10.000.000 PCR-Tests pro Tag: Eine britische Strategie, den Lockdown zu beenden und weitere zu verhindern

Was vielleicht nicht jedem bewusst ist, deshalb schreiben wir es an dieser Stelle: Wenn langsam wieder die Normalität in das tägliche Leben einkehrt, soweit das mit Maskenpflicht (wo vorhanden) und Kontaktbeschränkungen möglich ist, werden auch langsam wieder die Fallzahlen der positiv (oder weniger langsam) auf COVID-19 Getesteten steigen. Die Frage, die sich mit diesem vorhersehbaren Wiederanstieg von positiv Getesteten und in der Folge Gestorbenen verbindet, ist: Ab wann muss wieder ein Lockdown erfolgen, um die Überlastung von Krankenhäusern und einen rapiden Anstieg der Todeszahlen zu verhindern?

Ein Lockdown, wie er derzeit in vielen Ländern zu finden ist, ist ein sehr krudes, wenngleich effizientes Mittel, um SARS-CoV-2 daran zu hindern, sich weiter zu verbreiten. Indes ist es kein Mittel, um SARS-CoV-2 auszurotten, und es ist, ein rustikales Mittel, das lokale Unterschiede plattbürstet, als wären sie nicht da.



Quelle

Generell ist in ländlichen Umgebungen die Gefahr, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren, geringer als in Städten. Insgesamt ist das Bild, das sich auf nationaler Ebene im Hinblick auf die Verbreitung von SARS-CoV-2 ergibt, ein sehr unterschiedliches, das sehr geringe Fallzahlen, wie wir sie bei uns in Carmarthenshire haben und sehr hohe Fallzahlen, wie es sie in London oder den West-Midlands gibt, nebeneinander existieren sieht. Diese Art der Gleichbehandlung ist nach Ansicht von Julian Peto, Professor für Epidemiology an der London School of Hygiene and Tropical Medicine und 32 Mitunterzeichnern eines Papers, das eine alternative Vorgehensweise gegen SARS-CoV-2 vorschlägt, nicht mehr vertretbar.

Ihr Vorschlag ist das, was man sich in Krisenzeiten immer erhofft: innovativ und daring (mutig). To dare is to do, wie man in Tottenham sagt.

Notwendig sind dazu:

  • 10.000.000 PCR-Tests auf SARS-CoV-2 pro Tag;
  • 14.000 PCR-Testmaschinen, die Tag und Nacht in Betrieb sind;
  • Ein Namensregister, in dem alle Bewohner eines Counties, einer Stadt oder eines Weilers verzeichnet sind;
  • Selbsttest-Kits bestehend aus Swabs und Transportbehältern für den Abstrich;
  • Die Logistik, um die Tests vor Ort einzusammeln und zum nächsten Testlabor zu bringen;
  • Eine Webpage, auf der die Tests quasi in Echtzeit veröffentlicht werden;
  • Eine gemeinsame Anstrengung privater Testlabore und der Labore, die sich in Krankenhäusern, an Universitäten usw. finden;

Was hier beschrieben ist, ist eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung, bei der alle zusammenarbeiten, um ein Virus in den Griff zu bekommen, ohne dass ein Lockdown des gesamten Landes erforderlich ist. Solche Anstrengungen werden in Britannien gemeinhin mit Bezug auf den “Dunkirk Spirit”, den man wohl nicht weiter erläutern muss, unternommen.

Die Idee, die so mutig wie herausfordernd ist, lautet: Massentests der gesamten Wohnbevölkerung der britischen Inseln – kontinuierlich, und wöchentlich für jeden.

Der Vorteil dieser Tests liegt auf der Hand:

  • Sie ergeben einen vollständigen Überblick über die aktuelle Infektionssituation auf den britischen Inseln;
  • Sie ergeben einen vollständigen Überblick über die Entwicklung der Infektionen;
  • Ein nationaler und alle umfassender Lockdown kann damit verhindert werden;
  • Ein Überrennen des NHS mit an COVID-19 Erkrankten wird weiterhin verhindert;
  • Die ökonomischen Konsequenzen können reduziert werden;
  • Für viele Briten kann die Normalität weitgehend zurückkehren;

Um diese Vorteile erreichen zu können, müssen jedoch Spielregeln eingehalten werden:

  • Maskenpflicht;
  • Konsequente Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten;
  • Wer positiv testet, der muss sofort in Quarantäne, gemeinsam mit allen, mit denen er Kontakt hatte;
  • Eine Haushaltsquarantäne wird genau dann aufgehoben, wenn alle Haushaltsmitglieder gleichzeitig negativ getestet wurden;
  • Maßnamen sozialer Distanz bleiben insofern in Kraft als Massenveranstaltungen und dergleichen nicht durchgeführt werden;
  • Wer nach Britannien einreist, muss in eine 14tägige Quarantäne;

Da die Massentests nach einer Phase des nationalen Lockdowns anlaufen, wird die Rate der Infizierten zunächst relativ gering sein, und es daher möglich werden, den Verlauf der Epidemie und vor allem die Steigerungsraten bei Infizierten genau zu beobachten, und zwar nahezu in Echzeit. Alle Maßnahmen, die getroffen werden müssen, z.B. wenn sich ein lokales Zentrum entwickelt, der Lockdown einer Region oder einer Stadt, können sich auf aktuelle Daten, die die IST-Situation wiederspiegeln, berufen.

Ich weiß nicht, wie diese Idee auf Sie wirkt, auf mich wirkt sie “scintillating”, brillant, erfrischend mutig und herausfordernd zugleich, wie ein großes britisches Experiment, von dem man noch in Jahrzehnten erzählen wird, dass man dabei war.

Bei den Unterzeichnern des Briefes, in dem diese Ideen beschrieben werden, und der den Namen trägt: “Stopping the lockdown and ending the epidemic by universal weekly testing as the exit strategy“, handelt es sich ausschließlich um Wissenschaftler, die sich seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten mit Epidemiologie und der Eindämmung von Epidemien befassen. Sie haben ihren Vorschlag an die Regierung, namentlich an Dominic Raab als derzeitigen Vertreter von Boris Johnson, den Gesundheitsminister Matt Hancock, die wissenschaftlichen Berater der Regierung und den neuen Vorsitzenden der Labour Party, Keir Starmer geschickt. 



Wir sind gespannt, wie es mit diesem Vorschlag weitergeht.

Noch ein Wort zu den PCR-Tests, für die regelmäßig behauptet wird, sie seien nicht zuverlässig. PCR-Test können ein falsches positives oder ein falsches negatives Ergebnis erbringen, letzteres dann, wenn die Virenlast gering ist, d.h. wenn ein zwar mit SARS-CoV-2 Infizierter eine geringe Wahrscheinlichkeit hat, das Virus zu verbreiten. Durch den wöchentlichen Test-Zyklus werden falsche positive Tests, die ohnehin relativ selten vorkommen, schnell korrigiert.




Fakten zu SARS-CoV-2/COVID-19:



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