sozialen Konsequenzen;

Bei den vorhandenen Optionen, die Puyeo zumeist in Auseinandersetzung mit dem Papier des Imperial College diskutiert, das wir hier besprochen haben, finden sich 1) Nichtstun, das worst case Szenario, von dem im Tagesschau-Bericht die Rede ist, 2) Milderndes Begleiten (mitigation) und 3) Unterdrückung. Auf diese drei Strategien, die vieldiskutiert sind, mag man noch von alleine kommen, wenn man diskutiert, welche Lösungen es gibt, um der Krise Herr zu werden, dass offenkundig von Puyeo abgeschrieben (oder gestohlen) wurde, zeigt sich spätestens ab der Diskussion der Bedeutung von Zeit. Im Original steht in FETT: “Understand the True Problem: Tracking and Tracing”



Was bei Pueyo folgt sind Vorschläge, die explizit auf Basis einer Diskussion der Maßnahmen, die in SÜDKOREA, Singapur und Taiwan getroffen wurden, gemacht werden, darunter die folgenden Vorschläge:

  • Beginne damit, JEDEN auf SARS-CoV-2 zu testen, um das tatsächliche Ausmaß des Problems zu kennen;
  • Spüre die Personen auf, die mit einem positiv Getesteten Kontakt hatten und stecke sie in Quarantäne; Das hilft später, wenn es darum geht, die rigiden Methoden von social distancing zu lockern. Und weiter: “This is not rocket science: it’s the basics of how East Asia Countries have been able to control this outbreak without the kind of draconian social distancing that is increasingly essential in other countries. The measures from this section (testing and tracing) single-handedly curbed the growth of the coronavirus in South Korea and got the epidemic under control, without a strong imposition of social distancing measures.”

Um zu sehen, wie anders die Situation in Südkorea ist, reicht ein Blick auf die folgende Abbildung, die Pueyo in seinem Beitrag veröffentlicht hat. Die Situation in Deutschland fehli, kann aber, da die Maßnahmen denen im UK weitgehend entsprechen, nachgezeichnet werden.

Auf Basis einer akkuraten Beschreibung des IST-Zustands entwickelt Puyeo dann eine Methode, die eine Balance zwischen Kosten und Nutzen herstellt. Er nennt diese Methode: HAMMER AND DANCE.

“Here we are going to look at what a true Suppression Strategy would look like. We can call it the Hammer and the Dance.”

The Hammer:
Schnelles aggressives Handeln, je näher an einem kompletten Lockdown, desto besser. Ziel ist es, die neuen Fälle zu reduzieren.

Binnen sechs Wochen, so schreiben die ARD-Journalistendarsteller, würden die Fallzahlen deutlich zurückgehen.

Im Original steht: “Innerhalb von zwei Wochen nach dem Lockdown, sind die Menschen in China zur Arbeit zurückgekehrt. Innerhalb von rund fünf Wochen war das Virus komplett unter Kontrolle. Diese Aussagen trifft Puyeo auf Basis der Daten aus Wuhan und Hubei, die in der folgende Abbildung dargestellt sind:

Die Entwicklung in Südkorea, das man sich im Bundesinnenministerium, in dem “vertraulichen Strategiepapier”, das die kompetenten Menschen dort, wie die ARD-Witzbolde berichten, in der Zeit vom 18. März bis wohl zum 26. März zusammengeschrieben haben, zum Vorbild genommen hat, wohl nicht nur Südkorea, wie dieser Beitrag zeigt, dient Puyeo ausdrücklich als Bespiel für eine gelungene “Hammer and Dance”-Strategie:

“For several weeks, South Korea had the worst epidemic outside China. Now, it’s largely under control. And they did it without asking people to stay home. They achieved it mostly with very aggressive tesing, contract tracing, and enforced quarantines and isolations”.

Wenn, so schreibt Pueyo weiter, das Coronavirus innerhalb weniger Wochen mit der “Holzhammer-Methode” bearbeitet wird, dann befindet man sich in einer viel besseren Situation, es zu kontrollieren. Pueyo nennt das die Tanzphase, in der es darum geht, R0 unter eins zu halten, also zu verhindern, dass ein Infizierter mehr als einen Menschen ansteckt. Hier empfiehlt er im Wesentlichen ein dezentrales Vorgehen, wie es auch im Papier des Imperial College angedacht ist. Lokale Ausbrüche von COVID-19, die bis es einen Impfstoff gibt, nicht zu verhindern sein werden, soll mit den oben dargestellten Methoden, testen, auffinden, isolieren, begegnet werden. Im Ergebnis ähnelt die Situation einem Tanz (um den heißen Brei):

“I call the months-long period between the Hammer and a vaccine or effective treatment the Danc because it won’t be a period during which measures are always the same harsh ones. Some regions will see outbreaks again, others won’t for long periods of time. Depending on how cases evolve, we will need to tighten up social distancing measures or we will be able to release them. That is the dance of R: a dance of measures between getting our lives back on track and spreading the disease, one of economy vs. healthcare.”

Ob die Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums in ihrem “vertraulichen Strategiepapier” einfach ein Plagiat verbreiten, weil man in “vertraulichen Straegiepapieren” meist ohne Risiko, die geistigen Leistungen anderer Menschen als die eigenen ausgeben, sich damit schmücken kann, ist eine Frage, deren Antwort wir mit ziemlich wahrscheinlich geben. Einerseits ist das Plagiieren in deutschen Ministerien mit Sicherheit kein unbekanntes Verfahren des Diebstahls geistigen Eigentums, zum anderen ist die Einordnung des Papiers als “vertraulich” sicher ein Anreiz, der die Hemmschwelle bei Dieben geistigen Eigentums angesichts der Profilierung, die man erreichen kann, sinken lässt.

Es ist natürlich ebenso gut möglich, dass die Angestellten des Staatsfunks, die in den letzten Wochen vor allem durch rektales Fortbewegen in Regierungskreisen auffallen, verheimlichen oder unterschlagen, dass die angeblich deutsche Idee mitnichten eine solche ist, vielmehr eine abgekupferte Idee, die als Strategie für die USA entwickelt wurde.

Was halten Sie für die wahrscheinlichere Antwort?

Zum Nachlesen: Coronavirus: The Hammer and the Dance.




Fakten zu SARS-CoV-2/COVID-19:




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