COVID-19-Daten aus Spanien: Fast 40% positiv Getesteter haben eine Lungenentzündung

Wir haben es bereits mehrfach geschrieben, wir wiederholen es an dieser Stelle.

Wie die meisten öffentlichen Debatten, die in Deutschland geführt werden, so ist auch die Debatte um COVID-19 zwischenzeitlich zu einer ideologischen Debatte, zu einem Glaubenskrieg verkommen, in dem es nicht mehr darum geht, die Aussagen zu finden, die die Realität am besten beschreiben, sondern Aussagen, die die eigene Ideologie am besten widerspiegeln als angebliche Realität durchzusetzen.

So kann man keine öffentliche Diskussion führen. So kann man sich nur entzweien, bekriegen und von dem ablenken, um was es eigentlich geht: COVID-19 und seine Letalität.



Derzeit steht die internationale Zählung bei 39.784 Toten, davon sind 8.269 in Spanien zu beklagen.
Hinter jedem einzelnen dieser 39.784 Toten verbirgt sich ein Mensch, der an Pneumonie elend erstickt ist oder der nicht mehr aus dem künstlichen Koma, das notwendig ist, wenn Patienten zwangsbeatmet werden müssen, weil sie selbst nicht mehr in der Lage sind, genug Luft zu schnappen, aufgewacht ist, ein Mensch, der (vermutlich) gerne noch gelebt hätte.

In der ideologischen Auseinandersetzung bleiben menschliche Einzelschicksale auf der Strecke. Sie werden zu einer Nummer, einem Toten, zu zwischenzeitlich sehr vielen Toten. Nicht einmal aggregierte Daten schaffen es in die offizielle Diskussion, in der es darum geht, ob Pneumoniefälle deshalb so häufig sind, ob italienische und spanische und zunehmend britische Krankenhäuser deshalb Probleme haben, der Zahl der Erkrankten Herr zu werden, weil es in Norditalien Luftverschmutzung gibt. Es wird über Länder diskutiert. Zuweilen schaffen es einige Daten, z.B. die Daten, die wir über die Erkrankten in China und Italien veröffentlicht haben, in einen begrenzten Ausschnitt der Debatte. Ansonsten wird über Länder geredet, als sei die ganze Pandemie ein Spiel mit steigenden Zahlen, eine Art Quartett, mehr nicht.

Wir haben für diesen Post Daten aus Spanien besorgt, um zu analysieren, wer eigentlich diejenigen sind, die in Spanien an COVID-19 erkranken, die ins Krankenhaus eingeliefert werden, die dort sterben.

Die im Folgenden dargestellten Daten sind tagesaktuell. Sie wurden heute vom spanischen Ministerio di Sanidad veröffentlicht. Im Vergleich zu den Daten, die wir auch China und Italien kennen, sind die Daten aus Spanien erfreulich detailliert, so dass man erstmals Vergleiche zwischen denen ziehen kann, die erkranken, die stationär behandelt werden müssen, die auf eine Intensivstation verlegt werden müsse und die sterben.

Die erste, wenig überraschende Erkenntnis, die aus den sehr guten spanischen Daten entnommen werden kann: Alte sind gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil unter denen, die sich infizieren, überrepräsentiert. Erkrankte finden sich in allen Altersgruppen, überproportional vertreten sind die Altersgruppen ab 50 Jahre bei Männern und ab 45 Jahre bei Frauen. Die folgende Abbildung aus dem Bericht des spanischen Gesundheitsminsteriums zeigt dies eindrücklich:

Was man der Abbildung noch entnehmen kann: Geht es um die Ansteckung mit COVID-19, dann gibt es zwischen Männern und Frauen kaum (mit Ausnahme des gerade erwähnten) einen Unterschied. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind ein Ergebnis des Verlaufs der Erkrankung. Mit anderen Worten, während Männer einen Anteil von 50,3% unter denen halten, die an COVID-19 erkrankt sind, entwickeln mehr Männer als Frauen (60% zu 40%) eine Lungenentzündung, landen mehr Männer als Frauen auf einer Intensivstation in einem spanischen Krankenhaus (58% zu 42%) und sterben mehr Männer als Frauen an COVID-19 (67% zu 33%).

Die neuesten Daten des Ministeriums beruhen auf der Auswertung von 46.885 an COVID-19 Erkrankten. Davon sind 32,8% unter 50 Jahre alt. Die Symptome, die die Erkrankten aufweisen sind weitgehend alte Bekannte:

  • Fieber (77,3%);
  • Husten (76,7%);
  • Atemnot (44,7%);
  • Lungenentzündung (36,9);
  • Schüttelfrost (35,7%);
  • Halsschmerzen (26,4%);
  • Akute Atembeschwerden (5,4%);


Fast 40% der an COVID-19 Erkrankten leiden an einer Lungenentzündung. 49,1% aller an COVID-19 Erkrankten in Spanien (n = 20.330) benötigen eine stationäre Behandlung, 4,9% (n = 1.471) müssen auf eine Intensivstation verlegt werden und 5,3% der Erkrankten sterben. Damit ist die Case Fatality Rate in Spanien um das 53fache höher als bei einer Influenza.

Dass die Sterblichkeit mit dem Alter der Patienten steigt, ist eine bekannte Beobachtung. Die folgende Abbildung zeigt die Verteilung der Sterblichkeit bezogen auf Alter und im Vergleich zur Häufigkeit einer Erkrankung an COVID-19 in der jeweiligen Altersgruppe. 

Die spanischen Daten enthalten eine sehr interessante Aufschlüsselung danach, zu welchen Risikogruppen die an COVID-19 Erkrankten gehören. Demnach befinden sich 3.798 Ärzte und Pfleger unter den Erkrankten, die sich vorzugsweise bei Patienten mit Atemwegserkrankungen angesteckt haben. Die an COVID-19 Erkrankten, die derzeit in spanischen Krankenhäusern behandelt werden, sind ausschließlich Personen, die sich innerhalb spanischer Gemeinden infiziert haben. Es gibt keinen Erkrankten, der Kontakt mit einer Person hatte, die aus China, Wuhan oder Hubei, nach Spanien eingereist ist oder die selbst die entsprechenden Regionen in China besucht haben. SARS-CoV-2 verbreitet sich in Spanien also aus eigener Kraft. Es muss nicht mehr importiert werden.

Die hohe Zahl an Lungenentzündungen, die aus Spanien gemeldet wird, findet ihren Niederschlag in der folgenden Tabelle, der man entnehmen kann, dass die Häufigkeit von Lungenentzündungen mit dem Alter steigt, dass aber dennoch mehr alte Patienten ohne Lungenentzündung eingeliefert werden als mit einer Lungenentzündung.

Die nächste Tabelle zeigt, dass ältere Menschen eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, auf eine Intensivstation verlegt zu werden und an COVID-19 zu sterben. Die Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu sterben, wird durch eine Vorerkrankung an Diabetes, durch Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauferkrankungen erhöht. Die Anzahl der entsprechenden Patienten unter den Verstorbenen ist aber vergleichsweise gering.


Red National de Vigilancia Epidemiologica (2020). Informe sobre la situatión de COVID-19 en Espana. Informe COVID-19 no 18.30 de marzo de 2020.



Fakten zu SARS-CoV-2/COVID-19:




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