Bürgergängelung: Gutmenschen im Dienst am eigenen Interesse

Man sollte denken, dass der Schutz bürgerlicher Freiheit und die Abwehr staatlicher Versuche, Bürger zu gängeln, ein gemeinsames Interesse aller Bürger ist. In der reinen Theorie mag das auch der Fall sein. In der Realität gibt es jedoch Interessen, z.B. das Interesse sich auf dem Rücken anderer Bürger ein Auskommen zu verschaffen. Wer ein solches Interesse hat, der behauptet derzeit z.B. er würde Rechtsextremismus bekämpfen, macht sich zum Büttel seines Staates und erhält als Belohnung Steuergelder als Lebensunterhalt.

Um derartige Interessen am Geld anderer verfolgen zu können, sich in den Besitz von Steuergeldern, also von Geld anderer zu bringen, ohne eine messbare Gegenleistung zu liefern, einen Nutzen für die entsprechenden Bürger bereitzustellen, ist es sinnvoll, eine Organisation zu gründen. Eingetragene Vereine stehen hoch im Kurs. Auch Gesellschaften oder Stiftungen, die dem Guten und Reinen gewidmet sind und deshalb mit Steuergeldern gefüttert werden, während sie selbst eine Steuerbegünstigung genießen, sind ein nützliches Mittel, wenn man versucht, die eigenen Interessen durchzusetzen.

Was nun noch fehlt sind Behauptungen wie: Man sei nur am Wohl der Bürger interessiert, wolle Bürger nur schützen, wolle deren Glück und Wohlstand sichern und dergleichen BS. Und weil jede Hans-Wurst-Organisation derzeit diese Behauptungen im Standard-Repertoire hat und in großer Menge als Presseerklärung verbreitet ohne darzulegen, was sie eigentlich dazu qualifizieren oder berechtigen soll, die Interessen anderer wahrzunehmen, deshalb muss man sich differenzieren, am besten, in dem man eine Studie in Auftrag gibt.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von Gutmenschen ausging, dass alle Menschen geschützt werden sollen. So machten sich auch die Deutsche Adipositas Gesellschaft, die Deutsche Diabetes Gesellschaft, die Deutsche Diabetes Stiftung, die Deutsche Diabetes Hilfe, die „Gesundheitsstadt Berlin“, der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland und die Universität Kiel sogleich auf, um Menschen zu schützen, Bürger zu schützen, und zwar vor Adipositas.

So die Geschichte.

Die sieben Organisationen, deren Ziel darin besteht, Bürger vor Adipositas zu schützen, haben sogleich Tobias Effertz, Privatdozent an der Universität Hamburg (also nur mit Zeitvertrag angestellt) damit beauftragt, eine Studie zu erstellen, eine Studie, die zeigen soll, wie man Bürger vor Adipositas schützen kann, ohne zu verhindern, „dass jeder selbst entscheiden [kann], was er kauft“.

Diese Losung, jeder solle selbst entscheiden, was er kauft, ausgegeben von Ulf Fink, CDU-Gesundheitspolitiker und einer derjenigen, die es schaffen, zumindest sich um den Verstand zu reden, gilt seit der Erfindung des „Nudgings“ (Schubsen in Deutsch) als nicht mehr im Gegensatz dazu stehend, dass man Menschen faktisch die Wahlfreiheit beschneidet, wenn man die Handlungsalternativen durch Nudging verteuert. Wer würde wenn er die Wahl zwischen herkömmlicher Besteuerung und der Möglichkeit, 25% seines Einkommens direkt an Einrichtungen seiner Wahl zu verteilen, ohne dass sich auch nur ein Staatsdiener einmischt, noch die herkömmliche Besteuerung über das Finanzamt wählen? Seltsamerweise findet sich diese Art des Nudgings zur Freiheit nicht.

Stadt Bürgern Freiheit vom Staat zu erkämpfen und Wahlmöglichkeiten zu geben, lautet die Losung: Bürger in ihrer Handlungsfreiheit beschränken, damit sie sich nicht am Ende so entscheiden, wie sie wollen. Und so haben die genannten Organisationen nicht etwa eine Studie beauftragt, deren Ziel darin besteht, Bürger von staatlicher Gängelung frei zu machen, sondern eine Studie, die zeigen soll, dass noch mehr staatliche Gängelung glücklich macht. Nicht Gängelung macht frei, aber Gängelung macht schlank, und Schlanksein ist natürlich wichtiger als Freiheit … oder Glück.

Das zeigt die angebliche Studie von „PD Dr. Tobias Effertz, Universität Hamburg“: 0% Steuer auf Obst und Gemüse, 7% Steuer auf „normalen Lebensmitteln wie Nudeln, Milch oder Fleisch“, 19% Steuer auf Produkten mit viel Zucker und bis zu 29% Steuer auf Softdrinks. Wenn es darum geht, andere Menschen zu gängeln und in ihrer Wahlfreiheit zu beschränken, dann kennt die Besteuerungswut der Gutmenschen keine Grenzen, dann machen sie sich zum besten Vasallen ihres geliebten Staates und verbünden sich mit ihm, gegen die fetten Bürger, die – wenn man nicht auf sie aufpasst – fressen bis sie dick werden.

Tobias Effertz ist damit beauftragt zu zeigen, dass die höheren Steuern auf Nahrungsmitteln mit hohem Kalorienanteil und viel Zucker und saturierten Fettsäuren dazu führen, dass Bürger weniger davon in sich hineinstopfen und entsprechend zumindest nicht noch fetter, am besten dünner werden.

Nun ist es eine simple Wahrheit, dass der, der weniger isst, auch dünner ist als der, der mehr isst. Man muss nur die Opfer einer Hungersnot mit dem normalen Besucher eines Staatsbanketts vergleichen und sieht diesen Zusammenhang. Will man jedoch für Organisationen wie die besorgten Schützer der Menschheit vor Adipositas zeigen, was offenkundig ist, dann muss man sich entsprechend etwas einfallen lassen.

So etwas zum Beispiel:

𝐸I𝑟ep.,𝑗= 𝛽1,𝑗𝑃G1,𝑗+𝛽2,𝑗𝑃G2,𝑗+𝛽3,𝑗𝑃G3,𝑗+𝛽4,𝑗𝑃G4,𝑗+𝛽5,𝑗𝑃G5,𝑗….+𝛽𝑁,𝑗𝑃G𝑁,𝑗

Stark – oder? Beeindruckend und doch nichts anderes als die lineare Beschreibung des Zusammenhangs, dass derjenige, der mehr isst, auch mehr Kalorien aufnimmt. Um diesen trivialen Zusammenhang etwas wirkmächtiger zu machen, wurde die Kalorienaufnahme (EI = Energy Inake), einfach in verschiedene Produktgruppen zerlegt (PG), die aus verschiedenen Produkten bestehen, die mehr oder weniger Zucker usw. enthalten.

Um diesen Zusammenhang, (mehr essen, mehr Kalorien) zum Körpergewicht weiterzuentwickeln (nicht vergessen, es geht um Adipositas) ergänzen wir noch ein wenig Zinnober zur aufgenommenen Kalorienmenge, z.B. das Alter, das Geschlecht (vor allem Geschlecht), die physische Aktivität (wohlwissend, dass Dicke keinen Marathon laufen), die Körpergröße und die verzehrten Kalorien.

Und nun untersuchen wir, wie sich die Verteuerung von Produkten mit viel Zucker, gesättigten Fettsäuren, Sie wissen schon, und die Verbilligung von Obst und Gemüse auf die Entwicklung von EI, also die Kalorienaufnahme und das Körpergewicht auswirken. Dazu nehmen wir an, dass höhere Preise zu reduziertem Konsum führen und geringere Preise zu höherem Konsum und weil das so trivial ist, nennen wir es Elastizität der Nachfrage. Das angenommen können wir nun zeigen, dass dann, wenn die Steuern auf zuckerhaltige, fette Marsriegel erhöht werden, der Konsum von Marsriegeln zurückgeht, nicht weil er wirklich zurückgehen würde, denn das haben wir nicht gemessen, sondern weil wir annehmen, dass er zurückgeht, und weil der Konsum zurückgeht, und annahmegemäß der Konsum von billigem Obst und Gemüse steigt, deshalb sinkt die Menge der aufgenommenen Kalorien im Vergleich zu unserem Ausgangsmodell, eben weil weniger Zucker konsumiert wird. Und schwupp-di-wupp können wir zeigen, dass das Körpergewicht im Aggregat zurückgeht, dass Adipositas also vermutlich und vielleicht reduziert wird.

Es gehört zu den Geheimnissen mancher Ökonomen, wie sie es schaffen, sich selbst davon zu überzeugen, dass dann, wenn alle Annahmen, die sie in ihr Modell stecken, zutreffen und eben das herauskommt, was sie angenommen haben, etwas anderes herausgekommen ist, als sie selbst angenommen haben. Oder: Es  ist erstaunlich, dass es manche Ökonomen schaffen, dann, wenn die Annahme die sie machen, zu dem Ergebnis führt, das sie mit den Annahmen vorgegeben haben, dieses Ergebnis als etwas ganz Neues zu verkaufen.

Aber sei’s drum.
Die Beschützer der Menschen, die Deutsche vor Adipositas retten wollen, wollten nur eine Bestätigung dafür, dass höhere Steuern auf Zucker dünnere Deutsche zur Folge haben, was ja auch nicht ganz falsch ist: Wenn man z.B. allen Deutschen gar keinen Lohn mehr ausbezahlt und ihnen dafür Wertmarken aushändigt, mit denen sie nur die Waren erhalten, die in einem unter staatlicher Aufsicht erstellten Warenkorb enthalten sind, der weder in der Gefahr steht, dicke Deutsche zu produzieren noch betrunkene oder rauchende Deutsche, dann hat dies mit Sicherheit eine Auswirkung auf den Körperumfang der Deutschen.

Indes, es hat auch eine Auswirkung auf Substitute.
Dummerweise sind Menschen nämlich findig, auch wenn man mit Blick auf das, was sich derzeit an manchen Universitäten einfindet, eher der Ansicht sein kann, dieses „Naturgesetz“ sei falsch. Weil Menschen findig sind, deshalb finden sie Lösungen für Restriktionen, die ihnen von ihrem Staat verordnet werden, die sie aber nicht für richtig halten. Eine solche Lösung ist ein Schwarzmarkt. Ein solcher würde sich mit Sicherheit entwickeln, würde ein Staat seine Bürger auf Grundlage von Rabattmarken füttern wollen. Substitute werden Bürger auch dann finden, wenn die Steuern auf Zuckerhaltiges 29% betragen. Man kann Gemüse ganz streichen, um den Marsriegel zu essen. Man kann sich eine Bezugsquelle im freien, unbesteuerten Ausland schaffen und Marsriegel einschmuggeln. Man kann sich andere Dinge sparen, den Gang ins Kino, ins Sportstudio, die Weihnachtsgeschenke, kann mehr auf eigene Rechnung arbeiten, gegen Marsriegel … Menschen sind findig. Findiger als die Organisationen der Beschützer der Deutschen vor Adipositas.

Denen kann man eine Studie von 20 Seiten verkaufen, in der belegt wird, dass dann, wenn man annimmt, das höhere Preise die Nachfrage reduzieren, im Modell gezeigt werden kann, dass höhere Preise die Nachfrage reduzieren.

Unser Vorschlag gegen Adipositas: Lohn für Funktionäre reduzieren, Dienstfahrzeuge streichen und Aufenthalt am Schreibtisch regelmäßig durch einen Kilometer Daurlauf unterbrechen.

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Europa: Vereint in Alkohol und Adipositas

Gute Nachrichten aus Genf.

Dort hat die Weltgesundheitsorganisation gerade den “European Health Report” für das Jahr 2015 vorgestellt. Der Bericht zeigt eindeutig: Die Rede von den Rissen, die durch Europa gehen sollen, die Rede davon, dass Europäer sich nicht mehr einig seien, sie ist falsch.

Europäer sind sich, so kann man den Bericht der WHO zusammenfassen, sehr einig, sehr einig darüber, was das Leben lebenswert macht:

Essen und Alkohol trinken.

Diese beiden Tätigkeiten füllen das Leben vieler Europäer und nicht nur das Leben, sondern auch die Mägen und den Leib: 11 Liter reinen Alkohol nimmt der durchschnittliche Europäer pro Jahr zu sich, rund 30% mehr als der durchschnittliche Nordamerikaner, der nur auf rund 8,4 Liter reinen Alkohols kommt.

Die Einheit im Delirium, die Europäer sind ihr deutlich näher als die Nordamerikaner.

Pure alcohol

Dafür haben Nordamerikaner bei der Körperfülle die Nase vorn: 61% der Nordamerikaner gelten als übergewichtig gegenüber 58,6% der Europäer, 27% der Nordamerikaner sind adipös gegenüber mageren 23% der Europäer.

Die Wohlfühl-, Trink- und Essgemeinschaft der Europäer ist jedoch gefährdet, wie der Bericht der WHO auch zeigt, wandern doch in letzter Zeit viele Personen aus Ländern zu, in denen es weder eine europäische Ess- noch eine entsprechende Trinkkultur gibt. Ganze 0,7 Liter reinen Alkohols nimmt der durchschnittliche Syrer in einem Jahr zu sich, 0,7 Liter, die entsprechend ohne Wirkung auf seine Körperfülle bleiben, die aufgrund der Essgewohnheiten, die vornehmlich vegetarisch und fleischlos sind, sowieso schon deutlich hinter dem zurückbleibt, was ein Europäer auf die Waage bringen kann.

Die wahre Gefahr der Zuwanderung, so zeigt sich, sie droht der europäischen Ess- und Trinkeinheit: Wenig- oder schlimmer noch: Nichttrinker, die in großer Zahl vornehmlich in Deutschland zuwandern, sind eine Gefahr für den durchschnittlichen Alkoholkonsum. Wenn es nicht gelingt, die Binnennachfrage unter der authochtonen Bevölkerung zu erhöhen, ist damit zu rechnen, dass tatsächlich Risse in der Europäischen Einheit zu sehen sind, Risse, die sich darin zeigen, dass Deutschland plötzlich unter dem europäischen Durchschnitt in Körperfülle und Alkoholaufnahme liegt.

Und was würde dies für die Europäische Union und schlimmer noch, den europäischen Sinn des Lebens bedeuten?

Neue Hypothese: Herodes hat mit Tötung der Erstgeborenen Adipositas bekämpft

Seit Jahrtausenden wird Herodes als blutrünstiges Monster verunglimpft, das die eigene Macht durch Tötung aller Erstgeborenen sichern wollte.

Die Erzählung ist falsch. Ein Mythos.

Herodes ist nicht der machthungrige Auftraggeber der ersten Todessquads, er ist ein Vorreiter des modernen Nudgings.

Nudging-Science-CliffNudging, Stammleser von ScienceFiles wissen das, ist der Versuch von Regierungen, ihre Bevölkerung zum von der Regierung als richtig postulierten Lebensweg zu bringen. Wer könnte dazu geeigneter sein als Regierungen? Schließlich hat wissenschaftliche Forschung gezeigt, dass Menschen sich nicht immer rational verhalten. Die entsprechende Forschung ist zwar schon irgendwo zwischen alt und uralt, das hat Cass Sunstein jedoch nicht daran gehindert, sein Konzept des Nudging zu verbreiten, das vorsieht, Menschen zu ihrem Glück zu zwingen, nein, natürlich nicht zu zwingen, sie zu schubsen.

Die deutsche Regierung hat die Idee, die eigenen Bürger zu schubsen, mit Begeisterung aufgenommen, schon weil die in Regierungen versammelten Politiker alle um ihre geistige Überlegenheit wissen, die sie dazu befähigt, besser als Fritz B. zu wissen, was für Fritz B. gut ist. Entsprechend wird Fritz B. zum richtigen und guten Leben geschubst, durch Steuern, Abgaben, Verpflichtungen, die ihn dazu bringen, all das zu lassen, was ihm und der Regierung schadet und all das zu tun, was der Regierung nutzt.

Denn: Regierungen sehen das große Ganze, sehen da weiter, wo der beschränkte Horizont von Individuen am Ende ist, wissen, was die Zukunft bringt und in der Gegenwart zu zahlen ist … von anderen.

Und Herdodes, Herodes war der Vorkämpfer des modernen Nudgings. Er hat nicht nur vorhergesehen, dass die Zukunft Unruhe, Bürgerkrieg, ja die Zerstörung von Tempeln mit sich bringt, nein, er hat auch gewusst, welche unsäglichen Konsequenzen für die Volksgesundheit von Adipositas ausgehen.

Das legt eine Untersuchung nahe, die José G. B. Derraik und vier Kollegen gerade im Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlicht haben: Erstgeborene haben ein höheres Risiko, fett zu werden als Zweitgeborene, so das Ergebnis, das auf der Analyse von Daten für 13.406 schwedische weibliche Geschwisterpaare basiert.

Das Ergebnis ist von hoher Relevanz für die Volksgesundheit, sind die Forscher doch der Ansicht, dass durch das Schrumpfen der Familie, die nurmehr aus maximal vier Personen besteht, die Adipositas der Erstgeborenen stärker ins Gewicht fällt und den Bevölkerungs-BMI negativ beeinflusst. Die Adipositas-Pandemie, die gesetzliche Krankenversicherungen weltweit in den Ruin zu treiben scheint, sie hat damit eine eindeutige Ursache: Erstgeborene.

HerodtheGreatWieder erweist sich Herodes als weitsichtiger Herrscher, als Nostradamus der antiken jüdischen Welt, als erster Nudger der Weltgeschichte und als jemand, der weiß, dass man dann, wenn es um die Volksgesundheit und die Zukunft geht, als weitsichtiger Herrscher, der über die fehlerhafte Handlungsentscheidung des lumpigen Individuums, wie Engels sagt, erhaben ist, seine Regierung auch an unpopulären und harten Maßnahmen nicht darf scheitern lassen.

Entsprechend muss man die Tötung der Erstgeborenen, die Herodes angeordnet hat, im Lichte der neuen Erkenntnisse neu bewerten. Nicht die Angst vor einem Verlust der Macht hat Herodes getrieben, sondern die Sorge um die Volksgesundheit. Eine Rehabilitätion von Herodes ist somit überfällig.

Dass Herodes nur männliche Erstgeborene hat töten lassen, ist vermutlich dem damaligen Stand der wissenschaftlichen Forschung geschuldet, die den Zusammenhang zwischen der Geburtsfolge und Fettleibigkeit für Männer bereits nachgewiesen hat, so wie dies auch in der modernen Forschung der Fall ist, die den entsprechenden Zusammenhang, der nun von Derraik et al.. für Frauen nachgewiesen wurde, für Männer schon seit Jahren kennt.

Nicht einmal die Regierenden haben volle Information, aber volle Überzeugung haben sie, wenn es darum geht, anderen den richtigen Weg zu weisen.

Derraik, José G. B., Ahlsson, Fredrik, Lundgren, Maria, Jonsson, Björn & Cutfled, Wayne S. (2015). First-borns Have Greater BMI and are More Likely to be Overweight or Obese: A Study of Sibling Pairs Among 26 812 Swedish Women. Journal of Epidemiology & Community Health; doi:10.1136/jech-2014-203568.

Neues Wundermittel – Essen ohne dick zu werden?

Wissenschaft macht es möglich!

Haben Sie auch genug davon, dass Ihnen die Weltgesunheitsorganisation ständig ihren Body-Mass-Index vorhält und ihnen belegt, wie schlecht sie, gemessen am WHO-Ideal, abschneiden, dass sie adipös, mit einem Wort: FETT sind?

Dass sie zu viel essen, zu viel Falsches und zu viel Fettes essen, sich zu wenig bewegen und, dass sie einfach eine Schande für den bewusst sich ernährenden und schlanken Teil der Bevölkerung sind?

Wie wäre es mit: Essen, ohne dick zu werden?

Wie wäre es mit: Essen, ohne dick zu werden und ohne sich in lachhaften Klamotten auf einem “Bike” beim Versuch, die 4%-Steigung am Ortsende zu erklimmen, lächerlich zu machen?

Vivek Krishnan, Kevin Fettel und Baskaran Thyagarajan von der University of Wyoming scheinen genau das richtige für Sie gefunden zu haben:

chili peppersRED HOT CHILI PEPPERS

Vielleich auch weniger scharf und weniger rot, aber eine oder besser: viele Chilischoten sollten es schon sein, denn: Chilischoten enthalten Capsaicin, und Capsaicin scheint weiße Fettzellen, die sich einfach nur anlagern, z.B. um den Bauch, in braune zu verwandeln, die verbrannt werden, um z.B. die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten.

Eine geniale Methode, Fett loszuwerden – wenn sie funktioniert; verspricht Cpasaicin doch, die Fettleibigkeit, die sich ansonsten aus dem massenhaften Konsum von Chips, Schokolade, Burgern und sonstigem fettigen Nahrungsbestandteilen ergibt, zu unterbinden.

Also: Esst mehr Chilischoten, morgens, mittags und abends.

Disclaimer: Capsaicin hat keinen Effekt auf die sonstigen Begleiterscheinungen des Überfressens, und es ersetzt auch nicht den Respekt und das Bewusstsein, mit dem man Nahrungsmitteln eigentlich gegenüber treten sollte.

Mehr dazu:

Krishnan, Vivek, Fettel, Kevin & Thyagarajan, BaskaranDIETARY CAPSAICIN AND EXERCISE: ANALYSIS OF A TWO-PRONGED APPROACH TO COUNTERACT OBESITY

Scheidung und Scheidungsfolgen – Viel Gerede und kein Wissen

Die elterliche Scheidung ist eines jener Themen, mit denen es sehr leicht möglich ist, emotionale Reaktionen auszulösen. Etwa so: Die Scheidung von Eltern kann für Kinder ein Segen sein oder so: Die Scheidung von Eltern hat insgesamt betrachtet keinerlei negative Folgen für die davon betroffenen Kinder. Oder auch so: Wenn elterliche Scheidungen negative Konsequenzen für Kinder haben, dann deshalb, weil Beobachter der Scheidung die von ihnen erwarteten Folgen an die Kinder herantragen, sie fortan als Scheidungskinder stigmatisieren.

Tatsächlich kommt Dr. habil. Heike Diefenbach in ihrer Dissertation zum Thema “Intergenerationale Scheidungstransmission in Deutschland”, die auf den umfangreichen Daten der Mannheimer Scheidungsstudie basiert, zu folgendem Schluss: “In etwas provokanter Formulierung lässt sich daher die Hypothese aufstellen, dass die elterliche Scheidung für ein Kind lediglich insofern langfristige Folgen hat als es von da an für den Rest seines Lebens mit dem Merkmal, ein Kind geschiedener Eltern zu sein, ausgestattet ist” (Diefenbach, 2000: 276).

HD ScheidungstransmissionScheidung hätte entsprechend einen sozialen Effekt wie z.B. eine Verurteilung wegen einer Straftat. Es erfolgt eine gesellschaftliche Stereotypisierung, wenn nicht Stigmatisierung schon weil nunmehr z.B. Lehrern bekannt ist, dass das Kind, das bislang nicht auffällig war und seine Aufgaben zuverlässig erledigt hat, nunmehr und als Folge einer Scheidung bei nurmehr einem Elternteil lebt, was dazu führt, dass dieses Kind besonderer Beobachtung unterzogen wird, einer besonderen Beobachtung deren Ergebnis darin bestehen kann, Besonderheiten bei diesem Kind zu beobachten, die zwar bereits vor der Scheidung vorhanden waren, nunmehr aber bemerkt und bedenklich gefunden werden. Dies ist dann der zweite Teil der Stereotypisierung, die sekundäre Stereotypisierung, die den entsprechenden Kindern als Scheidungsfolge durch ihre Umwelt aufgebürdet wird.

Warum ist das so? Weil eine Scheidung an einer Heilsvorstellung kratzt, die historisch verankert, katholischen Ursprungs und voller affektiver Ladung ist, heute mehr so als früher. Die Heilsvorstellung geht etwa wie folgt: Eine Ehe ist ein institutionalisiertes Arrangement zwischen zwei Menschen, die sich lieben und sich ausschließlich positiv begegnen. Die Ehe wird durch Kinder erhöht, quasi in den Zustand der gesellschaftlichen Heiligkeit versetzt und ist fortan eine Kleinfamilie, die nicht nur gut ist, sondern ausschließlich aus gutem Wirken besteht. Kinder sind in Kleinfamilien geborgen, wachsen behütet auf, werden zu guten und arbeitsamen Mitgliedern der Gesellschaft und kommen auf keine schlechten Pfade. Alles Unheil beginnt damit, dass die Heiligkeit der Familie durchbrochen wird, weil sich die Eltern scheiden lassen.

Unverbunden mit dieser Vorstellung familiärer Idylle stehen die Diskurse, die man eigentlich als Widerlegung dieser Vorstellung ansehen müsste: Die Diskussion über häusliche Gewalt, die Diskussion über vernachlässigte Kinder, die Diskussion über gescheiterte oder zerrüttete Familien, die Diskussion über die Transmission von Kriminalität in Familien und vieles mehr. Sie beschreiben die Realität, und entsprechend sind sie mit der Heilsvorstellung der guten und wichtigen Familie nicht zu vereinbaren, werden ausgelagert in die kalte Welt außerhalb der eigenen wohligen Phantasie.

Die Familie steht nicht nur unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes und seit Josef mit Esel und Maria durch die Wüste gezogen ist, auch unter dem Schutz von gelegentlich einfliegenden Engeln, sie steht auch unter dem Schutz von Wissenschaftlern, oder solchen, die sich dafür halten und die ihre Hauptaufgabe darin sehen, gesellschaftliche Stereotype zu reproduzieren.

Happy familiyDeshalb ist es für sie normal, von zerrütteten Familien zu schreiben, wenn das Faktum, das sie vor sich haben lediglich aussagt, dass ein Kind, das Kind geschiedener Eltern ist und bei einem Elternteil oder mit einem Stiefelternteil aufwächst. Man hat sich fast an derart dumme und unfundierte Einordnungen gewöhnt, die auf der ungeprüften Prämisse basieren, dass mit dem Akt vor dem Standesbeamten alle negativen Effekte aus der Welt von Familien verbannt werden, quasi von magisch-staatlicher Hand, die, sofern das staatlich vergebene Band der Familie gebrochen ist, mit voller Wucht zurückkehren, um nunmehr die Kinder zu treffen und vom rechten Pfad der Tugend abzubringen.

Und weil die schöne Idee vom Heil der Familie so weit verbreitet ist, ist es unter manchen Wissenschaftlern, vor allem solchen, die empirische Daten zur Verfügung haben, in denen der Familienstand erfragt wurde, normal geworden, die unterschiedlichen Familienstände mit allem und jedem zu korrelieren. Die höchste Weihe politischer Korrektheit erzielen dabei diejenigen, die Scheidung mit anderen negativen Effekten, die der Staatspaternalismus nicht wünscht, in Verbindung bringen. Adipositas ist so ein negativer Effekt. Staaten und ihre nachgeordneten Wasserträger haben nämlich beschlossen, dass sie Dicke nicht wollen, und deshalb wird massiv gegen Dicke agitiert, Adipöse, wie es politisch korrekt heißt.

In den Reigen der für Staatspaternalismus nützlichen Wissenschaftler haben sich unlängst Anna Biehl und fünf Ko-Autoren eingereiht. Sie haben untersucht, wie Scheidung mit Adipositas zusammenhängt. Und siehe da: Sie haben einen Zusammenhang gefunden: 1.54 Mal häufiger sind Kinder geschiedener Eltern adipös als Kinder nicht geschiedener Eltern. Genauere Analysen haben gezeigt, dass nur Jungen geschiedener Eltern adipöser sind als Kinder nicht geschiedener Eltern, während Mädchen geschiedener Eltern nicht adipöser sind als Mädchen nicht geschiedener Eltern.

Nun stellt sich die Frage, was solche Ergebnisse aussagen. Kann man daraus schließen, dass sich Eltern mit adipösen Jungen eher scheiden lassen als Eltern mit nicht-adipösen Jungen? Muss man daraus schließen, dass nach einer Scheidung Jungen gemästet und Mädchen ausgehungert werden? Oder ist es gar so, dass Jungen nach einer Scheidung ihren Kummer in Essen erkauen, während Mädchen sich dürr hungern vor Kummer, zumindest nicht adipös essen. Oder hat die Scheidung gar nichts mit der Dicke von Kindern zu tun, weil sich z.B. Eltern aus Schichten oder sozialen Netzwerken, in denen Adipositas häufiger zu finden ist als in anderen, eher scheiden lassen? Gibt es am Ende ein Gen, das nur Jungen haben und das nach einer Scheidung überessen auslöst?

Peanuts theologzAll diese Fragen kann man stellen, wenn man nicht die Überzeugung teilt, dass mit dem Ende der heiligen Institution der Ehe, alles vor die Hunde geht. Teilt man dagegen diese Überzeugung, dann stellen sich die Ergebnisse anders dar, dann kann man spekulieren, warum sich eine Scheidung, von der man zwar nicht weiß, ob sie es tut, aber von der man aus Gründen der Bequemlichkeit einfach einmal annimmt, dass sie es tut, sich negativ auf die von der Scheidung betroffenen Kinder, also die Jungen insofern auswirkt, als sie dicker werden, wobei auch die Behauptung, dass sie nach der Scheidung dicker werden, eine ungeprüfte Annahme ist, so dass man sich bei Untersuchungen wie der von Biehl et al. (2014) regelmäßig fragt, warum sich die Autoren überhaupt die Mühe machen, Daten zu erheben und Berechnungen durchzuführen. Denn: Sie hätten ihre Überzeugung, dass die elterliche Scheidung schlecht für Kinder ist, auch ohne die Daten formulieren können, und man hätte die Daten nicht einmal vermisst:

“One can speculate as to whether the changing structure of daily life has a large effect on the children of divorced parents (living with only one parent or spending half their time with the mother and/or the father). The loss of various resources, like the absence of one of the parents or the loss of a parental figure, usually the father, can explain the negative implications of divorce. A consequence might be less time for domestic tasks such as cooking and reliance on more convenient, ready-to-eat foods. As processed foods tend to be higher in fat and calories and lower in nutritional value the result is an altered, less healthy diet. The household income and support from any non-custodial parent or the welfare state is often lower than in corresponding non-disrupted families” (6).

Hätte, wäre, wenn – wir sehen hier einen typischen Vertreter der Junk-Science, die nur dazu dient, eine Überzeugung, die man hat, als Ergebnis zu präsentieren. Damit es nicht auffällt, dass man nichts anderes will, als die eigene Überzeugung legitimieren, wird so getan, als habe diese Überzeugung etwas mit Daten zu tun, was sie regelmäßig nicht hat, denn nirgends belegen die Autoren, dass Scheidung überhaupt einen Effekt auf Adipositas hat. Es handelt sich eben um Junk Science, deren einziger Zweck darin besteht, Paternalismus zu legitimieren und gesellschaftliche Heilsvorstellungen zu untermauern. Daher ist es sicher kein Zufall, dass derartige Junk Science in einem medizinischen Journal erscheint, in einem Journal der Profession, die von Paternalismus mit am meisten profitiert.

Wäre dies anders, die Autoren hätten sicher geprüft, ob nach einer Scheidung all dies als Folge eintritt, was sie im obigen Zitat phantasieren. Der Zweck von empirischer Sozialforschung besteht ja gerade darin, Ideen über einen Effekt oder einen Zusammenhang zu prüfen, nicht darin, eine willkürliche Korrelation aufzuzeigen und dann zu “spekulieren”, wieso sich die Korrelation, die gleich noch zur Kausalität erklärt wird, eingestellt hat.

Biehl, Anna, Hovengen, Ragnhild, Groholt, Else-Karin, Hjelmesaeth, Joran, Strand, Bjorn Heine & Meyer, Haakon E. (2014). Parental Marital Status and Childhood Overweight and Obesity in Norway: A National Representative Cross-sectional Study. Britisch Medical Journal Open access.

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