Deutschland und Spanien – vollkommen verschieden oder nur zeitlich verzögert – COVID-19 Analyse

Seit wir über COVID-19 berichten, sind wir von der geringen Sterblichkeit, die deutsche Statistiken ausweisen, fasziniert. Geht man davon aus, dass das Virus in Spanien wie in Deutschland auf eine Bevölkerung ohne jegliche Immunität trifft, geht man weiter davon aus, dass das Virus sich in Deutschland und in Spanien in etwa zur selben Zeit eingefunden hat, dann ist die Tatsache, dass so viele Spanier und so wenige Deutsche an COVID-19 sterben, zunächst einmal ein Rätsel.

Die Identifikation von Menschen, die an COVID-19 erkrankt und daran gestorben sind, erfordert zunächst einmal einen Test auf SARS-CoV-2. Wie der letzte Bericht des Robert-Koch-Instituts, der verfügbar ist, zeigt, wurden bislang in Deutschland 918.460 Tests auf SARS-CoV-2 durchgeführt. In Spanien wurden derer 355.000 durchgeführt (Angaben von Worldometer). Positiv getestet wurden bis 0.00 Uhr am 7. April 2020 in Spanien 136.675 Menschen in Deutschland 103.375. Das macht eine Erfolgsrate von 38,5% in Spanien und von 11,3% in Deutschland. Da in beiden Fällen nur eine selegierte Gruppe der Bevölkerung getestet wurde, kann man feststellen, dass die Spanier mit ihren Tests offensichtlich zielgenauer die mit SARS-CoV-2 Infizierten aufspüren. Das basiert natürlich auf der Prämisse, dass sich SARS-CoV-2 in beiden Ländern mit der selben Rate reproduziert.



Nicht nur haben die Spanier ihre Tests entweder effizienter eingesetzt oder auf anderen Kriterien basierend getestet als dies in Deutschland der Fall ist, sie haben offensichtlich auch andere Bevölkerungsgruppen getestet, wie die folgende Abbildung zeigt, die wir auf Basis des jeweils letzten Tagesberichts aus Spanien und Deutschland erstellt haben (die Spanier stellen bessere und weitergehende Daten als das RKI zur Verfügung. Wundert sich noch jemand darüber?).

Es ist leicht zu erkennen, dass in Deutschland viel mehr junge und mittelalte Menschen positiv auf COVID-19 getestet werden als in Spanien. Im Gegensatz dazu ist der Anteil der alten Menschen, die in Spanien positiv getestet werden, viel höher.

Stellen Sie sich die Menge der SARS-CoV-2 Infizierten in beiden Ländern als einen Teich voller Fische vor, von denen keiner weiß, wie zahlreich sie sind. Um das herauszufinden, müsste man das Wasser im Teich ablassen. Das macht natürlich niemand. Vielmehr versucht man sich durch Fischen ein Bild zu verschaffen. In Deutschland werden vor allem junge, kleine Fische mit einem sehr engen Netz gefangen, sehr viele davon. In Spanien werden vor allem alte, große Fische mit entsprechend großen Netzen gefangen. Beide Länder können auf Grundlage ihrer Daten keinerlei Aussage über die Menge von Fischen im Teich machen, aber in Deutschland weiß man, dass viele kleine junge Fische im Teich sind, während man in Spanien weiß, dass viel große alte Fische im Teich sind.

Die unterschiedliche Fangtechnik wird da relevant, wo große alte Fische, die deutschen Fischern vergleichsweise selten ins Netz gehen, eine höhere Wahrscheinlichkeit als junge kleine Fische haben, an einen Virus, das alle gefangenen Fische auszeichnet, zu sterben.



Das Medianalter der in Spanien und in Deutschland Verstorbenen beträgt 82 Jahre. In der Gruppe der über 80jährigen haben Spanier proportional zu Deutschen rund 250% mehr Tests ausgeführt . Das kann die Tatsache, dass in Deutschland weniger Tote in der Statistik auftauchen, ein Stück weit erklären, denn wenn in der Gruppe mit der höchsten Mortalität wenig getestet wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit, ein genaues Bild über die Letalität von COVID-19 zu erhalten, entsprechend geringer.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass Deutschland in der Entwicklung Spanien hinterherhinkt.

Von der Infektion mit SARS-CoV-2 bis zur Genesung oder zum Tod vergehen bis zu 27 Tage. Vielleicht ist SARS-Cov-2 in Spanien viel länger endemisch als in Deutschland. In der folgenden Abbildung sind die kumulativen Anzahlen der Gestorbenen für Deutschland und Spanien abgetragen. Wie man sieht, ist COVID-19 in Deutschland mit viel weniger Toten verbunden als in Spanien, obwohl die Anzahl der positiv Getesteten in Deutschland nicht viel geringer ist als in Spanien.

Was also wäre, wenn Deutschland 14 Tage hinter Spanien zurück ist, was die Entwicklung von COVID-19 angeht? Dann ergäbe sich die folgende Abbildung.




Fakten zu SARS-CoV-2/COVID-19:




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