Erkrankung an und Tod durch COVID-19 hängen mit der Blutgruppe zusammen

Eine der interessanteren Studien, die wir in den letzten Tagen auf den Stapel gelegt haben, unter dem sich irgendwo unsere Schreibtische befinden müssen, stammt von Jiao Zhao und 18 Ko-Autoren, zuviele um sie alle zu nennen. Ergo zitieren wir: Zhao et al. (2020). Untersucht haben die 19 chinesischen Forscher den Zusammenhang zwischen den vier Blutgruppen, A, B, AB und 0 und der Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu erkranken bzw. zu sterben.

By the way: Welche Blutgruppe haben Sie? Vermutlich wissen das die meisten gar nicht (einer der wenigen Vorteile, den wir ehemaligen W18er haben) …



Dabei können die Autoren aus dem Vollen schöpfen. Sie haben Daten für:

  • 1775 Patienten mit COVID-19 aus dem Jinyiantan Hospital in Wuhan;
    • darunter 206 Patienten, die an COVID-19 verstorben sind;
  • 3.694 gesunde Einwohner von Wuhan;
  • 113 Patienten aus zwei weiteren Krankenhäusern in Wuhan
  • 285 COVID-19 Patienten aus Krankenhäusern in Shenzhen;
  • 23.368 gesunde Einwohner von Shenzhen;

Von allen Patienten und gesunden Probanden kennen die Autoren die Blutgruppe, das Alter und das Geschlecht. Die beiden zuletzt genannten Variablen können wir sofort wieder vergessen, denn sie haben keinerlei Einfluss auf das Ergebnis.

Das Ergebnis basiert auf Varianzanalysen, also darauf, die Varianz innerhalb einer Gruppe mit der Varianz zwischen Gruppen zu vergleichen. Wenn zwischen Gruppen mehr Varianz vorhanden ist als innerhalb der jeweiligen Gruppen, dann ist dies ein erstes Indiz dafür, dass Unterschiede zwischen beiden Gruppen vorhanden sind. Aus beiden Werten, der Varianz innerhalb von Gruppen (sum of square within) und der Varianz zwischen den Gruppen (sum of square between) wird ein F-Wert berechnet, der wiederum mit einer F-Verteilung verglichen werden kann. Je nach Übereinstimmung mit der Verteilung ergibt sich dann ein statistisch signifikantes Ergebnis oder nicht.



Quelle

Das ist im Grunde, was die Forscher aus China gerechnet haben. Dabei herausgekommen ist, egal ob sie die gesunden Einwohner aus Wuhan mit den an COVID-19-Erkrankten verglichen haben oder die gesunden Einwohner aus Wuhan mit den Patienten, die an COVID-19 verstorben sind oder die gesunden Einwohner aus Shenzhen mit den Patienten aus Shenzhen, die an COVID-19 erkrankt sind, immer dasselbe:

  • Personen mit Blutgruppe A haben ein höheres Risiko an COVID-19 zu erkranken und ein höheres Risiko, daran zu sterben als Personen, die nicht Blutgruppe A haben;
  • Personen mit Blutgruppe 0 haben ein geringeres Risiko an COVID-19 zu erkranken und ein geringeres Risiko, daran zu sterben als Personen die nicht Blutgruppe 0 haben;

Daher unsere Frage: Welche Blutgruppe haben sie?


Zhao, Jiao et al. (2020). Relationship between ABO Blood Group and the COVID-19 Susceptibility.



Fakten zu SARS-CoV-2/COVID-19:




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40Comments

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    • 3
      Dirk

      Vielleicht sind die Leute auch rechtzeitig in das Ausland abgehauen, und/oder es kamen erheblich weniger Auslandschinesen zurück als üblich, während sich der nächste Jahrgang auf ins Ausland machte. In China gibt es alleine 200 Mio 20-30 jährige und nochmal so viele globalisierte Mittelschichtler. Es müssen sich davon nur 5% rechtzeitig vom Acker gemacht haben und dann passt es. Wobei ich keine Ahnung hab, wie es beim Umzug ins Ausland aussieht mit dem Abmelden des Handyvertrages.

    • 4
      401

      In China gab es auch die Erfassung der Bewegungsprofile, um die Einhaltung der Quarantäneauflagen zu überwachen. Wird in Deutschland auch schon angedroht.
      Die Erklärung, dass man sich zb. der Datenschleuder einfach entledigt hat, um sich wieder ein Stück Freiheit zurück zu holen, erscheint mir irgend wie besser und undramatischer.

    • 5
      zargel

      Das ist eine interessante Beobachtung, daß die Zahl der Handynutzer in China weniger geworden ist. Aber daraus schließen kann man erstmal garnichts, nur rumrätseln, woran das liegen könnte. Könnte ja auch sein, das manche ihr Zweit- und Dritthandy aufgegeben haben, weil sie mit dem Aktualisieren von einem schon kaum nachkamen, oder sowas. Denn daß ein Handyvertrag ordentlich gekündigt wird, wenn jemand verstirbt, erscheint mir jetzt nicht so arg wahrscheinlich (halte das für sehr niedrigprioritär) – allerdings kenne ich die derzeitige chinesische Handyvernetzung bzgl. Konten etc. nicht.

  1. 6
    Wolfgang

    Auch als Zivilist kenne ich meine Blutgruppe. Nach 103 Blutspenden in 52 Jahren ist die mir bekannt.
    PS.:
    Die letzte Blutspende aus diesem dicht getakteten Vorsorgprogramm half mir selbst, durfte nicht spenden, Tipp zum Arzt gehen, Darmkrebs wurde recht früh erkannt. Bei der Ehrung für die 100te Spende waren die Rot-Kreuzler für das Werbeargument erfreut: „Blutspender profitierte durch seine Spende selbst gesundheitliich!“

    • 7
      Brockenteufel

      Na, das mit den 52 Jahren kann aber nicht ganz stimmen, dann hätten Sie ja schon mit 8 Jahren Ihre erste Blutspende getätigt.Denn mit 60 Lebensjahren ist auch mit seltenen Blutgruppen Schluß (bei mir B-). Sie müssen aber mind. 18 Jahre alt sein um Blut spenden zu dürfen.Ich durfte nach dem 60. Lebensjahr nicht mehr ´ran, obwohl ich noch wollte. 42 Spenderjahre will ich Ihnen gern glauben.

      • 8
        Buschmann

        Für Wiederholungsspender gibt es in Deutschland keine Obergrenze mehr. Wenn der begutachtende Arzt Sie für fit hält, dann dürfen Sie spenden.

        • 9
          Brockenteufel

          Das ist mir neu!!! Ich habe das Blutspende-Abzeichen „Gold mit Silberkranz“ und als ich vor 2 Jahren ,ich war gesund, nochmals wieder Blutspenden wollte, lehnte man mich auf Grund meines Alters (62) mit der Begründung ab, ab 60 wäre keine Spende mehr möglich. Ein Arzt hat mich nicht untersucht.

    • 11
      Eloman

      Sehe ich genauso wie im verlinkten Artikel dargestellt. Ohne die wochen- oder vielleicht sogar monatelange Vertuschung der Infektion in China und das mundtod machen der Whistleblower wäre es vermutlich nie zu einer globalen Pandemie gekommen und die Entwicklung geeigneter Medikamente und/oder Impfstoffe hätte viel früher beginnen können. Insofern sollte man der chinesischen Propaganda nicht auf den Leim gehen und die ganzen im Artikel genannten Hilfslieferungen usw. eher als Chinas bzw. des chinesischen Regimes verdammte Pflicht und Versuch der Wiedergutmachung und Schadensbegrenzung einordnen.

  2. 13
    Hannes

    Juhuu! Deutschland hat alles im Griff! – 2.000 Corona-Tests sind in einem privaten baden-württembergischen Labor liegengeblieben und nicht analysiert worden, weil vorübergehend die notwendigen Chemikalien fehlten. Ein Teil davon ist jetzt nicht mehr verwertbar. Die Proben wurden zwischen dem 14. und 18. März in den Landkreisen Bodenseekreis, Ravensburg, Tübingen und Biberach gesammelt. Personen, die dort in dieser Zeit Proben abgegeben haben und bis dato noch kein Ergebnis erhalten haben, sollen noch mal Proben abgeben. – So funktioniert Krisenmanagement in Deutschland, und man behauptet immer noch, bei uns ist alles besser, als in Italien. (Quelle: merkur.de)

    • 14
      Vorwärts immer

      Ist ja fast wie bei den Wahlen.
      Da bleibt auch gelegentlich mal was liegen oder kommt in den „falschen“ Stapel.
      Die potentiell „falsch Positiven“ haben Glück gehabt, die „falsch Negativen“ hätten Pech gehabt.
      Für den Rest wär´s gut gewesen.

  3. 17
    Heinrich Wolter

    Es verwirrt mich etwas, daß die meisten Italiener Blutgruppe 0 haben (siehe Grafik),und damit geringere Erkrankungsrate und Todesfälle haben sollten nach Artikel. Auch Spanien mit deutlich mehr Null- als A-Bevölkerung passt nicht so richtig in die Schlußfolgerung der Studie.

    • 18
      Michael Klein

      Wenn 44% der Bevölkerung oder so Blutgruppe 0 haben, bleiben noch genügend in Blutgruppe A übrig. Wenn Sie aus Daten, die man eigentlich nur schwer vergleichen kann, einen Schluss ziehen wollen, dann den, dass alles in Italien noch schlimmer wäre, wenn nicht so viele Blutgruppe 0 hätten. Im übrigen macht Sie Blutgruppe 0 NICHT immun, es gibt nur einen Zusammenhang mit ihrer Wahrscheinlichkeit, zu erkranken bzw. an COVID-19 zu sterben.

  4. 19
    Eloman

    Gibts was zu den anderen Blutgruppen? Meine Frau hat zB AB- . Meine kenne ich nicht. Als ich vor Jahren mal stationär im KH war, sagte man mir auf meine Frage danach, das würde eh bei jeder Einlieferung neu getestet.

  5. 21
    Heiner

    Korrelationen und mögliche Kausalitäten sind in der Medizin immer sehr kritisch zu werten, wenn man nur auf ein Merkmal abhebt, wie hier die Blutgruppe. Auch wenn man Alter und Geschlecht ausklammert, bleiben immer noch eine Vielzahl weiterer Gründe und Möglichkeiten. Größe, Gewicht, Ernährungszustand, körperlicher Trainingszustand, Vorerkrankungen, durchgemachte Infektionen, Impfstatus usw. usf. Der Möglichkeiten gibt es viele, sie sind nahezu unbegrenzt.
    Sicher ein interessanter Ansatz, aber man müßte tiefer in die Subgruppenanalyse gehen, um wirkliche Wahrscheinlichkeiten abzuleiten.

  6. 22
    Petra

    Die Blutgruppe 0 (meine) ist die älteste Blutgruppe, die anderen sind erst entstanden als die Menschen sesshaft wurden und Landwirtschaft betrieben.

  7. 27
    Shitlord

    „OR 1.20; 95% CI 1.02~1.43, P = 0.02“. Das wäre für Gruppe A.

    Das heißt dann wohl, dass im 10% CI die 1 drin ist. Würde ich nicht viel drauf geben; ich hab zudem mal irgendwo gelesen, dass epidemiologisch alles <3 eher als Zufall gesehen wird, da zu geringe Fallzahlen.

    Für Gruppe 0 sind die Zahlen OR, 0.67; 95% CI 0.60~0.75, P < 0.001. Das ist zumindest 30%/50%, wie rum man halt rechnet; das wäre mal in der Nähe einer Hausnummer. Stellt sich nur die Frage: Warum?! Mehr Antikörper? Gegen – äh – ja?! Macht irgendwie einen gewissen Sinn. Oder auch nicht. Irgendwelche Biologen hier?

    • 28
      401

      Sie haben Recht. Die in der Studie im Anhang ausgewiesene Tabelle (1) kann eigentlich nur den Vorteil (Faktor 0.66 für die Beteiligung an Krankheitsdramatik) der Blutgruppe 0 sicher belegen. Für die anderen Gruppen, also A B AB, kann dies nicht sicher belegt werden.
      Wenn Gruppe 0 unter Durchschnitt am Geschehen beteiligt ist, müssen dem entspechend andere Gruppen statistisch aufgewertet erscheinen. Das tun sie auch (siehe dazu besonders gegenteiliges in ‚Shenzen area‘), jeweils unterschiedlich ausgeprägt.
      Der herausgestellte, nachteilige Effekt für Gruppe A scheint hier mindestens überbewertet.

    • 29
      georg harald Mehlhorn

      Wie schon in der Antwort an Zargel. Wir stellen gerade in Papier fertig, in dem wir solche Zusammenhänge mit knapp 200 wissenschaftlichen Studien belegen. Wenn Herr Klein einverstanden ist, kann ich das hier posten.

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