Die schlechten Ratschläge der “Behördenchefs”: (Süd-)Pfälzer Landräte gefährden ihre Bevölkerung

Was ist eigentlich die Qualifikation, die es Politdarstellern wie Armin Laschet oder “Behördenchefs” wie Fritz Brechtel, Dietmar Seefeldt oder Thomas Hirsch ermöglicht, Mitbürger darüber zu belehren, wie sie SARS-CoV-2 begegnen sollen?

Haben Sie sich mit dem Virus beschäftigt, die wissenschaftliche Literatur studiert?

Laschet ist ehemaliger Journalist, Brechtel, der Landrat des Landkreises Germersheim, als ehemaliger Student der Biologie und des Sports, vielleicht noch am besten von den genannten aufgestellt, hat zwar in Freilandökologie promoviert, aber seit 2001 wohl mehr Behördenmuff als Freilandluft geatmet. Seefeldt, Landrat der Südpfalz, hat zwar am renommierten Eduard-Spranger-Gymnasium in Landau (das auch hervorragende Blogger hervorgebracht hat) sein Abitur abgelegt und als Justitiar der Forstverwaltung in Neustadt a.d. Weinstraße schon einmal Bäume aus der Nähe gesehen, aber auch er ist nicht wirklich als Experte in Virologie bekannt. Und Thomas Hirsch, der Oberbürgermeister von Landau hat als Diplom Verwaltungswirt eine der Abteilungs-Hüpfer-Karrieren in Verwaltungen hinter sich, die schon beim Nachlesen die Langeweile ausarten lassen.



Dass es sich bei den Genannten nicht um Virologen oder Experten auf dem Gebiet der Bekämpfung von SARS-CoV-2 handelt, das schreiben wir nicht, um sie abzuwerten. Niemand erwartet spezifische oder überhaupt Kenntnisse zu SARS-CoV-2 von ausgerechnet Verwaltungsbeamten und Politdarstellern. Dass sich die Verwaltungsbeamten aber wie dies Politdarsteller Laschet, der Meister der Maskenbeherrschung, auch tut, aufschwingen, andere zu belehren, ohne diese Anderen darüber in Kenntnis zu setzen, dass sie nicht diejenigen sind, die das, was als Belehrung gemeint ist, recherchiert und geprüft haben, die sichergestellt haben, dass das, was sie behaupten, anderen raten nicht Quatsch, gefährlicher Quatsch ist, das werfen wir ihnen vor. 

Man hatte sich schon daran gewöhnt, dass aus Verwaltungen und von Politdarstellern Dinge zu vernehmen sind, die wirklich jeder Rationalität spotten. Denken Sie nur an die Behauptung, nach der es ein Gender Pay Gap gebe, eine Behauptung, der die meisten “Behördenchefs” und Politdarsteller aufgrund ihrer Vorurteile keinerlei Skepsis entgegen zu bringen, im Stande sind. Denken Sie an die erfundene Erzählung des menschengemachten Klimawandels. Wer von den Genannten kann zu diesen Themen mehr vorbringen als das, was ihm sein Referent in das Redemanuskript geschrieben hat?

Eine der größten Miseren westlicher Gesellschaften besteht darin, dass Meritokratie sich nicht mehr auf Kenntnis, Kompetenz oder Leistung bezieht, sondern zu einer rein auf die jeweilige Seilschaft bezogenen Praxis verkommen ist. Nicht mehr Kompetenz entscheidet darüber, wer Positionen besetzt, sondern das Parteibuch, die Ausdauer während der Buckeltour durch Parteigliederungen, lokal, regional und national. Im Ergebnis finden sich dann Politdarsteller, die Kobolde in Batterien vermuten, Strom im Leitungsnetz speichern wollen, davon faseln, dass sich die Inkubationszeit von COVID-19 innerhalb von fünf Tagen verdoppelt, die wirklich und ernsthaft von dem, worüber sie reden, keine, aber wirklich gar keine Ahnung haben.

Vor COVID-19 und SARS-CoV-2 war das lustig, nun ist es gefährlich.

So haben die beiden Landräte und der Oberbürgermeister aus der Pfalz sich in die Öffentlichkeit gestellt, um die neue Empfehlung des RKI, man möge nun doch Mundschutz tragen, zu verbreiten (ein Rat, den wir unseren Lesern seit Wochen geben). Neben den üblichen Trivialitäten von Händewaschen und Sicherheitsabstand findet sich dann die folgende Aussage mit Bezug auf “einfachen Mundschutz“:

“Schon ein einfacher Mund-Nasen-Schutz [also explizit keine Laschet-Maske] kann ausreichen, um Tröpfchen, die z.B. beim Husten oder Niesen ausgestoßen werden, abzufangen und damit den Nächsten nicht zu infizieren. “Es geht dabei vor allem um den Schutz der Personen in unserem Umfeld”, so die Landräte und der Oberbürgermeister [im Chor].”

Das ist nicht richtig, und es ist gefährlich.

Einfacher Mund-Nasen-Schutz, Baumwoll-Masken, selbst chirurgische Masken leisten das, was die Drei aus der Pfalz hier behaupten, nicht. 

Forscher aus Südkorea, wie üblich, sehr viele, um Seongman Bae, haben untersucht, ob Baumwoll- oder chirurgische Masken in der Lage sind, den Ausstoß von SARS-CoV-2 Viren in die Umwelt zu verhindern oder auch nur zu reduzieren. 

Um die Ergebnisse richtig gewichten zu können, muss man sich die folgenden Eigenschaften von SARS-CoV-2 in Erinnerung rufen:

  • Das Virus setzt sich im Rachen von Infizierten fest und startet dort in sehr kurzer Zeit eine Virenfabrik mit sehr hohem Output.
  • Die Virenlast ist zu Beginn einer COVID-19 Erkrankung am höchsten, 
  • d.h. Infizierte, die asymptomatisch sind oder erste Symptome zeigen, verbreiten die meisten Viren.


Bae et al (2020) haben vier Patienten in unterschiedlichen Stadien der Erkrankung an COVID-19 gebeten, je fünf Mal in eine Petrieschale, sowie unter einer Baumwoll- und einer Chrirurgischen Masken zu husten und dann die Virenlast, die sich an der Maske befunden hat, mit der Virenlast in der Petrieschale verglichen. Hier ist das Ergebnis:

Wie man sieht, sind keine der Masken, weder Baumwoll- noch Chirurgische Masken in der Lage, SARS-CoV-2 Viren, die ausgehustet werden, zurückzuhalten. Die Virenlast, die sich auf der Außenseite der Masken findet, ist in einem Fall sogar höher als die Virenlast, die ohne Maske ausgehustet wurde. Das Ergebnis ist nicht nur ein guter Beleg dafür, dass SARS-CoV-2 über Aerosole verbreitet wird, es ist auch ein Beleg dafür, dass Masken NICHT DAVOR SCHÜTZEN ANDERE MIT SARS-CoV-2 ZU INFIZIEREN. Sie sind Husten schutzlos ausgeliefert, was die Autoren auf zwei Ursachen zurückführen:

  • Zum einen sind die Partikel, die ausgehustet werden, offenkundig zu klein, um von der Maske, die für Partikel, die kleiner als 0.2 μm im Durchmesser sind, durchlässig sind, zurückgehalten zu werden. 
  • Zum anderen ist die Wucht, mit der SARS-CoV-2 Viren ausgehustet werden, für beide Arten von Masken offenkundig zu heftig. 

“In conclusion, both surgical and cotton masks seem to be ineffective in preventing the dissemination of SARS-CoV-2 from the coughs of patients with COVID-19 to the environment and external mask surface”.

Diese Information zeigt zum einen, dass der beste Schutz darin besteht, selbst eine Maske zu tragen, nach Möglichkeit eine N95-Maske, denn selbst wenn ein maskentragender Infizierter große Mengen SARS-CoV-2 aushustet, kann man sich durch Abstand und eine eigene N95-Maske schützen. Zum anderen zeigen die Ergebnisse, vor allem, wenn man sie in Verbindung zu der Aussage der Drei aus der Pfalz stellt, dass medizinische Atemschutzmasken, z.B. FFP-Masken, dem medizinischen und pflegerischen Personal “vorbehalten bleiben” müssten, dass es einmal mehr in Deutschland vor allem darum zu gehen scheint, den Mangel zu verwalten, der durch die Langschläfer in Ministerien und Behörden verursacht wurde, die eine Pandemie, die sich seit Januar 2020 mit einem Lattenzaun angekündigt hat, verschlafen haben. 

Dass “Fachpersonal” wie es im Beitrag des Pfalzexpress heißt, bevorzugt mit Masken ausgestattet werden muss, die zumindest ansatzweise wirksam vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützen können, ist eine Sache, dass deshalb gefährlicher Unsinn erzählt wird, ist dadurch aber nicht gerechtfertigt.


Bae, Seongman, Kim, Min-Chul, Kim, Je Yeun, Cha, Hye-Hee, Lim, Joon Seo, Jung, Jiwon, Kim, Min-Jae, Dong, Kyu Oh, Lee, Mi-Kyung, Choi, Seong-Ho, Sung, Minki, Hong, Sang-Bum, Chung, Jin-Won & Kim, Sung-Han (2020). Effectiveness of Surgical and Cotton Masks in Blockung SARS-CoV-2: A Controlled Comparison in 4 Patients. Annals of Internal Medicine.


Fakten zu SARS-CoV-2/COVID-19:




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